Thursday, March 30, 2006

Wer kennt und liebt sie nicht...

... die eMails, mit denen irgendwelche durchgeknallten Cyber-Abzocker einem 30 bis 40 Prozent von irgendwelchen Millionenbeträgen versprechen, wenn man denn nur sein Konto zum Geldwaschen bereitstellt oder sich als Erbe irgendeines verstsorbenen Multimillionärs ausgibt. Ich habe heute wieder so ein Teil in meiner Mailbox gefunden. Und für diejenigen, die bisher das Glück hatten, von diesen Räubern noch nicht behelligt worden zu sein, druck ich diese Mail jetzt hier einfach mal zur Erheiterung ab (Wortwörtlich übernommen):
    Attn.
    Geschäftsvorschlag.

    Zuerst muß ich um Ihre Zuversicht in dieser verhandlung bitten. Das ist auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und Geheimnisvoll.
Okay, ich sein auch schon total gespannt.
    Aber ich weiss, dass eine verhandlung dieses Ausmaßes irgendeinen Ängstlich und besorgt machen wird, aber ich versichre Ihnen, dass alles am Ende des tages in ordnung sein wird.
Genau.
    Wir haben uns entschieden Sie durch eine E-mail sendung, wegen der Dringlichkeit diese verhandlung zu erreichen, als wir davon zuverlassig von seiner schnelligkeit und vertraulichkeit Überzeugt worden sind.
diese-meiner oder seiner-deiner?
    Ich möchte mich nun vorstellen. Ich bin Herr Jones Iloba (Rechnungprüfer bei der Imperial Bank von Süd Afrika).
Tagchen.
    Ich kam zu ihrem kontakt in meiner persönlichen suche nach einer zuverlassigen und anstandige person,...
Dann kann die Suche ja nicht besonders gründlich gewesen sein.
    ...um eine sehr vertrauliche verhandlung zu erledigen, die Übertragung von einem fremden Konto das maximale zuversicht erfordert.
Mein Appetit ist angeregt.
    Der vorschlag: Ein Ausländische, verstorbener Ingenieur Jurgen Rosenthal, ein Diamante-Handler/unternehmer mit der Republik Süd Afrika. Er war bis seinem Tod vor drei jahren in einem Flugzeug absturz, als unternehmer bei der Regierung tatig. Herr Rosenthal war unser kunde hier bei der Imperial Bank von Süd Afrika Johannesburg und hatte ein Konto guthaben von US$18,5 million (Achtzehnmillionfünfhunderttausend United States Dollar) welches die Bank jetzt fraglos erwartet durch seine Verwandten das Sie sich melden, wenn Sie sich nicht melden wird alles zu einem Afrikanischen vertrauens fond für waffen und munitions besorgungen bei einer freiheitsbewegung hier in Africa gespendet.
Ungeachtet des futuristischen Satzbaus öffnen sich die Schleusen meines Kontos praktisch wie von selbst.
    Leidenschaftliche wertvolle Anstrengungen werden durch die Imperial Bank gemacht, um einen kontakt mit jemanden von der Rosenthal familie oder Verwandten zu bekommen. Es hat aber bis jetzt keinen Erfolg gegeben.
Erstaunlich.
    Es ist wegen der wahrgenommen moglichkeit keinen verwandten der Rosenthal zu finden (er hatte keine frau und kinder) dass eine Anordnung für den fond als nicht zubehaupten deklariert werden, sollte, und dann zum vertrauens-fond für waffen und munition bersorgung ausgeben, die dem kurs vom krieg in Afrika gespendet wird. Um dieser negative Entwicklung abzuwenden, haben ich und einige meiner bewährten kollegen in der Bank beschlossen das Geld nach Ihre zustimmung zu Überweisen...
Ach so! Die Millionenbeträge werden nicht, wie sonst üblich, ohne die Zustimmung des unwissenden Empfängers auf dessen Konto geschaufelt? Ritterlich!
    ...und suchen jetzt Ihre Erlaubnis das Sie sich als verwandter des verstorbenen Ing. Jurgen Rosenthal deklarieren,
Okay, Moment. Ich muß mich kurz fragen, ob Sie die Erlaubnis haben, daß ich mich als Verwandter deklariere. Hmmm... Na gut.
    ...damit der Fond in der höhe von USD$18,5m infolgen dessen als der Nutznießer (Verwandter des Rosenthal) auf Ihr Bank Konto Überwiesen werden.
Hier tritt langsam der Schaum auf meine Lippen und ich warte begierig auf die Prozente.
    Alle beurkundungen und Beweist die Ihnen ermöglichen diese Fonds zu behaupten werden wir zu Ihrer verfügung stellen,damit alles gut verläuft und wir versicheren Ihnen ein 100% Risiko freie Verwicklung. Ihr Anteil wäre 30% von der totalen Gange,...
Sabber! 5,55 Mio für nix? Aber hallo! Da frag ich doch gar nicht groß nach! Rüber mit dem Schotter!
    ...10% ist für die Aufwendung der Überweisungs bearbeitung, beiseite gesetzt worden, während die restlichen 60% ist für mich und meine kollege.
Klingt nach einem fairen Deal.
    Wenn dieser vorschlag für Sie OK ist und Sie Wünschen das vertrauen auszunutzen, das wir hoffen auf Ihnen und Ihrer Gesellschaft zu verleihen, dann senden sie mir netterweise sofort per meine personal E-mail Adresse, Ihre Voll Namen, Adresse, Telefonnummer, fax-nummer und Ihre vertraulicher E-mail adresse, damit ich Ihnen die relevanten details dieser verhandlung senden kann.
Alles klar! Die Daten sind unterwegs. Wußt ich's doch, daß sich meine Ehrlichkeit und mein unbeflecktes Geschäftsgebaren irgendwann mal dick bezahlt machen werden!
    Danke in voraus.
Nicht doch, der Dank kommt ganz von meiner Seite!
    Mit freundlichen Grüße.
    Herr Jones Iloba.

Hübsch, oder?


Übrigens stammte die erste Mail, die ich bekam, als ich mich bei MySpace anmeldete, um hin und wieder mal kostenfrei in ein paar aktuelle CD's reinhören zu können, von einer "Jennifer". Diese gab sich auf dem Photo ihres Avatars als oberappetitliches, junges Schnittchen zu erkennen. Ich öffnete die Mail und staunte nicht übel, als Jenny mir ihr Leid klagte: Sie habe sich in einen Nordafrikaner verknallt und sei im letzten Sommer mit ihm in dessen Heimat gezogen. Aber jetzt ist er ganz arg doll fies zu ihr und sie ist in ein Hotel gezogen und irgendwie ist ihr Flugticket und ihr Geld plötzlich weg und ihre Papiere will der Hoteldirektor nicht rausrücken, solange die Rechnung nicht beglichen ist und alles ist total doof. Also soll ich doch bitte ganz schnell ganz viel Geld schicken, damit sie sich aus dem Hotel freikaufen und sich ein Ticket nach Wien besorgen kann. Ich soll sie auch vom Flughafen abholen und für ein oder zwei Nächte bei mir schlafen lassen. Dann wird sie mir auch alles ganz genau erklären (im Negligee, bei Kerzenschein und Rotwein, vermute ich).

Ach ja, und noch was: In der Newsweek las ich vor einigen Wochen, daß laut US-Schatzamt die Cyber-Verbrecher im letzten Jahr mehr Geld gemacht haben, als der illegale Drogenhandel und daß sie mittlerweile eigene, gut besetzte Research-and-Development-Center unterhalten, um technologisch immer auf dem neuesten Stand zu sein. Identitäts-Diebstahl liegt dabei ganz vorne. Da werden Kreditkartenbesitzern die Daten nicht auf dubiose Art und Weise abgelogen, sondern sie werden einfach während einer Transaktion per Computer "eingesehen". Sogenannte Keylogger-Programme, die jede Tastatur-Aktion aufzeichnen und übermitteln, werden auf MP3-Seiten geschmuggelt, damit Kinder sie von dort zusammen mit ihren Lieblingssongs auf den Familien-PC spielen.

Ich weiß ja auch nicht, aber irgendwie klingt "Hände hoch! Das ist ein Überfall!" plötzlich so ehrlich.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, March 29, 2006

Zwei Psälmchen

Psalm 117 ist der kürzeste aller Psalmen:
    Lobet den Herrn, alle Völker,
    preist ihn, alle Nationen!

    Denn mächtig waltet über uns seine Huld,
    die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.


Psalm 134 ist ebenfalls mit einer Lungenfüllung zu schaffen und darüber hinaus ein weiterer aus der Reihe meiner Lieblingspsalmen:
    Wohlan, nun preiset den Herrn,
    all ihr Knechte des Herrn,

    die ihr steht im Hause des Herrn,
    zu nächtlicher Stunde.

    Erhebt eure Hände zum Heiligtum
    und preiset den Herrn.

    Es segne dich der Herr vom Zion her,
    der Herr der Himmel und Erde gemacht hat.
Diesen Psalm sprechen wir immer an Sonn- und Feiertagen zur Komplet nach der ersten Vesper. Ich finde, es ist einer der schönsten "Gute-Nacht"-Psalmen.


Alles Liebe,
Alipius

Monday, March 27, 2006

Umdenken?

Na das macht doch mal Mut, oder?
    Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2005 weniger als 676.000 Kinder in Deutschland zur Welt – der niedrigste Wert seit 1945.

    Berlin (www.kath.net / SSF/PD) Durchschnittlich nur noch 1,36 Kinder bringe jede Frau in Deutschland derzeit zur Welt, heißt es in einer neuen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Berechnet auf 1000 Einwohner liegt in Deutschland die Zahl der Neugeborenen – verglichen mit den USA, Spanien, Südkorea und Polen – auf dem letzten Platz.

    Institutssprecher Hans Fleisch dazu: „Die negative demographische Entwicklung Deutschlands nimmt an Geschwindigkeit noch zu.“ In den vergangenen zwei Jahren habe der negative Trend endgültig eingesetzt, geht aus der Studie hervor. Die ohnehin schon niedrige Geburtenrate sei weiter gesunken.

