Thursday, October 15, 2009

'68 unmaskiert: Herrschen/Dienen

"Das öffentliche Heil": Dies ist der Titel ("Le Salut Public") einer am 13. März 1848 erstmals in Lyon erschienenen Tageszeitung. Gleich in der Erstausgabe wird stolz Bestand aufgenommen [holprig aber sinngemäß aus dem Französischen]:
    Die Presse, plötzlich befreit von ihren Fesseln, die ihre Handlungsfreiheit einschränkten und ihren Aufschwung aufhielten, erlangt heute eine unerwartete Autorität und einen unerwarteten Einfluss. In den Ruinen, die sie geschaffen hat, alleine gelassen, übernimmt die Presse das Erbe der anderen drei Staatsgewalten, zu deren Zerstörung sie beigetragen hat."
Damit wir uns richtig verstehen: Pressefreiheit ist etwas Großes. Der Mißbrauch derselben aber gehört mit zu dem Schäbigsten, was ich mir denken kann. Denn in der Tat ist der Einfluß der Presse groß genug, um den - mit einem lachenden und einem weinenden Auge verliehen - Titel "Die Vierte Gewalt" zu rechtfertigen. Mißbrauch der Pressefreiheit bedeutet in den seltensten Fällen schamloses Flunkern. Es sind eher (und nicht selten) die einseitige Berichterstattung und das Hinweglassen von den Blick auf das Thema weitenden Tatsachen, welche dazu in der Lage sind (und daher auch dazu benutzt werden), Volkes Stimme einen bestimmten Klang zu verleihen. Natürlich findet der wache Leser hier in den diversen Berichterstattungen über die Katholische Kirche im Allgemeinen und vom päpstlichen Hofe im Besonderen beinahe unendlich viele Beispiele für schlamperten Journalismus. Das ist heute bereits ein Effekt des vor längerer Zeit angekurbelten Teufelskreises.

Über die Kirche gemotzt wuerde immer und dies häufig zurecht, gebe ich gerne zu. Problematisch wurde die Dynamik, als sowohl die Enzyklika Humanae Vitae als auch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils genau zu einer Zeit veröffentlicht wurden, als die breite Masse ihr neuestes Spielzeug - die ungehemmte und nicht eben auf Verantwortung schielende Sexualität - grade erst zu Gitarrenklang und Dope-Schwaden ausgepackt hatte. Also genau in dem Moment, als die Studentenbewegung virulent wurde, die langhaarigen Männer mit den kurzhaarigen Frauen Kommunen bildeten, um dort einer nicht näher definierten (aber auf jeden Fall neuen) Religiosität (und bald schon Frömmelei) des Leibes, des Ungehorsams und des trotz "Welt"-Anspruchs doch immer lokal begrenzten Friedens zu frönen, da knallte Papi mit der einen Hand ein Schreiben auf den Tisch, welches den Spaß am entblößten Nebeneinander gehörig zu vermiesen drohte, war aber gleichzeitig so nett, mit der anderen Hand ein paar Dokumente hinterherzuschieben, die bei gelungener Auslegung plötzlich gestatteten, das grassierende Hippietum bis ans Allerheiligste heranzuschieben. Und da ja ohenhin grade "Nö, mach' ich nicht" angesagt war, wurde Humanae Vitae ebensoschnell verworfen, wie die Konzilsbeschlüsse in einem Alles-muß-sich-ändern-Rausch grob fehlinterpretiert und mißverstanden wurden. Dies aber sicherlich nicht immer aus eigenem Antrieb, denn wer hat damals all diese Dokumente schon gelesen? Vorbild waren hier die von '68er-Geist infizierten Nonnen, Priester, Studenten und Theologen, deren Beitrag zum Niedergang des Katholizismus ich bereits hier einmal angedacht habe.

Welchen Anteil hat nun die Presse und was hat das alles mit Herrschen und Dienen zu tun? Nun, die Presse war damals (vergleichsweise) blitzschneller Verteiler und Multiplikator. Gemessen an der Komplexität der Dinge leuchtet es ein, daß nicht alles, was damals gedruckt wurde, auch diversen Prüfungen auf Wahrheit, Vollständigkeit oder gar Ernsthaftigkeit unterzogen wurde. Zugleich wurde damals von bürgerlicher Seite gegen den "Linken Pöbel", die "Langhaarigen", die "Gammler" oder die "Kommunisten" geschimpft. Es lag also eine Rolle parat, in die zu schlüpfen angesagt war, wollte man den direkten Weg hinaus aus dem Establishment und hinein in die Avantgarde beschreiten. Und da vermischten sich schnell diejenigen, die es mit dem Links- und Alternativ-Sein wirklich ernst meinten mit den Trittbrettfahrern, die halt nur mal ein wenig anders sein wollten als Papi und Mami, die damals wahrscheinlich eh dem Adolf zugejubelt hatten, also gab's als Bonus noch den moralischen Hochsitz und den Urteilsspruch aus dem gemachten Nest, welches mit Mühe für den Nachwuchs aus Ruinen wieder aufgebaut worden war von denen, über die nun gerichtet wurde. Und, klar, wenn eine Generation entscheidet, daß sie nun Legislative (Wir leben nach unseren eigenen Gesetzen), Jurisdiktion (Laut unserem Kanon seid ihr spießige Sexmuffel in staubigen Talaren...) und Exekutive (...daher entziehen wir uns Eurem Spiel und ihr habt an dem unseren keinen Anteil) ist, dann ist es nur zu leicht, daß die Presse sich als "Vierte Gewalt" stärker etablieren kann. Denn irgendwoher muß ja eine Richtungsvorgabe kommen. Also wurde die Kerbe, die man zu Beginn der '68er-Bewegung zaghaft geschlagen hatte, mit zunehmender Unterstützung im Volk munter weiter getrieben, was weitere Unterstützung einbrachte, was zu einer weiteren Ausweitung der Kerbe führte etc. Bald fraß man sich gegenseitig aus der Hand und der "bürgerliche" Widerstand war gebrochen, so daß - um nur ein Beispiel zu nennen - plötzlich als hehre Bühnen- oder Leinwandkunst mit intellektuellem (da "verkrustete Strukuren" aufbrechendem) Anspruch galt, was kurz zuvor die Leute noch massenhaft zu den Speikübeln getrieben hätte.

Dieser Siegeszug der Medien führte dazu, daß bald jedermann, der sich ihrer bedienen konnte, sich als kleiner Herrscher fühlte, dem es oblag, die Dinge der Welt beim Namen zu nennen und in Regeln zu pressen.

Kurzer Exkurs: Gestern hatten wir abends eine kurze Vorstellrunde bei den Mexikanern, damit die Neuen sich mit den Alten bekannt machen konnnten. Eine unserer Schwestern sagte dann von sich ungefähr dieses (Sie spricht sehr schnell Italienisch und hat den Hang, manchmal ins Spanische zu verfallen):Mein Name ist Maria. Ich möchte hier im Hause den geweihten und künftigen Priestern dienen; denen, die täglich am Altar zum "alter Christus" werden, eben so, wie Maria Christus diente und ihm bis zum Kreuze treu blieb.Hallöchen! Da hat der Herr Alipius aber mal kurz mit den Tränen gekämpft. Solche Worte mit leiser Stimme von einer 60-jährige Frau, die während jeder Sekunde des Tages den Eindruck erweckt, sie habe die Dinge fest im Griff. Und natürlich hat sie das. Denn sie weiß, was sie tut. Und sie weiß, wofür sie es tut.

Diese Bereitschaft zum Dienen (die natürlich nur funktioniert, wenn sie auf die entsprechende Gegen-Caritas der Priester trifft und nicht ausgenutzt wird) findet man heutzutage, glaube ich, fast nur noch in der Katholischen Kirche. Und sie ist mir soviel lieber als die eben von mir beshriebene Form der Herrschaft. Denn mich beschleicht in letzter Zeit immer häufiger ein seltsames Gefühl (zuletzt, als ich den kurzen Artikel über die "Revolution" in der Kirche schrieb): Die Leute, die heute die Ideale der französischen und anderer Revolutionen so hoch halten, tun das nicht, weil sie, wenn es diese Revolutionen nicht gegeben hätte, Diener wären. Nein, sie tun es, weil sie, wenn es diese Revolutionen nicht gegeben hätte, keine Herren wären.

Tuesday, October 13, 2009

Spei!

Auf diversen Internetseiten macht soeben eine töfte Gruppe mit dem vielversprechenden Namen The Way to Happiness für sich Werbung. Das alleine klingt ja schon geflunkert, also hab ich gleich mal nachgesehen und - voila - das erste Zitat, welches ich fand, stammt von L. Ron Hubbard, der freundlicherweise als "Author und Humanist" ausgegeben wird. Er ist auch der Autor des 1981 erstmals veröffentlichten Buches, welches der Gruppe den Namen gab.

Non-profit und non-religious? Ich bin mir nicht sicher, ob die DVDs, T-Shirts, Lehrer-Ratgeber, Bücher etc, die auf der Seite angeboten werden, zum Selbstkostenpreis über die Theke gehen. Und eine Sache, bei der L. Ron Hubbard die Finger im Spiel hat, ist sicher nicht religiös. Aber so dringenden Bock auf eine Sekte hab ich nun auch nicht.

"The Way to Happiness"? Blecht dafür (Kirchensteuer), ärgert Euch darüber (die doofen Pfaffen und der reaktionäre Papst), hadert damit (Gottes unergründliche Wege), hängt Euch dafür ins Zeug (Messbesuch, Beichte, Gebet, Zeugnis im Alltag), denn nicht das Online-Bestellformular führt zum Glück, sondern der mühsame und steinige Weg.

"Zwist unter Glaubensbrüdern"

So titele heute die Süddeutsche auf Seite sechs. Mal abgesehen davon, daß diese uninklusive Sprache einige unserer Glaubesschwestern wohl ziemlich auf die Palme bringen dürfte, finde ich auch den Zwist irgendwie überhitzt.

