Sunday, October 15, 2006

Jetzt aber, Charly!

Also: Dieser Beitrag ist leider alles, mit dem ich momentan an Schönem dienen kann. Ich widme ihn meiner geliebten Schwester, die sich um mich sorgt. Alles okay, Schwesterherz! Ich habe den Dampf abgelassen. Mir geht's gut.

Jetzt aber: Zwei Photos, die ich im Internet fand, will ich hier mal mit der geneigten Leserschaft teilen, da ich sie beide einfach klasse finde.



Zuerst mal diese proper gekleideten Jungs aus Holland mit irrwitzigen Haarschnitten.




Und dann diese hysterische Szene aus irgendeinem Theater. Da muß man gleich mitlachen.


Liebe Grüße aus Rom!
Alipius

Thursday, October 12, 2006

Und nochmals: Willkommen in Europa!

    "Der Papst hat eine dunkle und mittelalterliche Mentalität und hat am Reformgeist der Christlichen Welt keinen Anteil.“ (Übersetzung meine)
Nachdem Salih Kapusuz - eine führende Persönlichkeit in der Partei des türkischen Premiers Erdogan - dies während der allgemeinen Zum-Haß-auf-Papst-und-Kreuzfahrer-Aufruf-Woche so schön erkannt hatte, ist nun das türkische Außenministerium der Meinung, die Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich seien erheblich getrübt worden. In Frankreich gilt es nämlich bald als Verbrechen, den Genozid an den Armeniern als Nicht-Genozid zu bezeichnen oder zu leugnen.

Man mag zu solchen Gesetzen stehen wie man will, aber die nicht eben sprudelnde Begeisterung, die am Bosporus herrscht, wenn es darum geht, mal nicht mit den Fingern auf Kreuzfahrer zu zeigen, sondern einen von Reformgeist und aufgeklärter, nicht-mittelalterlicher Mentalität geprägten Blick in die eigene Vergangenheit zu werfen, gibt schon ein wenig zu denken. Halt, Moment! Nach kurzem Nachdenken komme ich zu dem Schluß: Es gibt jede Menge zu denken.

Tuesday, October 10, 2006

Ein neues Jahr...

So, der zweite Studientag ist vorbei und ich kann nur sagen: Das wird kein Zuckerschlecken in diesem Jahr! Erstens muß ich mich mit den Lehren der modernen und zeitgenössischen Philosophen bekannt machen, die ja nicht immer so leicht verdaulich sind. Zweitens steht mit Ontologie ein ganz ganz fetter Brocken auf der Matte. Andererseits sind die beiden neuen Profs, die ich in diesem Semester habe, ziemlich profunde und pädagogisch gewiefte Männer, die uns den Stoff schon irgendwie eintüten werden. Die anderen Lehrkräfte sind mir ja bereits aus dem vergangenen Jahr bekannt und mit denen habe ich durch die Bank gute Erfahrungen gemacht.

Eigenartig: Kaum machte ich mich gestern auf den Weg zum ersten Tag am Angelicum, da hatte ich plötzlich das Gefühl, überhaupt nicht weg gewesen zu sein. Rom ist immer noch die Alte. Verkehr bis der Arzt kommt, nichts funktioniert, niemand macht seinen Job, aber trotzdem wurschtelt die Stadt doch irgendwie weiter. Touristenmäßig ist Rom mittlerweile ganz fest in der Hand der Deutschen. Keine zwei Schritte kann ich tun, und schon werde ich mit Händen und Füßen und bröckchenhaftem Italienisch nach dem Weg gefragt. Der Ausdruck der Erleichterung auf den Mienen meiner Landsleute, wenn ich mich ihnen als der deutschen Sprache mächtig zu erkenen gebe, ist Gold wert.

Ich war während der letzten Tage auch schon in meinem Stammcafe und meinem Stammrestaurant und es schallten mir fröhliche "Buon giorno, Padre!" und "Tutto bene?" und "Come ha passato le vacanze?" entgegen.

Alles in allem geht's mir momentan wirklich gut. Meinem Professor Bagood übrigens nicht. Das ist der coole Wissenschftsfreak, bei dem ich im letzten Jahr drei Kurse hatte und der eigentlich auch in diesem Semester uns hübsch was beibringen sollte. Der Arme liegt mit Meningitis in der Klinik, wiegt nur noch soviel wie meine rechte Hand und wird von den Ärzten auch erstmal nicht rausgegeben. Sie meinen aber, daß sie ihn wieder hinkriegen. Ich bete darum, denn er ist wirklich ein toller Lehrer, ein prima Kerl und außerdem auch noch viel zu jung für solche Klinik-Marathons. Schwester Furgalska, die unerbittlich durch die Pausen durchreferierende Polin ("Wenn im Winter die Heizungen an und die Fenster zu sind, der Sauerstoff knapp wird und die ersten Köpfe auf die Tische knallen, dann laß ich euch auch mal in der Pause raus"), hat Bagoods Kurs in philosophischer Anthropologie übernommen, was eine gute Nachricht ist. Denn ich kenne auch sie bereits aus vier Kursen im letzten Jahr und bin mit ihrer Lehrmethode nicht nur vertraut, sondern auch ausgesprochen einverstanden.

Okay, soweit die neuesten Neuigkeiten aus der Ewigen Stadt.


Alles Liebe,
Alipius

Entwarnung!

Der (kürzlich um einen Beitrag erweiterte) Zweitblog cor inquietum wurde auf Kundenwunsch optisch etwas entschärft. Ich war anfangs im Styling-Taumel und hab im Template rumgewurschtelt. Jetzt kam die erste Mail, die darauf hinwies, daß man Gelb auf Grau grade bei längeren Texte nicht unbedingt gut lesen kann. Also gibt's jetzt das konservative und augenfreundliche Schwarz auf Weiß. Viel Spaß beim schmerzfreien Lesen!

Sunday, October 08, 2006

So...