    Die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder wird nach den Erwartungen des privaten Instituts bis 2050 immer weiter abnehmen. Dann würden in der Bundesrepublik nur noch etwa halb so viele Kinder geboren wie heute.

    Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 2005 weniger als 676.000 Kinder in Deutschland zur Welt, was der niedrigste Wert seit 1945 ist. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Die hohe Kinderlosigkeit ist alarmierend. Wir müssen alle umdenken.“ Das Land müsse „elternfreundlicher“ werden.
Bullshit! Wenn Mama drei Knirpse großzieht und Papa die Kohle ranschafft, dann ist auch wieder Öl in der Maschine und niemand fragt nach Eltern- oder Kinderfreundlichkeit. In Wirklichkeit ist es doch die Einstellung, ein Kind als "Schadensfall" (wie unlängst von einem Schweizer Gericht bestätigt), als zusätzlichen Kostenfaktor oder als Bremsklotz an der eigenen Traumkutsche zu sehen, die unsere Staaten entvölkert.
    Die Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses, Kerstin Griese (SPD),
... ledig,...
    führte die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Kindern als Hauptursache für die geringe Geburtenrate in Deutschland an.
Für sie kein Problem, sie entscheidet sich - originellerweise und im Gegensatz zu anderen modernen Frauen - einfach für den Beruf.
    SPD-Chef Matthias Platzeck wies auf die Bedeutung des demographischen Faktors für die Politik hin. Platzeck sagte im ZDF-Mittagsmagazin, die Rente mit 67 etwa sei eine klare Reaktion auf diese demographischen Herausforderungen.

    Die neuen Länder werden nach den Erwartungen des Instituts vom Bevölkerungsrückgang besonders betroffen sein. Hier gebe es die verstärkte Tendenz, dass junge und gut ausgebildete Frauen in den Westen abwanderten, sagte Klingholz. Zurück blieben arbeitslose und schlecht qualifizierte Männer, die als Familiengründer weitgehend ausfielen.
Man könnte es sich nicht ausdenken, so schön ist es.
    Spätestens im Jahr 2015 werde der Osten den „zweiten demographischen Wendeschock“ erleben, weil dann eine wegen des Geburtenrückgangs nach 1990 halb ausgefallene Generation als Eltern fehlen werde. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in den neuen Ländern auf durchschnittlich 0,77 Kinder pro Frau zurückgegangen. „Das war weltweit die niedrigste Geburtenrate mit Ausnahme des Vatikan“, sagte Klingholz.
Wie ging doch gleich der Witz? Ach ja: "Der Letzte macht das Licht aus!"

Dann sterbt mal schön aus.

Wat is dat denn?

Ich dachte auch zuerst: 'Wow! Das Wetter in Rom muß aber streckenweise richtig rauh sein, wenn die sogar die Einkaufswagen überdachen.'



Jedoch: Hierbei handelt es sich tatsächlich um ein Auto. Oder so ähnlich. Ich weiß halt auch nicht. Es scheint einen Motor zu haben. Es dampft. Es macht brumm-brumm und tüt-tüt. Naja, und es paßt halt wirklich in jede Parklücke.

Friday, March 24, 2006

Die 10 schlechtesten Filme aller Zeiten!

Hmm, das klingt vielleicht ein wenig pompös.

Na gut: Die zehn schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe. Streifen, die so schlecht sind, daß die unfreiwillige Komik sie schon wieder sehenswert macht, wurden nicht in die Liste aufgenommen. Hier zählt nur, in wie weit der Film in mir den Wunsch aufkommen ließ, noch im Kinosaal zu sterben oder wenigstens nach Verlassen des Theaters das Gedächtnis zu verlieren.

10.) James Bond: Octopussy
1983 war der Kalte Krieg noch so richtig schön kühl. Also durfte auch Doppelnull-Agent Bond mal wieder gegen die Russen ran. Blöd nur, daß er in diesem Film die Lizenz zum Töten gegen die Lizenz zum Langweilen eingetauscht hat. Blöder noch, daß die Macher das Script der Authentizität wegen offenbar in russischer Sprache abfassen ließen und dann für den Dreh die Übersetzung vergaßen. Logische Lücken, Handlungsknoten und Klischees bis der Arzt kommt. Dazu ein Stephen Berkoff als fanatischer Sowjet-General, der so unvorstellbar schlecht spielt, daß einem die Augen bluten.

9.) Matrix: Revolutions
Ein Film, der sich selbstverliebt vor dem Spiegel hin und her dreht und dabei seufzt: "Hach, was sieht meine übermäßig aufgeblähte Mythologie heute wieder toll aus!" Was "Reloaded" befürchten ließ, wurde in "Revolutions" wahr: Die Darsteller verkommen endgültig zu Sklaven der Matrix-Philosophie oder zu Kanonenfutter für computeranimierte Materialschlachten.

8.) Star Wars Episode II: Die dunkle Bedrohung
Hayden Christensen als Anakin Skywalker sieht mit seiner Rattenschwanz-Igel Frisur aus, als sei er beim Vorspielen für eine Duran-Duran-Revival-Band durchgefallen. Dafür haucht Natalie Portmann als Amidala ihm aber ganz arg doll liebe Sätze zu. Und die Love-Story zwischen den Beiden ist noch der spannendere Teil des Films. Die cäsareske "Ich verwandle eine Republik in ein Imperium, indem ich einen mächtigen Feind kreiere, der den Senat dazu zwingt, mir spezielle Rechte und eine große Armee zu geben"-Geschichte ist einerseits für Kinder zu hoch und für Erwachsene zu flach. Die Special-Effects und die Creatures wirken auch irgendwie, als hätten sie zu lange am Auspuffrohr geschnüffelt.

7.) Double Team
Jean-Claude van Damme und Denis Rodman gegen Mickey Rourke? Das könnte ja vielleicht sogar witzig werden. Ein Kacke-Sandwitch ohne Brot? Das könnte ja vielleicht sogar schmecken. Rodmans Frisur, Piercings und Nagellack lassen ihn aussehen wie einen Zuhälter vom Uranus, während seine schauspielerischen Fähigkeiten ihm seinerzeit eine Klage bei der UN einbrachten. Van Damme spielt wie immer van Damme, den Kick-Box-Roboter mit dem einen Gesichtsausdruck, und Rourke persifliert sich einfach nur selbst, dies allerdings öde. Dazu Action-Szenen mit Schimmelansatz und Dialoge, die so unvorstellbar hohl sind, daß einem nach zwanzig Minuten das Gehirn in die Schuhe tropft.

6.) Harlem Nights
Zugegeben: Die Kostüme sind fantastisch und echter Augen-Zucker. Den Rest von Eddie Murphies Selbstverherrlichungsprojekt (Hauptrolle, Regie, Produktion und Script) kann man getrost in die Tonne drücken. In diesem 30er-Jahre Gangster-Drama gibt es keinen noch so mickrigen Sub-Plot, den man nicht in mindestens 20 anderen Gangsterfilmen schon besser gesehen hätte. Die Darsteller schleppen sich durch eine Story, die so gehaltlos ist, daß ich noch während der Vorführung Skorbut bekam. Murphy's Gezappele geht einem nach einer halben Stunde auf den Wecker. Jasmine Guy als Gangsterliebchen bringt überhaupt keinen Charakter auf die Leinwand. Selbst Michael Lerner als eiskalt-fieser fetter Gangsterboss scheint nur als Kleiderständer für seine diversen Seiden-Morgenröcke zu dienen. Richard Pryor als Murphys Sidekick hält sich noch am Besten.

5.) Waterworld
Mad Max fährt zur See. Und ich beuge mich über die Reling. Ein pompöser, lautstarker Stunt-Zirkus, der zum X-ten Mal die post-apokalyptische Welt heraufbeschwört und mit einem todlangweiligen Kevin Costner und einem schablonenhaften Denis Hopper zwei eigentlich anständige Darsteller verheizt.

4.) Bodyguard
Und nochmal Kevin Costner. Diesmal zusammen mit Whitney Houston in einem angeblichen Thriller, der leider in erster Linie nichts weiter ist als eine Charakterstudie zweier Menschen, über die man eigentlich gar nichts wissen will. Schnarch.

3.) The Hulk
Dieser Film benötigt einfach viel zu viel Zeit, um seine eigentlich simple Story auf Touren zu bringen. Es hat streckenweise den Anschein, als hätten die Macher sich gedacht, man müsse die Action nur so weit wie möglich ans Ende schieben, um den Eindruck von intellektueller Tiefe und für das Genre unüblicher Charakter-Entwicklung zu erwecken. Fehlanzeige.

2.) Reign of Fire
In diesem Obergähner kämpfen die letzten Überlebenden einer von Drachen zerstörten Erde gegen die feuerspeienden Viecher. Alles ist öde, alles dauert viel zu lang. Matthew McConaughey und Christian Bale liefern sich eine komplett ironiefreie "Ich kann weiter pinkeln als du"-Macho-Schlacht und nicht mal der Showdown funktioniert. Finger weg!

1.) The Village
Die Darstellerliste liest sich mit Joaquin Phoenix, Sigourney Weaver und William Hurt ziemlich gut. Und der Film wurde in den USA streckenweise so gehypt, daß man glauben konnte, er sei das heißeste Ding seit der Erfindung der Wäscheklammer. Doch stellt Euch Folgendes vor: Es wird ein Film versprochen, der provozierend sein soll, der gespenstisch sein soll, der am Ende eine Hammer-Wende haben soll. Dieser Film schleppt sich dann über seine gesamte Länge eben nur diesem Ende entgegen wie ein angeschossenes Tier, psychologisiert dabei munter im Nebel herum, ist "geheimnisvoll" bis an die Schmerzgrenze und zeigt hin und wieder ein paar gar schröckliche Waldmonster in roten Flatterroben, die aussehen wie radioaktiv verseuchte Kardinäle. Ich hatte damals schon vor der "großen Auflösung" am Ende des Filmes geahnt, was Sache ist. Als meine Vermutung sich dann bestätigte, verfiel ich nachträglich in ein durch Langeweile verursachtes Halbkoma.