Was hat Thies Gundlach denn gesagt? Sinngemäß heißt es irgendwo: "Es stellt sich die Frage, ob Papst Benedikt XVI nicht Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils neu interpretieren möchte". Diese Frage läßt sich leicht beantworten: Er möchte, und er muß. Was geschieht, wenn man die Interpretation jahrzehntelang habitfeindlichen Emanzen, magisteriumsfernen Sozialpädagogen und bongoaffinen Späthippies überläßt, dürfte wohl sattsam bekannt sein. Gundlach fährt dann noch die alte Messe, die Karfreitagsfürbitte und Regensburg auf und schließt mit einer Piusbrüder-Breitseite. Geschenkt. Dahinter steckt die plumpe Panik vor dem kleinen bißchen "Mehr" an Katholizismus, und dieses "Mehr" ist böse, denn es stiftet via Abgrenzung mehr Identität. Und christliche oder gar katholische Identität im Europa des 21sten Jahrhunderts...? Schauder!

Zur Katholischen Kirche in Deutschland heißt es, sie schwanke zwischen "öffnenden Gesten und ruppiger Abgrenzung". Schön und gut. Wir wollen aber nicht vergessen, wer denn die ruppige Abgrenzung vor 500 Jahren heiß und heftig befürwortete. Vielleicht sollte man langsam tatsächlich mal über einen Abschied von der Ökumene der Phrasen nachdenken und zu einem stillen Nebeneinander der Identitäten finden. Gejammer jedenfalls braucht das, was vom christlichen Abendland noch übrig ist, so dringend wie ein Loch im Schädel.

A propos 'Identität'; da kamen doch gleich zwei Bekannte an der Uni gestern zu demselben Schluß, den auch ich schon einmal schweigend zog: Es ist nicht meßbar und wird als ehrliches Eingeständnis nicht zu erhalten sein, aber es wäre schon interessant einmal herauszufinden, inwieweit diejenigen, die selbst bei Themen, die wenig mit der Kirche zu tun haben, letztlich doch immer ihren Weg zu ihr finden, um dann ein wenig schimpfen zu können - inwieweit diese Leute vielleicht... naja... Neid oder Eifersucht empfinden, wenn sie das Maß an Identität sehen, welches ein gemeinsamer Glaube mit gemeinsamen Figuren, Formeln und Formen stiftet. Ich meine, es kommt doch sicher nicht von ungefähr, daß ich ständig alte Omis und manchmal auch Opis sehe, die mit entspannter Miene der Heiligen Messe beiwohnen und die, wenn sie einem Bischof die Hand schütteln oder gar den Ring küssen konnten, fünf Zentimeter größer und lächelnd davontrippeln, während Thirtysomethings, die mit Clownnasen gegen kirchliche Sxualmoral protestieren und dabei diverse SMS an ihren zwölften Lebenasabschnittsparter schicken, bevor sie sich mit ihren Bekannten über die nächsten Sinnfindnugs-Seminare, Jelinek-Aufführungen oder Dash-Snow-Retrospektiven unterhalten irgendwie immer so gehetzt und gezwungen und irgendwie unjung wirken.

Sunday, October 11, 2009

Rekord!

Das Wetter war heut nicht so klasse, daher habe ich die meiste Zeit drinnen verbracht. Das hat am römsten allerdings zu einem Rekord verholfen: Dies hier ist das zehnte Posting an einem Tag!

Wow!

Der Wahnsinn hat viele Gesichter

Dies ist weder ein Gruppenphoto des Kegelclubs 'Alle Neunung!' aus Bottrop, noch ein Bild aus einem Katalog für Seniorenprodukte, noch ein Schnappschuß, der die Endrunden-Teilnehmer der 'Der Preis ist heiß'-Weltmeisterschaften zeigt. Es sind Mitgliederinnen der LCWR (Leadership Conference of Women Religious) aus den USA. Ja, richtig: Nonnen! Die Konferenz repräsentiert 95% der weiblichen Ordensleute der Vereinigten Staaten. Die restlichen (einen Habit tragenden) 5% gehören dem Council for Major Superiors of Women Religious an, das sich 1970 abspaltete und 1992 von Rom anerkant wurde.

Im Frühling wurde bekannt, daß der LCWR eine Visitation ins Haus steht und daß sie darüberhinaus grundsätzlich unter Beobachtung steht. Warum? Wem das Bild nicht reicht, der lese diesen Auszug aus einer Rede der Dominikanerin Laurie Brink, in welcher sie sich über das Ordensleben im 21sten Jahrhundert Gedanken macht [Übersetzung meine]:
    Die dynamische Option für das religiöse Leben, die ich 'Sojourning' nenne, ist schwieriger zu diskutieren, da sie eine Bewegung über die Kirche, ja sogar über Jesus hinaus beinhaltet. Eine solche Kongregation ist nicht mehr kirchlich. Sie ist den Grenzen institutionalisierter Religion entwachsen. Ihre Suche nach dem Heiligen mag in Jesus als dem Christus verwurzelt begonnen haben, aber tiefe Reflektion, Studium und Gebet haben sie geöffnet für das Heilige in der gesamten Schöpfung. Religiöse Titel, institutionelle Einschränkungen, kirchliche Autorität sind für diese Kongregation, die größtenteils nach-christlich ist, nicht mehr passend.
Zeit, die Segel zu streichen, meine Damen.

Zitat des Monats

Hat mich zum Schmunzeln gebracht:
    "Let's face it, the Church of England is never going to roll over and submit to the Holy Father, but it would be rather nice if a conservative group were to split off, join the Catholics and have Her Majesty come long for the ride. She could repudiate her role as the head of the Church of England, and the Anglicans could elect Elton John to take her place. That way they could have everything they really want: homosexual marriage and an old English queen as the head of their religion."
Schwer zu übersetzen und den Groove zu erhalten, sorry!

[Quelle]

Guilty Pleasure

Ich bin so'n bißchen Fan von Spaghetti-Western. Die sind so schön überdreht, melodramatisch, verrückt und bringen machmal dieses "So schlecht, daß es schon wieder gut ist"-Feeling authentisch rüber. Das alleine wäre kein Grund, einen Blogeintrag zu schreiben.

Wenn aber eine Internetseite, die sich gänzlich dem Genre Spaghettiwestern widmet, den Titel A Fistful of Pasta hat, dann ist das einfach so gnadenlos oscarverdächtig und schön, daß es einfach gebloggt werden muß!

Wenn ich "Revolution" höre...

... dann wird mir immer ein wenig blümerant. Klar, alle "Was wäre ich heute/wie sähe mein Leben heute aus, wenn es die (vor allem die französische) Revolution(en) nicht gegeben hätte?"-Spekulationen habe ich a) durch und b) nie wirklich ernst genommen. Ich schau halt gerne auch mal nach dem "Was ist?" oder in dem Falle nach dem "Was war?" anstatt nur auf das "Was wäre, wenn?" zu schielen.

Und da schneiden diverse Volkserhebungen nicht so doll ab, weil es halt ganz offensichtlich ist, daß da doch übertrieben antikirchliche (um nicht zu sagen "satanische") Kräfte ihre Hände im Spiel hatten. Da barsten die Altäre, da krachten die Kathedralen in sich zusammen, da floß das Blut der Priester in Strömen, da war an das Heilige Meßopfer oft kaum noch zu denken. Aber geschenk!

Denn jetzt gibt's offenbar eine Revolution, die sich unblutig, gewaltfrei und ohne zerstörte Kirche, verschleuderte Kunstschätze und massakrierte Priester und Laien vollziehen kann - ergo: bei der mitzumachen sich lohnt!

Vox coelestis, einer der neuen jungen Wilden in der Blogoezese, hat den Aufruf gestartet. Caecilia, ebenfalls erst seit September am Start, hat schon mal ein kleines Logo parat. Und auf vielen anderen Blogs findet die Idee Unterstützung.

Tenor: "Mich vertritt nicht das Zentralkomitee!

Mich ja auch nicht, also bleib ich da erstmal am Ball, wünsche mir aber, daß in der Anfangsphase ad hominem-Beschimpfungen gegen Mitglieder des deutschsprachigen Episkopats (auch, wenn keine Namen genennt werden; es reicht ja die Diözese) erst einmal unterbleiben, denn wir wollen die Kirche ja einen, oder?

Jetzt bleibt die Frage: Wer macht da was los? Folgen wir dem Aufruf unseres nigerianischen Freundes und kriegen als Katholiken der magisteriumstreuen Provenienz endlich Mal geballt die Hinterteile hoch und sorgen für eine wache, schlagfertige und präsente katholische Bewegung, ein "kirchentreues Pendant zu all jenen Vereinigungen und Initiativen, die gerne öffentlichkeitswirksam ihre Leiden an der Kirche inszenieren" [vox coelestis]? Oder gibt's jetzt vier Wochen begeistertes Strohfeuer und dann ist Sense?

Also: Wer Zeit, Nerven und Lust hat, vor allem: Wer Christus und seine Kirche liebt, der sei vehement aufgerufen. Wozu? Keine Ahnung. Laßt die Guillotine erstmal noch im Schrank. Organisiert Euch. Druckt Flyer. Sammelt Unterschriften. Bildet Gremien. Hängt in den Fußgängerzonen rum. Macht halt den ganzen Krempel, den die latent oder offen romfeindliche Seite auch so schön beherrscht. Nur: Spart Euch deren Larmoyanz und Selbstgerechtheit. Seid schlagfertig, humorvoll, freudlich und froh. Singt zwischendurch mal ein salve regina. Macht den Leuten alleine schon durch Euer Auftreten klar, daß die Erlösung in der (einen = einigen = ungespaltenen = mit dem Papst gehenden) Katholischen Kirche tatsächlich zum Greifen nahe ist, aber eben doch ergriffen werden muß. Laßt Euch nicht provozieren (sondern provoziert selbst). Verteilt Bildchen von Heiligen, von Ministrantenprozessionen in denen man nur Jungs sieht und von Bischöfen und Kardinälen in bärenstarken Roben. Und sagt dem Herrn Alipius bescheid, wenn es soweit ist. Anfangen kann die Revolution von mir aus ohne mich, verpennen will ich sie aber nicht.

Was tun?

Man kennt das ja: Es gibt auf der Webseite irgendeiner Tageszeitung einen Bericht über die Kirche und unten dran hängen dann fuffzichtausend Kommentare von Usern wie "denk mit", "freigeist1979", "anarchopower jetzt", "karlheinz deschner ist mein gott", "humanistisch und weltoffen" usw.

Die toben sich dann aus, indem sie wirklich alle antikatholischen und antiklerikalen Phrasen und Klischees, die man im Laufe eines echt aufgeklärten Lebens sich halt so in die Rübe hinein hat doktrinieren lassen, auftischen.

