Showing posts with label Kunst. Show all posts
Showing posts with label Kunst. Show all posts

Sunday, May 30, 2010

Dreifaltigkeitssonntag


Die Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow (1360 - 1430) ist ein Klassiker.

Ich kenne dieses Kunstwerk schon seit 25 Jahren, seit es mir im Kunstunterricht zum ersten Mal begegnete. Schon damals wurde allerdings - streng säkular - das Bild einzig auf seine Komposition hin untersucht, allgemein für cool befunden und schon ging's weiter mit dem nächsten Gemälde.

Was sich in dieser Ikone wirklich tut, das wurde mir erst viel viel später bewußt. Und welche der dargestellten Engelsfiguren nun welche Person der Heiligen Dreifaltigkeit darstelt, das ist bis heute offenbar schwer umstritten.

Daher werde ich hier jetzt auch (erst einmal) keine eigene Interpretation liefern, sondern Euch, liebe Leser, um Eure Deutung bitte. Dabei braucht ihr keine Angst zu haben: So ziemlich alle Kombinationen sind bereits einmal vertreten worden, Ihr wißt also in fast jedem Fall immer ein paar Kunst-Analytiker und Theologen auf Eurer Seite.

Ich werde die eingehenden Interpretationen sammeln und später geballt posten, weil ich das Thema wirklich fesselnd finde und so eine Sammlung von Deutungen vielleicht ganz interessant werden könne. Auf geht's!

Allen Lesern wünsche ich aber auf jeden Fall noch einen schönen Dreifaltigkeitssonntag und somit die Gnade Christi, die Liebe des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes!

Monday, May 17, 2010

Wüstlinge

Daß ich kein großer Freund von Kunstzerstörung bin, hat sich - glaube ich - bei den Lesern mittlerweile herumgesprochen.

Verwirrte oder ideologisch fehlgeleitete Individuen, die sich mit Säure oder Hackebeilchen über ein Gemälde von Velázques oder Vermeer oder Rembrandt oder Picasso hermachen; Fliegerstaffeln, die malerische Städte in Staub verwandeln; Bilderstürmer, die Kirchen bis auf die kahlen Wände ihres Schmuckes entledigen; Revolutionäre, die all das vernichten, was in ihren Augen die Mächte symbolisiert, gegen welche man sich grade erhebt: All diese Leute haben bei mir keinen Stein im Brett.

Im Gegenteil: Ich mag sie eigentlich gar nicht leiden, weil sie in meinem Herz, welches immer gerne bereit ist, sich nicht nur für die Natur, sondern auch für die Schönheit der vom Menschen geschaffenen Dinge zu begeistern, auf der Haben-Seite ein großes Loch gerissen haben, welches ich ständig mit kleinen "Was wäre, wenn..."-Pflastern kitten muß.

Einen vorderen Rang auf meiner "Das hättet Ihr mal besser gelassen, Ihr Säcke!"-Liste nehmen die französischen Revolutionäre ein. Ihr wüstes Walten in der heißen Phase wurde in der klaren Ansage "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" zusammengefaßt. Und es waren ja nicht nur die Paläste. Klöster, Kirchen, Kathedralen, Denkmäler, Königsgräber, Statuen, Kirchensilber, Gobelins, Bücher, Urkunden, Gemälde, Mobiliar und alle Arten von Kunstwerken und Kunstschätzen waren dem Untergang geweiht, wenn sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort befanden. Und es gab für die Kunst kaum einen falscheren Ort und eine falschere Zeit als Frankreich zwischen 1789 und 1794.

Löste die Tatsache, daß Frankreich in dieser Zeit munter zur großflächigen Selbstverstümmelung schritt, bei mir schon immer nervöse Zuckungen oder Übelkeit aus, so vibrierte auf einer tieferen Ebene immer noch eine Art Verwunderung mit; ein innerliches Sich-an-den-Kopf-Packen aufgrund einer Doofheit, die sich aber nicht näher benennen ließ.

Bis jetzt.

