Thursday, June 08, 2006

Bin wieder da!

Ich sitz hier vor meinem Computer und mir kommen die axiomatischen Systeme, die glocenischen Sorites und die propter-quid-Demonstrationen schon aus den Ohren. Richtig geraten: Ich hatte heute mein Logik-Examen. Es ist gut gelaufen, aber auf die definitive Note muß ich noch warten.

Nach dem Examen liefen mir bei der Gregoriana Anthony und Chris, zwei Jungs aus dem Kolleg, über den Weg. Wir waren dann bei Abruzzis zu Mittag essen und haben auch ein wenig Wein und Limoncello getrunken und so. Naja, ich war dann gegen halb vier zu Hause und legte mich für ein Nickerchen hin und hab natürlich prompt vergessen den Wecker zu stellen. Also habe ich mal eben das WM-Eröffnungsspiel verpennt. Und das soll gar nicht mal langweilig gewesen sein, wie mir die Jungs, die es gesehen haben, versicherten. Grnft!


Also bin ich so richtig in der Stimmung um ein wenig zu meckern und Dampf abzulassen. Da trifft es sich natürlich prächtig, daß ich unlängst im Netz auf eine wahre Schatztruhe von photographischen Dokumentationen liturgischer Thermonuklearbomben (traurigerweise größtenteils aus dem deutschsprachigen Raum) gestoßen bin, die ich jetzt mal teilweise hier zum Besten gebe:

Den Anfang macht der allseits beliebte "Liturgische Tanz" bzw. die "Sakropantomime":



Jawoll! Schwing die Peitsche, Baby, und schüttel, was deine Mama dir gegeben hat!



Muß man ein autoritärer, konservativer, intoleranter Sack sein wie ich, um so etwas grauenvoll zu finden, oder gibt's da draußen auch ganz normale BürgerInnnen (wie gefällt Euch meine inklusive Sprache, très chique, non?), denen sich in diesem Moment die Haare sträuben?



Heilige Maria, Mutter Gottes! Bitte: Mach, daß es aufhört!


Auch die Priester lassen sich nicht lumpen:



Rechts: "Sorry! Verschlafen! Keine Zeit gehabt, aus dem Pyjama zu schlüpfen!" Zweiter von rechts: "Ja, ich auch!"



"Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse..."



Angriff der Killer-Tomaten! Diese neue Spezies überträgt mit dem ersten Biss in die Nase ein euphorisierendes Grins-Hormon, dem sowohl der Zelebrant als auch der Was-auch-immer neben ihm bereits zum Opfer gefallen sind.


Und hier zwei Highlights aus der Abteilung "Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da ist alles zu entschuldigen":



"Ey, wart mal 'nen Moment! Meine Kippen liegen hier noch irgendwo 'rum."



Ohne Worte (da sie mir fehlen)


Mein persönlicher Favorit:



"Uuuuuuuuuuuuuuuuund..."



"ACTION!"
Ich bekomme immer Bauchweh, wenn ich mir vorstelle, wie beim Brechen dieser Mega-Hostien der Heiland in kleinen Krümeln kreuz und quer durch die Gegend fliegt.


Zum Schluß ein Beispiel für modernen Kirchenbau. Die Kathedrale in Liverpool aus den Sechzigern:



"Forschungsschiff an Heimatplaneten. Sind gelandet. Tarnen uns als moderne Sakralarchitektur. Erwarten weitere Instruktionen."



Okay, genug davon. Ich hab ja noch Glück: Sowohl hier bei den Schotten als auch daheim im Stift bleiben mir solche Spirenzchen erspart.

Ich bin jetzt wieder für ein paar Tage weg, weil ich mich auf zwei Examen vorbereiten muß: Politische Ethik am 14. und Naturphilosophie am 15. Juni.


Alles Liebe,
Alipius

Friday, June 02, 2006

Sarockevolution

Tach!

Dieser kleine Chorherr wird Euch jetzt mal zeigen, wie das Rochett zum Sarockel mutierte. Wie Ihr seht, war am Anfang noch alles im grünen Bereich: Talar (der übrigens bei den Augistiner-Chorherren in ganz grauer Vorzeit weiß war) und darüber ein ganzes Rochett.



Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann ein wenig herumgekürzt. Schwupp, weg waren die Ärmel.



Und irgendwann kam es dann zu diesem bizarren Zwischenstadium.



Endlich kam man dann auf diesen Entwurf, der bis heute jedermann in den Bann schlägt.


Jo, das war's dann auch schon für heute.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, May 31, 2006

Feierliche Eröffnung!



Schaut mal hier nach.

Der gehorsame Bruder...

Okay!

Angeregt von meinem Schwesterherz (Huhu! Grüße! Winkewinke!), werde ich nun mal die Besten Filme aller Zeiten bekanntgeben. Okay, okay, okay: Die meiner Meinung nach echt sehenswerten und coolen Streifen. Ich habe blöderweise in meinem Leben einen Riesenhaufen von Filmen gesehen, also werde ich echte Schwierigkeiten haben, mich zu entscheiden, bzw. grade jetzt an die wichtigen und richtigen Filme zu denken. Aber was soll's. Weil's so viele sind, werde ich die Filme nach Genres aufteilen und über einige Tage oder Wochen verstreut veröffentlichen. Fertig? Also, ab gehts:


Kommödien
Zum Aufwärmen erstmal die Lacher. Da gibts natürlich schon echte Probleme. Aber als Verbeugung vor der indirekten Initiatorin dieser Listen, müssen vier Streifen unbedingt hierher:
"Eins, zwei, drei...": "SCHLEMMER!" Die Tatsache, daß während der Dreharbeiten zu diesem Ost-West/Kapitalismus-Kommunismus-Brüller die Berliner Mauer errichtet wurde, sorgte zusammen mit einigen kleinen Anspielungen auf die braune Vergangenheit Deutschlands dafür, daß der Film im Dezember 1961 beim Start in den bundesdeutschen Kinos einen Reinfall biblischen Ausmaßes erlebte. 1985 gab's dann einen Neustart. Und ich kann nur sagen: Ich hab mich weggeschmissen. Hier haben ein paar ganz wache Filmemacher genau zum richtigen Zeitpunkt erkannt, daß die Realität manchmal einfach zu bitter ist, um ernst abgehandelt zu werden.
Hairspray: Trash-Papst John Waters läßt es in diesem Film vergleichsweise geschmackvoll zugehen. Und er bringt es zudem fertig, mit seiner schreiend komischen Hommage an die Sixties-Danceshows ein gepfeffertes Statement in Richtung Minderheitenselbstbewußtsein abzugeben. Denn während die hübschen, weißen Snobs einfach nur verkrampft und vorurteilsverseucht auftreten, sind die Fetten und die Schwatten mit sich voll im Einklang. So was kann schnell zu einer Parade erhobener Zeigefinger mit viel Toleranzschmalz verkommen, aber Waters liefert es als lupenreine Kommödie ab, die einfach auch ein wenig Nachdenken erlaubt. Und - bitte - Debbie Harry mit Zeitbombe im Biehnenkorb? Ich hab heute noch Seitenstiche.
Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß: "Wo ist dein Bruder?" - "Er sitzt mit seien Freunden in der Garage und schnüffelt Klebstoff." Mehr muß ich, glaub ich, gar nicht mehr sagen. Außer vielleicht, daß "Toc-Toc" einer der coolsten Kindernamen der Filmgeschichte ist.
Verrückt nach Mary: Ich hab in Kinos häufig bei Kommödien den nächsten Satz nicht mitgekriegt, weil die Leute so laut und so lange gelacht habe. Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, gingen so ziemlich 70% der Dialoge flöten. Ich weiß, der Humor ist nicht immer stubenrein oder geschmackvoll. Aber wenn ich mich daran erinnere, wie im Mittelgang die Leute auf dem Boden lagen, weil sie einfach nicht mehr Sitzen konnten, oder wie meine Schwester zu meiner Rechten kaum noch Luft bekam, dann fange ich jetzt schon wieder zu kichern an.
Lobende Erwähnungen: Clerks, Dr. Strangelove, Der rosarote Panther (Sellers, versteht sich), Arizona Junior


Kostümschinken
Les Liaisons Dangereuses: Ich werde nie verstehen, warum John Malkovich den Oscar nicht nur nicht bekam, sondern noch nicht einmal nominiert war. Denn er trägt seinen Vicomte de Valmont so grandios, so lässig und so echt durch die Paläste und Gärten des vorrevolutionären Frankreichs, daß man auf der einen Seite sofort versteht, warum die Köppe damals runter mußten und auf der anderen Seite dieser Zeit ewig nachweint. Okay, ein paar Tränen sind wohl auch der Musik, den Interieurs und den Kostümen (hier gab's den Oscar) zuzuschreiben.
Ridicule: Wieder Frankreich, wieder wenige Jahre vor der Revolution. Hier aber geht es mehr um das geschliffene Wort (den Esprit), als um Liebesreigen. Der Film bietet prima Darsteller, schicke Kostüme und eine aufregende Geschichte. Und er schafft es - meiner Meinung nach - eine richtig düstere Vorahnung aufkommen zu lassen. Wenn man den selbstverliebten adligen Wortkünstlern so zusieht und zuhört und dann König Ludwig den Sechzehnten als knüffig-einfältige Kleiderpuppe durch die Gegend stolpern sieht, dann weiß man schnell, wer bei Hofe regiert, bzw. es nicht tut, und man ahnt schon, wie das wohl enden muß.
Amadeus: Okay, mittlerweile hat es jeder geschnallt: Das 18. Jahrhundert hat es mir angetan. Und muß ich zu diesem Augen- und Ohrenschmaus wirklich noch viel sagen?
Ein Mann zu jeder Jahreszeit: Diese filmische Umsetzung von Robert Bolts' Theaterstück über die Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Achten und Thomas More war seinerzeit ein echter Überraschungserfolg, der ganz schwer Oskars eintütete. Es ist aber auch ein starker Film. Kein Augenfutter, keine große Aufregung, sondern ein dialoglastiges Forschen nach Ethik und Moral auf hohem Niveau. Dazu Orson Welles als bester Kardinal Wolsey der Filmgeschichte.
Napoleon: Hier meine ich keineswegs die 2002er TV-Euro-Koproduktions-Schnarchnummer, sondern das dreieinhalbstündige Monster-Stummfilmwunder von Abel Gance aus dem Jahre 1927. Gedreht wurde der Film als Tryptichon, so daß auf drei separaten Leinwänden entweder die Massenszenen als Breitbild laufen konnten, oder die auf der Mittelleinwand sich abspielende Haupthandlung rechts und links mit anderen Bildern untermalt oder komentiert werden konnte. Dieser Film erfordert Sitzfleisch, aber man sollte ihn wirklich einmal gesehen haben.
Lobende Erwähnungen: Der Löwe im Winter (von 1968, nicht das Remake), Der Name der Rose, Krieg und Frieden


Das war's erstmal. Ich weiß, ich habe tausend Filme vergessen, die es ebenfalls verdient hätten, in die Listen aufgenommen zu werden und ich entschuldige mich hier und jetzt vorbehaltlos.

    "Ich liebe diese Listen-Erstell-Anlässe, wenn ich auch weiß, daß wir uns alle schämen sollten, solche Dinge öffentlich zu tun."

    Richard T. Jameson, Herausgeber von Film Comment


Alles Liebe,
Alipius

Geschafft!

Heute war der letzte Vorlesungstag!

Jetzt muß ich mich nur noch durch sechs Examen durchwuseln und dann ist das erste Studienjahr auch schon vorbei. Schnell its's gegangen.

Hach, ich fühle mich wieder wie ein kleiner Bub! Es ist wirklich genauso, wie in der Schule. Okay, ich habe zwar jetzt eine gewisse Reife erlangt, habe geschnallt, daß die Lehrer nicht prinzipiell und essentiell böse sind und daß der Weg zum Erfolg an einer Institution wie Schule oder Uni über den persönlichen Einsatz geht (Erzähl das mal einem Zehn- bis Sechzehnjährigen!). Aber ansonsten ist es wie früher: Je näher der Sommer und die Freien kommen, desto geringer ist meine Bereitschaft/Fähigkeit zu lernen und mich zu konzentrieren.