Okay, genug gemotzt. Wenn Eurer Meinung nach in dieser Liste einige Filme fehlen, dann kann es daran liegen, daß ich sie entweder gar nicht so übel fand, daß ich sie nicht gesehen habe oder daß ich sie verdrängt habe.

Thursday, March 23, 2006

"Natürliche Schöneit kommt von innen"

So bewirbt irgendein Kosmetikkonzern irgendein Verjüngungsprodukt. Die Lady links im Bild - Cher - geht stramm auf die 60 zu. Sie ist immerhin ehrlich genug zuzugeben, daß ihre unnatürliche Schönheit von außen kommt. Begründung: "Im Showbusiness bedeutet alt zu sein dasselbe wie ausgestorben zu sein."

Cher mag zwar mittlerweile ein Frauenbaukasten sein und ihre Strümpfe gradeziehen, indem sie die Augenbrauen anhebt, aber immerhin macht sie es noch halbwegs offen und erweckt so den Anschein, sich treu zu bleiben. Was ich wirklich gespenstisch finde, sind 70jährige High-Society-Omas, die sich mit Bräunungscreme zuspachteln, Lippen und Lider mit Schockfarben decken, sich in ein Paar Shrink-to-fit Jeans zwängen, mit Pfenningabsätzen durch die Fußgängerzonen stöckeln und dabei todunglücklich aussehen. Es ist schade, daß man Menschen dazu überreden kann ihr welkendes Äußeres genug zu hassen, um so etwas zu tun.

Natürliche Schönheit existiert in der Tat. Man kann sie überall dort sehen, wo man der Natur ein wenig Spielraum bietet. Das funktioniert in der Regel ohne Skalpell und kleine rosa Dragees. Das Ergebnis sieht letztlich dann vielleicht nicht wie eine Barbie aus, aber dafür wie ein Mensch. Wie haben hier bei den Schotten eine kroatische Schwester, die uns bekocht. Die ist locker über 60, klein und etwas rundlich. Die hat mit Sicherheit außer an ihrem Haar seit Jahrzehnten nichts mehr an ihrem Körper verändert. Aber sie ist so, wie sie ist, schön anzuschauen, weil sie 100 Prozent Natur ist. Und nö, daß ist kein Euphemismus für "Die Alte ist spuckend häßlich, aber sie strahlt von innen her irgendwas aus". Das "von innen her" ist zwar auch da, aber es kommt noch erschwerend zu dem natürlich schönen Äußeren hinzu. Wenn Menschen exzessiv die Realität ihres Alters und Alterns verneinen, dann wirkt das auf mich immer ausgesprochen würdelos.

Nur damit Ihr wißt, wovon ich spreche: Das Photo rechts ist noch nicht mal dadurch zu entschuldigen, daß der Dargestellte - Phil Spector, 66, Musikproduzent und in den 60er-Jahren Erfinder der "Wall of Sound" - als manisch depressiv gilt, im Laufe seiner Karriere sicherlich mit der ein oder anderen besußtseisverengenden Droge in Kontakt gekommen ist und zum Zeitpunkt der Aufnahme wegen Totschlags vor Gericht saß. So eine Frisur ist einfach unsportlich und nicht einmal im Alter von 21 exculpabel.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, March 22, 2006

Ein ganz besonderer Gruß...

... geht heute an einen ganz besonderen Menschen!


Herzlichen Glückwunsch

zum 65. Geburtstag!



Gottes Segen, dazu meine besten Wünsche, vor allem Gesundheit!

Vielen Dank für die lebenslange Untersützung!


Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, March 21, 2006

Und noch 'ne Scheibe...

Heute ein ganz besonderer Leckerbissen: "Emperor Tomato Ketchup" von Stereolab.

Diese Band hat zwei ganz entscheidende Vorteile: Sie produzieren fleißig immer wieder neue Alben, die alle durch die Bank ziemlich hörbar sind. Und sie haben mit Laetitia Sadier die (zumindest meiner Meinung nach) schönste Frau des Pop in ihren Reihen.

Emperor Tomato Ketchup erschien 1996 und war das bis zu diesem Zeitpunkt reifste Werk der franco-britischen Combo. Man erwischt sie auf diesem Werk irgendwo zwischen ihrem frühen 60ies-Brummen und dem aktuellen Jazz-Gebastele.

Es ist nicht so recht möglich, die Band einzuordnen oder zu vergleichen. Vergleiche gibt es zu viele (von den Krautrockern Neu! und Can über Velvet Underground und Philip Glass bis hin zu den Beach Boys habe ich schon ales gehört) und ein Etikett kann man Stereolab nicht aufdrücken, weil sie sich - grade wenn man denkt 'Ich habs! Retro-furistischer Elektro-Dream-Jazz trifft südamerikanisch-marxistischen Cocktailbar-Bubblegum-Pop!' - schon wieder in eine andere Richtung bewegen. Und trotz der Stilvielfalt, trotz der wilden Instrumente-Mischung (Farfisa und Moog wurden aus der Mottenkiste geholt) ist die Musik erstaunlich zugänglich. Am eindrucksvollsten wird dies eben auf Emperor Tomato Ketchup bewiesen.

Wer übrigens den Titel dieses Albums witzig findet, der sei darauf hingewiesen, daß man auf diversen Stereolab-Scheiben Songnamen wie "Italian Shoe Continuum", "Ticker-Tape of the Unconscious", "The long Hair of Death" oder "Puncture in the Radax Permutation" findet.

Warum also sollte man Emperor Tomato Ketchup unbedingt in seiner CD-Sammlung haben? Es ist einfach eines ihrer besten Alben, wenn nicht sogar das Beste. Mein persönlicher Favorit ist Mars Audiac Quintett. Das fiel zwar bei den Profi-Kritikern stellenweise durch. Ich mag es, weil es mit "Ping Pong" und "International Colouring Contest" zwei lupenreine Pop-Diamanten aufweist und darüberhinaus mit seiner gnadenlosen Monotonie einen für ein Stündchen davonträgt.

Aber zurück zu Emperor Tomato Ketchup: Insgesamt ein wunderbares Werk. Mal wird Klangschicht auf Klangschicht gestapelt, so in dem locker funkenden "Metronomic Underground" oder dem trotz 5/4tel-Rhythmus eingängigen "Tomorrow is already here". Mal geht es einfach nur nach vorne, so zum Beispiel in "Les Yper-Sound" mit schnellem Beat und Drums die furzstaubtrocken sind und so knapp wie ein Leinen-Bikini nach der 90°C-Wäsche, oder im grandios rockenden "The Noise of Carpet", auf dem sich Laetitia Sadier mit Mary Hansen auf achthundertdreiundneunzig Tonspuren die "La-La-La's" und die "Badam-Badam's" zuwirft, daß es eine Freude ist. Ruhig geht es auch, so im entspannten "Monstre Sacre" und in "Anonymous Collective", der letzten Nummer der CD, die so wunderbar hypnotisch und einschläfernd daherkommt, daß es keine besseres CD-Ende geben kann. Natürlich dürfen auch die Pop-Perlen nicht fehlen. Neben dem im Songtitel schon versprochen mal-schnell-mal-langsam Zuckerstückchen "Slow Fast Hazel" fällt vor allem "Cybele's Revrie" mit seinem herrlichen Streicher-Gedudel und dem erneuten "Ba-dah-ba"-Overkill der Damenstimmen angenehm auf. Die Texte sind mal in englischer, mal in französischer Sprache verfaßt und die Inhalte liegen irgendwo zwischen Optimismus und Marxismus.

Nich alle Stereolab-Alben konnten mich bisher gänzlich überzeugen. Aber Emperor Tomato Ketchup ist jeden Pfennig wert, bringt eine gute Stunde Hörvergnügen ins Haus, komponiert von einer Band, die sich allen Schubladen verweigert und ziemlich intelligent - aber nicht oberlehrerhaft - ihre Sicht des Pop an den Mann bringt.

Probiert's mal aus!

Sunday, March 19, 2006

Psalm 8

Einer meiner Liebsten:


Herr, unser Herrscher,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.

Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob,
deinen Gegnern zum Trotz;
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.

Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt:

Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst,
des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?

Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.

Du hast ihn als Herrscher eingesezt über das Werk deiner Hände,
hast ihm alles zu Füßen gelegt:

All die Schafe, Ziegen und Rinder
und auch die wilden Tiere,

die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Herr, unser Herrscher,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde



Das ist schon doll, oder? Wenn das Sazellum (so heißt der Gebetsraum im Stift) brummt und widerhallt von diesen Worten, dann geht's mir so richtig gut. "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob." Allein auf so etwas zu kommen verdient allerhöchsten Respekt. Ich liebe diesen Psalm.


Alles Liebe,
Alipius

entweder... oder...? / sowohl... als auch...!

Hallo Ihr Lieben!


Ihr fragt Euch wahrscheinlich auch täglich bei der Messe, beim Rosenkranz, bei der Lektüre der frohen Botschaft und beim Gebet, was eigentlich den unwiderstehlichen Reiz der Katholischen Kirche ausmacht, oder?

Okay, Scherz beiseite und anders gefragt: Finde ich Euch momentan in einer Disposition vor, die es nicht vollkommen unwahrscheinlich erscheinen läßt, daß Ihr mir für die drei Minuten, die es braucht, Euch den unwiderstehlichen Reiz der Katholischen Kirche zu erklären, Augen und Verstand leiht?

Prima!


Was also ist das Geheimnis? Es ist das "Sowohl... als auch..." im Gegensatz zum "Entweder... oder...".

Es fängt ja schon mit Christus an: Sowohl Gott als auch Mensch.