Mir ist Ernst Steinmanns Manuskript "Der Kunstraub Napoleons" (herausgegeben von Yvonne Dohna) in die Hände gefallen. Im zweiten Kapitel, welches den schlichten Titel "Vandalismus" trägt, läßt der Autor es mir endlich wie Schuppen von den Augen fallen:
    Am 31. August 1794 trug Henri Grégoire, der mutige Bischof von Blois, dem Nationalkonvent den ersten seiner drei berühmten Berichte über den Vandalismus vor. In erschütternden Bildern enthüllte er – das Allerschlimmste noch verschleiernd – die entsetzlichen Verluste, die Frankreich in den ersten Jahren der Revolution an seinen köstlichsten Denkmälern erlitten hatte. Aber als erfahrener Menschenkenner suchte er seine Zuhörer nicht nur zu demütigen, sondern auch aufzurichten. Und so nahm er trotz der furchtbaren Zerstörungen, die überall das Auge beleidigten, mit kühnen Worten für sein Vaterland den Ruhm in Anspruch, Kunst und Künstler zu beschützen. Und was führte er als Grund für solche Behauptungen auf? "Wir sammeln jetzt die Denkmäler", so rief er aus, "selbst in den eroberten Ländern. Die Römer ließen in Sparta ein Fresko aussägen und schafften es nach Italien. Wir lassen in Belgien Bücher und Gemälde einpacken und Frankreich damit bereichern: Crayer, Van Dyck und Rubens sind auf dem Weg nach Paris. Die ganze Schar der flämischen Meister erhebt sich, um unsere Museen zu schmücken."

    ...

    Mit einem Wort: die Selbstverstümmelung, die Frankreich an sich begangen hatte, sollte durch Verstümmelung anderer Länder und anderer Völker wieder gut gemacht werden, und ein Mann wie Grégoire konnte den Glauben verkündigen, die Franzosen würden in der Welt ihren Ruf als Heiligtumsschänder und Zerstörer von Kunstdenkmälern zunichte machen, indem sie die Kunstwerke fremder Völker nach Frankreich schleppten.
Klar! Das war es, was mich immer so verstört hat: Erst wird Frankreich verwüstet und dann stattet man es wieder aus, indem man andere Länder verwüstet. Clever!

Und es ist ja nicht so, daß man sich damit entschuldigen könnte, die Zerstörungen in Frankreich seien die Folge eines spontanen Racheaktes des geknechteten Volkes gewesen, welches sich, als die Fesseln fielen, mal eben plündernd, verwüstend und brennend in die Residenzen der Unterdrücker warf. Die gesetzgebende Nationalversammlung und später der Konvent wußten sich mit dem Volk in ihrem Haß auf die Symbole der Vergangenheit geeint. Zwar ist es richtig, daß die Dekrete bzgl. der Denkmäler aus den Jahren 1790 bis 1794 widersprüchlich sind: Einige verbieten die Zerstörung von Kunstwerken, Andere fordern dazu auf. Doch ertens galten die Verbote eher dem einzelnen Bürger, der nicht planlos herumhacken sollte, und zweitens wurde im Regelfall eher im Sinne der Erlasse gehandelt, welche zur Zerstörung ermunterten.

