Wednesday, April 23, 2008

Der Wind und die Lilien

Graf Giovanni Angelo Braschi regierte als Papst Pius VI von 1775 bis 1798 die Katholische Kirche. Mal abgesehen von Pius III, der im Jahre 1503 nur 26 Tage im Amt war und über den daher nicht so viel zu berichten ist, haben alle durch die Zahl Drei teilbaren Pius-Päpste von ihren Gegnern posthum oder schon zu Lebzeiten so ein richtig schönes Rufmordpaket geschnürt bekommen: Pius XII, der judenhassende Nazipapst; Pius IX, die unfehlbare Ultra-Engstirn und eben Pius VI, der eitle und tumbe Verschwender. Was diese drei Päpste ebenfalls gemeinsam haben ist, daß sie - wenn man sich die Zeit und die Kopffreiheit nimmt, sich über ihr Leben ein wenig intensiver zu informieren - in einem bedeutend besseren Licht dastehen, als man blind zu glauben verpflichtet scheint.

Über #XII und #IX will ich hier nicht viele Worte verlieren. Eugenio Pacelli ist mittlerweile ja glaubhaft exkulpiert, bzw. die Initiatoren der Schlammschlacht gegen ihn demaskiert. Und auch bei Giovanni Maria Mastai-Ferretti gibt es eine naheliegende und plausible Lesart, die seine Vita als aufrechten Kampf gegen die Feinde des Glaubens und der Kirche präsentieren, nicht als verkrampftes und engstirniges Festhalten an Dingen, die eigentlich schon seinem Griff entglitten sind.

Das Spotlight ist heute auf Pius VI gerichtet. Ich habe neulich zum ersten Mal sein Wappen gesehen. Es zeigt in der unteren Hälfte drei Lilien, die sich einem kräftigen Wind entgegenstemmen. Das Wappenmotto ist Floret in domo domini (Er blüht im Hause des Herrn).


Nun ist Pius VI aber auch der Papst, der den Gegnern des Papsttums, ja der Katholischen Kirche, zu größten und kühnsten Hoffnungen verhalf.

Im Jahre 1796 fiel Napoleon in die nördlichen Provinzen des Kirchenstaates ein. Im selben Jahr wurde ein Wafffenstillstandsabkommen unterzeichnet, welches den Franzosen Bologna und Ferrara zusprach. Pius VI trat einer Koalition gegen die Französische Republik bei, um diese Städte wiederzugewinnen. Die alliierten Armeen wurden jedoch geschlagen und mit dem Frieden von Tolentino im Jahre 1797 wurde nicht nur der Verlust der nördlichen Provinzen und Avignons bestätigt sondern auch eine gewaltige Kompensation in Gold, Silber und Kunstschätzen an die Franzosen gezahlt. Als am 28. Dezember 1797 in Rom der französische General Duphot während einer Rauferei zwischen Jakobinern und päpstlichen Garden erschossen wurde, hatten die Revolutionäre endlich eine Rechtfertigung für die Einnahme Roms. General Berthier marschierte in Rom ein, und am 15. Februar wurde vor dem Kapitol ein Freiheitsbaum erreichtet. Die Römer wurden an ihre republikanischen Pflichten erinnert und die Herrschaft des Papstes für beendet erklärt. Der Vatikan wurde bis auf die kahlen Wände ausgeräumt, Pius VI wurde aus der Stadt in ein Kloster bei Florenz gebracht und von dort im folgenden Jahr nach Valence in Frankreich deportiert, wo er am 29. August 1799 als Gefangener des Direktoriums starb. In einem englischen Buch aus dem Jahr 1799 habe ich eine wunderbar dramatische Darstellung der Ereignisse gefunden. Ich habe mal eine Passage übersetzt, welche die tonnenschwere Gemütsverfassung der Kardinäle nach dem Untergang der päpstlichen Regierung illustriert:
    "Betrachtet sie [die Kardinäle] nun, wie sie in tiefer Bedrängnis zum Vatikan, dem Zentrum ihres gestürzten Reiches, marschieren. Mit Trauer in den Augen überblicken sie all die Vestibüle und Hallen, von denen sie gewohnt waren, sie von den Ehrerbietungen einer sich verbeugenden Menge gegrüßt zu durchschreiten. Diese Kardinäle, einst so erhaben in ihrer Würde, finden sich plötzlich all der brillanten Äußerlichkeiten entkleidet, die bis zu diesem Zeitpunkt ihren Stolz berauschten. Sie begleiten mit profunden doch erstickten Seufzern die Worte der Schrift, die sie bisher nur auf den Lippen führten und deren Wahrheit sie nun - viel zu spät - erkennen: 'vanitas vanitatum, et omnia vanitas'.

    Die Herrlichkeit, der Einfluß, die Macht und der Glanz, mit dem sie die Einfachen blendeten und von dem sie selbst geblendet wurden: Alles ist erloschen. Diese Rivalen szeptertragender Monarchen werden sich fortan dreifach glücklich schätzen, wenn sie sich in einer gemeinen Masse verlieren können, um ihre Niedrigkein in einen Schild zu verwandeln, durch welchen sie sich vor den Anfeindungen derer schützen können, die wegen ihrer Erniedrigung triumphieren. Mit melancholischer Stimme erklären sie den absoluten Verzicht auf die zeitliche Herrschaft. Doch sie haben zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Periode ihrer Kalamitäten erreicht. Zuerst - bevor sie sich aus einer Stadt zurückziehen, in der sie nichts mehr zu erwarten haben als Demütigung und Verfolgung - gestattet man ihnen beim Verkauf ihrer Besitztümer zugegen zu sein. Und bald darauf sammeln sich die Sturmwolken: Die neue Regierung ist organisiert und löscht erfolgreich alle Überreste des Alten aus. Der Augenblick extremer Vergeltung ist nun gekommen und nur die Ältesten und Kranksten dürfen auf Milde hoffen...

    Nachdem der größte Teil von ihnen Beleidigung, Gefängnis und materiellen Ruin erlitten hat, eilen sie, um fern von Rom ein Asyl zu finden, in welchem sie den einzigen Segen genießen können, nach dem sie jetzt noch streben: Ruhe.
Schauder! Sic transit gloria mundi...

Die Feinde der Kirche tanzten in diesen Tagen auf den Tischen. Napoleon hatte im Falle des Todes Pius VI eine Papstwahl untersagt. Somit wurde schon offen vom Ende des Papsttums geträumt. Aber die Kirche schreibt natürlich ihre eigenen Gesetze. Pius VI hatte schon im November 1798 in der amtlichen Verordnung Quum Nos, superiori anno festgesetzt, daß, sollte er in Gefangenschaft sterben, die nächste Papstwahl an dem Ort stattzufinden hat, an welchem sich die meisten Kardinäle aufhalten. Dies war Venedig, wo nach langem hin und her am 14. März 1800 Gregorio Barnaba Cardinal Chiarimonti zum Papst gewählt wurde. Er nahm den Namen Pius VII an.

Für die Lilien des "Papa Braschi" war der Sturm zu stark. Die Kirche selbst ging aus der Katastrophe gestärkt hervor, wie ihre Erneuerung und Wiederbelebung im 19. Jahrhundert zeigt.

Monday, April 21, 2008

Sunday, April 20, 2008

"Auf geht's!"


Papst Benedikt XVI und Erzbischof Pietro Sambi, Apostolischer Nuntius in den USA

Fade Religionshetze

Erhobene Zeigefinger und humanistisches Mahnen noch und nöcher sprudeln einem aus dem Kinderbuch »Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel« von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke entgegen. "Haßerfüllte" Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen sorgen dafür, daß das kleine Ferkel und sein Igelkumpel am Ende so gar keinen Bock auf Gott mehr haben.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beantragte die Indizierung des Kinderbuchs als jugendgefährdende Schrift (Antisemitismus-Vorwurf, versteht sich). Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wollte diesem Antrag jedoch bei der Verhandlung am 06. März 2008 nicht folgen. Itzo jubiliert die "Rettet das kleine Ferkel"-Webseite: Anschlag auf Meinungsfreiheit gescheitert! Ich freue mich auch über die Nicht-Zensur, denn das Buch ist ziemlich grottig. Meine Nichte wäre dazu in der Lage, es als ideologische Kampfschrift zu entlarven, die der gepfefferten Sonntagspredigt eines erzkonservativen Pfaffen in nichts nachsteht.

Zum Buch selbst: Ein Rabbi, ein Mufti und ein Vertreter des Christentums (ebenso überraschend wie originell: Ein fetter katholischer Bischof) stehen den neugierig-naiven Fragen der beiden Kleinen so richtig hilflos gegenüber. Dies aber nur, weil der Autor natürlich am Ruder sitzt und es so ausschauen läßt, als sei jede Frage des Schweinchens ein Hieb, der das clevere aber leider ganz und gar erfundene Konstrukt der Religionen in sich zusammenbrechen läßt. Schmidt-Salomon ist einer dieser schicken, neuen, militanten Atheisten und daher muß sein Buch den drei Dawkinschen Gesetzen folgen:
    1.) Die Nicht-Existenz Gottes ist - wenn auch nicht bewiesen - so doch Realität.

    2.) Plakatives Polemisieren ist Grundvoraussetzung für erfolgreiches Missionieren. Es ist so auf den Putz zu hauen, daß unser Standpunkt bereits als abgemacht und abgesegnet gilt, damit Zweifler, die es wagen könnten, die richtigen Antworten zu geben oder gar die richtigen Fragen zu stellen, umgehend der Begriffsstutzigkeit bezichtigt werden können.

    3.) Wissenlücken sind entweder durch klebrige Gefühlsduselei oder infantile Albernheiten zu übertünchen.
Sorry, Leute, aber hier werden nicht Christentum, Judentum und Islam schon für Grundschüler verständlich als Wahnsysteme entlarvt, wie es in einer Lobhudelei des hpd ("Humanistischer Pressedienst"!) heißt. Hier wird aus Profit- und Publicity-Gier einfach nur blöde auf den Kleinen und Kleinsten herumgetrampelt. Denn das Buch tut genau das, was es bei den Religionen anklagt: Es verschüchtert die Lütten, macht ihnen wahrscheinich sogar Angst.