... die Exerzitien sind vorbei. Es war schön entspannend. Schließlich geht's bei Schweige-Exerzitien ja nicht nur darum, die Klappe zu halten. Es gilt, auch andere störende Einflüsse außer den menschlichen Stimmen fernzuhalten. Glotze aus, Schundliteratur weg, Punkrock verbannen und alle Sinne ganz auf Gott richten. Das klappt natürlich auch während der Exerzitien nur zum Teil, aber wenn es klappt, dann klappt es richtig! Ich saß täglich so ungefähr drei Stunden auf dem Balkon in der Sonne, hab in der Heiligen Schrift gelesen, Rosenkranz gebetet, meditiert und so weiter. Ich hatte einen vehementen Franziskus-Moment, als ein kleiner Spatz sich den unbeweglichen Hernn Alipius etwas genauer angucken wollte und ziemlich nahe rankam. Da war ich natürlich gleich mal aus dem Häuschen. Ihr wißt ja: Kleine Piepmätze und ich...

Naja, insgesamt sehr fruchtbare Exerzitien. Der neue Spitirual im Kolleg scheint auch ein profunder Kerl zu sein, also alles im grünen Bereich.

Morgen ist der erste Studientag. Mein Stundenplan sieht ganz zivil aus. Wenn ich mich nicht verguckt habe, dann habe ich im zweiten Semester donnerstags sogar vorlesungsfrei. Yeah! Weiterer Pluspunkt: Von den sechs Profs, die ich in diesem Jahr habe, kenne ich bereits vier. Und diese vier sind richtig gut. Also werd ich auch im zweiten Jahr Spaß kriegen. Hoffentlich auch wieder gute Noten...

Gut, ich bin dann erstmal wieder weg.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, October 04, 2006

Kurze Pause

Wir sind bis Samstag auf (Schweige-)Exerzitien.

So krank kann tatsächlich nur die Realität sein

Ich hatte das überhaupt nicht mitbekommen: Im August bekam der Torhüter von Celtic Glasgow (traditionell der katholische Verein in Glasgow) eine Verwarnung, weil er sich während eines Spiels gegen die Rangers (die anderen halt) bekreuzigt hatte. Man legte das als einen Versuch des "Waffenstillstandbruches" aus. In Schottland gibt es ein Gesetz gegen "Sectarianism", was ins Deutsche übersetzt soviel heißt wie: Das strikte Anhängen an eine und nur diese eine Religion. In konfessionell so stark getrennten Ländern wie Schottland kann das hin und wieder mal zu Problemen und auch zu Gewalt führen. Nun ist es aber so, daß in Schottland die Katholiken sechmal so häufig Opfer des "Sectarianism" werden wie Angehörige anderer Religionen. Es gibt starke protestantische Lobbies und Pressure-Groups, die zum Beispiel dafür sogen, daß jährlich während des Onranje-Marsches rotzbesoffene Prots sich auf übelste Weise grölend über den Papst und die Kirche äußern dürfen, anderersiets aber bis zum heutigen Tage am Todesort von John Ogilvie nicht mal eine Gedenkplakette angebracht werden durfte. John Ogilvie beging das unvorstellbare Verbrechen, sich als Katholischer Priester im Jahre 1613 auf schottischen Boden begeben zu haben. Nach langer Haft und Folter wurde er 1615 von den Protestanten hingerichtet. Naja, auf jeden Fall soll jetzt in Schottland das "Sich öffentlich Bekreuzigen" eine Art Straftat darstellen. Macht eigentlich auch Sinn, denn offenbar sind die Protestanten in Schottland mittlerweile soweit vom Wege abgekommen, daß man wirklich nicht befürchten muß, daß einer von denen sich in der Öffentlichkeit bekreuzigt. Ergo: Die Tritte kriegen nur die Katholiken (Sprich: Diejenigen, die sich noch trauen, ihren Glauben öffentlich zu bekennen) ab.

Klasse: Zuerst sagt man sich von der einen Kirche los und dann sorgt man dafür, daß endgültig alle Überreste unserer christlichen Kultur aus dem öffentlichen Raum verschwinden. In den Augen dieser Leute soll die Kirche in Zukunft wohl so etwas sein, wie ein politisch korrekter, sozial engagierter Blümchenpflückerverin. Wehe, sie hat irgendetwas mit Ehrfurcht vor unserem Schöpfer und Heiland und dem Ihm geschuldeten Lob und Dank zu tun. Hmm, laß mich mal überlegen, wen das besonders freut (Tip: Es sind die Leute, die ihren Willen zu Demokratie, Frieden, Toleranz und Dialog unlängst mit dem Abfackeln christlicher Kirchen bekundeten).

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, Leute wie die schottischen Politiker, die sich diese Hirnfürze einfallen ließen, hätten keinen Mumm. Jetzt weiß ich, daß sie schlicht und ergreifend dumm sind. Daß ich trotzdem für sie bete, versteht sich von selbst.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, October 02, 2006

Musik!