So kam es, daß alles, was irgendwie an Königtum, Adel und Kirche erinnerte - nach dem Motto "Aus den Augen - aus dem Sinn" - zu verschwinden hatte. Allerdings verchwand damit auch das, was die Geschichte des französischen Volkes sichtbar darstellte. Steinmann beschreibt es so:
    Zerstörte, verkaufte und entweihte Klöster, verbrannte Urkunden und Adelsdiplome mit den Kunstschätzen der Kirchen auf Scheiterhaufen aufgetürmt, ausgeraubte Schlösser und Paläste, zertrüm- merte Königsstatuen und aufgebrochene Gräber – das waren die fürchterlichen Zeichen dieser Zeit! Es war als hätte die Hölle alle ihre Geister losgelassen, um Frankreich zugrunde zu richten. Der kühl überlegende Verstand und die maßlose Leidenschaft verbanden sich zu dem gleichen Zweck und Ziel. Während das Volk um die Scheiterhaufen raste, auf denen die Denkmäler der Vergangenheit in Flammen aufgingen, sandten die Lenker der Geschicke Frankreichs Architekten und Steinmetzen in die Gotteshäuser, um dort alles herunterzuschlagen, was den Anbetern des ‘Höchsten Wesens’ nicht geziemend erschien.
Der Autor schleppt sich über einige Seiten durch einen Gruselroman wilder Zerstörungen und resümiert dann:
    Wunderbare Ironie der Weltgeschichte! Nachdem sie im eigenen Lande alle Symbole und alle Denkmäler der Königsherrschaft zerstört hatten, haben die Franzosen unter ihren Siegestrophäen aus aller Herren Länder auch zwei eherne Fürstendenkmäler nach Paris geschleppt. Aus Aachen führten sie schon im Jahr 1794 die Statue Karls des Großen fort, die man dort heute wieder auf dem Marktbrunnen sieht; aus Brüssel brachten sie das Reiterdenkmal des Prinzen Karl Alexander von Lothringen von Verschaffelt nach Paris.
Und diese Ironie nimmt zwerchfellerschütternde Ausmaße an, wenn man in den restlichen Kapiteln des Buches miterlebt, wie die siegreich durch Europa ziehende Franzosenarmee sämtliche eroberten Gebiete ihrer vornehmsten Schätze beraubt, um damit die Löcher zu stopfen, die man vorher daheim gerissen hatte. Selbstverständlich gelang dies nur mit den beweglichen Kunstgegenständen. Unzählige französische Schlösser und Kathedralen waren für immer verloren. War es Neid oder konsequentes Umsetzen des Programmes, daß daher auch in Belgien, in den Niederlanden und den diversen besetzten deutschen Fürstentümern sowohl Kirchen als auch und vor allem Schlösser und Paläste von Erdboden verschwinden mußten?

Es war natürlich ein deppertes Unding, anzunehmen, man könne das Gedächtnis eines Volkes umprogrammieren, wenn man alles, was die Geschichte dieses Volkes darstellt, vernichtet. Noch tumber war der Versuch, auf den Trümmern der katholischen Kirche und Religion den Kult der Vernunft und des Höchsten Wesens quasi über Nacht als Ersatz zu errichten. So haben leider die Wüstlinge in ihrem Übereifer ihrem eigenen Land unemeßlichen Schaden zugefügt und jedem kunstverständigen Menschen die Berechtigung zu einem satten Griff an die Stirne geliefert.

In diesem Sinne:

Tuesday, April 20, 2010

Augustinus und der Teufel

Der FOX-Artikel, zu dem ich im letzten Post verlinke, zeigt ausschnittsweise dieses BIld, auf welchem ein Teufel dem Heiligen Augustinus ein Buch hält. Oder hat er es dem Heiligen geklaut und wird soeben von ihm verwünscht? Hmm...:


Jedenfalls ist diese Bild (von Michael Pacher, nach 1470, heute Alte Pinakothek München) ein Zuckerl, da der Teufel am Popo ein Gesicht hat. Das trifft erstens sehr gut das Schimpfwort A****gesicht (welches offenbar schon recht alt ist. Die älteste Quelle, die sich kenne, ist Goethe (über den einstigen Freund und späteren Nicht-mehr-ganz-so-Freund Böttiger)) und korrespondiert auch herrlich mit dem amerikanischen Vorwurf "You're talking out of your ass, man!" (was soviel heißt wie "Du redest Müll!").

Wednesday, March 24, 2010

Meine schönsten Madonnen mit Kind

Ein Motiv, welches über Jahrhunderte hinweg die Künstler immer wieder zu wunderbaren Leistungen anspornte, ist die Madonna mit dem Kind. Wie viele solcher Gemälde es gibt, kann wahrscheinlich niemand sagen. Daß viele dieser Gemälde zum vorzüglichsten gehören, was die Kunst herzugeben hat, steht zumindest für mich fest.

Daher spendiere ich hier meine liebsten "Madonna mit Kind"-Gemälde.


Pierre Mignard: Die Madonna mit den Trauben und einem schon nicht mehr ganz so kleinen, aber vorwitzig-neugierigen Knaben


Giovanni Battista Tiepolo: Madonna, Kind und Piepmatz! Klar, daß ich dieses Bild mag!


