Monday, October 29, 2007

Ein neuer Service

Tja, für meine treuen Kunden ist mir nix zu gut.

Wenn Ihr mal die Seite ein wenig runterscrollt, findet Ihr rechts in der Sidebar einen neuen Link: Wenn Ihr auf das "Evangelium Tag für Tag"-Bild klickt (nicht das hier im Post, sondern das in der Sidebar), dann werdet Ihr zu einer Seite geführt, die genau dies bietet: Das tägliche Evangelium. Bonus: Nur einen Klick weiter gibt's natürlich auch noch die Tageslesungen und den Psalm.

Somit könnt Ihr jetzt auch bei nicht täglichem Meßbesuch immer ganz fix nachschauen, was die Heilige Schrift uns so zu sagen hat.

Viel Spaß dabei!

Friday, October 26, 2007

Diesen Ausblick...

... durften wir für zwei Wochen genießen, bevor wir vom Angelicum in unser neues Heim bei den Missionaren vom Heiligen Geist umzogen:


Hier könnt Ihr genau in der Bildmitte noch ganz schwach die Kuppel des Petersdoms sehen


Sonnenuntergang hinter S. Maria in Aracoeli (am rechten Bildrand die "Schreibmaschine", offiziell "Monumento a Vittorio Emanuele II")


Das Colosseum war auch nicht allzu weit entfernt


Nochmal S. Maria in Aracoeli mit dem Monument, diesmal ungezoomt

Jetzt haben wir zwar nicht mehr diesen spektakulären Ausblick, aber dafür liegt die neue Behausung, wie bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, schön zentral.


Boah! Hier gleich nebenan gibt's eine kleine Piazza, auf der fünf recht hohe Laubäume stehen, die momentan vor einer Armee von Vögeln (ca 1000, schätze ich mal) bewohnt werden, die entweder grade aus kälteren Gefilden eingetroffen sind oder sich bald auf den Weg in wärmere Gegenden machen, wahrscheinlich sogar Beides. Jedenfalls veranstalten die einen Mordslärm, weil die natürlich nicht gesittet reden, sondern alle gleichzeitig drauflosschwatzen. Dann fliegen sie auch stets in ganzen Wolken umher, so daß es stellenweise fast dunkel wird bei mir im Zimmer. Und dann kacken die natürlich alle von den Bäumen runter. Ich wußte bisher nicht, daß Vogelkot stinkt. Jetzt weiß ich es nicht nur, sondern wünsche mir auch, ich hätte es nie erfahren. Okay, das ist jetzt nicht mein Hang zu barocker Theatralik, der hier spricht, sondern bitterer Ernst: Wenn ich mir in diesen Tagen beim Weg über die Piazza nicht immer ein parfümbeträufeltes Taschentuch vor die Nase hielte, dann kübelte ich wahrscheinlich regelmäßig quer über's Pflaster. "Mon Dieu, die Sänfte!" sag ich mal. Aber wirklich: So etwas Fauliges, Dreckiges, Hundsgemeines und Abgrundtiefes wie den Gestank von Volgelmist kannte ich bisher nur aus Milchtüten. Naja, was soll ich sagen. Es sind halt kleine süße Piepmätze, deswegen kann ich ihnen nicht böse sein.

Bald gibt's neue Kardinäle!


Genauer gesagt, am 24. November.

Gammarelli (Klerus- und Prälaten-Ausstatter seit 1798) hat die Nase mal wieder ganz weit vorne und dieses Mal zur "normalen" Soutane-Rochett-Mozzetta-Tracht (rechts) auch ein Ferraiolo (links) ausgestellt.

Das Ferraiolo oder Ferraiuolo ist ein Umhang, der von Priestern (schwarz - "Batman"), Bischöfen (violett - "Magneto") oder Kardinälen (rot - "Superman") bei offiziellen nicht-liturgischen Anlässen getragen wird.

Scho schee, gelle?

Das haut ja irgendwie nicht hin

Piergiorgio Odifreddi ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Autor. Als Wissenschaftler ist er Mathematiker und Logiker. Als Autor hat er jüngst ein Buch veröffentlicht, wleches den Titel trägt "Warum wir nicht Christen sein können (und noch weniger Katholiken)".

Ja was denn nun? Ist der Mann Logiker, oder hält er die Meinung aufrecht, daß man eine Sache weniger als nicht sein kann?

Naja, wahrscheinlich ist ihm da die Publicity-Gier in die Quere gekommen. Schließlich muß man fix entscheiden und darf nicht allzu lange nachdenken, wenn es darum geht, sich in den Atheisten-Markt einzukaufen, solange die Aktien noch steigen. Mich amüsiert diese Panik irgendwie.


Interessant ist auch das Cover von Richard Dawkins "Der Gotteswahn", welches jetzt also endlich auch von deutschsprachigen Nachdenkern dekonstruiert werden kann. Da gibt es auf dem Titel gleich ein Zitat:
    "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, daß wir die Welt nicht verstehen."
Vergessen wir mal den zweiten Teil, der ja ohnehin nicht stimmt. Interessant ist Folgendes: Ein Grund, warum atheistische Wissenschaftler Gott ablehnen, ist die Tatsache, daß man nicht beweisen kann, daß Gott NICHT existiert. Das gilt als wissenschaftlich unseriös. Somit ist Gott aus dem Rennen. Somit darf man als Wissenschaftler aber als erste Prämisse auch nicht wählen "Es gibt keinen Gott". Schließlich läßt sich seine Nicht-Existenz ja nicht beweisen. Also muß man von den Effekten auf die Ursache schließen. Ein Effekt wäre der Glaube bzw. die Religion. Da wird munter im Namen Gottes herumgemetzelt und außerdem glauben die ja an so Zeug wie Jungfrauengeburt und Transsubstantiation. Und die Pfaffen besitzen die Kühnheit, uns auf ein besseres Leben nach dem Tod zu vertrösten, damit wir hier auf Erden bloß nicht zu viele unbequeme Fragen stellen. Also sind wir Gegner der Religion. Also gibt es keinen Gott. Merkt Ihr was? "Ich bin ein Gegner des Schmerzes, also gibt es keinen Körper" könnte man analog sagen. Oder - ganz mutig: "Menschen tun im Namen Gottes Gutes. Also gibt es einen Gott". Hier müßte man dann allerdings die Größe besitzen, das Gute und nicht das Böse den Ausschlag geben zu lassen.