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen CD-Tip. 1993 veröffentlichten The Breeders ihr zweites Album mit dem Titel Last Splash. Klangen beim ersten Longplayer Pod hier und da noch gewaltig die Pixies durch, so haben sich die Deal-Schwestern und ihre Rhythmus-Sektion auf Last Splash doch ziemlich selbständig gemacht und ein echte Alternativ-Rock-Juwel abgeliefert. Mehr oder weniger bekannt sein dürfte die Hit-Single und der amtliche Breeders Erkennungs-Tune Cannonball. Klar, die Bass-Line kriegt man ja auch kaum wieder aus dem Ohr. Aber - stellt's euch vor - auf dem Album gibt es zwölf weitere Tracks, die allesamt hörenswert sind. Gleich der Opener New Year zeigt an, wo es langgeht: Stadion-Rock-würdiges Intro mit schweren Gitarren und Drums und dann plötzlich die Wende zu fies schmackhaftem Alternativ-Geschraddele. Und das alles in 1:55 Minuten. Nach dem bereits gelobten Cannonball folgt The Invisible Man, auf dem die Breeders zum ersten Mal ihre poppige Seite zeigen, ohne abzuflachen. Saftige Keyboards streiten mit verfuzzten Gitarren, aber es gewinnt Kim Deal's Stimme, die sanft schnurrend zur Suche nach eben dem Unsichtbaren aufruft. Dann kommt No Aloha, einer meiner Lieblingssongs. Zu Beginn ruhig, mit stakkato-artigen Gitarrenakkorden, leichtem Hawaii-Jammern, und sehr feinem Gesang, kloppen plötzlich die Drums los und der ganze Song wird mit Sturm und Drang heimgefahren. Beim nächsten Song, Roi, wird es dann hypnotisch und geisterhaft. Eine eigenwillige Songstruktur, fast instrumental, in der manchmal beinahe komplette Stille herrscht und nur am Anfang und am Ende diese eine Textzeile geseufzt wird. Mumpfig produziert, mit feinen, kleinen Effekten. Do you love me now, ein Remake des Safari-Tracks war vielleicht nicht unbedingt nötig, ist aber trotzdem nett anzuhören. Flipside zeigt dann, daß die Breeders es auch instrumental können. Zwei moshpittige Minuten mit scheppernden Becken, rotzigen Riffs und lustigem Gegröle im Hintergrund. Es folgt I just wanna get along, daß zwischen simplem Pop in der Strophe und schön krachenden Drums und knarzenden Klampfen im Refrain gut abgeht. Mad Lucas nimmt dann jede Menge Tempo raus, mit gespenstischem Gesang, leisen Gitarren, hin und wieder Mal einer gezupften Bass-Saite und fast nicht stattfindenden Drums. Trotzdem ein sehr schöner, eigenwilliger Song. Auf Divine Hammer zeigt sich dann, daß selbst die abgegriffenste Harmoniefolge in den Händen einer Band, die Spaß hat, noch zu einem knüffigen Pop-Juwel mutieren kann. S.O.S. ist das zweite Instrumental-Stück und reißt ebenso mit wie Flipside. Nach dem abhebenden Hag mit seinem Klasse-Refrain kommt dann mit Saints die Mutter aller Alternative-Rock-Hitsingles. Hier stimmt vom zweisekündigen Gitarren-Intro über den treibenden Bass, die melodiösen Riffs bis hin zu den schleppenden Drums einfach alles. Am meisten natürlich die nette Aussage von Kim: "Der Sommer ist bereit, wenn du es bist." Bei Driving on 9 denkt man dann erstmal, man ist auf der falschen Platte. Mit Geige, Banjo, Tanzmucker-Bass und runtergemumpften Drums wird ein folkig-countryesques Perlchen serviert, welches spätestens beim "plim, plim-pi-dim, plim-pi-dim-pi-dim" des Banjo im Refrain sich in die Erinnerung frißt wie der Rost in den Kotflügel eines 1985er Renault 5. Zum guten Schluß dann nochmal 40 Sekunden Roi-Reprise und fertig ist eine der wirklich coolsten Alternativ-Scheiben. Ungewöhnlich, beim ersten Hören wahrscheinlicht noch zu zickig und fremd, wird die Platte mit der Zeit ein richtig guter Freund, der auch nach 13 Jahren noch für einen da ist.

Sunday, October 01, 2006

Wie schon Udo Jürgens im Jahre 1972 sagte:

"Ich bin wieder da!"


Gestern sind Max und ich in Rom eingeflogen. Es ist warm und sonnig. Die Jungs im Kolleg sind alle wohlauf und wir gewöhnen uns langsam aber sicher an den Gedanken, daß nach der Sommerpause nun bald wieder das Schwitzen an der Uni losgeht.


Ich habe grade nicht so wahnsinnig viel Zeit, daher gibt's jetzt nur zwei Photos aus dem Stift mit Vorstellung der neuen Novizen und unserem Josef als Diakon:




Die Hauptpersonen dieses Sommers: Die vier Violetten in der ersten Reihe sind (v.l.n.r.): Josef, Elias, Prälat Bernhard und Clemens. Josef, Elias und Clemens seht ihr nach Ablegen ihrer Ewigen Profeß mit der violetten Chorherren-Mozzetta. In der zweiten Reihen stehen, ebenfalls von links, Albert und Meinrad, die die kleine Profeß ablegten, und dann die sechs neuen Novizen mit dem Novizenmeister Anton: Ambros, Benedict, Gabriel, Quirinus, Anton, Hartmann und Sebastian. Jawoll! Sechs neue Novizen. Es brummt in Klosterneuburg und ich freue mich sehr und bin dankbar, daß der Heilige Leopold über seine Stiftungen so sorgfältig wacht, denn auch Heiligenkreuz hat in diesem Jahr schwer Zuwachs bekommen: Sieben an der Zahl!




Auf diesem Bild seht Ihr Josef kurz nach seiner Weihe zum Diakon und mit ihm das Juniorat unseres Stiftes. Der junge Mann mit dem schwarzen Cape ist Allan, der bei uns im Haus das Noviziat für die Kongregation der Unbefleckten Empfängnis in England macht.


Tja, eine Diakonweihe, drei ewige Professen, zwei zeitliche Professen und sechs Novizen: Ihr könnt Euch vorstellen, daß das Haus vor lauter Gästen aus allen Nähten platzte. Wer mehr Photos sehen möchte, der sollte bei unserer englischsprachigen Seite unter "What's new" nachschauen. Wenn dort die Augustini-Photos mittlerweile durch neuere ersetzt worden sind, dann müßt ihr unten auf derselben Seite im Archiv auf "Augustini 2006" klicken.

