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Monday, May 17, 2010

Wüstlinge

Daß ich kein großer Freund von Kunstzerstörung bin, hat sich - glaube ich - bei den Lesern mittlerweile herumgesprochen.

Verwirrte oder ideologisch fehlgeleitete Individuen, die sich mit Säure oder Hackebeilchen über ein Gemälde von Velázques oder Vermeer oder Rembrandt oder Picasso hermachen; Fliegerstaffeln, die malerische Städte in Staub verwandeln; Bilderstürmer, die Kirchen bis auf die kahlen Wände ihres Schmuckes entledigen; Revolutionäre, die all das vernichten, was in ihren Augen die Mächte symbolisiert, gegen welche man sich grade erhebt: All diese Leute haben bei mir keinen Stein im Brett.

Im Gegenteil: Ich mag sie eigentlich gar nicht leiden, weil sie in meinem Herz, welches immer gerne bereit ist, sich nicht nur für die Natur, sondern auch für die Schönheit der vom Menschen geschaffenen Dinge zu begeistern, auf der Haben-Seite ein großes Loch gerissen haben, welches ich ständig mit kleinen "Was wäre, wenn..."-Pflastern kitten muß.

Einen vorderen Rang auf meiner "Das hättet Ihr mal besser gelassen, Ihr Säcke!"-Liste nehmen die französischen Revolutionäre ein. Ihr wüstes Walten in der heißen Phase wurde in der klaren Ansage "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" zusammengefaßt. Und es waren ja nicht nur die Paläste. Klöster, Kirchen, Kathedralen, Denkmäler, Königsgräber, Statuen, Kirchensilber, Gobelins, Bücher, Urkunden, Gemälde, Mobiliar und alle Arten von Kunstwerken und Kunstschätzen waren dem Untergang geweiht, wenn sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort befanden. Und es gab für die Kunst kaum einen falscheren Ort und eine falschere Zeit als Frankreich zwischen 1789 und 1794.

Löste die Tatsache, daß Frankreich in dieser Zeit munter zur großflächigen Selbstverstümmelung schritt, bei mir schon immer nervöse Zuckungen oder Übelkeit aus, so vibrierte auf einer tieferen Ebene immer noch eine Art Verwunderung mit; ein innerliches Sich-an-den-Kopf-Packen aufgrund einer Doofheit, die sich aber nicht näher benennen ließ.

Bis jetzt.

Mir ist Ernst Steinmanns Manuskript "Der Kunstraub Napoleons" (herausgegeben von Yvonne Dohna) in die Hände gefallen. Im zweiten Kapitel, welches den schlichten Titel "Vandalismus" trägt, läßt der Autor es mir endlich wie Schuppen von den Augen fallen:
    Am 31. August 1794 trug Henri Grégoire, der mutige Bischof von Blois, dem Nationalkonvent den ersten seiner drei berühmten Berichte über den Vandalismus vor. In erschütternden Bildern enthüllte er – das Allerschlimmste noch verschleiernd – die entsetzlichen Verluste, die Frankreich in den ersten Jahren der Revolution an seinen köstlichsten Denkmälern erlitten hatte. Aber als erfahrener Menschenkenner suchte er seine Zuhörer nicht nur zu demütigen, sondern auch aufzurichten. Und so nahm er trotz der furchtbaren Zerstörungen, die überall das Auge beleidigten, mit kühnen Worten für sein Vaterland den Ruhm in Anspruch, Kunst und Künstler zu beschützen. Und was führte er als Grund für solche Behauptungen auf? "Wir sammeln jetzt die Denkmäler", so rief er aus, "selbst in den eroberten Ländern. Die Römer ließen in Sparta ein Fresko aussägen und schafften es nach Italien. Wir lassen in Belgien Bücher und Gemälde einpacken und Frankreich damit bereichern: Crayer, Van Dyck und Rubens sind auf dem Weg nach Paris. Die ganze Schar der flämischen Meister erhebt sich, um unsere Museen zu schmücken."

    ...

    Mit einem Wort: die Selbstverstümmelung, die Frankreich an sich begangen hatte, sollte durch Verstümmelung anderer Länder und anderer Völker wieder gut gemacht werden, und ein Mann wie Grégoire konnte den Glauben verkündigen, die Franzosen würden in der Welt ihren Ruf als Heiligtumsschänder und Zerstörer von Kunstdenkmälern zunichte machen, indem sie die Kunstwerke fremder Völker nach Frankreich schleppten.
Klar! Das war es, was mich immer so verstört hat: Erst wird Frankreich verwüstet und dann stattet man es wieder aus, indem man andere Länder verwüstet. Clever!

Und es ist ja nicht so, daß man sich damit entschuldigen könnte, die Zerstörungen in Frankreich seien die Folge eines spontanen Racheaktes des geknechteten Volkes gewesen, welches sich, als die Fesseln fielen, mal eben plündernd, verwüstend und brennend in die Residenzen der Unterdrücker warf. Die gesetzgebende Nationalversammlung und später der Konvent wußten sich mit dem Volk in ihrem Haß auf die Symbole der Vergangenheit geeint. Zwar ist es richtig, daß die Dekrete bzgl. der Denkmäler aus den Jahren 1790 bis 1794 widersprüchlich sind: Einige verbieten die Zerstörung von Kunstwerken, Andere fordern dazu auf. Doch ertens galten die Verbote eher dem einzelnen Bürger, der nicht planlos herumhacken sollte, und zweitens wurde im Regelfall eher im Sinne der Erlasse gehandelt, welche zur Zerstörung ermunterten.

So kam es, daß alles, was irgendwie an Königtum, Adel und Kirche erinnerte - nach dem Motto "Aus den Augen - aus dem Sinn" - zu verschwinden hatte. Allerdings verchwand damit auch das, was die Geschichte des französischen Volkes sichtbar darstellte. Steinmann beschreibt es so:
    Zerstörte, verkaufte und entweihte Klöster, verbrannte Urkunden und Adelsdiplome mit den Kunstschätzen der Kirchen auf Scheiterhaufen aufgetürmt, ausgeraubte Schlösser und Paläste, zertrüm- merte Königsstatuen und aufgebrochene Gräber – das waren die fürchterlichen Zeichen dieser Zeit! Es war als hätte die Hölle alle ihre Geister losgelassen, um Frankreich zugrunde zu richten. Der kühl überlegende Verstand und die maßlose Leidenschaft verbanden sich zu dem gleichen Zweck und Ziel. Während das Volk um die Scheiterhaufen raste, auf denen die Denkmäler der Vergangenheit in Flammen aufgingen, sandten die Lenker der Geschicke Frankreichs Architekten und Steinmetzen in die Gotteshäuser, um dort alles herunterzuschlagen, was den Anbetern des ‘Höchsten Wesens’ nicht geziemend erschien.
Der Autor schleppt sich über einige Seiten durch einen Gruselroman wilder Zerstörungen und resümiert dann:
    Wunderbare Ironie der Weltgeschichte! Nachdem sie im eigenen Lande alle Symbole und alle Denkmäler der Königsherrschaft zerstört hatten, haben die Franzosen unter ihren Siegestrophäen aus aller Herren Länder auch zwei eherne Fürstendenkmäler nach Paris geschleppt. Aus Aachen führten sie schon im Jahr 1794 die Statue Karls des Großen fort, die man dort heute wieder auf dem Marktbrunnen sieht; aus Brüssel brachten sie das Reiterdenkmal des Prinzen Karl Alexander von Lothringen von Verschaffelt nach Paris.
Und diese Ironie nimmt zwerchfellerschütternde Ausmaße an, wenn man in den restlichen Kapiteln des Buches miterlebt, wie die siegreich durch Europa ziehende Franzosenarmee sämtliche eroberten Gebiete ihrer vornehmsten Schätze beraubt, um damit die Löcher zu stopfen, die man vorher daheim gerissen hatte. Selbstverständlich gelang dies nur mit den beweglichen Kunstgegenständen. Unzählige französische Schlösser und Kathedralen waren für immer verloren. War es Neid oder konsequentes Umsetzen des Programmes, daß daher auch in Belgien, in den Niederlanden und den diversen besetzten deutschen Fürstentümern sowohl Kirchen als auch und vor allem Schlösser und Paläste von Erdboden verschwinden mußten?