Dawkins kommt mit vielen netten Anekdoten daher. So verschlechterte sich z. B. in einem Test nur der Gesundheitszustand von Krankenhausinsassen, denen man sagte, daß man für sie bete. Den Anderen ging es viel schneller viel besser. Klar, wenn ich im Krankenbett liege und mir jemand sagt, daß er für mich betet, dann werde ich wahrscheinlich auch ein wenig zappelig, was sich nicht notwendigerweise positiv auf meine Genesung auswirken muß. Schönen dank für die Menschenversuche übrigens.

Russell's Teekanne wird auch bemüht. Dies ist eine ungeschickte Parabel, aber auch ein Hinweis darauf, woran es im Disput mangelt: Die Kirche hat sich nie wirklich prinzipiell gegen die Wissenschaft gesträubt. Schließlich wurden - mit der Ausnahme von Bologna - die ersten wissenschaftlichen Fakultäten in Europa an kirchlichen Lehrinstituten eröffnet. Galileo hat nicht deswegen Probleme bekommen, weil er die Gedanken des Kopernikus (der übrigens Domherr war und dessen heliozentrisches System bei vielen Prälaten auf großes Interesse gestoßen ist) aufgegriffen und verbreitet hat, sondern weil er sich - entgegen einer Absprache mit der Kirche - dazu entschloß dieses Weltbild als das Neue, das Richtige, das Einzige anzupreisen, bevor es bewiesen werden konnte. Die Kirche konnte und wollte der Wissenschaft nie die Existenz absprechen. Wenn es in den Ring ging, dann nur, um bestimmten Auswüchsen vorzubeugen oder entgegenzusteuern. Die Atheisten haben es da leichter. Sie tun so, als existiere Gott nicht und können deswegen auch ganz anders operieren, weil sie einfach einen Teil der Realität ausblenden. Stellt Euch folgende Situation vor: Zwei Fußballfelder. Auf dem Einen spielt sich ein Team von Theologen, Seminaristen, Dorfpfarrern und Kardinälen warm. Auf dem Anderen steht Richard Dawkins und schießt ununterbrochen die Kugel in ein leeres Tor. Dann ruft er zum anderen Feld hinüber: "Ey, Ihr Flaschen! Macht mal die Socken scharf! Es steht 32 zu Null für mich!"

Russel's Teekanne besagt Folgendes: Sollte ich behaupten, daß irgendwo zwischen Mars und Erde eine Teekanne um die Sonne rotiert, die so klein ist, daß sie selbst von unseren besten Mikroskopen nicht wahrgenommen werden kann, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen. Sollte ich aber hinzufügen, daß das Bezweifeln meiner unwiderlegbaren Behauptung eine unerträgliche Anmaßung des menschlichen Verstandes ist, dürfte man mich zurecht des Verzapfens von Unsinn bezichtigen. Sollte aber die Existenz einer solchen Teekanne in alten Büchern bestätigt, sonntäglich von den Kanzeln als heilige Wahrheit verkündet und in den Verstand von Schulkindern eingeflößt werden, so wäre die zögerliche Annahme der Existenz dieser Teekanne ein Zeichen von Ekzentrizität, welches den Zweifler entweder zu einem Platz auf der Psychiater-Couch oder - in früheren Zeiten - einem Interview mit dem Inquisitor berechtigt.

Hübsch. Russel sieht - wie Dawkins - nur das eigene Spielfeld. Er blendet komplett die Realität (oder für ihn wenigstens die Möglichkeit) aus, daß ein Gott keine Teekanne ist, sondern ein Wesen, welches nicht nur in alten Büchern und von Kanzeln verkündet wird, sondern welches auch und vor allem dazu in der Lage ist, sich den Menschen zu offenbaren, wie es ja mehr als einmal geschehen ist.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, daß Atheismus nichts weiter ist, als eine Verengung der Vision. Aber eine hübsche Neben-Einnahmequelle: Wenn ein Kardinal sich zur Evolution äußert und dabei ungeschickt vorgeht, lacht die Welt. Wenn ein Wissenschaftler den schriftlichen Nachweis metaphysischer Defizite in polemisch-populistischer Formulierung als Hunderttausender-Auflage auf den Markt schmeißt, dann frißt man ihm aus der Hand.

Wednesday, October 24, 2007

Die Musik mit der ich groß wurde

Mal wieder ein Plattentip: 1981 veröffentlichen Orchestral Manoeuvres in the Dark (besser und kürzer bekannt als OMD) ihr drittes Album Architecture and Morality. Ich wurde erst ein Jahr später auf die Band aufmerksam, als Joan of Arc (Maid of Orleans) die deutschen Charts stürmte. Ich Pimpf also ab in den Plattenladen und nix wie her mit der Scheibe. Ich fand Maid of Orleans eigentlich gar nicht mal soooo überragend, aber es kam halt ständig und überall im Radio und außerdem war mir OMD damals schon irgendwie dunkel ein Begriff, weil ich bei einem Kumpel mal Electricity gehört hatte, was ja einer der unsterblichen New-Wave Synth-Pop-Klassiker überhaupt ist. Kurz nach Architecture and Morality legte ich mir gleich auch noch OMD's Debut-Album und ihren zweiten Longplayer Organisation zu. OMD waren zwischen 1982 und 1984 zusammen mit Depeche Mode wohl meine Lieblingsband. Ich verlor dann später den Kontakt, weil die Gruppe nach dem Kritiker-Flop des eigentlich ur-coolen Dazzle Ships sich nicht mehr in Experimentier-Tiefen wagte und lieber in sicheren aber seichten Popgewässern blieb. Sei's drum.