Das war's erstmal. Jetzt, wo ich wieder in Rom bin, geht es dann natürlich auf "Rom, römer, am römsten" auch wieder richtig los. Drückt mir die Daumen für das Studium, oder - besser noch - sprecht mal ein Vaterunser für den Herrn Alipius und zündet ein Kerzchen an.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, September 18, 2006

Letzte Nacht hatte ich einen ganz seltsamen Traum

Ich sah die Leiche einer italienischen Ordensschwester in Somalia, auf deren Talar mit Blut geschrieben stand: „In Mohammeds Lehre gibt es nichts Böses und Gewalttätiges.“

Ich sah die rauchenden Trümmer eines Christlichen Gotteshauses in Westbank, an dessen noch stehender Apsis ich in weißer Farbe die Worte lesen konnte: „Es ist nicht wahr, daß der Islam seinen Glauben mit dem Schwert verbreitet.“

Ich sah in Nigeria eine gesteinigte Ehebrecherin neben einem totgeprügelten Schwulen liegen. Beide trugen Schilder um den Hals auf denen geschrieben stand: „Der Papst hat eine dunkle und mittelalterliche Mentalität und hat am Reformgeist der Christlichen Welt keinen Anteil.“

Ich las im Internet den Aufruf der Al Qaida, in dem man zum Mord am Papst und zur Zerstörung Roms aufruft. Ich sah tausende von Moslems bei einem Protestmarsch durch London mit Plakaten, die allen, die den Islam beleidigen, den Tod versprechen. Und ich hörte eine beruhigende Stimme flüstern: „Keine Bange. Die zivilisierte Welt befindet sich nicht in Geiselhaft.“

Ich las in einer Zeitung, daß nur ein verschwindend geringer Anteil der Moslems radikal und gewaltbereit sei und daß die friedliebende Mehreit nicht etwa schweigt, weil sie sich vom Verhalten ihrer bombenwerfenden und haßpredigenden Glaubensgenossen einen taktischen Vorteil erhoffe, sondern weil sie grade an einer ganz ausgefeilten Liebeserklärung zur westlichen Welt und zu demokratischen Werten arbeite und deswegen keine Zeit habe, zu aktuellen Ereignissen Stellung zu nehmen.


Und jetzt die Witze-Abteilung:
Auf der Leserbriefseite der neuen österreichischen Tageszeitung „Österreich“ las ich dies:
    „Ich frage mich, was der Vatikan dazu sagen würde, wenn man den Christen die Hexenverbrennungen vorhalten würde, die vor einigen Jahrhunderten stattgefunden haben. Die Ausrede es anders gemeint zu haben als es gesagt wurde, halte ich für widersprüchlich zur Intelligenz des Papstes. Aber wie man es gewohnt ist: Wasser predigen und Wein trinken.“
Ich schwöre, ich habe mir das nicht ausgedacht. Es stand wörtlich so dort geschrieben.


Betet für den Papst; für die Bischöfe, die Priester, die Diakone; für alle Ordensleute; für alle, die sich anschicken ihrer Berufung zum Dienst in der Kirche zu folgen; für alle katholischen Gläubigen überall auf der Welt.


Alles Liebe,
Alipius

Friday, July 21, 2006

P.S.:

Der Zweitblog cor inquietum bleibt bis Anfang Oktober geschlossen.

Da konnte ich natürlich nicht dran vorbeigehen:

Aus einem Kommentar zu Reinhard Fendrich's Rehabilitationsvorhaben, als Anti-Drogen-Hansele in Schulen aufzutreten, geschrieben von Doris Knecht, Journalistin in Wien und Zürich, in der Presse:
    „Denn daß Problem ist ja nicht, daß Jugendliche Drogen probieren. Das Problem ist, daß sie manchmal darauf hängen bleiben, daß sie manchmal schlechte Drogen erwischen und daß sie manchmal an einer Überdosis sterben.“
Ja, aber warum bleiben Jugendliche denn auf Drogen hängen? Warum erwischen sie manchmal schlechte Drogen? Warum sterben sie manchmal an einer Überdosis? Hey! Wer hat da gerufen „Weil sie Drogen probieren“? In die Ecke und schäm dich! Niemand mag neunmalkluge Vorwitznasen! Im Kommentar heißt es dann weiter:
    „Keineswegs immer; nur werden, um die Tragik jeden individuellen „Manchmals“ zu verhindern,
(fragt nicht)
    Drogen noch immer generell dämonisiert. Auch wenn sich die Aufklärung in den letzten Jahren zusehends differenzierter gestaltet und sich immer mehr an den realen Lebensmustern von Heranwachsenden orientiert, wie etwa die Initiative „ChEck IT“ zeigt. Von der Wiener Drogenkoordination initiiert, bietet „ChEck IT“ Jugendlichen auf Parties an, ihre Ecstasy-Tabletten - wenn sie schon unbedingt welche nehmen wollen - von Experten auf gefährliche und akut gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen. Das Aufklärungsgespräch findet dabei sozusagen ganz von selber und nebenbei statt.“
Übersetzung gefällig? Weil Papa und Mama weder erziehen noch „nein“ sagen können (oder wollen), gibt’s für die Kommunen eine prima Methode um Steuergelder zu verbraten.

„Aufklärungsgespräch“? „Wow! Deine E’s sind astrein! Wo hast du die denn her? Hast Du da mal ’ne Adresse oder Handy-Nummer? Und wieviel kosten die?“.

„Reale Lebensmuster“? Ich strecke die Waffen. Mir bleibt immerhin noch die Kraft, um ein schlichtes „Laßt einfach die Flossen von dem Zeugs!“ zu tippen.


Und wo wir grade bei Vernunft sind: US-Präsident Bush war ja neulich in Wien. Völlig unerwartet entschlossen sich die üblichen Verdächtigen dazu, eine Demo zu organisieren. Ich war an diesem Tag in Wien, weil ich vor dem Schottland-Trip noch ein paar Besorgungen machen mußte. Ich trudelte kurz nach Ende der Demo ein, und auf der Maria-Hilfer-Straße rannten mir überall Punks und Freaks über den Weg, dick bewaffnet mit „Och menno, der Bush ist so doof“-Plakaten. Einen fand ich ganz besonders herzig. Ein junger Mann mit talgigen Dreadlock-Würsten und militantem „Drogen? Ja, bitte!“-Look trug ein Plakat auf welchem geschrieben stand „Ein Massenmörder kommt nach Wien!“ Der Kerl trug zudem noch einen Mao-Sticker und eine Hammer und Sichel-Nadel.

Gut, soviel zu „Wien okay, aber welcher Planet?“ (Dieter Nuhr wird’s mir hoffentlich verzeihen)


Jetzt ist erstmal wieder etwas Sendepause. Wahrscheinlichster Termin der Wiederaufnahme der Blog-Aktivitäten: 1. September

Bis dahin:

Alles Liebe,
Alipius

Ein kurzes "Hallo!"