Die Vögel am Angelicum (besonders die Sperlinge) sind ja so was von abgebrüht: Die kommen während der Vorlesungen durch die im Sommer immer offenstehenden Türen und Fenster in die Klassenzimmer geflogen und schaun mal, ob auf dem Boden irgendwas Aufpickbares rumliegt. Und die fliegen wirklich mit einem Affenzahn auch noch durch den kleinsten Fensterspalt durch, als gäben sie eine Vorführung. Wer weiß, vielleicht tun sie es ja.

Daß wir hier im Schottenkolleg einen Swimmingpool haben, macht sich übrigens in diesen Tagen echt bezahlt.

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, May 30, 2006

Fürchterlich


Diese entzückende Katikatur fand ich auf einer portugiesischen Seite, die sich als links-liberal-laizistische Graswurzelorganisation oder so ähnlich outet. Im Artikel, zu dem die Karikatur gehört, wurde die ahnungslose Öffentlichkeit über die entsetzliche Vergangenheit des Heiligen Vaters informiert, der es doch tatsächlich gewagt hatte, im Alter von 14 Jahren Mitglied der Hitlerjugend zu werden. Titel des Artikels: "Der schlimmste Papst aller Zeiten!"

Mir graust es jetzt schon bei der Vorstellung, daß ein großer Teil meiner künftigen Arbeit darin bestehen wird, Leute wie diesen Karikaturisten aus ihrem Tiefschlaf zu wecken und sie dazu anzuregen, sich mal mit der Realität auseinanderzusetzen.

Aber heute lasse ich einfach mal zwei Bilder sprechen:


Papst Benedikt XVI während seines Polenbesuches in Auschwitz




Gestatten: Der schlimmste Papst aller Zeiten


Meinungsfreiheit schön und gut. Aber wie soll die Meinung frei sein, wenn der Geist in so schweren Ketten liegt, wie bei unserem Schmierfinkchen aus Portugal?

Sunday, May 28, 2006

Schlaflos in Rom

Überall auf der Welt
sagt man vom Mond
er gehe auf und unter.


An meinem Fenster ...

... geht er vorbei.

Saturday, May 27, 2006

Das haben wir natürlich besonders gerne:

Im Stift tagen und dann beim Gottesbezug in der EU-Verfassung rumzicken!


Unser altehrwürdiges Haus wird an diesem Wochenende von den EU-Außenministern heimgesucht. Sicherheitskräfte noch und nöcher, Kabelsalat, Menschenmassen und so weiter und so fort. Was ein Glück, daß ich nicht da bin. Reinhard war so nett, mir ein paar photographische Eindrücke zu mailen. Die teile ich jetzt ganz brav mit Euch:






Ja, so sieht's in den Kaiserzimmern aus. Wie ich unsere Herren kenne, werden sich die Minister sicherlich sehr willkommen fühlen.

Thursday, May 25, 2006

Schwitz!

Salve!

In Rom haben die Temperaturen sowohl am Tage als auch bei Nacht mächtig zugelegt. Ich kann so grade noch damit leben, aber sehr viel heißer darf es wirklich nicht mehr werden. Unsere afrikanischen Schwestern am Angelicum sind - was die Hitze betrifft - ja etwas unempfindlicher. Die sitzen jetzt immer noch in Pulli und Jacke rum und meckern, daß es so kalt ist. Völlig süß.

Und sagt mal, Ihr Lieben daheim: Ist noch irgendwer in Deutschland? Oder sind jetzt endlich ALLE hier in Rom? Ich höre wirklich nur noch meine Muttersprache. Das erleichtert mir die Ausübung meines neuen Hobby's natürlich ungemein. Wenn ich auf eine größere Gruppe zuschlendere und auf einige Entfernung erkennen kann, daß der Sarockel-Schock schon wirkt und mit vorsichtig deutenden Fingern in meine Richtung gerätselt wird, dann mustere ich beim Vorbeigehen mal so die Halsriemen, an denen die Digitalkameras hängen. Wenn dann da sowas draufsteht wie "125 Jahre Raiffeisenbank Buxtehude", dann lasse ich immer ein ganz liebes "Grüß Gott"> fallen. Die "Oh Mist! Sehen wir wirklich so nach deutschen Touristen aus?"-Blicke, die ich dann ernte, sind schon den Eintritt wert.

Heute habe ich mit Chase Hasenoehrl bei Abruzzi's zu Mittag gegessen. Chase ist Ami und studiert am North American College (NAC) in Rom. Er hat uns Weihnachten/Neujahr mit noch einem anderen NACker im Stift besucht. Jetzt sehen wir uns hin und wieder mal zum Essen. Chase's Dad war über Ostern in Rom und die Beiden haben sich einen Wagen gemietet, um zwei Wochen durch Süddeutschland zu fahren und sich ein bißchen was anzuschauen. Chase wollte damals ein paar Tips. Da habe ich ihm natürlich gleich mal Bamberg empfohlen (um nicht zu sagen "befohlen"): Er kam dann auch ganz entzückt zurück und berichtete von dem Hotel, in dem sie nicht nur übernachtet, sondern auch vorzüglichst getafelt hatten: St. Nepomuk! Da konnt' ich natürlich nur breit grinsen. (Für diejenigen, die noch nicht unter meiner Franken- (im allgemeinen) und Bamberg- (im besonderen) Begeisterung zu leiden hatten will ich es mal so formulieren: Bamberg ist meine Mutter (im kulturell/historischen Sinne). Und das Hotel St. Nepomuk ist meine Wahlherberge, wenn ich mal in der Stadt bin.) Ach ja: Abruzzi ist ein Restaurant in der Nähe der Gregoriana. Wer mal nach Rom kommt, der sollte sich die Carbonara dort nicht entgehen lassen. Denn so ziemlich alle Leute, die ich kenne (und ich selbst auch) sind der Meinung: Besser geht es einfach nicht.

Es könnte sein, daß ich diesen Blog in den nächsten Wochen ein kleines bißchen vernachlässigen werde. Die Examen stehen an, und das zweite Semester ist gleich mal ein ganzes Stückchen anspruchsvoller als das erste. Daher werde ich meine Nase verstärkt in Bücher und Unterrichtsnotizen stecken müssen, um wenigstens ansatzweise so anständig abzuschneiden wie im Januar. Aber keine Panik: "Rom, Römer, am römsten" wird nicht zur Wüste.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, May 22, 2006

Die Welt ist klein (Teil II)

Da guckste!

Ich schlendere heute nichtsahnend über die Via del Babuino der Piazz del Popolo entgegen, als ich auf der anderen Straßenseite ein bekanntes Gesicht erblickte. Ich versuchte noch, den Herrn einzusortieren, da bemerkte ich, daß seine Begleiterin ganz interessiert mein Sarockel musterte (das Ding ist scheinbar nicht zu toppen). Ich schlug aus dem Blickkontakt Kapital und überquerte einfach mal die Straße. Und dann dämmerte es auch schon: Vor mir stand HA Schult, Aktionskünstler aus Köln. Das ist insofern interessant, als daß ich Schult im Vergleich zu anderen Aktionskünstlern irgendwie immer mochte. Sein geflügeltes goldenes Auto zum Beispiel fand ich als Beitrag zum Thema "Fetisch Auto" klasse. Seine Müllmenschen sind vielleicht nicht grade schön, aber die schiere Anzahl ist beeindruckend. Und vor allem fand ich "Hotel Europa" umwerfend. Weiß gar nicht, ob das noch existiert.

Naja, jedenfalls gab's dann eine freundliche Begrüßung, und nachdem die Sarockelfrage geklärt war erfuhr ich dann, daß im Oktober die Müllmenschen nach Rom kommen. Das fand ich schon stark, aber noch stärker war, daß HA Schult mir dann seine Visitenkarte gab und mich zur Vernissage einlud.

Na bitte, geht doch! Soll noch mal einer sagen, Kunst und Kirche können nicht mehr miteinander (Naja, irgendwie können sie ja wirklich nicht mehr so richtig, wenn ich mir die Scheußlichkeiten angucke, die einem heute in manchen Sakralbauten so als "Kunst" untergejubelt werden). Hmm... Hat Schult eigentlich schon mal was für die Kirche gemacht? Das wär mal interessant. Ich meine, der wird es sicherlich schaffen, etwas Anständiges zu kreieren, ohne dabei kübelweise Blut über Paramente zu gießen und Barockkirchen in Schlachthäuser zu verwandeln.

Tschö!

Ausflug nach Siena

Grüß Gott!

Heute gibt's mal wieder ein paar Photos. Am Samstag haben wir mit dem Kolleg einen Tagesausflug nach Siena gemacht. Und ich muß schon sagen: Das ist ein schwer hübsches Städtchen! Vor allem die gigantische Piazza in der Stadtmitte, auf der jedes Jahr der berühmte Palio stattfindet, ist beeindruckend. Und auch der Dom ist sowohl von außen als auch von innen einmalig.

Und jetzt kommen ein paar Photos:


1.) Ich wußte nicht, daß es ein Ziviklamotten-Ausflug war. Aber so kamen dann wenigstens auch die Sieneser mal in den Genuß eines Sarockels.



2.) Und außerdem waren unsere Schwestern dann nicht alleine im Habit unterwegs. Das hier ist Schwester Marie-Angela. Sie stammt aus Kroatien und ist dann über Deutschland nach Italien gelangt. Jetzt kocht sie uns alle kugelrund. Und sie ist keineswegs so schüchtern und furchtsam, wie es hier auf dem Foto scheint. Warum ich so ein blödes Gesicht mache? Wüßt ich auch gern.



3.) Schotten-Power! Von links: Kevin, der neulich zum Diakon geweiht wurde; Liam, der an Heuschnupfen/-husten leidet und sich hier grade mal wieder austobt; Gerard, der schon Priester ist; Ross, über den ich jetzt grad nix Schlaues zu berichten weiß; Paul, das Nesthäkchen; Domenico, der bereits 39 Jahre alt ist und ein Italienisch-Studium hinter sich hat, was natürlich das In-Rom-Studieren nur unwesentlich erleichtert und last but not least Michael, der Zweitjüngste.



4.) Das ist Anthony Gallagher, einer von Schottlands nächsten Priestern und ein richtig feiner Kerl. Er wird am 3. Juli geweiht und er hat uns Kloburger eingeladen, dabeizusein. Dann werde ich zum ersten Mal nach Schottland reisen, worauf ich mich schon ziemlich freue.


Oaky, soweit zu den photographischen Eindrücken aus Siena.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, May 21, 2006

Anschnallen!

Hi!

Ich bin zu faul, in meiner Link-Leiste extra eine Rubrik namens "Psychopathen" zu eröffnen. Deswegen werde ich auch den Theologen einfach nur zu den Satireseiten zählen.

Die Jungs vom Theologen (ein ehemaliger evangelischer Pfarrer, einige ehemalige katholische Pfarrer und ein ehemaliger katholischer Religionslehrer) haben es schon so richtig verstanden. Von "Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier"über "Die Kirchen wiegeln den Staat auf, Glaubensgemeinschaften zu bekämpfen, die ihnen ein Dorn im Auge sind" und "Reinkarnation - Urwissen der Menschheit und urchristlicher Glaube" bis hin zum unsterblichen Klassiker "Der Theologe zeigt den Verrat der Kirchen an der Botschaft von Jesus auf und gibt Hinweise, wie jemand den christlichen Weg zu Gott finden kann." ist einfach jeder Brüller dabei, der einem einen langweiligen, verregneten Nachmittag versüßt.

Besonders pikant: Dieter Potzl, Herausgeber des Theologen lieferte am 25. April letzten Jahres bei einer Podiumsdiskussion einen Redebeitrag (Titel: "Reigerung und Volk: Spart euch die Kirche") ab. Veranstalter der Podiumsdiskussion war die Initiative "Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche", die von der Sekte "Universelles Leben" gedankenkontrolliert und gehirngewaschen wird.

Zu schön.

Friday, May 19, 2006

Schau an, schau an!

Die Abzocker entwickeln sich offenbar weiter:

Ihr erinnert Euch vielleicht dunkel daran, daß ich Ende März eine dieser Schwindel-eMails gepostet und ein wenig analysiert habe.