Architecture and Morality war ein ganz großes Ding und ich höre es auch heute immer noch gerne. Zwar gibt es auf dieser Scheibe nicht mehr solche ungeschliffenen, rotzigen Synth-Punk-Perlen oder kraftwerkesque Klangcollagen wie auf dem ersten Album. Dafür haben OMD sich aber gegenüber Organisation gehörig weiterentwickelt. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber die Songs haben irgendwie "Umgebung" bekommen. Los geht's mit The New Stone Age. Rauhe Synthesizer-Ströme fließen über Akkustik-Gitarren-Geschraddel, begleitet von Andy McCloskeys leicht hysterischem Gesang. Gänsehaut gleich zu Beginn. She's leaving, das zweite Stück auf dem Album, ist dann eines dieser ganz typischen OMD Pop-Werke, auf denen einerseits ganz böse geschmachtet wird, die aber andererseits durch ihre Instrumentierung mit präzisen Drums, kristallklaren Keyboards und schönem Bass gar nicht so viel Credibility einbüßen. Zu Souvenir, dem dritten Titel, muß nicht mehr viel gesagt werden. Wahrscheinlich hat sich jeder Pop-Komposer in seinem Leben schon mindestens einmal gefragt: "Mist, warum ist diese Hookline nicht mir eingefallen?" Der Achtminüter Sealand dürfe auch gerne doppelt so lange dauern, weil er einfach so schön entspannt. Und jetzt kommen die beiden Johannas. Joan of Arc ist vor dem Chartbuster Joan of Arc (Maid of Orleans) als Single veröffentlicht worden, aber zumindest in Deutschland hat man von diesem Song nicht viel mitbekommen. Meiner Meinung nach zu unrecht. Denn der Song ist, bei aller kompositorischen Schlichtheit, ein dramaturgisches Meisterwerk. Er beginnt mit leisen Keyboard-Glöckchen und feenhaften Stimmen, zu denen einmal die Strophe durchgesungen wird. Dann folgt - unterbrochen von einer Bridge zwischen Strophe 3 und 4 - eben dieses Thema noch dreimal und es wird immer ein Klafter draufgelegt. Erst ein schöner Keyboardteppich, dann Drums und Bass und am Ende Tutti. Das klingt jetzt vielleicht unspektakulär, aber für mich ist Joan of Arc eines der bewegendsten Stücke der 80er Jahre überhaupt. Klar, dann kommt Joan of Arc (Maid of Orleans), was ja jeder kennt. Ich finde den Song nicht übel und er impliziert auch viel mehr Schmerz und Weh als Joan of Arc aber, wie gesagt, mich packt letzteres Stück eindeutig mehr. Es folgt der Titelsong Architecture and Morality, ein Instrumental-Experiment mit Keyboard-Chören, Glöckchengebimmel, Synthie-Melodie und baustelligem Rhythmus, welches man sich am besten selbst anhört. Georgia beginnt mit extrem durchsichtigem Tanz-Pop und quirlt dann irgendwie schräg ab in die Sample- und Tape-Büsche, bevor es am Ende ruhig ausklingt. Die Ballade The Beginning and the End ist der perfekte Abschluß für dieses Album. Melancholisch, verträumt und wunderbar instrumentiert.

Ich habe mal ein bißchen gemogelt und im Internet gewühlt und - siehe da - ich stehe nicht alleine da mit meinem Urteil: Architecture and Morality ist OMD's reifstes und hörenswertestes Album.

Sunday, October 21, 2007

Hab ich gar nicht mitbekommen,...

... daß Eva Herman vor knapp zwei Wochen von JBK aus der Sendung geworfen wurde. Kaum hat man mal Online-Probleme, sitzt man gleich in der Informations-Wüste.

Was ein Glück, daß ich das nicht sehen mußte. JBK, das Evchen, Mario Barth, Senta Berger und Margarethe "Schnief" Schreinemakers: Ich stelle mir grade so vor, wie diese fünf Damen und Herren sich vor dem Studiopublikum zum Affen machen und man dann halt doch nicht drumrumkommt, die Sendung auszustrahlen.

Ach Herrje! Ich war es ja bisher gewohnt, daß alles, was sich "Intellektuell" nennt auf Knopfdruck mit Gewehr zur Stelle ist und die Exekution vornimmt, wenn irgendwo in Bayern ein Ignaz bei seinem Kosenamen gerufen wird. Aber daß jetzt auch noch Talkmaster und ihre Gäste sich zum munteren Tribunal niederlassen, das ist ja überaus reizend.

Ich hör immer "Vergangenheitsbewältigung". Soll die denn wirkich stattfinden? Bedenkt: Ist die Nazizeit einmal bewältigt, so wird eine ganze Industrie von Schreibern, von Anklägern, von Fingerzeigern, von Mahnern, von Gutmenschen, von Heulsusen, von Schwätzern, von bei mediokrer Intelligenz immerhin noch scheinbar moralisch Erhabenen, eben von professionellen "Vergangenheitsbewältigern" ihren rasselnden Untergang finden. Ich bin mir ziemlich sicher: Die werden schon dafür sorgen, daß sie bis zum Sankt-Nimmerleinstag wie die Maden im Speck leben können, sei es der reale oder der ideologische.

Das heutige Evangelium

Lukas 18,1-8:
    Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, daß sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

    In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.

    In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie läßt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

    Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?
Als ich jüger war mußte ich immer grinsen, wenn ich mit vorstellte,wie ein altes Mütterchen zu einem abgebrühten und harten Richter kommt und ihm mal eben kräftig eine einschenkt, weil er wochen- oder monatelang nicht auf ihre Bitten gehört hat. Ich verstand natürlich auch damals schon, daß es mit Gott so nicht funktioniert.

Oder nicht direkt.

Denn mit jeder Sünde, die wir begehen, verletzen wir nicht nur uns, sondern auch Christus, der ja sowohl Tod und Sünde besiegt hat. Wenn wir beten und nicht sogleich erhört werden und uns dann aus Ungeduld, aus Wut, aus einem unbestimmten Rachegefühl oder auch, weil wir denken, daß wir das alles schon irgendwie alleine schaffen, zur Sünde herablassen, so schlagen wir damit auch Christus ins Gesicht. Und das ist nicht gut. Wir werden dann zu Adam und zur Schlange in einer Person. Wir gehorchen nicht und rechtfertigen uns im gleichen Atemzug: "Nein, keine Panik, du wirst schon nicht sterben." Und was daraus wurde, das weiß vielleicht noch der Ein oder Andere.

Wenn wir bitten, wird Gott geben. Das hat der Herr uns versprochen und das habe nicht nur ich in meinem Leben mehr als einmal erfahren dürfen. Man braucht manchmal ein wenig Geduld, man muß manchmal die Dinge richtig interpretieren. Was man aber immer braucht ist Glauben. Dann fallen einem die Dinge, um die man bat, oft mit rosa Schleifchen umwickelt direkt vor die Füße. Je weniger Glauben, desto weniger Gebete. Je weniger Gebete, desto seltener zeigt sich die helfende Hand Gottes. Sagt nicht: "Ey, erst mal ein Wunder, und dann schauen wir mal mit dem Beten und dem Kirchgang und der Beichte und so." Glaubt an Gott, vertraut auf Gott und bittet Gott. Dann wird Euch gegeben.

Alles Liebe,
Alipius

Kleine Warnung...

Hallo daheim an den Weltempfängern!