Das Problem hat Schmidt-Salomon im Vorwort zu seinem Buch "Die Kirche im Kopf" selbst hübsch zusammengefaßt:
    "Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleichberechtigt und frei sein sollten in ihrem Streben, ihre Vorstellungen vom gutem Leben im Diesseits zu realisieren."
... und wir werden so lange auf ihrem Glauben herumkloppen, an ihren Riten zerren und an ihrem Gott rütteln, bis sie endlich genau das sind, was WIR uns unter gleichberechtigt und frei vorstellen.

Es ist irgendwie so erheiternd und doch so traurig.

The NAC

Das "North American College", oder "The NAC", oder auch einfach "The Hill" (denn es steht auf dem Gianicolo) ist angeblich die größte nicht-militärische Wohngemeinschaft von US-Amerikanern außerhalb der USofA. Könnte schon sein. Das erste NAC, die "Casa Santa Maria", wurde im Jahre 1859 vom seligen Papst Pius IX gegründet. Die Casa steht in der Nähe der Fontana die Trevi und beherbergt heute amerikanische Priester, die weiterführende Studien verfolgen. Das neue NAC wurde 1952 von Papst Pius XII eingeweiht. Es ist ein Riesenbau, in dem 200 Seminaristen plus Stab Platz finden.

Wenn ich mir die Nacker (so nennt man die Studenten aus dem North American College in Rom) so ansehe, keimt in mir ziemliche Hoffnung für die Kirche in den USA auf. Es gibt dort zwar - wie überall - nicht so viele Berufungen wie man sich wünschte, aber diejenigen, die den Weg dann einschlagen, scheinen die Sache durch die Bank ziemlich Ernst zu nehmen und machen einen recht vernünftigen Eindruck.

Ich studiere mit einigen Nackern und habe mich mit ein paar der Jungs schon ganz gut angefreundet, so daß ich hin und wieder mal auf den Hügel zum Essen eingeladen werde. Heute war ich mit Gabriel dort zur Messe mit anschließendem Sonntagsbrunch. Hier ein paar Photos:


Gestatten (von links): Pat, Diakon bei der Gesellschaft Mariens, ebenfalls als Gast im NAC; Josh, der uns dieses Mal eingeladen hat; weiß nicht (bzw. Namen vergessen); Sergio (glaub' ich - schreckliches Namensgedächtnis) und Gabriel.


Diesen spektakulissimo Ausblick kann man von der Dachterrasse des NAC genießen. Heute war die Sicht so klar, daß man in der Ferne gar ein paar schneebedeckte Gipfel sehen konnte! In Rom bricht übrigens grade massiv der Frühling aus: Strahlende Sonne und heftig anziehende Temperaturen.


Der Petersdom liegt in nächster Nähe.


Von links: Gabriel, Petersdomkuppel, Alipius und Pat, der nach dem Photo halbblind durch die Gegend tapste und meinte: "Ich glaub' ich kauf mir besser auch mal 'ne Sonnenbrille!"

Saturday, April 19, 2008

Los Wochos

Scheint, als habe irgendeine zentrale Institution für Moderne Kunst die Wochen der Selbstzerstörung ausgerufen:

Erst Artsy-Shvartsy mit ihrer Splatter-Performance, jetzt (Dank an einen anonymen Kommentator für den Hinweis) Gregor Schneider mit "öffentlicher sterben". Der "weltweit geachtete" Künstler will einen Menschen im Rahmen einer Ausstellung auf natürliche Weise sterben lassen.

Jugendkult, Verdrängung des Todes und Extrem-Lifting hin oder her: Das ist eine Geschichte, die an Dekadenz (um nicht zu sagen: Degeneriertheit, was aber nur ein synonym für "Entartung" ist und daher genau die falschen Leute zum richtigen Thema auf die Bäume bringt) nicht leicht zu überbieten ist. Schneider selbst sagte in einem Interview mit dem Fachblatt "Art Newspaper", er "möchte die Schönheit des Todes zeigen".

Der Geier weiß, was man sich unter dem Projekt vorzustellen hat. Leute bezahlen Eintritt, um einen Menschen sterben zu sehen? Irgendein armer Kerl nimmt die Gelegenheit wahr, um wenigstens als Berühmtheit zu sterben? Und drumherum steht die kunstkennende Meute mit Champagnerflöten und schwärmt, wie heutig, homogen, hochherrlich, haptisch und heilig das alles ist?

Naja, bleibt die Hoffnung, daß die Heilige Inquisition in den Reihen der liberalen Kunstschaffenden und Intellektuellen bald posthum völlig exkulpiert ist. Schließlich haben die Jungs schon vor Jahrhunderten erkannt, daß nichts so sehr "Kunstwerk" sagt, wie ein malerisches, dramatisches, alle Sinne bedienendes Autodafé.

Ein Doppel-Glück- und Segenswunsch...


... an Papst Benedikt XVI:

Am 16. April feierte er seinen 81sten Geburtstag und heute ist der dritte Jahrestag seiner Wahl.

Ad multos annos!

Der Krankheitsverlauf im Weiteren

Re: Abtreibungskunst

Yale enttarnt die in Namen der Kunst abgetriebenen Babies als Ente. Universitäts-Sprecherin Helaine Klasky: "Das gesamte Projekt ist ein Kunstwerk, eine kreative Fiktion, entwickelt um auf die Zweideutigkeit von Form und Funktion des weiblichen Körpers aufmerksam zu machen."

Shvarts' Thesis-Beraterin und Fem-Art-Künstlerin Pia Lindman war für einen Kommentar erst einmal lieber nicht zu haben und löschte vorsichtshalber ein Youtube-Video, auf welchem Shvarts für Lindmans Redefreiheits-Projekt The Soapbbox Event von "Konditionierung", "Scheiß-Institutionen" und "patriarchalischer Heteronormative" (Stick it to the man, Sis!) erzählt.

Shvarts selbst scheint sich über die Natur des Projektes noch nicht so ganz im Klaren zu sein: Einerseits bestand sie darauf, die Geschichte sei durchaus ernst (und hatte offenbar für einige Reporter sogar Videotapes parat, die dies bewiesen), andererseits leitete sie die künstliche Fehlgeburt stets am Ende ihres Zyklus ein und sagt, sie wisse nicht, ob sie überhaupt je schwanger war oder nicht: "Niemand kann mit einhunderprozentiger Sicherheit sagen, ob irgendetwas in dem (Kunst)Werk geschah oder nicht geschah, denn es liegt in der Natur dieses Werkes, nicht aus Sicherheiten zu bestehen." Noch schöner als moderne Kunst ist moderne Kunstrechtfertigung.

Die Kommentatoren-Welt steht ebenfalls in hellen Flammen. Der Löwenanteil der Leute ist geschockt und angewidert, freut sich aber auch über die Demaskierung moderner "Kunst". In einem Forum machte jemand den Vorschlag, doch mal ein Glas mit Urin zu füllen, ein Photo von Martin Luther King hineinzutun, das Ganze als Kunst zu verkaufen, sich genüßlich zurückzulehnen und auf die Reaktionen im Lager der Liberalen zu warten.

Natürlich gibt es auch Befürworter. Das "Yale's Womens Center" zu der Geschichte: "Wir stehen fest hinter der Tatsache, daß der Körper einer Frau ihr gehört. Sei es in Fragen des Reproduktionrechts oder des künsstlerischen Ausdrucks, Aliza's Körper ist ein Instrument, über welches sie volle Verfügungsfreiheit haben sollte." Uähh! 'Instrument'! Mir läuft's kalt den Rücken herunter.

Die Stimmen, die das Projekt bejahen, sprechen stets von "angeblicher" Moral und Ethik, wenn "religiöse Heuchler" sich über Shvarts aufregen. Denn natürlich ist das Recht auf Leben an Religion gebunden, nicht an den gesunden Menschenverstand und die Natur.

Unterm Strich sehe ich momentan eine Universität, die ihren Namen zu retten versucht, eine verzogene Göre, die ums Verrecken in die Öffentlichkeit will, eine Horde entsetzter Internet-Zeitzeugen, die sich fragt, wie unsere Gesellschaft im allgemeinen und die Kunstwelt im besonderen eigentlich so tief sinken konnte und ein paar moderne Künstler, die mit Phrasen aus dem Satzbaukasten ein Phämomen entschärfen und domestizieren wollen, welches der gesamten Industrie Schaden zufügen kann: "Aber sie ist eine Künstlerin und hat das Recht, sich durch Performance-Kunst auszudrücken". Nein. Sie nennt sich "Künstlerin" und hat die Pflicht, dafür einen Nachweis zu erbringen, der nicht durch 50 Seiten erklärenden Begleittext erhellt werden muß und der nicht den Großteil der Betrachter zu den Toiletten eilen läßt.

Aliza, Du willst eine Debatte? Dann laß uns doch mal von Narzißmus und Selbst-Promotion reden und davon, daß man als Feministin nicht automatisch auch für Abtreibung ist (und vice versa).

Friday, April 18, 2008

WOW!

Britland sucht den Superstar: Auch auf der Insel läuft die Maschine längst wie geschmiert. Und auch in diesem Jahr wird sich ein Bub oder ein Mädel seine 15 Monate Ruhm erträllern, um danach im Orcus zu verschwinden.

Dieser schüchterne Kerl bietet sicherlich alles andere als Durchschnittsware, und sei es nur, weil er demonstriert, daß es selbst in England noch Fetzen katholischer Kultur gibt:



Zwei erhobene Daumen für Andrew Johnston und sein "Pie Jesu"!

Thursday, April 17, 2008

Die schönste Champagner-Reklame

Aus dem Jahre 1939 für Champagne de Venoge



Gefunden auf "Les Maisons de Champagne et leurs Grandes Marques"

Total normal

Die Amerikanerin Aliza Shvarts (links) ließ sich über einen Zeitraum von 9 Monaten "so oft wie möglich" durch donogene Insemination künstlich befruchten, nahm dann Abtreibungsdrogen und ließ die Videokamera mitlaufen, während sie in ihrer Badewanne Fehlgeburten produzierte.

Wo diese Frau heute zu finden ist? Im Gefängnis? In der Nervenheilanstalt? Nope. Wer die Geschichte bis hierhin schon abartig findet, sollte besser nicht weiterlesen.