Dann juckt's mich für 3,5 Sekunden immer so'n wenig in den Fingern und ich denke mir 'Hmmm... Die müßten doch heilbar sein'. Doch dann ebbt es auch schon wieder ab. Denn wenn ich in meinem Leben eines gelernt habe, dann dies: Mit wirklich verbiestert antiklerikale Menschen - ja, selbst mit gesinnungsmäßig kirchenunfreundlichen Personen der etwas intellektuellren Art - kann man so gut wie nie vernünftig debattieren. Ich habe das in allen Variationen, in allen Kreisen mir bekannter Leute und in jeder Intensität erlebt: Alles, was ich sage, wird als Aufforderung zum sofortigen Widerspruch aufgefaßt und nicht etwas als Anregung zum Nachdenken. Alles, was ich sage, MUSS irgendwo nicht stimmen und enthält keinesfalls überdenkenswerte Details. Kurz: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Und wenn eines nicht sein darf, dann, daß da draußen irgendwo Realitäten existieren, wegen derer ich meine Meinung über die Kirche überdenken müßte.

Jetzt habe ich aber neulich einen Artikel gelesen, in welchem man die Web-Auftritte der großen bis größeren Parteien vor der Wahl auf ihre Tauglichkeit hin überprüft hat. Grund: Junge Menschen beziehen ihre Informationen in steigendem Maße aus dem Internet.

Junge Menschen gehen nicht in die Kirche. Junge Menschen wollen nicht beten. Junge Menschen wollen nicht Priester, Mönch oder Nonne werden. Junge Menschen wollen im Internet ihre Meinung über die Kirche bestätigt sehen. Und - hallöchen! - das tun sie. Denn junge Menschen lesen weniger die Online-Ausgaben seriöser Zeitungen, als daß sie sich in Foren, auf Facebook oder auf Youtube rumtreiben. Und da häuft sich halt das unreflektierte, antikirchliche Gewäsch, veröffentlicht von denen, die eben die Tatsache, daß sie veröffentlichen können, schon als Beleg für ihre Kompetenz nehmen. So werden Vorurteile bis an die Haßgrenze hin nicht nur bestätigt sondern gesteigert. Was ich in diversen Kommentarbereichen Dutzender von Seiten schon so alles lesen durfte... Mamma mia!

Jetzt ließe sich natürlich einwenden, daß nicht alle Jugendlichen so sind, daß die ja auch mal irgendwann erwachsen und daher auch irgendwie reifer und selbständiger werden, daß es ja auch Leute git, die gut und nett über die Kirche schreiben etc. Stimmt alles. Aber wenn ich unbefangen rumsurfe, stelle ich einfach fest, daß die uninformierten Kreischer in der Mehzahl sind. Und es stimmt schon ein wenig, daß die jungen Leute lieber dem Pfeiffenbläser nachrennen, der die einfachen Melodien spielt aber dafür dann schön laut.

Trotzdem habe ich keinen Bock, mich in einen solchen Tümpel zu schmeißen. Ich hoffe und bete, daß der Herrgott den jungen Seelen behilflich sein wird, zur rechten Zeit den rechten Weg zu finden und versuche ansonsten, auf meinem Blog ein wenig abzuzicken und zurechtzurücken. So erreiche ich zwar nur wenige, aber erstens findet ein blindes Huhn auch mal ein Korn, und zweitens bin ich ja zum Glück nicht alleine!

Liebe Blogoezese: Danke, daß es Dich gibt! Bleib der Kirche treu, geh keine Mischehen ein und vergiß nicht, für den Papst, die Bischöfe und die Priester zu beten. Die (und bald "wir") haben es nötig!

Neue Blogs

Das katholisch bloggende Internet scheint immer schneller zu wachsen. Ich habe schon Mühe, meine tägliche Blogrunde zu drehen. Daher machen wir es ab jetzt so:

Wenn Ihr ein Blog betreibt, welches Ihr gerne von am römsten aus verlinkt hättet, dann sendet mir kurz eine eMail zu.

Wenn ich durch Zufall mal auf einer Seite lande, die ich gut finde, dann setze ich den Link natürlich gleich selbst.

This just in


Propst Bernhard und Novizenmeister Anton waren dieser Tage (geschäftlich) in Rom. Das Photo hat zwar ein Wasserzeichen, aber wenn unser Herr Prälat dem Heiligen Vater die Hand schüttelt, dann muß ich das natürlich trotzdem stolz herzeigen.

Interessante Ausstellung in Köln

Im Kolumba Kunstmuseum in Köln gibt es noch bis zum 10. August 2010 die Ausstellung "Hinterlassenschaft" zu besichtigen. hier der Pressetext:
    Die dritte Jahresausstellung von Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, beschäftigt sich mit dem, was zurückbleibt: mit den Dingen, die wir gestalten und benutzen, die uns behausen und bekleiden, mit denen wir spielen und an denen wir arbeiten. Ausgehend vom historischen Ort und seinen archäologischen Funden dokumentiert die Ausstellung Spuren menschlicher Existenz, die sich in Dokumenten und alltäglichen Gebrauchsgegenständen ebenso niederschlägt wie in künstlerischen Arbeiten. Gleichzeitig thematisiert die Ausstellung den Wert der Erinnerung und unsere Verantwortung im Umgang mit dem historischen Erbe. Damit entfaltet sich das weitgefächerte Spektrum der eigenen Sammlung nun zum dritten Mal. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf eine Videoarbeit des Münchener Künstlers Kurt Benning: "Hinterlassenschaft – Ein deutsches Erbe". Es handelt sich dabei um die Beschreibung sämtlicher Gegenstände einer Wohnung, deren Auflösung kurz bevorstand. Diese Aufzählung von Dingen, die mit Assioziationen und Erinnerungen verknüpft sind, ist der Ausgangspunkt für die Auswahl der ausgestellten Werke, die von der Spätantike bis in die jüngste Gegenwart reichen und alle künstlerischen Medien umfassen. (Weitere Arbeiten voraussichtlicht von Joseph Beuys, Gerd Bonfert, Thomas Böing, Felix Droese, Jannis Kounellis, Duane Michals, Jürgen Klauke, Heinrich Küpper, Paul Thek, Stefan Wewerka, Dorothee von Windheim u.a.). Es erscheinen zwei umfangreiche Werkbücher in der Kolumba-Schriftenreihe.
Äh, ja, okay. Warum ich mir im nächsten Jahr die Ausstellung ansehen werde, dürfte klar werden, wenn man folgende Bilder sieht:

Man hat in Köln nämlich nicht nur...

... diverse Sakristeischränke ausgeräumt,...

... sondern auch in den Schubladen...

... und Kleidertruhen...


... von Kardinal Frings gewühlt!

Wer also von Kardinalsgewändern nicht immer nur auf meinem Blog lesen möchte, sondern sich mal hautnah einen Eindruck davon verschaffen will, wie komplex oder verschwenderisch oder unnütz oder schön diese Roben einst waren, der fahre nach Köln.

Im Diözesanmuseum in Freising ist auch Kardinalstracht ausgestellt, nämlich die von Kardinal Faulhaber. Die ist zwar hinter Glas, aber sehenswert ist sie trotzdem. Denn sie ist mit Galero, roter und violetter Cappa Magna, Ferraiolo, Mantelletta, Schuhen und Hüten nahezu komplett. Hier ist ein kleines Foto:


Also, liebe Pomp-Touristen: Ihr wißt, wo's hingeht!

Die Damiansburg in Bruchsal entsteht...

Dieses Photo von einem Wandgemälde im Rathaus zu Bruchsal habe ich eben im Internet gefunden. Es zeigt Damian Hugo Kardinal von Schönborn (Fürstbischof von Speyer 1719-1743 und Fürstbischof von Konstanz 1740-1743), Balthasar Neumann und Maximilian von Welsch, zwei der Haus- und Hof-Architekten der Schönborn. Inwieweit die Personen einigermaßen genau dargestellt sind, kann ich nicht sagen. Von Welsch dreht dem Betrachter praktischerweise den Rücken zu, Neumann hat immerhin ein Kanonenrohr auf der Jackentasche, und beim Kardinal dachte man sich wohl "Okay, er ist ein Schönborn, also kriegt er runde Wangen, daß paßt dann schon". Paßt ja auch wirklich.



Die Architekten präsentieren dem Fürsten soeben den "Generalplan der Damiansburg, 1723". Besonders schön finde ich Neumanns Gestik, der entweder zu sagen scheint "Das wird wirklich 'ne piekfeine Bude!", oder der den Bischof davon zu überzeugen versucht, daß das Projekt vielleicht ein "klitzekleines bißchen kostspieliger" wird als erwartet. Schön auch die Details beim Kardinal: Das Sehglas, die roten Absätze, das Kissen unter den Füßen. Fehlt eigentlich nur noch ein Tischlein mit einer Tasse warmer Schokolade und etwas Gebäck.

Saturday, October 10, 2009

Neulich in der Residenz...

68er unmaskiert: Lautstärke/Substanz

Als gegenkulturelle Bewegeung hat alles, was grob mit den 68ern, den Hippies, den Gammlern, den BH-Verbrennern, den sich sexuell Befreienden, den Protestlern etc zusammenhängt, in seinem gesellschaftlichen und zeitlichen Kontext seine Berechtigung. Die Gründe für den 68er-Aufstand allerdings müssen nicht notwendigerweise immer schlüssig sein, ebenso, wie das Niederknüppeln (oder gar - wie in Tlatelolco/Mexiko im Oktober 1968 - das Niedermähen) der Studenten und Demonstranten nie eine wirklich souveräne Lösung darstellte. Da standen sich dann oft zwei Extreme gegenüber, die sich beide mit der Normalität beschäftigten. Die einen wollten sie durchbrechen, wenn nicht abschaffen. Die anderen wollten sie bewahren.

Und - ja - Normalität kann und muß man es schon nennen. Niemand wurde mit Waffengewalt dazu gezwungen, Familien zu gründen, von morgens um 8 bis nachmittags um 5 zur Arbeit zu gehen, einmal am Tag warm zu essen, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren, patriotisch, auf den eigenen Vorteil bedacht und dem Fremden gegenüber argwöhnisch zu sein. Der Mensch soll vielleicht nicht so sein, aber er ist nunmal so. Und da er so ist, hat er sich so eingerichtet. Kleinere Übel werden achselzuckend hingenommen, denn unbewußt ist den Meisten klar, daß das Bekämpfen derselben oft nur größere Übel nach sich zieht und dann letztlich das Paradies auf Erden doch wieder mal nicht erschaffen wird.