Es war natürlich ein deppertes Unding, anzunehmen, man könne das Gedächtnis eines Volkes umprogrammieren, wenn man alles, was die Geschichte dieses Volkes darstellt, vernichtet. Noch tumber war der Versuch, auf den Trümmern der katholischen Kirche und Religion den Kult der Vernunft und des Höchsten Wesens quasi über Nacht als Ersatz zu errichten. So haben leider die Wüstlinge in ihrem Übereifer ihrem eigenen Land unemeßlichen Schaden zugefügt und jedem kunstverständigen Menschen die Berechtigung zu einem satten Griff an die Stirne geliefert.

In diesem Sinne:

Saturday, May 15, 2010

** lach! **


Dieser Herr ist Antolin Lopez Pelaez. Er war von 1913 bis 1918 Erzbischof von Tarragona in Spanien und war für seinen Arbeitseifer, seinen Sanftmut und seine große Geduld bekannt.

Ich stelle den Bischof hier vor, weil ich eine wunderbare Anekdote gelesen habe, von welcher das schöne italienische Sprichwort gilt: "se non è vero è ben trovato" (Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut gefunden).

Der Bischof ließ sich einmal portaitieren, offenbar ohne sich vorher über die Fähigkeiten des Künstlers genau informiert zu haben. Das Ergebnis war ein einigermaßen schreckliches Gemälde. Der Maler bat nun den Prälaten, seine Unterschrift und ein Bibelzitat an den unteren Bildrand zu setzen. So schrieb Erzbischof Antolin:
    "Fürchtet Euch nicht! Ich bin es! (Joh 6,20)
    Antolin"
Wie gesagt: Das kann stimmen oder auch nicht, und vielleicht sind sogar ähnliche Geschichten über ander Bischöfe unterwegs. Mich hat die Geschichte aber doch reichlich amüsiert.

Thursday, March 11, 2010

So neu...

... sind unsere Sorgen wirklich nicht:
    "Gegenwärtig sähen viele nur zu gerne diese Gesetze (die Scheidungsgesetzte, welche Frankreich während der Revolution einführte) wieder in Kraft gesetzt, denn sie wünschen, daß Gott und Seine Kirche aus der Mitte der menschlichen Gesellscahft ganz vertrieben und ausgeschlossen werden. Verrückterweise meinen sie, daß in solchen Gesetzen ein endgültiges Heilmittel gesucht werden muß gegen die moralische Korruption, die mit großen Schritten vorwärtseilt."
Papst Leo XIII in der Enzyklika Arcanum divinae sapientiae - Über die christliche Ehe aus dem Jahre 1880.

Wednesday, March 03, 2010

Der Scopes-Prozeß

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte eine sich selbst als "Fundamentalismus" bezeichnende Bewegung in den USA erheblichen Einfluß erlangt. Diese Bewegung lehnte die Evolutionstheorie strikt ab und vertrat die Ansicht, daß die Bibel bezüglich der Schöpfung wörtlich zu verstehen sei. Der Einfluß der Bewegung reichte weit genug, daß in den Bundesstaaten Florida, Oklahoma und Tennessee Gesetze erlassen wurden, die das Unterrichten von der biblischen Schöpfungstheorie abweichender Auffassungen an öffentlichen Schulen untersagten. Das am 13. März 1925 in Tennessee erlassene Gesetz (Butler Act) war dabei das einzige, welches eine strafrechtliche Bestimmung enthielt. Die American Civil Liberties Union (ACLU) bot an, die Prozeßkosten für jeden zu übernehmen, der aufgrund dieses Gesetzes angeklagt würde.

Eine Gruppe von Geschäftsleuten aus Dayton (Tennessee) hielt einen Prozeß in dieser Sache für geeignet, ihre Stadt bekannter zu machen. Sie überredeten den Biologielehrer John T. Scopes, sich wegen dieses Gesetzes anklagen zu lassen. Scopes unterrichtete im April 1925 auf Grund des vom Staate Tennessee nicht untersagten Lehrbuches "Civic Biology" von Hunter in einer Unterrichtsstunde an der Rhea County High School die Evolutionstheorie. Ein eingeweihter Bürger erstattete daraufhin Anzeige.

Soweit die Vorgeschichte, die ich aus Faulheit aus dem Wiki-Artikel gemopst habe.

Die ursprüngliche Absicht der ACLU war es, eine landesweite Debatte über die konstitutionellen Rechte der Amerikaner anzustoßen und das Tennessee-Gesetz letztlich kraft des Gebotes zum Schutz der akademischen Freiheit, der Meinung-, Gedanken- und Religionsfreiheit als ungültig erklären zu lassen. All diese Aspekte wurden aber vernebelt, da die beiden Hauptgegner im Prozeß, der "fundamentalistische" Politiker William Jennings Bryan und der "agnostische"Anwalt Clarence Darrow sich eine wilde Gladiatoren-Schlacht lieferten, an deren Ende Darrow Bryan als Bibelexperten in den Zeugenstand rief. Dieses Kreuzverhör, in dem Bryan über Aussagen der Bibel und zum Alter der Erde vernommen wurde und sich in Widersprüche verstrickte, verlief so heftig, daß Darrow wegen Mißachtung des Gerichts verurteilt wurde. Das Kreuzverhör wurde zum Höhepunkt des Prozesses und zur bekanntesten Szene des 1960 gedrehten Films "Inherit the Wind" (Wer den Wind sät), der die ganze Geschichte wiedergibt.

Der (in der Wahl seiner stilistischen Mitten und in der dichterischen Freiheit leicht voreingenommene) Film hält sich insofern genau an die Realität, als daß man so gut wie nie das Gefühl hat, hier ginge es um etwas anderes als den Kampf zwischen Darwinisten und bibeltreuen Christen.

Scopes wurde übrigens zu $100 Strafe verurteilt, später jedoch vom Obersten Gericht von Tennessee wegen eines Formfehlers freigesprochen. Die Strafe gegen Darrow wegen Mißachtung wurde ebenfalls nach einer Entschuldigung erlassen.

Der Staat Tennesse hob 1967 den Butler-Act auf, und ein Jahr später entschied der Supreme Court in Epperson gegen Arkansas ebenfalls gegen ein Anti-Evolutionsgesetz.


Warum ezähle ich das alles?

Die Frage, die sich aufdrängt, ist, warum heute Krankenschwestern oder Flughafenangestellten, die einen Kreuzanhänger tragen, die Entlassung droht? Hatten die Macher des Films einen lichten Moment, als sie - bewußt oder unbewußt - den Prozeßverlauf richtig interpretierten und es so wirken ließen, als ginge es nicht um die Freiheit, sondern nur um das aktuell vorherrschende Übergewicht in der Gesellschaft, welches es erlaubt, die eigentlich geforderten Freiheiten zu unterdrücken?

Ich meine, das Kreuz als Anhänger ist nichts weiter als ein Zeichen, eine Realität, die, wenn wahrgenommen, auf eine andere Realität hinweist. Und diese andere Realität kann für den Betrachter des Zeichens Gott sein, oder die durch Christus erwirkte Erlösung, oder das Christentum selbst oder gar die katholische Religion. All diesen Dingen mag man mit Zu- oder Abneigung begegnen. Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, daß das Zeichen, welches auf die andere Realität verweist, kein Instrument der Gehirnwäsche ist. Denn wieviel Menschen gibt es, die einen Kreuzanhänger erblicken und darauf hin aufspringen und ausrufen: "Ich muß mich taufen lassen! Jetzt!"? Funktionierte der Mensch so, dann müßten ja - angesichts von Che-T-Shirts und Mao-Ansteckern (Zeichen) - vor den Parteizentralen der kommunistischen oder sozialistischen Parteien Schlangen von Menschen stehen, die sich als Mitglieder einschreiben wollen. Funktionierte der Mensch so, dann müßten doch - angesichts einmal im Jahr durch europäische Großstädte paradierender Regenbogen-Fahnen und halb-entblößter Hinterteile (Zeichen) - sich bestimmte Bars und Discos eines monströsen Umsatzwachstums erfreuen.