In unserer neuen Behausung bei den Missionaren vom Heiligen Geist - einem Orden, der 1914 in Mexico gegründet wurde - gibt es drahtloses Internet, und das ist extrem bockig. Ich weiß nicht, ob die zu wenig Bandbreite haben oder was, auf jeden Fall laden die Seiten manchmal EWIG oder auch gleich GAR NICHT! Das bedeutet, daß meine amrömsten-Aktivitäten ein wenig von der Ladegeschwindigkeit bzw Ladewilligkeit der Seiten und auch von meiner Geduld abhängig sind. Also wundert Euch nicht, wenn es in den nächsten Wochen erst mal nur tröpfchenweise vorangeht. Wenn ich die Jungs richtig verstanden habe, dann ist das Problem bekannt und wird "bald" (italienisch für "irgendwann mal") in Angriff genommen.

Hier im Haus ist die offizielle Sprache Italienisch. Das ist praktisch, denn nun kann ich vielleicht auch endlich mal etwas mehr als mein Mess-, Taxi- uns Restaurant-Italienisch lernen.

Wie Ihr auf der Karte sehen könnt, liegt das Haus an der Piazze San Salvatore in Campo (roter Kringel) ganz angenehm. Nach Trastevere sind's nur ein paar Minuten, über die Via Giulia zum Vatikan hoch dauert nicht länger als 20 Minuten und zum Angelicum läuft man auch nur eine Viertelstunde. Also alles ganz easy zu erreichen.


Die Gemeinschaft hier im Haus ist sehr angenehm. Es sind größtenteils Priester, dazu zwei Seminaristen, ein Laienbruder und fünf oder sechs Nonnen (Ich kann die noch nicht auseinanderhalten), die ebenfalls in einer Gemeinschaft im selben Gebäudekomplex wohnen und sich mütterlich und schwesterlich um uns unbeholfene Pfaffen kümmern.

Im Rom ist der Sommer vorbei. Es ist extrem frisch, aber sehr schön, weil die Sonne tagsüber immer ganz brav scheint und der Regen nur abends oder in der Nacht fällt. So hat man's gern.

Okay, das waren die Nachrichten aus Rom. Ich mach jetzt einen Sonntagsspaziergang und wünsche Euch allen ein schönes Rest-Wochenende!

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, October 13, 2007

Keine Überraschung,...

... wenigstens für mich: Die Aussage dieser beiden Karten (Quelle: Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, "Freiheit oder Gleichheit?") ist doch recht eindeutig.


Auf dieser Karte seht ihr die Verteilung der Katholiken in Deutschland im Jahre 1934 (je schwärzer, desto rechtgläubiger).


Und diese Karte zeigt Euch die Verteilung der Leute, die in der Wahl von 1932 für die Nationalsozialisten stimmten (je schwärzer, desto brauner).

Aber klar: Wenn ein Kardinal Betram dem Führer ein Geburtstagstelegramm schickt, oder Pius der Zwölfte in den Kriegsjahren nur 600.000 Juden das Leben retten ließ und nicht dreimal sovielen, dann wiegt das natürlich schwerer.
    "Nö, über die Kirche müßt ihr euch keine Gedanken machen! Lest mal brav unsere Artikel, da steht alles drin."

    "Danke, Onkel Rudolf!"

    "Und vergeßt nicht, unsere Theaterstücke anzuschauen!"

    "Bestimmt nicht, Onkel Rolf!"

    "Und daß mir keiner auf die Idee kommt, sein Bild von Kirche und Papsttum aus anderen Quellen als meinen Büchern zusammenzusetzen!"

    "Keine Angst, Onkel Karl-Heinz!"

    "Und ich brauche dringend zwei neue mintfarbene Kostüme und mehr Medienpräsenz, also kauft meine Bücher!"

    "Jawohl, Tante Uta!"
Zur Avantgarde gehört man als kirchentreuer Katholik ja eh schon. Jetzt stellt Euch mal vor, Ihr könntet sogar an einer neuen Aufklärung mitwirken!

Hilfe!

Mann, hab' ich die Kappe auf!

Gestern Nacht fand hier zwei Straßen weiter eine Open-Air-Veranstaltung statt, Vorspiel zu irgendeiner heute stattfindenden Alleanza Nazionale-Demo gegen die Finanzpolitik der momentanen Regierung statt. Bis gegen Mitternacht wurde da Reggae gespielt und zwar mit den Amps auf "Spinal Tab"-Einstellung.

Jetzt läuft wohl grade die Demo und - Juchei! - zwei Helikopter kreisen seit drei Stunden über dem Geschehen, also auch über unseren Köpfen. Meine Tischkante hat schon Bißspuren.

Und grade während ich das hier tippe, wird draußen die Nationalhymne - ebenfalls ohrenbetäubend - angestimmt. Na, das Liedchen mag ich ja ganz gerne.

"Willkommen zurück in Rom" will man mir damit wohl sagen.

Kurzes "Hallo" aus Rom

Tach!

Wir (Max, Gabriel und ich) sind mittlerweile seit einer Woche in Rom. Wir bee-boppen noch so ein bischen herum, weil wir uns erst wieder eingewönen müssen. Zum Beispiel müssen wir jetzt wieder auf "Italienisch" umschalten und uns ganz neu mit Spitzenkaffee, paste al dente, Gruselverkehr und Kundenfeindlichkeit vertraut machen.

Meine erste Woche Theologie habe ich auch schon hinter mir. Wild war es noch nicht. Interessant allerdings schon. Ich habe in meiner Klasse noch ein paar Leute, die auch schon in Philosophie dabei waren, also ist es eine ganz familiäre und angenehme Atmosphäre. Die Profs scheinen allesamt korrekt und informiert und motiviert zu sein, was ja schon mal die halbe Miete ist.

Boah! Hier in der Innenstadt Roms sind bergeweise Möwen unterwegs. Und die sind extrem nachtaktiv! Die kreischen um zwei Uhr morgens mal kurz alle wie die Katzen auf, fliegen einmal im Kreis und dann, wenn endlich die ganze Nachbarschaft mit zu Berge stehendem Haar in embryonaler Stellung im Bett liegt, begeben sie sich wieder zur Ruhe. Rotzviecher.

Okay, wenn wir uns hier in Rom wieder richtig niedergelassen haben, dann wird's auch mit dem Bloggen wieder etwas besser flutschen.