Seid gegrüßt, alle miteinander!

Nachdem sich nun einen Monat lang auf diesem Blog nichts getan hat, wollt ich mich mal kurz aus Klosterneuburg melden. Ich habe mich natürlich schon längst wieder eingelebt und bin voll in die üblichen Hauspflichten eingebunden. Die Mitbrüder sind alle wohlauf und kommen und gehen aus dem Urlaub und in den Urlaub, so daß die Zahl der Köpfe im Chor irgendwie immer konstant ist, man aber immer andere Gesichter sieht. Ich wollte ja jetzt eigentlich stöhnen und lamentieren, daß es hier in und um Klosterneuburg wahnsinnig heiß ist. Aber ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, daß es bei Euch noch viel wärmer ist. Also nehm ich die Hitze wie'n Kerl und wünsch Euch nur, daß Ihr nicht dehydriert.

Ich war vom 29. Juni bis zum 5. Juli in Schottland. Gerald und Anthony wurden zu Priestern geweiht und beide haben Josef, Max und mich eingelanden, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Es war ein wenig anders, als erwartet, denn obwohl beide für Glasgow geweiht wurden, gab es nicht eine Weihe in der Kathedrale, sondern zwei Weihen, jeweils in der Heimatpfarre. Somit hatten wir also in fünf Tagen zwei Priesterweihen und zwei Primizmessen. Fettes Programm.

Was gibt’s über Schottland zu sagen? Es ist ein sehr anderes aber auch sehr angenehmes Land. Der wohl größte Unterschied zu Deutschland oder Österreich oder Italien ist, daß - speziell in Glasgow - die Protestanten einen gewaltigen Hang zu streckenweise rabiatem Anti-Katholizismus haben. Am ersten Juli hielten die Prots einen traditionellen „Orange“-Marsch durch die Glasgower Innenstadt, bei dem sie jährlich den Katholiken aufs Brot schmmieren, was das Land mal war (nämlich katholisch) und was es heute ist (nämlich das, was es heute ist). Andererseits haben die Katholiken bis zum heutigen Tag an der Stelle in Glasgow, an der einst John Ogilvie hingerichtet wurde, weil er es gewagt hatte, als Jesuit einen Fuß in sein Heimatland zu setzten, noch keine Gedenkplakette angebracht (oder anbringen dürfen). Während der Parade am ersten Juli fuhren wir früh morgens durch die Stadt und für mich sah es erst einmal so aus, als sei dieser Tag für die Protestanten nur eine nette Gelegenheit, ihre Ranger-Trikots zu tragen, um halbzehn schon rotzbesoffen durch die Gegend zu torkeln und „(zensiert) the Pope!“ zu rufen. Während der nachmittäglichen Parade schlichen sich dann tatsächlich vereinzelte Zivilisations-Indizien ein, aber auch dort gab es insgesamt sechzehn gewaltsame Übergriffe und haufenweise glasige Augen und windschiefe Haltungen. Naja, wir fuhren dann zu Gerald’s Primiz und hatten einen sehr schönen Abend.

Landschaftlich ist Schottland wahrscheinlich das interessanteste Land, das ich bisher besucht habe. Die Lochs und die sie umgebenden grünen Hügel und Berge mit vereinzelten Schafstupfern drauf sind so etwas von schluchzschön und malerisch, daß ich gerne ein paar Hektar Land mitgenommen hätte, um sie irgendwo in Franken abzusetzen und somit das wunderbarste Fleckchen Erde zu schaffen.

Anthony und ich standen irgendwann mal beim Mitnehm-Chinesen und warteten auf unsere Bestellung. Auf einer Bank saß ein etwas verlebt dreinschauendes Blondchen mit zwei Kerlen im Blues-Brothers-Look. Die Dame sprach Anthony dann an und die Beiden unterhielten sich für ein paar Minuten. Es klang so, als seien sie alte Bekannte. Aber als ich Anthony dann draußen fragte, wer die Lady war meinte er, er hätte keine Ahnung. „In Schottland quatschen die Leute einander einfach an und tratschen ein wenig rum, wenn sie auf den Bus oder das Essen oder ähnliches warten.“ Das finde ich ziemlich nett.

Wenn man in Glasgow mit Kleriker-Outfit über die Straße geht, dann spuckt die Hälfte der Leute einem vor die Füße und die andere Hälfte legt ihre Jackets in Pfützen, damit man trockenen Fußes über die Straßen kommt. Okay, nicht ganz, aber fast.

Während des Halbfinalspiels zwischen Deutschland und Italien hatte Anthony seine Primizmesse mit einer anschließenden Feier. Wir verließen die Feier, als die offizielle Spielzeit zu Ende war. Im Auto machten wir das Radio an und gaben Gas, um noch den Rest der Verlängerung und das sich abzeichnende Elfmeterschießen sehen zu können. Wir parkten den Wagen kurz vor Ende der Verlängerung und sprinteten vor die Glotzte. Ich kam grad noch rechtzeitig, um die beiden (zugegebenermaßen ziemlich coolen) Tore der Italiener zu sehen. Kacke. Aber klar: Wäre ich ein internationales Team, dem ein Elfmeterschießen gegen Deutschland droht, dann würde ich auch in der Verlängerung noch ganz fix ein Törchen schießen. Naja, immerhin Dritter.

Okay, ich bin weg!

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, June 20, 2006

Tschö!

Ich bin ab morgen früh in der Sommerpause. Daß muß nicht unbedingt bedeuten, daß sich auf "am römsten" für die nächsten drei Monate gar nichts mehr tut. Aber die Beiträge werden sicherlich etwas dünner gesät sein. Voll auf Sendung bin ich dann wieder ab Anfang/Mitte Oktober. Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit, Gottes Segen und vor allem einen Spitzen-Sommer. Bleibt gesund und schaut ab und zu mal rein!