Heute fand ich dann wieder so ein Teil in meiner Mail. Absender war diesmal nicht der Herr Jones Iloba, sondern der Doktor John Bakele (zumindest laut Absender-Information). In freudiger Erwartung weiterer dadaistischer Sprachexperimente und dekonstruktivistischer Satzbauten klickte ich das Teil dann auch gleich mal an. Jedoch: Die Jungs haben mittlerweile dazugelernt. Das Deutsch war vergleichsweise verständlich. Der Schmunzelfaktor war dennoch hoch, da die Mail gleich mal mit
    Sehr geehrter
beginnt, ohne daß dem ein Titel oder ein Name folgt. Ich will nicht kleinlich sein, aber sollte es nicht - wenn man schon auf Anonymität Wert legt - "geehrte(r)" heißen, damit sich auch die Ladies erstens angesprochen und zweitens nicht von der patriarchalischen Dampfwalze an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlen?

Naja, jedenfalls stellt sich der in der Absenderleiste noch "Dr. John Bakele" heißende Herr dann vor:
    Ich bin Dr. John Radebe...
Ich stelle mir die Gauner grad so vor, wie sie in ihrem Kämmerlein sitzen und eMails texten.
    "Hey, Cheech! Auf welchen Absendernamen läuft nochmal das eMail-Konto für die Südafrika-Nummer?"

    "Ähhh... Hab ich vergessen, Chong. Doktor und John und dann irgendwas Sechsbuchstabiges, das nach Afrika klingt."
Dann folgt der übliche Kram:
    ...und ich bin der Leiter des Research Department Committee in der Standard Bank in Südafrika. Zur Zeit halte ich mich in den Niederlanden zu einer Fortbildung auf.

    Ich kontaktiere Sie bezüglich des Transfers einer sehr großen Summe Geldes vom Konto eines Verstorbenen. Ich weiß, daß eine Transaktion dieser Größenordnung zunächst bei jedem Besorgnis erregen wird und versichere ich Ihnen, daß sich um alles gekümmert wird. Aufgrund der Dringlichkeit der Angelegenheit habe ich mich entschlossen, Sie zu kontaktieren.
Blah blah blah. Aber, wie gesagt: Sprachlich eindeutig hochwertiger als die "Das ist auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und Geheimnisvoll."-Nummer vom März. Es geht dann mit der schon bekannten "Reicher Kerl verunglückt bei Flugzeugabsturz und hinterläßt keine Erben, also seien Sie doch bitte so nett und springen ein, damit das schöne Geld nicht in die falschen Händ gerät"-Geschichte weiter.

Zum Schluß wird's dann noch mal lustig:
    Wir bitten Sie, unseren Vorschlag anzunehmen und versichern Ihnen, daß alles absolut risikofrei für Sie ablaufen wird. Wir werden Sie mit 25% an der Transaktion beteiligen, den restlichen Betrag werden meine Kollegen und ich für.
Kein Scherz. Der Satz hört wirklich hier auf. Da läuft die Phantasie natürlich Amok.
    ... flotte Bienen, Koks und Blattgold-Pizza aus dem Fenster werfen.
drängt sich zum Beispiel auf.

Ach ja: Natürlich werde ich eindringlich darum gebeten, die Angelegenheit vertraulich zu behandeln. Sorry Jungs, aber wenn Ihr soviel Unterhaltungspotential besitzt, dann muß ich die Leutchen einfach daran teilhaben lassen.

Bis zur nächsten Spaß-Mail!

Gute Neuigkeiten!

Hallo zusammen!


Gestern wurden in Klosterneuburg Josef, Clemens und Elias zur ewigen Profess zugelassen. Das bedeutet, daß nun erstmals US-Amerikaner im Stiftskapitel von Klosterneuburg sitzen werden, und zwar gleich drei. Mich persönlich freut's ungemein, nicht nur, weil ich die Drei sehr schätze, sondern auch, weil jetzt irgendwie die Weichen so richtig in Richtung Zukunft gestellt sind. Es ist gut zu wissen, daß ich in einem Haus lebe, wo die Nationalität keine große Rolle spielt, solange die Leut anständig katholisch sind! Josef kam gestern spät am Abend ziemlich schachmatt aus Klosterneuburg zurück. Wir haben natürlich trotzdem noch ein Fäßchen aufgemacht und auf ihn und die Anderen angestoßen.

Außerdem wurden beide Novizen - Meinrad und Albert - zur einfachen Profess zugelassen.

Und wir werden auch in diesem Jahr wieder kräftig Zuwachs zu verzeichnen haben.

Also, Ihr Lieben: Ihr seht, daß Eure Gebete Früchte tragen. Vielen Dank dafür und laßt ja nicht locker!


Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, May 17, 2006

Schon gehört?

Lloyd Cole war immer einer meiner ganz großen Favoriten. Mit den Commotions hat er drei Alben abgeliefert, von denen "Rattlesnakes" mit Sicherheit zu den Pop-Klassikern gezählt werden darf. Nach der Bandauflösung startete Cole eine Solo-Karriere. Das zweite Album dieser Phase trägt den netten Titel "Don't get weird on me, Babe" (1991). Hier findet man Lloyd Cole so ziemlich auf dem Höhepunkt seiner Kreativität.

Das Album ist zweigeteilt. Die ersten sechs Songs auf der CD sind mit satter Orchestrierung eingespielt. Der Opener "Butterfly" weist gleich mal ein ganzes Pfund Streicher und Pauken auf und erweist sich als ziemlich hartnäckiger Ohrwurm. "There for her" ist eine ganz klassische Lloyd-hat-Liebskummer-Nummer, die sanft einherplätschert und in der Mitte einen fies-leckeren Instrumental-Part hat. Bei "Margo's Waltz" glaubt man dann streckenweise schon, man hätte aus Versehen Papis "Best of Burt Bacharach"-Scheibe eingelegt, so elegant und Cocktailbar-mäßig geht's zur Sache. Der Siebenminüter "Half of everything" ist dann der erste Höhepunkt der Platte. Wieder geht's um Beziehungs-Unregelmäßigkeiten, serviert in einem klasse Popsong mit Background-Gesang und zwei Gitarrensoli. "Man enough", Titel Nummer 5, ist dann einer der beiden heimlichen Stars des Albums. Vier Minuten grenzenloser Percussion- und Akkordeon-Lässigkeit, garniert mit achttausend Hooklines und einem Spitzen-Chorus. Das sanfte und schöne "What he doesn't know" beendet dann den ersten Teil der Scheibe und "Tell your Sister" zeigt an, in welches Richtung es nun geht: Cole-Pop-Rock vom Feinsten. Streicher raus, Gitarre und Drums rein und ab die Post. Weiter geht's einmal country-mäßig in "Weeping Wine", rockig in "To the Lions" und cool in "Pray for it". Dann folgt mit "The one you never had" der zweite heimliche Star der Platte. Der Song dauert nur zweieinhalb Minuten, hat aber alles: Eine granatenmäßig-simple Hookline zu Beginn, eine eingängige Strophe und einen kurzen, aber feinen Chorus. Zu guter Letzt wird dann auf "She's a Girl and I'm a Man" noch mal ein wenig abgerockt.

Kurzweilig, vielfältig, gut. Ein Album, an dem man lange seine Freude hat.

Ich versteh' die Vögel nicht!

Das ist doch totaler Humbug:

Da sitzen Krähen, Tauben, Spatzen, Meisen und all das andere gefiederte Getier seelenruhig am Straßenrand und trinken aus Pfützen, während an ihnen die Autos und die Busse vorbeibrausen. Komm' ich aber näher, dann heißt es plötzlich 'nichts wie weg'. Dabei bin ich wirklich ein Vogelfreund und würde keinem Piepmatz jemals etwas antun (außer vielleicht dem Roadrunner aus den Warner-Cartoons, weil der dem armen Coyoten immer eins auswischt und dabei so arrogant wirkt). Aber so ein krachender, stinkender Bus, der sich nun wirklich rein gar nichts aus Vögeln macht, der darf an ihnen vorbeizischen, daß die Federn wackeln. Doofes Pack!

Trotzdem: Ich mag Vögel.

Monday, May 15, 2006

Keine Ahnung...

... wer das ist.


Aber als ich dieses Gemälde neulich im Internet fand, da mußte ich einfach grinsen. Und muß es seitdem jedesmal, wenn ich es mir ansehe. Einerseits ist der Gesamteindruck vom Scheitel bis zur Sohle an Theatralik und Pompösität nicht zu überbieten. Aber andererseits macht dieser edle Herr mit einem winzigen Lächeln und zwei leicht angehobenen Augenbrauen ein für alle mal mit dem ermüdenden Oxymoron "weniger ist mehr" Schluß.

Danke dafür!

Touristen-Schocken...

... ist mein neuestes Hobby.


Es ist schon witzig, daß Touristen in Rom automatisch davon ausgehen, daß niemand ihre Sprache versteht oder spricht.

Neulich stand ich bei großzügig plätscherndem Sommerregen in Kutte an einer Ampel. Neben mir standen zwei männliche und zwei weibliche Touristen aus Deutschland. "Frag doch mal den jungen Mann da, ob er bei seinem Chef ein Wörtchen für uns einlegt und für's Wochenende Sonne bestellt!" kicherte eine der Damen ihren Belgeiter an.

"Sie können mich auch gerne direkt fragen," schlug ich vor und erntete ein hübsches Erröten.



Heute stand ich nichtsahnend auf dem Corso an einem Bancomat und zog mir ein wenig Bargeld.

"Höhö, kumma, höhö. Der hat seine Krawatte falsch rum an, höhöhö!" Eine Stimme hinter mir. Männlich, bayrisch, körperchemisch modifiziert.

"Das ist keine Krawatte, sondern ein Sarozium und Teil meiner Ordenstracht," sagte ich, ohne mich umzudrehen, worauf das Gekichere zu Gegröhle anwuchs, welches nicht mehr mir, sondern dem Witzbold galt, der sich nun von seinen Saufkumpanen ganz schön was anhören durfte.



Das Schärfste waren aber die beiden Niederländer, die mich letzte Woche an der Fontana di Trevi schon aus hundert Meter Entfernung anstarrten, als säße mir ein Rauhaardackel auf dem Kopf. Die wußten sich ganz offensichtlich auch keinen Reim auf meine "Krawatte" zu machen. Als ich dann an ihnen vorbeiging, hörte ich den einen mit todernster Stimme so etwas sagen wie: "Das ist wahrscheinlich ein Kardinal." Die Antwort des Anderen ging in die Richtung von: "Aber der hat ja nirgendwo rot!", woraufhin der erste mit noch ernsterer Stimme sagte: "Klar, der ist inkognito!"

Da fiel dann selbst mir nix mehr ein.

Stecknadel im Heuhaufen?

Die Welt ist klein!

Da schlendere ich am Freitag so gegen 14:00 Uhr an der Kirche S. Lorenzo in Lucina vorbei auf den Campo Marzio zu und sehe in gut fünfzig Meter Entfernung eine vor einem Cafe sitzende Dame in meine Richtung winken.

"Na, da hat aber mal jemand einen Bekannten entdeckt!" dachte ich mir ganz unschuldig und blickte über beide Schultern. Da war aber niemand zu sehen.

Als dem Winken dann ein ziemlich exakt auf meine Person weisender Finger folgte und die Dame sich erhob, drängte sich eine gewisse Vermutung auf. Ich ging dann mal unverbindlich in die Richtung der Deutenden, die schon mit hocherstaunter Miene "Hach, ich komm nicht auf den Namen... Biehne, Biehne..." rief.

Für diejenigen, die mit meiner Vergangenheit weniger vertraut sind: Biehne Visuelle Kommunikation GmbH ist der Name meines ehemaligen Arbeitgebers. Das ist ein kleiner aber feiner Laden in Düsseldorf, der jede Menge hübscher Businessgrafiken produziert und dabei vor so ziemlich keinem Kundenwunsch zurückschreckt. Unser größter Kunde waren (und sind wohl immer noch) Management Engineers, eine der größten Unternehmensberatungen in Deutschland. Es blieb in meinen 13 Biehnejahren nicht aus, daß ich hin und wieder auch mal Kunden persönlich traf, sei es rein geschäftlich oder eher auf gesellschaftlicher Ebene.

Zurück zur winkenden Dame in Rom: Da stand vor mir die gute Frau Wendler, Assistentin bei Management Engineers. Der "Herr Müller!"-Groschen fiel dann auch recht zügig und wir beide lachten uns erst mal schlapp, weil es ja wirklich nicht sekündlich passiert, daß man nach Rom fährt und da ein bekanntes Gesicht aus der Heimat trifft.