Nein, ich glaube nicht, daß der Mensch so steuerbar ist. Daher verweigere ich niemandem sein Che-Hemd und wünschte mir von Gay-Pride-Paraden höchstens, daß sie manchmal ein wenig "anständiger" daherkämen. Keinesfalls aber will ich diese Form des Ausdrucks des eigenen Lebensgefühls schnöde und gewaltsam unterdrückt wissen.

Ist es müßig, die Frage zu stellen, warum der privaten Entscheidung, ein Kreuz als Anhänger zu tragen, nicht derselbe Respekt entgegengebracht wird? Lautet die schlichte Antwort tatsächlich "Du bist fundamentalistisch und ich bin aufgeklärt! Hier geht's gar nicht um Freiheit, und wenn doch, dann ist meine Freiheit freier als deine!"?

Sunday, January 24, 2010

"Die Macht war im Tuch!"

Turin, 11. April 1997, kurz vor Mitternacht: Francesco Barbero, Priester an der Kathedrale von Turin, meldet bei der Feuerwehr einen Brand in der Guarini-Kappelle. Die Feuerwehr reagiert schnell. Ein Brandbekämpfer, Mario Trematore, schnappt sich einen Vorschlaghammer und rennt hinein, um das Garbtuch zu retten. Dieses wurde in dieser Nacht nicht an seinem angestammten Platz in der Kappelle aufbewahrt (was wohl zu seiner Vernichtung geführt hätte), sondern an einem anderen Platz in der Kathedrale, versiegelt in einer Silbertruhe hinter 4 cm dickem Panzerglas.

Trematore leistet die Vorarbeit und hämmert so lange auf das Glas ein, bis es Risse zeigt und erste Spliter fliegen. Nachrückende Feuerwehrmänner erledigen mit dick behandschuhten Händen den Rest. Zwar bestand um das Grabtuch herum keine direkte Gefahr durch Feuer, aber wie man an dem Bild sehen kann, begann es bereits Glas und vor allem Gestein aus der Kuppel zu regenen. Um 1:36 wurde die Silbertruhe unter dem Applaus der herbeigeilten Turiner aus der Kathedrale getragen. Die Feuerwehr bekam den Brand gegen 4:30 unter Kontrolle.

Erste Bestandsaufnahmen ergaben später, daß nicht nur die Kathedrale großen Schaden erlitten hatte, sondern daß auch im angrenzenden Königspalast das Feuer unter antiken Möbeln und Kunstgegenständen gewütet und immensen Schaden angerichtet hatte.

Auf seine Coolness und Tapferkeit angesprochen sagte Trematore später: "Kugelsicheres Glas kann Kugeln aufhalten, aber nicht die Kraft der Werte, welche die hinter ihm aufbewahrten Symbole vermittelt. Nur mit einem Hammer und unseren [zu diesem Zeitpunkt blutenden] Händen haben wir das Glas zerbrochen. Das ist außergewöhnlich!"

Und noch ein schönes Zitat wird überliefert: "Die Macht war im Tuch!"

Wer sich von dieser Macht selbst überzeugen will, der hat nun zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 Gelegenheit, dies zu tun: Das Turiner Grabtuch wird vom 10. April bis zum 26. Mai in der Kathedrale von Turin wieder zu sehen sein.

Tuesday, January 12, 2010

Da wir ja nun in den 10ern Leben...

... Elsa und ich uns aber immer noch unsere schönen, erinnerungsschweren 80er Schlachten liefern, gönne ich mir jetzt einfach mal einen Rückblick auf mein wildestes Jahrzehnt, in dem es auch - aber nicht nur - musikalisch zugeht.

Das waren [für mich] die Achtziger-Jahre:

Musik:

Die wichtigsten/prägendsten Bands, mit denen ich groß wurde, waren...

Depeche Mode: Eine der ersten Bands bei denen ich ausflippte und dachte 'Monophoner Synthie und Gel im Haar! Das will ich auch!'


Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD): Etwas erwachsener als DM, was vielleicht auch an den in den 80ern für New Wave Bands eine Zeit lang obligatorischen schmalen Krawatten liegen mag.


ABC: Das war schon eher richtige Musik, was die machten, so mit Bläsern und Streichern und einer richtig tollen Stimme.


The Smiths: Hier änderte sich meine Welt zum ersten Mal. Die Art und Weise, wie Johnny Marr eine Gitarren-Pop-Perle nach der anderen scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelte und Morrissey dazu entweder witzige oder aufmüpfige oder ergreifende oder böse Texte sang, das war dem kleinen Alipius schon einen halben Herzstillstand wert. Der Soundtrack für alle mißverstandenen und rebellischen Teenies, die nicht gleich mit Sicherheitsnadel im Ohr im U-Bahn-Schacht schlafen wollten.


The Cure: Es wird finster und dann doch wieder nicht. Ich habe bis heute nicht die geringste Ahnung, wie The Cure es jemals in die "Goth"-Ecke schafften. Gut, sie haben Pornography veröffentlicht, das mit Abstand düsterste Album, das ich besitze. Aber der Rest ist doch schlicht Pop?! The Walk, The Lovecats, Friday I'm in Love, Just like Heaven, Why can't I be You etc... Das sind doch Songs, wie sie ungotischer kaum sein können. Egal, The Cure waren für mich jedenfalls über einige Jahre hinweg die unbestrittene Nummer eins, und wehe der Herr Alipius verpaßte ein Konzert oder kaufte sich die neue LP nicht an dem Tag, an dem sie auch in die Läden kam. Es ging soweit, daß ich für circa ein Jahr sogar dem Robert Smith Lookalike Club beitrat.


And also the Trees: Über The Cure kam ich dann auf die Trees, die - wie aufmerksame Blogleser wissen - für mich mittlerweile die einzige Band sind. Klar, ich höre immer noch allenmöglichen Kram, auch 80er, aber wer mich nach meiner Lieblingsband fragt, der bekommt wie aus der Pistole geschossen zu hören: "And also the Trees". Die Jungs waren anfangs ein wenig Goth, kriegten dann aber schnell die Kurve zu ihrem ureigenen Stil und machen heute Mucke, die sich nicht unbedingt jedermann sofort erschließt, die aber dafür auch nach Jahren immer noch eigenständig und einfach gut klingt.


Kino:

Einige der Filme, die mich während der 80er so richtig vom Hocker rissen:

Wenn Ihr im Lexikon unter "Unterhaltungskino, perfektes" nachschaut, findet Ihr dort einen Eintrag, nämlich "Jäger des verlorenen Schatzes".


Die "Ghostbusters" hatten es mir natürlich auch angetan, denn sie waren witzig und retteten gleichzeitig die Welt. Mehr kann man nicht verlangen.


So cool muß man erst einmal sein: Man macht nicht nur einen Tag blau, sondern plant das Ganze auch noch so perfekt, daß am Ende die Freundin gesichert und der Freund unterm Pantoffel seines Vaters herborgekrochen ist. Ferris macht's möglich, denn "Ferris macht blau"


Die Mutter aller "Und das waren's nur noch Neun" Filme. die Art und Weise, Bruce "Coole Sau" Willis in "Die Hard" einen Schurken nach dem anderen aus dem Weg räumt ist zwar nicht immer sanft, aber sehr unterhaltsam und ultralässig.


Hach (** seufz **), die Teenie-Filme. Keiner war besser als der "Breakfast Club". Die etwas unglaubwürdige Prämisse führte nach viel Gelächter und ein wenig Schmalz zu der Erkenntnis, daß wir doch zumindest an der High School irgendwie alle gleich sind.