Und es zieht sich, vom Heiland ausgehend, durch alle Bereiche des Glaubens und Lebens:
Sowohl Liebe zum Anderen als auch Liebe zu sich selbst.
Sowohl freier Wille als auch Gottes Gnade.
Sowohl Geistestiefe als auch Sinnesfreude.
Sowohl Glaube als auch gute Werke.
Sowohl Schrift als auch Tradition.
Sowohl Fasten als auch Feiern.
Sowohl schmutzig werden als auch wieder gereinigt werden.
Sowohl Fragen als auch Antworten.
Sowohl Leben vor dem Tod als auch Leben nach dem Tod.

Es ist für alles gesorgt und nirgendwo schließt das Eine das Andere automatisch und bedingungslos aus. Stoak, oda?


Alles Liebe,
Alipius

Der heiße Stuhl...

Oh Mann!

Erinnert mich daran, ein ganz dickes "Nein, danke!" zu senden, wenn man mich irgendwann mal zum Erzbischof von Paris ernennen will. Der Thron der Pariser Prälaten steht historisch gesehen unter einem ziemlich unsteten Stern:

Die Gruselgeschichte beginnt mit Antoine Le Clerc de Juigné (1728-1811). Er war Erzbischof von Paris von 1781-1802, also fiel seine Amtszeit in die für die Kirche eher unselige Periode der französischen Revolution. Ungeachtet der Tatsache, daß Le Clerc de Juigne noch im Jahr vor dem Zusammentreten der Nationalversammlung seinen Haushalt aufgelöst hatte, um mit den dafür locker gemachten 400.000 Livres das Los der Armen etwas zu erleichtern, reichte natürlich die Phantsie der Revolutionäre im entscheidenden Moment nur soweit, ihn als Vertreter des ersten Standes und somit als potenziellen Feind künftiger Neuerungen zu sehen. Bei Taine kann man nicht nur nachlesen, wie im Allgemeinen der Pariser Mob der Vor-Bastille-Zeit die Deputierten der Nationalversammlung gradezu zwang, sich dem dritten Stand anzuschließen, sondern auch, wie im Besonderen Le Clerc de Juigne am 23. Juni 1789 vom Pöbel beschimpft wurde "bis er fast vor Schande niedersank" und zwei Tage später, als man seine Karosse attackierte, sein körperliches Wohlbefinden nur der Geschwindigkeit siner Rosse zu verdanken hatte, was das Volk ihm heimzahlte, indem es sämtliche Fenster der erzbischöflichen Residenz einwarf und sich erst zurückzog, als der Prälat versprach, künftig auf Seiten des dritten Standes in der Versammlung anwesend zu sein. Kurz nach Erstürmung der Bastille musste Le Clerc de Juigne aus seiner Heimat fliehen, begab sich zuerst nach Savoyen, später nach Konstanz, stets begleitet von revolutionären Hohnrufen aus Frankreich, die sich vor allem in Jacques Hebert's "Pere Duchesne" in einer mehr als derben Sprache über den Prälaten lustig machten, ihm tantenhaftes Geheul an der Brust ausländischer Höfe vorwarfen und die Drohung der Enteignung sämtlichen Besitzes als einzige Möglichkeit sahen, ihn und andere geflohene Bischöfe wieder ins Land zu bekommen. Denn wenn es ihnen an die Kasse geht, dann schwitzen die Kirchenfürsten vor Angst (wie sich ganz klar an den 400.000 Livres erkennen läßt, die der Erzbischof für die Armen gab). Später protestierte Le Clerc de Juigne dann gegen die Einsetzung des konstitutionelles Jean Baptiste Joseph Gobel als Bischof von Paris, legte aber auf Drängen des Papstes 1802 offiziell sein Amt nieder, um zur Versöhung mit Frankreich beizutragen. Er verbrachte dann den Rest seines Lebens in "bescheidenen Verhältnissen in Paris und widmete sich ganz den Werken der Caritas."

Hyacinthe-Louis de Quelen (1778-1839) war Pariser Erzbischof von 1821-1839. Also regierte auch er während einer der fünfzigtausend Revolutionen, die es in Frankreich gab. Er war Legitimist, hatte aber keine öffentliche Zustimmung für die Bourbonen ausgedrückt. Dennoch hielten die Orleans ein skeptisches Auge auf ihn. Als 1830 in Paris die schwer antiklerikale und antireligiöse Revolution ausbrach, versammelte sich am 29 Juli eine Meute vor dem erzbischöflichen Palast, die erklärte, man sei gekommen, um die 4.000 Gewehre und die Jesuiten (die zwar 1828 in Frankreich aufgelöst wurden, aber wer hält sich schon mit Details auf?) zu suchen, die im Palast versteckt seien. Es gab natürlich noch nicht mal 'ne Steinschleuder im Haus, aber wer braucht bei einer so hehren Angelegenheit wie der Befreiung des Volkes schon gute Gründe? Aus dem "Suchen" wurde dann bald ein munteres "Wer's zuerst hat, darf's behalten", als die Masse den Palast stürmte, plünderte und verwüstete. Es gingen damals nicht nur die Einrichtung des Hauses, die Kleidung des Erzbischofs, eine beachtliche Bibliothek und ein gut gefüllter Weinkeller zugrunde, es wurden auch sämtliche Gelder geraubt, neben der Privatkasse Quelen's waren dies vor allem die Gelder, die alten, kranken, behinderten Priestern, den Seminaren und den wohltätigen Einrichtungen des Erzbistums zuflossen. Der Erzbischof, der sich schon einige Tage zuvor nach dem Ausbruch der Revolution in einen geheimen Aufenthalt begeben hatte, reagierte auf den Verlust seiner Habe und die überaus störrische Haltung der Regierung, was den Schadensersatz betraf, indem er schon zwei Monate später 500 Francs an die Armen des Viertels von Notre-Dame gab. Er nahm dann eine schweißtreibende Korrespondenz mit der neuen Regierung auf, um die Mittel zu erhalten, die es ihm gestatten würden, für sich und seine Nachfolger das Palais wieder herzurichten. Es wurde schließlich eingewilligt. Allein, kaum ließ es sich im Palais wieder halbwegs wohnen, wurde in der Kirche Saint Germain l'Auxerrois ein Seelenamt für den Herzog von Berry abgehalten, bei dem einige Legitimisten etwas zu forsch auftraten. Quelen hatte dieses Amt nicht nur nicht genehmigt sondern es für unklug erkärt. Dennoch stand sein Name ganz oben auf der Liste. Und so geschah es, daß am 14. Februar 1831 wieder ungebetener Besuch im erzbischöflichen Palast vorbeischaute. Dieses Mal wollte man ganz sicher gehen. So wurde nicht nur alles Wertvolle geraubt und alles Mobiliar zertrümmert, es wurden die Fußböden herausgehauen, die Treppen zerhackt, daß Dach abgedeckt, kurz, die gesamte Residenz in Stücke gerissen. Adolphe Thiers, damals Abgeordneter für Aix, überredete die Nationalgarde, nicht einzugreifen. Die Pariser Commune sorgte vierzig Jahre später für den Ausgleich, als die die Villa Thiers' dem Erdboden gleichmachte. Zurück zum Erzbischof: Als es im Palais nichts mehr zu ruinieren gab, begab sich die Meute auf den Weg nach Conflans, wo Quelen eine private Sommerresidenz besaß. Auch diese wurde total zerstört. Dem Erzbischof war's egal, mußte er doch ohnehin ständig an geheimen Orten logieren, um nicht irgendeinem besoffenen Volkshelden zum Opfer zu fallen. Quelen organisierte das Erzbistum vorerst aus dem Dunkel, tauchte aber während der Cholera-Epedimie 1832 wieder auf, um Beistand zu leisten. Der erzbischöfliche Palast in Paris wurde im Jahre 1833 auf Befehl der Regierung ganz abgerissen. Der Briefwechsel Quelens mit der Regierung aus den Jahren 1831 bis 1833 demonstriert auf eindrucksvolle Weise, wie die neuen, der Kirche gegenüber wenig gnadenvoll getimmten Machthaber es genossen, einen Prälaten und obendrein Freund der gestürtzen Bourbonen-Könige als Spielball ihrer Launen zu haben. Zudem zeigt die Gesamtsituation dieser Jahre verblüffende Parallelen zu heutigen Vorfällen und dürfte - was die Darstellung des Erzbischofs in Flugblättern, Theateraufführungen und Zeitungen betrifft - als eine der großen und gelungenen Testphasen des Projektes "Emotionen ersetzen gesunden Menschenverstand" gelten, welches heute ja sehr erfolgreich implementiert ist.

Denis-Auguste Affre (1793-1848) war Quelens Nachfolger und Pariser Erzbischof von 1840-1848. "Och? So'n Zufall! Der hat ja nicht nur während einer Revolution regiert, sondern ist sogar in einem Revolutionsjahr gestorben!" Richtig. Ratet mal, warum? Als die guten Pariser mal wieder schlechte Laune hatten und sich an die Heldentaten ihrer Väter erinnerten, richteten sie 1848 fix einige Barrikaden auf, gaben dem König zu verstehen, daß er unerwünscht sei, plünderten (als Aufwärm-Akt für 1871) die Tulerien und schossen sich mit der Nationalgarde ein paar Projektile zu. Erzbischof Affre war der Meinung, das sein Leben "von geringem Wert sei" und er es "gerne riskiere", um den Frieden wiederherzustellen. Und so erklärte er sich am 27. Juni einverstanden, auf den Barrikaden zu erscheinen und die Menge zur Vernunft zu rufen. Kaum hatte der Erzbischof die ersten Sätze zu den Aufrührern gesprochen, war irgendwo ein Schuß zu hören, irgendjemand schrie "Verrat!", die Kugeln flogen und Affre wurde tödlich getroffen.