Naja, ich setzte mich dann zu Frau Wendler und ihrer Freundin, die mit ihr durch Rom tourte und ließ mal ein wenig aus meinem neuen Leben hören.

Von hier aus schöne Grüße an alle ME'ler, die mich noch in guter bis wenigstens mäßiger Erinnerung haben.

Entwarnung

Keine Panik!

Ich habe mich nicht auf einen unangemeldeten Urlaub begeben. Wir hatten von Donnerstag bis heute einen Internt-Ausfall hier im Kolleg. Daher der trostlose Zustand von Rom, Römer, am Römsten.

Jetzt sind wir wieder drin und hier kann's weitergehen!

Monday, May 08, 2006

Oh nein!


Das hab ich ja total vergessen!

Lieber Max!

Ich hab gestern noch ganz spät bei Euch angerufen, aber da warst Du schon im Bett. Also muß ich es dir jetzt auf diesem Weg sagen:




Im August komme ich nach Deutschland. Dann sehen wir uns wieder. Bis dahin alles Liebe!

Dein Onkel Claus!

Sunday, May 07, 2006

Es wird mal wieder Zeit...

... für einen Psalm.

Heute: #1


Der rechte und der falsche Weg

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt,
nicht auf dem Weg der Sünder geht,
nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn,
über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.

Er ist wie ein Baum,
der an Wasserbächen gepflanzt ist,

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt
und dessen Blüten nicht welken.

Alles, was er tut,
wird ihm gut gelingen.

Nicht so die Frevler:
Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,
der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.



Alles klar, oder?

Friday, May 05, 2006

Das Ende der Renaissance in Rom

Heute jährt sich zum 479sten Mal einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Stadt Rom: Der Beginn des „Sacco di Roma“, jenes Ereignisses, welches innerhalb weniger Tage das sonnenumglänzte, prunkvolle Rom der Hochrenaissance mit seinen zu sehr auf Selbstvergötterung bedachten Päpsten und Prälaten einem blutigen und trümmerreichen Untergang zuführte.

Kaiser Karl V. und der französische König Franz I. führten von 1521 bis 1525 Krieg über die Vorherrschaft in Norditalien. 1525 nahm der Kaiser den König gefangen und zwang ihn zur Unterzeichnung des Vertrags von Madrid, in dem Frankreich auf alle Ansprüche in Norditalien verzichtete. Nach seiner Freilassung brach Franz den Vertrag und es gab ein Rematch. Nun wurde auch der Kirchenstaat in die wüste Welt der Allianzpolitik und Diplomatie hineingezogen. Papst Clemens VII trat 1526 der „Heiligen Liga von Cognac“ bei, stellte sich somit an die Seite von Frankreich, Mailand, Florenz und Venedig und gegen den Kaiser.

Ein 20.000 Mann starkes Heer, bestehend aus spanischen und italienischen Söldnern und deutschen Landsknechten, stand dann am 5. Mai 1527 vor den Toren der Ewigen Stadt. Dieses Heer war allerdings nicht irgendein Heer. Man war nach der erfolglosen Belagerung von Florenz gegen Rom gezogen, weil man keinen Sold mehr hatte und weil die Nahrung ausging. Und die Deutschen waren größtenteils Lutheraner. Sie hatten Jahre zuvor wahrscheinlich Luther-Sätze wie
    "...warum greifen wir nicht viel mehr an diese schädlichen Lehrer des Verderbens als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschwür der Römischen Sodoma mit allerlei Waffen und waschen unsere Hände in ihrem Blut ...?"

    oder

    "Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel umbringen, warum wollte ich's nicht tun?"

    (in "Zwo harte ernstliche Schriften", 1518, Tomos I, Punkt II, 24 und 24b)
zugeraunt bekommen. Vor den Toren der damals drittreichsten Stadt Italiens stand also eine Meute beutegieriger, ausgehungerter und zum Teil tollwütig papstfeindlicher Söldner und Landsknechte.

Wer genügend Phantasie besitzt, der kann sich nun selbst ausmalen, wie es zuging, als am Morgen des 6. Mai dieser (zu diesem Zeitpunkt führerlose und jeglicher Disziplin verlustige) Haufen sich in die Stadt ergoß. Diese Kerle waren zum Plündern nicht nur bereit, sondern nach ihrem Selbstverständnis auch berechtigt. Und sie standen nun in der Stadt des Papstes (ergo des Teufels), in der Stadt der von verfeinerten, verwöhnten, prunkliebenden Prälaten (ergo dem Geschwür der Römischen Sodoma) bewohnten Paläste. Sie fanden sich inmitten der aus allen Ländern der Christenheit zusammenfließenden Reichtümer und Schätze (ergo dem unrechtmäßigen Besitz des Antichristen). Und all dies wurde ihnen auf dem Silbertablett hingehalten, denn Stadtmiliz und Schweizargerde waren auf schon beinahe anrührende Art zahlenmäßig unterlegen. Es ist heute wahrscheinlich komplizierter und gefährlicher, einem Jugendlichen einen iPod wegzunehmen, als damals den Kardinälen ihre Schätze zu rauben. Da es aber teilweise scharfgemachte Lutheraner waren, die sich an Papst, Kurie und Kirche vergriffen, kam es nicht zu simplem Raub, sondern zu den raffiniertesten Gräueln und zu Kunstzerstörungen, die so hemmungslos wie sinnlos waren.

Im ersten Sturm wurde erst einmal alles niedergemacht, was sich noch auf der Straße fand, seien es Männer oder Frauen oder Kinder oder Greise. Dann ging es in die Paläste und Villen der Kardinäle, Bischöfe, Adligen, Bankiers und Kaufleute. Der deutsche Landsknecht und Augenzeuge Sebastian Schertlin von Burtenbach berichtet in seiner Autobiographie über den ersten Tag des Sacco:
    "Den 6. Tag im Mai haben wir Rom mit dem Sturm gewunnen, ob 6000 Mann darin zutot geschlagen und die ganze Stadt geplündert; haben in allen Kirchen und ob der Erd genommen, was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt..."

Beim florentinischen Chronisten Guicciardini, in Pastors Papstgeschichte und in der Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter von Gregorovius kann man in streckenweise mehr als unappetitlichen Details nachlesen, was damals zuerst die Reichen und Vornehmen Roms, bald aber so ziemlich jeder Bürger mit Hab und Gut zu erleiden hatte. Raub, Zerstörung, Brandschatzung, Vergewaltigung, Folter, Verstümmelung und Mord bis hinein in die Klöster und Krankenhäuser zusammen mit den besonders für Prälaten reservierten Demütigungen verwandelten die Stadt erst durch das Eintreffen der deutschen Landsknechte in das, was diese dort vorzufinden behaupteten: Die Hölle.

Gregorovius schreibt:
    "Der Morgen des 7. Mai enthüllte einen Anblick zu furchtbar für jedes Wort: die Straßen bedeckt mit Trümmern, mit Toten und Sterbenden; brennende Häuser und Kirchen, widerhallend von Geschrei; ein gräßliches Gewühl von Raub und Flucht; trunkene Kriegsknechte belastet mit Beute oder fortschleppend Gefangene. ... Geräte, Gewänder, Tapeten, Bilder, eine ganze Welt von Kunstwerken der Renaissance, wurden wie Plunder aufgehäuft und so auch behandelt. Spanier und Landsknechte teilten sich Perlen mit Schaufeln zu; der elendeste Knecht besaß 3-4.000 Dukaten. ... Auf zwanzig Millionen Goldgulden schätzte man die Beute der Stadt. ... Kardinal Caetanus ... wurde von Landsknechten durch Rom geschleppt, bald mit Fußtritten fortgestoßen, bald herumgetragen, eine Sackträgermütze auf dem Kopf. So zerrte man ihn fort zu Wechslern oder Freunden, sein Lösegeld aufzubringen. ... Auch der alte kaiserlich gesinnte Kardinal Ponzetta von S. Pancrazio wurde erst seiner 20.000 verscharrten Dukaten beraubt, dann mit auf den Rücken gebundenen Händen durch Rom geschleppt. Nach vier Monaten starb er elend in seinem leeren Hause. Cristoforo Numalio, der Franziskaner-Kardinal, wurde aus seinem Bett gerissen, auf eine Totenbahre gelegt und in Prozession fortgetragen. Die Landsknechte sangen ihm dabei, Kerzen in den Händen, possenhaft die Exequien. So brachten sie ihn nach Aracoeli, wo sie ihn niedersetzten und ihm die Leichenrede hielten. Sie öffneten ein Grab, in welches sie ihn zu versenken drohten, wenn er nicht das Verlangte zahlte. Der Kardinal bot seine ganze Habe; die Peiniger trugen ihn in sein Haus zurück, um ihn dann wieder zu allen denen umherzuschleppen, von welchen er Geld aufzunehmen hoffen konnte.

Das Schicksal der vornehmen Damen und der Nonnen male sich bitte jeder selbst aus.

Es genügte selbstverständlich nicht, die Großen der Kirche zu berauben, zu demütigen, zu verletzen oder gar zu töten. Man wollte, so gut es eben ging, die Kirche selbst schädigen und legte insgesamt ein Verhalten an den Tag, welches den Papst dazu verleitete, die Deutschen zu bitten „das Licht der Kirche nicht auszulöschen“. Denn die Schändungen, Verwüstungen und Zerstörungen der Gotteshäuser und der in ihnen aufbewahrten Heiligtümer, Reliquien und Schätze nahmen streckenweise so groteske und fiese Ausmaße an, daß die Landsknechte von ihren spanischen Mitplünderern mit Waffengewalt von ihrem Treiben abgehalten werden mußten. Die Deutschen verlegten sich dann auf den Hohn, kleideten sich in Kardinals- und Papstroben und ritten in Spottprozessionen bis vor die Engelsburg, in die der Papst sich geflüchtet hatte. Dort rief man Luther zum Papst aus und präsentierte die Stricke, an denen man die Kardinäle aufknüpfen wollte. Ein Strick war aus Seide. Er war für den Papst gedacht.

Auch der Verlust an Quellenmaterial ist unermeßlich: Bücher, Bullen, Akten, Dokumente aus der Buchhaltung der Apostolischen Kammer und der Vatikanischen Bibliothek wurden zerfetzt und in der Sixtinischen Kapelle, die während des Sacco als Pferdestall diente, als Streu verwendet.

Wie hoffnungslos die Lage für Rom war, wird deutlich, wenn man liest, daß die Plünderer erst Anfang Juli 1527, als wegen tausender unbegrabener Leichen die Pest ausbrach, die Stadt verließen und dann Ende September wieder zurückkehrten und ungestört ihr Treiben wieder aufnahmen, Quellen zufolge noch furchtbarer als zuvor, da man nun schon zu jedem nur erdenklichen Mittel greifen musste, um überhaupt noch Beute machen zu können. Endlich wurde am 6. Dezember ein Kapitulationsvertrag ausgehandelt. Am 17. Februar 1528 verließen die kaiserlichen Soldaten Rom, nachdem sie die Ewige Stadt in eine mit Trümmern und Leichen übersäte, rußgeschwärzte Schutthalde verwandelt hatten.

Noch einmal Gregorovius:
    "In der menschlichen Geschichte gibt es kaum ein gleich furchtbares Schauspiel vom Wechsel des Glücks als dieses im Sacco Roms. ... Es verwandelte sich plötzlich übervolles Glück in jammervolles Elend, zerlumpte Armut in prangenden Reichtum. Jene Krieger Frundsbergs und Bourbons, welche wie hungernde Wölfe bei Regen und Sturm durch die Provinzen Italiens gewandert waren, zogen jetzt in Rom einher in Purpurkleidern, die Taschen gefüllt mit Edelsteinen, funkelnde Bänder um die nervigen Arme, den Hals umwunden mit dem goldenen Schmuck edler Frauen oder heiliger Madonnen. Man sah Landsknechte, welche die kostbarsten Perlen in ihre Schnurrbärte eingeflochten hatten. Sie tafelten in Prachtpalästen vom Gold und Silber der Kardinäle, bedient von zitternden Großen. In einer einzigen Nacht war die glänzende Hülle von Rom gefallen."