Nicht überall, wo Monty Python draufsteht, ist auch Monty Python drin, wie Terry Gilliam mit "Brazil" bewies. Klar, der Film hat kreischend komische Momente, aber insgesamt läßt diese Satire, die sowohl die Bürokratie als auch die funktionsgestörte moderne Welt aufs Korn nimmt, einen doch auch mit einem schalen Gefühl im Magen zurück. Ein Spitzenfilm ist's aber trotzdem.


James Bond hat mich natürlich auch schwer beeindruckt. In den 80ern wurde er verkörpert von Roger Moore und Timothy Dalton. Erstmal: Mein Bond ist und bleibt Sean Connery. Ich habe aber nie verstanden, warum die meisten meiner Bekannten den Dalton als Bond so unakzeptabel fanden. Mir war er lieber als Roger Moore, um ehrlich zusein. Klar, er hatte dessen augenzwinkernde "Mit einem Martini in der Hand und einem Babe auf dem Schoß mal eben die Welt retten"-Art gegen ziemlich humorfreie Reinigungsfeldzüge eingetauscht. Aber er brachte das alles sehr glaubwürdig rüber und wirkte für mich auch geziemend cool und nicht so zappelfillipig wie Moore. Ist aber wohl Geschmackssaache.


Der ideale Film, um danach erst einmal betroffen 20 Minuten im Kinosaal sitzen zu bleiben und dann mit Freunden bei Milchkaffe und Marlboro darüber zu diskutieren, Du. Nee, ist schon ein Klasse-Streifen. Matthew Modine und Nicolas Cage spielen sehr intensiv und lassen die Geschichte um einen leicht verwirrten- Vogel- und Flug-Besessenen Vietnam-Rückkehrer so richtig unter die Haut gehen.


Fernsehen:

Was die Glotze so hergab in den 80ern...

Hui, war ich gespannt, als Frank Elstner zum ersten Mal "Wetten, daß...?" moderierte. Und ich wurde nicht enttäuscht. So richtig Fahrt nahm die Sache dann auf, als Thomas Gottschalk seine damals noch reichlich unverbraucht wirkende, flapsig-lockere Art in den Pott warf.


Und nochmal Bruce Willis, diesmal mit Cybill Shepherd. "Das Model und Der Schnüffler" ist zwar eine bescheuerte Übersetzung des Originaltitels "Moonlighting", aber wer beklagt sich. Dafür war die Serieso wunderbar abgedreht, schrill und selbstreferentiell.


Zu "Magnum" muß ich, glaub ich, nicht viel sagen. Beste Feierabend-Unterhaltung.


Das Hirn, der Irre, der Playboy und der Muskel: Das "A-Team"! Kinder, wie bekloppt war das denn? Und dennoch: Ich hab die Jungs geliebt!


"Einmal Pizza bitte. Mit allem!" Der massentauglichste Außerirdische aller Zeiten (knüffiger und harmloser als ET, witziger als Mork) hatte es mir sehr angetan. Wer denkt, Katzen oder Schwiegermütter seien als Mitbewohner kompliziert, der versuche es mal einen Tag lang mit "Alf".


Spät in den 80ern wurde es dann auch Science Fiction-mäßig nochmal interessant. "The Next Generation" lud zum Mitfliegen ein und lieferte alles, was der "Star Treck"-Fan erwartete.


Essen:

Was mein Magen in den 80ern so alles aushielt:

Pizza, klar.


Die gute alte Curry-Kombi!


Der Chinese zum Mitnehmen hat seine Sachen zwar nie so schön verpackt, wie sie es in den USofA tun, aber geschmeckt hat's trotzdem.


Ich war ja hauptsächlich Kunde bei McDonald's, weil ich nur EINMAL in meinem Leben einen BigMac auspacken wollte, der so aussieht. Aber Pustekuchen.


Stil:

Die Klamotten, die den Bub machten.

Los ging's als Popper...


... dann kam so ein wenig New Wave dazu, so mit spitzeren Schuhen und Bundfaltenhose...


... und dann gab's die Goth-Phase, aber glücklicherweise bedeutend weniger lebensbedrohlich als hier auf dem Photo.


Themen:

Was mich so bewegte in den 80ern.

Zwei Dinge sind mir besonders in Erinnerung, nämlich einmal der losbrechende Öko-Kult...


... und dann die Angst vor der Bombe.


Huch, das ist jetzt aber ein langes Posting geworden. Hätte vielleicht eine Serie daraus machen sollen. Naja, zu spät.

Wednesday, December 16, 2009

Katholisches Eye-Candy...



... von anno dazumal. Wie die es geschafft haben, den Heiligen Vater Pius XII mitsamt Sedia Gestatoria, Flabella, Cappella Musicale Pontificia, Kardinälen in Cappa Magna, Hofstaat und Fernsehteam in die Kirche Santa Maria sopra Minerva zu kriegen (und dabei noch Platz für die Gläubigen zu lassen), ist mir schleierhaft. Aber die Frage ist nun auch echt zweitrangig.

Zurücklehnen und knapp zehn Minuten finstersten Mittelalters genießen!

Monday, November 09, 2009

Was am 9. November sonst noch geschah...

324: Papst Silvester I. weiht die von Kaiser Konstantin erbaute Lateranbasilika ein

1313: In der Schlacht von Gammelsdorf setzt sich der spätere Kaiser Ludwig der Bayer gegen seinen Vetter Friedrich den Schönen durch und erhält damit die Vormundschaft über die jugendlichen Herzöge von Niederbayern

1620: Der böhmische König Friedrich I. flieht nach der Niederlage seiner Truppen in der Schlacht am Weißen Berg am Tag zuvor aus Prag nach Breslau

1732: Alfonso Maria de Liguori, der später zum Kirchenlehrer erhobene italienische Priester, gründet in Scala die Kongregation des Heiligsten Erlösers und damit die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen. Am Wiener Hoftheater findet die Uraufführung der Oper Adriano in Siria von Antonio Caldara statt

1799: Am 18. Brumaire VIII führt Napoléon Bonaparte mit Unterstützung seines Bruders Lucien einen Staatsstreich durch und beendet damit offiziell die Französische Revolution. Die Mitglieder des Direktoriums treten entweder zurück oder werden abgesetzt und verhaftet

1802: Alexander von Humboldt beobachtet in der peruanischen Hafenstadt Callao einen Merkurtransit

1843: Das Thalia Theater, Hamburgs ältestes Theater, wird gegründet

1848: Robert Blum, linksliberaler Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, wird nach der Niederschlagung des Oktoberaufstands von Wien im Rahmen der Märzrevolution unter Missachtung seiner Abgeordnetenimmunität von einem Hinrichtungskommando erschossen

1872: In Boston bricht ein Großbrand aus, der im Laufe der Nacht nahezu die gesamte Bostoner Innenstadt zerstört. Mindestens 20 Menschen kommen ums Leben, der Schaden beträgt rund 73 Millionen US-Dollar

1881: Das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms, eines der längsten bis dahin komponierten Konzerte, wird in Budapest uraufgeführt

1888: Jack the Ripper ermordet in Whitechapel mit Mary Jane Kelly sein fünftes und wahrscheinlich letztes Opfer

1897: In Köln wird die Gründung des Charitasverbandes für das katholische Deutschland vollzogen

1907: Als Zeichen des Dankes und der Wertschätzung der Kolonie Transvaal in Südafrika, der kurz zuvor die innere Selbstverwaltung zugestanden worden war, wird dem britischen König Eduard VII. anlässlich seines 66. Geburtstag der 3106 Karat schwere Rohdiamant Cullinan überreicht

1918: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gründen in Berlin die Zeitung Die Rote Fahne als Organ des Spartakusbundes

1926: An der Dresdner Staatsoper findet die Uraufführung von Paul Hindemiths Oper Cardillac unter der musikalischen Leitung von Fritz Busch statt. Die Oper mit dem Libretto von Ferdinand Lion nach der Novelle Das Fräulein von Scuderi von E. T. A. Hoffmann mit Robert Burg in der Hauptrolle wird von der Kritik verrissen