Nach Erzbischof Affre leitete Marie Dominique Auguste Sibour (1792-1857) von 1848 bis 1857 das Erzbistum Paris. Richtig, wenn man sich das Datum betrachtet, so kann man von einer einigermaßen windstillen Zeit reden. Aber was schert das die Irren? Am 3. Januar im Jahre 1857 leitete der Erzbischof in der Kirche St. Etienne du Mont die Feierlichkeiten zu Ehren der Heiligen Genevieve. Dort wurde er von einem abtrünnigen und offenbar dem Satanismus anhängenden Priester Namens Verger niedergestochen und verstarb. Verger war die Marienverehrung des Erzbischofs offenbar ein Dorn im Auge. Dabei hatte Sibour die Erklärung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis offiziell für inopportun erklärt, wenn er das Dogma dann auch später annahm und feierlich proklamieren ließ.

Georges Darboy (1863-1871) war Pariser Erzbischof von 1863-1871. Auch hier spricht das Datum schon für sich und auch hier haben diejenigen Recht, die jetzt denken 'Oha, der wird doch nicht...?'. Die Pariser Kommunarden verhafteten den Erzbischof am 4. April 1871 und sperrten ihn mit anderen Geistlichen in das Gefängnis Mazas. Als die Armee immer näher heranrückte und die Anführer der Kommune ihr Versagen erkannten, wollten sie wenigstens dem Feind, dem sie anders nicht mehr beikommen konnten, soviel Schaden wie nur möglich zufügen. Dieser Haltung fielen dann nicht nur unter anderem die Tuilerien, sondern eben auch der Erzbischof und die mit ihm gefangen gehaltenen Priester zum Opfer. Es waren sinnlose Morde, zumal Darboy bei der Bevölkerung eigentlich sehr beliebt war und sein Tod zu diesem Zeitpunkt niemandem etwas nutzte, außer vielleicht den Subjekten, welche das Erschießen eines Prälaten in besondere Hochstimmung versetzt.

Bilanz: Innerhalb von 82 Jahren wurden von acht Pariser Erzbischöfen drei ermordet. Einer verlor zweimal seinen gesamten Besitz und obendrein aufgrund permanenter schlechter (wenn auch maßlos einseitiger, um nicht zu sagen erlogener) Presse für lange Zeit seinen guten Ruf und hatte für längere Zeit um sein Leben zu fürchten. Ein dritter mußte außer Landes fliehen, um sein Leben zu schützen. Zugegeben: In den Jahren nach 1871 war es verhältnismäßig ruhig, wenn man mal von Erzbischof Richard absieht, der aufgrund der Trennung von Kirche und Staat im Jahre 1905 aus seiner erzbischöflichen Residenz geschmissen wurde. Trotzdem scheint mit der Erzbischofssitz von Paris eine recht gespenstische Angelegenheit zu sein.

Thursday, March 16, 2006

Weil's grad so Spaß macht...

... schieb ich hier gleich noch eine Ober-Pflicht-Scheibe hinterher:

1986 erschienen unter anderem solche Alben wie "Lifes Rich Pageant" von REM, "London: 0, Hull: 4" von den Housemartins, "Infected" von TheThe, "The Queen is dead" von The Smiths sowie die Debüt-Alben von Crowded House und Throwing Muses. Mit dem letztgenannten Hammer-Werk dicht auf den Fersen ist dennoch Strange Times von den Chameleons UK mein Favorit aus diesem Jahr.

Strange Times war das dritte (und bis 2001 auch letzte) Studio-Album der Chameleons UK. Das doofe "UK" muß übrigens ans Ende, weil es irgendwo in den USA offensichtich irgendeine Scheunen-Combo gibt, die den Namen "Chameleons" noch vor den Briten führte und dann einen Rechtsstreit gewann. Aber zurück zur Musik: Strange Times wird bei Online-Händlern oft unter "Goth" geführt, was aber ziemicher Quatsch ist. Okay, die ein oder andere Fledermaus fuhr wohl im Laufe der Jahre auch mal auf die Chams ab, aber die Jungs adressieren ganz eindeutig ein viel breiteres Publikum. Wer sich von dem grottoiden Cover von Strange Times nicht abschrecken läßt, dem stehen über siebzig Minuten Musik ins Haus, die zwar in den achtziger Jahren komponiert wurden und auch eindeutig durch die Produktion von David Allen (The Cure) deren Stempel tragen, aber irgendwie trotzdem zeitlos sind.

Die Platte startet mit Mad Jack, einem gehaltvollen Gitarren-Strudel ohne Schlagsahne, dafür aber mit erhöhter Ohrwurm-Gefahr. Danach perlt das überragende 6/8tel-Teil Caution los, zieht sich in seinen beinahe acht Minuten irgendwann vorsichtig zurück, stellt dann am Ende aber nochmal klar, wo die Wildkatze nistet. Tears, das dritte Stück des Albums, ist eine Gitarre/Stimme-Ode an einen verloren gegangenen Freund, die tatsächlich ihrem Titel alle Ehre macht. Es folgt Soul in Isolation, ein musikalisch und textlich äußerst leidenschaftliches Drum und Gitarre-Epos. Und grade, wenn man sich den Schweiß von der Stirne wischt und denkt "Mann, die verschießen ihr Pulver aber früh, wenn die gleich die besten und intensivsten Songs am Anfang der Platte bringen!" beginnt Swamp Thing mit einem Gitarren-Intro, nach welchem es eigentlich keine Gitarren-Intros mehr hätte geben dürfen. Und der Song selbst ist so gut, daß er eigentlich fünfmal hintereinander auf die Scheibe gehört hätte, damit man nicht ständig den "Zurück"-Pfeil auf der Fernbedienung drücken muß. Und gut geht es weiter. Sei es der Upbeat-Pop von Time, das mit tiefem Bass treibende In Answer oder das locker und flockig sechsachtelnde Childhood: Hit folgt auf Hit! Ich habe mir seinerzeit die Doppel-CD von Strange Times zugelegt. Auf der zweiten Scheibe findet man neben einer Cover-Version von Bowies Johnny, I'm only dancing auch eine mit Drums und Bass bestückte Alternativ-Version von Tears, die dem Song zwar ein wenig den melancholischen Touch raubt, ihm aber andererseits durch das monoton durchgezogene "Bumm-Klatsch-Bumm-Bumm-Klatsch" der Drums eine prima hypnotische Kante gibt.

Also: Wer die Platte nicht kennt und mal vorsichtig Tuchfühlung aufnehmen will, dem seien als Anspieltips Mad Jack, Caution, Tears und natürlich das unwiderstehliche, unverwechselbare, unglaubliche Swamp Thing ans Herz gelegt.

Probiert's mal aus!

Okay, wir machen das jetzt anders!

Ich bin wirklich nicht gescheit! Da erstelle ich eine Liste meiner 15 Lieblingsalben, nur um danach festzustellen, daß es eigentlich mindestens eine 50-Alben-Liste sein müßte. Daher werde ich ab heute in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal das ein oder andere Album präsentieren, welches man gefälligst zu haben hat.


Den Anfang machen heute meine liebsten Niederländer: NITS. Sie veröffentlichten 1989 das Live-Doppelalbum urk.

Bevor ich näher auf das Album eingehe, kurz etwas zur Band: NITS ist eine beständig und in kriminellem Ausmaße ignorierte Kombo aus Holland, die seit 1979 Alben veröffentlicht. Okay, jeder kennt "In the Dutch Mountains". Aber NITS sind viel mehr als dieser Song.

Wer die Niederländer nicht kennt und sein Repertoire um eine wirklich hochanständige, kreative, humorvolle und abwechslungsreiche Band erweitern möchte, der ist mit urk sehr gut bedient. Dieses Live-Album bietet einen hervorragenden Überblick über die Schaffensperiode von 1979 bis 1989. Mit 29 Songs und zwei Stunden Spielzeit ist die Doppel-CD gut bestückt. Wenn man sie in einem Rutsch von vorne bis hinten durchhört, dann weiß man auch sofort, was den Reiz von NITS ausmacht. Die Lieder sind entweder direkt in den Langzeitspeicher einfließende Ohrwürmer, die man nie wieder vergißt, oder so eigenwillige Klangwerke, daß man sie sich achtmal hintereinander anhören kann und hinterher immer noch denkt "WOW! Soviel Reefer gibt's doch in ganz Holland nicht!"

Manche der Live-Versionen weichen ziemlich vom Studio-Original ab, was einen weiteren Pluspunkt der Platte ausmacht. Mask kommt zum Beispiel mit gewaltiger Saxophon-Unterstützung daher. Red Tape ist entwas "ent-achzigert" worden und A Touch of Henry Moore ist schlicht besser.

Für dieses Album gilt im Grunde dasselbe wie für Two Wheels Good von Prefab Sprout: Wer auch nur ansatzweise etwas mit smarter Populärmusik anfangen kann, der darf sich diese Scheibe ohne vorher reinzuhören gefahrlos zulegen. Wer dennoch ganz sicher gehen will und bei seinem Haus- und Hof-Dealer mal testhören geht, der wird spätestens nach dem fünften Song sagen: "Alles klar! Überredet! Dich nehm ich mit nach Hause!"

Ich habe mir urk vor sechzehn Jahren zugelegt und es ist heute immer noch nicht nur eines meiner bevorzugten NITS-Werke sondern liegt insgesamt in meiner Audio-Gunst ganz weit vorne.

Weiterführende NITS-Langspiel-Hörvergnügen sind "Adieu, Sweet Bahnhof", "Giant, Normal, Dwarf" und "Ting", wobei das zuletzt genannte Album eher etwas für vernebelte Novermbernachmittage ist, die man bei einer extragroßen Tasse heißer Schokolade mit etwas Melancholie im Herzen am Fenster oder mit einem guten Buch in der Hand im Fläzsessel verbringt.

Viel Vergnügen!

Drei weitere kleine Details...

... aus dem römischen Verkehr:

1.) Offenbar wurde irgendwann einmal festgetellt, daß die Abgasemissionen im Zentrum Roms schlicht exorbitant sind. Schnell war eine Lösung parat: An bestimmten Donnerstagen ist nun die Innenstadt abwechselnd für Autos mit grader oder ungrader Nummer auf dem Kfz-Zeichen gesperrt. Mailand macht's offenbar ähnlich. In Turin, so hörte ich, sei der Smog "olympiaverdächtig", aber dort wurden noch keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen.