Hier taste ich mich schon wieder an den Gegensatz von Traum und Vision heran. Das, was nicht erst seit 1968 gerne als "Vertrösten zum Zweck des Ruhigstellens" bezeichnet wird, war und ist meiner Meinung nach nichts weiter als die richtige Intuition. Der Mensch richtet seinen Blick nicht auf das bessere Leben nach dem Tod, weil er sich über seine irdische Existenz hinwegtrösten muß. Denn zuerst beginnt die Existenz, dann folgt der Glaube. Ich schreie, lache, gähne, esse, trinke, rülpse und furze, bevor ich an Gott glaube. Und wenn ich dann von Gott erfahre, dann ist meine Raktion ja nicht "Ah! Deswegen ist das Leben so Scheiße!" Nein, meine Reaktion ist eher "Okay, dann will ich aber auch mal so, wie er will!" Und dazu gehört, daß ich mir hier auf Erden unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf das Wohl der Anderen selbstverantwortlich eine gelungene Existenz aufbaue. Also nix mit Vertrösten. Anpacken und mitmachen heißt das Motto.

Dieses Motto stellte kein Problem dar, solange es dem Individuum klar war, daß es nicht einmal als Nebenbemerkung in einer Fußnote in den Geschichtsbüchern auftauchen wird. Da mußten dann schon allerärgste Umstände herrschen, bis ich mir wirklich einmal überlegte, ob ich einem spontanen, massenhaften Protestausbruch die Sorge um das tägliche Brot für meine Familie opfern will. Da mußte der Fürst schon auf meinem Rücken thronend seine Schweinelendchen an Madeira futtern und sich über die unbequeme Sitzgelegenheit beschweren, bis ich mal zaghaft am Hermelin zupfte und fragte, ob es denn noch gehe.

Heute - nach dem Siegeszug der Massenmedien, nach den 68ern und nach Jedermanns 15 Minuten Ruhm bei Bärbel Schäfer, Perez Hilton oder Youtube - sieht die Sache natürlich schon ein wenig anders aus. Wo immer ein Mikrophon, eine Kamera oder ein journalistischer Notizblock gesichtet wird, impliziert dies Öffentlichkeit und Wichtigkeit bis hin zur Deutungsgewalt oder Urteilskompetenz. Das Tragische ist, daß dieses Gefühl eben durch den Anblick der genannten Objekte vermittelt wird und keinesfalls durch das Informationsniveau oder die innere mentale Disposition desjenigen, der sie erblickt. Und so geschieht es oft, allzu oft, daß entweder wegen Nichtigkeiten laut und emotional bis hysterisch geplärrt wird oder daß sich gravierende Situationen einer vollkommen falschen Bewertung ausgesetzt sehen. Dies geschieht vorzugsweise in der Gruppe. Doch ist diese Methode eine sich selbst bestätigende. Man erinnere sich an die Demonstration von Abtreibungsbefürwortern in Wien im November vergangenen Jahres. Ein Priester stand erkennbar am Straßenrand und konnte leider nicht verprügelt werden, da die Gesetzeshüter dazwischengingen. Kommentar aus der Meute: "Die Polizisten schützen die Faschisten!" Tja, und jetzt geh mal dagegen an. Bei dem Getobe ist Argumentation nicht drin, also wird die hysterische Göre nach Hause gehen und sich in ihrer Meinung, Priester oder Lebensschützer seien Faschisten, bestätigt sehen. Und dies ist ja nur ein Beispiel. Ob es vergleichbare (und übrigens immer ruhig und friedlich verlaufende) Demonstrationen der Gegenseite sind, die mit hundert- bis tausendstimmigem Gepöbel, Kondomgewerfe, Kreuze-in-die-Spree-Geschleudere gestört werden; ob es ein Angelus-Gebet zur Unterstützung des Heiligen Vaters ist, welches dann von Laizisten, Feministen, Linksradikalen etc zu einer Manifestation des Hasses hochgepuscht wird, ob es die Feierlichkeiten zur Ehre der Heiligen Johanna von Orleans sind, die von Gegendemosntranten als Klüngelparty zwischen Politik, Militär und Kirche verschrien werden: Auf einer dicken Suppe substanzlosen aber lauten Geheuls schwimmen ein paar Fettäuglein, die das Wesentliche enthalten. Aber dies wird, da das Fett sich mit der Suppe nicht vermischt, leider unangetastet bleiben.

Natürlich fand die Methode schnell Einzug in den individuellen, privaten Diskurs. Wie oft wurde ich mit Lautstärke statt Inhalt, Larmoyanz statt Fakten, Bambiaugen statt grauen Zellen konfrontiert! Wie oft schon mußte ich gegen Begriffe wie "unsäglich" (auch, wenn grade davon gesprochen wurde), "erwiesenermaßen" (auch, wenn gar nichts erwiesen war), "demokratiefeindlich" (auch, wenn in einem von der Verfassung geschützen Prozess entstanden) oder "unstrittig" (auch, wenn grade darüber gestritten wurde) konfrontiert. Dies komischerweise von Leuten, die sich auch nicht scheuen, den guten, alten Vorwurf vom "Totschlagargument" an den Mann zu bringen.

Mir ist klar, daß man auf öffentliches, massenhaftes Geschrei nicht mit öffentlichem, massenhaften Gegengeschrei antworten kann. Meine Hoffnnung ist, daß sich im privaten Bereich etwas tun wird. Schmal, ich weiß, aber an irgendetwas muß ich mich ja festhalten.

Friday, October 09, 2009

Kontinuierlich Katholisch

Ich finde die Hölle als Drohmittel ja doof. So nach dem Motto "Bohr nicht in der Nase, sonst bricht der Finger ab!" Das zieht bei kleinen Kindern ja auch nur, weil sie es irgendwo tief drinnen als eine Möglichkeit betrachten, aber dann irgendwann doch merken, daß man sie verschaukelt hat. Und - schwupps - steckt der Finger wieder in der Nase.

Andererseits finde ich die Hölle als Realität beängstigend genug, um eine gesunde Pflicht zu verspüren, die Menschen darüber zu informieren, daß ein Leben in selbstgewählter Gottesferne sich in der Ewigkeit unendlich fortsetzen läßt. Ich denke schon, daß der Herrgott freundlich genug ist, um die individuelle Entscheidung, mit ihm nichts zu tun haben zu wolen, auch nach dem Tode zu respektieren.

Was das mit mir als künftigem katholischen Priester zu tun hat? Naja, es gibt ja diese "Nö, ich geh nicht in die Kirche, ich mach das mit meinem Gott so zwischen Waldspaziergang, karitativer Tätigkeit und Entspannungsgymnastik aus"-Szene. Deren Mitglieder, wenn sie Gott auch auf eine nebulöse Weise akzeptieren, tasten ja irgendwie auch im Dunkeln, obwohl doch Christus hell und klar und direkt die Kirche angesprochen hat, welche auf dem Felsen gebaut ist und welche die Mächte der Unterwelt nicht überwältigen werden.

Ich treffe immer wieder Leute, die einen ganz zarten Hauch von Interesse sowohl am Christentum als auch am Katholizismus versprühen, aber sich letztlich dann doch immer weigern, Christen oder Katholiken zu werden. Das gilt übrigens nicht selten auch für getaufte Individuen (** grins **). Wenn ich dann nach dem Grund forsche, kommt schnell heraus: Es handelt sich um eine Mischung aus Stolz und Rebellion. Man ist sich zu fein für die ausgelatschten Pfade und außerdem haben das Papi und Opa ja auch schon gemacht, also ist da doch was faul. Ich finde diese Argumentation nicht unverständlich. Schließlich ist es nicht nur reizvoll, sondern auch schmeichelhaft, sich nach neuen Wegen umzusehen und unter Umständen dort sogar ein paar solide Schritte zu tun. Letztlich ist aber eben dieser Selbstschmeichel auch das Verhängnis. Wer "Gott" sagt, der muß auch "geoffenbart" sagen. Von Menschenhand und Menschenhirn geschaffene Götzenbilder, Ersatzreligionen und Pseudogottheiten offenbaren sich nicht. Dies tut nur der Dreieine. Wenn er sich aber offenbart und man seine Existenz eben aufgrund dieser Offenbarung wenigstens als eine Möglichkeit, die es im Leben vielleicht noch näher zu erforschen und besser kennenzulernen gilt, betrachtet, dann kann man ihm und seiner Kirche nicht den Rücken kehren und sagen: "Schön, du bietest mir zwar das Heil in deiner Kirche, aber da ist mir zuviel Muff, zuviel Mann, zuviel Hierarchie, zuviel Glanz, zuviel Gehorsam, zuviel was auch immer". Denn dieses "Zuviel" ist ja nur die Kehrseite des "Zuviel" an Beliebigkeit, Laxheit, Bequemlichkeit, Selbstzufriedenheit welches man auf der anderen Seite findet.

Ich laß mal die Verehrung Gottes und die Ehrfurch vor den Sakramenten, vor allem vor der Eucharistie, außen vor und betrachte sie als gegeben. Dann kann ich krass und auch nicht volkommen korrekt beide "Zuviels" als schnödes Menschenwerk betrachten. Aber grade dann sollte die Entscheidung doch leicht fallen. Habe ich lieber ein individuells "Zuviel", welches sich um sich selbst dreht und jederzeit in sich zusammensacken kann oder ein kollektives "Zuviel" welches sich trotz aller Schwächen und Versäumnisse seit zwei Jahrtausenden hartnäckig hält? Habe ich lieber meine 15 Minuten Ruhm in der überkonfessionellen Begegnungsstätte Wanne-Eickel oder lieber die uralte Kontinuität im Schatten Roms? Beuge ich das Knie lieber vor dem Spiegel oder vor dem, den die apostolische Sukzession als den 265. Nachfolger des Heiligen Petrus ausweist?