Bis bald und alles Liebe,
Alipius

Evolution

Dove macht sich ja seit längerer Zeit schon einen Namen als "ehrliche" Company, die mit Photos von nackten Hundertjährigen oder Slogans wie "Reden Sie mit Ihrer Tochter, bevor es die Schönheitsindustrie tut" von sich reden macht. In diesem kleinen Film mit dem Titel "Evolution" zeigt uns Dove, was so alles mit einer ohnehin schon prächtig aussehenden Frau geschieht, bis sie Werbeplakat-Material ist. Spukig, wenn's denn so ist.



Und das hier ist die Antwort aus dem "wahren Leben" auf Dove's "Evolution".


Hehe

Friday, October 05, 2007

Bevor ich wieder nach Rom fliege...

... leg ich noch schnell ein paar Werbebildchen für die Katholische Kirche auf "am römsten" ab. Es gibt so viele schöne Slogans, die sich so herrlich auf die Eine, Heilige, Katholische, Apostolische anwenden lassen, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Sollte Euch das ein oder andere Bildchen gefallen, so ist Klau und Vervielfältigung nicht nur gestattet, sondern auch erwünscht.










Also: Morgen geht's ab in die Ewige Stadt. Dann gibt's erst mal ein paar Tage Sendepause und ab Mitte Oktober müßte "am römsten" dann wieder normale Betriebsgeschwindigkeit erreicht haben.

Bis dahin:

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, October 03, 2007

Guckst Du!


Am 10. Oktober startet auf RTL II die Serie Heroes.

Mir ist zu Ohren gekommen, daß in Deutschland schon schwerer Werbehype betrieben wird. Ausnahmsweise ist der Hype aber auch gerechtfertigt. Heroes ist extrem sehenswert. Die Grundidee ist spätestens seit X-MEN nicht mehr neu, aber die Umsetzung ist eine völlig andere. Keine Babes mit Guns und Studs in Latex, die im Dauereinsatz die Welt vor den neuesten Höllenmaschinen irgendwelcher Superschurken im Purpurcape retten. Nope. Heroes zeigt uns die genetisch Herausgeforderten als Politiker, Cops, Maler, Cheerleader, alleinerziehende Mütter, Knastbrüder, Freaks, Krankenpfleger etc.

Die ganze bunte Truppe wird im Laufe der 22 Folgen der erstern Staffel schicksalsmäßig zusammengeschweißt um New York vor einer gewaltigen atomaren Explosion zu bewahren. Was bis dahin geschieht ist immer unterhaltsam, streckenweise originell, manchmal überraschend.

Zwei Darsteller sind besonders erwähnenswert: Masi Oka spielt Hiro, einen geekigen, comic-liebenden Japaner, der an seine besonderen Fähigkeiten mal fest glaubt und auch mal schwer an ihnen zweifelt. Und er ist sicherlich der witzigste, positivste und knüffigste Character in der Show. Dann ist da Sylar, gespielt von Zachary Quinto. Sylar ist der "Schurke" in Heroes und Quinto macht wirklich etwas draus. Er muß nicht einmal auf dem Bildschirm sein. Wenn der Name "Sylar" nur erwähnt wird, dann legt sich gleich eine doomige Gänsehautschicht über das gesamte Geschehen, so bleibend ist der Eindruck der ersten Auftritte von Quinto.

Ich will nicht sagen, daß Heroes ein Muß ist, aber wenn Ihr Serien mögt, die mal ein wenig anders sind und trotzdem prima unterhalten, dann zieht Euch wenigstens die ersten vier order fünf Folgen rein. Wenn Ihr dann nicht am Haken hängt, macht's eh keinen Sinn weiterzuschauen.

Save the cheerleader - save the world!

Der Lösung einen Schritt näher...

Aus der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch:
    Zu Recht vergnügt? - Forscher entdecken: Konservative sind fröhlich, Linke verzweifelt.
    Von Hilmar Klute


    Der Bänkelsänger Franz-Josef Degenhardt hat in den frühen achtziger Jahren ein Lied gesungen, in welchem er das emotionale Grundproblem der Sozialisten und verwandter Geister ziemlich bündig zu fassen kriegte: "Also, wir wollen mal ehrlich sein, so richtig können sich Linke nicht freun." Eigentlich war das damals schon eine ketzerische Bilanz gewesen, denn die Linken hielten sich doch immer zugute, saftige Epikuräer zu sein, die schwer solidarisch an langen Tischen saßen, Beaujolais Primeur tranken und pfeffrigen Hammelbraten in sich rein-stopften, um die Verhältnisse auf diese Weise zum Tanzen zu bringen. Tja. Windige Utopien waren das alles. In Wirklichkeit hockten die Linken verkniffen in schlecht gelüfteten Seminarräumen und klopften solange die alten Marx- und Hegel-Schinken ab, bis die Mauer umfiel und alles umsonst gewesen ist.

    Die Konservativen dagegen haben immer sehr angenehm im Ratskeller gesessen, Moselwein getrunken und sich an der Stabilität ihres Weltgebäudes freuen können. Im Sommer zogen sie ins Bierzelt um und ließen dort ihre Festredner hochleben, welche ihnen noch einmal die Palette der überlieferten Werte von der Familie bis hin zum finalen Rettungsschuss auffächerten. Wobei der Spott hier auch abrupt aufhören muss, denn es hat sich in der Tat herausgestellt, dass Konservative nachweisbar gefestigter sind als Linke und damit ungleich zufriedener.

    Die Forschergemeinschaft um den Dänen Christian Bjørnskov von der Aarhus School of Business hat nach links und rechts Fragebögen verteilt und die einzigen wirklich fröhlich stimmenden Auskünfte nun einmal von den Werteorientierten bekommen. Selbst wenn ein Linker über ein schönes finanzielles Vermögen verfügt, ist er unglücklich, weil ja gerade seine feste Verortung auf der materiellen Sonnenseite so grell und hässlich verdeutlicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich so fies - ach, es ist ein Elend. Im konservativen Gegenlager ist diese Schere wiederum ein Symbol der Gerechtigkeit, denn sie zeigt ja, dass nur derjenige, der mit Fleiß und Talent vorstellig wird, Glück und Erfolg erntet.

    Je linker ein Mensch ist, desto unglücklicher ist er: Ich bin so links, dass ich am liebsten sterben möchte. Ich wache morgens auf, schaue mit meinem verschleierten linken Auge auf mein Liebknecht/Luxemburg-Plakat und bin schon wieder so unrettbar in diesem Kokon aus Verzweiflung und Wut gefangen, verstehst du?

    Je rechter ein Mensch ist, desto glücklicher ist er: Ich bin so rechts, dass ich schon morgens um fünf mein Carl-Schmitt-Portrait mit frischem Eichenlaub bekränze und die Ouvertüre zu Tannhäuser so lange auf dem Grammophon laufe lasse, bis ich das Bedürfnis verspüre, spontan in Sachsen-Anhalt einzumarschieren.