Alles Liebe,
Alipius

Monday, June 19, 2006

"Warner Brothers' fette Männer"

Oder auf englisch "Warner Brothers' Fat Men" ist der Titel eines Essays, in dem Dana Gioia sich Gedanken über die Zeit macht, in der übergewichtige Schauspieler mit ihren Pfunden auf eine Art wucherten, die einen glauben machte, daß Fettleibigkeit keine Schwäche sondern eine Leistung ist. Gioia beklagt im allgemeinen, daß - mit der Ausnahme von John Goodman - heutzutage die etwas solider gebauten Darsteller entweder so spielen, als fühlten sie sich in ihren Köpern nicht wohl oder aber als Clowns oder Comic Relief auftreten.

Gioia konzentriert sich im Essay dann exemplarisch auf zwei Schauspieler: Sydney Greenstreet und Eugene Pallette. Greenstreet ist heute bekannter, weil er in zwei der größten Warner-Hits mitspielte: Der Malteser Falke und Casablanca. Bei Eugene Pallette sagt man erstmal "Hä? Nie gehört!". Von wegen: Jeder hat den 1938er Robin Hood mit Errol Flynn gesehen. Und in diesem Film spielt Pallette Friar Tuck. "Ach der!" Genau. Eugene Pallette ist mir unvergeßlich, weil er in einer meiner absoluten Lieblingskomödien in einer seiner Parade-Rollen auftritt: In Mein Mann Godfrey spielt er Alexander Bullock, einen Selfmade-Millionär, der von einer vollkommen durchgeknallten Familie umgeben ist, die auch nicht für eine Sekunde dazu bereit ist, ihm zuzuhören, wenn es nicht um "Wer bringt das witzigste Ding von der Straße mit"-Parties, um Pferde in der Bibliothek oder um Martinis geht. Diesen Typen hat er dermaßen perfektioniert, daß er ihn in diversen Streifen immer wieder verkörperte.

Schwer zu glauben, daß Palette, der einzige schauspielende Globus in der Geschichte, mal als Jockey arbeitete, weil er so leicht war. Aber es stimmt. Er begann seine Leinwandkarriere auch zu Stummfilmzeiten als Leading Man, der eventuell auch am Ende mal die Braut abbekam. Dann kam der erste Weltkrieg (nach welchem Pallette relativ zügig zu Hollywoods Fesselballon numero uno mutierte) und - schlimmer noch: Der Tonfilm! Denn dieser enthüllte, daß Palette die Stimme eines ausgewachsenen Ochsenfrosches besaß. Ich selbst hörte ihn einmal im Original und es ist wahr: Selbst wenn sein erstaunlicher Leib mal im Gewühl verschwindet, ist er dennoch immer auszumachen, da er mindestens eine halbe Oktave tiefer spricht, als der Rest des Ensembles, wie auch Gioia in seinem Essay vermerkt. Das tolle an der Geschichte ist für mich, daß Pallette (und wie er viele andere Schauspieler in dieser Zeit), die Faktoren, die sein Leinwanddasein als junger Liebhaber ruinierten, packte und sie - häufig erst im zweiten oder dritten Anlauf - zu einer bemerkenswerten, wenn nicht unvergeßlichen Persönlichkeit formte. Und all die kugelrunden Millionäre, Mönche, Politiker, Schurken, Detektive, Handlanger usw. stellt Pallette mit solchem Selbstbewußtsein dar, daß man sich, wenn er als Friar Tuck munter bei jedem Gerangel mitmischt oder als Alexander Bullock gleich seinen ganzen Körper als Rumschubs-Waffe einsetzt, gar nicht darüber wundert, sondern es eher als Bestätigung empfindet. Ein ganzer Kerl, trotz Wampe. Wenn Brad Pitt morgen mit 150 Kilogramm Lebendgewicht aufwacht, wird er entweder Alkoholiker oder Selbstmörder (und ganz schnell auch Ex-Ehemann von Angelina Jolie). Dies groteskerweise in einer Zeit, in der der durchschnittliche Filmkonsument mehr wiegt, als je zuvor.

Deswegen schraddele ich auch all dies hier in meien Weblog. Ich möchte gemeinsam mit Gioia Protest einlegen gegen übertriebenen Schlankheitswahn, sowohl bei Männern, als auch bei den Frauen. Niemand soll sich zu Tode fressen, das ist klar. Aber bittebittebitte, liebe übergewichtige Damen und Herren, laßt Euch nicht einreden, Ihr wärt weniger Wert als die Spindeln, die beim Duschen hin und her hüpfen müssen, um naß zu werden. Euer Körper lechzt von Natur aus nach ein paar Extra-Pfunden? Hört auf ihn! Jedesmal, wenn Ihr Euch an den Strand legt, kommt die Flut? Und wenn schon! Überlegt mal, wer diesen übertriebenen Ideal-Körperkult wirklich nötig hat: Diejenigen, die sonst nichts vorzuweisen haben, oder diejenigen, die es ihrem Körper gestatten können, sich ihrer Persönlichkeit anzugleichen. Ein wenig größer als auf der Slimfast-Packung darf es grade in der heutigen, farblosen, alles gleich machenden Zeit gerne sein.

Ich könnte es auch mit Little John sagen: Als Robin Hood mit Friar Tuck bei seinen Leuten aufkreuzt, ist die Skepsis groß, da es ja immerhin ein Mönch ist, dem hier Zugeng zum Räuberlager gestattet wird. Robin Hood erklärt beruhigend: "Keine Angst! Das ist einer von uns!" Daraufhin Little John: "Sieht eher aus wie drei von uns!" Was ist angenehner: Ein Mensch, der einen Körper für zwei hat, oder ein Mensch, der in seinem Inneren zwei Personen mit sich herumschleppt: Eine dicke und eine dünne, die sich ständig in den Haaren liegen?

Eine schöne Geschichte, die traurig macht

Alec Guinness drehte 1954 in Frankreich den "Pater Brown"-Film. Eines Tages ging er nach Einbruch der Dämmerung, gleich nach dem Dreh, in einem Städtchen spazieren und trug währenddessen immer noch die Soutane. Da kam ein kleiner Junge, den er vorher nie gesehen hatte, nahm ihn schweigend bei der Hand und ging mit ihm, bis er - der Knirps - sein Ziel erreicht hatte und in ein Haus lief. Dies war nicht DER Grund, aber einer der Gründe, warum Guinness zwei Jahre später mit siner Frau zum Katholizismus konvertierte. Guinness sagte, daß ihm diese Momente die Augen dafür geöffnet hatten, daß der katholische Glaube etwas Dauerhaftes und Heiliges sei.

