
Propst Bernhard und Novizenmeister Anton waren dieser Tage (geschäftlich) in Rom. Das Photo hat zwar ein Wasserzeichen, aber wenn unser Herr Prälat dem Heiligen Vater die Hand schüttelt, dann muß ich das natürlich trotzdem stolz herzeigen.
Man hat in Köln nämlich nicht nur...
... diverse Sakristeischränke ausgeräumt,...
... sondern auch in den Schubladen...
... und Kleidertruhen...
... von Kardinal Frings gewühlt!

Das links ist Bischof Raymond Lahey, Bischof von Antigonish (Nova Scotia). Der hat im August veranlaßt, daß seine Diözese Schadensersatz in Millionenhöhe an 12 Opfer von Kindesmißbrauch durch katholische Priester (noch ein Grund...) gezahlt und gesagt, er hoffe, daß er nie mehr mit solchen verabscheuungswürdigen Verhaltensweisen konfrontiert sein werde. Jetzt wurde bei einer "Zufallskontrolle" am Flughafen in Ottawa kinderpornografisches Material auf seinem Laptop gefunden. Er wurde festgenommen und am 1. Oktober gegen Kaution (und die Auflage, nicht in Parks spazieren zu gehen) wieder freigelassen. Unabhängig davon, wie "Zufallskontrollen" von Laptops auf kinderpornografisches Material aussehen mögen ("Hey! Da! Ein Priesterkragen! Den kontrollieren wir mal zufällig!"), bin ich schon einigermaßen geplättet. Wenn an dieser Geschichte was dran ist, dann sollte langsam wirklich mal über Plan B nachgedacht werden. Kinderschändende Priester: Zack! Sofort der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben und hübsch was absitzen. Kinderschänderverschiebende - oder noch besser: kinderschändende oder auch kinderpornografisch veranlagte - Bischöfe: Schwupp! Raus aus der bischöflichen Residenz und die verwöhnten und leider komplett amtsuntauglichen Hinterteile mal ein wenig auf der Gefängnispritsche plattgesessen. Und ich will hier jetzt nix von Gnade, Sanftmut und zweiter Chance hören. Diese Kerle gehören aus dem Verkehr gezogen. Punkt. Allerdings: Eben nur wenn an diesen Geschichten etwas dran ist. Medien und Öffentlichkeit müssen Kirche und Gerichten schon Spielraum lassen. Das Hysterie-Level, welches mittlerweile herrscht (nicht nur, weil ich's vorgestern selbst erlebte) wirkt negativ. Da wird eine Erwartunghaltung aufgebaut ("Der ist Priester und des Kindesmißbrauch verdächtigt? Dann muß es doch stimmen, oder?"), die etwas einengend wirkt. Also: Lieber Vatikan, mach da mal Magnificat-mäßig was los und stürz die Mächtigen vom Thron, wo sie's verdienen und benötigen. Und liebe Leute: Eßt die Nachrichten nicht ganz so heiß, wie sie gekocht werden.
Ich habe mir so gegen 9:30 einen Zweit-Kaffee geholt. Dazu gehe ich in einen kleinen Raum, welcher direkt an das Refektorium anschließt. In früheren Zeiten war dieser Bereich Teil des Refektoriums, bis dann - ich glaube nach dem Zweiten Weltkrieg - eine Wand eingezogen wurde und so ein Raum entstand, in dem zwei Stifts-Angestellte die aus der Küche im Lastenaufzug hochgebeamten Speisen auf Rollwagen stellen und dann zum Auftischen ins Refektorium fahren. Zudem gibt's dort Kühlschränke, aus denen man sich Joghurts und Milchreis und Actimel und kaltes Mineralwasser etc besorgen kann, eine Espresso-Maschine und auch einen Tisch, um den sich immer wieder mal ganz gemischtes Volk versammelt. Der Raum heißt - politisch ebenso unkorrekt wie phänomenologisch stimmig - "Dienerkammer". Dort steht auch ein kleines Radio, aus dem manchmal unerwartete Stücke erschallen. Zum Beispiel heute: Während ich meinen Espresso zapfte, wippte mein linker Fuß plötzlich im Takt zu Twilight vom Electric Light Orchestra, kurz ELO.
Das Electric Light Orchestra ist ja nun eher eine der bekannteren Bands der Rockgeschichte, also muß ich Empfehlungen oder Warnungen wahrscheinlich nicht aussprechen. Wer ELO liebt, der weiß warum. Ebenso wie diejenigen, die um das Orchestra eher einen großen Bogen machen. Sollte es jüngere Leser geben, die sich grade denken 'Wovon faselt der Opi da eigentlich?', denen sei als Reinhörtip das Doppelalbum Out of the Blue empfohlen, welches die Band auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens zeigt. Die dritte Seite der Doppel-LP ist gar ein "Concerto for a rainy day", sprich eine Konzept-Seite, die sich mit miesem Wetter befasst und mit dem irre guten Mr Blue Sky einen zapplig-vergnügten und versöhnlichen Abschluß findet.