2.) Frage: Wie verlasse ich in Rom an einer Endstation eine Straßenbahn? Antwort: Schnell! Denn kaum steht die Bahn, stauen sich vor den Türen Horden von Passagieren, die mit ihr in die andere Richtung weiterfahren wollen. Wenn zwischen zwei aussteigenden Personen mehr als 5 cm Zwischenraum oder 0,8 Sekunden Zeitabstand sind, wird dies sofort als Aufforderung genommen, die Bahn zu stürmen ("Ach? Will keiner mehr raus? Okay, los geht's!") und man wird gnadenlos von der nun in das Gefährt drängenden Menschenflut gegen die Wand gespült.

3.) Das hatte ich bei meiner Story über die Bettler in Rom ganz vergessen: Es gibt noch die "Putzer". Die stehen an Ampeln parat, hechten, sobald diese auf rot schalten und die Autos halten, mit gezücktem Scheibenputzer vor und wenn man nicht schnell genug abwinkt, hupt, den Rückwärtsgang einlegt oder schießt, liegen sie einem quer über dem Kühler und befreien die "dreckige" Frontscheibe von den anderthalb Mikroben, die sich darauf aufhalten mögen. Dies natürlich nur, um danach um Bezahlung zu bitten.

Ich stelle grad fest, daß seit meinem letzten Post vier Tage vergangen sind.
Sorry, ich war faul.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, March 12, 2006

"Dixit Dominus Do-ho-mino me-he-o..."

Ach, was vermisse ich die sonntäglichen Vespern daheim im Stift. Die sind nämlich erstens gesungen und zweitens in lateinischer Sprache und drittens sehr schön. Einer der Psalmen, die wir dabei immer wieder singen, ist der mit der Nummer 110:
    1 Die Einsetzung des priesterlichen Königs auf dem Zion [Ein Psalm Davids.] So spricht der Herr zu meinem Herrn: / Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.
    2 Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: »Herrsche inmitten deiner Feinde!«
    3 Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, wenn du erscheinst in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe.
    4 Der Herr hat geschworen, und nie wird es ihn reuen: »Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.«
    5 Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes.
    6 Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden.
    7 Er trinkt aus dem Bach am Weg; so kann er (von neuem) das Haupt erheben.
Vers 6 ist in den modernen Brevieren übrigens gestrichen (liebe Humanisten...).

Da kommt mir eine Idee: Ich werde Euch jetzt in unbestimmter Reihenfolge dann und wann immer mal wieder einen der 150 Psalmen präsentieren. Dann könnt Ihr Euch den Durchlesen, an einigen Stellen sagen "Ach? DA kommt dieser Spruch her!", und Euch auch sonst ein paar Gedanken dazu machen.

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, March 11, 2006

"Der Humanist"

So nennt sich eine Internetseite, die im Untertitel mit dem Spruch wirbt: "Der Menschheit verpflichtet"

Auf dieser Seite findet sich folgender Artikel mit der Überschrift "Karikaturenstreit" (Artilel wurde unverändert übernommen):
    Religiöse Gefühle?

    Pah!!

    Wie man zuletzt den Medien entnehmen konnte, lehnen selbst bekenntnislose Menschen die Verspottung einer Religion bzw. Satire über religiöse Inhalte mit absoluter Mehrheit ab: "So was darf man nicht tun..." Darf man eben schon, ja, muss man sogar! Denn "…die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik." (Karl Marx)
Es beginnt schon einmal ganz prima mit einem Marx-Zitat. Das gehört natürlich auf jede Seite, die sich "der Menschheit verpflichtet" fühlt.
    Es ist schon bemerkenswert, hat eben doch kaum ein Atheist begriffen, was Anhänger der monotheistischen Religionen da eigentlich erhoffen, wenn sie sagen: "Dein Reich komme..."
    Der brennende Ofen in Ewigkeit für "Gottlose", das darf postuliert werden, die (Zukunfts-)Offenbarung in der die Ungläubigen Menschen so sehr gequält werden das sie den Tod suchen werden (wobei sie ihn natürlich nicht finden dürfen, laut göttlichem Heilsplan sollen sie ja ordentlich leiden bevor es in den Feuerofen geht...) gilt immer noch als völlig akzeptierter Teil der heiligen Schrift, ja gar als "hoffnungsvolle Zukunftsprophetie auf die der gläubige Christ in vollem Vertrauen auf Gott bauen kann".
"Dein Reich komme" kann natürlich so, wie es in diesem Artikel beschrieben wird, nur für diejenigen vorstellbar sein, die sich im vollen Bewußtsein der Existenz Gottes und der unverbrüchlichen Wahrheit seiner Offenbarung dennoch wissentlich gegen ihn entscheiden und auch entsprechend handeln. Was dies einen Atheisten schert, ist eine andere Frage.
    Ziel des christlichen (aber eben leicht abgewandelt auch islamischen) Glaubens, der Hoffnungen der gläubigen Menschen ist immer noch die Errichtung des Gottesreiches von ihresgleichen, samt Selektion von nicht- oder andersgläubigen Menschen ins ewige Auschwitz. Jeden Sonntag aufs neue, tausendfach: "Dein Reich komme...". Das heisst nichts anderes als: Die in der Offenbarung geschilderte Apokalypse samt Vernichtung der Welt und samt Endgericht und Schlachtung der Gottlosen werde Wirklichkeit.
Atheisten glauben nicht an Gott. Trotzdem jetzt dieses Herumgeheule? Das erscheint mir unlogisch. Wovor fürchten die sich? Was ist für sie daran unerträglich? Sind sie in ihrem Atheismus so wenig gefestigt, daß sie den Christen unterstellen müssen, sie verstünden unter dem Wunsch nach Gottes Reich nur, daß die Ungläubigen tausendfach abgeschlachtet werden? Ist das die Humanität der Humanisten? Nur schauen, wo man irgendjemandem vors Bein pinkeln kann? Die Anderen werden die Welt ja schon besser machen, wir labern/weinen lieber?

Und hey! Super! Das "ewige Auschwitz"! Klasse! Soll damit eine ganz besondere Form des humanistischen Fingerspitzengefühls demonstriert werden?

Und nicht jeden Sonntag, sondern jeden Tag: "Dein Reich komme!" Mehrere Male!
    Das alles muss ein nichtreligiöser Mensch aushalten, wenn er sich mit den Inhalten der Religion beschäftigt hat (und dass er das muss, dafür sorgen mehr oder weniger staatlicherseits verordnete Einrichtungen wie Religionsunterricht). Das muss wie selbstverständlich als respektabel und toll angesehen werden, ja, darf keinesfalls kritisiert, herabgewuerdigt oder gar verspottet werden.
Schluchz! Arme nichtreligiöse Menschen! Was die alles aushalten müssen, wenn sie sich zum Religionsunterricht anmelden (falls er noch angeboten wird und nicht durch "Meinungsaustausch über Weltanschauungen bei Gurkentee und Kresseplätzchen" ersetzt wurde), täglich in der Heiligen Messe sitzen, das Wort zum Sonntag schauen oder die Kirchenzeitung lesen, was neuerdings ja jeder nichtreligiöse Mensch offenbar tut.

Die Inhalte der Religion müssen wie selbstverständlich als repektabel und toll angesehen werden? Hat von denen irgendeiner in den letzten 30 Jahren mal Fern gesehen, im Theater gesessen, eine Kunstausstellung besucht oder Zeitung gelesen? Oder, um zu einem etwas aktuellen Beispiel zu greifen, mal den Herrn Haderer gefragt? Ach ne, halt! Hatte ich ganz vergessen: Dessen Jesus-Comic ist natürlich Ausdruck tiefer Religiosität und ernsthafter Auseinandersetzung mit einer 2000 Jahre alten Botschaft, die von den Kirchenfunktionären mit Füßen getreten wird.
    Ja wo bleiben da die areligiösen Gefühle der glaubensfreien Menschen? Wie selbstverständlich haben sie diese Herabwürdigungen klaglos zu ertragen. Kein Politiker und kein Journalist ergreift hier Position. Eigentlich sollte man gegen eine so menschenverachtende Doktrin wie den christlichen Höllen-Endgerichtsglauben Klage einreichen!!!
Doppel-Schluchz! Die "Herabwürdigungen" glaubensfreier Menschen klaglos ertragen? Ach, wie schön wäre es, ertrügen alle nicht an die Existenz Gottes glaubenden Menschen, die sich durch die Existenz Gottes herabgewürdigt fühlen, dies klaglos! Dann blieben einem solche Artikel erspart und die Autoren hätten viel mehr Zeit, über das Paradoxon nachzudenken.

Oder ist der (ich habe mal in ein paar anderen Nachrichten auf der Seite herumgestöbert) im "Humanisten" ziemlich verbreitete Theodizee-Atheismus eigentlich nur Ausdruck des Wunsches, Gott besser verstehen zu können?
    Man stelle sich eigentlich wirklich mal vor, Atheisten hätten irgendeine "Zukunftshoffnung" die sie jede Woche in Versammlungen beschwören würden in der es um die Errichtung eines religionsfreien Staates ginge samt Tötung aller gläubigen Menschen in einem gewaltigen Endzeit-Massaker, man stelle sich das Ganze wirklich mal umgedreht vor - nichts anderes ist ja das christliche Gottesreich; wie selbstverständlich die Allgemeinheit eigentlich doch wirklich die Inhalte der Religionen völlig akzeptiert und gutheißt, unfassbar...
Unfaßbar ist es in der Tat. Aber es ist auch so entwaffnend ehrlich: "Man stelle sich eigentlich wirklich mal vor, Atheisten hätten irgendeine "Zukunftshoffnung" die sie jede Woche in Versammlungen beschwören würden in der es um die Errichtung eines religionsfreien Staates ginge samt Tötung aller gläubigen Menschen in einem gewaltigen Endzeit-Massaker." Okay, stellen wir uns das mal vor: Da Atheisten ja nicht an Gott glauben, muß das Massaker folglich von Menschenhand ausgeübt werden. Da die Gläubigen sich schwerlich selbst töten werden, müssen es also die Atheisten sein, die das Bludbad anrichten. Ja, jetzt verstehe ich ganz genau, was mit "Der Menschheit verpflichtet" gemeint ist.