Katholizismus gibt Identität, auch denen, die gerne mal hinterfragen (und dabei bescheiden und vernunftgesteuert bleiben können). Woher ich komme, daß sagt mir nicht nur ein Blick auf meine Eltern, sondern auch ein Blick in die Bibel, das Missale, die Liturgischen Bücher, die Geschichtsdokumente. Wohin ich gehe, daß sagen mir unzählige Generationen von hehren Heiligen und simplen Gläubigen, die tapfer und nicht selten unter Bedrägnis lieber an ihrem Glauben und ihrer Kirche festhielten, als sich von den immer der Veränderung unterworfenen Strömungen der Zeit fortspülen zu lassen. Das ist eine Art von Stolz, mit dem ich zu leben gelernt habe. Denn diese Kontinuität ist ja nicht mein Verdienst, sondern der ihre.

Thursday, October 08, 2009

Warum man die Kirche manchmal hassen könnte...*

Das links ist Bischof Raymond Lahey, Bischof von Antigonish (Nova Scotia). Der hat im August veranlaßt, daß seine Diözese Schadensersatz in Millionenhöhe an 12 Opfer von Kindesmißbrauch durch katholische Priester (noch ein Grund...) gezahlt und gesagt, er hoffe, daß er nie mehr mit solchen verabscheuungswürdigen Verhaltensweisen konfrontiert sein werde. Jetzt wurde bei einer "Zufallskontrolle" am Flughafen in Ottawa kinderpornografisches Material auf seinem Laptop gefunden. Er wurde festgenommen und am 1. Oktober gegen Kaution (und die Auflage, nicht in Parks spazieren zu gehen) wieder freigelassen. Unabhängig davon, wie "Zufallskontrollen" von Laptops auf kinderpornografisches Material aussehen mögen ("Hey! Da! Ein Priesterkragen! Den kontrollieren wir mal zufällig!"), bin ich schon einigermaßen geplättet. Wenn an dieser Geschichte was dran ist, dann sollte langsam wirklich mal über Plan B nachgedacht werden. Kinderschändende Priester: Zack! Sofort der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben und hübsch was absitzen. Kinderschänderverschiebende - oder noch besser: kinderschändende oder auch kinderpornografisch veranlagte - Bischöfe: Schwupp! Raus aus der bischöflichen Residenz und die verwöhnten und leider komplett amtsuntauglichen Hinterteile mal ein wenig auf der Gefängnispritsche plattgesessen. Und ich will hier jetzt nix von Gnade, Sanftmut und zweiter Chance hören. Diese Kerle gehören aus dem Verkehr gezogen. Punkt. Allerdings: Eben nur wenn an diesen Geschichten etwas dran ist. Medien und Öffentlichkeit müssen Kirche und Gerichten schon Spielraum lassen. Das Hysterie-Level, welches mittlerweile herrscht (nicht nur, weil ich's vorgestern selbst erlebte) wirkt negativ. Da wird eine Erwartunghaltung aufgebaut ("Der ist Priester und des Kindesmißbrauch verdächtigt? Dann muß es doch stimmen, oder?"), die etwas einengend wirkt. Also: Lieber Vatikan, mach da mal Magnificat-mäßig was los und stürz die Mächtigen vom Thron, wo sie's verdienen und benötigen. Und liebe Leute: Eßt die Nachrichten nicht ganz so heiß, wie sie gekocht werden.

(*... aber sich als vernunftbegabter Mensch dann doch lieber dem Gebet zuwendet und die negativen Gefühle wenn schon nicht verdrängt, dann doch wenigstens auf das Individuum und nicht die Institution fokussiert)

Steht auf, wenn Ihr Christen seid...! (Teil II)

Auf der Seite Christianophobia (die gibt's leider nur auf Englisch), auf die von "Europe for Christ" weitergeleitet wird, gibt's diese schöne Geschichte (Übersetzung meine):
    Niederlande: Mobbing gegen Christin an islamischer Schule

    Im August wurde ein Bericht von der christlichen Lehrerin Hennie Metsemakers bekannt, die kurz an der orthodoxen islamischen As Siddieq-Schule in Amsterdam unterrichtete, um zur Integration beizutragen. Sie gab kürzlich in der Zeitung 'Het Parool' bekannt, daß sie nicht wie die anderen Lehrer, die an der Schule ungefähr 900 Schüler unterrichten, mit 'Salam' (Friede) gegrüßt werden durfte, da "...Nicht-Muslime keinen Frieden kennen können" [Solange sie unter Moslems leben müssen sicher nicht]. Sie mußte auch ihr Essen abseits von den Anderen zu sich nehmen.

    Metsemakers wurde vor anderthalb Jahren suspendiert, weil sie in ihren Unterrichtsstunden von anderen Religionen als dem Islam sprach. "Ich hatte eine Zeitleiste aufgemalt und dort die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte diverser Glaubenssysteme illustriert". Nicht nur wurde dies verboten, Metsemakers wurde auch befohlen, den Kindern beizubringen, daß das Christentum letztlich abgeschafft werde, alle anderen Religionen verschwinden würden und jedermann [Also die, die man am Leben ließ] zum Islam konvertieren würde.

    Metsemakers gab an, daß die Schule Freundschaften zwischen den Schülern und Nicht-Gläubigen nicht gestattet. "Schließlich können nur Muslime gute Leute sein" [... was uns unzählige einhändige Steinigungsopfer mit Peitschennarben auf dem Rücken sicher gerne bestätigten, wenn sie noch eine Zunge besäßen].

    Der Schule wurde mittlerweile die finanzielle Unterstützung unterzogen.
Erneut heißen Dank an alle, die mit selbstschmeichlerischem Zweifel (der sich in der Regel bis zur dürftig bis gar nicht durchdachten Kritik steigert) und mit selbstgerechtem "Heiliger als Du"-Getue eifrigst für die Entchristianisierung unseres Kontinents eingesetzt haben.

Steht auf, wenn Ihr Christen seid...!

Von der sehr zu begrüßenden Website Europe for Christ (Keine Angst, die Seite ist mehrsprachig; es gibt auch Texte in Deutscher Sprache) kommt dieser Text eines Seminaristen aus Nigeria, der in Heiligenkreuz studiert:

"In Westeuropa, nehmen wir Österreich als Fallbeispiel, gibt es seit längerem einen heftigen Sturm der Kritik am Christentum, eine antichristliche Strömung. Gläubig zu sein, wird als eine bemitleidenswerte Situation angesehen.

Um es milde auszudrücken: Die meisten Christen warten hilf- und tatenlos auf die vollkommene Zerstörung des bereits angeschlagenen Christentums. Was mir Sorgen macht, ist nicht etwa, daß die Kirche schwierige Situationen nicht überleben (Mt 16:18) oder daß Christus Seine Kirche verlassen würde (Mt 28:20). Ich mache mir über den Grad der Gleichgültigkeit Sorgen, mit der die Christen in diesem Land mit dieser Situation umgehen.

Es ist die totale Passivität, mit der die Christen der sich zerstörerisch aufbauenden Welle eines Antichristentums begegnen. Durch die Medien, vor allem durch die Tagespresse, die Magazine, das Fernsehen und das Radio, sind die Menschen tagtäglich mit Ideologien konfrontiert, denen nur starke, unterscheidende Geister und tiefwurzelnder Glaube standhalten können. Die Frage ist: Wie gehen die Christen damit um? Was haben sie bis jetzt dagegen unternommen?

Ich lese die Tagespresse und bin bestürzt über den offensichtlichen Eifer, mit dem Journalisten und Redakteure unbegründete Behauptungen aufstellen, unlogische Schlüsse ziehen und feindselige Kritik an der Kirche und ihrer Führung üben. Die Passivität, mit der die Christen auf diese Angriffe reagieren, ohne Gewissensbisse zu haben, ist alarmierend.

Warum entscheidet man sich dafür, zuzuschauen, wie Wertvolles zerstört wird, statt zu argumentieren, zu verteidigen und die Wahrheit zu verkünden - und zwar von einem rationalen Standpunkt aus? Warum sollte man sein natürliches Potential, auf negative Entwicklungen zu reagieren, nicht ausschöpfen, besonders wenn diese auf einer lähmenden Ideologie gedeihen?

Jetzt ist die Zeit aufzuwachen, jeder soll auf seine Weise und in seinem Lebensumfeld sprechen. Lest! Schreibt! Sprecht laut! Wir müssen uns vorbereiten, weil Christus uns schon gewarnt hat: “... denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts." (Lk 16:8)

Wir können diese Entwicklung nicht aufhalten, indem wir auf ein Wunder von Gott warten. Warum sollte Er ein Wunder tun, wenn Er uns schon die Fähigkeit dazu durch unseren Glauben und unseren Verstand gegeben hat?

Das Gebet ist zweifellos der erste Schritt, den wir tun müssen, aber wir dürfen es nicht beim Knien belassen. Wir müssen handeln. Wir schulden das unseren Nachkommen. Die Menschen treten aus der Kirche aus, weil sie die falschen Antworten auf ihre Fragen bekommen, und sie bekommen die falschen Antworten von den falschen Leuten.

Ein Durchschnittsösterreicher, der die Tageszeitungen liest, wird eher dazu neigen, seinen Glauben zu verlieren, als ein Glaubender zu bleiben. Es ist Zeit, Christus führen zu lassen. Laßt alle in eurer Umgebung merken, das hier ein Christ ist. Wo seid ihr? Was seht ihr? Was hört ihr? Was wißt ihr? Sprecht laut! Unser Schweigen ist unser Schmerz!"


Seufz....

Könnte man im deutschsprachigen Raum mal Bischöfe so reden hören...

Schönes Foto


James Donald Scanlan, Erzbischof von Glasgow von 1964 bis 1974, setzt den ersten Spatenstich für ein neu zu errichtendes Hospital. Und das mit Schmackes!

Wednesday, October 07, 2009

'68 unmaskiert: Traum/Vision

Willkommen zum ersten Teil einer Serie von Beiträgen, in denen ich (gestützt auf rein persönliche Erfahrungen und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben) durch Untersuchung der Wirkung, welche die "68er-Zeit" auf die Gesellschaft hatte und hat, nachweisen möchte, daß ihr Nutzen von ihrer Untauglichkeit und Schädlichkeit in den Schatten gestellt wird. Starker Tobak und große Klappe, ich weiß. Aber das hier ist immer noch am römsten, also wischt Euch den Mund ab und macht weiter. Los geht's:


Schon einer der Vorsokratiker (weiß nicht mehr genau wer; Heraklit, glaube ich) schmiedete den Spruch "Den Träumenden scheint keine gemeinsame Sonne".