Sandro Botticelli: Nicht nur, aber auch, weil ich Rosen liebe


Rafael: Lehrstunde in Lässigkeit. Wie der Jesusknabe den ihm vom Johannes hingehaltenen Vogel streichelt ist einfach zu schön


Bartolome Esteban Murillo: Lebendiges Motiv und gekonntes Hell-Dunkel-Spiel


Giovanni Battista Salvi Sassoferrato: Weniger lebhaftes Motiv aber dafür eines der Schönsten. Dieser Frieden, diese Ruhe...


Lukas Cranach d.Ä.: Toller Hintergrund und die Gestik des Jesus-Knaben ist einfach zum Schmelzen.


Francisco de Zurbara: Noch einmal zusammen mit Johannes dem Täufer. Irre Komposition!


Filippo Lippi: Und noch eine wunderbare "Mami!"-Geste


Artemisia Gentileschi: Eine Künstlerin sollte auch nicht fehlen. Gentileschi, das Frühbarock-Genie, macht hier die Zärtlichkeit bis in die Haarspitzen spürbar.

Tuesday, March 16, 2010

Ganz ehrlich:

Ich hab' schon Schlimmeres gesehen!


Bereits 2008 präsentierte Doug Jones in der Ausstellung Inservi Deo et Laetare diese etwas anderen Bischofsgewänder, deren Präsentation er fiktiv mit dem Leben und der Philosophie der Bruderschaft der Heiligen verband, welche 1573 von Zadok Nathan Solomon Jones nach der berüchtigten Schlacht der Grünen Blume gegründet wurde. Etwas viel Brimborium, aber wer beklagt sich.



Die Gewänder jedenfalls sind nur begrenzt fürchterlich. Manche sehen vollkommen normal aus.




Andere sind ziemlich abgefahren. Und Jones' Werke gefallen mir immerhin besser, als die Preisträger des Gestaltungswettbewerbs von 2004.

Wenn Ihr dem Link folgt, könnt Ihr den Rest sehen.

Tuesday, March 09, 2010

Hab' ich ganz vergessen...

Dieses Gemälde sollte eigentlich schon am Valentinstag gepostet werden. Aber dann fiel der 14. Februar ja in diesem Jahr auf einen Sonntag, und ich hab's irgendwie verschwitzt und das Bild jetzt erst wiederentdeckt.


Jacopo Bassano: Der hl. Valentin tauft die hl. Lucilla. Gemalt um 1575. Klar, warum mir das Bild besonders gefällt: Die wüst-anmutigen Putti sind schwer zu schlagen!

Sunday, January 10, 2010

Fest der Taufe des Herrn

Ein Kommentar zum heutigen Evangelium vom Heiligen Gregor von Nazianz:
    Christus erstrahlt durch die Taufe, leuchten wir mit ihm auf; er wird ins Wasser eingetaucht, steigen wir mit ihm hinab, um mit ihm auch wieder aufzusteigen. Johannes spendet die Taufe und Jesus naht: vielleicht auch, um den zu heiligen, der ihn taufen wird; sicherlich aber, um den alten Adam gänzlich in den Tiefen des Wassers zu begraben. Doch davor und daraufhin heiligt er den Jordan. Und da er Geist und Fleisch ist, will er hineinführen können durch das Wasser und den Geist. Seht hier Jesus, der aus dem Wasser aufsteigt. Tatsächlich trägt er die Welt; er läßt sie zusammen mit sich aufsteigen. "Er sieht die Himmel aufreißen und sich öffnen", wo Adam sie verschlossen hatte für sich und seine Nachkommen, als er aus dem Paradies vertrieben wurde, das das Feuerschwert verschloss. Da bezeugt der Geist seine Gottheit, denn er steigt herab zu dem, der gleicher Natur ist. Eine Stimme kommt hernieder aus dem Himmel, um Zeugnis zu geben für den, der aus ihm stammt; und in der Gestalt einer Taube ehrt sie den Leib, denn Gott vergöttlicht auch den Leib, indem er sich in körperlicher Gestalt zeigt. Daher kam schon viele Jahrhunderte vorher eine Taube, um die gute Botschaft vom Ende der Sintflut zu verkünden. Wir aber wollen heute die Taufe Christi ehren und dieses Fest in rechter Weise feiern. Seid ganz gereinigt und reinigt euch weiterhin. Denn nichts erfreut Gott so sehr wie wenn sich der Mensch wieder aufrichtet und sein Heil wirkt: dazu dient diese ganze Rede und dieses Geheimnis. Seid "wie Lichter in dieser Welt", wie eine lebendige Kraft für die anderen Menschen. Wie die vollkommenen Lichter dem großen Licht beistehen, so sollt auch ihr eingeführt werden in das Leben des Lichts, das im Himmel ist. Seid erleuchtet mit noch größerer Helligkeit und mit größerem Glanz durch die heilige Dreifaltigkeit.