1930: In Düsseldorf wird Manfred Gurlitts Oper Soldaten uraufgeführt

1932: Bei den Unruhen von Genf 1932 erschießen Soldaten der Schweizer Armee dreizehn Demonstrierende bei einer antifaschistischen Kundgebung und verletzen sechzig schwer

1937: Die Schlacht um Shanghai gewinnen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg die japanischen Invasionstruppen und erlangen damit die Herrschaft über die eroberte chinesische Hafenstadt

1944: Otto Hahn wird der Nobelpreis für Chemie zuerkannt

1953: In Kassel wird die erste Fußgängerzone in Deutschland eröffnet

1955: Das deutsche Bundesverfassungsgericht urteilt, dass in Deutschland lebende Österreicher, die mit dem Anschluss 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft bekamen, diese mit der Souveränität Österreichs wieder verloren haben

1956: In Bangkok wird dem Hindu-Gott Brahma der Erawan-Schrein geweiht, um eine Serie von Unglücksfällen beim Bau eines Hotels zu beenden

1963: Eine Kohlenstaubexplosion im Mitsui Miiki-Bergwerk in Ōmuta kostet 458 Menschen das Leben, 555 werden in der schwersten Bergwerkskatastrophe nach dem Krieg in Japan verletzt

1965: Durch ein defektes Relais in Ontario fällt im Nordosten der USA und in vielen Teilen Kanadas der Strom aus. Etwa 30 Millionen Menschen sind davon betroffen

1967: Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Rektors der Hamburger Universität entfalten Studenten ein Transparent mit dem Spruch Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren, der zum Symbol der 68er-Bewegung werden wird. In den USA erscheint die erste Ausgabe der Musikzeitschrift Rolling Stone.

1969: Die linksradikale Organisation Tupamaros West-Berlin platziert eine Bombe im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin. Die Bombe explodiert jedoch nicht

1974: Nach 58 Tagen Hungerstreik stirbt RAF-Mitglied Holger Meins in der Justizvollzugsanstalt Wittlich

1977: Mitglieder der Bewegung 2. Juni unter der Führung von Thomas Gratt entführen in Wien den Industriellen Walter Palmers, Leiter der Palmers Textil AG, um Geld für die Stadtguerilla zu beschaffen

1982: Die zuvor per Volksabstimmung gebilligte neue türkische Verfassung tritt in Kraft; der durch den Militärputsch 1980 an die Macht gekommene General Kenan Evren wird für eine 7-Jahres-Periode Staatspräsident

1983: In Amsterdam werden der Vorstandschef der Brauerei Heineken, Alfred Heineken, und sein Fahrer entführt. Die Täter erpressen Lösegeld. Nach dreiwöchiger Gefangenschaft kann die Polizei in der Folge die beiden Männer befreien

1985: Der Russe Garri Kasparow wird der dreizehnte und bis dahin jüngste Weltmeister der Schachgeschichte, in Moskau besiegt er in einem Wettkampf über 24 Partien Titelverteidiger Anatoli Karpow

1990: Erst auf massiven Druck aus dem Ausland erfolgt in Nepal die Einführung einer demokratischen Verfassung durch König Birendra

1991: In der Forschungsanlage Joint European Torus (JET) wird der erste nennenswerte Erfolg bei der Energieerzeugung mittels Kernfusion erzielt. Für zwei Sekunden wird ein energielieferndes Plasma hergestellt

1992: Der 1990 von den Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Paktes unterzeichnete Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) tritt in Kraft

1993: Die 1566 erbaute Stari most (dt.: Alte Brücke), das Wahrzeichen der Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina, stürzt nach andauerndem Beschuss durch die kroatische Armee ein

1999: Das Landgericht Essen verurteilt vier deutsche Hooligans wegen des brutalen Überfalls auf den französischen Gendarmen Daniel Nivel während der Fußballweltmeisterschaft 1998 zu Haftstrafen von dreieinhalb bis zehn Jahren

2001: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschließt der Deutsche Bundestag das Anti-Terror-Paket, in dem unter anderem das Religionsprivileg im Vereinsrecht abgeschafft wird, um das Verbot radikaler, vor allem islamistischer Gemeinschaften zu ermöglichen

2007: Der Deutsche Bundestag verabschiedet mit 366 zu 156 Stimmen (bei zwei Enthaltungen) das umstrittene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung

Sunday, November 01, 2009

Die Villa Albani

Heute, am Hochfest Allerheiligen, habe ich mich bei Allerheiligen-Wetter (azurne Wolkenlosigkeit) auf den Weg zur Villa Albani gemacht. Diese wurde zwischen 1745 und 1763 von Alessandro Albani, Kardinal und Neffe Papst Klemens XI., erbaut. Also nicht von ihm persönlich, sondern vom Architekten Carlo Marchionni und einem Haufen von Arbeitern. Alessandro Albani stand am Anfang einer militärischen Karriere, als sein Onkel ihm nahelegte, wegen seiner Sehschwäche (welche im Alter dann beinahe zur Blindheit führte) doch lieber Kardinal zu werden. Und wenn der Onkel Papst ist und sagt "Komm, werd' doch Kardinal!", wer sagt da schon "Och, nö Du. Laß' mal!" (vor allem, wenn wir uns im 18. Jahrhundert befinden). Also empfing Alessandro im zarten Alter von 29 Jahren den roten Hut, was ihm eines der Rekord-Kardinalate in der Geschichte einbrachte: 58 Jahre!

Weltlich war er wohl, der Alessandro, allerdinge auch ein anständiger Diplomat und vor allem einer der scharfsinnigsten Antiquitäten-Kenner seiner Zeit. Er war außerdem ein schönes Beispiel dafür, daß es nicht immer um das tumbe "Haben" sondern oft eher um das geschickte "Erlangen, Bewundern und Weiterreichen" ging, fand seine gewaltige Antikensammlung sich doch steter Veränderung unterworfen, da der Kardinal mal besonders schöne Stücke als Geschenk springen ließ oder sie auch mal verkaufte, um Geld für Neuerwerbungen zu haben, die dann wieder für geraume Zeit bewundert wurden, bis sie einen anderen dankbaren Empfänger fanden. Jedenfalls mußte irgendwann ein Bau her, der die nicht eben ungewaltige Sammlung des Kardinals aufnehmen konnte. So entstand also die Villa Albani (zu deren Geschichte es gleich noch ein paar Zeilen gibt).

Ich wollte mir dieses sagenumwobene Prachtstück schon lange einmal von Nahem betrachten und wünsche mir nun, ich hätte mich vorher ein wenig mehr über ihren heutigen Status informiert. Denn wie es scheint ist die Villa immer noch in Privatbesitz und daher nicht zugänglich. Nach dem Franzosensturm fiel die Villa erst an die Chigi und dann an die Torlonia, eine Bankiers-Sippe, welche im 19. Jahrhundert offenbar alle anderen römischen Familien in puncto Reichtum in den Schatten stellte. Denen gehört die Villa auch heute noch.

Also sitzt der Herr Alipius jetzt 3 Stunden, 3 Doppio Macchiato und gefühlte 80 Kilometer später vor seinem Laptop und kann so gar nicht mit schicken Photos protzen. Es gibt daher jetzt leider nur die Appetit-Häppchen, die ich durch diverse Gitter oder aus einiger Entfernung aufnehmen konnte:

Dies ist eines der diversen Tore, welche auf das Grundstück der Villa Albani führen. Es liegt an der Ecke der Via Salaria und der Via di Villa Albani. Wie man sieht, macht die sprühende Gosse Roms auch vor Monumenten dieser Art nicht halt. Wer auch immer der Meinung war, diese Graffiti werten den Anblick irgendwie auf, tickt sehr verkehrt.


Dies ist ein kleines, am Anfang des Parkes der Villa gegenüberliegendes Gebäude. Wahrscheinlich war es gleichzeitig Hausmeisterei, Paßkontrolle und Besucherempfang (oder auch nichts von all dem).


Hier ist dasselbe Gebäude von vorne zu sehen. Man erkennt hier einigermaßen, wie sich der Großstadt-Moloch im Laufe der Jahrhunderte an die einst eher außerstädtisch gelegene Villa herangewuchert hat.