Es scheint unter Historikern abgemacht, daß zur Zeit des Sacco
    „diese Schwärme von Pharisäern und Höflingen, Kardinäle, Bischöfe, Monsignoren, Protonotare, Ordensgenerale, Richter, Barone und Signoren, alle diese im Pomp der Etikette mit Protektormienen einherwandelnden Herren und Herrendiener, welche gewohnt gewesen, sich für die Blüte der Welt zu halten und auf Nichtrömer mit Geringschätzung herabzusehen“,
ein wenig zu sehr dem irdischen Glück und dem materiellen Besitz nacheiferten. Dennoch brachte der Sacco das katastrophale Ende einer glänzenden Epoche, von der Ranke schreibt, sie sei trotz ihrer Laster
    „nicht minder von edlem Bestreben, Geist und Bildung, produktiv geschmückt mit unübertrefflichen Kunstwerken, wie sie die Welt nicht wieder hervorgebracht, einem Reichtum, durch das Gepräge des Geistes geadelt und von lebendiger Fortwirkung.“
Und mir fällt es wirklich schwer, kein Mitleid mit denen zu empfinden, die nach Meinung vieler „selbst Schuld“ waren. Wenn ich mir so vorstelle, wie ein an Sicherheit, Wohlleben und Überfluß gewöhnter Prälat sich plötzlich auf der Folter wiederfindet, oder wie er grün und blau geprügelt wird, oder wie er rückwärts auf einem Esel sitzend gefesselt unter Hohnrufen und durch die Stadt geführt wird, oder wie er mit seiner Amtstracht bekleidet in eine Kotgrube gestoßen wird, um dort nach vielleicht verborgenen Schätzen zu suchen, oder wie er in seinem eigenen verwüsteten und geplünderten Palast in Lumpen gehüllt rohem Kriegsvolk als Stallknecht oder Wasserträger dient, dann wird mir nicht grade warm ums Herz.

Mit dem Rom der Renaissance war es jedenfalls aus und vorbei und die Stadt hat sich erst mit der Gegenreformation wieder erholt. Papst Clemens VII ließ sich als Antwort auf den Ruin einen Büßerbart stehen, den er für den Rest seines Lebens trug.

Insgesamt geht man davon aus, daß im Sacco 30.000 Römer starben, daß eine Beute von 10 Millionen Golddukaten entstand (nach einer Umrechnungstabelle, die den Wert des Dukaten im Jahre 1700 berücksichtigt, sind dies - wenn man es denn glauben kann - 3 Milliarden Euro) und daß 90% der Kunstschätze Roms verlorengingen.

Die Schweizergarde hat den 6. Mai, den Tag, an dem fast die ganze Truppe in Erfüllung ihres Auftrages gefallen war, als hohen Gedenktag beibehalten. Auch heute noch werden im Gedenken an den Sacco di Roma jedes Jahr am 6. Mai die neuen Rekruten in Rom vereidigt.

Oh no!

Ich weiß ja nicht, wie es in Deutschland ausschaut, aber wenn ich mir die gepflegte Skater-/Hip-Hop-Jugend Roms so anschaue, dann drängt sich eine Erkenntnis auf: Vokuhila ist wieder da!

Und dies in einer besonders offensiv-scheußlichen Subspezies: Der 2002'er-Beckham-Mohawk (links) wird oben einfach stark aufgegelt und hinten länger gelassen. Dazu dann engst sitzende T-Shirts, die obligatorischen, sackförmigen Jeans mit Schlüsselkette und klobige Sport-Treter. Wenn man sich vorsichtig einem Urteil über die Zeit, in der wir leben, nähern möchte, dann sollte man nicht vergessen, daß Unterhosendesigner sich heutzutage ganz schön den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie sie ihre Bündchen stylen, um bei den Jugendlichen gut anzukommen. Denn deren Jeans hängen ständig überall, nur nicht in der Taille.

Da ich aber selbst mal ein Teenie war (dochdoch, stimmt schon, war ich mal) und daher aus eigener Erfahrung weiß, mit welcher Engelsgeduld und Überzeugung man in diesem Alter die beklopptesten Dinge nicht nur tut sondern vor allem auch trägt, drücke ich hier beide Augen zu und vertraue darauf, daß sich all diese Labbesse mal irgendwann anständig entwickeln werden.

Wednesday, May 03, 2006

Hoppla!



Gar nicht so einfach, mit Soutane aus einem Wagen zu steigen. Dafür sieht man aber, daß Seine Exzellenz sich an Regel #1 hält: Unter dem Talar bitte keine Hose!

Diesen hübschen Schnappschuß fand ich im Catalogus des Katholiek Documentatie Centrum, einer Seite, die einem so ziemlich alles über den Niederländischen Katholizismus verklickert, was man wissen möchte. Wer sich vor der Sprache nicht fürchtet, dem sei ein Besuch ans Herz gelegt.

Stöhn!

Heute abend findet im Olympiastadion in Rom das Finale des Italienischen Pokals zwischen AS Rom und Inter Mailand statt. Das bedeutet, daß auf den Straßen der Ewigen Stadt Fußballfans unterwegs sind. Und zwar nicht ein paar Dutzende, oder Hunderte, oder Tausende, sondern ALLE! Fast zwei Stunden habe ich vom Angelicum bis ins Schotten-Kolleg gebraucht. Wenigstens ging's auf den Straßen noch friedlich zu. Ich freue mich schon auf die erste Begenung zwischen Lazio und Roma, die ich hier miterleben darf. Dann brennen die Fäuste und die Autos fliegen (oder war's anders herum?).

Tuesday, May 02, 2006

Ich weiß, ich weiß...

... man soll sich ja nicht über die Leut lustig machen. Aber mal ehrlich: Wenn sich ein Club Bund gegen Anpassung nennt und dann im Meta-Text mit den drei Programmpunkten "Geburtenkontrolle, Arbeitszeitverkürzung und Gleichheit weltweit" wirbt, dann grinst man doch schon, bevor man die Seite geöffnet hat.

'Egal,' dacht ich mir. 'Das könnte ja ganz unterhaltsam werden.'

Und in der Tat: Die "ehemals Marxistisch-Reichistische Initiative" bietet alles auf, was man von den Ewiggestrigen aus der ganz linken Ecke so erwarten darf. Sie enthüllen die "ganz gefährlichen" Wahrheiten, wie z.B. daß Deutschland ein Raubstaat ist, daß wir in einer Welt der Täuschungen und Lügen leben, daß die Kirche alles puttmachen will, was wir uns seit 1789 so alles an schicken Rechten angeeignet haben.

Sie behaupten, wir hätten dem Revolutionär Jacques-René Hébert, einem blutrünstigen Psychopathen, die authentischen Menschenrechte zu verdanken.

Sie sehen die erträgliche Obergrenze der Weltbevölkerung bei einer Milliarde. Das macht Sinn, denn je weniger Menschen man das Gehirn waschen muß, desto schneller kann man seine wahnwitzigen Wünsche in die Tat umsetzen.

Sie wollen Gleichheit weltweit und fahren fort:
    "Warum weltweit? Weil jede Insel im gegenwärtigen Meer von Zwang, Dummheit und gesellschaftlicher Ungleichheit im Hagel der US-Bomben zerfetzt würde."

Die Sprache, derer sich die Unangepaßten dabei bedienen, ist grob, beleidigend und gossenhaft. Alles ist Verschwörung, Volksverdummung, Scheiße, Gepfaff, Niedertracht, Hinterlist, Betrug und Täuschung. Die Welt besteht nur aus Mächtigen und Dummen und aus den paar erleuchteten Individuen des Bundes gegen Anpassung. Und die wissen schließllich ganz genau, wie es zu laufen hat:
    "Um die Durchführung unseres Programms eines Tages erzwingen zu können, bedienen wir uns grundsätzlich jeder wissenschaftlichen Erkenntnis; für besonders geeignet und ergiebig halten wir diejenigen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki im Verbund mit denjenigen Freuds und seiner authentischen Schüler, aber auch die moderne Biologie gibt manches her und bewahrt vor historischen und intellektuellen Irrwegen."

Niedlich, oder?

Monday, May 01, 2006

Simpsons-Fans, aufgepaßt!

Das (englischsprachige) Simpsons Archive informiert Euch über mehr, als Ihr jemals wissen wolltet. Jeder Couch-Gag, jeder Tafel-Spruch, Texte zu allen Songs, jeder Scherz-Anruf bei Moe, alle D'oh's, alles, einfach alles ist dort aufgezeichnet. Die Seite ist weitgehend Grafik-frei, was den angenehmen Effekt hat, daß die streckenweise langen Listen flott laden. Also, wenn Ihr immer schon mal irgendetwas über die Simpsons wissen wolltet, dann seid ihr im Archiv genau richtig!

Saturday, April 29, 2006

Heilige des Tages

Mitpratonin Europas, Kirchenlehrerin, Schutzheilige Italiens: Die Liste kann sich sehen lassen.

Die Heilige Katharina von Siena (1347 - 1380) ist eine der ganz großen Frauen der Kirche. Auf der Abbildung seht ihr die Mystikerin in ihrer Ordenstracht als Dominikanerin, wie sie im Alter von 27 Jahren die Wundmale des Herrn empfängt. Sie besaß eine Vertrautheit und Liebe zu Christus, die für heutige Gemüter nur schwer nachvollziehbar ist. In einer ihrer Visionen nahm Christus ihr das Herz aus der Brust und setzte ihr sein eigenes ein. Und mit Christi Herz in der Brust war für sie die Verpflichtung gegenüber den Armen, vor allem aber auch gegenüber den Verfeindeten, eine Selbstverständlichkeit.

Katharina wurde in eine mehr als wüste Zeit hineingeboren: Ein Jahr nach Katharinas Geburt brach über Europa die Pest aus, zwischen Frankreich und England tobte der Hundertjährige Krieg, in Italien bekämpften sich die Adelsparteien, und die Päpste versuchten von ihrem Exil in Avignon aus recht erfolglos, den Kirchenstaat zu regieren.

Katharina wurde getrieben von Sorge um die Kirche. Sie ermahnte den in Avignon regierenden Papst zur Rückkehr nach Rom und wünschte sich den Frieden zwischen Florenz und dem Papsttum. Diese beiden Ziele erreichte sie, was ihr eine große Autorität einbrachte. Als dann das abendländische Schisma ausbrach, sah die Heilige ihr Werk gefährdet. Sie starb zwei Jahre später schwer krank in Rom mit 33 Jahren (ein Alter, das uns bekannt vorkommt, oder?).

Interessant ist, daß Katharina nie davor zurückschreckte, den großen der Kirche die Leviten zu lesen und sie wenn nötig zu kritisieren, sie anzuspornen, das Gold des geistlichen Besitzes dem des weltlichen vorzuziehen, sie dazu aufzurufen, die Einheit und den Frieden unter den Christen zu stärken. Dabei war sie von einer solchen Liebe zur Kirche erfüllt und vom Stellvertreteramt des Papstes so vollkommen überzeugt, daß sie eine tatsächliche Auflehnung gegen die päpstliche Autorität nie duldete. Eines ihrer Zitate, bei dem wahrscheinlich dem Großteil der "aufgeklärten" Menschen die Ohren bluten, lautet:
    "Ihr wißt ja, daß Christus einen Stellvertreter zurückließ zum Heil unserer Seele. Wir können unser Heil nicht anders erlangen als im mystischen Leib der hl. Kirche, dessen Haupt Christus ist und dessen Glieder wir sind. Wer den Christus auf Erden – der den Christus im Himmel vertritt – nicht gehorcht, der nimmt am Blut des Gottessohnes nicht teil. Denn Gott hat es so eingerichtet, daß durch dessen Hände Christi Blut und alle Sakramente der Kirche uns zukommen. Es gibt keinen anderen Weg und keine andere Pforte für uns."
Und weil's so schön und richtig war, gleich noch ein Zitat über die Kirche:
    "Das Licht des Geistes hatte ich in der ewigen Dreieinigkeit geschaut. Und ich sah in diesem Abgrund die Würde des Menschen und zugleich das Elend, in das der Mensch durch die Todsünde fällt. Und ich sah die Notwendigkeit der hl. Kirche, die Gott in meinem Herzen offenbarte. Ich sah, daß diese Braut, die Kirche, Leben spendet, und daß sie solche Fülle des Lebens in sich hat, daß niemand sie töten kann; und daß sie Kraft und Licht spendet und daß keiner sie schwächen, noch in ihrer Wesenheit verdunkeln kann. Und ich sah, daß ihr Reichtum niemals versiegt, sondern stets wächst."
Da klaffen schon Welten zwischen den Fähigkeiten und dem Glauben dieser großen Frau und dem, was man heute so alles hören und lesen muß.