    Das wahre Elend ist natürlich, dass man sich seine Gesinnung nicht aussuchen kann.
Na, jetzt habe ich endlich die Antwort auf Alfred Jodocus Quackens Frage "Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, so ausgesprochen fröhlich, so fröhlich wie noch nie?"

Saturday, September 29, 2007

Beidseitiges Bedauern

In der heutigen Ausgabe der Presse findet sich neben dem aufmunternden Kreuzentfernungs-Artikel auch ein Essay von Robert Menasse, Dr. phil. und freier Schriftsteller. Er erzählt von der Verweltlichung von Kirche und Religion und der Sakralisierung des Kapitalismus. Wenn letzterer Ansatz auch interessant und richtig sein mag, so stützt sich der gesamte Artikel jedoch auf einen Trugschluß, der gleich zu Beginn geschieht: Der Gott der Moderne, der Gott der aufgeklärten Welt, sei nur als Begründer einer Religion (welche hier eine menschliche und menschengemachte Institution genannt wird) und nicht der Welt anerkannt. Das haut natürlich nicht hin. Wenn er Gott ist, ist er Schöpfer der Welt. Wenn er nicht Schöpfer der Welt ist, ist er nicht Gott. Das mögen moderne Menschen nicht verstehen (wollen), aber das ändert nichts am Sachverhalt. Wie ich gestern sagte: Die Menschen heutzutage sagen viel zu oft "Gott", ohne 'Gott' zu denken.

"Wäre der Papst das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, Stellvertreter seines Gottes auf Erden, er hätte es abgelehnt, ja zurückgewiesen, [in Österreich] mit militärischen Ehren empfangen zu werden", heißt es im Artikel von Menasse. Nun ist der Papst aber nicht nur Oberhaupt der Katholischen Kirche, sondern auch Oberhaupt des Vatikanstaates und hatte somit die Wahl.

Eine handvoll hundertjähriger Linden musste weichen, damit in Mariazell die Tribüne für die Papstmesse errichtet werden konnte, weiß Menasse weiter zu berichten. Das stürzt unsere Umweltfreunde sicherlich in tiefe Trauer. Wer allerdings in Richtung Ewigkeit lebt und nicht nur seine Tage auf der Erde zählt, den jucken ein paar hundertjährige Bäume weniger.

Der Papst ist also ein säbelrasselnder Öko-Terrorist. Wäre es Robert Menasse wirklich lieber gewesen, wenn Benedikt XVI sich entschieden hätte, auf militärische Ehren zu verzichten und die Bäume stehen zu lassen? Dann wären ja als entrüstungsbeschleunigender Anklagepunkt nur die Prada-Schuhe geblieben, die sich erstmal einem harten historischen Test unterziehen Müssen ("Jesus zog in Sandalen in Jerusalem ein") bevor folgende Aussage gemacht wird: "Die Schuhe des Papstes, erfuhren wir, wurden in Indien genäht!" Naja, bei soviel moralischer Überlegenheit, hervorgerufen durch eine so eindeutige Quellenlage ("... erfuhren wir, ..."), ist der Pluralis Majestatis sicherlich gerechtfertigt. Da kann ja selbst der Papst noch was lernen.

Menasse erhöht dann die Papstmesse in Mariazell zu einer politischen Eroberung eines öffentlichen Raumes für einen sakralen Ritus und erklärt sie zur Landnahme. Der Autor watet noch durch drei weitere Landnahme-Analogien (Amsterdam, Auschwitz, Nagasaki) und erhellt deren Relation zur Religion. Er stellt fest, daß wir mit den Gebeten eben dieser Religion in Mariazell Bäume fällen. Er scheint dann zu hoffen, daß der Leser erstens die Prada-Schuhe und zweitens den Satz von drei Spalten vorher noch im Kopf hat: "Es wird niemanden, der das Verhältnis von Kapitalismus und Christentum kennt, überraschen, daß [in Mariazell] selbstverständlich die hundertjährigen Linden weichen mußten". Denn - Faust immer im Gepäck - schließ der Kreis endlich so: "Laß dich mit dem Teufel ein und mach deinen Profit. Am Ende wirst du von Gott erlöst, denn dein Streben war gottgefällig." Ja, so durchschaubar sind Christus und Benedikt XVI.

Extra-schmierig dann der Abschluß des Artikels: "Ich bedaure, daß ich das geschrieben habe." Das ist schon okay. Ich bedaure, daß trotz des Bedauerns der Text irgendwie immer noch seinen Weg in die Zeitung fand.

Jetzt endlich auch in Österreich!

Juchei, der Islamismus ist da!

Nachdem in Frankreich vor Jahren kurzseitig die Trennung zwischen Kirche und Staat aufgehoben wurde, damit mit staatlicher Finanzierung Imame ausgebildet werden können; nachdem in London vermummte Moslems auf Plakaten den Tod des Papstes forderten und die Auslöschung des Christentums in Europa versprachen; nachdem in Deutschland die bombigen Pläne dreier Moslems vereitelt werden konnten; nach all diesen "Der tut doch nichts, der will nur spielen"-Episoden kann Österreich nun auch mitreden. Erst die Schändung einer Kirche durch drei junge Türken in Hohenems (April 2006). Dann das Hochnehmen von drei Islamisten, die im Internet ein wenig Haß predigten. Und nun lese ich in der heutigen Tageszeitung dies: In Graz werden seit einiger Zeit die Kreuze von den auf Taxi-Nummernschilder gedruckten steirischen Landeswappen gekratzt. 18 Fälle waren bis gestern Mittag bekannt. In mindestens 16 Fällen, so heißt es, haben Fahrzeuglenker bzw. -besitzer einen muslimischen Hintergrund.

Und dann motzt die Vorsitzende eines islamischen Vereins in Österreich in der "Presse", daß die Leute sich halt mehr über den Islam informieren sollen, dann wird auch alles viel besser. Ja, bitteschön, was will ich denn eigentlich noch mehr wissen, als daß christliche Kirchen geschändet, Internetseiten zur Verbreitung von terroristischen Inhalten genutzt, Konvertiten zu Bombenbastlern ausgebildet und christliche Symbole mit Urkundenkraft (Nummernschild) zerstört werden? Setze ich mich da hin und suche nach Anhaltspunkten, die mich dazu bewegen könnten, die Islamisierung Europas schweigend und in Freude abzuwarten? Habt Ihr sie eigentlich noch alle?