Ein Gemälde von Joachim Patinir (1480-1524)


Beim Barockmaler Francesco Albani (1578-1660) dürfen natürlich Putten nicht fehlen.


Von der Tafel des Verduner Altars, welche die Taufe Christi zeigt, habe ich leider nur ein kleines Bild gefunden. Ich finde, sie ist eine der schönsten Tafeln des ganzen Werks. Besonders faszinierend finde ich, wie die Beine unseres Herrn im fließenden Wasser durchscheinen. Gefertigt um 1180, wie es ausschaut mit Stegschmelztechnik und Farbverläufen im Wasser zwischen den goldenen Stegen. Ganz großes Kino für diese Zeit.

Saturday, December 12, 2009

Ein Künstler verschwindet...

Der Chinese Liu Bolin hat eine ganz besondere Masche: Er malt sich selbst an, und zwar so, daß er vor einem vorher ausgeguckten Hintergrund verschwindet, sobald er sich davorstellt:









Wenn Ihr das cool findet und mehr sehen wollt: Einfach bei der Google-Bildersuche "Liu Bolin" eingeben und - schwupp - ganz, ganz viele Ergebnisse!

Tuesday, November 24, 2009

Der große Pups


放屁 (fang pi) ist Chinesisch und bedeutet "großer Furz" aber auch "Bluff" oder "Lüge". Folgerichtig trägt diese Installation des chinesischen Künstlers Chen Wenling den Titel "Was Du siehst könnte nicht real sein". Dargestellt ist ein Bulle, der, angetrieben vom eigenen Darmwind, wie ein Geschoß einem gehörnten Mann (dem Teufel?) in den Rücken fährt und ihn gegen eine Wand schmettert. Weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, außer, daß ich den am Boden liegengebliebenen Schuh besonders schön finde und daß moderne Kunst auch für Kinder langsam wieder interessant wird.

Thursday, October 15, 2009

Barocke Sammlerfreude

Ich habe ein hochauflösendes Bild des Gemäldes "Innenansicht einer Bildergalerie mit der Sammlung des Kardinals Gonzaga" von Giovanni Paolo Panini gefunden [Obacht! Riesen-Datei!].



Erstens sieht man schön, wie damals die Gemälde wirklich Rahmen an Rahmen zu hängen hatten. Zweitens sind Tausende von Details erkennbar. Und es tut sich auch Neues auf: Dieses mikroskopische menschliche Wesen in rotem Rock, welches zur Rechten des Kardinals ungefähr 3 Meter von ihm entfernt über ein aufgeschlagenes Buch gebeugt steht, habe ich vorher noch nie bemerkt. Ob das ein Großneffe seiner Eminenz ist? Oder ein Hof-Belustingungs-Zwerg? Keine Ahnung. Sieht auf jeden Fall knüffig aus, so ein Winzling in Edelmanns-Klamotten.

Saturday, September 05, 2009

Zurück vom Chorherren-Kongress

Da bin ich wieder!

Wir hatten drei prima Tage in Como, Mailand und Pavia. Es waren 140 Chorherren aus ganz Europa da. Das Wetter war höchst sommerlich, das Programm etwas dicht gedrängt aber interessant. Hier einige Bilder:


Wir waren außerhalb von Como untergebracht. Meine Reisegruppe (denn die Klosterneuburger flogen in zwei Abteilungen ein) war schon um 10:30 in Como. Der Kongress begann aber erst um 19:00, also haben wir den Tag in der Stadt verbracht. Bei Como denkt man natürlich gleich an den Comer See.


Insgesamt ist Como ein süßes kleines Städtchen mit viel alter Architetur...


... plötzlich zwischen Häusern auftauchenden grünen Hängen...


... und malerischen langen Straßen.


Einen Dom gibt's auch. So sieht er um 11:00 Uhr aus.