Vor Jahren sah ich in Mariazell ein junges Mädel mit einem schwarzen Sweatshirt, auf welchem in auffordernd pinken Buchstaben geschrieben stand: "Live your dreams!"

Seit der Verdrängung des Transzendenten durch das Immanente ist im Menschen zwingend nicht nur die Gewißheit gewachsen, daß alles hier und jetzt in diesem Leben geschehen kann. Nein, es mogelte sich auch ein Druck dazu: Alles MUSS hier und jetzt in diesem Leben geschehen. Zumindest dann, wenn es keinen Gott gibt oder dann, wenn die Bindung an einen Gott sich als zwang- und formloser Selbstbedienungsladen einer für Privatprojekte vereinnahmten 'Spiritualität' manifestiert (Wilkommen in der 68-er "swami ohm schwingungskristall krishna moon hildegard von bingen buddha mohammed and friends" Cafeteria). Live your dreams. Und lebe sie gefälligst jetzt.

Unschwer zu erraten, was geschieht, wenn zwei Individuen mit den je eigenen Träumen aufeinanderprallen: Interessenkonflikt oder Fusion zur Vision. Entweder man schafft Raum für den Traum des Anderen und sucht nach dem gemeinsamen Nenner, den es dann gemeinsam zu verfolgen gilt (Fusion). Oder man erkennt im Anderen jemanden, der den eigenen Träumen im Weg steht und den es daher entweder zu umgehen oder zu beseitigen gilt (Konflikt). Oder - im schlimmsten Fall - man erkennt im Anderen jemanden, der die eigenen Träume nicht teilt und der allein deswegen schon bedrohlich (da nicht unterstützend oder verstärkend) wirkt und der daher zu missionieren oder stillzulegen ist (Konflikt). Für beide Situationen lassen sich als Paradebeispiele zahllose gelungene oder gescheiterte Ehen heranziehen. Doch natürlich funktioniert es auch auf ganz breiter Ebene.

Wie oft schon habe ich Leute von ihrem "Traummann" oder ihrer "Traumfrau" schwärmen hören. Oft hält der Schlaf lange genug an, so daß beide nicht nur zusammenziehen sondern auch - vor oder nach dem Zeugen von Nachwuchs - vor den Standesbeamten oder den Traualtar treten. Und dann tritt der Traumpartner plötzlich in die Realität und wagt es, seine eigenen Träume mitzubringen. Und ab dann tragen die Fragen plötzlich ganz andere Namen: Berufstätigkeit, Haushaltsverantwortung, Kindererziehung etc. Die Konzepte prallen aufeinander und allmähliches Krisen-Kreißen gebiert Albträume. Warum? Weil es ein Traum war, keine Vision. Wer Hand in Hand nebeneinander steht und seinen Blick und seine Sinne auf ein höheres, ferneres Ziel gerichtet hält, der muß nicht sekündlich sich im Auge des Anderen spiegeln und mit ernst-lüsterner Miene und fünfzig Händen und Lippen ein Prickeln aufrechterhalten, welches von der Verantwortungs-Angst schon langsam aber sicher erstsickt wird. Wer Hand in Hand nebeneinander steht und seinen Blick und seine Sinne auf ein höheres, ferneres Ziel gerichtet hält, der lebt von der Gewißheit, daß Parallelen sich in der Unendlichkeit ohnehin kreuzen und der kann der Alltagsprobleme Herr werden, ohne sie in einem Wettkampf semantischer Spitzfindigkeiten, irrelevanter Vorwürfe und blanker Polemik zu verwandeln.

Ich war lange genug dumm genug zu glauben, daß mit menschlicher Anstrengung Unmenschliches möglich ist. Heute muß ich einfach jedem widersprechen, der an eine gelungene Paar- (und auch Solo-) Existenz ohne die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Sakramente und Tröstungen seiner Kirche glaubt. Das mag einigen Lesern ungerecht oder unmöglich erscheinen. Ich bitte daher nicht um Entschuldigung, sondern um Verständnis für eine Geist und eine Seele, die aus einer bestimmten Richtung kommen und die Kühnheit besitzen, ihre Gedanken und Empfindungen zum Ausdruck zu bringen.


P.S.: Was hier vollmundig als "Serie" angekündigt wurde, kann auch nach zwei oder drei Beiträgen schon wieder den Betrieb einstellen. Ich leben von dem Material, was ich im Moment habe, und ich kann noch nicht überblicken, wie weit es reicht.

Rom einmal anders

Okay, ich bin wieder in Rom.

Gestern habe ich um 20:00 Uhr mein Zimmer bei den Mexikanern (wieder) bezogen. Es hat sich viel getan: Das Haus platzt aus allen Nähten. Alle Zimmer (selbst die Gasträume) sind belegt. Es befindet sich auch ein Deutscher im Haus, den ich aber noch nicht getroffen habe.

Heute morgen habe ich erstmal das ganze "amtliche" Zeugs an der Uni erledigt, so daß ich nun die nächsten vier Tage in ziemlicher Ruhe verbringen kann.

Ich bin dann auch gleich mal ein wenig durch das Zentrum geschlendert und habe (fast möchte ich sagen: endlich) auch einmal die Erfahrung gemacht, die ich bisher nur aus Erzählungen von anderen Ordensmännern oder Seminaristen kannte. Auf der Piazza della Rotonda kreuzte plötzlich so ein Italiener meinen Weg. Er sah eigentlich nicht runtergekommen aus, sondern eher so, wie ein Grafiker, Künstler, Musiker, Lebenskünstler, gutsituierter Weltverbesserer etc linker Provenienz: Adrette Klamotten, Ziegenbart, Ohrring, Sonnen-Halsanhänger, Lederlatschen. Er rief gleich mal was von "Pedofilo!" und "Cazzo!" und rotzte mir vor die Füße. Ich steckte meine Hand in die Hosentasche, ballte sie zur Faust und lächelte ihn nett an. Ich war grade dabei, mich vor einem Cafe hinzusetzetn, um ein wenig Zeitung zu lesen. Der Typ folgte mir dann und keifte weiter. Ich fand's dann irgendwann albern und zeigte ihm - gut britisch und weiterhin lächelnd - das "Victory"-Zeichen, allerdings mit ihm zugewandten Handrücken. Das scheint auch in Italien nicht unverständlich zu sein, denn der Typ rannte auf mich zu, sammelte umständlich und gut erkennbar Speichel in seinem Mund, so daß ich, als die Salve erfolgte, nur einen kleinen Schritt zur Seite machen mußte, um den Rotz an mir vorbeifliegen zu lassen. Der Kerl tummelte sich dann auch, als ich meine Tasche fallen ließ und Anstalten machte, aus dem Jacket zu schlüpfen. Und dann bemerke ich etwas ganz Sonderbares: Ich hatte für den Bruchteil einer Sekunde den Drang verspürt, dem Rotzlöffel einfach mal eine zu pumpen. Nicht, weil ich tatsächlich glaubte, daß in solchen Fällen durch Gewalt noch etwas zu ändern sei. Sondern einfach mal so, um meinen Ärger nicht ausschließlich in mich hineinfressen zu müssen. Doch sobald der Kerl an mir vorbeigespuckt hatte und das Weite suchte, empfand ich plötzlich nur noch eine Mischung aus Desinteresse und Mitleid. Mehr noch, ich wünschte mir plötzlich, ich hätte die Geistesgegenwart besessen, einfach mit ausgestreckter Hand auf ihn zuzugehen und ihm mit beschwichtigender Stimme ein paar Worte zu sagen. Naja, vielleicht beim nächsten Mal. Der Wirt im Cafe erzählte mir, daß dieser Typ immer auf der Piazza rumlungert und versucht, Priestern ans Bein zu pissen.

Zwei Stunden später kehrte ich dann zu einem kleinen Pasta-Gericht beim Il Buco ein. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, daß ich seit Juni nicht mehr dort war, aber plötzlich wurde ich nicht mehr mit "Padre", sondern mit "Monsignore" angeredet (Schade, daß ich nicht noch zwei oder drei Jahre in Rom bin. Ich könnt's vielleicht noch bis zur "Eminenza" schaffen). Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: In unserer Stiftskirche spielen Putti mit Mitren und Hirstenstäben herum, um uns zu zeigen, daß all dieses Zeugs zwar kleidsam und schön und als Auszeichnung und Hervorhebung eines Amtes im katholisch-hierarchischen Kontext durchaus nicht unangebracht ist, aber andererseits doch einer absoluten Wichtigkeit entbehrt. Wenn nackte, beflügelte Babies damit herumspielen, dann sollte jeder vernunftbegabte Erwachsene sich davor hüten, diesen Dingen zuviel Bedeutung beizumessen. Wenn nun der Padrone des Il Buco mich mit Monsingnore anredet, ohne den Nachweis zu haben, daß ich diesen Titel tatsächlich verdiene, dann bringt er ein kindliches Augenzwinkern ins Spiel, welches ihm und mir gleichermaßen ein kleines Grinsen abverlangt. Denn er vermutet und ich weiß, daß ich kein Monsignore bin. Der Kerl, der mich anspuckte, scheint andererseits tatsächlich zu glauben, daß ich ein Kinderschänder bin. Es ist müßig, sich über die Intelligenz oder den Geisteszustand dieses Mannes Gedanken zu machen. Da ich aber Attitüden vergleichbarer, wenn auch abgeschwächter Art (Pauschalverurteilung der Kirche und des Klerus) auch von mental einigermaßen balancierten Subjekten kenne, komme ich nicht umhin zu erwähnen, daß ein spielerischer, augenzwinkernder, ja sogar geflunkerter Umgang mit der Dynamik des menschlichen Hierarchie- und Standesdenkens mir allemal lieber ist, als ein verbittertes, humorloses, selbstgerechtes Gepöbele von selbsternannten Weltvebesserern und Gesellschaftsreformern, die sich nur auf ihre Vorurteile stützen oder sich nur unter Hinweis auf ihre geistige Unzulänglichkeit entschuldigen können. Klar: Für die Mitglieder der zweiten Gruppe drängt sich das Gebet natürlich stärker auf. Und ich werde diese Tatsache auch nicht ignorieren.