Ich habe dieses Photo durch ein Gitter hindurch geschossen. Hier gab's mahr zu Hören als zu Sehen, zwitscherten mir doch aus den Bäumen gut ein halbes Dutzend verschiedenster Vogelstimmen entgegen.


Ein Photo von der Rückseite des Parks. Dies könnte die eigentliche Villa sein, wenn meine Straßenkarte einigermaßen stimmt. Mehr als das war aber von dem Bau tatsächlich während der Runde, welche ich um den Park drehte, nicht zu sehen. Schade.


Heute ist die Villa wie gesagt in Privatbesitz, was ich ja eigentlich nicht so schlecht finde. Mich wurmt's immer ein wenig, wenn in Bauten, die eigentlich einer einzigen Familie reichlich Auslauf bieten sollten, plötzlich - wie im Zentrum Roms - tausende von Büros oder gar Geschäften untergebracht sind, oder wenn Turisten-Tsunamis durch die zu Museums-Stückchen degradierten Gemächer spülen. Da ist's mir persönlich lieber, ich bekomme nichts zu sehen und stelle mir einfach alles vor, als daß ich mit einer Menschenmenge durchgeschleust werde und mir irgendwie so beobachtet und fast wie ein Eindringlich vorkomme.

Noch fix ein paar Worte zur Geschichte der Villa (welche unter anderem zeigen, daß es da drinnen eh nicht mehr so schön ist, wie zur Zeit des Kardinals):

Die in der Villa aufbewahrte Sammlung wurde vom Sekretär des Kardinals, Johann Joachim Winckelmann, katalogisiert. Winkelmann war ein deutscher Archäologe, Antiquar und Kunstschriftsteller und gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte. Außerdem war er gemeinsam mit Anton Raphael Mengs für die künstlerische Gestaltung der Villa Albani verantwortlich.

Alessandro Albani starb im Jahre 1779. Die Villa ging an seinen Neffen, Gian Francesco Albani, ebenfalls Kardinal. Als dieser nach einem arbeitsreichen und persönlich eher anspruchslosen Leben sich im Alter auf seine Villa zurückzog, stellte er sich wohl eher so etwas wie einen ruhigen Lebensabend vor. Allerdings machten ihm da die Franzosen einen Strich durch die Rechnung. Gian Francesco war kein besonders großer Anhänger der Revolution bzw. der Auswirkungen, welche diese auf die Kirche in Frankreich hatte. Also schmiegte er sich politisch ein wenig an Österreich an. Als die Franzosen 1798 Rom einnahmen, kam es also, wie es kommen mußte. In einer Instruktion, welche Bonaparte Ende Januar 1798 an General Berthier richtete, heißt es:
    "Das Ziel des Generalissimus der Armee in Italien wird sein, mit allem Nachdruck die Verbrechen [Ich nehme an, hier sind die während der September-Massaker massakrieterten Priester gemeint. Vielleicht bezieht Bonaparte sich auch auf die Ausbeute der eingezogenen Kirchengüter in Frankreich, welche seiner Meinung nach zu niedrig war] zu rächen, deren sich der Römische Hof gegen die Französische Republik schuldig gemacht hat. Diese Rache wird ihren Ausdruck finden in der Vernichtung des päpstlichen Regiments und in der Aufrichtung einer neuen und freien Regierung. Das Asylrecht der Kirchen und der Gesandtschaften ist aufzuheben. Kontributionen sind zu erheben, um die Französische Republik zu entschädigen [... für die Mühen und die Kosten, welche das Niederreißen der Kathedralen und Klöster in Frankreich verursachte, nehme ich an. Vielleicht auch für den Streß, den das durch die Zivilkonstitution des Klerus erzwungene Schisma einbrachte], besondere Kontributionen werden außerdem von den 50 reichsten Familien erhoben werden. Die Güter des Papstes, seiner Familie und des Hauses Albani werden eingezogen werden."
Für Kardinal Gian Francesco bzw. für seine Villa bedeutete dies...
    "Am folgenden Tage gewann ich es über mich, die entweihte, ausgeplünderte Villa Albani, Winckelmanns Tempel zu besuchen. Nirgends in Rom haben die Franzosen so gefrevelt. Der fromme Fürst Albani hatte sich immer mutig gegen sie und ihre Tod und Verderben bringenden Grundsätze erklärt. Sie rächten sich am Heiligtum der Kunst am Gemeingute der Menschheit. Daß die Kolossalbüste der Pallas, das Hauptrelief des Antinoos, die Statue der Leukothea und andere Hauptstücke der Sammlung weggenommen wurden, war ungerecht; daß die Basreliefs aus den Wänden, die herrlichen antiken kolossalen Masken aus der wunderschönen Vorhalle gerissen und entführt wurden, war gewöhnlicher Raub. Allein daß Statuen, die man nicht mitnehmen wollte und konnte, verstümmelt, die Säule aus Verd’Antico angehauen, dem prachtvollen Becken von rotem afrikanischem Marmor der Rand mutwillig ausgebrochen, zart ausgeführten Marmorbasreliefs kleine Teile mit mühsamer Bosheit abgebrochen wurden, sind Züge von jenem pöbelhaften Frevel, den dies gebildetste Volk der Erde – wie es von seinen Schmeichlern, den Demagogen aller Nationen genannt wird – sich so häufig zu schulden kommen ließ." (Friederike Brun, geb. Münter, Römisches Leben, Leipzig 1833, II, S. 10)
Richard Duppa malt ein nicht weniger tristes Bild (Übersetzung meine):
    "Wegen meines Interesses für die shcönen Künste und wegen meiner natürlichen Anhänglichkeit an die Bildung kann ich nur tiefstes Bedauern empfinden wegen der Zerstörungen in der Villa Albani, jener Villa, die wegen ihrer Lage, ihrer Eleganz, ihrer Gelehrsamkeit und ihrer ausgezeichneten Kunstwerke, als weltweit einzigartig betrachtet wurde. Die Anlage, welche noch nicht dem Erdboden gleichgemacht und die Villa, die noch kein kompletter Schutthaufen ist, bleiben nun und für immer ein melancholisches Monument des Vandalismus des achtzehnten Jahrhunderts. Jede Status, jede Büste, jede Säule, jeder Kaminsims, jedes Stück Marmor wurde von seinem Platz gerissen und nach Paris geschickt, wenn es nicht zum Nebenerwerb gewisser Agenten des Direktiriums wurde, welche dafür zu sorgen hatten, daß nicht zurückblieb, was man noch verderben konnte. Ja, selbst die Sträucher der Gartenanlage wurden entwurzelt und zum Verkauf angeboten. Um ein solches Werk zu vollbringen bedarf es entweder der verderbtesten Verachtung jeglichen kultivierten Gefühls oder einer unersättlichen Barbarei..." (R. Duppa, A brief account of the subversion of the papal government: 1798, London, 1799)
Gian Francesco Albani floh vor den Franzosen nach Neapel, nahm später am Konklave in Venedig Teil und kehrte nach Rom zurück, wo er 1803 im Alter von 83 Jahren verstarb. Seine verwüstete Villa wollte er nicht mehr aufsuchen, da er im Exil ohnehin im Geiste von ihr Abschied genommen hatte und sie im geschändeten Zustand nicht wiedersehen wollte. Tja, der Glanz der Welt... Ich zumindest hoffe und bete, daß beide Kardinäle nebenher noch genug Zeit und Energie fanden, sich auch Schätze im Himmel zu sammeln.