Glückwunsch, liebe "Humanisten"! Ihr habt es geschafft, daß ich mein "Nicht-mehr-meckern" schon nach wenigen Tagen einstellen mußte.

Liebe Düsseldorfer...

... ratet doch mal, welches die erfolgreichste Vereinsmannschaft Europas ist? Sprich: Welche Mannschaft in ihrem Sport mehr Preise eingeheimst hat, als irgendein anderes Team in irgendeiner anderen Sportart in Europa?

FC Bayern München?
Real Madrid?
Vfl Gummersbach?

Pustekuchen! Es ist die Borussia aus Düsseldorf!

Hach, wenn ich doch nur Tischtennis-Fan wäre! Blöderweise schiele ich aber immer nur auf die Fortuna oder vielleicht mal auf die DEG, die ja wenigstens im Moment in der Tabelle vor den Kölnern steht.

Ach (seufz), was waren das noch für Zeiten, als sich die DEG und die Haie in den frühen 90ern die legendären Eisschlachten geliefert haben. Ich mach mir heut noch in die Hose, wenn ich an die Finalspiele 1990/1991 denke, als die DEG das erste Spiel in Köln gewann und dann zu Hause noch einen draufsetzte. Ich dachte mir damals "Okay, das war's. Von mir aus gewinnen die Haie jetzt das nächste Spiel in Köln und in Düsseldorf wird dann mit den dritten DEG-Sieg der Meistertitel klargemacht und danach schwer gefeiert". Denkste! Die Kölner gewannen natürlich nicht nur ihr Heimspiel, sondern vermiesten den DEG-Fans auch die Meisterparty, indem sie kackenfrech in Düsseldorf 1:0 gewannen. Oh Mann! Wer in seinem Leben noch nie lange Gesichter gesehen hat, der war an diesem Tag nicht an der Brehmstraße! Einen 2:0 Spielvorsprung vergeigt! Und, noch viel schlimmer: Das entscheidende Spiel fand nun in Köln statt, in der Höhle des Hais! Aussichtslos! Katastrophal! Strick her! Jedoch: Die braven Jungs von der DEG wußten natürlich, was sie ihren treuen Fans schuldig waren. Und dies war die Demütigung des Erzrivalen auf eigenem Eis! Jawoll! 4:0 wuden die Kölner in die Kabine geschossen! Tja, und wer dachte, an der Brehmstraße lange Gesichter gesehen zu haben, der erfuhr nun, daß es an der Lentstraße noch viel länger geht. Haie, ihr wart immer die einzigen, gegen die und mit denen es so richtig Spaß gemacht hat, selbst, wenn die DEG verlor!

Alles Liebe,
Alipius

Thursday, March 09, 2006

Paradox

Stark!

In Großbritannien gibt es "Hate-Crimes", zu Deutsch: "Haß-Verbrechen".

Wenn ein katholischer Bischof während einer Predigt in einer Kirche sagt: "Homosexualität ist unnatürlich und sie zu fördern ist nicht wünschenswert", dann kann es sein, daß am nächsten Tag ein Grüner (sorry, aber es war nunmal einer) bei der Polizei anruft und sie auf den Prälaten hetzt, um Untersuchungen anzustellen, ob hier vielleicht der Tatbestand eines "Haß-Verbrechens" vorliegt. Jetzt wird in Großbritannien aber auch an einem Gesetz gegen "Rassenhaß" und "Religionshaß" gebastelt. Und dann leben wir ja alle in der großen, bunten, schönen Welt der Meinungsfreiheit.

Das wird ein Spaß, wenn sich die Priester und die Schwulen gegenseitig scharenweise vor den Kadi zerren, weil die einen sagen, daß sie Homosexualität als unnatürlich empfinden und die anderen dem Papst bei einem Besuch von einer Seitenstraße aus ihr blankes Hinterteil entgegenstrecken (wie 1996 in Berlin) und beide doch nur vom Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch machen. Wer dabei den Kürzeren zieht läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es sei jedoch auf diese Meldung hingewiesen:

Der seit 76 Jahren bestehenden Christlichen Union der Universität Birmingham wurde kürzlich von der Uni-Leitung das Konto eingefroren. Begründungen:
1.) In besagter Union dürfen nur Christen Mitglieder werden. Das ist einfach unfair und ultra-exklusiv, so die Uni-Leitung. Aber warum müssen die ihren Namen auch so mißverständlich und nebulös formulieren? "Christliche Union". Da weiß man einfach nicht so genau, wo dran man ist.
2.) In einer Werbeanzeige wurden "Männer und Frauen" angesprochen. Dies sei diskriminierend gegenüber Transsexuellen. Glaubt mir: Ich würde dies jetzt liebend gerne kommentieren. Aber da ich ja - mindestens bis zur nächsten vergleichbaren Nachricht - erstmal nicht mehr meckern will...

Wie irgendeine Gesellschaft aus dieser politisch korrekten/alles sagen können aber niemandem wehtun dürfen/Identität bewahren aber niemanden ausschließen-Falle jemals wieder herauskommen soll, das werden ihr nur die wenigen Leute sagen können, die ihren Verstand noch besitzen.

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, March 07, 2006

Gedanken zum "Vandalismus" (Nachtrag)

Salü!

Nochmal zurück zum gestrigen Thema:

Mir ist heute noch etwas eingefallen. Ich habe die ganze Zeit von armen Bauern und reichen Aristokraten gesprochen und überhaupt nicht daran gedacht, daß diese beiden Arten von Menschen damals ja in vollkommen unterschiedlichen Welten gelebt haben. Ich meine, wenn man heute in eine etwas unterprivilegierte Familie hineingeboren wird, dann hat man's zwar auch nicht leicht, aber man kann mit Grips und Fleiß doch schon einigermaßen weit kommen. Das war damals natürlich für ein armes Bäuerlein nicht drin. Umgekehrt kann jemand, der heute ziemich reich ist, morgen arm auf der Straße sitzen, weil er sich bei riesigen Geschäften blöde angestellt hat oder vielleicht auch Pech hatte. Auch das war damals fast ausgeschlossen. Wer in eine Adelsfamilie hineingeboren wurde, der blieb auch dort. Und selbst verarmter Adel konnte trotzdem noch in schweindelerregender Höhe landen, wie das Beispiel des Francois Joachim de Bernis beweist. Der wurde zwar kurz vor Ende seines Lebens als 76-jähriger Greis, Kardinal und Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl in Rom von den französischen Revolutionären quasi aus der Ferne noch ruiniert, indem sie ihm sämtliche ihm aus der Heimat zufließenden Gehälter strichen und zudem seine gesamte mobile und immobile Habe in Frankreich einzogen oder zerstörten. Aber das war dann ja eben auch schon die "neue Zeit", in der es ganz pupsegal zu sein hatte, als wer man geboren worden war.

Was ich sagen will, ist, daß heute zwischen der Welt der Armen und der Welt der Reichen in unserer Gesellschaft viel mehr Berührungspunkte existieren. Wenn heute ein von Bafög lebender Student, der wirklich auf die Kohle gucken muß, einen 600er Benz sieht, dann mag er sich vielleicht denken: 'Das Teil werd' ich auch mal fahren'. Und es muß nicht unbedingt ein Traum bleiben. Wenn vor 250 Jahren ein Bauer eine schöne, vornehme Kutsche gesehen hat, dann hat er sich natürlich auch wünschen können, mal in so einem Gefährt daherzurollen. Aber er hätte gleichzeitig gewußt, daß es niemals in Erfüllung gehen wird. Leute, die heute arbeitslos sind und jeden Pfenning mehrere Male umdrehen, haben in der Regel trotzdem noch ein Fernsehgerät, welches ihnen die bunte Welt der Reichen und Schönen ins Wohnzimmer sendet. Wenn andererseits ein gut verdienender Mann heutzutage einen Bettler sieht und sich denkt. 'Mann, so will ich aber auf keinen Fall leben!", dann schwingt in diesem Statement manchmal vielleicht eine gewisse Portion Angst mit. Einem Adligen im vorrevolutionären Frankreich waren solche Horrorszenarien völlig fremd. Man war adlig und man blieb es.

Vor diesem Hintergrund tut sich natürlich noch eine einleuchtende Erklärung für den Vandalismus der Revolutionszeit auf: Ein Bauer, der im Schloß eines Aristokraten alles kurz und klein schlägt, macht sich über Dinge her, die ihm fremd sind, deren Wert er nicht kennt, die nicht von seiner Welt sind. Er ist ja nicht dazu erzogen worden, Schönheit hochzuschätzen, Überfluß zu genießen und eine besondere Lebensart zu kultivieren. Er ist zum Überleben erzogen worden. Und zum Überleben hat er Dinge wie kostbares Porzellan, seidene Tapeten oder vergoldete Möbel nie benötigt. Also wozu das Ganze? Schwupp, weg damit. Ich brauch's ja eh nicht. Und der Herr Marquis? Tja, der braucht's schon eher. Aber der wird natürlich nicht gefragt.