Aliza Shvarts ist Studentin. Kunststudentin. In Yale. Und was ich eingangs beschrieben habe ist ihr neues Projekt, welches ab kommendem Dienstag folgendermaßen präsentiert werden soll: In einem Raum hängt ein großer Würfel. Um diesen Würfel sind Schichten von Folie gewickelt. Zwischen den Schichten wird das Blut der Fehlgeburten aufbewahrt, gemischt mit Vaseline, damit es nicht austrocknet. Auf vier Seiten des Würfels werden Videos von den Fehlgeburten projiziert.

Ziel der Ausstellung ist es, "Konversationen anzuregen und die Debatte über die Beziehung zwischen der Kunst und dem menschlichen Körper neu zu zünden". Das Projekt, so Shvarts, wird nicht nur für den Schock-Wert gestartet. "Sicher, einige Leute werden Probleme mit der Message haben und nicht damit einverstanden sein, aber es nicht die Intention, Menschen zu skandalisieren".

Ich hoffe, daß es sich bei dieser Geschichte, die seit heute im Online-Magazin der Universität "Yale Daily News" zu lesen ist, um einen finsteren Scherz handelt. Wenn nicht, dann weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll und enthalte mich daher auch erst einmal jeglichen Kommentars.

Wednesday, April 16, 2008

We are not amused!

In Österreich haben die Fernsehsender schon mal damit begonnen, um die Gunst der WM-Zuschauer zu rangeln. Karten sind rar, also wird es eine Menge Leute geben, die die Spiele im TV verfolgen wollen.

In Wien sah ich dann neulich ein richtig schön fieses Plakat eines Senders (War glaub' ich sogar der ORF, aber ich weiß es nicht mehr genau). Abgebildet war ein leicht frustierter England-Fan, ungefähr so:

Darunter stand:

Machen Sie's wie England: Bleiben Sie daheim!

Herzlichen Glückwunsch!

Papst Benedikt XVI wird heute 81 Jahre alt. Gefeiert wird nicht daheim im Vatikan, sondern im Weißen Haus, in dem und um das sich Presseberichten zufolge 9000 Gäste versammelt haben. Quite a bash, if I might say so.

Ich bete für die Gesundheit des Heiligen Vaters und dafür, daß er (und seine Geisteskraft) uns noch mindestens 10 Jahre erhalten bleiben.

Die zartfühlendsten Glückwünsche kamen schon am vergangenen Freitag: Yunis al-Astal, gleichzeitig Mitglied der Hamas und des palästinensischen Parlaments, hatte folgendes zu sagen:
    'Sehr bald, mit Allah's Wille, wird Rom erobert werden, so wie Konstantinopel erobert wurde, wie es prophezeit wurde von unserem Propheten Mohammed. Heute ist Rom die Hauptstadt der Katholiken, die Hauptstadt der Kreuzzügler, die ihre Feindseligkeit dem Islam gegenüber erklärt haben, und die die Brüder der Affen und Schweine in Palästina plaziert haben, um den Islam davon abzuhalten, wieder zu erwachen. Diese Hauptstadt wird ein Vorposten der Islamischen Eroberung sein, welche durch Europa in seiner Gesamtheit verbreitet wird, und sich dann den zwei Amerikas zuwenden wird und selbst Ost-Europa. Ich glaube, daß unsere Kinder und Enkelkinder unseren Jihad und unsere Opfer erben werden, und mit Allah's Wille, werden die Kommandeure der Eroberung unter ihnen sein. Heute bereiten wir ihre Seelen auf diese guten Zeiten vor, durch Moscheen, durch Koranbücher, durch die Geschichte des Propheten, seiner Freunde und der großen Anführer präparieren wir sie für die Mission die Menschheit zu retten vor dem Höllenfeuer an dessen Rande sie steht...'
Ich bin so verwundert, wie Ihr es seid. Meine Lieblingsstelle sind die 'Kreuzzügler, die ihre Feindseligkeit gegenüber dem Islam erklärt haben'. Mit 'Feindseligkeit' meint er wahrscheinlich die Moscheen, die überall in Kreuzzüglerländern (auch in Rom) aus dem Boden schießen. Oder meint er vielleicht die Bezirke in europäischen Großstädten, in welche man sich als Nicht-Moslem besser gar nicht mehr hineinwagt? Oder die Koranschulen? Oder die Befreiung islamischer Sexualtäter von psychologischer Behandlung aufgrund ihres Glaubens? Oder den Vorschlag des Erzbischofs von Canterbury, in England bestimmte Aspekte der Schariah zuzulassen? Was auch immer es ist, ich klopfe mir schuldbewußt an die Brust und wünsche mir, die Christen in Europa wären dem Islam gegenüber so tolerant, wie es die Moslems in den von ihnen dominierten Ländern den Christen gegenüber sind.

Al-Astal hat leicht reden. Er sitzt ja sicher in Palästina und muß die eventuellen Folgen seines Geschwätzes nicht am eigenen Leib erfahren. Das überläßt er dann lieber seinen Glaubensgenossen, denen womöglich in Europa bald ein anderer Wind um die Ohren wehen wird.

Wer glaubt eigentlich noch die Sprüche von der "radikalen Minderheit"? In London stehen grade 8 junge Moslems vor Gericht, die planten - als Martyrium im Namen Allahs - gleichzeitig sieben aus London startende Passagierjets im Flug in die Luft zu sprengen. Die waren bis zum Zeitpunkt der Festnahme natürlich auch nur "gemäßigt".

Naja, immerhin gibt es für die, die es wahrnehmen wollen, hier einen weiteren tiefen Einblick in das, was der Islam uns zu bieten hat.

Ich bin froh und dankbar, daß ich in Lebens-, Glaubens- und Gottesfragen dem Papst zuhören darf und in Christus einen Gott habe, dessen Liebe und Gnade ich in einer persönlichen Beziehung erfahren kann.

Tuesday, April 15, 2008

Der Heilige Vater in den USofA

Aus einen Artikel der L.A-Times (Übersetzung meine):
    Dana M. Perino, Presse-Sekretärin des Weißen Hauses, verteidigte den 'religiösen Touch' der Empfangszeremonien für Papst Benedikt XVI, in deren Verlauf das 'Vater Unser' gesungen wurde: ' Viele Menschen in Amerika und in der Welt sagen dieses Gebet um den Tag zu starten. Also denken wir, daß es vollkommen angebracht ist'.
'Verteidigte' den 'religiösen Touch'? Zwei Möglichkeiten: Entweder gibt es tatsächlich Leute, die so bekloppt sind, sich darüber aufzuregen, daß beim Empfang des Papstes ein bißchen Religion ins Spiel kommt. Oder jetzt schwächeln auch schon in den USA die Christen so sehr, daß sie sich lieber vorab entschuldigen, als daß sie sich später etwas anhören.

Naja, Papa Benedetto hat sicherlich haufenweise Mullbinden und Jod im Gepäck, um die immer noch aus allen Wunden blutende Post-Pädophilie-Kirche Amerikas ein wenig zu verarzten. Hoffentlich gibt er auch abseits des Protokolls einigen der selbstgefälligen Kirchenbonzen mal ordentlich was hinter die Ohren.

Die Protest-Gruppen und die säkularisierten und größtenteils superliberalen Massenmedien in den USA haben die Socken auch schon scharf gemacht, aber sie werden möglicherweise eine kleine Enttäuschung erleben. Von dieser Seite gibt es die gute, alte Forderung nach mehr Cafeteria-Katholizismus (Zeig mir mal, was auf dem Menu steht, ich such mir dann aus, was mir paßt):
    "Hmm... Okay, einmal die Frauenordination mit verheirateten Priestern und einer Portion Gay-Worshipping, aber ohne Eucharistische Anbetung und Gebet für Berufungen. Und das Magisterium bitte auf einem Extra-Teller."
Der Heilige Vater hat allerdings eine Kirche zu heilen, daher wird er wenig Zeit, Lust und Geduld für diejenigen haben, die sie nur noch weiter spalten wollen.

Monday, April 14, 2008

Ein Oscar für das Stift

Das der Regisseur des oskar-prämierten Films "Die Fälscher" aus Österreich stammt, hatte ich schon mitbekommen. Daß er Klosterneuburger ist, war mir bisher neu. Stefan Ruzowitzkys bekam mittlerweile nicht nur den Ehrenring der Stadt überreicht, sondern hat auch mit dem Stift ein Win-Win-Abkommen geschlossen: Heute erfuhr ich, daß der Oscar bis Ende Juni im Marmorsaal des Stiftes zu sehen ist, dies im Rahmen einer Ausstellung, welche die historischen Hintergründe des Filmes beleuchtet. Das Stift bedankt sich für das Plus an Besuchern, indem es den Reinerlös der Ausstellung für die Sanierung des jüdischen Friedhofes in Klosterneuburg spendet, gemäß dem Wunsch des Regisseurs, der angab, nicht nur geehrt werden zu wollen, sondern auch zu hoffen, daß er etwas Bleibendes schaffen kann.

Sunday, April 13, 2008

"Kardinälchen"...

... oder auch "gekochte Krebse" wurden die Alumnen des Deutsch-Ungarischen Kollegs in Rom scherzhaft genannt, als sie noch ihre roten Talare trugen.



Das Deutsche Priester-Kolleg in Rom wurde 1552 von Papst Julius III gegründet, zum Studium für künftige Diözesan-Priester "aus den im Glauben gefährdeten Gebieten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". Das Kolleg wurde 1580 mit dem Collegium Hungaricum zum "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum de Urbe“ – Päpstliches Deutsch-Ungarisches Kolleg in Rom - vereinigt.

Bei Studenten-Raufereien waren die "Kardinälchen" immer im Nachteil, da sie schon aus großer Entfernung aufgrund der roten Talare gut zu erkennen waren und deher in der Regel die Ersten waren, die an den Ohren zu ihren Rektoren geführt wurden.

Heute ist das Kolleg kirchliche Ausbildungs- und Begegnungsstätte von Theologiestudenten und Priestern aus den Ländern des östlichen und westlichen Mitteleuropa.

Saturday, April 12, 2008

Worte des Ewigen Lebens

Evangelium nach Johannes 6,60-69:
    Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?

    Jesus erkannte, daß seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.

    Jesus wußte nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

    Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

    Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?

    Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Zu meinen Lieblingsstellen in den Evangelien gehören die Petrus-Auftritte. Der Menschenfischer, der nie so recht das Maß zu finden scheint und bein genauren Hinsehen die Extreme doch erst dann wählt, wenn sie ein "Mehr" an Jesus versprechen ("Dann, Herr, nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das Haupt"). Der Fels, der Christus dreimal die Liebe zusagt und ihn dreimal verleugnet. Der Apostelfürst, der aus Eifer den Heiland nicht seinen Weg gehen lassen will und sich dafür gar ein "Weiche von mir, Satan!" einfängt. Ihr seht, Papstkritik ist so alt wie das Papsttum ☺. Und sie kam schon aus bedeutenderem Munde als das moderne Durchschnittsgejammere.

Im heutigen Evangelium begegnen wir Petrus, dem Durchblicker. Wie schon bei Matthäus in der Gegend von Cäsarea Philippi ("Du bist Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes") weiß Petrus auch im Johannes-Evangelium, was Sache ist: "Du hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes".

Christus wußte , was er tat, als er sein Vermächtnis in Menschenhand gab. Und es ist natürlich kein Zufall, daß derjenige, der ihn so innig liebte und ihn doch so schmählich verleugnete Ihn als Sohn des Lebendigen Gottes identifiziert, der Worte des ewigen Lebens hat. In Petrus finden wir, was die Kirche ist. Sie, der mystische Leib unseres Herrn und die Gemeinschaft aller Gläubigen, liebt Christus. Und dennoch kann sie es nicht in Perfektion tun, denn wenn auch die Kirche als Kirche unantastbar und heilig ist, so ist sie in ihren Gliedern doch sündhaft und menschlich. Und dennoch sagte Christus zu Simon: "Tu es Petrus!".

Und ich denke es jedes Mal staunend, wenn ich Benedikt XVI sehe: 'Tu es Petrus! Auch zweitausend Jahre später noch!'

Thursday, April 10, 2008

Aus dem "Daily Record" vom 8. April

[Übersetzung meine]
    Eine Nonne rettete einen brennenden Mann, indem sie sich auf ihn warf und die Flammen mit ihrem Habit erstickte. Die tapfere Schwester Donatella Ciucciumei, 51, sah, wie ein älterer Herr sich auf einer Straße in San Severino Marche mit Petroleum übergoß. Sie rannte auf den 71-jährigen zu, als er ein brennendes Streichholz an seinen Körper hielt. Als er von den Flammen verschluckt wurde, warf sie sich auf ihn, breitete ihren Habit aus und erstickte die Flammen. Die Nonne ist unverletzt. Der Mann erholt sich von Verbrennungen zweiten Grades. Schwester Donatella besucht ihn nun regelmäßig und bietet Rat und Hilfe. Die Polizei sagt, der Mann sei deprimiert gewesen, weil seine Frau ihn verlassen habe.
Was sagt uns dies? Die gute Schwester Donatella ist wahrscheinlich ein eher traditionsbewußtes Exemplar, denn mit einem modernen Nonnen-Habit hätte sie wohl kaum eine Kerze auslöschen können. Zudem hätte beim Rettungsversuch das in Flammen aufgehende Polyester Nonne und Mann zu einem bizarren Haufen verschmolzen.

Liebe Schwestern: Immer genügend unkünstliche Faser am Leib tragen! Potenzielle Brandopfer danken es Euch!

Wednesday, April 09, 2008

Hab' ich mir zu Ostern geschenkt

Mainstream war das dritte Album, daß Lloyd Cole and the Commotions aufnamhen. Es war auch der letzte Longplayer, den der Meister mit seiner Band aufnahm, bevor er Solo-Pfade einschlug. Das Debut-Album der Commotions ist wahrscheinlich das bei Kritikern Beliebtere. Ich stelle hier trotzdem das 87'er-Werk Mainstream vor, weil es stellenweise Populärmusik in Perfektion bietet.

Der Opener My Bag klingt zuerst so gar nicht nach Lloyd Cole. Der Gesang kommt beinahe rappig daher, die Gitarren in der Strophe werden durch ein langes Attack in den Song förmlich hineingesaugt, während im Hintergrund eine semi-funkige Basslinie mit monotonem "Bumm-Klatsch"-Schlagzeug den Rhytmus liefert. Im Chorus wird's etwas poppiger und es tauchen schubiduende Background-Vocals auf. Der zweite Track From the Hip startet als sanfter Pop mit sphärischen Keyboards und knappem Saitengezupfe, bevor er einen schönen Mitsing-Chorus mündet. 29 läßt zum ersten Mal so richtig aufhorchen. Zur Lap-Steel-Guitar und rhytmischen Keyboardeffekten grübelt Lloyd über das Älterwerden nach. Der Refrain ist klassischer Slow-Rock mit Piano und allem, aber sehr fein umgesetzt und mit hohem Wiedererkennungswert. Besonders stark ist auf diesem Song das kurze Gitarrensolo, welches ein zarter Dialog zwischen Akkustik und Steel ist. Der Titelsong Mainstream ist ebenfalls ein ruhiges Stück mit Bongos, Akkustikklampfe, Harmonika-Keyboards und pulvertrockenem Anti-Yuppie-Humor a la "Fifteen years a big shot in a one-horse-town, riding the elevator shafts with your hip flask and your sun-bed tan". Am Ende wird der Song leicht aufgedreht und kurz episch ausgewalzt. Mit Jennifer she said folgt dann ein im Grunde perfekter Popsong, der von der ersten kurzen Gitarren-Strophe über den Mitsing- und Mitswing-Chorus bis zum sich für immer und ewig in die Gehörgänge grabenden "Bap-badah-dadadah" am Ende einer gnadenlos unspektakulären Pop-Logik folgt und trotzdem nicht nur groß ist, sondern uns auch einen der Gründe dafür liefert, warum einige unserer besten und lebenslangen Freunde drei Minuten lang sind. Track Nummer sechs, Mister Malcontent, startet mit wunderbarem, arpeggio-artigem Keyboard-Geblubber und Rockorgel, weitet sich dann mit umpfigem Bass und stampfenden Drums zu einem schicken Ohrwurm und endet in einer fetten, fast zweiminütigen Gitarrenschlacht, die irgendwie an Simple Minds während ihrer "Zwischen Indie-Rock und Stadium-Pop"-Phase erinnert. Dann wird's noch eine Nummer größer: Der Sean Penn Blues bringt neben brüllend komischen Lyrics ("Mr. Madonna kicks some beat poetry" oder "Fat hacks New York Times food columnists want to review my soup") ultraflotten Gitarrenpop mit einer astreinen Hookline in der Bridge und einer Harmonika, die den Chorus - besonders im Instrumental-Outro - von "nicht übel" gleich mal auf "Hall of Fame" liftet. Superhit! Auf Big Snake wird dann zwei Gänge zurückgeschaltet. Zu einer herrlich abgemumpften Trompete, klasse abgemischten Gitarren, xylophonesquen Keyboards und spärlichen Drums wird eine richtig starke Atmosphäre aufgebaut. Warmer Sommerregen, Hafenbeleuchtung, Schatten von Handelsschiffen, Rauch und Parfüm werden nicht nur besungen, sondern beinahe zum Leben erweckt. Hey Rusty, der vorletzte Track, zeigt uns Lloyd Cole noch einmal von seiner britpopigsten Seite. Der glasklar und kantenlos produzierte Song baut sich in den Strophen gut auf und nimmt den Hörer dann im Refrain mit einer unschuldigen Harmoniefolge und schönem Perkussionsgerumpel im Hintergrund für sich ein. These Days ist eine Art Gutenachtlied, was ja beim letzten Stück einer Platte kein Nachteil sein muß. In ihre Einzelteile zerlegte Zupf-Akkorde, eine schöne Synthie-Melodie und ruhige Vocals laden zum sanften Schlummer ein.

Lloyd Cole and the Commotions, Mainstream = 80er-Pop vom Allerallerfeinsten!

Die Neuen!

Jetzt gibt's also seit einem Monat einen Katalog von "Sieben Neuen Todsünden". Sollte man zumindest denken, wenn man sieht, wie die internationale Presse und die Internet-Foren und -Blogs auf das Interview von Bischof Girotti, Kopf der Apostolischen Pönitentiarie, im Osservatore Romano reagieren.

Daß es keine neuen, vom Vatikan offiziell veröffentlicheten, sieben neuen Todsünden gibt wird schon dann ersichtlich, wenn man sich die verschiedenen im Internet und in Zeitschriften auftauchenden Listen anschaut. Da ist mal von "Prostitution", mal von "Abtreibung" die Rede. Das "Erzeugen von Armut durch Ansammlung von übermäßigen Reichtum" ist mal eine Sünde, mal ist es in zwei aufgeteilt. "Moralisch fragwürdige Experimente" ist ein Punkt, den ich bisher nur in einer englischen Übersetzung fand, in welcher dafür der "Kindesmißbrauch" fehlte. Mal ist der "Gebrauch von Drogen" eine Todsünde, mal der "Mißbrauch von Drogen" etc...

Bischof Girotti hat in dem Interview nicht jeden Punkt erschöpfend erklärt, so daß nun natürlich die üblichen Verdächtigen Gewehr bei Fuß stehen und dem Vatikan vorwerfen, er fände den Hunger in der Welt ganz spitzenmäßg, da er sich gegen "Genmanipulation" ausspricht. Das ist Kirchenkritik auf dem Level von "Pius der Zwölfte war Antisemit, weil der Vatikan nur 500.000 Juden half und nicht allen". Und genau deswegen ist es so gefährlich. Denn den nur zur Hälfte gebildeten aber zur Gänze in die bunte Welt der Sünden eingetauchten Individuen der Neuzeit ist jede Fehlinformation oder Halbwahrheit oder blanke Lüge über die Kirche recht, so lange sie nach politisch korrekter Moralkeule klingt und deswegen kein genaueres Hinschauen oder Nachdenken erfordert.

Da hat der gute Bischof der Kirche keinen großen Dienst erwiesen. Lieber hätte er einfach noch mal auf die seit dem 6. Jahrhundert bestehenden sieben Todsünden hinweisen sollen. Denn Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Faulheit haben weder ihren Reiz noch ihre Gefährlichkeit verloren.

Monday, April 07, 2008

Raus aus dem Museum...

... und dran an den Heiligen Vater!

Papst Benedikt XVI hat in dieser Osteroktav die weiße Mozzetta getragen, welche zuletzt an Paul VI gesichtet wurde!