Ansonsten habe ich, was Rom betrifft, schon den Tunnelblick. So wenig ich in der Vergangenheit dazu in der Lage war, die Tatsache, daß ich für fünf Jahre in Rom studieren kann, angemessen zu würdigen, so wenig kann ich heute fassen, daß im Juni nächsten Jahres schon alles vorbei ist. Während der letzten Jahre hieß es bei mir immer: 'Och, du bist je eh noch lange genug hier. Keine Grund, jetzt schon Torschlußpanik zu kriegen'. Heute zog ich durch die Stadt und dachte: 'Kacke! Das alles soll ich plötzlich nicht mehr als selbstverständlich betrachten?'

Naja, ich danke dem Herrgott, daß es Probleme dieser Größenordnung sind, die er mir aufbürdet.

Okay, der Monsignore empfiehlt sich erst einmal, vesichert die Blogoezese seines Gebets und bittet um das ihre.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, September 30, 2009

Die Trolle kommen!

Ich blogge momentan wenig, weil ich seit geraumer Zeit an einer kleinen Privatabhandlung sitze. Thema: Wie die - dem System offenbar essentiell innewohnende - Doppelzüngigkeit der sich auf Reformation, Aufklärung und Revolution Berufenden links-liberalen antifaschistischen/-sexistischen/-rassistischen, tierschützenden, hysterisch gendernden (und was sonst noch so alles dazugehört), im Schafspelz der "Heiliger als Du"-Oberdemokratieförderer einherschreitenden Berufsheulbojen, Paradeprotestler und Nörgelnasen in Tateinheit mit deren Hang zu emotionaler Epressung wenn auch noch nicht den totalen Untergang des Abendlandes herbeigeführt, so doch wenigstens den gesunden Menschenverstand aus dem öffentlichen Diskurs weitgehend entfernt und den Identitätsverlust der Europäer zügig vorangetrieben hat. Sollte ich eine stimmige Schlussfolgerung ziehen können (befinde mich noch im Datensammlungs- und Prämissenschmiede-Prozeß), dann wird das Ding auch veröffentlicht. Wenn ich das Material nicht auf den Punkt bringen kann, dann war's immerhin eine nette Etüde.

Nun habe ich bei meiner wöchentlichen Blogger-Umschau von den Methoden der Amadeu-Antonio-Stiftung beim diesjährigen Schweigemarsch "1000 Kreuze für das Leben" gelesen. Paradebeispiel für meine These, versteht sich. Angeregt von Elsa's Aktion und der Antwort darauf, habe ich mal aus dem Ärmel ein kleines Sidebar-Logo zurechtgeschustert, welches ich Interessierten zum Abgriff und zur Weiterverteilung gerne zur Verfügung stelle. Hier seht Ihr es groß, rechts im Sidebar seht Ihr, wie es einbegunden ausschaut.



Jeder Herbst ein heißer, wie mir scheint. Nach Bittlinger jetzt also die mutigen Vorzeige-Demokraten, die ganz sachlich und friedlich gegen die gewalttätigen rechten Lebensschützer vorgehen.

Sunday, September 27, 2009

Eitles Viech!

Spinnen sind ja nun wirklich nicht schön. Aber der Achtbeiner in diesem Video ist entweder extrem papst-freundlich oder sehr von seinem Äußeren überzeugt, schleicht er sich doch immer wieder ins Bild. Der Heilige Vater nimmt's locker.

Friday, September 25, 2009

Rock-Nostalgie

Ich habe mir so gegen 9:30 einen Zweit-Kaffee geholt. Dazu gehe ich in einen kleinen Raum, welcher direkt an das Refektorium anschließt. In früheren Zeiten war dieser Bereich Teil des Refektoriums, bis dann - ich glaube nach dem Zweiten Weltkrieg - eine Wand eingezogen wurde und so ein Raum entstand, in dem zwei Stifts-Angestellte die aus der Küche im Lastenaufzug hochgebeamten Speisen auf Rollwagen stellen und dann zum Auftischen ins Refektorium fahren. Zudem gibt's dort Kühlschränke, aus denen man sich Joghurts und Milchreis und Actimel und kaltes Mineralwasser etc besorgen kann, eine Espresso-Maschine und auch einen Tisch, um den sich immer wieder mal ganz gemischtes Volk versammelt. Der Raum heißt - politisch ebenso unkorrekt wie phänomenologisch stimmig - "Dienerkammer". Dort steht auch ein kleines Radio, aus dem manchmal unerwartete Stücke erschallen. Zum Beispiel heute: Während ich meinen Espresso zapfte, wippte mein linker Fuß plötzlich im Takt zu Twilight vom Electric Light Orchestra, kurz ELO.

Von der Sexta bis zur Untertertia gab es auf dem Gymnasium eine Phase, in der das ELO der kleinste gemeinsame Nenner war, bevor die Wege sich dann trennten in Richtung Hardrock der Geschmacksrichtungen Whitesnake, Scorps, Deep Purple und Rainbow (ein nicht kleiner Haufen von Klassenkameraden hielt Ritchie Blackmore für Gott), (Post-)Punk (Siouxsie und The Cure ließen die ganz Mutigen schon im Alter von 13 Jahren mit Schwarz liebäugeln) und New Wave (Depeche Mode, OMD, B 52s, Human League, Devo und wie sie nicht alle heißen und hießen). Ich fuhr so ein wenig Zweigleisig auf den Postpunk und Wave-Schienen, war aber vorher auch ein unerbittlicher ELO-Fan. Das war mir dann später eine Zeit lang peinlich. Heute steh ich wieder mit stolzgeschwellter Brust zum Orchestra und werde mir nun, wo das Alter schwer wiegt und die Jugenderinnerungen immer kostbarer werden ☺, auch entweder eine Compilation oder wenigstens A New World Record, Out of the Blue und Discovery zulegen.

Ich folge dabei nicht dem schon Mitte der 80er eigentlich ausgelutschten und langweiligen "uncool ist cool"-Prinzip, welches Schlaghosen, Plateauschuhen, Afros, Flokati-Westen und der Farbe Orange ein erschreckendes Comeback ermöglichte und somit Netzhautpeitschen wie dem gesamten Emsemble von Lenny Kravitz' 1995er-Tour zu Stil-Ikonen-Status verhalf, sondern stützte mich schlicht und einfach auf die Qualitäts-Frage. Und da komme ich nüchtern zu dem Schluß, daß Alben wie Out of the Blue oder A New World Record einfach Pflicht sind. Es mag Leute geben, die bei Tunes wie Mr. Blue Sky, Turn to Stone, Livin' Thing, Jungle oder Sweet Talkin' Woman nicht mitsummen und mitwippen müssen. Aber die gehen sicherlich zum Grinsen auch in den Keller. Selbst auf dem von der Kritik schon wieder übersehenen Discovery (wegen dem nicht zu überhörenden Disco-Einfluß von Keyboarder Richard Tandy scherzhaft "Disco? Very!" genannt) gibt es Perlen wie Shine a Little Love, Confusion, The Diary of Horace Wimp und natürlich den ELO-Erkennungstune Don't Bring Me down.

Ich habe mir im ELO-Rausch als Pimpf dann natürlich auch noch Time zugelegt und fand das Album wegen seiner New-Wave-Anbiederung anfangs rasend cool, verlor aber ebenso schnell wieder das Interesse an den Songs, weil sie irgendwie nicht Vintage ELO waren und weil der New Wave nun mal anderen Bands gehörte. Als 1983 Secret Messages erschien, mußte ich der Beziehung dann ein Ende setzen, weil die ELO-Jungs irgendwie im Nebel herumspielten und weil mittlerweile auch ganz andere Bands sich in mein Herz geschlichen hatten. Heute, als weiser Pop-Greis, lerne ich die ELO-Songs wieder zu schätzen. Die simplen, aber effektiven Rock-Nummern - mal schnell, vergnügt stampfend und tanzbar, mal langsam, melancholisch und schluchzend - die sich entweder durch Streicher-Suppen oder durch Keyboard-Schwaden hindurchkämpfen müssen, haben es mir irgendwie angetan und klingen im Jahr 2009 plötzlich wieder urst originell.

Das Electric Light Orchestra ist ja nun eher eine der bekannteren Bands der Rockgeschichte, also muß ich Empfehlungen oder Warnungen wahrscheinlich nicht aussprechen. Wer ELO liebt, der weiß warum. Ebenso wie diejenigen, die um das Orchestra eher einen großen Bogen machen. Sollte es jüngere Leser geben, die sich grade denken 'Wovon faselt der Opi da eigentlich?', denen sei als Reinhörtip das Doppelalbum Out of the Blue empfohlen, welches die Band auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens zeigt. Die dritte Seite der Doppel-LP ist gar ein "Concerto for a rainy day", sprich eine Konzept-Seite, die sich mit miesem Wetter befasst und mit dem irre guten Mr Blue Sky einen zapplig-vergnügten und versöhnlichen Abschluß findet.

Party-Fact: Die Vocoder-Stimme am Ende von Mr. Blue Sky sagt nicht etwa "Mr. Blue Sky, why?" wie immer wieder fehlgehört wird, sondern "Please turn me o-ver", eine Bitte an die Hörer des Vinyl-Albums, die Scheibe doch bitte umzudrehen.

Tuesday, September 22, 2009

Morgennebel

Heute bin ich schon um 7:00 Uhr mit der Kamera rausgerannt, um schnell noch ein paar Bilder zu schießen von dem prächtigen Nebel, der mir seit einigen Tagen allmorgendlich große Freude bereitet.






Ich bin ja ein ziemlicher Nebel-Freund (außer, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und in so einer Waschküche lande, daß ich das eigene Lenkrad nicht mehr sehen kann). Den bisher schönsten und unvergeßlichsten Nebel sah ich vor Jahren (circa frühe Neunziger) in Franken: Da machte ich mich im September bei Sonnenaufgang auf den Weg von Würzburg nach Bamberg. Auf der Landstraße gab es dann linker Hand ein großes Frühnebel-Feld, welches so eigenartig in der Luft hing, daß ich von den Bäumen, die es einschloß, nur die Kronen und ungefähr den unteren Meter des Stammes sah. Grandios!

Tuesday, September 15, 2009

Um zur aktuellen Diskussion...

... ohne viel Aufwand Stellung nehmen zu können (Elsa, David, Florian und Andere haben schon gepostet), kopier ich hier einfach mal fix einen etwas älteren (21. Mai) Text rein:
    Babycaust

    Dieser vom Bundesgerichtshof und Oberlandesgericht in Karlsruhe als legitime Meinungsäußerung gewertete Begriff wird von Lebensschützern gerne als extra-schweres Geschütz aufgefahren. Auch Kirchenmänner vergleichen hin und wieder mal Abtreibungen mit NS-Massenmorden.

    Kann man unterstützen, muß man aber nicht.

    Ich find's ziemlich ungeschickt.

    Aus folgenden Gründen:

    An erster Stelle im Diskurs steht die Frage nach Gott und nach der menschlichen Natur. Für Mitglieder von Glaubensgemeinschaften, deren Lehre nicht den Schutz des Lebens umfaßt, für Konfessionslose oder für Atheisten gibt es Spielraum. Aber ein Katholik z.B. hat immer die Pflicht, sich für das ungeborene Leben einzusetzen. Ein ungeborenes Leben ist zu schützen. Punkt. Wer auf anderen Schauplätzen nach schrillen Parallelen sucht, der läuft Gefahr, das eigentliche Thema für sich und andere zu verwässern, denn es werden sofort Rechenbeispiele bemüht, die man auch so auffassen könnte, daß Abtreibung erst ab einer bestimmten Zahl so richtig falsch wird.

    Wer Abtreibungen mit NS-Massenmorden vergleicht, der tut den Frauen unrecht, denen die Entscheidung zur Abtreibung schwer fällt, auch wenn sie sich letztlich dann doch dafür entscheien. Sicher, es ist die falsche Entscheidung. Aber was haben diese Frauen mit den kaltblütigen, verblendeten, ja wahnsinningen Schlächtern zu tun, die unter anderem mit Konzepten wie "lebensunwertes Leben" operierten?

    Wer Abtreibungen mit NS-Massenmorden vergleicht, der gibt den Abtreibungsbefürwortern eine willkommene Gelegenheit, sich in hysterischen Anfällen zu ergehen und somit vom Thema abzulenken. Da wird dann im Blätterwald ein Bischof in die rechtsextreme Ecke geschoben, das Geschrei ist laut, und unter dem Klangteppich aus Anfeindungen, Beschuldigungen, Entschuldigungen, Protesten, Beschwichtigungen wird weiter munter abgetrieben.

    Wer Abtreibungen mit NS-Massenmorden vergleicht, der wird dem Drama eines im Mutterleib getöteten Kindes nicht gerecht, denn er impliziert, daß man einen Horror wie den Holocaust heranziehen muß, um Abtreibungen verständlich zu machen. Es mag Leute geben, für die Abtreibungen nicht das geringste Problem darstellen. Dort liegt die Versuchung nahe, ihnen gegenüber durch einen Holocaust-Vergleich das Konzept ein wenig anzureichern. Das ist aber eine Verwurschtelung der Kategorien. Wir wollen als Katholiken nicht darauf hinweisen, daß die Tötung von Millionen ungeborener Kinder so schlimm ist wie die Tötung von Millionen Juden. Wir wollen darauf hinweisen, daß das Töten eines einzigen und jedes einzelnen ungeborenen Kindes zum Himmel schreit.

    Wer Abtreibungen mit NS-Massenmorden vergleicht, der macht es sich zu einfach und anderen zu schwer, weil er oft den entscheidenden Punkt überspringt, an welchem die Frage nach dem Leben als solchem aus Katholischer Sicht gestellt werden muß. Nur, wenn wir lernen, das Leben grundsätzlich zu schätzen und unsere Mitmenschen entsprechend zu behandeln (Ermordung von Abtreibungsärzten? Ihr habt sie doch nicht mehr alle!); nur, wenn wir die Bibel kennen, den Katechismus, die katholische Morallehre, dann können wir als Katholiken, jeder für sich, in seinem Umfeld, in kleinen Schritten zur Besserung der Lage beitragen. Substanzloses, aggressives Geplärre gibt es da draußen genug und man kann selbst sehr schnell in den Chor mit einstimmen und danach glauben, seinen Teil getan zu haben. Nein. Katholik sein bedeutet, nicht nur öffentlich im Schutz der Menge seinen Glauben zu bezeugen, sondern auch privat, alleine, abseits der Kameras und der Mikrophone, still und entspannt, meinetwegen bei einer Tasse Tee, im Vier-Augen-Gespräch. Ja, vielleicht sogar am Arbeitsplatz, wo man plötzlich einer gegen zehn seinen Mann oder seine Frau stehen muß, wenn es um den Katholischen Glauben und die Katholische Lehre geht.

    Verteidigt das ungeborene Leben nicht verbiestert mit Klauen und Zähnen und brachialen Vergleichen. Seid sanft, aber zäh und laßt Euch anstecken vom Beispiel unseres Herrn, der - einer gegen so ziemlich alle - gezeigt hat, daß nicht die große Klappe und die Mitgliederzahl der Gang entscheidet, sondern der Gehorsam zum Vater und die Liebe zum Anderen.
Ist übrigens auch heute noch meine Meinung.

Sunday, September 13, 2009

Heißt die Frage jetzt...

... "Wie kann es eigentlich zu solch einer Vertierung kommen?" oder "Was sollen wir mit solchen Tieren eigentlich anfangen?"

Ich blogge ja grade eigentlich nicht...

... aber diese Schlagzeile ist einfach zu schön.

(Falls die zuständigen Tröten es mittlerweile gemerkt und verbessert haben: Die Schlagzeile lautete "Fußballbundesliga: Werder Bremen schlägt Hannover 96 0:0")

Saturday, September 05, 2009

Zurück vom Chorherren-Kongress

Da bin ich wieder!

Wir hatten drei prima Tage in Como, Mailand und Pavia. Es waren 140 Chorherren aus ganz Europa da. Das Wetter war höchst sommerlich, das Programm etwas dicht gedrängt aber interessant. Hier einige Bilder:


Wir waren außerhalb von Como untergebracht. Meine Reisegruppe (denn die Klosterneuburger flogen in zwei Abteilungen ein) war schon um 10:30 in Como. Der Kongress begann aber erst um 19:00, also haben wir den Tag in der Stadt verbracht. Bei Como denkt man natürlich gleich an den Comer See.


Insgesamt ist Como ein süßes kleines Städtchen mit viel alter Architetur...


... plötzlich zwischen Häusern auftauchenden grünen Hängen...


... und malerischen langen Straßen.


Einen Dom gibt's auch. So sieht er um 11:00 Uhr aus.


Und so um 17:30, vom gleichen Standort photographiert.


Innen ist der Dom auch hübsch. Aber leider sind...


... außer diesen beiden Bildern alle anderen verwackelt.


Der Dom feierte an diesem Tag Geburtstag, also gab es ein Pontifikalamt mit großer Prozession. Der gute Herr Bischof war so nett, mir zuzulächeln und zu -winken, als ich ihm mit der Kamera drohte.


Am ersten Kongreßtag ging es nach Mailand,...


... wo mich vor allem der traumhafte Dom mit seiner Fassade aus grau-rosa Marmor beeindruckt hat.


Der Detailreichtum der Fassade ist umwerfend,...


... und ich habe hier eigentlich noch sachliches Zeug photographiert.


Der kleine Herr Alipius vor dem gigantischen Domportal.


Eigentlich war in Mailand ein Besuch des Baptisteriums vorgesehen, in welchem der Heilige Augustinus die Taufe empfing. Da wurde aber grade mal schnöde dran herumrenoviert, also war nix. Stattdessen ging's zur Basilika des Heiligen Ambrosius. Dessen Gebeine werden dort aufbewahrt und verehrt. Der Kirchenvater liegt im Sarg flankiert von den Heiligen Gervasius und Protasius, welche er während seiner Amtszeit als Bischof von Mailand auf drängen einer im Traum empfangenen Botschaft unter seiner Kirche begraben fand. Einmal rechts...


... einmal links.


Und dann hatte ich meinen ersten großen "Augustinus!"-Moment: Gleich um die Ecke der Basilika liegt eine kleine Kapelle, von der man sagt, sie sei über genau dem Ort errichtet worden, an welchem unser Heiliger Ordensvater einst das "Tolle, lege" vernahm. Da mußte ich mich natürlich gleich mal ablichten lassen. Wer nun genau der Schrift-Anbieter auf dem Gemälde ist, darüber konnten wir keine Auskunft finden.


Am nächsten Tag ging's nach Pavia. Und da mußte ich dann gleich zweimal hintereinander feste schlucken: Einmal, als ich das Grab des Heiligen Augustinus sah...


... und dann gleich noch einmal, als plötzlich der momentane Bischof von Hippo neben mit stand. Der hat - als Hirte in einem muslimischen Land - ungefähr soviel Schäfchen in seiner Diözese, wie ein Dorfpfarrer in Deutschland. Er hat so ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, vom tagtäglichen Katholischsein in Algerien, und irgendwie klang es plötzlich nach heißen Tips für die Zukunft (so von wegen "Christsein in einem vom Islam dominierten Gebiet").


Wir waren auch noch in Certosa. Das ist eine ehemalige Wahnsinns-Hammer-Kartause, die trotz wildester Geschichte und Niedergang seit dem Josephinismus und erst recht seit der Franzosenzeit heute immer noch strahlend dasteht. Zwischenzeitlich waren mal die Zisterzienser drinnen, dann die Karmeliten, dann wieder die Kartäuser und jetzt seit 1968 wieder die Zisterzienser.


Kreuzgarten


Kartäuserhäuser


Am letzten Tag waren wir dann auf dem Sacro Monte bei Varese. Dies ist ein Marienwallfahrtsort, zu dem 14 Kapellen hinaufführen. In jeder der Kapellen ist eines der 15 Rosenkranzgesetzte figürlich dargestellt. Klingt kitschig, ist es auch irgendwie, aber andererseits auch wieder nicht. Denn die Arbeiten sind richtig schön lebendig und wild. Es sind übrigens nur 14 Kapellen, weil "... der dich o Jungfrau im Himmel gekrönt hat" natürlich in der Wallfahrtskirche zu sehen ist. Von der Kirche habe ich leider keine Bilder, weil wieder alles zu dunkel oder zu verwackelt war. Dafür gibt's dieses malerische Gassenensemble,...

... diese Nebelstimmung...


... und diesen Gruselmoment: Der Diener Gottes Paul VI als überlebensgroße Geisterbahnfigur. Echt jetzt: What were they thinking (um den AVGN zu zitieren)?


Gut, jetz ist erstmal wieder Schicht für'n paar Tage.

Ciao,
Alipius