Und noch ein Gedanke: Nach den ersten (mehr oder weniger) spontanen Exzessen der späten Juli-/frühen Augusttage im Jahre 1789, nach der Abschaffung der Privilegien, nach der Erklärung der Menschenrechte, nach der Verstaatlichung der Kirchengüter ging das muntere Verwüsten, Plündern, Abbrennen und Einreißen von Kirchen, Klöstern, Palästen und Schlössern ja dennoch weiter, wurde von den neuen Machthabern oft mit System betrieben. Zudem wurden Königsdenkmäler zerschlagen, Adelswappen abmontiert, der Kalender erneuert und sogar Namen geändert ("Tach, Bürger Capet. Na, noch alle Zacken in der Krone?"). Warum dies? Möglicherweise waren die Revolutionäre von der einhundertprozentigen Richtigkeit ihrer Sache nicht so wirklich überzeugt und wollten tatsächlich sämtliche Spuren der Vergangenheit auslöschen, damit nicht irgendwann mal jemand in die Geschichtsbücher guckt und sagt: 'Hmmm... Also das und das und das auch hätte man ja eigentlich anders machen können. Und dies und jenes hätte man mal besser gelassen, wie es war. Und so etwas hätte man wirklich nicht tun sollen..."

Wer weiß, wer weiß, wer weiß?! Harte Zeiten, harte Sitten und ich glaube, ich höre ganz ganz viele Leute rufen: "Der Erfolg gibt Recht!"

Alles Liebe,
Alipius

Monday, March 06, 2006

Gedanken zum "Vandalismus"

Grüßt Euch!

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Der von Abbé Grégoire im Jahre 1794 erstmals im Zusammenhang mit sinnloser Kunstzerstörung verwendete Begriff "Vandalismus" hat offenbar weniger mit den Vandalen zu tun, als man annehmen sollte. Dies nur, um den Ruf der Jungs zu schützen.

Trotzdem existiert dieser Begriff. Und ich denke, wir alle haben eine gewisse Vorstellung davon, was er bedeutet. Heutzutage wird oft schon von Vandalismus gesprochen, wenn man ein häßliches Graffiti an einem häßlichen Gebäude sieht, wenn irgendwo im Park zwei Bänke liegen, wo sie eigentlich stehen sollten oder wenn einem Mercedes-Benz das Kühlerhaubengütesiegel fehlt.

Ich bin ein ganz großer Liebhaber von Sakral- und Profanbauten des 18. Jahrhunderts. Das ist keine große Neuigkeit. Während meiner kleinen privaten Nachforschungen der letzten Jahre habe ich zu meiner nur mäßigen Begeisterung eine ziemlich lange Liste barocker, spätbarocker und rokokoiger (Was is'n das Adjektiv von "Rokoko"?) Kirchen, Klöster, Paläste und Schlösser zusammenstellen können, für die heute das Motto gilt: "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts."

Für mich macht es an dieser Stelle einen Unterschied, ob ein Schloß restlos verschwunden ist, weil
    a) es ein Erdbeben oder einen Blitzeinschlag mit anschließendem Großfeuer gab,

    b) in irgeneinen Krieg eine Bombe drauffiel oder eine Granate hineinflog oder

    c) ebenfalls in einem Krieg oder während einer Revolution Soldaten oder Aufständische sich zuerst in dem Schloß austobten und ihm dann später, als es bis zur Unbewohnbarkeit verwüstet war, den roten Hahn aufs Dach setzten oder es einfach dem Verfall oder Abriß überließen.

Der Vandalismus des letzten Beispiels ist der Punkt, der mich immer wieder beschäftigt und über den ich hier ein wenig plaudern möchte. Ich konzentriere mich dabei auf die Profanbauten, weil ich die privaten Schicksale in diesem Zusammenhang interessanter finde, und auf die Französische Revolution, weil die routinemäßige Zerstörung von Schlössern, Palästen und Villen wohl damals mit dem "Guerre aux châteaux, paix aux chaumières!" der Revolutionäre begonnen hat, welches 1834 von Büchner im Hessischen Landboten als "Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" aufgegriffen wurde. Klar, auch vorher ging es streckenweise ganz schön zur Sache, aber den ideologischen Unterbau bekam die Geschichte wohl erst damals durch diesen Spruch. Es waren dann ja auch erstmal die Franzosen, die von den fackelnden Landsitzen der "Großen Furcht" im August 1789 bis zum Einäschern der Tuilerien im Mai 1871 immer entweder mit Gewehren auf den Barrikaden oder mit Äxten, Heugabeln und Säbeln in den Gemächern der Reichen und Aristokraten zu finden waren. Und dies nicht nur im eigenen Lande.

Ich erinnere mich an einen Zeichentrickfilm, den ich als Kind einmal sah. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß und um was es genau ging. Ich erinnere mich aber an eine Szene, in der Kinder in einer Art Vergnügunspark unterwegs waren, in dem es alles gab, was ein Kind sich so wünscht. Unter anderem eine große, prachtvolle Villa, die mit all dem Luxus vollgepfropft war, der eben hineingehört. Und die Kinder durften nun in dieser Villa alles verwüsten. Sie taten es mit ausgelassenem Gequieke und jeder Menge Energie. Hier schleuderte ein Bub eine riesige Porzellanvase aus dem Fenster, dort rissen zwei Mädels seidene Vorhänge in Fetzen, die ganze Palette eben. Ich saß vor dem Fernseher und dachte: "Cool! Da muß ich hin, wenn ich das nächste Mal eine fünf in Mathe kriege!"

Jahre später las ich dann diverse, teilweise ziemlich detaillierte Berichte aus den ersten Wochen der französischen Revolution. Und da fand ich das Ganze dann schon nicht mehr so cool. Es ist eine Sache, in einem extra für diesen Zweck errichteten Gebäude - wenn es ein solches denn gäbe - die Sau rauszulassen. Es ist eine ganz andere Geschichte, wenn man vor den ungläubig starrenden, um ihr Leben bangenden Bewohnern eines zierlichen Rokokoschlößchens deren ganze Habe in Fransen und Späne verwandelt und zu guter Letzt auch noch alles anzündet. Mir geht's hier nicht um den "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"-Aspekt der ganzen Geschichte und darum, ob ein halb verhungerter Bauer das Recht hat, sich am Besitz eines wohlgenährten Aristokraten auszutoben oder nicht. Die Frage wird spätestens dann zu komplex, wenn man sich überlegt, daß zum Beispiel auch Adlige, die vorbildlich für ihre Untertanen gesorgt haben, nicht nur ruiniert, sondern manchmal auch umgebracht wurden. Oder wenn man sich fragt, warum der Begriff "Gerechtigkeit" im Revolutions-Slogan keinen Platz gefunden hat.

Aber zurück zum Thema. Ich stelle mir jetzt mal so einen armen Bauern im späten Juli des Jahres 1789 vor. Der hört plötzlich, daß es gegen die Aristokraten und die Prälaten geht, und das nicht zu knapp. Also schnappt er sich seine Heugabel und geht mal mit den Anderen mit. Zum Schloß des Marquis de Soundso. Dieser hat noch nicht so richtig kapiert was los ist und sitzt in einen üppigen seidenen Hausrock gehüllt wohlbeleibt und hochzufrieden bei leichter Lektüre in einem der Gemächer seines Schlosses. Als ein Diener reistürmt und den ungebetenen Besuch meldet, ist es bereits zu spät. Die Bauern nehmen die Bude ein und der Herr Marquis versucht es erst einmal mit der "Wie können sie es wagen!"-Nummer. Tja, und jetzt steht das Bäuerlein da und hat den Dicken direkt vor der Nase. Dreimal so breit wie er, mit einem tonnenschweren Klunker am Finger, wallendem Seidenrock, edlem Spitzenhemd, schnallengezierten Schuhen und einer gepuderten Perücke auf dem Kopf. Und das Beste: Ihm rinnt der Angstschweiß nur so über das Gesicht. Dann schaut mein Bauer sich etwas im Zimmer um und sieht Dinge, von denen er bis zu diesem Tage immer nur gehört hat. Weiche Polster und Kissen. Verschnörkelte und vergoldete Möbel. Bunt bemaltes Porzellan. Riesige Gemälde. Marmorne Büsten. Seidene Tapeten und Vorhänge.

Na klar kann ich verstehen, daß der Junge nun so richtig in Fahrt kommt und seinem Herrn mal zeigt, wie Vergänglich alle Pracht ist. Aber warum? Fühlt er sich durch den Glanz provoziert? Kennt er seinen Herrn persönlich und hat mit ihm noch eine Rechnung offen? Findet er das Geheule und Geflehe des Marquis klasse, der hilflos beim Untergang seines Schlosses zusehen muß? Genießt er es, für ein paar Minuten mal der Boss zu sein? Oder möchte er, daß alles so wird wie er: Schmutzig, ärmlich, unordentlich, häßlich, kaputt?

Ich habe nicht die geringste Ahnung. Und ich bedauere diese Art von Vandalismus zutiefst. Nein, das bedeutet nicht, daß mir die Armen und Unterdrückten damals schnuppe sind und daß ich ihnen hier eine Schuld in die Schuhe schieben will. Im Gegenteil. Ich bedauere die Kurzsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit der damals Herrschenden, die tatsächlich so blöd waren zu glauben, es könnte ohne Reformen immer so weitergehen. Aber genau wegen dieser Ignoranz tun sie mir auch so leid. Sie wachen morgens auf und nichts ist mehr, wie am Tage zuvor. Es ist Krieg. Krieg auf eigenem Boden. Krieg gegen sie, die Ersten im Lande, die Vornehmen, die Reichen und Schönen. Und dieser Krieg richtet sich nicht nur gegen sie als Stand, sondern auch gegen sie als Individuen und somit gegen alles, was sie von der Masse abhebt: Prachtvolle Schlösser, goldene Kutschen, seidene Kleider, all das muß nun weg, sei es aus Zorn, aus Vergnügen, aus Zerstörungslust, aus Rache. Und die ehemaligen Besitzer all dieser Pracht werden aus ihren Träumen, ihren Elfenbeintürmen, ihren Wolkenkuckuksheimen gerissen und finden sich im Staub der Straße, auf der Flucht oder im Gefängnis wieder.

Brrr, schaurige Zeiten für kultivierte und verwöhnte Adelsgeschöpfe. Als Kontrast gibt's ein paar Bilder mit Szenen aus dem Leben derjenigen, denen es damals leider ein wenig zu gut ging: