Saturday, November 22, 2008

Stöbern!

Wow!

Google hat offenbar mit LIFE einen Deal abgeschlossen und stellt jetzt das gesamte Bildarchiv des Magazins online.

Im Laufe der nächsten Monate soll der Bestand angeblich auf insgesamt 10 Millionen Bilder wachsen. Bei diesen Abbildungen handelt es sich größtenteils um bisher unveröffentlichte Photographien von Leuten wie Alfred Eisenstaedt, Gjon Mili, Dimitri Kessel, Nina Leen und anderen bekannten Photographen. Man kann also bald eine nette Reise durch's 20ste Jahrhundert unternehmen. Es sind so ziemlich alle Bereiche abgedeckt:


Tradition...

... und Moderne


Genie...

... und Wahnsinn


Konflikt...

... und Dialog


Höfisches...

... und Gossiges


Entspannung...

... und Hysterie


Einheimische...

... und Außerirdische


Beschaulichkeit...

... und Raserei


Schaut Euch mal um! Wenn Ihr nicht auf anhieb fündig werdet, nicht vergessen: In den nächsten Monaten steigt die Zahl der Bilder noch gewaltig an.

Wednesday, November 19, 2008

Lange nicht mehr...

Grübeln einstellen: Leser Voltaire hat die richtige Lösung eingeschickt: "Sauerei"!


... gerätselt!

Diesmal ist es aber ziemlich leicht.

Also: Was ist das?



Update: Ist vielleicht doch nicht ganz so leicht...

Aufräumen!

Ich habe gestern eine dieser klassischen, unmotivierten Internet-Reisen hingelegt: Man sucht irgendwas, landet auf einer Seite, sieht dort einen interessanten Link, klickt mal drauf, landet auf einer zweiten Seite, auf der man wieder eine ansprechende Verknüpfung entdeckt, die man auch gleich mal checkt, undsoweiter...

Ich stolperte während des Trips auch für eine Weile durch die Arena des immerwährenden "Rechts/konservativ gegen Links/liberal" (hier und im ganzen Artikel ganz breit gemeint), wobei ich mir dort größtenteils Bildmaterial ansah (Photos oder Videos). Es gab unter anderem:
    Den "Walk for Life" in San Francisco, Januar 2006

    Die "Stanley 'Tookie' Williams-Nachtwache vor dem St. Quentin-Gefängnis, Dezember 2005

    Der "Schweigemarsch" in Berlin, September 2008

    Ein kurzer Bericht über das Schauspiel "Corpus Christi" (nur Text)

    Nochmals Phyllis Burgess gegen die enttäuschten Proposition-8-Gegner

    Und nochmals die tapferen argentinischen Jungs, die dem Ansturm einer Pro-Choice-Demo standhielten
Zwei Dinge fielen mir auf:

Erstens: Das Konzept "Rechts" hat eine nicht unbeeindruckende Ausdehnung. Hier gibt es zwei Probleme: Erstens schwimmen im "Rechts"-Topf Attribute, die dort zwar nicht vollkommen fehl am Platz sind, aber andererseits keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben können ("fremdenfeindlich", "frauenhassend", "ultrakatholisch" etc.). Die gemeinsame Zugehörigkeit dieser Attribute zum Konzept "Rechts" widerum führt dazu, daß sich ein gewisses "Synonym-Syndrom" einstellt: "Pro-Life" ist da gleich neben "Fremdenfeindlich", "Frauenhassend" oder "Holocaust-leugnend" zu finden, also ist, wer gegen Abtreibung ist, im Idealfall dann auch mal gleich ein xenophober Alt-Nazi-Misogynist. Wer die Todesstrafe für Tookie Williams okay findet, ist "racist, sexist, anti-gay" und ein "religious bigot", wie die "Free-Tookie"-Meute skandierte. Wer sich gegen das Schauspiel "Corpus Christ" ausspricht (Prämisse: Christus wurde in Corpus Christ, Texas, geboren und war - ebenso wie seine Jünger - schwul) ist ein Moralist der religiösen Rechten, der die sich gegen Unmenschlichkeit aussprechende Message des Stücks nicht kapiert. Und so weiter... Da muß dringend mal aufgeräumt werden.

Zweitens: Soweit ich es beobachten konnte, haben die "Rechten" sich immer anständig benommen, egal ob sie - wie in San Fran oder Berlin - die Demonstrierenden, oder - wie in Argentinien - die Gegen-Demonstrierenden waren. Was die "Linken" betrifft, sieht es ein wenig anders aus. Da wurden in San Francisco die Abtreibungsgegner, die schweigend und geordnet (rechts und links von Polizisten geschützt) dahergingen mehr als übel beschimpft, angepöbelt, mit Kondomen beworfen, das ganze Programm halt. Dreimal versuchten die Gegendemonstranten, den Marsch zum Stehen zu bringen, wurden aber immer von Motorad-Cops dezent von der Straße geschubst. Auch in Berlin wurde kräftigst gebrüllt und mit Obszönitäten nicht gespart. Und Argentinien... Naja, Ihr habt das Video ja gesehen oder könnt es Euch ansehen.

Jetzt drängt sich natürlich die Frage auf: Warum auf der einen Seite dieses in manchen Fällen fast an Besessenheit erinnernde Gehüpfe, Gekreische und Gederwische und auf der anderen Seite diese Ruhe? Ich habe eigentlich auch nicht so wirklich eine Idee. Sind "Konservative" tatsächlich glücklicher, ruhiger und weniger verbiestert? Neigen "Liberale" wirklich häufiger zu emotionalen Ausbrüchen als zu vernunftgesteuertem Diskurs? Sind christlich motivierte Demonstranten (wenn sie nicht grade in osteuropäischen Ländern Schwule mit Kot und Steinen bewerfen; Idiotenpack) ihren Inhalten treuer und nehmen tatsächlich von Gewalt und Haßausbrüchen Abstand? Haben "Linke" tatsächlich nicht genug geistige Bewegungsfreiheit, um eine "Pro-Life"-Demonstration als eben eine Demonstration für das Leben und nicht eine Manifestation religiös motivierten Hasses zu erkennen? Selbst, wenn alle Fragen zugunsten der "Rechten" zu beantworten wären, muß es doch dafür einen Grund geben. Ich habe eigentlich nur eine Vermutung: Viele Leute im "linken" Spektrum wollen das Paradies auf Erden, wissen aber nicht, daß es dies nicht gibt. Das kann natürlich schon mal in Verzweiflung und leichter Unwirschheit enden. Ich finde es nur schade, daß darunter auch die Sicht auf sich selbst zu leiden scheint. Denn in fast allen oben gegebenen Beispielen wird von Seiten der "Linken" eine Freiheit gefordert, ohne daß im Gegenzug auch eine Freiheit - nämlich die der Meinungsäußerung - respektiert wird. Zusammen mit dem wilden Betragen ergibt das eine unangenehme Mischung. Ich empfinde es als unredlich, ein irdisches Paradies durch Mundtotmachen herbeizaubern zu wollen.

Sunday, November 16, 2008

Tagesausflug

Wir (das heißt: einige von uns) waren heute den ganzen Tag auf Achse.


Um 7:00 sind wir bei der Ponte Garibaldi mit neun Mann und Frau in einen für diesen Tag reservierten Kleinbus mit Fahrer gehopst.


Der Fahrer (Alberto) hat uns dann bis 9:00 Uhr zügig und sicher zu unserem ersten und Haupt-Ziel gebracht: Spello, ein mittelkleines Städtchen in Umbrien, welches ganz malerisch an einem Berg klebt, was man von außerhalb der Stadtmauer aber irgendwie gar nicht sieht. Hier strahlen drei der mexikanischen Schwestern in die Kamera, die in Rom für unser leibliches Wohl sorgen (und auch die Wäsche ganz weiß kriegen, im Gegensatz zu italienischen Reinigungen...). Die sind allesamt ganz wunderbar und mögen sich auch untereinander, was ja bei Nonnen angeblich nicht immer so richtig fluppt.


Spello ist 100% Eye-Candy, weil es unter der Last seiner malerischen Gassen fast einknickt...


... wie Ihr...


... hier unschwer...


... sehen...


... könnt.


In der Laurentius-Kirche sahen wir einen Altar, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem anderen, etwas bekannteren Altar besitzt...


So sahen die Säulen von unten aus.


Dort gab es auch ein gelbes Fenster, durch welches ganz artiges Licht in den Raum flutete.


Beim Versuch, einen von der Sonne schön angestrahlten Baum durch diese Bögen hindurch zu photographieren, kam es zu diesem eigenartigen Lichteffekt.


Dann mußte ich mir mal die Hände waschen, und Walter, der eigentlich nur die Kamera halten sollte, hat einfach mal abgedrückt. Tach!


Nach einem Picknick mit anschließendem Kaffee und Grappa vor einer der typischen, klassischen, unverzichtbaren "Bars" haben wir uns dann wieder auf die Socken bzw. die Reifen gemacht und sind nach Montefalco gefahren, was nur 20 km von Spello entfernt liegt.


Montefalco hat oben auf einem Hügel diese hübsche Piazza...


... und ringsherum...


... schlängelt sich dann...


... wieder dieses malerische Zeugs den Hügel hinab.


In der Franziskus-Kirche geht's den Dämonen schwer an den Kragen. Hier treibt der Heilige Antonius von Padua etwas aus, was auch wirklich raus gehört.


Und hier droht die Madonna einem dahergelaufenen Teufel gleich mal mit der Keule. Man beachte das Mienenspiel.
Maria: "Wer will hier gerne ein Fleck auf dem Teppich werden?"
Dämon: "Äh... (yikes!)... nichts für ungut!"


Für Elsa: Umbrische Olivenbäume im orangenen Sonnenuntergangslicht.


Bei Sonnenaufgang hin, bei Sonnenuntergang zurück: Da kann man wirklich von einem Tagesausflug sprechen. Schön war's, nicht nur wegen der tollen Sehenswürdigkeiten, sondern auch wegen des Wetters und der netten Gesellschaft. Auf der Rückfahrt erwischte uns dann leider ein Stau. In Rom spielt heute Roma gegen Lazio. Da ist immer Weltenende angesagt, vor allem natürlich vorher, verkehrstechnisch. Die Rückfahrt dauerte daher auch nicht zwei, sondern vier Stunden. Ich wollte aber doch noch fix die Bilder posten, damit ihr morgen (oder vielleicht gar noch heute) ein bißchen was zu gucken habt. So, aber jetzt hau ich mich auf's Ohr.

Alles Liebe,
Alipius

Friday, November 14, 2008

Ich liebe Willi Wacker...

... oder Andy Capp, wie er eigentlich heißt.


Übersetzung:
    Andy: "Es wäre nett, wenn wir hier draußen Gemüse oder sowas hochziehen könnten."

    Flo: "Was schwebt dir denn so vor?"

    Andy: "Weiß nicht... Weizen... Gerste... Hopfen... Hefe..."
Andy Capp-Fans können auf der Seite comics.com über 3000 Capp-Strips anschauen und abgackern.

Ein Gebet, bitte

Ich hab's mal wieder geschafft.

Ich habe mich von dem wikingerhaften Verhalten der enttäuschten US-Schwulen zu einer deftigen Breitseite hinreißen lassen, an deren Ende ich eindeutig über das Ziel hinausgeschossen bin. "Gaystapo" ist ein Unwort, für das ich mich schäme (Ich hab's allerdings natürlich nicht erfunden, sondern nur aufgepickt).

Was stehen bleibt ist (auf Gefühlsebene) meine maßlose Enttäuschung und (auf Verstandesebene) meine totale Ratlosigkeit angesichts der nicht eben zimperlichen Methoden und Ausdrucksformen der US-Schwulenbewegung und die damit einhergehende Inkonsequenz. Das ist nicht drin, und darin lasse ich mich auch nicht beirren. Was ebenfalls stehenbleibt ist der Artikel "Laveldelfarbene Springerstiefel"; nicht, weil ich ihn nach drei Tagen der Ruhe immer noch einhundertprozentig legitim finde, sondern weil ich den Schandfleck nun nicht nachträglich verheimlichen will.

Leser Voltaire hat jetzt durch Fragen, die nichts weiter waren als Antworten, die ich mir schon längst hätte geben können und sollen, mir die Augen geöffnet und mich erkennen lassen, warum ich Bekannte, Freunde, ja sogar Familienmitglieder verliere. Nicht, weil ich ständig und immer im Unrecht bin. Sondern weil ich will, daß bestimmte Leute bestimmte Dinge haben, ohne daß ich ihnen diese Dinge gebe oder ihnen wenigstens zeige, wo sie diese Dinge finden können. Das ist nicht weniger unredlich als das Verhalten der tobenden US-Gays. Ich bin Herr meines Zorns. Doch leider lasse ich ihm unter dem Deckmantel der 'Heiligkeit' oft eine viel zu lange Leine.

Wenn es auf "am römsten" auch viele Momente gibt, die mich als nicht ganz so messerstechend und unbarmherzig zeigen, so sind es doch die schrillen Spitzen, die hängenbleiben.

Also: Erwartet bitte nicht, daß ich (um beim aktuellen Fall zu bleiben) die Schwulenehe jemals als eine gute Idee betrachten werde. Erwartet nicht, daß ich jemals Verständnis für die Störung von Gottesdiensten oder das Niederbrüllen von alten Damen aufbringen werde. Aber: Gewalt gegen Schwule und/oder Lesben (in welcher Form auch immer) ist nicht nur unchristlich, sondern auch bar jeglicher Logik. Dies schreibe ich jetzt erst einmal mir ins Herz (denn wenn ich auch die körperliche Gewalt stets abgelehnt habe, so habe ich wohl mit meinen Worten in der Vergangenheit genügend nicht-körperliche Gewalt ausgeübt), richte es aber auch an all jene Wirrköpfe, die sich auf mein Blog verirren und meinen, in gewissen Sätzen eine Legitimation zu finden. Laßt es sein. Seid wie die Protestanten in Lansing oder wie die katholischen Jugendlichen in Sydney: Zuckt mit der Schulter und betet. Wenn's geht auch für mich, damit ich endlich diese Unbeherrschtheit loswerde.

Kirchensteuer

Eine Dame aus Polen - praktizierende und fromme Katholikin - zieht wegen eines neuen Jobs nach Deutschland. Sie beherrscht die Sprache nicht so gut und läßt sich beim Ausfüllen diverser Dokumente helfen. Irgendjemand steckt Ihr, daß es einen steuerlichen Vorteil bringt, sich "offiziell" nicht zu einer der Großkirchen zu bekennen, für die der Staat die Mometen einzieht. Sie nickt freudig und geht heim. Einige Monate später trudelt bei ihrem Heimatpfarrer ein Brief der deutschen Diözese ein, der die Dame nun angehört. Der Pfarrer entnimmt dem Brief, daß die Dame sich von der Kirche losgesagt hat.

Ein getaufter österreichischer Katholik empört sich über die Skandale im Priesterseminar St. Pölten und will mit der Kirche erst einmal nichts mehr zu tun haben, obwohl er seinem katholischen Glauben weiter anhängt. Er tritt aus. Zwei Tage später kippt er tot um. Ein katholisches Begräbnis wird ihm verweigert, weil man seine Entscheidung, nicht mehr zur Kirche zu gehören, respektieren will.

Ein katholisch getauftes deutsches Mädel flitzt aufs Amt und tritt aus der Kirche aus, weil sie keine Katholikin, ja noch nicht einmal mehr Christin sein will.

Nicht, daß ich glaube, die Kirche in Deutschland hätte zum momentanen Zeitpunkt ohne die Kirchensteuer eine Überlebenschance. Aber es wurmt mich schon, daß seit Jahrzehnten die Leute glauben, ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Katholiken hänge von einer Steuer und nicht von der Taufe ab. Klar, die Geschichte wird ja auch sehr nebulös kommuniziert. Die Leute sagen "Ich will austreten" und meinen in der Regel "Ich will euch nicht mehr meine Kohle nachwerfen" und nicht "Ich will wirklich und ehrlich nicht mehr zu euch gehören". Wo die Kirche aufgrund des monetären Liebesentzugs eine totale Abwendung vom katholischen Glauben sieht, findet man häufig genug Menschen, die sehr wohl noch gerne in den Genuß der Sakramente kämen, wenn es ihnen denn gestattet wäre.

Nicht nur durch die Steuer sondern auch durch z.B. den Religionsunterreicht wird ja im Grunde Mittelmäßigkeit (um es vorsichtig zu formulieren) nicht nur nicht verhindert, sondern ermöglicht. "Wir kriegen unser Geld ja eh." - "Um die Inhalte müssen wir uns nicht kümmern, wir haben ja die Religionslehrer." Mein explizit 'katholischer' Religionsunterricht war eine fade, katechismusfreie und gefährliche Mischung aus Identitätsraub, Beleuchtung von Problemen ohne Ausbreitung christlicher Lösungsansätze und Gutmenschen-Training ohne Aufzeigen von Grenzen.

Vor 250 Jahren war es für katholische Bischöfe ein Leichtes, wohlgenährt und seidenumhüllt in goldenen Kutschen übers Land zu schaukeln. Denn damals besaß die Kirche auch weltliche Macht oder zumindest eine halbe Welt an Grundbesitz. Das wirkt heute natürlich obszön, aber immerhin war damals eine gewisse Ehrlichkeit im Spiel. Die Bischöfe, deren Herz etwas zu sehr an weltlichen Dingen hing, machten wenigstens nicht nach draußen einen auf Bettelmönch, um dann hinter verschlossenen Türen rumzuvöllen (Eher umgekehrt: Manche Bischöfe ließen es in Ausübung ihres Amtes kräftig krachen und bewohnten auch nicht unspektakuläre Amtsräume, hatten aber als Schlafstätte manchmal eher eine Pritsche als ein duftig-weiches Himmelbett). Wenn man mit dem System der Kirchensteuer endlich aufräumte, dann kehrte in mehr als nur einem Sinn endlich wieder Ehrlichkeit ein. Wenn die Kirche von den Spenden ihrer Gläubigen lebt, dann müßten vielleicht viele Prälaten und Priester erst mal kleinere Brötchen backen. Aber der Verzicht auf 'eingetriebenes' Geld brächte erstens einen Gewinn an Ansehen und könnte zweitens diejenigen, die die Kirche wirklich lieben und in den Priestern - trotz all ihrer Felher - wirklich die in persona Christi capitis agierenden sehen zu Unterstützung nicht nur im materiellen Sinne bewegen.

Leichtfertige Worte und wirre Zukunftsmusik, ich weiß. Aber das mußte mal von der Seele. Ich mag die Kirchensteuer nicht. Und so sehr mir unsere Heilige Mutter als prunkiges Barocktheater mit glänzenden Priestern und schäumenden Zeremonien gefällt: Ich sähe sie lieber abgemagert aber fest im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, als vom Staate durchgefüttert und eingelullt.

Thursday, November 13, 2008

Coolste Seite EVER!

Na gut, nicht ganz. Aber fast.

US-Artist Dean T. Fraser simpsonisiert seine Lieblings-Stars und -Charakter auf springfieldpunx.

Außer Heroes-Hero Hiro, den Ihr links seht, gibt's Jay Leno, Marty McFly und Doc Brown, Donnie Darko (mit Frank), Rick Astley ("You have been rickrolled... Haha!" - Well, I haven't), Conan O'Brien und natürlich Comic-Character noch und nöcher!