Sunday, October 18, 2009

Antisemit und Versager



Wie er laut Zeitzeugen war:

    "Nur die katholische Kirche protestierte gegen den Angriff Hitlers auf die Freiheit. Bis dahin war ich nicht an der Kirche interessiert, doch heute empfinde ich große Bewunderung für die Kirche, die als einzige den Mut hatte, für geistige Wahrheit und sittliche Freiheit zu kämpfen."
Albert Einstein, Time Magazine, 1940


    "Der Heilige Stuhl bietet seine mächtige Hilfe überall an, wo es ihm möglich ist, das Los meiner verfolgten Religionsgenossen zu lindern."
Chaim Weizmann über Pius XII., 1943


    "Die wiederholten Interventionen des Heiligen Vaters zugunsten der Jüdischen Gemeinschaft in Europa haben bei Juden überall auf der Welt die tiefsten Gefühle der Wertschätzung und Dankbarkeit hervorgerufen." [Übersetzung meine]
Rabbi Maurice Perlzweig in einem Schreiben an Mgr. Amleto Cicognani, Apostolischer Delegat in Washington, 1944


    "In den schwierigsten Zeiten, welche die Juden Rumäniens zu überstehen hatten, wer der großzügige Beistand des Heiligen Stuhls entscheidend und heilsam. Es ist nicht einfach für uns, die richtigen Worte zu finden, um die Wärme und Tröstung auszudrücken, die wir erfuhren aufgrund der Besorgnis des Pontifex Maximus, der große Summen an Geld bot, um das Leid der deportierten Juden zu erleichtern... Die rumänischen Juden werden diese Tatsachen von historischer Tragweite nie vergessen." [Übersetzung meine]
Dr. Alexandru Șafran, rumänischer Oberrabbiner von 1939 bis 1948, in einem Schreiben an Mgr. Andrea Cassulo, Apostolischer Delegat in Rumänien, 1944


    "Der Nazismus hat keinen schärferen Tadel erfahren als durch Papst Pius XI und seinen Nachfolger, Papst Pius XII." [Übersetzung meine]
Rabbi Louis Filkenstein, 1944


    "Das Volk von Israel wird nie vergessen, was Seine Heiligkeit für unsere unglücklichen Brüder und Schwestern in dieser höchst tragischen Stunde unserer Geschichte tut. Das ist ein lebendiges Zeugnis der göttlichen Vorsehung in dieser Welt."
Oberrabbiner Isaak Herzog, 1944


    "... danke (dem Papst) für die Rettung von Juden vor faschistischer und nationalsozialistischer Verfolgung... (und) das, was sich die Kirche zu tun bemüht und tatsächlich für unser verfolgtes Volk getan hat"
Dr. Leon Kubowitzky, Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, 1945


    "Ich sagte ihm (dem Papst), daß es im Namen der jüdischen Öffentlichkeit meine erste Pflicht sei, ihm und durch ihn der katholischen Kirche für alles zu danken, was sie in den verschiedenen Ländern getan hat, um die Juden zu retten."
Mosche Scharett, der spätere zweite Ministerpräsident Israels, über eine Audienz bei Papst Pius XII nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs


    "Sechs Millionen meiner Religionsgenossen wurden von den Nazis ermordet, doch es hätte noch viel mehr Opfer gegeben ohne die wirksamen Interventionen Pius XII."
Dr. Raffael Cantoni, Präsident der Union Jüdischer Gemeinden in Italien" (Der 17. April 1955 wurde von Italiens Juden zum „Tag der Dankbarkeit“ für die Hilfe des Papstes erklärt)


    "Als unser Volk im Jahrzehnt des Naziterrors ein fürchterliches Martyrium erlitt, hat sich die Stimme des Papstes erhoben, um die Henker zu verurteilen und um Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck zu bringen. Unsere Epoche ist durch diese Stimme bereichert worden, die sich im Namen der großen sittlichen Werte über dem Tumult und den täglichen Konflikten erhob."
Golda Meir, Außenministerin und spätere Premierministerin Israels, 1958


    "Im Namen der jüdischen Gemeinde Englands danke ich Eurer Heiligkeit für die Rettung zehntausender von Juden."
Israel Maurice Edelman


    "Ich bitte um eine Minute des Schweigens zum Tode eines wahrhaft großen Mannes: Papst Pius XII."
Leonard Bernstein, zu Beginn eines Konzerts mit den New Yorker Philharmonikern, 1958


    "Die katholische Kirche ermöglichte unter dem Pontifikat Pius' XII. die Rettung von 700.000, wahrscheinlich sogar 860.000 Juden vor dem gewissen Tod durch die Hände der Nationalsozialisten."
Pinchas Lapide, Theologe und Diplomat. Israelischer Konsul in Mailand.


    "Wir hatten die Gelegenheit, die große, mitfühlende Güte und Großherzigkeit Papst Pius' XII zu erleben, während der unglücklichen Jahre der Verfolgung und des Terrors, als es schien, daß es für uns kein Entkommen mehr gab."
Elio Toaff, Oberrabbiner in Rom zwischen 1951 und 2001.


    "Jeder Propagandaversuch der katholischen Kirche gegen Hitlers Reich wäre nicht nur provozierter Selbstmord gewesen, sondern hätte die Ermordung einer großen Zahl von Juden und Priestern ausgelöst."
Robert Kempner, Vertreter der USA beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess


    "Ganz persönlich kann ich nicht anders als mir einzugestehen, dass der Heilige Vater den besseren Weg gewählt hat, als er sich entschied, nicht offen zu sprechen und dadurch viele Leben zu retten."
Harold Tittmann, US-Diplomat, der eigentlich im Auftrag von Präsident Roosevelt den Papst zu einer Stellungnahme gegen die Nazis bewegen sollte, in seinem Tagebuch


Wie manch anderer ihn lieber gehabt hätte (bzw. ihn 20 Jahre später zurechtdichten wollte; bzw. seit 40 Jahren der Welt glauben machen will, daß er war; bzw. heute immer noch finanziell, urteilshoheitlich und moralapostolisch davon profitiert, daß es ihn anders zu zeichnen gelang):

Sunday, April 26, 2009

Anton Vovk (1900 - 1963)

Dies ist Erzbischof Anton Vovk. Er wurde 1900 im slowenischen Vrba (Velden) geboren. Am 29. Juni 1923 empfing er die Priesterweihe. Am 15. September 1946 wurde er zum Weihbischof in Ljubljana geweiht, am 1. Dezember 1946 zum Titularbischof von Cardicium.

Am 20. Januar 1952 verließ Anton Vovk in Novo Mesto Slovenija den Zug, in welchem er angereist war, um in der Stadt die Firmung zu spenden. Man hatte Vovk vorher gewarnt, die Reise nicht anzutreten, doch der Bischof hatte darauf bestenden, seine Pflicht zu erfüllen. Noch auf dem Bahnsteig wurde der Bischof von einer Gruppe junger Kommunisten bedrängt. Sie übergossen ihn mit Benzin, zündeten ihn an und ließen ihn als menschliche Fackel zurück. Vovk überlebte schwer verletzt.

Die Täter wurden von einem jugoslawischen Gericht zu zehn Tagen Arrest auf Bewährung verurteilt. Die Urteilsbegründung sprach unter anderem von einem "gerechtfertigten Impuls des Widerstandes gegen den reaktionären Klerus, den Feind des Volkes."

Bischof Vovk blieb bis zu seinem Lebensende äußerlich und innerlich von dem Überfall gezeichnet.

Am 29. November 1959 wurde Vovk zum Bischof von Ljubljana ernannt. Am 22. Dezember 1961 wurde er regulärer Erzbischof des Erzbistums Ljubljana. Er starb 1963 in Ljubljana.

Sunday, March 29, 2009

Ein Portrait entsteht...

Auf der Webseite des Smithonian Archive of American Art habe ich eine interessante Bilderfolge gefunden, die zeigt, wie ein Portrait entstehen kann. Künstlerin ist Cecilia Beaux, die amerikanische Gesellschafts-Portaiteuse, die zwischen 1875 und 1930 vor allem in Philadelphia, New York und Paris Erfolge feierte. Stillsteher ist Désiré-Joseph Kardinal Mercier, Erzbischof von Mecheln von 1906 bis 1926. Das Bild wurde 1919 im erzbischöflichen Palais in Mecheln angefertigt.


Zuerst einmal muß der Kopf her, damit der Portraitierte wieder zurück zur Arbeit kann (die war nämlich bei Mercier nie klein, schon gar nicht im Nachkriegsjahr 1919).