Was mich an den Mißbrauchs-Skandalen in der Kirche am meisten anwidert (abgesehen davon, daß das schamlose Ausnutzen des Vertrauens eines Minderjährigen ausgerechnet durch einen Priester in der Tat nach Schwefel stinkt), ist die Tatsache, daß aufgrund dieser Geschichten die Lütten heutzutage, sollte ein Priester ihnen die Hand hinhalten, eher "Flossen weg, Pervo!" rufen, als daß sie vertrauensvoll zugreifen. Dies allerdings nicht, weil eine empirische Erhebung zu solcherlei Vorsicht rät (sonst dürften die Kinder sich auch nicht von Lehrern, Ärzten oder Mami's neuem Freund anfassen lassen), sondern weil bei allem Skandalgebrüll - verständlicherweise - die gute Seite zugekleistert wird. Da wird's wohl noch jede Menge Arbeit geben. Ich hoffe, daß es eines Tages dahin kommt, daß die Krankheit sowohl aus den Taten der Priester als auch aus der Phantasie der Menschen getilgt wird. Wichtigster und schwierigster Schritt in diese Richtung: Die Priester müssen - ungeachtet dessen, was die Welt ihnen zuruft - tatsächlich wieder heiligmäßig werden, müssen sich sekündlich vor Augen rufen, wem sie dienen, warum sie es tun und was sie Ihm schulden. Und wenn das nicht funktioniert und es zu verabscheuungswürdigen Taten kommt, dann müssen die halt Bischöfe auch mal dreinschlagen, daß es raucht. Lieber noch weniger Priester, als Kinderschänder.

Erst, wenn man einer Versuchung regelmäßig widersteht, wenn man das Widerstehen zur Gewohnheit macht, dann merkt man, daß die Versuchung nachläßt. Abtötung des Fleisches mag heutzutage nach übertriebener Selbstgeißelung und Mittelalter klingen. Wenn andererseits aber Selbstverwirklichung und 21stes Jahrhundert zerstörte Kinderseelen zurücklassen, dann sollte es doch wenigstens für einen Priester keine Frage sein, welchen Weg er geht.

Nur noch vier!

Ja, es ist vollbracht!

Das erste akademische Jahr liegt hinter mir, somit muß ich nur noch vier weitere überstehen. Heute morgen hatte ich mein letztes Examen (Geschichte der mittelalterlichen Philosphie). Es ist wider Erwarten super-erfolgreich verlaufen, also gehe ich auch noch mit einem Extra-Bonus-Glücksgefühl in die lange Sommerpause. Fazit nach dem ersten Jahr: Der alte Sack Alipius kann auch mit 37 Jahren noch lernen und seinen Schädel mit Informationen füllen.

Witzig: Da ich dreizehn Jahre lang am Computer nicht nur gegrafikt sondern auch geschrieben habe, bin ich ein fies schneller Tipper. Das macht sich besonders bei den Professoren bezahlt, die in den Klassenraum kommen, einmal tief Luft holen und dann 45 Minuten lang wie von der Tarantel gestochen drauflosreden. Da schalte ich dann auf Durchzug, tippe einfach nur, was ich höre und lese das Zeugs dann zu Hause. Wenn ich gleichzeitig tippe und mich auf das Gesagte/Geschriebene konzentriere, läuft es irgendwie nicht so rund. Naja, jedenfalls haben unsere afrikanischen/indischen/sonstwoherigen Schwestern ganz fix geschnallt, daß der Herr Alipius wortgetreue Niederschriften der Vorlesungen auf seinem Laptop anfertigt. Also habe ich nach so manch einer Vorlesung eine Schlange von jungen Damen neben mir stehen, die mir brav lächenld kleine Zettelchen mit e-Mail-Adressen auf den Tisch legen und "Pleaseyournotesplease!" fiepsen. Ich laß mich natürlich nicht lumpen und teile gerne. Und vor zwei Wochen habe ich plötzlich eine von allen Schwestern unterschriebene "Danke"-Karte auf meinem Platz gefunden. Das fand ich mal ziemlich rührend.

Saturday, June 17, 2006

Lebenszeichen

Ein herzliches "Hallo" an alle regelmäßigen und gelegentlichen und zufälligen "am römsten"-Leser!

Ich habe mittlerweile sechs von sieben Examen hinter mir. Am Montag steht noch "Geschichte der mittelalterlichen Philosophie" an. Das wird ein echter Knüller. Der Prof ist ein deutscher Dominikaner, und der Kurs am Angelicum in diesem Semester ist sein erster Lehrer-Job. Er macht seine Sache aber wirklich klasse. Er ist einer von diesen endlos geduldigen Typen, die gerne jede Frage beantworten und nicht eher Ruhe geben, bis jedermann es verstanden hat. Außerdem ist er auch ganz humorvoll. Problem: Wir haben nur einen Semester lang mittelalterliche Geschichte. Das heißt, daß von den Apologeten bis hin zur Spätscholastik mal eben alles in 13 Wochen abgehandelt werden muß. Dementsprechend umfangreich ist das Material, daß ich zu lernen habe. Am Montag ist das Examen und so richtig sattelfest fühle ich mich ehrlich gesagt nicht. Aber jetzt ist Samstag Abend (Nacht) und mir platzt die Birne, also suche ich ein wenig Entspannung und kümmere mich mal wieder ein wenig um meine Leser.

Die letzten Tage verliefen eigentlich immer nach dem gleichen Muster: Lernen und live ein paar Schwalben, Blutgrätschen und Tore angucken. War das mal eine sportliche Geste von Neuville, daß er die Murmel in der 92. Minute noch über die Linie gedrückt hat? Jetzt muß Deutschland nur noch gegen Equador verlieren, dann können sie die Tommys diesmal schon im Achtelfinale beim Elfmeterschießen rauswerfen. Italiens Trainer Lippi ist übrigens sozusagen ein Nachbar. Er wohnt ein paar Minuten vom Kolleg entfernt.