Santa Catharina, ora pro nobis.

Friday, April 28, 2006

Der Sommer kommt!

Seid gegrüßt!

Ich sitze hier bei geöffnetem Fenster in meinem Zimmerchen im Schottischen Kolleg und lausche dem auch um 20:40 immer noch tosenden Verkehr. Es ist vor wenigen Minuten erst dunkel geworden und es ist angenehm warm.


Am Montag wird auch hier der Tag der Arbeit gefeiert. Das verlangte natürlich - der italienischen Logik zufolge - am heutigen Tag nach einem Streik des Busverkehrs. Wenn man schon ein langes Wochenende hat, dann soll es ja schließlich auch ein richtig langes werden. Die Kritik werden dann mit Erscheinen der nächsten Zeitung wieder die armen Taxifahrer einstecken müssen. Denn es wird nach jedem Busfahrerstreik (im Durchschnitt einer pro Monat) lamentiert, das die Taxler schlampig und faul sind, weil am Streiktag nicht genügend von ihnen unterwegs waren. Richtig sollte eigentlich darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Taxifarer sich einen Wolf arbeiten und trotzdem die Nachfrage nicht decken können, weil es einfach viel zu viele Leute gibt, die an einem Streiktag fahren wollen. Ich kann schon manchmal verstehen, warum die Kutschierer in Rom häufig mies gelaunt sind.

Wäre Rom ein stehendes Wasser und ein Tourist eine Bakterie, dann müßte man spätestens seit dieser Woche von der Ewigen Stadt sagen, sie sei gekippt.

Ach ja: Ich hatte endlich mein erstes Eis bei Giolitti's und kam mit stolzgeschwellter Brust heim, nur um dann in der eMail einen Kommentar zu meinem 100sten Posting zu finden, in dem ich in Deutscher Sprache vom "anderen Flußufer Roms" darauf aufmerksam gemacht wurde, daß es das beste Eis in dieser Stadt selbstverständlich irgendwo transtiberisch gibt. Mir hat's bei Giolitti's trotzdem geschmeckt.

Witzig: Gestern hatte ich ein Semestermitte-Examen in "Philosophy of Nature". An einer Stelle wurde nach dem Namen des Mannes gefragt, der eine Theorie mit einem Bibliotheken-Katalog verglichen hat. Gelernt hatte ich Henri Poincare und gewußt habe ich es eigentlich auch. Blöderweise war ich genau zum Zeitpunkt der Frage so durch den Wind, daß mir der Name grad nicht einfiel. Ich wußte nur "irgendein berühmter Franzose, der mit Vornamen Henri heißt." Und dann war ich mir doch plötzlich einhundertprozentig sicher, den Namen wieder zu wissen und schrieb ganz stolz "Leconte". Als ich fertig war, legte ich meine Arbeit auf dem Pult vor Professor Bagood ab und ging raus, um erst mal ganz entspannt eine zu rauchen und auf die Anderen zu warten und "Was hast du bei Frage 18 geschrieben?" zu spielen. Die Türe zum Klassenraum stand offen, weil es warm war. Ich schlenderte dann so hin und her und blickte irgendwann mal in die Klasse. Da grinste Bagood - der mittlerweile meine Antworten teilweise gecheckt hatte - mich an und machte mit seinem rechten Arm eine Tennis-Aufschlag-Bewegung. Und mir fiel's wie Schuppen von den Augen.

Wußtet Ihr, daß das Zitat "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" von Aristoteles stammt? Ich nicht. Hab's erst heute gelernt.


Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, April 26, 2006

Schön, daß sich in den zwei Wochen nichts geändert hat...

Der Iran bastelt an der Bombe und Ahmadinedschad protzt mit 40000 bereit stehenden Selbstmordattentätern und der Auslöschung Israels.


In Ägypten explodieren ein paar ganz Inspirierte vor lauter Freude und reißen zwanzig Urlauber mit in den Tod.


In Indonesien mußte mittlerweile ein Waisenhaus für Kinder eröffnet werden, deren christliche Eltern von Moslems ermordet wurden.


In Wien findet die Konferenz der europäischen Imame statt.


In Österreich muß man jetzt auch bei Tag mit Licht fahren (z. B. in die Abtreibungsklinik), weil das im Jahr circa dreißig Leben retten kann.


Und natürlich ist die einzig legitime Schlagzeile, die den Tatbestand wahrheitsgemäß widergibt diese: "Vatikan erlaubt Präservative!" In diesem Zusammenhang habe ich einen herrlichen Kommentar im Kurier gelesen:
    "...der gesunde Menschenverstand... sagt einem auch, daß es zynisch ist, Enthaltsamkeit als besten Schutz vor Aids zu empfehlen - angesichts der Tatsache, daß unzählige Frauen von ihren fremdgehenden Ehemännern angesteckt werden."
Bei soviel Unlogik stehen mir natürlich die Nackenhaare zu Berge. Die Empfehlung zur Enthaltsamkeit richtet sich wundersamerweise auch die Ehegatten, und wenn diese die Empfehlung ernst nehmen, dann gehen sie nicht fremd und es stecken sich auch keine Frauen an. Besagter Kommentar trägt den Titel "Das kleinere Übel" und prunkt mit der tiefen Erkenntnis:
    "Die katholische Kirche steckt grade vorsichtig die kleine Zehe ins 21. Jahrhundert."
Das 21. Jahrhundert tut zum Schutze des Lebens zum Beispiel Folgendes: Es legt zum einen Nichtraucherzonen und zum anderen Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 kmh oder 60 mph fest, weil sich so ein errechneter Durchschnitt von Leben pro Jahr retten läßt. Die sich aufdrängende Logik ist, daß man einerseits das Rauchen schlicht und einfach verbietet und andererseits eine Höchstgeschwindigkeit von - sagen wir mal - 5 kmh ansetzt, um Bewegung noch zu ermöglichen aber ein Minimum an Lebensgefahr zu erreichen. Dies wird nicht getan. Folglich ist hier ganz offenbar die Gefährdung von Leben das geringere Übel gegenüber der Streichung von Arbeitsplätzen in der Tabakindustrie, gegenüber einer Einschränkung der persönlichen Freiheit (sprich: dem Recht, sich mit Zigaretten auf Raten selbst zu töten) oder gegenüber unzumutbaren Wartezeiten bei Millionendeals auf dem globalen Basar. Die Kirche ist da einen Schritt weiter: Ihre Lehre ermöglicht es den Menschen, den Geschlechtsakt auf sein eigentliches Ziel zu konzentrieren, dabei die Würde zu behalten, im Stande eines vernunftbegabten Tieres zu verharren und sich nicht in einen lust-kontrollierten Sex-Roboter zu verwandeln. Ihre Lehre ermöglicht das Leben, sowohl das ungeborene (Sex als Mittel zur Zeugung), als auch das bereits existierende (Enthaltsamkeit und Treue als Schutz vor Infektion).

Das Zuckerstückchen zum Schluß, ebenfalls aus besagtem Kurier-Kommntar:
    "Wenn die Flut kommt, kann man natürlich predigen, daß das Wasser naß und böse ist. Sinnvoller wäre es, schwimmen zu lernen. Dem neuen Papst ist zuzutrauen, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen."
Ungeachtet des im letzten Satz ausgedrückten immensen Vertrauensvorschusses sei angemerkt: Wenn die Flut kommt, dann sitzen diejenigen, die ihre Zeit nicht mit dem Erlernen von ermüdenden Bewegungen in endlosen Wassern verplempert haben schon längst in der Arche. Und diese Arche trägt nach wie vor den Namen "Katholische Kirche".

Tuesday, April 25, 2006




Frohe Ostern und ein herzliches Willkommen an alle treuen "am römsten"-Leser!

Es geht wieder los! Weg mit den Taschentüchern und die Tränen getrocknet! Nach zwei wundervollen Wochen daheim im Stift brachte die Lauda-Air Josef und mich heute morgen aus dem sonnigen Klosterneuburg zurück in das etwas graue und erstaunlich kühle Rom.


Ach nee, Kinders, was ist das schön, zusammen mit der ganzen Klosterneuburger Gemeinde in unserer Basilika die Osternacht zu feiern! Osterfeuer, Lumen Chrsiti, hunderte von leuchtenden Kerzen, Weihrauchschwaden, das erste Halleluja nach 5 Wochen und mit brausender Orgel wird einem die Freude der ganzen Welt über den Auferstandenen sanft um das Gemüt gelegt. Wer so etwas miterlebt, der versteht, warum der Herrgott uns die Sinne geschenkt hat.

Lukas' Priesterweihe ist auch ganz glatt verlaufen. Der Gute war vorher schrecklich nervös, aber als es dann soweit war, konnte man ihm die Ergriffenheit zwar äußerlich ansehen, aber er sprach mit fester Stimme und zitterte überhaupt nicht. Und auch bei der Primiz wirkte er sehr sicher und gefestigt. Und die Heilige Mutter Kirche freut sich über einen neuen Priester. Betet für ihn.

Schade, daß ich mich nach zwei Wochen schon wieder von meinen Mitbrüdern und dem Stift verabschieden mußte. Die Anderen sind alle wohlauf. Clemens und Daniel mußten leider ganz plötzlich nach Amerika, um einer befreundeten Familie Beistand zu leisten, die einen tragischen Todesfall zu beklagen hat.

Wir haben mit unserer Choralschola einen Teil des Weihegottesdienstes gestaltet und das Ganze kam ziemlich gut an. Großen Anteil am Erfolg hat unser Herr Meinrad, der mit seiner wirklich schönen Stimme ein wunderbares Halleluja gesungen hat.

Das war's erst einmal in aller Kürze. Ich leg mich jetzt in die Wanne und dann ins Bett. Ich bin seit 4:30 auf den Beinen und morgen geht's auch wieder früh los.

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, April 08, 2006

Aller Abschied fällt schwer!



Aber ich bin ja nur für zwei Wochen weg. Also bleibt stark.
Auf ein Wiedersehen nach Ostern!

Alles Liebe,
Alipius

Friday, April 07, 2006

Wir sind gekommen, um unsere Kämme zurückzufordern!


Was soll ich sagen? Ich war mal einer derjenigen, die von sich behaupteten, der größte Cure-Fan der Welt zu sein. Während ich mit dem ganzen "sich nachts auf Friedhöfen rumteiben und unheimich gotisch sein" rein gar nix anfangen konnte und mir die Fraggle-Szene bis auf die schwarzen Klamotten eigentlich auch immer ein wenig suspekt war, finde ich das ein oder andere Cure-Album heute immer noch hörenswert.


Für eines werde ich den Jungs um Fat Bob Smith aber ewig dankbar sein: Über sie bin ich vor einundzwanzig Jahren auf meine uneinholbar für immer auf Platz eins liegende Lieblingsband gestoßen: And also the Trees (Foto links)

Wenn Ihr die Trees schon kennt, dann wißt Ihr, was ich meine. Wenn Ihr sie nicht kennt, dann wird es höchste Eisenbahn. Die Briten formierten sich 1980, veröffentlichten 1983 ihr erstes Album (produziert von Lol Tolhurst, was ihnen jahrelange Vergleiche mit The Cure einbrockte) und brachten bis heute insgesamt acht weitere Studioalben heraus. Es gibt noch zwei Compilations (From Horizon to Horizon und 1980-2005), welche zum Anfixen für Neueinsteiger ganz interessant sind.