Check it out!

Es geht also...

...schon los.

Kehrvers-Könige

Im Jahre 1986 veröffentlichten It's Immaterial ihr erstes Album "Life's hard and then you die". Das klingt natürlich gar nicht optimistisch, zumal auch das Artwork des Covers (ein zerfurchtes Photo eines Clown-Gesichts) nichts Gutes verspricht. Und tatsächlich ist "melancholisch" durchaus eines der Attribute, welches man dem Album anheften darf. Allerdings ist da noch viel mehr. So viel mehr, daß diese CD für mich nicht nur eine der eigenständigsten Werke des etwas gepflegteren 80er-Pops darstellt, sondern auch eine der Scheiben ist, die ich einpackte, ließe man mich mit nur... sagen wir mal... 20 Platten (Hey, weniger geht nun echt nicht) auf eine einsame Insel.

John Campbell und Jarvis Whitehead, zwei Jungs aus Liverpool, sind das offizielle Duo hinter dem Werk. Aber sie werden unterstützt von einer Menge Gaststars (unter anderem sind die Christians dabei). Die Instrumente, Melodien und Texte schwirren so ziemlich über die gesamte Pop-Landkarte. Klar, die Synthies und der Drumcomputer dürfen in den 80ern nirgendwo fehlen. Aber es gibt auch Akustikgitarren, Mundharmonika, Trompete, diverse Percussion und immer wieder ultrastarken Harmoniegesang.

Los geht es mit dem Erkennungstune der Band. Driving away from Home war ihr größter und einziger Hit und genoß damals auch in Deutschland grade genug Rotation, daß viele von Euch sicherlich "Klar! Kenn ich!" rufen werden, wenn sie meiner dringenden Empfehlung folgen, sich die Scheibe bei Amazon zu holen und das Ding dann zum ersten Mal in den CD-Player einlegen. Zu einer generös geschraddelten Akustikklampfe, monotoner Bassline und schlichten Bassdrums klemmt Campbell sich hinter das Steuer und erzählt einen Road Movie, der sich auf der britischen M62 abspielt. Im Chorus schleicht sich eine Harmonika rein und eine zarte Damenstimme unterstützt vom Beifahrersitz aus die Atmosphäre. Happy Talk heißt das zweite Stück des Albums. Es handelt von den großen und kleinen Problemen eines Salesman. Musikalisch liegt es irgendwo zwischen perkussiver 80er Akustronik mit sparsamen Gitarren-Tupfern und breitgewalztem Keyboard-Drama im Chorus. Der Text hat einen netten, bittersüß humorigen Unterton. Wenn nicht schon in den ersten beiden Songs, dann wird spätestens im dritten Stück - Rope - deutlich, was die geheime Zutat in beinahe allen It's Immaterial-Liedern ist: Ein bärenstarker Refrain. Los geht's mit Violingequietsche und stumpfem 6/8tel-Gedrumme aus der Dose. Dazu gesellen sich Pianoklänge und bevor man sich versieht, swingt schon der Chorus los. So schlicht, so unspektakulär, so unvergeßlich. Ganz wunderbar. The better Idea ist angeblich einer der ersten Popsongs, die sich mit der AIDS-Thematik befassten. Wenn man den Text unter diesem Aspekt betrachtet, bekommen Zeilen wie "I was down on the dock the day the talking turned" natürlich eine ganz eigene Note. Musikalisch geht es entsprechend dezent zu. Woodstick-Clicks, Noise-Cymbals und Persiltrommel-Bassdrum vom Computer mit zarten Piano-Klängen und ein wenig Bass-Gezupfe bilden den Untergrund für die Mischung aus gesprochenem und gesungenem Text. Melancholisch in der Tat, aber sehr schön komponiert. Space legt einen kleinen Klafter drauf. Der Drumcomputer hält streng und monoton sein Umph-klick-tah-klick ein. Darüber ein xylophoniger Synthie-Loop, gefiedelte Keyboard-Schleifchen und wieder Campbells Sprechgesang, vorgetragen, als läse er aus einem Buch. Es folgt wieder so ein eingängiger Chorus, getragen durch einen breiten Keyboard-Teppich. Dann heißt's "Anschnallen!", denn die Stücke sechs bis acht sind der Höhepunkt einer insgesamt starken Platte. The sweet Life startet mit einem Trompeten-Intro, den schon bekannten Mumpf-Drums und einer spärlichen Saitenarbeit im Hintergrund. Aus der Strophe biegt der Song dann in einen Chorus ein, der wieder so schlicht gestrickt, so einleuchtend und doch so absolut toll ist. Keine Ahnung, wie die das machen. Aber sie haben wohl selbst gespürt, daß da was drinsteckt, denn ebenfalls zu den Chorus-Harmonien gibt es später noch eine kleine Trompeten-Melodie, die sich so gnadenlos einfrißt, daß man sie einmal hört und nie wieder vergißt. Weiter geht's mit Festival Time, ein Stück, welches seinem Namen alle Ehre macht. Spielzeuggitarren und gesampeltes Gemumpfe zu Beginn, dann ein undurchsichtig instrumentierter erster kurzer Vers, der mit dem Text ("... the young men did fight with drunken sailors in the night.") plötzlich anschwillt zu einem Chorus, in dem hysterisches Frauen "Yah-Yah" mit Campbells eher sachlichem Gesang eine wunderbare Verbindung eingeht. Und dann kommt noch eins drauf, denn die Frauenstimme wird nach einem kurzen Intermezzo mit polternden Marsch-Drums dann als Instrument eingesetzt und liefert eine schrill gejauchzte Melodie, die so unter die Haut geht, daß die Knochen vibrieren. Im Laufe des sich ständig ein wenig wilder ausbreitenden Liedes wird diese Melodie sowohl zu Strophen als auch Chorus-Harmonien wiederholt und paßt einfach immer wieder ganz genau hinein. Ein ganz starker, ganz anderer Song. Ed's funky Diner mach von Anfang an keine Gefangenen. Es poltert gleich mit Drums und "Hey-Hey" los und in der Strophe wird gleich schon mal mit einem Harmonie-Gesang auf Größeres vorbereitet: Im Chorus lässt sich die Mitwirkung der Christians endgültig nicht mehr leugnen. So sauber, so geschmeidig, so wunderbar schieben sich die Stimmen zu flottem Sechsachtel-Tanzbeat übereinander, daß ich persönlich beim ersten Hören wirklich vor Vergnügen gequietscht habe. Außerdem hat der Song auch noch eine oberamtliche Hookline. Ganz großes Kino. Dann tritt auf Hang on sleepy Town plötzlich wieder Ruhe ein. Piano- und Gitarren- und Fiedel-Klänge lullen einen so richtig schön ein. Auch der Chorus ist ganz friedlich, lieblich und zart. Und war man bei diesem Lied noch schläfrig, so dürfen auf Lullaby dann offiziell die Augen zufallen. Nicht etwa, weil man den Song getrost verschlafen darf, sondern weil er mit seinem monotonen Bass, der in der Tat an ein Schlaflied erinnernden Gesangsmelodie, den mit leichtem Hall versetzten Instrumenten und dem simplen Synthie-Getropfe im Chorus wirklich zu sanftem Schlummer einlädt. Textlich geht's zwar wieder etwas melancholisch zu, aber Albträume kriegt man davon keine, also alles im grünen Bereich. Auf der Vinyl-Version des Albums gingen nach Lullaby dann auch schlüssig die Lichter aus. Die CD hat noch drei Bonus-Tracks. Einmal Washing the Air eine Single B-Seite. Es ist eine hübsche Tanz-Nummer mit Sax-Tupfern, schrägen Saitenklängen, flötenartigen Synthie-Melodien und wildem Instrumental-Klimbim. Dazu wird halt textlich die Luft gewaschen. Bonus-Track zwei ist eine langgezogene Version des Tanz- und Chorus-Krachers Ed's funky Diner und trägt den Untertitel The Keinholz Caper. Das ist ein Bonus-Mix, wie man ihn sich gefallen lässt. Fingerschnipsen und in den Vordergrund gemischtes, tiefes "Uh-huh" mit einer schraddligen Klampfe geben dem Stück plötzlich eine ganz andere Note. Der Chorus wird immer wieder mal instrumental gespielt und erst hier entdeckt man, wie brutal die synthetische Hi-Hat mit der Bass-Drum zusammen swingt. Im Gegensatz zum Original wird hier einfach die Geschichte von der Entdeckung des Diners durch Campbell erzählt, welches gleich zu seiner Stammbar wurde. Nun fragen im Chorus die Christians ganz bös, was Campbell denn macht, wenn die Kneipe eines Tage geschlossen wird und er antwortet eben mit seiner kleinen Liebeserklärung an die Bar, bevor es am Schluß dann heißt "Call me a cab, I gotta be going!". Schick. Es folgt ein zweiter Remix: Driving away from Home (Dead Man's Curve Mix). Zu Anlassertönen und mit Effektgeräten hinterlegtem Schlagwerk entfalten sich gesampelte Frauenstimmen, bevor das Lied dann mit extraviel Harmonika aus der Garage kommt. Sägende Gitarrenklänge deuten an, daß die Straße auf dieser Version des Songs etwas holpriger ist. Mit dezent britischem Augenzwinkern heißt es dann auch gleich "You know, I was convinced that we could make it. I mean, just look at it. After all, it's only dead man's curve." oder auch "Jack WHO? Jack Cadillac? And you said: 'Jack Kerouac'. And I said: 'Uh-huh! What's he look like? I might have met him on the road?'" Tä-Täh!