Okay, zum Schluß noch ein paar Bilder vom Leben im Kolleg:



1.) Das ist unsere Kapelle. Zugegeben, die Anordnung der Sitze ist etwas wild, aber ich habe mich schon daran gewöhnt. Rechts außerhalb des Bildes ist der Altar zu finden, also gegenüber vom Ambo, was auch irgendwie extraterrestrisch ist. Naja...



2.) Wenn man bedenkt, daß diese Glasfenster aus dem Jahr 2000 sind, dann sind sie eigentlich gar nicht mal so scheußlich. Ich finde sie sogar richtig prima. Man sollte sie aber in natura sehen, um sie richtig schätzen zu können.



3.) Chris (vorne) und Anthony: "Mama! Hol uns hier raus!"



4.) Körperliche Ertüchtigung auf dem Fußballfeld. Alle toben rum, nur der Herr Alipius drückt sich und tut nichts für die Fitness!?!?!



5.) Von wegen! Habt Ihr eine Ahnung, was so ein Gin-Tonic-Glas wiegt? Das ist eine alte Sonntags-Tradition im Schotten-Kolleg: Aperitiv vor dem Mittagessen. Im Hintergrund seht ihr Didier aus dem Kongo (der übrigens ein ganz anständiges Deutsch spricht) und Paul, das wandelnde James-Bond-Lexikon und der Jüngste in unserer Mitte.

Thursday, June 08, 2006

Bin wieder da!

Ich sitz hier vor meinem Computer und mir kommen die axiomatischen Systeme, die glocenischen Sorites und die propter-quid-Demonstrationen schon aus den Ohren. Richtig geraten: Ich hatte heute mein Logik-Examen. Es ist gut gelaufen, aber auf die definitive Note muß ich noch warten.

Nach dem Examen liefen mir bei der Gregoriana Anthony und Chris, zwei Jungs aus dem Kolleg, über den Weg. Wir waren dann bei Abruzzis zu Mittag essen und haben auch ein wenig Wein und Limoncello getrunken und so. Naja, ich war dann gegen halb vier zu Hause und legte mich für ein Nickerchen hin und hab natürlich prompt vergessen den Wecker zu stellen. Also habe ich mal eben das WM-Eröffnungsspiel verpennt. Und das soll gar nicht mal langweilig gewesen sein, wie mir die Jungs, die es gesehen haben, versicherten. Grnft!


Also bin ich so richtig in der Stimmung um ein wenig zu meckern und Dampf abzulassen. Da trifft es sich natürlich prächtig, daß ich unlängst im Netz auf eine wahre Schatztruhe von photographischen Dokumentationen liturgischer Thermonuklearbomben (traurigerweise größtenteils aus dem deutschsprachigen Raum) gestoßen bin, die ich jetzt mal teilweise hier zum Besten gebe:

Den Anfang macht der allseits beliebte "Liturgische Tanz" bzw. die "Sakropantomime":



Jawoll! Schwing die Peitsche, Baby, und schüttel, was deine Mama dir gegeben hat!



Muß man ein autoritärer, konservativer, intoleranter Sack sein wie ich, um so etwas grauenvoll zu finden, oder gibt's da draußen auch ganz normale BürgerInnnen (wie gefällt Euch meine inklusive Sprache, très chique, non?), denen sich in diesem Moment die Haare sträuben?



Heilige Maria, Mutter Gottes! Bitte: Mach, daß es aufhört!


Auch die Priester lassen sich nicht lumpen:



Rechts: "Sorry! Verschlafen! Keine Zeit gehabt, aus dem Pyjama zu schlüpfen!" Zweiter von rechts: "Ja, ich auch!"



"Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse..."



Angriff der Killer-Tomaten! Diese neue Spezies überträgt mit dem ersten Biss in die Nase ein euphorisierendes Grins-Hormon, dem sowohl der Zelebrant als auch der Was-auch-immer neben ihm bereits zum Opfer gefallen sind.


Und hier zwei Highlights aus der Abteilung "Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da ist alles zu entschuldigen":



"Ey, wart mal 'nen Moment! Meine Kippen liegen hier noch irgendwo 'rum."



Ohne Worte (da sie mir fehlen)


Mein persönlicher Favorit:



"Uuuuuuuuuuuuuuuuund..."



"ACTION!"
Ich bekomme immer Bauchweh, wenn ich mir vorstelle, wie beim Brechen dieser Mega-Hostien der Heiland in kleinen Krümeln kreuz und quer durch die Gegend fliegt.


Zum Schluß ein Beispiel für modernen Kirchenbau. Die Kathedrale in Liverpool aus den Sechzigern:



"Forschungsschiff an Heimatplaneten. Sind gelandet. Tarnen uns als moderne Sakralarchitektur. Erwarten weitere Instruktionen."



Okay, genug davon. Ich hab ja noch Glück: Sowohl hier bei den Schotten als auch daheim im Stift bleiben mir solche Spirenzchen erspart.

Ich bin jetzt wieder für ein paar Tage weg, weil ich mich auf zwei Examen vorbereiten muß: Politische Ethik am 14. und Naturphilosophie am 15. Juni.


Alles Liebe,
Alipius

Friday, June 02, 2006

Sarockevolution

Tach!

Dieser kleine Chorherr wird Euch jetzt mal zeigen, wie das Rochett zum Sarockel mutierte. Wie Ihr seht, war am Anfang noch alles im grünen Bereich: Talar (der übrigens bei den Augistiner-Chorherren in ganz grauer Vorzeit weiß war) und darüber ein ganzes Rochett.



Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann ein wenig herumgekürzt. Schwupp, weg waren die Ärmel.



Und irgendwann kam es dann zu diesem bizarren Zwischenstadium.



Endlich kam man dann auf diesen Entwurf, der bis heute jedermann in den Bann schlägt.


Jo, das war's dann auch schon für heute.

Alles Liebe,
Alipius