Was soll ich nun über die Trees sagen? Sie haben sich musikalisch stets weiterentwickelt, sind immer neue Wege gegangen und sich doch immer treu geblieben. Es beginnt mit den beiden ersten, leicht düsteren Scheiben And also the Trees und Virus Meadow. Von der Gruft zogen die Jungs dann um ins Herrenhaus, schlüpften in Gehrock, Weste und Plastron und veröffentlichten das tonnenschwere, romantische, hinreißende Meisterwerk The Millpond Years. Diesem folgte mit Farewell to the Shade der Höhepunkt der Romantik-Phase und zugleich die endgültige Befreiung der Band von allen Einflüssen und Vergleichen. Das fünfte Album, Green is the Sea, überrascht mit einem satten Piano, das sich fast als roter Faden durch das Werk zieht. Zudem weist die Platte mit Tremendous Risk for Mr. Ferdico und The Man who knew zum einen das atemberaubendste und zum anderen das schönste Instrumental-Stück der Band auf. The Klaxon, Album Numero sechs, findet die Trees während des Umzugs vom Landsitz in die neon-beleuchtete City. Die Songs werden spannungsgeladener und der Sound irgendwie "städtischer". The Flatlands, der letzte Track auf dem Album, ist so unvorstellbar schön, daß ich gar nicht erst versuchen werde, ihn zu beschreiben, sondern Euch nur auf Knien anflehe, ihn zu hören. Endgültig auf den regennassen Straßen der Großstadt angekommen sind die Trees auf Angelfish, das mit seinen leicht jazzigen Anklängen und einem von Bassist Steven Borrows gesungenen Stück neue Wege einschlägt. Auf Silver Soul, dem achten Album, gibt es eine große Vielfalt an Stilen, die sich durch das mittlerweile traumwandlerisch sichere Zusammenspiel der Band zu einem großartig gemischten Ganzen fügen. Nach diesem Album war plötzlich für mehr als vier Jahre Sendepause und ich begann schon, mir in die Hosen zu machen, als ich dann irgendwann im Internet las, daß ein neuen Trees-Album in Arbeit sei. Further from the Truth ist nichts für Amateure. Wenn Ihr die Trees nicht kennt, dann erst mal Finger weg. Die Songs auf dieser Platte erschließen sich wegen der sparsamen Instrumentierung und dem insgesamt sehr subtilen Auftreten erst nach einer Weile. Aber wenn man dann die Stücke Detail für Detail erkennt und auch zwischen den Zeilen liest (bzw. zwischen den Tönen hört), dann tut sich eine ganze Welt auf und man weiß: Die Trees sind wieder da!

Was für alle Platten gilt ist, daß die Texte von Simon Huw Jones einen ganz großen Teil des Reizes dieser Band ausmachen. Jones' Spezialität sind die fiktiven Protagonisten. Er holt immer wieder neue Charaktere aus dem Zylinder und läßt uns für die Dauer eines Liedes an ihren Alltäglichkeiten, ihren Triumphen, ihren Niederlagen, ihren Sehnsüchten und ihren Freuden teilnehmen. Ganz stark.

Ich weiß, ich habe jetzt nicht besonders viel zur Musik gesagt. Aber überlegt Euch Folgendes: And also the Trees existieren mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert. Kein Schwein kennt sie. Und sie produzieren trotzdem immer weiter Alben. Diese Kerle leben für Ihre Musik. Und das hört man in jeder Note.

Ich kann Euch nicht versprechen, daß Ihr die Trees lieben werdet. Aber wenn Ihr nach Musik sucht, die Ihr vorher so noch nicht gehört habt, weil in den Charts einfach kein Platz für soviel Eigenständigkeit ist, dann könnt Ihr an diesem Quartett nicht vorbei. Wie gesagt: Für Einsteiger sind die Compilations interessant. Wer mutig ist und gleich zu einem amtlichen Album greifen will, der sollte sich entweder Green is the Sea oder The Klaxon oder Angelfish (die zugänglichsten Scheiben) besorgen. Wer direkt einen Happen aus der Feinschmecker-Ecke haben möchte, der braucht The Millpond Years.

Also: Vergesst ganz schnell alle Alben, die ich bisher in diesem Blog gelobt habe. Die einzig legitime moderne Musik kommt von And also the Trees! Viel Spaß beim Hören!

Alles Liebe
Alipius

Ich hab' den Kaffee quer durch's Zimmer geprustet...

... als ich dieses Bild bei den Jungs von liberal scum gesehen habe. Keine Panik: Das ist eine Photomontage, also lebt der Kerl im Hintergrund wahrscheinlich noch.


Prozessionen in Rom...

... sahen früher mal so aus.

Heute muß man sich darunter etwas anderes vorstellen: Seit Ende März durchstreifen ungezählte Touristengruppen von bis zu zwanzig Mitgliedern die Ewige Stadt. Da besteht natürlich die Gefahr, daß man sich in einigen der engeren Gassen verläuft, daß man seine Gruppe verliert oder sich im Gewimmel vor der Fontana di Trevi versehentlich einer falschen Gruppe anschließt. Um dem vorzubeugen sind die Touristenführer auf eine simple aber wirksame Idee gekommen. Wer immer vorne weg marschiert, hält einen Stock empor, an dessen Spitze ein unverwechselbares und unübersehbares Erkennungszeichen angebracht ist. In der Regel sind das Tücher in schrillen Farben oder Nationalflaggen. Es können aber auch Maskottchen oder Stofftiere sein. Neulich sah ich sogar eine leere Evian-Flasche, die einfach über das Stockende gestülpt worden war. Die Augen fest auf besagte Flasche gerichtet, watschelten circa 40 Japaner brav in Zweierreihe hinter dem Gruppenleiter her. Das wirkte ein wenig gespenstisch ("Imhotep, Imhotep, Imhotep").

Wednesday, April 05, 2006

Ein kleiner und ein großer Schreck...

Hallo allemiteinander!


Links seht Ihr José Kardinal Saraiva, den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse (der ja momentan wegen Karol "Santo subito" Wojtyła die Hände ziemlich voll haben dürfte). Als ich heute das Angelicum verließ, da hatte ich plötzlich trotz einsetzender Dämmerung so ein scharlachfarbenes Jucken im Augenwinkel. Ich drehte also meinen Kopf und Seine Eminenz kam mir in genau der Gewandung entgegen, die Ihr auf dem Photo seht. Was daran so toll ist? Naja, alle Kardinäle, die ich bisher live und in Ringkußnähe gesehen habe, trugen entweder Schwarz mit scharlachfarbenem Saum oder Scharlach mit weißem Rochett darüber. Aber so einfarbig knallig wie heute war's noch nie. Und ich kann nur eins sagen: HAM-MER! Wenn das Moirée-Zingulum in farblichem Einklang mit der Soutane so frech herumschimmert, dann brüllen sogar noch in Toledo die Stiere. In natura ist das Rot einfach viel umwerfender als auf jedem Foto. Nachdem ich mich ganz höflich verneigt hatte, kugelte der kleine Portugiese freundlich lächelnd und "Bona Sera"-end an mir vorbei und ein ihm folgender hochgewachsener Prälat starrte ganz verwirrt auf mein Sarockel.


Zum Sarockel gibt's gleich noch mehr. Jetzt muß ich nach dem kleinen Schreck (der eigentlich mehr ein "Hoppla!" als ein Schreck war) noch von dem großen Schreck berichten: Ich verließ das Grundstück des Angelicums und machte mich auf den Weg zur Piazza Venezia. Jedoch: Der gesamte Platz vor dem Angelicum war abgesperrt. Ich blickte die Straße hinab und staunte nicht schlecht, als ich sah, daß ein riesiges Gerüst, welches seit Monaten vor einem alten Haus stand, komplett umgekippt war, so daß nun die Straße mit einem meterhohen Berg verbogenen Metalls bedeckt war. Der Schweißausbruch-Faktor war hierbei extrem hoch, da ich nämlich nach der Uni immer unter eben diesem Gerüst entlanggehe. Röchel. Ich ging dann gar nicht erst in diese Richtung, da ein Berliner Olympiastadion voller Gaffer den Weg versperrte und ich mir außerdem nicht sicher war, wie splatter-mäßig der Anblick sein könnte. Man weiß ja nie, wer oder was zum Zeitpunkt des Einsturzes gerade unter dem Gerüst entlanggegangen oder -gefahren ist. Ich finde ja das "Mach mal locker, Alter!" der Italiener grundsätzlich nicht unsympathisch. Andererseits wundert es mich keine Spur, daß hier so etwas passiert. ("He, Manfredo! Mit fehlen Acht Schrauben für das Gerüst!" - "Hmm, ich hab auch keine. Hier, nimm das Kaugummi.")


Jetzt nochmal zurück zum Sarockel. Für alle, die es noch nicht wissen oder schon wieder vergessen haben: Das Sarockel ist der lange, schmale Leinenstreifen, der vorne und hinten an unserer Ordenstracht herunterhängt, wie auf dem Photo zu sehen ist.

Also. Das hier ist Rom. Folglich sollten die Einwohner dieser Stadt doch so ziemlich alles, was der Katholische Klerus an kleidermäßiger Extravaganz aufzubieten hat, schon einmal gesehen haben. Wenn ich aber mit Kutte und Sarockel so durch die Straßen schlendere, dann frage ich mich manchmal, für wieviele der Verkehrsunfälle in Rom Josef, Max und ich veranwortlich sind. Das Sarockel ist ganz offensichtich Titelseiten-Material. An die Blicke und das "Che cosa?" habe ich mich schon gewöhnt. Ich frage mich nur, ob ich langsam mal damit anfangen soll, für die Fotos Geld zu verlangen?

Besonders witzig war eine Begegnung mit einer älteren Touristin aus den USA, die mit Ehemann, Tochter und zwei anderen betagten Damen unterwegs war. Ich stand so nichtsahnend an der Ampel, als plötzlich von irgendwoher in englischer Sprache ohne große Umwege über Höflichkeitspfade die Frage "Wissen sie, wo die Fontana di Trevi ist?" ertönte. Die Frage wurde nach anderthalb Sekunden wiederholt. Ich drehte mich einfach mal um und tatsächlich: Ich war gemeint.
"Sprechen sie mit mir?" fragte ich zurück.
"Ja!"
"Da haben sie ja Glück, daß ich Englisch verstehe."
"Ja!"
"Da vorne halblinks und an der nächsten Ecke rechts und sie laufen direkt darauf zu."
"Danke. Was ist das?"
"Ein Sarockel."
"Was?"
"Ein Sarockel."

Hier drehte sich die Dame um und zerrte ihren Mann heran. "Hey, William! Mach mal ein Foto. Das zeigen wir zu Hause dem Herrn Pfarrer." Dann wieder zu mir: "Hi, ich bin Cookie aus Long Island!"
"Alipius aus Klosterneuburg."
"Was?"
"Al aus Wien."
"Hi Al! Sie sind sehr nett. Beten sie für mich."

William hatte mittlerweile das Foto geschossen und Cookie & Co. machten sich auf den Weg zur Fontana di Trevi.


Okay, und ich mache mich jetzt auf den Weg ins Bett.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, April 03, 2006

#100!

Jawoll!

Das hier ist Beitrag Nummer 100!

Zur Feier des Tages gibt's noch ein paar Beobachtungen und Anekdötchen aus der Ewigen Stadt.


Also zuerst einmal: Die Römer halten zwei Weltrekorde!

1.) Ich habe noch nie zuvor soviele Mädchen bzw. Damen im Alter von 15 bis 50 Jahren gesehen, die sich so unvorstellbar schlecht kleiden. Vielleicht ist das ja momentan auch die Mode und ich habe es irgendwie nicht so richtig mitbekommen. Aber was die Römerinnen streckenweise an Klamotten aufbieten verstößt einfach gegen alles. Lederstiefel bis unter die Achseln; nabelfrei bis zum Hals; Kleider, Blusen und Kostüme im Fransen-/Fetzen-Look; Farben, die sich bis aufs Blut gegenseitig bekämpfen; Modeschmuck von der Baustelle; Kopfbedeckungen vom Mars; Make-up von Jackson Pollock. Unvorstellbar. Es gibt lobenswerte Ausnahmen, aber so richtig hingucken kann man bei den Römerinnen was die Kleidung betrifft normalerweise erst, wenn sie etwas über 50 sind.

2.) Bei den Männern ist es eigentlich ähnlich. Aber die kleiden sich nur bis zum Alter von circa Mitte Zwanzig so olmig, daß einem der Atem stockt. Die Teenie-Jungs sind vor lauter Baseballkappen und Turnschuhen kaum zu sehen und haben die Jeans so tief hängen, daß ich immer Mitleid bekomme und mir denke 'Hach, der arme Bub! Hat schon einen Bartansatz und kann sich noch nicht richtig anziehen.' Was aber bei den Herren besonders auffällt - und was den Römern somit auch den Weltrekord einbringt - ist, daß sie sich ab circa 55-60 überwiegend tadellos und einwandfrei kleiden. Klar, mit diesen schicken italienischen Schuhen hat man da ja die halbe Miete eh schon eingefahren. Dazu dann noch ein wie angegossen sitzender Anzug mit dezenter Krawatte und fertig ist der Gentleman, selbst wenn er nur den Müll vor die Tür bringt. Klasse auch die jetzt in der warmen Jahreszeit immer häufiger zu sehende Kombination aus Segelschuhen, Tuchhose, Hemd und Jacket. Was die älteren Semester betrifft sind die römischen Herren stilmäßig ganz weit vorne, eine Tatsache, zu der natürlich auch unser Heiliger Vater und die Kardinäle einen nicht unerheblichen Beitrag leisten.
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Ihr erinnert Euch vielleicht, daß ich vor einiger Zeit mal ein wenig von den römischen Bettlern erzählt habe. Da muß ich jetzt mal einen ganz groben Regelverstoß leisten und mich über einige Individuen beschweren, die eigentlich als Sinti/Roma das Unantastbarkeitssiegel der ethnischen Minderheit tragen, aber was soll's. Also: Es geschieht immer wieder mal, daß ich in der Straßenbahn sitze und mir plötzlich eine circa DIN-A6-große, gelbe Pappkarte in den Schoß geworfen wird, auf der in italienischer Sprache darauf hingewiesen wird, daß die geworfen habende Person an Leukämie leidet und dringend Kohle für eine Behandlung braucht. Im oberen Teil dieser Karte befindet sich ein graues Feld von der Größe eines Paßfotos, auf welchem ein menschlicher Kopf abgebildet ist. Dies so ungenau und kontrastlos, daß man nicht einmal erkennen kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Zum ersten Mal stutzig wurde ich, als ich innerhalb von drei Tagen zwei verschiende Frauen mit diesen Karten durch die Bahn tingeln sah. Da machte das unscharfe Foto dann schon mehr Sinn. Erst recht, als dann eine Woche später plötzlich ein Mann neben mir stand, und mir - "Padre! Padre!" - eine dieser Karten hinhielt. "No," antwortete ich. "Padre!" - "No." - "Padre!" - "No." - "Padre! - "NOOOOO!" Mein letztes Signal der Spendenverweigerung war - zugegeben - etwas ruppiger und lauter, als ich es eigentlich geplant hatte. Aber wenigstens kam die Botschaft an und der Kerl trollte sich. Vorerst. Als er seine Tour zurück machte, um die Karten wieder einzusammeln, machte er plötzlich Halt, drehte sich um und begann, mich zu beschimpfen und mit Flüchen zu belegen. Da es für mich nicht wirklich von Belang ist, daß meine Kinder mit grünem Haar, vier Augen und zwölf Fingern an jeder Hand geboren werden, beließ ich es bei einem vertsändnisvollen Lächeln und sah von meinem spontan sich aufdrängendem Plan ab, dem guten Mann außerhalb der Bahn ein hundertprozentig wirksames Heilmittel gegen Leukämie zu zeigen. Was auch ein wenig unangenehm auffällt, ist diese "Wat denn? Das war schon alles?"-Masche. Ich bin wirklich nicht knauserig, was die Bettler betrifft und wenn eine Zigeunerdame mir an einem Kirchenportal einen Becher hinhält und rumlamentiert, dann werf ich auch immer wieder mal was hinein. Zumindest tat ich es bis heute. Denn: Bisher durfte ich in keinem der Fälle das nette Wörtchen "Grazie" vernehmen. Im Gegenteil. Die Ladies schauen nicht mal in den Becher, um zu sehen, was ich abgedrückt habe. Die fangen alle durch die Bank sofort an, mich anzu-"Padren" und mir wüste Geschichten von halbtoten Kindern zu erzählen und um Mindestbeträge von 10 Euro zu feilschen. Ohne Scherz, das machen die wirklich. Aber nur so ist es wahrscheinlich zu erklären, daß ich heute mittag auf dem Weg ins Angelicum vom Bus aus eine mir wohlbekannte Lady aus dem besagten Kreise dabei beobachten durfte, wie sie sich hinter das Steuer eines niegelnagelneuen VW Golf klemmte und davonbrauste.
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Jetzt haben wir also Sommerzeit. Das bedeutet, daß es draußen noch hell ist, wenn ich um 19:00 Uhr aus dem Angelicum komme. Das macht die ganze "Nachmittags studieren müssen"-Geschichte sehr viel erträglicher.
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Geständnis: Ich bin jetzt schon seit einem halben Jahr in Rom und ich habe noch kein einziges Mal italienisches Eis gegessen. Das beste Gelato - da ist sich die Fachweilt einig - gibt's bei Giolitti. Acht Milliarden Sorten, eine leckerer als die andere. Problem: Der Laden platzt vierundzwanzig Stundem am Tag, sieben Tage die Woche aus allen Nähten. Wirklich: Die Kunden stapeln und schichten sich vor, neben, über und in den Vitrinen, daß man nicht mal mehr eine Rosenkranzperle in den Laden hineinbekommt, geschweige denn einen Klosterneuburger Junior. Naja, und ich möchte halt unbedingt mein erstes Gelato in Rom bei Giolitti zu mir nehmen. Wahrscheinlich werde ich aber spätetens nach Ostern schwach und falle über die nächtbeste Eisdiele her. Mal schau'n.
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Ansonsten bin ich schon ziemlich im Urlaubs-Modus. Ich freue mich auf's Stift und auf die Mitbrüder. Bereitet Euch schon mal sanft auf eine "Rom, Römer, am Römsten"-Pause vor, die so circa vom 8. bis zum 24. April dauern wird.

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, April 01, 2006

Frascati? Lecker!

Hallo Ihr Lieben!

Clemens ist seit Dienstag in Rom und sorgt im Kolleg für Stimmung. Er, Joseph und meine Wenigkeit haben heute einen Tagestrip nach Frascati gemacht. Logo, da fällt einem natürlich sofort einer der bekanntesten italienischen Weißweine ein. Zurecht, denn der Tropfen ist in der Tat nicht übel und zudem ausgesprochen traditionsreich, wurden doch in römischen Weinschenken schon seit der Mitte des 15. Jahrhunderts größtenteils Weine aus dem Anbaugebiet Frascati angeboten.

Heute geht es aber nur um das Städtchen und um einen seiner Bewohner. Frascati ist ein in den Hügeln gelegener Flecken östlich von Rom. Es ist eines der sogenannten suburbikanen Bistümer, einer Reihe von Bischofssitzen im Latium, allesamt in der Nähe der Stadt Rom und somit des Papstes gelegen. Die Bischöfe dieser Städte waren immer eng in die Leitung der Kirche miteinbezogen. Wenn ich recht informiert bin, so setzte sich die bis 1958 übliche Zahl von 70 Kardinälen zusammen aus 14 Kardinaldiakonen, 50 Kardinalpriestern und sechs Kardinalbischöfen. Diese Kardinalbischöfe waren eben die Bischöfe der sechs suburbikanen (urbs = lateinisch für Stadt oder auch Rom) Bistümer: Albano, Frascati, Ostia und Velletri, Palestrina, Porto und Santa-Rufina, Sabina.

Frascati ist recht reizend. Es bläst einen nicht mit unvergleichlichen Kunsstschätzen weg, aber es hat einen gewissen Charme und unglaublich liebenswerte Einwohner, die einem wißbegierig am Sarockel hängen und erst wieder loslassen, wenn man ganz genau erklärt hat, warum man mit so einer abgefahrenen, superlangen, weißen Krawatte herumrennt, was genau die Augustiner-Chorherern sind und wo zum Henker Klosterneuburg liegt. Das Mittagessen war ein wenig durchschnittlich, vor allem, weil ich wegen meines diesjährigen "Kein Alkohol während der Fastenzeit"-Plans nicht von dem Wein kosten konnte.

Frascati hat aufgrund seiner Funktion als Bischofsstadt nicht nur eine hübsche Kathedrale (die leider während der Stunden, die wir in der Stadt waren, geschlossen hatte), sondern auch eine Reihe von schicken Renaissance-Villen, die ringsherum auf den Hügeln liegen. Besonders hervorzuheben ist unter diesen sicherlich die Villa Aldobrandini, die Ihr hier in etwas marodem Zustand abgebildet seht. Die Villa wurde ab 1603 von Kardinal Pietro Aldobrandini erbaut. Dieser war ein Neffe von Papst Klemens VIII und somit eine dieser historischen Gestalten, die dem Begriff "Nepotismus" den Namen gaben, oder wenigstens dafür sorgten, daß er in aller Munde blieb.

Berühmtester Bewohner dieser Villa nach Kardinal Aldobrandini war wahrscheinlich Henry Benedict Stewart, Kardinal und Duke of York (1725-1807), in Jakobiten-Kreisen auch bekannt als Henry IX, König von Großbritannien, Schottland, Frankreich und Irland (Bild links). "Hä? Wie kann denn ein Kardinal gleichzeitig König sein?" werden sich jetzt einige Leute fragen. Nun ja, er war nie wirklich König, er war nur ein im Exil lebender Prätendent der Stuart-Linie, dessen Stunde vielleicht irgendwann einmal hätte schlagen können. Da dieses "irgendwann einmal" allerdings ausgesprochen vage war, und da die Stuart-Restaurations-Träume des Jahres 1745 sich in Luft auflösten, beschloß er, eine kirchliche Laufbahn einzuschlagen, ging nach Rom und begnügte sich mit dem Kardinalstitel, den er bereits 1747, im Alter von 22 Jahren verliehen bekam. Er nahm dann im darauffolgenden Jahr die Weihen entgegen, wurde Erzpriester der Vatikanischen Basilika und im Jahre 1761 Kardinal-Bischof von Frascati. Quellen zufolge war Henry Benedict sehr fromm und ernsthaft, trat als eifriger Verwalter in seinem Bistum auf, brachte einige Reformen des Klerus zustande und gründete ein Seminar, welches er mit einer großartigen Bibliothek ausstattete. Er lebte größtenteils in seinem Bistum, wo er sich eben die Villa Aldobrandini zugelegt und standesgemäß ausgestattet hatte. Naja, es passierte dann das Übliche: Die Revolutionäre beraubte den Kardinal zuerst aller französischen Besitzungen. 1798 wurde Rom von den Franzosen eingenommen. Der Papst wurde nach Frankreich verfrachtet, die Kardinäle entweder eingesperrt, gefügig gemacht oder in alle Winde verjagt. Etwas vorlaut und vorschnell jauchtze der "aufgeklärte" Teil Europas damals über den "endgültigen Untergang des Papsttums". Kardinal Stuart mußte 1799 unter Mithilfe ausländischer Mächte vor den Franzosen nach Venedig fliehen. Seine Villa wurde selbstsverständlich restlos ausgeräumt. Jedoch konnte er 1800 wieder nach Frascati zurückkehren, wo er 1807 verstarb.

Warum erzähle ich das alles? Henry Benedict Stuart war einer der Wohltäter des Schotten-Kollegs. Im Hause hängen zwei seiner Portrsaits und - viel wichtiger - an einer Wand in der Krypta ist sein Original-Grabstein angebracht. Ihr seht ihn links abgebildet. Es ist für mich ein ziemlich eigenartiges Gefühl, hier in Rom immer und immer wieder mit Geschichte und Geschichten in Berührung zu kommen. Aus naheliegenden Gründen interessiere ich mich besonders für die Geschichte der Kirche und für die Schicksale einzelner Personen, die im Laufe der Jahrhunderte in ihr wirkten. Und da ist Rom schon ein recht ergiebiges Plätzchen. Wenn ich hier und heute erkenne, plötzlich - sei es auch auf noch so bescheidene und unbedeutende Art - ein Teil dieser Geschichte geworden zu sein, dann verstehe ich sofort, was die Kirche mit "Tradition" meint: Es ist nicht das sture und starre Festhalten an Dingen, denen die Zeit und die Welt schon längst davongelaufen sind. Es ist vielmehr der nie versiegende Schatz an Erfahrungen, Fehlern, Triumphen, Lehren und Einsichten, der von Generation weitergereicht und vermehrt wird, und einen befähigt, Zeit und Welt in gebührender Relation zu ihrem Schöpfer zu sehen.

Alles Liebe,
Alipius