Mit Mucke wie dieser widerlegt der Titel des Albums sich natürlich selbst. Wenn man Glück genug hatte, diese Perle zu entdecken, ist zumindest das Pop-Konsumenten Leben alles andere als schwierig. Ich weiß, ich juble hier ständig alle möglichen Scheiben hoch, aber heute ist meine Empfehlung wirklich oberernst: Wenn ihr diese Platte nicht kennt, dann langt zu. Bedenkt: Ich habe versucht, im Internet eine schlechte Kritik dieses Werkes zu finden. Es gelang mir nicht. Daß könnte natürlich bedeuten, daß die Refrain-Regenten von It's Immaterial einfach der kleinste gemeinsame Nenner sind. Ich sage: Die Jungs haben ein überzeugendes, zeitloses, kreatives und eigenständiges Album geschaffen, welches in keiner Sammlung fehlen darf. Es gab 1990 noch ein zweites Album mit dem Titel Song. Auch diese Scheibe wurde (zurecht) von den Kritikern über den grünen Klee gelobt, war aber kommerziell ein Total-Flop. Danach hat man von It's Immaterial bis heute leider nichts mehr gehört.

Das ist doch mal eine kreative Werbung



Gefunden im creative minority report.

Tuesday, November 11, 2008

An das ganze jecke Volk da draußen

Ein saftiges "Helau!", vor allem für die Düsseldorfer!

Na gut...: Und auch für die Kölner.

Heiliger des Tages

Warum ist der Heilige Martin von Tours für die Heiligengeschichte so interessant? Er war nach der Gottesmutter Maria und dem Apostel Johannes der erstre Heilige des Abendlandes, der nicht den Märtyrertod starb. Dadurch rückte zum ersten Mal die Tatsache ins Bewußtsein der Christen, daß Heiligkeit sich auch in einem ganz bestimmten Lebenswandel und in Werken ausdrücken kann. Dies war insofern nicht uninteressant, als daß Martin zeitlich ziemlich nah am Übergang der verfolgten Christensekte zur römischen Reichskirche starb. Somit wurde den Leuten eine Antwort auf die Frage geliefert, wie man denn nun ein heiligmäßig leben und vor allem sterben kann, wenn nirgendwo die Löwen mehr die Rachen aufreißen. Es galt fortan, sich an der Botschaft Christi zu orientieren und diese in Gedanken, Worten und Werken zu leben.

Wie der Heilige Martin dies tat, ist ja reichlich bekannt: Als er noch römischer Soldat in Armiens aber schon mit der Christslichen Botschaft in Berührung gekommen und von ihr überzeugt war, begegnete ihm an einem Wintertag ein unbekleideter Bettler. Martin teilte seinen weiten, teils fellgefütterten Überwurf, und gab die eine Hälfte dem Armen. In der Nacht erschien ihm im Traum Christus, bekleidet mit dem halben Umhang. Hier klingt es ganz schwer nach Matthäus: "Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet... Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Martin und der Bettler von El Greco


Der Brauch der Martinsgans leitet sich von einer Geschichte ab, die sich um seine Ernennung als Bischof von Tours rankt: Martin empfand das Amt als eine zu große Last und noch bevor man ihn zum Bischof ernennen konnte, machte er sich aus dem Staub und versteckte sich in einem Gänsestall. Durch das aufgeregte Geschnatter wurden die Leute aber bald auf den Ausgebüxten aufmerksam. Man holte ihn aus dem Versteck und nötigte ihm die Mitra auf. Eine etwas nüchternere Erklärung der "Martinsgans" beruft sich auf den Martinstag, der früher Hauptzinstag war. Das neue Wiretschaftsjahr der Bauern begann und man verzehrte unter anderem Das Vieh, welches man nicht den ganzen Winter hindurch füttern konnte. Dazu gehörten auch und vor allem die Gänse.

Martin wurde bald nach seinem Tod und seiner Heiligsprechung (Bischof Perpetuus von Tours nahm ihn Ende des 5. Jahrhunderts in den Festkalender auf) durch König Chlodwig I. zum Schutzherren der fränkischen Könige und ihres Volkes ernannt. Sein Mantel (lateinisch cappa) wurde als fränkische Reichsreliquie zu allen Feldzügen mitgeführt. Die Cappa wurde in kleinen Kirchenräumen aufbewahrt und von speziell abgestellten Geistlichen begleitet. Daraus leiteten sich die Namen Kapelle und Kapellan ab.

Martin war auch Gründer des Klosters Ligugé, welches nicht nur das erste Kloster Galliens war, sondern auch als erstes Kloster des Abendlandes gilt.

Der glorifizierte Martin von István Dorfmeister


Für mich bedeutete Sankt Martin früher immer rotwangiges Krähen im Laternenschein in der Hoffnung auf tötftes Naschwerk, haufenweise Erdnüsse und frische Äpfel. Ich habe wahnsinnig gerne Martinslaternen gebastelt, es aber nie zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Der Martinszug durch das Stadtviertel mit anschließender hochdramatischer Mantelteilung auf dem Schulhof war für mich immer einer der Höhepunkte des Jahres.

Monday, November 10, 2008

Lavendelfarbene Springerstiefel

Florida, Arizona und Kalifornien haben sich am Dienstag in einer Volksabstimmung für einen Verfassungszusatz entschieden, der Ehen auf Beziehungen zwischen Mann und Frau beschränkt. Das letzte Wort in dieser Sache ist natürlich noch längst nicht gesprochen, denn es stehen schon Klagen gegen die sogenannte "Proposition 8" an.

Im Weblog der Kollege-Republikaner der San Francisco State University fand ich nun dieses Video (welches es eigenartigerweise nicht auf Youtube gibt, also kann ich es nicht hier einbinden, also müßt Ihr den Link klicken und es euch selbst ansehen. Es gibt einen kurzen Werbepuffer vor dem eigentlichen Bericht). Das Video ist ungefähr drei Minuten lang und es muß eigentlich nicht groß kommentiert werden. Nur damit die nicht so Englischsprachigen wissen, worum es geht: Die alte Dame ist eine Befürworterin der Proposition 8, die junge Dame will sie interviewen, der Zoo sind bedrohte, verängstigte, von einem homophoben Mob in die Enge getriebenen Befürworter von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Höhepunkt: Kurz vor Schluß hält einer der Protestierenden ein Plakat vor die Kamera, damit man nicht so genau sieht, wie die Horde das der alten Lady schon aus der Hand gerissene Pappkreuz zertrampelt. Aufschrift des Plakates: "Equality for all!"

Kein noch so gewiefter Satiriker hätte das so hingekriegt.


    "Vielleicht sollte ich langsam in Betracht ziehen, ein gewaltsamer, radikaler Extremist zu werden!"

    "Brennt ihre Scheiß-Kirchen nieder und besteuert die Ruinen!"

    "Ich hoffe, daß die Gegner der Proposition 8 lange Listen und lange Messer haben!"

    "Ich schwöre, heute morgen würde ich Leute mit meinen bloßen Händen umbringen!"

    "Ich hoffe, daß die schwulen Barkeeper in die Drinks dieser Kretins pinkeln!"

    "Kann bitte irgendjemand in Kalifornien zum Mormonentempel gehen und ihn niederbrennen? Bitte! Ernsthaft! Tut es!"

    "Es wird Zeit, daß wir Niederauer
    [Erzbischof von San Francisco] einen Besuch abstatten!"
Dies sind nur einige der Reaktionen, die kurz nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses als Kommentare in diversen Weblogs zu lesen waren. Diese Kommentare sind mittlerweile fast alle wieder gelöscht, aber - für diejenigen, die es mir nicht glauben und selbst mal nachschauen wollen - ein Blogger war immerhin so frei, zuzugeben, daß die Kommentare existierten und hat einen Eintrag darüber gepostet.

Für die Liebe! Gegen "Haß-Verbrechen"! Das werden wohl die Schlachtrufe der Gaystapo sein, wenn sie irgendwann mal richtig mobil macht.

"Du, Mami..."

"... darf ich heute Nachmittag in die Kirche zur Kinder- und Jugendandacht gehen?"



"Nein, ist zu gefährlich. Aber Ramstein spielen heute in der Stadthalle. Geh doch da hin..."


Ich mußte sofort an die irren Mönche denken, die Cyril von Jerusalem 431 nach Ephesus mitbrachte, um beim Konzil im Ernstfall auch ein paar "schlagkräftige" Argumente gegen die Nestorianer zu haben.

Das ist noch richtig alte Mönchs-Schule!

Aber wenn die Mädels nicht ein paar anständige Spin-Kicks und Solarplexus-Treffer lernen, sehen sie im Finale wahrscheinlich alt aus...


[P.S.: Der Ring war die Grabeskirche in Jerusalem, die beteiligten Teams waren die "Griechisch-Orthodoxen Blut-Terrier" und die "Armenischen Knochensägen".]

Wednesday, November 05, 2008

Dieses Geschichtlein...

... will ich euch dann doch nicht vorenthalten:


Ich steige gestern um 14:30 ins Taxi um meine Reise nach Klosterneuburg anzutreten.
[Alle folgenden Dialoge fanden auf Italengleutsch statt]

Fahrer: "Wohin?"
Ich: "Fiumicino bitte."
Fahrer: "Internationaler Flug?"
Ich: "Ja, nach Österreich!"
Fahrer (Spitzen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger der Rechten zusammenführend und mir damit im Rückspiegel zufuchtelnd): "Aaaaaaah... Bella! Estarraich! Terminal B."
Ich: "Hmmm..."

Am Flughafen macht der brave und fixe Chauffeur um 15:00 punktgenau vor Terminal B halt. Ich spring raus und gurke in der Halle herum, bis ich die Monitore finde. Ich beginne, nach meinem Flug zu suchen: Alitalia AZ190 nach Wien, Abflug 16:30.

16:20 Frankfurt
16:25 Belgrad
16:35: Ankara
...

Ich haste zum Infostand, wo man mir kundtut, daß alle Alitalia-Flüge in Terminal A eingecheckt werden. Ich also zum Terminal A und rein in die Schlange. Nach 10 Minuten (15:20) bin ich dran.
Tusnelda (blondiert, mit 'Bitte keine blöden Fragen'-Augenaufschlag): "Wohin?"
Ich: "Wien."
Tusse: "Nö."
Ich: "Äh... Wie jetzt, 'nö'?"
Tuss: "Alle Flüge nach Wien müssen bei Air-One eingecheckt werden. Zwei Schalterreihen weiter."
Ich: "Großartig!"

15:27, menschenleerer Air-One-Schalter.
Tussnelda (gelangweilt, sich nur deswegen nicht die Nägel lackierend, weil die alte Schicht noch trocknet): "Wohin?"
Ich: "Wien, mit Alitalia um 16:30. Die haben mir gesagt ich soll hierhin kommen, obwohl sie ja eigentlich eigene Schalter haben und ich weiß halt auch nicht... so... genau?"
Tusse: "Wo ist denn Ihr Ausdruck vom E-Ticket?"
Ich: "Mein Drucker ist kaputt (Ist er wirklich). Aber in der Bestätigungs-Mail stand, daß es auch ohne geht."
Tuss: "Also ich finde hier keinen 16:30-Flug nach Wien. Überhaupt: Flüge nach Wien werden ja eigentlich alle in Terminal B bei Austrian Air eingecheckt."
Ich: "Aber ich fliege mit Alitalia und die haben gesagt ich soll hierhin kommen."
Tuss: "Sorry, aber da kann ich ihnen auch nicht helfen. Warum gehen sie nicht mal zur AustrianAir in Terminal B und prüfen das."
Ich: "Aber ich hab' doch bei Alitalia gebucht..."
Tuss: "Das passt schon alles, keine Panik."

Nix passt schon. Ich suche jetzt einen Internetzugang mit Drucker. Terminal A ist schon mal Sense. Also wieder rüber zu B. Der Nacken ist mittlerweile schweißnaß. In Terminal B finde ich tatsächlich gut versteckt im unteren Geschoß einen Computer mit Internetanschluß und Druckmöglichkeit. Ich also rein in meine eMail, die Bestätigung geöffnet und alles ausgedruckt, so daß ich es Schwarz auf Weiß habe und damit den Schalter-Schnecken vor der Nase herumfuchteln kann.

Also zurück zu A. Der Schweiß rinnt mittlerweile vom Nacken direkt durch bis in die Socken. Es ist bereits15:50 und ich muß bis spätestens 15:55 eingecheckt haben. Ich zum einzigen freien Alitalia-Schalter: Der für Rollstuhlfahrer.

Tusnelda (interessiert, leicht mitleidvolles Lächeln): "Kann ich Ihnen..."
Ich: "Wien, 16:30, Alitalia. Hilfe!"
Tusse: "Hä? Alitalia fliegt doch seit drei Tagen Wien gar nicht mehr an. Hat man Sie nicht telefonisch oder per eMail informiert, daß ihr Flug storniert ist?"
Ich (grenz-hysterisch): "Hehe! Nicht mehr? Seit drei Tagen? Hehe... Aber..., ich meine... Mama...?"
Tuss: "Ganz ruhig! Gehen sie rüber zum Alitalia-Ticket-Schalter, dort bucht man sie um auf den 20:00-Flug nach Wien."
Ich: "Puh! Okay, danke!"

Am Alitalia-Ticket-Schalter werde ich dann tatsächlich auf einen Austrian-Flug umgebucht, der um 20:00 nach Wien abfliegt.
Junge Dame (hilfsbereit, kompetent, lächelnd und schnell): "Gehen Sie jetzt zum Austrian-Schalter in Terminal B. Dort sagt man ihnen, wann das Einchecken beginnt."
Ich (erleichtert): "Danke!"

Draußen hat es mittlerweile zu regnen begonnen. Aber nicht irgendein Regen, sondern 'Ende der Welt'-Style. Ich stehe unter einem ca. 6 Meter hohen Dach, welches sich über dem gesamten Bürgersteig hinzieht und ungefähr 8 Meter weit hinausragt. Trotzdem bläst der Wind den Regen bis zu mir, der ich dicht gedrängt an der Gebäudewand stehe. Es gibt ungefähr 20 unbedachte Meter, die ich zurücklegen muß. Zuerst warte ich ein wenig, aber dann fällt mir ein, daß ich ja noch im Stift anrufen muß, damit man mich nicht um 18:15 abholt, sondern erst entsprechend später. Also riskiere ich den Spurt. Sind ja nur 20 Meter...

Wie frisch aus dem Swimming-Pool geschlüpft stolziere ich eine halbe Minute später in den Terminal A. Eine Spur von kleinen Pfützen und Bächlein hinterlassend schlage ich mich zum Austrian-Schalter durch.
Kerl (mit Fünftagebart und leichter 'Wie jetzt, Kundschaft?'-Attitüde): "Kann ich Ihnen behilflich sein?"
Ich: "Ja. Mein Alitalia-Flug nach Wien wurde gestrichen und jetzt hat man mich auf die 20:00-Maschine gebucht."
Kerl: "Aber der 20:00-Flug ist doch überbucht! Wie können die sie denn auf einen vollen Flug buchen? Da müssen sie um 18:00 wiederkommen, wenn der Check-in beginnt. Dann sehen wir mal, ob irgendjemand nicht kommt. Wenn ja, dann können Sie noch mit."
Ich (froh, daß meine Tränen in dem regennassen Gesicht nicht zu erkennen sind): "Zu gütig!"

Ich also erst mal raus und in einem Zug eine Lucky Strike weggesaugt. Dann zum Telefon, um in Klosterneuburg Alarm zu geben. Dann in die Flughafen-Bar und her mit dem Kaffe. Guter, starker, italienischer Kaffee mit einem Tupfer aufgeschäumter Milch obendrauf. Und jetzt ab an meinen Happy Place. Ich denke an kleine zwitschernde Vögel, an lichtdurchflutete flimmernde Barockkirchen, an gelb strahlende Rapsfelder, an entlaubte schneebedeckte Bäume, an Rosenduft, Glockengeläut, Bamberg und überhaupt an alles, was mich grinsen, lächeln oder lachen läßt. Und langsam, ganz langsam, verschwindet der rote Schleier, durch den ich während der letzten halben Stunde sah. Die Welt ist gut, das Leben ist schön und Gott weiß immer noch besser als jeder Mensch, wann ich einen Tritt in den Allerwertesten brauche.

Um 18:00 zurück zum Austrian-Air-Schalter, wo der Kerl mich nach schräg gegenüber zum Eincheck-Schalter schickt.
Junge Dame (freundlich und mit 'Alles wird gut'-Stimme und so gut wie akzentfreiem Deutsch): "Herr Müller? Ich habe sie schon erwartet. Offiziell kann ich ihnen erst um 19:15, nach Ende des Eicheckens, einen Platz in der Maschine zusagen. Aber ich sag jetzt schon mal: Es sieht sehr gut aus!"
Ich: "Juchei!"

Zurück in die Bar, um mir mit Cola, Club-Sandwich und Sudoku die Zeit zu vertreiben. Um 19:13 stehe ich hechelnd vor dem Schalter.
Junge Dame (mir schon mit der Gepäck-Manschette entgegenwedelnd): "Hat gekla-happt! Sie haben einen Platz!"
Ich: "Super! Ich muß noch schnell zu Hause anrufen, um die neue Ankunftszeit durchzugeben. Ist dafür noch Zeit?"
Junge Dame: "Dicke! Wir haben ein wenig Verspätung, also keine Panik."

Ich rufe also im Stift an und gebe Bescheid. Dann durch den Sicherheitscheck und zum Gate. Dort erweist sich, daß "ein wenig Verspätung" übersetzt eine stolze Stunde bedeutet, die sich dann auf 75 Minuten dehnt. Also heben wir um 21:15 ab. Ich sinke seufzend im Sitz zurück. Fast 5 Stunden Verspätung. Und ich fühle mich nur um circa 12 Jahre gealtert.

Monday, November 03, 2008

Bin dann mal weg!

Ich fliege morgen nach Klosterneuburg. Am Donnerstag haben wir Kapitel und der Herr Alipius ist zum ersten Mal mit dabei! Neugier! Ich kann Euch danach nur sagen, wie es war, aber nicht, was war, weil es ein "Kapitelgeheimnis" gibt!

Also benehmt Euch und jammert nicht. Ich komm ja bald (Sonntag) zurück.

Damaskus - Rom


Aus der Apostelgeschichte (Kapitel 9, Verse 1-5):
    Noch immer brannte Saulus vor Wut und Mordgier gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen von Damaskus. Falls er Anhänger dieser Sekte dort treffe, wolle er sie, Männer wie Frauen, in Ketten nach Jerusalem führen.

    Schon kam er auf seiner Reise in die Nähe von Damaskus. Da umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und vernahm eine Stimme, die ihm zurief: "Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" Er fragte: Wer bist du, Herr?" Dieser antwortete: "Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen."
"Warum verfolgst du mich?"

Nicht: "Warum verfolgst du jene?"

Nicht: "Warum verfolgst du die Christen?"

Nicht: "Ach komm, laß' die doch in Ruhe..."

Sondern: "Warum verfolgst du mich?"


Christus hat eine Kirche gegründet.

Diese Kirche ist der mystische Leib Christi.

Wer diese Kirche ignoriert, ignoriert Christus. Wer diese Kirche geringschätzt, schätzt Christus gering. Wer diese Kirche verfolgt, verfolgt Christus.

Wer sich von dieser Kirche lossagt...

Sunday, November 02, 2008

Was soll ich sagen...?

Mir gefällt's halt in Trastevere. Und es ist so schön nah, daß es sich für eine gepflegte, aber nicht zu ausgedehnte Sonntagsschlenderei immer hübsch eignet. Auch heute hatte ich meine Casio dabei und präsentiere: Türen in Trastevere.


Die trasteverinische Normaltüre weist haufenweise Tags auf. Mal nur eine Handvoll...


... mal mehr...


... und gerne auch mal soviel wie eben draufpaßt.


Besonders schön, wie hier die Tags sich auf den beiden Flächen tummeln und der Rahmen fast verschont ist.


Türen mit Grün drumherum habe ich fast gar keine gesehen.


Ein schönes Hoftor.


Holz ist sehr beliebt, was - glaube ich - bei Türen nicht so richtig verwundert.


Schick: Eine Haustüre mit einem klitzekleinen Flur.


Schlicht und geschmackvoll.


Nobel.


Mein persönlicher Favorit.

Kunst-Test

Ein (nur halb ernstzunehmender) Kunsttest von der Seite "helloquizzy":


Was Dein Kunstgeschmack über Dich verrät...

Gewissenhaft, erfüllt und spirituell

Menschen, die Renaissance-Gemälde mögen, bevorzugen Dinge, die etwas herausfordernder sind. Sie tendieren zu emotionaler Stabilität (das wüßt ich aber...). Sie neigen auch dazu, gewissenhafter zu sein als Andere. Sie besitzen ein elementares Verständnis der menschlichen Natur und werden daher nicht allzusehr überrascht von den Dingen, die Menschen tun. Sie genießen das Leben und genießen zu leben. Sie sind sich ihrer Sterblichkeit bewußt, konzentrieren sich aber nicht auf das Ende, sondern auf das, was sie gegenwärtig tun. Sie lernen gerne, können neuen Ideen gegenüber aber engstirnig sein, da sie stets das Gefühl haben, daß ihr eigener Standpunkt gut recherchiert und überdacht ist. Diese Leute sind altmodischer und nicht sehr fortschrittlich. Sie genießen die feineren Dinge des Lebens, einen gewissen Komfort, gutes Essen, ein Leben im eigenen Heim. Sie neigen zu einer religiösen oder spirituellen Natur. Sie sind neuen ästhetischen Erfahrungen gegenüber aufgeschlossen.

Take What Your Taste in Art Says About You Test at HelloQuizzy

Saturday, November 01, 2008

Ein halber Spaziergang...

... ist besser als gar keiner.

Ich habe heute morgen mal wieder in "Il Gesu" die Messe besucht. Als ich die Kirche verließ, stand ich plötzlich mitten in einem Marathon...

Da wir in Italien sind, wird die Rennstrecke natürlich nicht oenibel abgesperrt, sondern es gibt an Ampeln immer wieder mal ein nettes Mit- und Durcheinander von Athleten und Passanten. Der ältere Herr am rechten Bildrand ist dann auch ganz lässig mit der Zeitung unterm Arm über die Straße spaziert und dabei fast von einem etwas unkoordinierten Läufer mitgerissen worden.

Naja, ich dachte dann, daß ich mir mal wieder die Kamera schnappen und einen Spaziergang machen könnte. Doch kaum stand ich auf der Ponte Siusto, spielte sich am Himmel plötzlich das ab:




Ich wagte mich dann noch ein paar Meter vor, aber es begann dann tatsächlich zu plätschern, also hab ich mich verdrückt. Sorry, diesmal keine Photo-Reportage aus der Ewigen Stadt.