Sorry wegen der Watermarks, aber ich habe kein anderes Bild gefunden.

Ein ganz besonderer Ritus...

... wird jährlich am Mittwoch der Karwoche in Quito gefeiert: An diesem Tag zelebrieren der Erzbischof und die Kanoniker der Kathedrale dieser Stadt die "arrastre de caudas", was soviel heißt wie "Hinterherschleifen der Schleppen" oder so. Es ist ein sehr alter Ritus, der aus dem Römischen Reich stammt. Im Kampf gefallene römische Soldaten wurden mit einer großen schwarzen Flagge bedeckt. Diese wurde dann an den Überlebenden vorbeigetragen, damit das Mojo des Verstorbenen sich auf die Kämpfer überträgt.

Die Kirche hat dies in einen Ritus transformiert, in welchem die vom Erzbischof getragene, riesige schwarze Flagge den Tod symbolisiert. Der Aberglaube besagte dann auch, daß man in den kommenden zwölf Monaten sterben wird, wenn einen die Flagge berührt. Das Besondere an dieser Zeremonie sind die langen schwarzen Schleppen, die die Kanoniker auf dem Weg zum Chor hinter sich herschleifen und die so auch dem Ritus den Namen geben. Im Chor legen die Herren sich dann auf dem Boden und der Erzbischof schwenkt die Flagge, als Erinnerung daran, daß Christus für uns am Kreuz starb.

Wer das Ganze im bewegten Bild sehen möchte, der kann diesem Link zu einer spanischsprachigen Seite folgen und sich ein Filmchen anschauen.



Sowas kriegen halt nur wir Katholen hin, oder?

Wieder in Rom!

Liebe Leser!

Das Fest und die Oktav sind zwar vorbei, aber wir befinden uns ja immer noch in der Osterzeit, daher ein verspätetes aber herzliches "Frohe Ostern!" und "Christus ist auferstanden!"


Warum melde ich mich eine Woche später als geplant? Der Zahn mußte raus - und zwar mit allem. Ich wachte am Morgen des Weißen Sonntags auf, sah in den Spiegel und dachte "Boah! Bin ich fett geworden!" Dann sah ich, daß nur eine Wange hamsterdick war und wußte Bescheid. Die Zahnärztin hat dann beim Panik-Termin am Montagmorgen die Krone abgebrochen und meinte "Och, da ist ja Karies drunter! Kein Wunder, daß das weh tut!" Und weg war der Zahn. Ich habe also noch eine Woche Wundheilungsurlaub im Stift verbracht und bin gestern spät wieder in Rom eingetroffen.

Klosterneubrug war natürlich wie immer ganz großartig. Wir hatten nette Ostergäste und noch nettere Osterliturgie. Am schönsten war natürlich das Wiedersehen mit meinen Mitbrüdern und dem Stift. Jetzt werde ich in den nächsten vier Wochen versuchen, mich hier in Rom anständig auf den 8. Mai vorzubereiten. Denn dann bin ich wieder im Stift und es wird über meine ewige Profess abgestimmt. Das ist quasi so, als fragt Ihr Eure(n) Zukünftige(n): "Willst Du mich heiraten?" Dem Hernn Alipius wohlgesinnte Leser dürfen also gerne am Morgen des 8. Mai mal die Hände falten. Vergelt's Gott!

Wednesday, March 19, 2008

Juten Tach!

Ich bin am Samstag (mit Gepäck!) im Stift ein getroffen.

Genau zur rechten Zeit: Im Hofe unseres Kreuzgangs wird grade der Betonboden entfernt, was bedeutet, daß von 8:00 bis 16:00 eine Steinsäge gar lieblich tönt. Ist mir aber egal. Ich bin zu Hause, also geht's mir gut.

Da ist auch die Nachricht zu verkraften, daß unter einer meiner alten Kronen grade ein Zahn abstirbt und ich nächte Woche wohl eine Wurzelbehandlung über mich ergehen lassen darf. Freu!

Die Mitbrüder sind alle wohlauf. Wir haben uns schon innerlich auf den traditionellen Gästeansturm zu Ostern vorbereitet und tanken jetzt Kraft für den am Donnerstagabend mit einem Pontifikalamt startenden Liturgie-Marathon.

Heute hat es in Klosterneuburg doch tatsächlich ein kleines bißchen geschneit. Meinte eine Omi, die in der Reinigung neben mir stand: "Und nach Ostern kommt dann direkt die Hitzewelle. Früher gab's bei uns noch Frühling und Herbst. Wo sind die nur hin?" Darauf die Reinigungskraft mit Kennermiene: "Global Warning!" Ich dacht' mir so: 'Wenn's wirklich eine weltweite Warnung wär, hätt vielleich schon mal jemand drauf gehört...' Aber andererseits ist ja jetzt der "Global Warming Swindle" ganz hip, und es ist mal wieder alles ganz anders als Al Gore es noch 2006 beschwor. Wir werden sehen.

Befürchtung: Sollte "Global Warming" eines Tages als unwiderlegbare Tatsache feststehen, wird's trotzdem nichts nützen. Was? Die Verantwortlichen werden etwas unternehmen, weil es ja schließlich die ganze Welt betrifft und damit auch sie selbst? Ja, klar, so wie bei den Atombomben, gelle? Machen wir uns nichts vor: So lange auf der Box 'Profit!', 'Erhöhung des Selbstwertgefühls!' oder 'Sex!' draufsteht, wird sie geöffnet, auch wenn aus dem Inneren deutlich das Zischeln der Schlangen und das Kichern der Medusa zu hören ist.

Palmsonntag 2008

Papa macht's vor und die Kardinäle ziehen langsam nach. Die Kirche wird maskuliner:

Das weibische und feige Geheul à la "Hach, ich will aber keine Spitze tragen, sonst nennt mich am Ende ein moderner und aufgeklärter Journalist oder Blogger noch 'tuntig'..." scheint abzuebben.


Man beachte auch den neuen Hirtenstab des Heiligen Vaters. Ich zumindest werden den Alten nicht vermissen.

Saturday, March 15, 2008

Kurze Pause!

Gleich geht's ab ins Stift, also gibt es die übliche "am römsten"-Pause. Ich werde versuchen, nächste Woche einen kleinen Ostergruß und ein kurzes "Servus" aus Österreich zu posten. Normalbetrieb herrscht wieder ab Anfang April.

Einstweilen alles Gute,
Alipius

Friday, March 14, 2008

Alles gelogen?

Harki hat in seinem Tagschattenbuch das hier zu denken gegeben:
    Ihr lieben Beter, Ihr irrt Euch.

    Es gibt keine Gottesmutter, es gibt keine Heiligen. Ihr betet zu Hirngespinsten – und Ihr wißt das auch. Ihr habt – sozial arrondiert und satt – Euer sympathisches Refugium gefunden. Gut. Aber Ihr wißt letztlich, daß es auf Trug und auf einem gewissen Arragement mit Euch selbst beruht.

    Ich wißt vor allem und ganz selbstverständlich, daß niemand der Erlösung bedarf. Wovon denn? Die Taten der Menschen verdienen weder den Himmel noch die Hölle. Daß das Erbsündengerede Unfug ist, wißt Ihr selbstverständlich auch.

    Ich finde den Katholizismus sehr überzeugend, was mich aber stört, ist, daß man tatsächlich so tun muß, als hielte man diese ganze Legendmär vom Dreifaltigen Gott doch irgendwie für wahr. Daß man sich einreden muß, Jesus sei für uns gestorben, was er natürlich nicht ist. Natürlich wurde er von einer Jungfrau geboren, natürlich ist er auferstanden. Nur „für uns“ gestorben, das ist er eben nicht. Warum denn? Weshalb?

    Man muß sich bemüht und eifrig und gläubig geben, und das macht man eben nicht. Warum kann man nicht einfach bei den Riten mitmachen, und gut ist’s?
Ich fühle mich irgendwie zur Stellungnahme aufgefordert und hingerissen.

Ich habe das Tagschattenbuch heute zum ersten Mal besucht (Danke für den Tip, Scipio!) und habe absichtlich keine weiteren Einträge in Harkis Blog gelesen, weil ich vorläufig das Thema so behandlen möchte, wie ich es auffand.


Also ran an den Speck:

Phänomenologisch finde ich das Ganze nicht haltbar: Die gläubigen und regelmäßig praktizierenden Katholiken, die ich kenne, lassen in ihren Gesten, in der Art, wie sie ihre katholisches Leben leben und im Reden über ihren Glauben eine Überzeugung durchschimmern, die der eines Gelsenkirchener Fußball-Anhängers in nichts nachsteht. Würdest Du (Hi, Harki!) dem Fan eines südamerikanischen Clubs ins Gesicht sagen, er wüßte, daß sein Verein nicht existiert, nur weil Du von diesem Verein zwar schon gehört, aber noch keine tiefgreifenden persönlichen Erfahrungen mit ihm gemacht hast? Warum also behauptest Du, Katholiken wüßten, daß es keine Gottesmutter und keine Heiligen gibt? Weil Deine empirische Basis einen solchen Schluß zuläßt ("Von 1000 befragten Katholiken gestanden 763 heimlich und unter vorgehaltener Hand, sie wüßten, daß Maria und die Heiligen nicht existieren"), oder weil Du sie nur vom Hörensagen kennst?

Ich weiß nicht, ob Du häufig katholische Messen besuchst. Immerhin ist Dir das Phänomen der sozial arrondierten und satten Katholiken bekannt. Aber wie äußert sich für Dich dieses Phänomen? Hast Du andere Menschen darüber berichten hören? Hast Du es selbst erlebt? Wenn ja, was verleitete Dich zu dem Schluß? Ein Gähnen während der Wandlung? Nasenbohren während der Predigt? Eine generell uninspirierte Haltung? Angenommen, diese Äußerlichkeiten verdienen die Etiketten "Sozial Arrondiert" und "Satt": Sind sie schon Beweis dafür, daß die betreffenden Personen wissen, daß es weder eine Gottesmutter noch Heilige gibt?

Es scheint Dir ja primär um die Erlösungsfrage, um die Erbsünde und um das "für uns gestorben" zu gehen und im Kielwasser dieser Fragen um das Gebet. Vielleicht empfindest Du das Gebet als Demütigung, vielleicht als überflüssig ("Eine barmherzige Gottesmutter soll gefälligst, auch wenn ich nicht bete, für mich bei ihrem Sohn in die Bresche springen"). Ziel des Gebetes ist es allerdings nicht, Maria oder Gott in dem Sinne zu ändern, daß sie Dir plötzlich gewogen sind. Ziel des Gebetes ist, in Dir selbst die Änderung zu bewirken, die es letztendlich ermöglicht, daß Du die von Gott Dir ununterbrochen angebotene Gnade empfängst. Es ist wahr: Das Gebet reißt eine weite Lücke in die Mauer, die uns von Gott trennt. Aber nicht, damit Gott dann durch diese Lücke Dir die Brathähnchen in den Mund fliegen lassen kann, sondern damit Du in einem Akt des Glaubens hinlangst und dankend die Gande aufnimmst. Du kannst Gott nicht auf der Ebene der Gefühle berühren. Gefühle gelten in letzter Instanz immer objektiven materiellen Realitäten, zu denen Gott nicht zählt. Auch auf Verstandesebene läßt Gott sich nicht antasten, denn unser Intellekt berührt nur die Ideen, die Konzepte, die wir von Gott haben. Es bedarf der göttlichen Tugend des Glaubens, um mit Gott so in Kontakt zu treten, daß danach auch die Hoffnung von negativen Indikationen gereinigt und die Liebe in die rechten Kanäle gelenkt wird.

Naja, das waren meine fünf Pfennig an Weisheit.

Eine 80'er-Perle

Simple Minds
Empires and Dance

Komisch. Es gibt keine Band, die ich so heiß und inning liebte und dann doch so schnell fallen ließ wie die Simple Minds. Und zwar nicht, weil sie mir nach dem Umzug von den Club-Bühnen in die Stadien zu kommerziell waren, sondern weil ich einfach mit dem Post-Sparkle in the Rain-Zeugs nichts mehr anfangen konnte.

Andererseits habe ich (außer bei The Smiths und natürlich And also the Trees) bei keiner anderen Band solche Schwierigkeiten, mich für ein Lieblingsalbum zu entscheiden.

Die Geschichte: Aufmerksam wurde ich auf die Schotten, als ich 1983 Someone, Somewhere in Summertime im Radio hörte. Das war Mucke, die meinen damals noch an braven Syntie-Pop gewöhnten Ohren keine großen Probleme bereitete. Ich hetzte dann auch gleich los und legte mir New Gold Dream zu. Viele Fans halten dieses Album für das Meisterwerk der Simple Minds. Wahrscheinlich ist es das auch. Es hat nur einen Nachteil: Es verspricht uns mit seinem Mix aus glückseligem Pop und tranciger Avantgarde eine Zukunft des Pop, die leider nie stattgefunden hat. Und ich muß ganz ehrlich sagen, daß die Lieder auf dem Album auch für mich damals 15-jährigen Pimpf trotz ihrer Eingängigkeit eine Nummer zu groß waren. Gefallen haben mir die Songs von Anfang an, aber so richtig zu würdigen lernte ich das Album erst Jahre später.

Circa ein Jahr nach New Gold Dream habe ich mir dann Empires and Dance zugelegt. Hoppla! War das die gleiche Band? Paranoia und Angst in den Texten, fiebriges Pulsieren, spannungsgeladene Monotonie und krautrockiges "mir doch egal, ob das ein Hit wird"-Gebastele in der Musik.

Es fanden in den folgenden Jahren noch Sons and Fascinations, Sister Feelings Call, Real to Real Cacophony uns Sparkle in the Rain ihren Weg in meine Plattensammlung. Und zwischen den sechs genannten Alben schwankte meine Gunst immer hin und her. Ich habe mich dann endlich doch für Empires and Dance entschieden, weil es das SM-Album ist, das ich auch heute noch am häufigsten abstaube und einlege.

Die Musik: I Travel war die erste Single des Albums. Es ist eine energiegeladene New-Wave Nummer mit kräftigen Keyboards, stampfendem Beat und recht eigenwilliger Gitarre. In den 80ies-Wave Discos war der Tune lange Zeit eine amtliche Tanz-Hymne. Textlich geht es um die politische und sprachliche Probleme, der frühen 80er. Der zweite Song, Today I died again, verbreitet mit seinem flirrenden Klagen, seinen leich arabisch angehauchten Keyboards, seinen trockene Drums, und den Vocals mit viel Attack-Zeit eine gespenstische Wüstensand-Atmosphäre. Celebrate ist die zweite Single-Auskopplung. Ein monotoner Rhythmus, unterstützt von Händeklatschen und einer Art Keyboard-Metronom mit ein paar kleinen Effekten und Charlie Burchill's unnachahmlichen Gitarren-Einstreuungen. Dazu singt Jim Kerr von Uniformen, Soldaten und formlosen Negativen. Ohne es direkt anzusprechen, scheint Kerr sich hier und auch auf Today I died again mit Faschismus zu beschäftigten. Ein "Bing" eröffnet dann den rätselhaften Siebenminüter This Fear of Gods. Ein Keyboard-Arpeggio bietet die Basis für eine gut swingende Drum und Bass-Kooperation, elektronische Tupfer, nöglige Feedbacks, leich weggefadete, hallende Vocals und eigenartige Sätze. Capital City startet mit einer Art Clockwork-Bass und gibt dann den Weg frei zu einem schleppenden Groove, klimpernden Gitarren und einem Chorus mit einer simplen, aber schön greifenden Keyboard-Melodie. Dann kommen zwei ganz wilde Tracks: Constantinople Line treibt das Konzept des aus Drums, Bass und Elektrotupfern generierten Rhythmus auf die Spitze. Hier ist speziell der Bass sehr eindringlich. Twist/Run/Repulsion ist ein zittriges, klappriges Durcheinander aus Instrumenten-Fetzen, Stimm-Samples und einer Französin, die Nabakov liest. Dahinter tobt eine geschmeidige Bass-Line, die hin und wieder mal vor einem quietischen Bläser-Akkord haltmacht. Der Gesang passt mit seiner klaustrophoben Monotonie zu der im Text angesprochen Abscheu. 30 Frames a Second ist ein dreckiges Tanzstück mit einer sirenigen Keyboardmelodie, die von einem messerscharfen Bass, pulsigen Electronics und einem stampfenden Beat getragen wird. Der Song erzählt eine wilde "Ich gucke auf mein Leben zurück"-Geschichte, die nicht wirklich versöhnlich daherkommt. Auf dem Instrumental-Stückchen Kant-Kino kann man dann durchatmen. Elektronische Effekte und ein kräftiger Keyboard-Track untermalt von einer sachte durchsickernden, rhythmischen Gitarre. Der letzte Song, Room ist mit seinen Synth-Bass-Tupfern, den Percussions, den distanzierten Gitarren und der eingängigen Gesangsmelodie ein entspannter und beruhigender Ausklang.

Wer die New-Wave/Post-Punk-Jahre der frühen Achtziger mag, sollte sich dieses Album keinesfalls entgehen lassen!

Thursday, March 13, 2008

Erzbischof Rahho ist tot

Näheres im Spiegel und vielen anderen Online-Magazinen.

Im Irak wird nun ein Massen-Exodus der Christen befürchtet (bzw. von anderer Seite natürlich erhofft..., oder vielleicht auch befürchtet: Töten ist ja schließlich schön, identitätssitftend und lebensfüllend).

Ich bete für den Erzbischof und für alle, die auf die Falschheit ihrer Wege ohne die Gnade Gottes nicht aufmerksam werden. Könnten sie doch einmal erleben, wie erlösend es ist, in persönlicher Beziehung zu einem vergebenden Gott zu stehen.

Wednesday, March 12, 2008

Gefriereichhörnchenattackenwarnung!


Das geschah zwar schon 1991, aber man kann die Öffentlichkeit einfach nicht oft genug vor den Gefahren warnen...

Vögel

Die in Rom vorherrschenden Vogelarten sind Möwen, Krähen, Tauben und Spatzen (sicher gibt's auch haufenweise andere, aber die hört man eher, als daß man sie sieht).

Die Möwen sind angeblich ziemliche Neuerscheinungen in Rom und halten sich nur in der Stadt auf, weil sie dem Dreck im Tiber bis hierher gefolgt sind und Rom wohl ganz wohnlich fanden. Mit ihnen gibt es am wenigsten Kontakt. Sie fliegen immer weit über meinem Kopf herum oder sitzen faul am und im Tiber. Ganz selten steht mal eine Möwe irgendwo auf einem Kamin. Weil Möwen ganz offenbar entweder nachtaktiv sind oder nur schlafen können, wenn um sie herum alles mucksmäuschenstill ist (was natürlich in Rom nie der Fall ist), wird vorzugsweise nachts zwischen 2:00 und 3:00 hin und wieder mal ein Lachkonzert einberufen, was bei mir so ein leichtes Aderschwellen verursacht. Unternehmen kann man dagegen natürlich nichts, weil die einen eh nur auslachen.

Die Krähen sind Schißhasen: Wenn irgendwo in Rom Krähen, Tauben und Spatzen gemeinsam den Boden entkrumen und ich mich nähere, sind es immer die Krähen, die sich sofort und als erste aus dem Staub machen. Die Spatzen gucken erst mal ein bißchen, verduften dann aber auch, wenn ich so bis auf fünf Meter heran bin. Die Tauben sind natürlich die ganz Coolen und treten mal höflich zur Seite, wenn ich komme. Warum ist das so? Haben die Krähen so viele schlechte erfahrungen mit Menschen gemacht, oder haben die Tauben einfach als erste gepeilt, daß die allerwenigsten Leute ein echtes Interesse am Vögelzertrampeln haben? Ich weiß, schon Cyprian von Karthago hat erkannt, daß Tauben sich gerne unter die Leute mischen. Es wundert mich aber trotzdem, daß die fünfmal so großen Krähen noch vor den kleinen Spatzen die Flucht ergreifen. Naja, wahrscheinlich sehen diese unreinen Viecher meinen Kollar...

Die Angelicum-Spatzen haben übrigens einen Kunstflugschein: Sie fliegen gerne mal mit Affenzahn durch die offenen aber vergitterten Fenster hinein, um in der Nähe der Cafeteria oder auch in Klassenzimmern herumzupicken. Komischerweise trauen sie sich bei solchen Aktionen viel näher an die Menschen heran, als draußen.

Vorgestern landete eine Taube auf meiner Fensterbank. Sie sah mich dann auch gleich hier sitzen (ca 1,5 Meter antfernt). Sie guckte, wackelte hin und her, gurrte mich kurz an und hob wieder ab. Ich könnte schwören, daß sie gegrinst hat. Wahrscheinlich war sie es, die neulich so treffsicher einen abgesetzt hat.

Monday, March 10, 2008

Ich bin ja eigentlich nicht so'n Mathematischer...

... und dann eigentlich auch wieder doch. Ich war halt in Mathe ab der Oberstufe immer ziemlich würdelos. Andererseits kann ich ganz gut mit Zahlen jonglieren und in der Regel Restaurantrechnungen mit ca 15 Positionen im Kopf schneller addieren als die Bediene auf dem Taschenrechner. Außerdem knoble ich manchmal gerne im Geiste an mathematischen Problemen herum.

Neulich saß ich so da und dachte mir, daß es doch bestimmt eine Formel gibt, mit der man die Summe aller Zahlen 1 bis x errechnen kann. Also wenn ich z. B. wissen will, was herauskommt, wenn ich alle Zahlen von 1 bis 10 addiere (55). Die Formel, die ich fand ist (x-1) • (x:2) + x. Ich erzähle das nicht, weil ich rumprotzen will oder weil es so weltbewegend ist, sondern weil ich in dem Moment, als ich die Formel fand, nicht stolz war, sondern eher ein bischen kindlich-glücklich. Und dieses Glücksgefühl führt mich zum eigentlichen Thema dieses Beitrags:


Andrew Wiles (Bild) und Pierre de Fermat

Der große fermatsche Satz (oder auch "großer Fermat") hat über 350 Jahre lang die Köpfe aller möglichen Mathematiker so richtig zum Dampfen gebracht. Irgendwann im 17. Jhdt. behauptete Pierre de Fermat, daß die Gleichung an + bn = cn für ganzzahlige a,b,c ungleich 0 und natürliche Zahlen n > 2 keine Lösung besitzt. Die Problemstellung versteht schon ein Kind, aber der Beweis schien unmöglich. Fermat behauptete zwar, einen Beweis zu haben, aber dieser wurde nie gefunden.

Andrew Wiles, geboren 1953, las als Zehnjähriger über dieses Problem und war sofort interessiert. Er beschloß, den großen Fermat zu knacken. Irgendwann während seiner Studien verlor er dann diese Arbeit aus den Augen, weil seine Nachforschungen keine anderen mathematischen Fragen aufwarfen, was in Fachkreisen als Anzeichen für ein schlechtes Mathe-Problem gilt. Dann stolperte Wiles über das Taniyama-Shimura-Theorem, wodurch er einen solch heftigen neuen Impuls bekam, daß er sich für sieben Jahre praktisch wegschloß und dann 1993 mit dem Beweis für den großen fermatschen Satz wieder auftauchte.

Vor einigen Jahren lief auf Arte eine Dokumentation über Wiles und den großen fermatschen Satz. Ich habe so ungefähr zehn Prozent von den mathematischen Inhalten verstanden, sah mir aber trotzdem die ganze Dokumentation an, weil die Suche nach der Lösung sich streckenweise wirklich wie ein Krimi ausmachte. Und irgendwann erzählt Wiles dann vor laufender Kamera von dem Tag, als er die Lösung fand. Und seine Stimme beginnt zu zittern. Und ihm tritt das Wasser in die Augen. Und er sagt: "It was so beautiful". Da hab ich selbst mal kurz geschnieft.

Faszinierend, wo und wie Träume wahr werden können. Noch faszinierender, wo überall sich Schönheit findet. Für Wiles war diese Kette von Zahlen wie für mich das Treppenhaus im Schloß Weißenstein. Ich habe nicht nur einen Mords-Respekt vor diesem Mann, sondern ich kann mir - wenn ich an meinen kleinen Freudenanfall denke, den ich nach der Lösung meines Mathe-"Problems" hatte - auch vorstellen, wie er vor Glück Rotz und Wasser geheult hat, als ihm bewußt wurde, daß er Fermat geknackt hatte.

Ich liebe solche Stories.

Nostalgie...

Ich mag den Roadrunner nicht. Er ist arrogant und kann nur schnell rennen und "Meep Meep" sagen.

Wile E. Coyote hingegen ist kreativ, allerdings vom Pech verfolgt (und manchmal auch ein wenig dämlich). Deswegen gilt ihm meine Sympathie.

Jetzt habe ich im Internet eine Seite gefunden, die die Herzen aller Warner-Cartoon-Fans höher schlagen lassen dürfte: The Original Illustrated Catalog Of ACME Products" ist zwar in englischer Sprache geschrieben, bietet aber von Anti-Alptraum-Maschinen über Erdbeben-Pillen bis hin zu Instant-Girls jedes durchgedrehte Produkt, welches der Coyote, Bugs Bunny oder auch Duffy Duck jemals ausprobierten.

Schaut Euch mal um!

Thursday, March 06, 2008

Atheismus Reloaded

Ich habe heute im Internet ein paar Daten fürs Studium gesucht. Ich stieß dabei in einem Weblog auf eine etwas dämliche atheistische Karikatur. Weblogs haben in der Regel lange Link-Listen. Einige Kommentare zu der Karikatur verleiteten mich, andere Seiten zu besuchen, von denen ich wieder durch Verlinkung auf andere Seiten kam. Nach wenigen Minuten steckte ich bis zum Hals in einem Sumpf aus Atheismus, Antiklerikalismus, Antikatholizismus etc.

Als kleine Nebenbei-Bemerkung muß ich erst einmal dieses loswerden: Ich kann immer besser verstehen, warum Christen das Internet mit Skepsis betrachten. Das blödeste Argument hier ist das der "Selbsterhöhung". Ich las neulich irgendwo, man solle als guter christlicher Bub oder als anständiges christliches Mädel ja nur kein Blog unterhalten. Denn dann lesen Leute die Artikel, reagieren darauf und geben einem das Gefühl, wichtig zu sein. HÄ? Sind das die nächsten Generationen von Katholiken, die wir uns wünschen? Technologiefremde, weggeschlossene, verschüchterte "Ich bin nix, ich kann nix, gebt mir einen Rosenkranz"-Duckmäuser, die sich lieber von der homeschoolenden Mom die Windeln wechseln lassen, als im immer wichtiger werdenden Medium Internet mal für den Herrn die Tastatur glühen zu lassen? Das kann's ja wohl nicht sein! Im Gegenteil! Scheucht die Lütten an die Computer, aber erst nach anständiger Katechese und fachmännischer Einführung in das Konzept von Sünde und Vergebung. Da sind natürlich Eltern und Klerus gefordert, weswegen das "Selbsterhöhungs"-Argument ein wenig so klingt, als wolle man sich hier aus der Verantwortung schleichen: "He, machen wir den Kleinen das Internet doch einfach madig, dann müssen wir keine solide katholische Arbeit leisten, bevor sie zum ersten Mal online gehen!"

Verständlich wird die Skepsis vor dem Internet, wenn man sich das vorherrschende Level von Kirchen- und Religionskritik anschaut. Das wird in der Regel einfach plump geklotzt. Logische Fehler bis zum Steinerweichen, am liebsten immer noch die ignoratio elenchi. Dies nicht aus Kalkül ("Erkennt heute eh kein Schwein mehr, hähähä!"), sondern weil diese Fehlleistung schon nicht mehr als Fehlleistung gilt. Da ist die Kirche dann schlecht, weil man irgendwo Fotos gesehen hat, auf denen Priester den faschistischen Gruß machen. Da ist das Christentum dann böse, weil Hexen verbrannt wurden. Da ist Religion dann direkt aus der Hölle importiert, weil Moslems sich und Andere in die Luft sprengen. Daß hier die Beispiele von religiös motivierter menschlicher Größe und Güte und das Teilhaben nicht-religiöser Menschen an allen nur erdenklichen Horror-Taten ebenso gut einen Schluß zugunsten von Kirche, Christentum und Religion oder zuungunsten von Atheismus oder Antiklerikalismus zulassen, wird verschwiegen. Dies ebenfalls nicht aus sauber reflektierter Bosheit, sondern aus purer Ignoranz. Und dann übertrumpft eine "Papst mit Hitlerbärtchen"-Karikatur die andere, die Aufgeklärten kraulen sich gegenseitig wohlig grunzend die Rücken und schaukeln sich ins Nirvana der Kirchen- und Gottlosigkeit. Klar, daß ich mich selbst da nicht wohlfühle und schon gar nicht will, daß meine Kinder auf dieses Niveau gezogen werden.

Aber zurück zum Atheismus und Antiklerikalismus: Erst einmal muß ich feststellen, daß das, was mit dem Aufkleber "Atheismus" daherkommt, in den meisten Fällen nur Kirchenkritik ist, diese wiederum in den meisten Fällen aus der untersten Schublade. Wenn ich mir die manchmal hilflos, selten kompetent, häufig stereotyp und immer motzig formulierten Beiträge so durchlese, dann stellt sich mir die Frage: Ist dieser Atheismus und Antiklerikalismus nicht nur eine Methode, eine Masche, ein Automatismus mit dem sich heutzutage grade junge und nicht eben erstklassig informierte Leute aus der Verantwortung ziehen wollen, indem sie sich selbst die Absolution erteilen? Machen sie nicht deswegen so ein Geschrei um Gott, weil sie endlich wollen, daß er totgeschwiegen wird? Und wollen sie ihn nicht deswegen totgeschwiegen wissen, weil er ihnen Antworten gibt, die zwar ihre Probleme lösen, aber gleichzeitig dafür auch Gegenleistungen fordert, von denen die unangenehmste sicherlich ist, sich erst einmal selbst nicht mehr als Gott zu betrachten? Es geht streng genommen ja gar nicht um die Fragen, ob Gott existiert. Es geht darum, ob ich mich in geziemendem und notwendigem Maße auf ihn einlassen will und kann. Wenn die Antwort auf diese Frage "nein" lautet, dann brauche ich einem allwissenden und allgewaltigen Schöpfer gegenüber schon eine mehr als gelungene Ausrede. Also wird der Ulk-Syllogismus
    Prämisse 1: "An der kirchlichen Botschaft könnte was dran sein."
    Prämisse 2: "Manche katholischen Geistlichen bauen Mist."
    Schlussfolgerung: "Gott existiert nicht."
aufgestellt.

Bei 99 Prozent der Atheisten liegt die Sache doch so: Ich kann mit einem Atheisten sechs Stunden lang über Gott und Nicht-Gott diskutieren. Am Ende werden wir beide dasitzen und wissen, daß es Gott gibt. Warum? Weil er uns die Fähigkeit gegeben hat, ihn zu kennen und zu erkennen.

Für einen "Atheisten" ist es eine Wahl. Für mich ist es eine Berufung.

Wednesday, March 05, 2008

Igitt!


Das ist die Wettervorhersage für heute und die nächsten beiden Tage in Rom. Da wundert's mich nicht, daß ich grade so halb-erkältet bin.

Tuesday, March 04, 2008

Das neue Bach-Bild

So ist Johann Sebastian Bach uns allen bekannt:



Bei Thomas im Abendland habe ich heute dieses Bild gefunden:

Wissenschaftler haben den Kopf des Komponisten am Computer rekonstruiert, wobei sie seine bereits 1894 ausgegrabenen Knochen zu Hilfe nahmen.

Jetzt war ich natürlich neugierig und wollte wissen, wie stark die Ähnlichkeit wirklich ist:

Naja... Haut schon irgendwie hin, oder? Es gibt mehr Stirnfalten und weniger Doppelkinn, dafür ist der Mund aber ganz stimmig.

Monday, March 03, 2008

Santa Cecilia in Trastevere


Dies ist eine meiner Lieblingskirchen in Rom. Sie wirkt vergleichsweise klein und flach, und ist - was den Barock-Overkill betrifft - irgendwie recht unspektakulär. Aber wenn zur Mittagszeit die Sonne durch die hochliegenden Fenster in den Raum fällt, dann gibt es in dieser Kirche ein Licht, wie ich es sonst nur aus Vierzehnheiligen kenne. Wunderschön!






In der Kirche findet man auch das sehr feine und malerische Grabmonument des Kardinals Mario Rampolla del Tindaro, Staatssekretär unter Leo XIII.

Kardinal Rampolla wurde nach Leos Tod im Grunde schon als dessen Nachfolger gehandelt, als Kaiser Josef I. von Österreich durch den Fürsterzbischof von Krakau, Kardinal Puzyna de Kosielsko, mitten im Konklave das sogenannte "Jus Exclusivae" geltend machte. Dies ist ein Veto-Recht welches außer dem Habsburg-Kaiser auch die Könige Frankreichs und Spaniens für sich beanspruchten. Die Kirche hat es natürlich nie offiziell anerkannt, wollte sich aber auch nie mit den katholischen Großmächten anlegen. Grund für den Einspruch war, daß Kardinal Rampolla für Josefs Geschmack eindeutig zu franzosenfreundlich war. Das kann man dem Kardinal kaum nachsehen, verdiente er sich doch - wie gesagt - unter Leo XIII die kirchendiplomatischen Sporen. Leo lag die Versöhnung der französischen Katholiken mit ihrer republikanischen Regierung sehr am Herzen.

Es wird auch erzählt, daß Josef persönliche Gründe hatte. Nach Kronprinz Rudolfs Mayerling-Selbstmord war es Rampolla, der - als päpstlicher Gesandter in Österreich - ein Begräbnis in geweihter Erde nicht zuließ. Und - schwupp - weg war die Tiara. Sie landete aber weich auf dem Heiligen Haupte von Guiseppe Kardinal Sarto, der als Pius X erst einmal offiziell alle Veto-"Rechte" bei Papstwahlen für nichtig erklärte und als bisher letzter heiliggesprochener Papst in die Geschichte einging.

Wenn das stimmt...

... dann gehört ihnen der erste Preis für öko-terroristische Dummheit:

In der Nähe von Seattle sind heute vier Multi-Millionen-Dollar Modellhäuser abgebrannt. Am Tatort wurde ein Bekennerbettlaken gefunden (siehe Foto), auf dem die "Earth Liberation Front" (ELF) sich verantwortlich erklärt.

Die ELF ist eine autonome Terrorgruppe, die durch Sabotage und "direkte Aktion" (wie ich diesen Baader-Meinhof-Slang liebe) Unternehmen ökonomisch schaden will, um so Umweltzerstörung unprofitabl zu machen. Die Elfen haben bereits mehrere Male durch Anschläge grade auf Luxus-Wohnprojekte von sich reden gemacht. Liest man die Bekennerschreiben, kommt man nicht umhin, an frustrierte Sozialneidler oder auch Revolutionäre der Marke "Freiheit für alle, außer wenn's mir nicht paßt" zu denken. Da ist von "reichem Abschaum" die Rede, von "Bunkern für die wohlhabende Elite" und natürlich vom "Ende des Kapitalismus".

Selbstverständlich ist es für die Erbauer trefflich, daß Häuser, die schon seit Monaten stehen, plötzlich während einer US-Hauskauf-Depression in Flammen aufgehen. Und ich bin sicher, daß auch in Richtung Versicherungsbetrug ermittelt werden wird.

Sollte aber wirklich die ELF dahinterstecken, dann hat die Öko-ban ja richtig gut nachgedacht. Schließlich vermittelt ja nichts die Aufforderung zum ökologisch bewußten Leben besser als riesige Wolken schwarzen Rauchs und Ströme feuerbekämpfender Chemikalien. Und wie läßt sich der Verschmutzung der Umwelt und der Verschwendung von Ressourcen besser Einhalt gebieten als durch Verschmutzung der Umwelt und Verschwendung der Ressourcen (denn die Häuser werden natürlich wieder aufgebaut)? Großartig!

Zwei der größten Schwächen einer wohlhabenden Gesellschaft sind Langeweile und Medienhurerei. Und diese Art von Öko-Anarchismus ist nichts weiter als eine Reaktion verwöhnter, dummer Blagen auf ihre eigene Langeweile in der Hoffnung auf 15 Minunten anonymen Ruhm. Es ist eine Schande, daß dadurch auch ernstzunehmende und vernünftige Umweltfreunde in ein schlechtes Licht geraten werden.

Sunday, March 02, 2008

Was sie damals so trieben... (Teil 3)

Hier noch einige Motive aus meiner im Internet zusammengerafften Kollektion von hübschen Werken der sogenannten "Genremalerei". Diesmal werden die Bilder ohne von mir erfundene Untertitel präsentiert, weil sie einfach so schön für sich sprechen.







Saturday, March 01, 2008

Betet für...

... Faraj Rahho, den chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mosul, der gestern von Islamisten entführt wurde.

Betet auch für alle Christen im Irak. 1987 waren es noch 1,4 Millionen. Heute sind es weniger als eine Million.

Der Zöllner

Das heutige Evangelium (Lk 18,9-14):
    Einigen, die sich für gerecht hielten und die anderen verachteten, trug er dieses Gleichnis vor:

    "Zwei Menschen gingen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich gerade hin und betete also bei sich: 'O Gott, ich danke dir, daß ich nicht so bin, wie die anderen Menschen: wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.'

    Der Zöllner aber blieb weit hinten stehen und wagte nicht einmal, die Augen zum Himmel zu erheben; er schlug an seine Brust und betete: 'Gott, sei mir Sünder gnädig!'

    Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
Dies ist für mich eine der ganz kniffligen Stellen in der Heiligen Schrift. Die Warnung, sich nicht selbst zu erhöhen, leuchtet natürlich ein, auch wenn es hin und wieder ziemlich verlockend ist. Ich kenne die Situationen, in denen ich mich mit einer "Puh! Zum Glück bin ich nicht so, wie..."-Attitüde erwische. Es geschieht nicht oft, und seit ich mich für das Ordensleben entschieden habe passiert es immer seltener. Aber es passiert. Und das ärgert mich. Es ärgert mich vor allem deswegen, weil ich auch die Zöllner-Nummer kenne. Ich knie oft genug da und bitte Gott, mit väterlicher Güte auf den kleinen Sündenbengel zu blicken.

Zwischen diesen beiden Polen muß ich nun ein Feld abstecken, in dem die Erkenntnis meiner Sündhaftigkeit nicht dazu führt, daß ich anderen, nicht weniger sündigen Menschen, nicht im rechten Augenblick die rechten Worte sage. Andererseits darf meine Bereitschaft zu brüderlicher Zurechtweisung natürlich auch nicht dazu führen, daß ich am Ende wieder dastehe und sage "Zum Glück bin ich nicht so, wie..."

Die Geschichte ist hochkompliziert, weil ich natürlich mit Konzepten daherkomme, die heutzutage immer weniger Menschen bewußt sind, die immer weniger Menschen interesieren und von denen immer mehr Menschen glauben, daß sie damit ja eh nichts zu tun haben.
    "Sünde? Ich doch nicht!"

    "Christus? Ach, irgendwie glauben wir doch alle an den gleichen Gott!"

    "Das Kreuz? Zu schwer!"

    "Beten? Als ob das hilft!"

    "Moral? Aber ich bin doch nett und tu keinem was!"
Hier einen Zugang zu finden ist schwierig. Auch hier besteht ein Spannungfeld. Es reicht von einer zu großen Laxheit meinerseits um des lieben Friedens willen bis zum "fundamentalistische Spaßbremse mit Katholiban-Gütesiegel"-Dolch, der mir hin und wieder zwischen die Rippen gedrückt wird.

Für mich ist die Frage daher, wie ich in einer Gesellschaft, in der die Entchristianisierung rapide voranwalzt, den Menschen noch grundlegende katholische Prinzipien vermitteln kann. Der offensichtlichste Punkt, an dem sich der Hebel ansetzen läßt, ist wohl die Freiheit. Womit ich gleich das nächste ausgehöhlte Konzept ins Spiel bringe. Dann fehlt nur noch die Liebe, und die Verwirrung ist komplett. Seufz. Wahrscheinlich ist der beste Ansatz in der Tat, meine eigene Sündhaftigkeit zu kennen, fleißig daran zu arbeiten ein etwas gottgefälligerer Mensch zu werden und gleichzeitig verbal immer wacker aber duldsam unter den Neo-Heiden zu wüten. Bei so vielen reifen Früchten muß es doch irgendwann eine reiche Ernte geben.