Tuesday, November 11, 2008

Heiliger des Tages

Warum ist der Heilige Martin von Tours für die Heiligengeschichte so interessant? Er war nach der Gottesmutter Maria und dem Apostel Johannes der erstre Heilige des Abendlandes, der nicht den Märtyrertod starb. Dadurch rückte zum ersten Mal die Tatsache ins Bewußtsein der Christen, daß Heiligkeit sich auch in einem ganz bestimmten Lebenswandel und in Werken ausdrücken kann. Dies war insofern nicht uninteressant, als daß Martin zeitlich ziemlich nah am Übergang der verfolgten Christensekte zur römischen Reichskirche starb. Somit wurde den Leuten eine Antwort auf die Frage geliefert, wie man denn nun ein heiligmäßig leben und vor allem sterben kann, wenn nirgendwo die Löwen mehr die Rachen aufreißen. Es galt fortan, sich an der Botschaft Christi zu orientieren und diese in Gedanken, Worten und Werken zu leben.

Wie der Heilige Martin dies tat, ist ja reichlich bekannt: Als er noch römischer Soldat in Armiens aber schon mit der Christslichen Botschaft in Berührung gekommen und von ihr überzeugt war, begegnete ihm an einem Wintertag ein unbekleideter Bettler. Martin teilte seinen weiten, teils fellgefütterten Überwurf, und gab die eine Hälfte dem Armen. In der Nacht erschien ihm im Traum Christus, bekleidet mit dem halben Umhang. Hier klingt es ganz schwer nach Matthäus: "Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet... Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Martin und der Bettler von El Greco


Der Brauch der Martinsgans leitet sich von einer Geschichte ab, die sich um seine Ernennung als Bischof von Tours rankt: Martin empfand das Amt als eine zu große Last und noch bevor man ihn zum Bischof ernennen konnte, machte er sich aus dem Staub und versteckte sich in einem Gänsestall. Durch das aufgeregte Geschnatter wurden die Leute aber bald auf den Ausgebüxten aufmerksam. Man holte ihn aus dem Versteck und nötigte ihm die Mitra auf. Eine etwas nüchternere Erklärung der "Martinsgans" beruft sich auf den Martinstag, der früher Hauptzinstag war. Das neue Wiretschaftsjahr der Bauern begann und man verzehrte unter anderem Das Vieh, welches man nicht den ganzen Winter hindurch füttern konnte. Dazu gehörten auch und vor allem die Gänse.

Martin wurde bald nach seinem Tod und seiner Heiligsprechung (Bischof Perpetuus von Tours nahm ihn Ende des 5. Jahrhunderts in den Festkalender auf) durch König Chlodwig I. zum Schutzherren der fränkischen Könige und ihres Volkes ernannt. Sein Mantel (lateinisch cappa) wurde als fränkische Reichsreliquie zu allen Feldzügen mitgeführt. Die Cappa wurde in kleinen Kirchenräumen aufbewahrt und von speziell abgestellten Geistlichen begleitet. Daraus leiteten sich die Namen Kapelle und Kapellan ab.

Martin war auch Gründer des Klosters Ligugé, welches nicht nur das erste Kloster Galliens war, sondern auch als erstes Kloster des Abendlandes gilt.

Der glorifizierte Martin von István Dorfmeister


Für mich bedeutete Sankt Martin früher immer rotwangiges Krähen im Laternenschein in der Hoffnung auf tötftes Naschwerk, haufenweise Erdnüsse und frische Äpfel. Ich habe wahnsinnig gerne Martinslaternen gebastelt, es aber nie zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Der Martinszug durch das Stadtviertel mit anschließender hochdramatischer Mantelteilung auf dem Schulhof war für mich immer einer der Höhepunkte des Jahres.

3 comments:

Mcp said...

Die Zeitung "Die Welt" beklagt heute auf der Titelseite das Aussterben der Martinsgans. Traditionen sterben leise. Schade drum.

Alipius said...

Also, in Österreich (zumindest in den Teilen, die ich kenne) wird immer noch fleißig geganserlt. In Rom dafür gar nicht oder nicht spürbar.

Martin said...

Ich finde die Martinsbräuche in Österreich alle sehr stimmungsvoll.
Die Kinder die ihre Martinsspiel aufführen, mit Laternen durch die Stassen marschieren und die Erwartung des Jungen Weins in Italien und Frankreich. Alles in allem ein versöhnlicher Heiliger.