Der Kopf vom kleinen Bild wird dann auf die Kleider kopiert.


Die Kleider wurden schon vorher gemalt, wobei hier nicht der Kardinal sich die Beine in den Leib stehen mußte, sondern ein stummer Diener hilfreich beiseite stand. Man sieht hier, daß der Palast des Erzbischofs nach dem Krieg in ziemlich ramponiertem Zustand war. Kardinal Mercier war ja im Ersten Weltkrieg ein ziemlich unerschrockener Widerständler. Die Legende besagt, daß die Deutschen beim Beschuß von Mecheln irgendwann ihre Aufmerksamkeit auf den Palast konzentrierten, weil Mercier ihnen natürlich nicht paßte. Die Fortsetzung der Legende beschreibt, wie der Kardinal während des Granatenbeschusses erst einmal unter bröckelndem Putz in aller Seelenruhe sein Mittagessen vertilgte und sich erst dann in den Bombenschutz begab, wo die Dienerschaft des Hauses schon mit schlotternden Kien seiner harrte.


Die Künstlerin betrachtet das vollendete Werk,...


... und ihr seht es hier in Farbe.

Monday, March 16, 2009

Bartolomé Blanco Márquez

Der Selige Bartolomé Blanco Márquez wurde am 25, November 1914 in Pozoblanco, Cordoba geboren. Er verwaiste früh und wurde von einer Familie großgezogen, die ihn bei den Salesianern studieren ließ. Bartolomé erwies sich als ausgesprochen gelehrig und intelligent und wurde im Alter von 18 Jahren Jugendsekretär der Katholischen Aktion in Pozoblanco. Am 18. August 1936 wurde Bartolomé von der republikanischen Miliz verhaftet, weil er sich weigerte, der Streitmacht der Regierung beizutreten. Er wurde in ein Gefängnis in Jaen gebracht, wo er mit 15 Priestern und weiteren Laien gefangengehalten wurde. Er wurde am 2. Oktober 1936 im Alter von 21 Jahren zum Tode verurteilt und erschossen. In den Akten, die seinen Seligsprechungsprozeß unterstützten, ist zu lesen, daß er sich weigerte, von hinten erschossen zu werden. Seine letzten Worte: "Wer für Christus stirbt, soll nach vorne blicken und aufrecht stehen. ¡Viva Cristo Rey!"

Hier der Brief, den er am Tag vor seiner Exekution an seine damalige Freundin schrieb, in einer Übersetzung von Zenit:
    Provinzgefängnis in Jaén, 1. Oktober 1936

    Meine liebste Maruja!

    Bis ins Grab werde ich Dein Andenken mitnehmen, und bis zum allerletzten Schlag wird mein Herz aus Liebe zu Dir schlagen. Gott hat es für angemessen erachtet, diese weltlichen Leidenschaften zu läutern, sie zu veredeln, wenn wir einander in Ihm lieben. Obwohl ich am Ende meines Lebens stehe, ist Gott mein Licht und alles, was ich ersehne. Das heißt aber nicht, dass die Erinnerung an den Menschen, den ich am meisten liebe, mich nicht bis in die Stunde meines Todes begleiten wird.

    Viele Priester stehen mir bei. Sie gießen Schätze der Gnaden in meine Seele ein und stärken sie so - welch süßer Trost! Ich blicke dem Tod ins Auge, und, glaube mir, er schüchtert mich nicht ein, er macht mir keine Angst.

    Der irdische Gerichtsspruch wird meine stärkste Verteidigung im Gericht Gottes sein. Sie wollten mich niedermachen, doch sie haben mich erhöht. Durch ihre Verurteilung haben sie mich reingewaschen, und in ihrem Bemühen, mich zu vernichten, haben sie mich gerettet.

    Verstehst Du, was ich meine? Aber natürlich! Denn wenn sie mich umbringen, verhelfen sie mir zum wahren Leben. Und wenn sie mich verurteilen, weil ich die höchsten Ideale von Religion, Vaterland und Familie stets hochgehalten habe, stoßen sie vor mir die Tore des Himmels auf.

    Mein Leib wird hier am Friedhof von Jaén begraben werden. Es trennen mich nur noch wenige Stunden von meiner letzten Ruhe. Erlaube mir also eine einzige Bitte an Dich: Im Gedenken an unsere Liebe, die sich nun weitet, halte Dir ein einziges Ziel vor Augen: die Rettung Deiner Seele. So werden wir uns auf unsere ewige Gemeinschaft im Himmel vorbereiten, wo nichts mehr uns trennen kann.

    Bis dahin, leb wohl, meine liebste Maruja! Vergiss nicht, dass ich vom Himmel her auf Dich schauen werde, und bemühe Dich, ein Vorbild einer christlichen Frau zu sein, denn am Ende helfen uns die weltlichen Güter und Freuden nichts, wenn wir nicht unsere Seelen retten konnten.

    An Deine ganze Familie denke ich mit Dankbarkeit, und an Dich, meine ganze Liebe, die sich nun in der Stunde des Todes vergeistigt. Vergiss mich nicht, meine Maruja, und sooft Du an mich denkst, erinnere Dich: Es gibt ein besseres Leben, nach dem wir uns mit aller Kraft ausstrecken müssen. Sei stark, und beginne Dein Leben neu. Du bist jung und gut; Gott wird Dir helfen, darum werde ich ihn anflehen in Seinem Reich.

    Leb wohl, bis wir uns weiter lieben werden im ewigen Leben.
Es gibt heutzutage schon Leute, die es nicht glauben können, daß in einem Kloster recht normale Männer leben. Dieser Brief zeigt, daß sogar 21-Jährige, die für Christus sterben, alles andere sind, als picklige Spinner, die in der "echten Welt" nicht scoren können. Haben mich sehr berührt, diese Zeilen.

Friday, February 20, 2009

"Die Verabredung"

So heißt dieses schnieke Bild, welches leider auch nur abfotografiert ist und daher unter ungünstigem Licht leidet.


Ich fand zuerst, daß die Dame für eine Verabredung ein wenig betagt aussieht und daß der gestrenge Herr kaum ihr Vater sein kann. Jedoch kam mir der Raum, in welchem die Szene spielt, irgendwie venezianisch vor. Und dann sah ich den vorwitzigen Jüngling hinter dem Paravent hervorlugen und wußte: Alles Klar! Hier macht sich eine Venezianische Dame für einen Trip zu einem gesellschaftlichen Ereignis fein, welches ihren Gemahl (den gestrengen Herrn) so rein gar nicht interessiert. Folglich ist der junge Kerl der "Cicisbeo" der Dame.

Ein Cicisbeo war eine Mischung aus Unterhalter und Aufpasser, ein galanter, geistreicher junger Herr, der von venezianischen Adelsfamilien (aber nicht nur von venezianischen: Die Jungs gab's z.B. auch in Rom, Genua oder Nizza) sozusagen angestellt wurde, um der Dame des Hauses bei Abwesenheit des Gemahls belgeitend und unterhaltend zur Seite zu stehen. "Angestellt" ist in der Tat nicht das falsche Wort, denn das Auswahlverfahren für die Cicisbeatura war gar streng und nicht selten auch Gegenstand von (Ehe-)Verträgen. Natürlich sollten erst einmal erotische Eskapaden zwischen Dame und Cicisbeo verhindert werden, weshalb der Jüngling oft aus dem weiten Familien- oder engen Freundeskreis von der Familie der Dame ausgewählt wurde und - wenn ich mich recht erinnere - sogar ledig sein mußte. Angeblich gab es auch geistliche Cicisbei. Ein Cicibeo hatte gewisse Privilegien (z.B. durfte er die Dame unangemeldet in "ihren Gemächern" besuchen), die vom Herrn des Hauses nicht angetastet wurden und auch nicht angetastet werden durften, wollte er sich nicht bei Seinesgleichen lächerlich machen.

Ein Wort noch zum Paravent: Die Kombination aus prunkig-wilder Schnitzerei und herumtollender Puttenschar macht mein Barock-Herz jubeln!