Und so um 17:30, vom gleichen Standort photographiert.


Innen ist der Dom auch hübsch. Aber leider sind...


... außer diesen beiden Bildern alle anderen verwackelt.


Der Dom feierte an diesem Tag Geburtstag, also gab es ein Pontifikalamt mit großer Prozession. Der gute Herr Bischof war so nett, mir zuzulächeln und zu -winken, als ich ihm mit der Kamera drohte.


Am ersten Kongreßtag ging es nach Mailand,...


... wo mich vor allem der traumhafte Dom mit seiner Fassade aus grau-rosa Marmor beeindruckt hat.


Der Detailreichtum der Fassade ist umwerfend,...


... und ich habe hier eigentlich noch sachliches Zeug photographiert.


Der kleine Herr Alipius vor dem gigantischen Domportal.


Eigentlich war in Mailand ein Besuch des Baptisteriums vorgesehen, in welchem der Heilige Augustinus die Taufe empfing. Da wurde aber grade mal schnöde dran herumrenoviert, also war nix. Stattdessen ging's zur Basilika des Heiligen Ambrosius. Dessen Gebeine werden dort aufbewahrt und verehrt. Der Kirchenvater liegt im Sarg flankiert von den Heiligen Gervasius und Protasius, welche er während seiner Amtszeit als Bischof von Mailand auf drängen einer im Traum empfangenen Botschaft unter seiner Kirche begraben fand. Einmal rechts...


... einmal links.


Und dann hatte ich meinen ersten großen "Augustinus!"-Moment: Gleich um die Ecke der Basilika liegt eine kleine Kapelle, von der man sagt, sie sei über genau dem Ort errichtet worden, an welchem unser Heiliger Ordensvater einst das "Tolle, lege" vernahm. Da mußte ich mich natürlich gleich mal ablichten lassen. Wer nun genau der Schrift-Anbieter auf dem Gemälde ist, darüber konnten wir keine Auskunft finden.


Am nächsten Tag ging's nach Pavia. Und da mußte ich dann gleich zweimal hintereinander feste schlucken: Einmal, als ich das Grab des Heiligen Augustinus sah...


... und dann gleich noch einmal, als plötzlich der momentane Bischof von Hippo neben mit stand. Der hat - als Hirte in einem muslimischen Land - ungefähr soviel Schäfchen in seiner Diözese, wie ein Dorfpfarrer in Deutschland. Er hat so ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, vom tagtäglichen Katholischsein in Algerien, und irgendwie klang es plötzlich nach heißen Tips für die Zukunft (so von wegen "Christsein in einem vom Islam dominierten Gebiet").


Wir waren auch noch in Certosa. Das ist eine ehemalige Wahnsinns-Hammer-Kartause, die trotz wildester Geschichte und Niedergang seit dem Josephinismus und erst recht seit der Franzosenzeit heute immer noch strahlend dasteht. Zwischenzeitlich waren mal die Zisterzienser drinnen, dann die Karmeliten, dann wieder die Kartäuser und jetzt seit 1968 wieder die Zisterzienser.


Kreuzgarten


Kartäuserhäuser


Am letzten Tag waren wir dann auf dem Sacro Monte bei Varese. Dies ist ein Marienwallfahrtsort, zu dem 14 Kapellen hinaufführen. In jeder der Kapellen ist eines der 15 Rosenkranzgesetzte figürlich dargestellt. Klingt kitschig, ist es auch irgendwie, aber andererseits auch wieder nicht. Denn die Arbeiten sind richtig schön lebendig und wild. Es sind übrigens nur 14 Kapellen, weil "... der dich o Jungfrau im Himmel gekrönt hat" natürlich in der Wallfahrtskirche zu sehen ist. Von der Kirche habe ich leider keine Bilder, weil wieder alles zu dunkel oder zu verwackelt war. Dafür gibt's dieses malerische Gassenensemble,...

... diese Nebelstimmung...


... und diesen Gruselmoment: Der Diener Gottes Paul VI als überlebensgroße Geisterbahnfigur. Echt jetzt: What were they thinking (um den AVGN zu zitieren)?


Gut, jetz ist erstmal wieder Schicht für'n paar Tage.

Ciao,
Alipius