Es gibt auch eine gute Seite des Islam und jede Menge Moslems, die gegen Gewalt sind? Liebe muslimische Brüder und Schwestern, macht die Socken scharf und zeigt sie uns. Groß, bunt und in aller Herrlichkeit in den Medien. Langsam wird es Zeit, meint Ihr nicht?

Aber wahrscheinlich wird die Reaktion in etwas so lauten:
Österreichische Politiker: "Och, sind wir doch froh, daß sie nur die Kreuze von den Wappen kratzen und nicht auch noch Halbmonde draufmalen. Und überhaupt, sollten wir nicht langsam christliche Symbole gänzlich aus der Öffentlichkeit verbannen?"
Österreichische Moslems: "In Graz verlangen Taxikunden seit einigen Tagen vermehrt inländische Fahrer! Wir sind empört!"

Nochmals Glückwunsch an all jene, die seit Generationen selbstgerecht und blind an der Entchristianisierung Europas basteln und es auch heute noch für eine gute Idee halten.

Friday, September 28, 2007

War mal wieder Zeit...

... für ein wenig Veränderung. Ich hoffe, das neue Petersplatz-Bild im Header findet Euren Beifall (wenn nicht, laß ich's aber trotzdem erstmal da, weil ich es wirklich gern hab).

Alles Liebe,
Alipius

Ja, warum denn eigentlich...?

"Warum die Kirche nervt!" heißt es auf der Titelseite der neuen Ausgabe der Zeit.

"Warum wir finden, daß die Kirche nervt!" oder "Nervt die Kirche? Und wenn ja, warum?" als Alternativ-Überschriften? Bloß nicht! Dogma und Fundamentalismus gibt's ja glücklicherweise ohnehin nur da, wo wir diese zu finden glauben.

Versöhnlich dagegen, daß es "Die Kirche" heißt. Zwar wird im Artikel zweimal auf die leicht angefressene Befindlichkeit der Protestanten verwiesen, denen ja unlängst das sogenannte "Kirchesein" im engsten Sinne abgesprochen wurde, aber offenbar wissen auch die Leute bei der Zeit, welche Institution gemeint ist, wenn von DER Kirche die Rede ist.

Drei Antworten auf das "Warum" (ein Schelm, wer hier an "Dodgeball" denkt) bietet der Artikel an. "Einen guten, einen tragischen und einen furchtbar traurigen", wie es im O-Ton heißt. "Furchbar" traurig? Naja, wir wollen doch, daß auch die "Würde bitte für eine Sekunde vielleicht irgendjemand auch mal an die Kinder denken"-Fraktion weiterliest.

Furchtbar traurig sind die konservativen Bischöfe, die "den Glauben in Verruf" bringen. Hier werden die drei unangenehmen M's, Gerhard Ludwig "Sexskandal" Müller, Walter "Gebärmaschinen" Mixa und Joachim "entartete Kultur" Kardinal Meißner genannt.

Letzterer hat ja mit seinem gewaltigen Tritt ins Fettnäpfchen immerhin das typische und obligatorische Schubladendenken des moralisch leicht entflammbaren Teils der Öffentlichkeit bloßgelegt: "Hmmm... Entartet..., entartet..., entartet... Ah, da steht's! Mal die Schublade aufmachen und reinschauen. Oha! Eine "To do List"...
    1.) Betroffen gucken
    2.) Entrüstet mit dem Fuß stampfen
    3.) Mahnend an die Vergangenheit erinnern
    4.) Sich freuen, daß man zu den Guten gehört
    5.) Die Diskussion vom eigentlichen Punkt wegleiten auf den bösen Buben

    Achtung: Unbedingt alles vermeiden, was einer zu einer Rückeroberung des Begriffs für den allgemeinen Sprachgebrauch führen könnte. Diesen Schatz dürfen wir uns nicht nehmen lassen!
Bischof Mixa musste sich von der "Maria Schell der Sozialdemokratie" (ebenfalls aus der "Zeit") mit einem kastrierten Kater vergleichen lassen. Kurt Beck wollte mit diesem Witzchen aber nur um Verständnis für den Bischof werben. Ja, genau...

Bischof Müller, der Louis XIV des deutschen Episkopats, steht im Mittelpunkt der Zeit-Kritik, dies mit Recht. Wer überwuchernde Laienaktivität beschneidet und goscherte Priester und Theologen in die Schranken weist, muß dann halt auch beim Umgang mit in ihrem Sexualverhalten gestörten Geistlichen Klugheit und Umsicht beweisen und hart durchgreifen, sonst ist die Mitra mehr als fehl am Platze.

Der Artikel leidet insgesamt am mittlerweile gesellschaftsfähig gewordenen und seit langem sich mit rasender Geschwindigkeit verbreitenden emotionalen Overkill ("furchtbar traurig"). Der Verstand, so weiß man aus der Logik, arbeitet mit Universalen. Wenn eine "fröhliche ältere Dame" den Kardinal Meißner nicht mehr will, weil er Fuchsaugen habe, so ist dies ein auf Gefühlen basierender singulärer Eindruck, der nicht wirklich etwas zur Suche nach dem Prinzip "Bischof" beiträgt. Auch ein im Nebenzimmer wimmernder Säugling während eines Besuchs von Bischöfen in den Räumlichkeiten eines Aids-Projektes in Mfuleni mag die Herzen höher schlagen lassen, ändert aber nichts an der Tatsache, daß das HI-Virus primär durch Geschlechtsverkehr und erst sekundär durch die Abwesenheit eines Gummihäutchens übertragen wird. Naja und dann halt jede Menge "Amtskälte", "Menschenferne", "Mitschuld", "Bischof Müller könnte mit den Mullahs an einem Tisch sitzen", "Die Kluft zwischen Gläubigen und der Amtskirche verschwindet erst, wenn man an die Basis geht..." etc.

Es gibt also drei Beispiele für Bischöfe, die nicht so wollen, wie sie (nach wessen Meinung auch immer) sollen. Von diesen drei Herren kann man streng genommen nur Müller einen echten Vorwurf machen, weil nur er das Prinzip der bischöflichen Amtsführung scheinbar voll in die falsche Kehle bekommen hat. Dann nervt aber gleich die ganze Kirche. Komisch, hier werden Universale dann plötzlich wieder interessant. Das finde ich ein bißchen zu einfach und auch ein bißchen bigott.

Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in der die Menschen immer öfter "Gott" sagen, aber immer seltener 'Gott' denken. Gott kann nur EINER sein, dies liegt in der Natur eines allmächtigen, perfekten Wesens. Wegen seiner Perfektion, also der Abwesenheit jeglicher negativen Indikationen, kann Gott auch nicht lügen, daher ist erstens die Trinität - wenn sie vielleicht auch schwer verständlich ist - ebenso leicht zu glauben, wie die Auferstehung Christi, und daher ist zweitens für einen gläubigen Christen jede auf Christus folgende "göttliche Offenbarung" abzulehnen, dies allerdings nicht mit Gewalt, denn so hat unser Herr auch keine Anhänger gewonnen. Die Kirche kann ebenfalls nur EINE sein, denn sonst gibt es ihrer irgendwann so viele, wie da Menschen sind. Man vergleiche nur die Anzahl der lutherischen / anglikanischen / /zwinglianischen / calvinistischen / puritanischen / amischen / methodistischen / baptistischen etc. Glaubensgemeinschaften mit der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche, die ja übrigens auch auf einem Felsen und nicht auf mehreren errichtet wurde. Tja und dann muß man halt als gläubiger Christ in den sauren Apfel beißen und der Katholischen Kirche erstens beitreten und zweitens mit dem Wohlwollen begegnen, welches sie zum Überleben braucht. Böse Bischöfe sollten wirklich nicht interessanter sein und mehr wiegen als das Gute in der Kirche, das Wohl derselben und auch das eigene Seelenheil.

In Zeiten, in denen Europa zu Erbsen zerfällt, sich an der eigenen Christus- und Kirchenlosigkeit zu er-"götzen" beginnt und sich im Taumel der Vorfreude über die eigene Kapitulation hemmungslos an seiner Zukunft vergeht, erscheint ein Fokus auf die "nervigen" Aspekte der größten und ältesten Institution unseres Kontinents nicht wirklich hilfreich. Sicher, die Fehler und Vergehen der Bischöfe sollen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Aber wir sollten auch nicht vergessen, daß wir seit fast zweitausend Jahren mit den Launen solcher "Kirchenfürsten" leben. Und trotzdem gibt's uns immer noch. Wahrscheinlich hauptsächlich wegen der Leute, die sagen "Du bist mein Herr und dies ist Deine Kirche. Ich danke Dir, daß Du sie uns als Deinen mystischen Leib hinterlassen hast, und ich will ihr treu bleiben" und nicht "Du bist mein Papst / Bischof /Pfarrer und Du bist
    gegen Frauenordination
    für den Zölibat
    gegen Clownnasenmessen
    gegen die Homo-Ehe
    konservativ
    selbstherrlich
    versoffen
    blöde
    sonstwas
    (Zutreffendes bitte ankreuzen)
darum mag ich Dich jetzt nicht mehr und die Kirche auch nicht."


So hat man also einen Gott und einen Weg zu ihm. Steht nicht da und meckert über die Schlaglöcher. Ihr seid doch schlau genug, sie zu sehen. Also umgeht sie, warnt die nach Euch kommenden und marschiert weiter Richtung Heil. Die perfekte Straße gibt es ebenso wie die vollendete Kirche ohnehin erst im Jenseits.

Tuesday, September 25, 2007

Jetzt also die Bilder...

Das ist ein Teil (weniger als die Hälfte) der Leute, mit denen ich vor 20 Jahren Abitur gemacht habe. War ganz witzig, die Bande mal wiederzusehen. Auch, wenn ich einige kaum noch wiedererkennen konnte. Und von meinem Namensgedächtnis wollen wir mal gar nicht reden. Das ist so mies, es läuft so nach dem Motto "Ich kann nicht glauben, daß Du vergessen hast, wie ich heiße!" Worauf ich dan nur kleinlaut antworte "Tschuldige Mama!"


Und jetzt ein paar Eindrücke aus Polen:

Stoak, oder? Ist das nicht ein richtig hübscher, großer Platz? Und dabei seht Ihr hier auf dem Bild nicht mal die Hälfte!


Dieses dezente frühbarocke Flimmern konnten wir bei den Chorherren in Krakau bestaunen. Der Typ im Radlerdress hat bezüglich der Farbigkeit (oder Buntigkeit) kurzzeitig dem Sakralbau die Show gestohlen.


Am zweiten Abend waren wir in einem jüdischen Restaurant in Krakau. Da gab's nicht nur die ganzen klassischen Gerichte und koscheren Wein, sondern auch Klezmer-Mucke und zwar live. Die fünf Jungs, die Ihr hier auf dem Bild irgendwie sehen könnt, waren richtig gut und haben mächtig was losgemacht. Der Hit: Sie heißen "Klezzmates", was ja wohl geiler kaum gefunden werden kann.


In Częstochowa waren wir natürlich auch und haben uns die schwarze Madonna angesehen. Da bekam ich dann zum ersten Mal seit langer Zeit wieder so richtig Haarspitzenkatharr. Und zwar hatten wir am Altar der schwarzen Madonna Messe. Ich dachte, daß das eher so eine private Geschichte wird, weil's halt natürlich eine Messe in deutscher Sprache war. Wir stellen uns also in der Sakristei so brav auf und marschieren raus. Und da stehen in der Kapelle Schulter an Schulter, Schuhspitze an Absatz die Leute. Pickepackevoll, aber: Kein Mucks! Das war schon leicht gespenstisch. Dann knieten wir uns vor dem Altar hin und blieben knien, denn es fuhr unter live gespieltem Trompeten und Trommelgerassel die das Madonnenbild verkleidende Tafel langsam hoch. Und kaum war die Madonna zu sehen und kaum hatte die Messe begonnen, ging der Betrieb wieder los: Rund um den "Chorraum" und hinter dem Gnadenaltar entlang führt ein Weg für die Pilger, und auf dem wurde auch während der Messe fleißig aber würdig entlanggeschritten, manchmal rutschten sogar ein paar Leute auf Knien vorbei. Nur bei der Wandlung und beim "Agnus Dei" kam der Verkehr kurzzeitig zum Stehen und alles sank in die Knie (außer denen, die schon gekniet haben, versteht sich). Das war doch eine ziemlich andere Form des Katholizismus als das, was ich bisher so aus Deutschland und Österreich kannte.


Sarockels on Parade!


Auf der Rückreise waren wir noch in Kalwaria Zebrzydowska, wo ich diese beiden Extrem-Jubelputten sah, die ich Euch auch nicht vorenthalten möchte


Irgendwo in der Slowakei, während der Rückreise aus dem Bus heraus geschossen.