Wednesday, May 23, 2007

Edel-Indie

Die Zauber-Stiefschwestern Kristin Hersh und Tanya Donelly gründeten 1981 die Frauenband "The Muses". Der "All Girl"-Anspruch wurde bald fallengelassen, aus den "Muses" wurden die Throwing Muses und nach einigen kleineren Self-Releases wurde 1986 bei 4AD das erste amtliche Album veröffentlicht.

Mann, war das ein Spaß!

Ich weiß heute noch, wie ich damals - nachdem ich die Scheibe einmal von vorne bis hinten durchgehört hatte - erstmal minutenlang regungslos vor meinem Stereo saß und dachte 'Keine Ahnung, was das da grade war, aber ich hätte nichts dagegen, in Zukunft mehr davon zu hören'. Um sicher zu gehen, legte ich die Nadel schließlich nochmal in die Rille und ließ Seite 1 durchlaufen.

Und tatsächlich: Das war Musik, wie ich sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehört hatte. Jeder zweite Gedanke, der mir durch den Kopf schoß war 'Warte mal! Haben die das da grade wirklich gemacht?'

Ober-Muse Kristin Hersh zählte noch keine zwanzig Lenze, als dieses Album aufgenommen wurde. Sie litt damals an einer seltsamen mentalen Krankheit, die sie unter anderem halluzinieren ließ. Und nach nichts weniger klingen die Songs. Da werden frech Tonart und Tempo gewechselt, aber nicht nach dem Motto "Hey, kommt! Wir sind jetzt mal total avantgardistisch!" sondern so, daß es einem einfach nur kühl den Rücken runterläuft, weil es so stimmig ist. Punk, Rock, Folk, Rockabilly und Pop gehen gewagte aber funktionierende Beziehungen ein. Die Texte sind nicht immer so ganz verständlich, manchmal zu "Automatic Writing"-mäßig, aber in den besten Momenten nicht weniger als furchterregend. Und dann ist da natürlich auch noch die Stimme. Man kann Kristin Hersh wahrlich nicht nachsagen, daß sie ihre Emotionen bei der Aufnahme dieser Scheibe unterdrückt hat. Manchmal hatte ich wirklich Schiß, daß sie aus einer der beiden Boxen kriechen und mir feste an den Haaren ziehen könnte (die waren damals noch voller und länger).

Es geht eigentlich ganz hausbacken los. Call me besticht gleich zu Beginn mit einem hübschen Break, gefolgt von zickig-straffem Indie-Pop. Aber dann kommt auch schon zum ersten mal dieses leicht furienhafte Gekrächze und man weiß 'Hoppla! Hier wird mit anderen Regeln gespielt'. Zumal der Song dann ja auch gleich noch mit einer Kehrtwende zu einem ruhigeren Gewässer offiziell die Muses-Visitenkarte abliefert. Green ist ein schöner, perliger Sechsachtel auf dem Tanya Donelly als Background-Stimme klasse Akzente setzt. Und dann geht's los: Mit Hate my way und Vicky's Box folgen hintereinander zwei gnadenlos aufwühlende Songs. Hate my Way startet mit millitärisch strammen Beats, zu denen Hersh aufzählt, was sie alles hassen könnte, bevor sie dann, wenn das Stück sich zu einem melodiösen Klagelied wandelt, erkennt: "No, I hate my way!" Und die ganze Geschichte klingt kein bißchen nach plakativem und ermüdendem Selbstmitleid, sondern in der Tat nach einer leicht verstörten Seele. Gruselig. Vicky's Box beginnt als monotoner Gitarrenpop und legt nach einem hexenhaften Weckruf ein paar Klafter drauf, bis Hersh dann am Ende nüchtern feststellt "A kitchen is a place where you prepare and clean up" und man eigentlich gar nicht so genau wissen möchte, was sie damit meint. Lustig weiter geht's dann mit dem gar nicht so lustig betitelten Rabbit's dying, welches sich nach einem eher sachten Einstieg in ein herrliches Folkabilly-Gemetzel auflöst, bei dem auch die Kuhglocke mitswingen darf. Es geht weiter mit dem undurchsichtigen Gepolter von America, dem hypnotischen Fear und dem unscheinbar swingenden Stand up, bevor es dann noch mal richtig groß wird. Soul Soldier läßt einen mit seinem Stimmungsverlauf von brutal-finsterem Gitarrengewühle zu traurigem Harmoniegesang so richtig alle zurück. Und dann wird auch noch Delicate Cutters obendrauf gesetzt. Mitreißend, furchtbar und schweißtreibend demonstriert Kristin Hersh, wie die "verletzliche Songwriterin gibt zum Klang ihrer Gitarre ein Stück ihrer Seele preis"-Masche wirklich zu laufen hat. Unfaßbar gut.

Die Platte ist - vorsichtig ausgedrückt - interessant. Nüchtern betrachtet hängt sie irgendwo zwischen verrückt-genial, wunderschön-häßlich und versöhnlich-finster. Wenn ihr Mumm in den Ohren habt, dann hört mal rein.

Kleine Warnung...

Blogger hat seit einigen Tagen ein Auto-Save-Feature, welches in regelmäßigen Abständen die Beiträge sichert, an denen man grade arbeitet. Im Grunde eine nette Idee. Der Haken: Safari-User (wie ich) können nun die Beiträge nicht mehr im Vorschau-Modus ansehen, bevor sie gepostet werden. Sowohl das Korrekturlesen, als auch das Checken etwas komplexerer html-Tags funktioniert im Vorschau-Modus zehntausend Mal besser. Das Blogger-Team arbeitet an einer Lösung. So lange diese nicht gefunden ist, könnten meine Posts vielleicht ein wenig wilder aussehen als gewohnt. Bisher habe ich einfach immer gepostet und dann kleinere Unebenheiten editiert, aber auf die Dauer wird das halt auch ein bißchen stressig.

Ich hoffe die kriegen das bald auf die Reihe.

Tuesday, May 22, 2007

Atheisten auf dem Holzweg

Ich mache grade eine kleine Lernpause und hüpfe so ein bißchen im Internet herum. Unter anderem fand ich einen Atheisten-Blog. Der rühmt sich, den rationalen Individualismus zu unterstützen und gleichzeitig in strenger Gegnerschaft zu all denen zu stehen, die inkohärente übernatürliche Ansprüche pflegen. So weit, so originell...

Jetzt habe ich mal ein wenig nicht nur auf dieser Seite, sondern auch auf solchen, zu denen von dort verlinkt wird, herumgestöbert. Und siehe da: Atheismus ist eine Religion!

Es fängt schon mal damit an, daß auf keiner dieser Seiten irgend etwas anderes geboten wird, als die in wissenschaftliche Sprache gehüllte Hoffnung, Gott könnte vielleicht doch nicht existieren. Von einem "Beweis" sind diese Jungs und Mädels meilenweit entfernt. Nein, falsch ausgedrückt. Wären sie von einem Beweis entfernt, so gäbe es ja einen Beweis. Da die Atheisten wohl selbst aber schon gepeilt haben, daß dem nicht so ist, verlegen sie sich auf ganz erstaunliche Methoden.

Da werden in den Headern der Blogs haufenweise "große" Atheisten zitiert. (Steigern der eigenen Autorität durch Heranziehen großer Autoren der 'heiligen Schriften')

Da wird Ex-Atheisten, die den Weg in die Kirche gefunden haben, im besten Fall hinterhergeweint wie einem verlorenen Schäfchen, im schlimmsten Fall hinterhergezetert wie einem Ketzer. (Verdammung von Abtrünnigen)

Da werden Leute, die atheistische Argumente widerlegen, mit verbiestertem, oft unappetitlich unlogischem Dogmatismus verbal bombardiert und angeprangert. (Eine gläubige Masse mit ihren Hirten sieht zu, daß die Lehre rein und unangetastet bleibt)

Und dann habe ich in all diesen Blogs Dinge gelesen wie
    "Gottes Sehnsucht"
    "Wenn Gott allmächtig ist, muß er alles sein können, also auch unlogisch"
    "Gott ist vielleicht nur ein cleverer Lügner"
Wenn diese Leute offensichtlich so gar keine Ahnung davon haben, was Gott ist und was Gott kann, dann werden ihre Beiträge nicht, wie von einem Autor keck behauptet, das Vertrauen der Christen "weiter untergraben" sondern es eher aufbauen.

Das Spiel ist Fußball, aber die Atheisten haben ihre Billardqueues mitgebracht. So ungefähr scheint es mir manchmal, wenn sie gegen Gott argumentieren und dabei nicht das ganze Bild in Betracht ziehen, sondern mit ihren Werkzeugchen nur in der Materie herumstochern, die ihnen geistig zugänglich ist.

Da ist die Kirche allerdings weiter. Nicht nur, weil sie Galileo exkulpiert hat (der übrigens nicht verurteilt wurde, weil er das heliozentrische Weltsystem propagierte, sondern weil er dieses System - entgegen einer Absprache mit dem Vatikan - als Wahrheit präsentierte, bevor es wissenschaftlich bewiesen war). Die Kirche ist auch und vor allem weiter, weil sie mit den Wissenschaften den Dialog sucht und ihnen auf Augenhöhe begenet. Sicher, man braucht natürlich Vertrauen in das, was man tut, bevor man einen solchen Schritt macht. Das könnte Vieles im Verhalten der Atheisten erklären...

Monday, May 21, 2007

Dankeschön!

Auf pax vobis beschäftigt Georg sich mit der interessanten Frage, ob Pessimismus über den Niedergang des Christentums in unserer Gesellschaft nicht leicht in eine Art von Hochmut umschlagen könnte, der uns glauben macht, es sei unser Verdienst, den Schritt des Glaubens zu wagen.

Ich bin mit Georg der Meinung, daß Dankbarkeit an Gott im Vordergrund stehen muß. Wüßte ich nicht, daß Gott es ist, der mich auf diesen Weg gebracht hat und mich auf diesem Weg begleitet, woher sollte ich dann auch meinen Antrieb nehmen? Wenn ich in diesen Tagen vor Pfingsten die Novene zum Heiligen Geist bete und mich so mit unzähligen Katholiken überall auf der Welt im Gebet vereint weiß, dann denke ich auch seltener so etwas wie
    "Danke, liebe Leute, daß auch ihr euch entschlossen habt, an der Party teilzunehmen."
sondern eher
    "Danke, Gott, daß Dein Ruf auf der ganzen Welt erschallt und für Menschen jeder Sprache verständlich ist."
Hier folgt der auch von Georg angesprochene nächste Schritt, in welchem ich mich gedrängt fühle, die ganze Welt an dieser Gnade und Freude teilaben zu lassen, in aller Demut (deren Schüler ich noch bin), aber kraftvoll und mutig.

So schließt sich dann auch wieder der Kreis zur Welt. Es ist ja so, daß die Meisten von uns wissen, was uns Katholiken droht, sollten wir öffentlich Farbe bekennen und nicht nur Christus als den Weg, die Wahrheit und das Leben und Licht für alle Menschen bezeichnen, sondern auch die Zugehörigkeit zu seinem mystischen Leib als unabdingbare Voraussetzung zum Heil erklären und das sich daran anschließende Gesellschaftsmodell propagieren. Auf der Ebene des Glaubens bekommt man dann gleichwertige Religionen und den einen Gott, "an den wir doch irgendwie alle glauben", um die Ohren gehauen. Auf der Ebene der Gesellschaft ist man dann wahlweise "frauenfeindlich", "undemokratisch", "homophob", "heuchlerisch" oder welches Knebeladjektiv du jour halt grade chique ist. Da könnte man sich vielleicht in der Tat mal versucht fühlen, den Kopf in den Sand zu stecken und sich in pessimistischen Litaneien über den Niedergang des Christentums zu ergehen.

Aber findet dieser Niedergang denn wirklich statt? Starren wir bereits dem Nichts in den aufgerissenen Schlund? Oder könnte es nicht vielmehr so sein, daß der Katholizismus in Europa grade durch ein Tal schreitet, in dem zwar hin und wieder gejammert wird, in welchem sich aber auch der Prozeß der Reinigung vollzieht, durch den die Kirche sich von überflüssigem Ballast befreit? Extrem-Feminismus, sexuelle Revolution, Auflehnung gegen jegliche Art von Autorität, "mein soziales Engagement ist edler als dein soziales Engagement", säkularer Humanismus, Relativismus, Zelebrieren der Vielfalt (solange deine Vielfalt auch meine ist) und so weiter und so fort...

Wir werden sicherlich noch ein wenig an Quantität einbüßen. Aber diejenigen, die am Ende das Tal verlassen, werden Gebete durch Mauern spucken können und sich für Christus und die Kirche in Stücke reißen lassen. Und wenn die verlorenen Söhne und Töchter irgendwann vom Schweinehüten die Nase voll haben und sich nach des Vaters Wohnung zurücksehnen, dann werden sie des Vaters Wohnung auch finden.

Christus hat es versprochen. Christus wird es halten.

Also an dieser Stelle ein himmelhochjauchzendes "Dankeschön" an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Sunday, May 20, 2007

Noch etwas, woran ich mich gewöhnen muß...

In Italien - und somit auch im Schottischen Kolleg - wird Christi Himmelfahrt am siebten Sonntag der Osterzeit gefeiert. Hier war's heute besonders dicke, da fünf der Jungs noch die niederen Weihen zum Lektor bzw. Akolyth empfangen haben. Ex-Rektor und Jetzt-Bischof von Paisley, Philip Tartaglia, war Zelebrant. Viele Gäste waren da und alles in allem war der Tag so anstrengend wie schön.



Lukas 24, 46-53:
    Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Saturday, May 19, 2007

Puh! (mit einer Schweiß-von-der-Stirne-wisch-Geste)

Da fiel mir doch am Dienstag ein, daß ich noch eine schriftliche Semesterarbeit vom zweiten Semester des ersten Studienjahres ausstehen habe. Diese war nämlich für Professor Bagood, der wegen Meningitis ewig lange im Krankenhaus lag, jetzt aber wieder munter unter uns herumtobt. Der Prof wollte mir eine Bibliographie zumailen, aber dann kam die Krankheit dazwischen und dann startete das zweite Studienjahr und irgendwie haben dann er und ich vergessen, daß da doch noch was war...

Diese Arbeit muß allerdings spätestens am 15. Juni fertig und benotet sein, sonst darf ich das Abschlußexamen nicht machen. Ich kroch also am Dienstag zu Bagood und flehte um irgendeine Idee, wie wir das Problem schnell und geschmeidig aus der Welt schaffen können. Das Thema der Arbeit war "Wahrheit und Wahrscheinlichkeit in der Wissenschaft unter besonderer Beachtung von Carnaps 'Logical Foundations of Probability'", Zeugs also, mit dem sich eh kein anständiger Mensch öffentlich sehen lassen sollte. Naja, für solide Quellenforschung für die Arbeit war es längst zu spät. Das sah auch Professor Bagood ein. Er meinte ganz trocken "Schreib mir ein paar Seiten über irgendwas, das dich interessiert und das mit unserem Kurs (Naturphilosophie) zu tun hat."

Auf dem Weg nach Hause fiel mir dann ein, daß Bagood uns im ersten Semester einmal als kleine Denkübung die Frage gestellt hat: "Wie würdet ihr einem Straßenhändler erklären, daß erste Materie existiert?" Diese Frage habe ich damals nicht beantwortet, aber sie tauchte immer wieder mal in meinem Gedächtnis auf. Naja, und jetzt habe ich mich heute mittag hingesetzt und in fünf Stunden einen zehnseitigen Aufsatz geschrieben, der diese Frage beantwortet. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen und zu beten, daß der Professor mein Unternehmen als gültig anerkennt und es mir durchgehen läßt. Auf jeden Fall habe ich mir einen studienfreien Sonntag erkämpft, da ich eigentlich für die Arbeit das ganze Wochenende veranschlagt hatte.

Ansonsten laufen die Examensvorbereitungen auf Hochtouren. Ein wohlmeinender Professor steckte mir unter der Woche, daß "eh kein normaler Mensch für die Abschlußexamen lernt", da die Semesterexamen "viel wichtiger" seien. Das gefiel mir ja schonmal ganz gut, zumal die Examen jetzt doch so liegen, daß ich in der Woche vor dem Abschlußexamen nur eine andere Prüfung habe, somit also dick Zeit bleibt, doch ein bißchen was für den großen Showdown zu tun.

Friday, May 18, 2007

Noch'n Quiz!

"Which South Park kid are you most like?" fragt youthink.

Mein Resultat: Stan


You're pretty normal. Infact you're usually the sane voice of reason when everyone else is going crazy.

Tuesday, May 15, 2007

Fundstück der Woche

Der Priester

Der alte Bau
der ewig jungen Braut
war ihm ein Zuhause bis zum Ende.

Dort glaubte er, dort hoffte er, dort liebte er.
Er, der niemandem etwas sein wollte,
außer ihnen kein Hindernis und
Ihm ein Diener.

Wenn er sprach, dann hörten sie
nicht auf zu hören.

Wenn er Gesten streute und Blicke verlor
und seine alten Lieder sang,
dann saß manch Einer unruhig, aber dachte
tief und fern und schön.

Wenn er herabrief, pries und gedachte
und mit geschlossenen Augen
den heiligen Engel,
den himmlischen Altar,
die göttliche Herrlichkeit,
den heiligen Leib,
alle Gnade,
allen Segen...

Dort glaubte er, dort hoffte er, dort liebte er.
Denn es war ihm ein Zuhause bis zum Ende.

Die spinnen, die Römer!

Ich sitze heute so ganz unschuldig in der Strapazenbahn und starre so vor mich hin in den sich draußen vorbeischiebenden Blechbrei, da sehe ich doch in einem kunstvoll heruntergekommenen alten Fiat eine wenigstens 70-jährige Oma, die rechte Hand am Lenkrad, den linken Arm lässig aus dem Fenster, Kippe im Mundwinkel und am Toben wie nichts Gutes, weil ihr, wie jedem anderen Römer auch, mal wieder alles zu langsam geht.

'Seltsam!' dachte ich mir. 'Wenn die es auf der Straße so fix mögen, warum sind sie dann so schnarchig, wenn es drum geht, irgendwelche Dienstleistungen zu erbringen?' Bevor ich eine zufriedenstellende Antwort fand, machte die Bahn dann mitten auf der Strecke halt. "Okay," murmelte ich. "Zeit für die wöchentliche Straßenbahn-Panne." Und tatsächlich: Es gab eine Panne. Aber nicht mit der Bahn, in der ich saß, sondern in der, die nur wenige Zentimeter vor der unseren stand und aus welchem Grund auch immer liegengeblieben war. Zum Weiterfahren benötigte sie offenbar nicht mehr, als einige Zentimeter weit fortbewegt zu werden, denn unser Fahrer rollte plötzlich langsam los, schob die andere Bahn an, die bimmelte erfreut, aus dem Fahrerhäuschen winkte dankend eine Hand und ab ging's.

Auf dem Rückweg vom Angelicum gönnte ich mir dann ein Taxi, weil ich spät dran war und es außerdem nach Regen roch. Auf der Piazza Venezia gibt's eine kreisrunde Plattform von ungefähr einem Meter Durchmesser. Auf der steht manchmal ein Gendarm mit schnieker Uniform und unanständig lauter Trillerpfeiffe, der den ehrbaren Versuch unternimmt, den Verkehr über die ampellose aber gigantische Piazza zu regeln. So auch heute. Mein Kutscher sieht's, zurrt den Gurt quer über die Brust, hält ihn fest, nickt dem Polizisten freundlich zu und läßt, sobald wir an dem guten Mann vorbei sind, den Gurt sogleich wieder los, so daß er - schwupps - dorthin zurückflutschte, wo er gefälligst hingehört.

Monday, May 14, 2007

Ich versteh' die neuen Spielregeln nicht...

... aber ich versuch's einfach mal. Rot eingefärbt habe ich die Textstellen, von denen ich annehme, daß sie mir - dem neuen Regelwerk zufolge - die Punkte einbringen.

Da hatten wir also am Samstag in Rom den "Family Day". Organisiert wurde er landesweit von katholischen Gruppen, nicht aber der Kirche selbst. Es kamen dann auch mindestens 500.000 Leutchen aus ganz Italien nach Rom. Sie haben dann - Papa, Mama, Opa, Oma, Onkel, Tanten und viele Bambini - auf dem Platz bei der Lateranbasilika die Familie gefeiert. Die recht kurzfristig auf die Beine gestellte Aktion sollte nicht nur ein Zeichen für die Familie setzen, sondern wohl auch - so sagte es mir ein Teilnehmer - ein aufmunterndes Schulterklopfen für die Kirche im allgemeinen und den Papst im besonderen darstellen. Am ersten Mai gab es nämlich - ebenfalls auf dem Platz der Lateranbasilika - ein traditionelles Ewiggestrigen-Treffen von Kommunisten, Radikalen und dergleichen. Der Staub über die Morddrohungen an Erzbischof Bagnasco hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelegt, da feuerte der Sänger und "Komödiant" Andrea Rivera gleich noch eine Breitseite nach, in der er bewies, daß er zwar gut polemisieren kann aber leider von der Kirche und vom Katholizismus gar keine Ahnung hat. Naja, es hat immerhin gereicht, um - angefeuert von den Schreien einer ebenso ahnungslosen aber leicht erregbaren Masse - ein paar Plattheiten in Richtung Vatikan abzufeuern ("Wollt ihr den totalen...", aber lassen wird das). Der Osservatore Romano ließ sich dann in seiner Reaktion auch nicht lumpen und verglich die Aktion wegen des ausgesprochen idiotisch gewählten Zeitpunktes (die Morddrohungen) mit Terrorismus. Die "Rose in der Faust", so der Name des Sammelbeckens der Italienischen "laizistisch-sozialistischen Liberal-Radikalen" (Ich weiß! Soviel Medizin gibt's doch auf der ganzen Erde nicht.), organisierte dann noch flott einen sogenannten "Lay Pride" (Ähnlichkeiten rein zufällig, wie sich versteht.) als Gegenparty zum "Family Day". Eingeladen waren hier in erster Linie all diejenigen, die eine sehr weite Definition des Begriffs "Familie" haben, und dabei die Familie außen vor lassen. Man sollte also denken, daß die Stellung bezogen und das Feindbild klar war. Aber denkste. "Il Manifesto", ein kommunistisches Blatt, veröffentlichte - für den Fall, daß es in den stramm geschlossenen Reihen noch Gehirne geben sollte, die nur gewaschen, aber noch nicht gelegt und gefönt sind - dann noch flott folgende Karikatur:


Sie: "Da wird ein Haufen Priester sein."
Er: "Du meinst wir sollen die Kinder lieber zu Hause lassen?"

Und hier fand ich jetzt keine richtige Hilfestellung im neuen Regelbuch. Daher meine Verwirrung. Ich weiß nur, daß es um Stereotypen und Vorurteile geht und daß ein Argument auf keinen Fall auf die Sache bezogen sein darf sondern möglichst verletzend und denunzierend sein muß, um die Leute von unangenehmen Wahrheiten abzulenken und zum tumben Mitgrölen anzuregen. Was tun?

Verwirrt,
Alipius

Friday, May 11, 2007

Ein wunderbarer Artikel...

... über das Konservativsein von Wolfram Weimer im Cicero-Magazin.

Spaß mit Kirchenschildern

Ihr kennt sie wahrscheinlich alle: Die großen Hinweisschilder mit beweglichen Lettern, die man in den USA immer wieder mal vor Kirchen stehen sieht. Die Seite Churchsign-Generator bietet Euch die Möglichkeit, Eure eigenen Schilder zu beschriften.



Thursday, May 10, 2007

Kultur des Todes

Ich fand diesen Ausdruck immer griffig und malerisch, aber ehrlich gesagt auch ein wenig übertrieben. Es klang beim ersten Hinhören ein bißchen zu exklusiv, so nach dem Motto: "Wir leben in einer Kultur des Todes und nur diejenigen, die imstande sind, dies zu erkennen und den Finger in die Wunde zu legen, sind die Guten." Bis sich dann irgendwann der Begriff verschob und ich erkannte, daß nicht von DER Kultur des Todes als einzig vorherrschender Kultur die Rede ist, sondern von EINER Kultur des Todes, die sich allerdings anschickt, in gewissen Bereichen des öffentichen und privaten Sektors, der Kultur des Lebens ein ganz dickes Beinchen zu stellen.

Gestern gab's im Bundestag ja eine Anhörung zur Liberalisierung des Stammzellenforschungsgesetzes. Petra hat eine ausgezeichnete und umfassende Linksammlung zum Thema.

Bei Petra fand ich unter anderem auch einen Verweis zu einem Stern-Interview mit dem Wissenschaftler und Stammzellforscher Hans Schöler. Der spricht sich natürlich für eine Liberalisierung der Regelungen aus. Das Interview selbst ist sachlich und korrekt und frei von Brutal-Polemik. Es gab dann aber eine Stelle im Interview, die mich ein wenig stutzig machte:
    Frage: "Es gibt Vorbehalte und Ängste der Stammzellforschung gegenüber. Was glauben Sie, woher diese ablehnende Haltung kommt?"

    Antwort: "In der Bevölkerung ist die nicht da. Ich unterhalte mich mit vielen Leuten, halte viele öffentlichen Vorträge. Die Leute sind kritisch, aber nicht so ablehnend, wie immer behauptet wird. Mir ist aber auch klar, dass die katholische Kirche stark dagegen ist und versucht, ihren Einfluss auf die Parteien auszuüben - zum Teil erfolgreich."
Wenn die ablehnende Haltung angeblich in der Bevölkerunbg nicht da ist, die Katholische Kirche aber stark gegen Stammzellenforschung ist, heißt das, daß die Priester und Laien der Katholische Kirche nicht Teil der Bevölkerung sind? Ich will jetzt bestimmt nicht so paranoid sein und zwischen den Zeilen das "Böse Kirche, liebe Wissenschaft" lesen, aber seltsam mutet die Antwort schon an.

Und wie sieht das große Bild aus? Im Interview wird auch erwähnt, daß in Spanien momentan eine regelrechte Euphorie herrscht, was die Stammzellenforschung betrifft. Das einst Katholische Land hat sich nach der Ära Franco auf die säkularen Hinterbeine gestellt und nach der Wahl des Sozialisten Zapatero nach jedem der Katholischen Doktrin widersprechenden Würstchen geschnappt, das verlockend vor der Nase herumbaumelte. Zivilehe mit Adoptionsrecht? Aber hallo! Express-Scheidungen? Immer her damit! Abtreibungen? Kann ich garnicht genug von kriegen!

Auf den Punkt gebracht wird die Situation vom evangelisch geprägten Internet-Portal für Christen Livenet in der Schweiz. Unter der - ernstgemeinten - Überschrift "Lustbetont statt gehorsam und fromm" heißt es da:
    "Linke Regierungen haben den Staat von der Kirche losgelöst. Spanien hat die Zivilehe für Homosexuelle (samt Adoptionsrecht) und vor einem Jahr auch "Express-Scheidungen" zugelassen. Im EU-Vergleich haben die Abtreibungen in Spanien in den letzten zehn Jahren am stärksten zugenommen: um 75 Prozent auf gegen 80’000. Niemand wartet mit dem Kinderkriegen länger als die Spanierinnen."
Und hier wird aus der Kultur des Todes natürlich die Kultur des Wahnsinns, wenn 80.000 Abtreibungen pro Jahr ein Indiz für lustbetontes Leben sein sollen und beim Geschlechtsverkehr penibel darauf geachtet wird, daß er möglichst allem dient, nur nicht der Fortpflanzung.

Vielleicht ist das Aufbegehren gegen die sogenannte Kultur des Todes letztlich in der Tat nichts, als die Bereitschaft, nicht nur passiv an diesem Treiben keinen Anteil haben zu wollen, sondern, wie Papst Benedikt XVI es in "Jesus von Nazareth" schreibt, auch sich aktiv dem so angenehm betäubten kollektiven Gewissen entgegenzustellen und ihm ins Gesicht zu schreien, bis es erwacht, oder bis man um der Gerechtigkeit Willen verfolgt wird.

Übertrieben? Dann zählt hier mal eins und eins zusammen:

Nachdem der Vorstitzende der italienischen Bischofskonferenz, der Genueser Erzbischof Bagnasco, sich in deutlichen Worten gegen eine Legalisierung sogenannter Zivilpartnerschaften ausgesprochen hatte, fanden sich bald überall in der Stadt Graffitis, die den Bischof beschimpften und zum Mord an ihm aufriefen. In der Kathedrale lagen plötzlich Pamphlete aus, welche Maria als bisexuell portraitierten. Letzte Woche bekam Bagnasco einen Brief zugeschickt, der ein Photo von ihm und eine Patrone enthielt.

Am 26. April gab es eine Resolution des Europäischen Parlaments zur "Homophobie". Nachdem man Polen als "haßerfülltes" Land an die Wand gestellt und exekutiert hatte, wurden Maulkörbe an unbequeme Politiker und Religionsvertreter verteilt bevor man dann den 17. Mai zum Internationalen Tag gegen Homophobie erklärte.

Morddrohungen gegen Bischöfe gehen schon klar, so lange wir nur alle hübsch strammstehen und nicht etwa Unwillen erregen.

Als halbwegs aufrechter Christ kann man sich wahlweise schon mal auf die Löwen oder die Anderen freuen.

Tuesday, May 08, 2007

Ich konnte nicht widerstehen...

Ta-Dah!

Hey, wilder Kerl!

Alles Gute zum 10. Geburtstag!



Ich konnte natürlich mal wieder nicht mitfeiern. Aber im September komme ich nach Deutschland und dann gibt's einen extra-feisten Eisbecher oder eine mühlradgroße Pizza bei Anna oder beides.

Alles Liebe,
Onkel Claus

Sunday, May 06, 2007

Schottland sagt "Nein!"

Untersuchungen in Schottland zeigen, daß in benachteiligten Gegenden Kinder, die katholische Schulen besuchen, eine bessere Ausbildung erhalten als diejenigen, die in staatlichen Schulen unterrichtet werden.

Die überwältigende Mehrheit aller katholischen Eltern in Schottland schickt ihre Kinder auf Katholische Schulen.

Die Grünen in Schottland veröffentlichten vor einiger Zeit ein Manifest, in dem sie versprachen, die Katholischen Schulen im Lande aufzulösen, sollte man die Partei an einer Regierung beteiligen. Die Schulen sollen aufgelöst werden, weil die Sektarianismus fördern. Für diese Behauptung gibt es allerdings keine Beweise.

Was also wollen die Grünen sagen? Ich sehe vier Hauptaussagen:
    "Die Zukunft benachteiligter Kinder darf uns nicht vom Ziel ablenken, wenn es darum geht, auf dem Altar des Säkularismus ein uns selbst gefälliges Opfer darzubringen!"

    "Uns geht's ja nicht um die Bildung der Kinder, sondern um unsere Vorstellung von der Gesellschaft. Katholische Schulen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, daß Christliches Gedankengut überlebt, also müssen sie weg!"

    "Wir haben keinen Bock, bei den nächsten Wahlen gut abzuschneiden!"

    "Dann sollen sie eben Kuchen essen!"
Bei den Wahlen in dieser Woche verloren die Grünen 5 ihrer bisher 7 Sitze.

Man muß da nicht unbedingt einen Zusammenhang sehen. Freuen darf's einen trotzdem.



Und da wir grade bei Wahlen sind: Auch aus Frankreich gibt es gar Erbauliches zu berichten. Segolene Royal, Presidentschaftskandidatin der Sozialisten, bewies in dieser Woche, wieviel Sozialismus mit Demokratie zu tun hat. Sie warnte in einem Radiointerview davor, für den konservativen Kandidaten Sarkozy zu stimmen, da dessen Wahl zu Unruhen und Gewalt im Lande führen könnte. Cleverer Schachzug. Auch wenn sie verliert, hat Madame Royal potentielle Randalierer wenigstens schon mal verbal in Stellung gebracht und ihnen einen Freibrief ausgestellt.

Saturday, May 05, 2007

Die Bekehrung des Heiligen Augustinus

Heute feiert die Kirche die Bekehrung des Heiligen Augustinus.

Auf dem Bild links seht Ihr ihn bei der Lektüre des Römerbriefes ("Augustinus liest den Römerbrief", B. Gozzoli, 1465). Dann müßte ja der neben Augustinus stehende Herr eigenlich der Heilige Alypius sein.

Mehr zum Thema findet Ihr im Zweitblog cor inquietum.

So süüüüüüüüüüüüüß!



Wenn Ihr diese Bilder schon süß, niedlich, knüffig, herzallerliebst und generell zum Totaldahinschmelzen findet, dann solltet Ihr ganz fix mal bei cute overload reinschauen. Das Team dieses völlig abgedrehten Blogs hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tierphotos zu veröffentlichen, die eine oder mehrere der offiziellen "Rules of Cuteness™" (Regeln der Niedlichkeit) einhalten. Und die Bilder sind nicht immer nur "süß" sondern oft auch grenzenlos schräg und schreiend komisch.


Streckenweise wird bei der Cuteness weit über das Ziel hinausgeschossen. Nachdem ich folgendes Bild sah, mußten die Jungs im College mich erstmal vom Boden schaben und zurück an den Computer tragen.


Hier werden gleich drei Regeln der Niedlichkeit eingehalten:
#6: Imitiere Menschen = Megaknüffig
#11: Niedliches Tier + Nahrunsmittel = Superniedlich
#14: Ein kleiner Alltagsgegenstand läßt dich klein aussehen = Obersüß

Der Begleittext zum Photo warnt dann auch, daß zwei der Cuteologisten, die dieses Photo der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, aufgrund von Kopfexplosion ihr Leben verloren.

Fundstück der Woche

"Komm Alter, laß mal was wachsen! Ich hab Brand!"




Squirt
Zzzzzzzzip

"Ahhh! Schon besser!"

Thursday, May 03, 2007

Kaum zu glauben...


... aber dieser schöne Bau, das Bruchsaler Schloß, war eigentlich schon tot.

Die einzige geistliche Residenz der Barockzeit am Oberrhein war bis zur Auflösung des Hochstifts im Jahre 1803 Sitz der Speyrer Fürstbischöfe. Den Grundstein legte natürlich ein Schönborn, nämlich Damian Hugo, der Kardinal (oder auch "das rote Käppl"). Als der im Jahre 1719 Fürstbischof von Speyer wurde, war die Stadt immer noch vom Pfälzischen Erbfolgekrieg gezeichnet, in welchem französische Truppen nicht nur Speyer, sondern ganze pfälzische und badische Landstriche in Trümmerwüsten verwandelt hatten. Zu dem recht unwohnlichen Zustand der Stadt kamen noch diverse Zwistigkeiten mit den Speyrer Bürgern, die durch kleinliche Auflagen schließlich den Bischof aus der Stadt jagten. Also ab nach Bruchsal, wo 1722 der Grundstein zur neuen Residenz gelegt wurde. Architekt war einer der Haus- und Hof-Baumeister der Schönborn, Balthasar Neumann, der auch in Bruchsal wieder bewies, daß es kein Problem gibt, welches er nicht meistern kann. Das Treppenhaus alleine ist in der Tat schon den Besuch im Schloß wert.



Der Bauplan der neuen Residenz sah eine eigenwillige, weitläufige Gesamtanlage vor, die in über 50 einzelne Gebäude aufgelöst war. Sämtliche Funktionen eines Regierungssitzes wurden um das zentrale Corps de Logis gruppiert: Der Kirchenflügel und der Kammerflügel liegen mit dem Hauptbau zueinander hufeisenförmig um den Ehrenhof, waren zunächst jedoch unverbunden. Dazu gesellten sich Verwaltungsgebäude, Kaserne, Stallungen, Reitbahn, Torbauten mit Schlosswache und hinter dem Corps de Logis die Kavaliershäuser und ein prächtiger Schlossgarten. In der Hauptachse liegen dem Schloss gegenüber die Kanzlei und weitere Verwaltungsbauten. Ein Grund für die Auflösung in viele verschiedene Baukörper lag, laut Damian Hugo von Schönborn, in der Erfahrung der vergangenen Kriege: Im Falle eines Brandes sollte das Feuer nicht die gesamte Residenz zerstören können:
    "Ich baue haldt in ein landt, wohe täg- und stündtlich kriech, also muß es auch so gebauet werden, daß wan eine flam aufgehet, das andre gebey noch zu erretten, also wirdt fast alles von einander separiret, hat doch seine communicationes, hat viel höf und separationes..."
Könnt Ihr Euch das vorstellen? Ein Krieg in dem nur Teile eines großen Baus zerstört werden? So etwas scheint es tatsächlich mal gegeben zu haben.

Vollendet wurde das Schloß nach Schönborns Tod im Jahre 1743 von Fürstbischof Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg (links). Der bemühte sich in den 50er und frühen 60er Jahren des 18. Jahrhunderts besonders um die Ausstattung der Räume. Hutten ging als friedliebender und gütiger Landesvater in die Geschichte ein, der gleichzeitig Waffen- und Büchernarr war. Er verabscheute militärische Auseinandersetzungen, schaffte es aber doch, bei seinem Tode Schulden zu hinterlassen, da er bei der Prachtentfaltung seines Hofes hin und wieder an die Grenzen ging. Besonders Juwelen, Jagd und Tokajer sollen es ihm angetan haben. Betrachtet man sich Photographien, die die Prunkräume im Obergeschoß des Schlosses im Vorkriegs-Zustand zeigen, dann glaubt man gerne, daß Hutten der Verschwendung nicht abgeneigt war.

Naja, dann kam der glorreiche Zweite Weltkrieg und mit ihm am 1. März 1945 ein Bombenhagel. Zerstört werden sollte der Eisenbahnknotenpunkt in Bruchsal. Nach 40 Minuten waren allerdings sowohl von der Stadt als auch vom Schloß nur schwelende Trümmer geblieben.


Wie Ihr auf dem Bild sehen könnt, war von der "Damiansburg" nach der Bombardierung wirklich nichts mehr übrig. Nachdem Wetter, Altmaterialverwertung und Vandalismus den Ruinen noch weiter zugesetzt hatten, wurde ab 1950 darüber nachgedacht, das Schloß wieder aufzubauen. Und zwar gänzlich. Selbst die noch stehenden Mauerreste mußten erst niedergelegt werden, da sie durch die Hitzeentwicklung beim Luftangriff total ausgebrannt waren. Nur die Fundamente blieben erhalten. Und auf denen wurde im Jahre 1964 mit der originalgetreuen Restauration des Corps de Logis begonnen. Wie schon in der Würzburger Residenz hatte sich auch in Bruchsal das Neumannsche Treppenhaus als besonders widerstandsfähig erwiesen. Um dieses Treppenhaus herum wuchs nun - obwohl durch Menschenhand so doch wie auf wundersame Art - das ganze Schloß wieder heran, bis es 1975 wieder eröffnet werden konnte. Orignialgetreu und in alter Pracht sind nur der Eingangsbereich, das Treppenhaus und die drei Säle im Obergeschoß wiederhergestellt. Ich habe aber jüngst in einem Begleittext zu einer Ausstellung im Schloß Bruchsal gelesen, daß die gesamte Beletage anhand von alten Photographien wieder eingerichtet werden soll. Woll'n mal sehen.

Unter diesem Link findet Ihr ausführliche Informationen rund um das Schloß Bruchsal.

Tuesday, May 01, 2007

Jetzt ist er wieder da...

... der Marienmonat, der Wonnemonat, der Mai.

Die Seite "Religiöses Brauchtum" hat einen ganz verwendbaren Artikel zum Thema.

Für Euch gibt's ein wunderschönes Gemälde von Raphael: Es zeigt Maria mit dem Kinde beim Lesen des Breviers, was mir natürlich besonders gefällt.


Berufung

Petra beschäftigt sich auf Lumen de Lumine mit dem Thema Berufung zur Ehe, zur Ehelosigkeit und zu Misch- und Wechselfällen.

Persönlich kenne ich keine Berufungsgeschichten von Männern, die zuerst verheiratet waren und dann Priester wurden (oder umgelehrt). Zwar kenne ich zwei Jetzt-Priester, die eine Familie haben, aber ich stehe ihnen nicht so nahe, daß ich mich schon mit ihnen über das Thema hätte austauschen können.

Als ich aber das Wort "Berufung" auf Petras Seite las, da kam wieder eine alte Geschichte hoch, die ich als den Beginn meiner rekordverdächtig langen "Berufung, ja. Entscheidung, noch nicht."-Phase betrachte, und die ich jetzt hier mal auftischen werde. Es mag vielleicht etwas persönlich sein, aber ich möchte die Gelegenheit nicht verpassen, dem Ein oder Anderen, dem es vielleicht ähnlich ergeht, zu zeigen, daß es nie zu spät ist, die Entscheidung zu treffen, die sich in meinem Fall als die richtige erwiesen hat. Also:

Als ich klein war, wohnte ich nicht nur mit meinen Eltern und meiner Schwester unter einem Dach. Meine Oma väterlicherseits und zwei ihrer Schwestern hatten eine Art "Golden Girls"-WG zwei Etagen über uns. Eine der beiden Schwestern verließ regelmäßig am Sonntag das Haus und kehrte ungefähr eine Stunde später wieder zurück. Das blieb Klein-Alipius (der damals noch gar nicht Klein-Alipius war) natürlich nicht verborgen. Also ergab sich eines Tages folgender Dialog:
    "Du, Tante Hetta, wo gehst Du eigentlich sonntags morgens immer hin?"
    "In die Kirche."
    "Warum?"
    "Ich besuche die Heilige Messe."
    "Darf ich auch mal mitkommen?"
    "Ja. Du mußt aber 45 Minuten stillsitzen."
    Kurzes Abwägen des Für und Wider. "Okay!"
Am nächsten Sonntag saß Klein-Alipius also brav, unbeweglich und schweigend in der Bank und staunte. Ich habe damals nichts verstanden, außer, daß dort am Altar die Welt zu Hause war und etwas geschah, das einerseits furchterregend und andererseits unvorstellbar großartig war. Meine einzigen Berührungspunkte mit meinem Schöpfer und meinem Erlöser waren bis zu diesem Zeitpunkt nur Wohn- oder Schlafzimmer-Kruzifixe, Weihnachtskrippen, Tisch- oder Nachtgebete und einige unzusammenhängende Informationen über einen Mann, der mal Gott und mal Jesus Christus heißt und der alles weiß und alles kann. Daß es an diesem Sonntagmorgen um eben diesen Mann ging, blieb mir nicht verborgen.

Nach der Messe ging ich mit meiner Tante heim und es gab das übliche sonntägliche Mittagessen mit Eltern, Schwester, Oma und Großtanten. Und ich weiß heute noch, wie ich dann später zu Hause saß und ein ganz komisches Gefühl hatte. Jeder von Euch weiß, wie sechsjährige Buben ihre Zukunft planen:
    "Ich werde Feuerwehrmann!"
    "Ich werde Fußballer!"
    "Ich werde Tierarzt!"
    "Ich werde Priester!"
    "Ich werde Astronaut!"
Undsoweiter. Bei mir spielte sich etwas Anderes ab. Ich kann es heute nur unzureichend in Worte fassen, aber der Grundtenor meines Gedankenganges war wohl folgender:
    "Was soll ich später einmal werden, wenn ich mich mit reinem Herzen dazu entschlossen habe, auf keinen Fall Priester werden zu können oder zu wollen?"
Ich weiß, es klingt ein wenig komisch. Aber ich dachte damals - noch unter dem Eindruck der Messe - daß es die Aufgabe eines jeden Mannes sei, Priester zu werden. Dies allerdings so zwanglos, daß man, wenn man sich einmal gegen das Priesteramt entschieden hat, dann seine Berufung problemlos woanders suchen kann.

Naja, der Rest ist dann ein beinahe dreißig Jahre dauerndes Reifen durch die üblichen Hochs und Tiefs im Leben eines Kindes, Teenagers, jungen Erwachsenen, Thirtysomething begleitet von ständig wiederkehrenden Berufungszyklen mit uneinheitlicher Frequenz aber immer im Extrembereich liegender Amplitude. Im Herbst 2003 machte es dann wieder einmal "Klick" und dieses Mal blieb die Blende offen. Kein "Klack", kein plötzliches Abschneiden des einströmenden Lichtes. Und ich bereue nicht einmal, daß es so lange gedauert hat. Ich danke Gott für jede einzelne kleine Erfahrung, die ich in meinem Leben sammeln durfte. Ich danke ihm noch mehr für die Gnade, die er mir erwies, als er mir mit einem kleinen Klaps auf den Hinterkopf klarmachte, daß ich den mir aufgezeigten Weg beruhigt gehen darf und kann. Jetzt bin ich zwar wieder Lehrling, gehe zur Schule und weiß, daß ich nichts weiß. Das Gute an der Sache ist, daß ich mich tatsächlich auch wieder fühle, wie ein Kind.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Euer Gebet zu bitten. Nicht nur für mich, sondern auch und vor allem für all die Männer, die mit einem Fuß im Priesteramt stehen und das andere Bein nicht so recht nachziehen wollen oder können.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, April 30, 2007

Test bestanden!

Da fällt mir aber ein Stein vom Herzen!

Mit dem Belief-O-Matic kann man durch Beantworten von 20 Fragen herausfinden, welche Religion man praktiziert, bzw. wie Katholisch man wirklich ist. Hier mein Ergebnis:

1. Roman Catholic (100%)
2. Eastern Orthodox (100%)
3. Mainline to Conservative Christian/Protestant (85%)
4. Seventh Day Adventist (73%)
5. Orthodox Quaker (70%)
6. Orthodox Judaism (68%)
7. Islam (61%)
8. Hinduism (57%)
9. Mainline to Liberal Christian Protestants (55%)
10. Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints (Mormons) (54%)
11. Jehovah's Witness (51%)
12. Sikhism (44%)
13. Bah·'Ì Faith (39%)
14. Jainism (32%)
15. Liberal Quakers (32%)
16. Reform Judaism (30%)
17. Mahayana Buddhism (25%)
18. Theravada Buddhism (24%)
19. Christian Science (Church of Christ, Scientist) (23%)
20. Unitarian Universalism (23%)
21. Scientology (18%)
22. Nontheist (15%)
23. New Thought (14%)
24. Neo-Pagan (14%)
25. New Age (8%)
26. Secular Humanism (7%)
27. Taoism (4%)

Gefunden bei Wolfgang.

The House of the Heart



You stand beneath a racing sky
You don't know why you came to
The house of the heart

You sit amongst the whitered flowers
By the dry fountains
You look at the barren world around
The house of the heart

The lichen covered courtyard lions
Stand restlessly beside you
The great door it swings
The house of the heart

Remote and scarlet
Say the clouds
Vivid visions shatter down the spiral stairs
Promises and perfection
Solitude and despair

You hear the tempest beauty sigh
You don't know how you came to
The house of the heart

Simon Huw Jones

Vor zehn Tagen...

...hat der Oberste Grichtshof der Vereinigten Staaten das Gesetz über das Verbot einer bestimmten Abtreibungsmethode mit fünf gegen vier Stimmen als verfassungskonform bestätigt. Die fünf das Verbot bejahenden Richter sind Katholiken. Der Philadelphia Inquirer hat dazu diese Karikatur veröffentlicht:


Witzig. Das Problem ist aber, daß das Thema Abtreibung ja kein Katholisches Thema ist, sondern eher dem Naturrecht entspringt. Alle Menschen sind mit Würde ausgestattet, weil sie erschaffen wurden, was übrigens auch von der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bestätigt wird. Jetzt geht aber der Inquirer nicht hin und hinterfragt die Würde des menschlichen Lebens, sondern gibt eine Breitseite auf die Katholiken ab. In der Logik nennt man ein solches Argument "ad hominen", womit der Tatbestand der "ignoratio elenchi" erfüllt ist, also einer Beweisführung, welche nicht die zu beweisende Aussage, sondern eine ihr nur verwandte Aussage beweist (Nicht: "Die Entscheidung ist falsch, weil das menschliche Leben erst nach X Tagen beginnt oder weil es grundsätzlich keine Würde hat", sondern "Die Entscheidung ist falsch, weil fünf Katholiken sie gefällt haben").

Welche Abtreibungspraxis verboten wurde? Die sogenannte "partielle geburtsnahe Abtreibung", die in der Regel im fünften oder sechsten Monat praktiziert wird. Wie das geht? Das Baby wird mit Hilfe von Schere und Ultraschall im Mutterleib bei den Füßen gepackt, umgedreht und so weit aus dem Mutterleib gezogen, bis nur noch der Kopf sich im Inneren befindet. Dann wird mit einer Schere ein Loch in den Kopf gestochen und geweitet. Durch das Loch wird das Gehirn abgesaugt, so daß der Schädel kollabiert. Warum bleibt der Kopf im Mutterleib? Weil das Baby sonst als US-Bürger gilt und es somit Mord wäre. Mitnichten wird diese Art der Abtreibung nur in wenigen extremen Ausnahmefällen, wie z.B. Lebensgefahr für die Mutter, vorgenommen, was sogar der Direktor der National Coalition of Abortion Providers schon 1997 zugab.

Wenn "Katholisch" als Schimpfwort im Gegensatz zu "liberal" herhalten soll, wird der Schuß nach hinten losgehen. Denn ich glaube, daß ich nicht der Einzige bin, der den Sticker weiterhin und jetzt erst recht mit Stolz tragen wird.

Sunday, April 29, 2007

Priesterweihe im Stift

Seid gegrüßt!

Whoa! Das waren zwei Tage!

Wie ich ja bereits kundtat, waren wir am Wochenende anläßlich der Priesterweihe unseres guten Herrn Josef im Stift. Seine Exzellenz Dr. Edmond Farhat, Apostolischer Nuntius in Österreich, der im letzten Jahr auch schon die Diakonweihe vollzogen hatte, kam bei strahlendem Wetter ins Stift und leitete eine schöne, bewegende und auch erfrischende Zeremonie. Ich dachte, daß die Weihe oder wenigstens die Primiz die eine große Chance in meinem Leben sein könnte, Josef einmal nervös zu sehen. Aber denkste. Er ist halt ein Fels.

Wir hatten an die vierzig Gäste im Stift und es herrschte entsprechend viel Gewusele. Obendrein gab es jede Menge Wiedersehensfreude, da unter anderem Gerald und Paul aus Schottland angereist waren.

Hier einige Eindrücke von Weihe und Primiz:



Allerheiligen-Litanei




Handauflegung durch den Bischof




Stiftsdechant Benno ist beim Umziehen behilflich: Zuerst wird die Stola ihres diagonalen Diakon-Daseins enthoben...




... und in die propere priesterliche Position gebracht




Und dann wird die Kasel übergelegt




Salbung der Hände




Überreichung von Brot und Wein




Friedensgruß




Geschafft! Von links: Josef, Nuntius Edmond Farhat - übrigens ein sehr freundlicher und liebenswerter Herr - und natürlich Propst Bernhard, ...




... den wir hier beim Auszug an der Seite des Neupriesters sehen




Und wo war der Herr Alipius? Der durfte das Kapitelkreuz tragen und gleichzeitig ein Auge auf seine beiden Begleiter werfen. Besonders der Bub zu meiner Linken war extrem unternehmungslustig. Daß Ihr ihn hier mal neben mir seht ist reiner Zufall. Vor allem beim Einzug in die Kirche war er eigentlich überall zu finden, nur nicht an meiner Seite, wo er hingehört. Ich bin in der Beziehung aber eh nicht so pingelig und hab den Lütten gewähren lassen, zumal seine Ausflüge und mein verzweifeltes Hinter-ihm-hergucken schon zu Beginn der Zeremonie für breites Grinsen, verhaltenes Kirchern und somit für einigermaßen leichte Herzen sorgten




Bei der Feier am Abend gab Prälat Bernhard dann noch mit drei Gästen dem Josef ein Ständchen




Am folgenden Nachmittag war dann Primiz und Josef durfte zum ersten Mal als Alter Christus am Altar die heiligsten Handlungen unserer Kirche vollziehen




Und natürlich habe ich mir gleich mal den Neupriestersegen abgeholt



Es waren zwei wundervolle Tage. Ich möchte Euch alle herzlich bitten, Josef in Eure Gebete einzuschließen.

Alles Liebe,
Alipius

Thursday, April 26, 2007

Ratschlag, bitte!

Ich bin vor geraumer Zeit auf den neuen Blogger umgestiegen und habe mein altes Template behalten. Jetzt habe ich meine ganzen Posts mal gelabelt und stellt fest, daß das alte Template keine Label-Liste erlaubt. Um diese zu bekommen, müßte ich mein Layout ändern. Hier sagt Blogger aber, daß man Änderungen, die man im Template vorgenommen hat, bei diesem Schritt verlieren wird. Zwar wird eine Kopie des alten Templates angelegt und gespeichert, aber ich trau dem Braten nicht.

Hat irgendwer schon Erfahrungen mit einem Layout-Wechsel im neuen Blogger gemacht und wenn ja, ist es ratsam, dies zu tun, oder werde ich danach schimpfen wie ein Rohrspatz, weil einfach nix mehr so aussieht wie früher?

Bitte um Rat,
Alipius

Rätsel


Auf den ersten Blick möchte man meinen, daß diese Zeichnung eines katholischen Bischofs die Realität haargenau wiedergibt. Es sind jedoch fünf kleine Fehler bzw. Auslassungen zu entdecken. Wer findet sie?


Lösung (Text zwischen "Anfang" und "Ende" mit der Maus highlighten):
Anfang
1.) Die Mitra ist zu klein.
2.) Der Bauch berührt nicht den Boden.
3.) Die Krümme des Hirtenstabes ist nicht blutverschmiert.
4.) Nirgendwo ist ein hungerndes Kind zu sehen.
5.) Im Hintergrund brennen keine Hexen.

Ende

Also ehrlich! Es ist einfach enttäuschend, wie wenig die Leute heutzutage über die Kirche und die Priester wissen.

Kopfschüttelnd,
Alipius

Wednesday, April 25, 2007

Achtung

Ich werde heute und morgen mal versuchen, meine Posts zu labeln. Also wundert euch nicht, wenn es auf "am römsten" kurzfristig etwas wild zugeht.

Außerdem verschwinde ich morgen Abend bis Montag nach Klosterneuburg. Josef wird zum Priester geweiht und da möchten sowohl Max als auch ich natürlich dabeisein.

Bamberger Wochen, Teil 7

Was den Schönborn ihre Schlösser, das waren dem Seinsheim seine Gärten.

Adam Friedrich von Seinsheim (1708-1779) war in Personalunion Fürstbischof von Würzburg (ab 1755) und Bamberg (ab 1757). Und - klar - in dieser Zeit und an diesen Orten geht es so ganz ohne Schönborn-Blut nun wirklich nicht. Und siehe da: Seine Frau Mama war Anna Philippina Gräfin von Schönborn, Schwester der vier Neffen des Lothar Franz. Also eigentlich alles klar. Oder nicht?

Der bauwurmb biß irgendwie nur halbherzig zu, und so ließ Adam Friedrich nicht Bauten aus dem Boden schießen, sondern begnügte sich mit dem bereits Bestehenden. Dies nicht zu tun wäre allerdings angesichts der Bamberger und vor allem der Würzburger Residenz auch recht unverschämt gewesen. Wohin aber mit der Fürstenlust am Gestalten, Planen, Auftraggeben und Verändern? Viel Geld war ohnehin nicht da, da der Siebenjährige Krieg das Bamberger Hochstift derart ausbluten ließ, daß die Kärnter Besitzungen verkauft werden mußten. Da traf es sich, daß die wahre Leidenschaft des Fürstbischofs die Gärten waren.

Er ließ sowohl den Rokokogarten in der Fürstbischöflichen Sommerfrische zu Veitshöchheim bei Würzburg (Bild links) anlegen als auch den Garten im Schloß Seehof veredeln. Dabei ging es mitnichten nur um Blumenbeete, Bäume und Hecken. Wasserspiele mußten her und waren auch bald da. Und dann wollten die künstlichen Landschaften natürlich auch bewohnt sein. Also durfte mit Ferdinand Tietz einer der ganz großen und ganz produktiven Bildhauer des späten 18. Jahrhunderts ganze Armeen von Figuren für die fürstlichen Gärten anfertigen.

Es fehlt heute leider die ganz genaue Vorstellung davon, wie es einst in den Gärten gewimmelt haben muß, denn viele, allzuviele der Skulpturen wurden schon bald nach dem Tode Tietzens (der übrigens auf Schloß Seehof starb) zerschlagen oder verschleudert. Dies nicht etwa von aufgebrachten Revolutionären oder Pfaffenfresssern, sondern von Leuten, welche die Figuren entweder als nicht zeitgemäß betrachteten oder - so vor allem in Sakralbauten - als frech-verpielte Barockeindringlinge in gefälligst protestantisch trist sein zu habende Romanik-Kirchen betrachteten. Auch der kleine aber feine Rosengarten der Bamberger Residenz (im Bild oben) wurde einst von unzähligen Figuren geziert. Jetzt sind leider nur noch wenige verblieben. Immerhin ist man mittlerweile auf den Trichter gekommen, und so bemüht man sich heute beim Bayrischen Amt für Denkmalpflege, die noch erhaltenen Werke des Ferdinand Tietz aufzuspüren und wieder instandzusetzen.

Seinsheim jedenfalls war von seinem Haus- und Hof-Bildhauer voll und ganz überzeugt. So schreibt er 1768, als es darum geht die Seesbrücke in Bamberg mit einem Figurenprogramm zu bestücken
    "...dass man die Bildhauerarbeit an den Figuren keinem anderen wohl anvertrauen könne, sondern durch den Bildhauer Dietz, welcher die vollkommene Idee davon hat, gänzlich wird ausarbeiten lassen müssen."
Ich weiß auch nicht warum, aber diese spezielle Form der Zusammenarbeit zwischen Fürsten und Künstler fasziniert mich immer wieder. Ich meine damit nicht diese sich in endlosen Machtkämpfen ausdrückende Haßliebe, wie sie zwischen Julius II und Michelangelo stattgefunden haben soll. Ich meine die Kunst und die Schönheit, die entstehen wenn zwei Männer, die so unterschiedliche Funktionen und Berufe haben, sich plötzlich auf einer Ebene treffen, ihre Ideen einbringen, der eine dann die handwerkliche Fähigkeit in den Pott wirft, der andere hingegen das Geld und am Ende beide sich am Ergebnis freuen. Wenn ich an die Geschichten denke, die Gartengestalter, Architekten und Auftragsdesigner und auch die Kunden derselben mit so erzählt haben, dann wundert mich eines: Warum ist heute, wo wir doch alle "Bürger" sind, oft soviel Gift, Stolz und "Ich kann weiter pinkeln als Du" im Spiel, während damals zwischen Fürst und Künstler so harmonische Zustände herrschen konnten wie bei den Schönborn oder dem Seinsheim. Diese Herren respektierten ihre Künstler und wurden von ihren Künstlern respektiert. Naja, ich kann mir andererseits auch vorstellen, daß diese Zustände eher die Ausnahmen waren. Möglicherweise war das Bamberg des Spätbarock einfach ein Platz an dem Jovialität und Menschlichkeit besonders gut gedeihen konnten.

Eine weitere Leidenschaft des Adam Friedrich von Seinsheim war die Musik. Er förderte stark die Würzburger Hofoper, die zu seinen Lebzeiten in ganz Europa einen exzellenten Ruf genoß, aber nach seinem Tode geschlossen wurde. Seinsheim starb an einer verschleppten Lungenentzündung. Ernsthaft krank zu sein war damals sicherlich selbst für Fürsten keine Freude. Der Bischof hatte immer reges Interesse an seinen Untergebenen. Er kämpfte gegen mangelnde Bildung und andere Mißstände. Dies brachte ihm den Titel "Vater des Vaterlandes" ein, was ich rührend finde.

Abschließend ein Portrait, welches den Fürstbischof in Zivil zeigt und daher eine echte Rarität nicht nur in der Seinsheim-Darstellung sondern überhaupt in der Prälaten-Portraitierung des 18. Jahrhunderts darstellt. Mir fällt spontan nur Kurfürst Clemens August von Köln ein, der einmal mit rotem Turban, geblümten Hausrock und Kaffeetasse und ein anderes Mal im Falknerkostüm gemalt wurde.

25. April

Heute feiert die Kirche das Fest des Heiligen Markus, Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums und Gründer der Koptischen Kirche in Alexandria. Als solcher wurde er im Jahre 68 von christenfeindlichen Einwohnern aus der Kirche gezerrt und mit einem Strick zu Tode geschleift. Nach der Überführung der Gebeine von Alexandria nach Venedig (wohl im 9. Jhdt.) wuchs an der Stelle der ehemaligen Kapelle des Dogen zwischen 1063 und 1073 der Markusdom heran. Bei den Bauarbeiten fiel ein Maurer von einem Gerüst, blieb aber dank eines Stoßgebetes zum Heiligen Markus unverletzt. Was lag also näher, als den Evangelisten zum Schutzheiligen der Maurer zu ernennen? Gebeine finden sich übrigens auch auf der Insel Reichenau, deren Patron Markus ist.

Das Markusevangelium, zweites Buch des Neuen Testaments, ist das kürzeste der Evangelien. Es beginnt mit der Taufe jesu im Jordan, ist also weniger an Kindheitserzählungen interessiert als am Wirken des erwachsenen Jesus. Schlußpunkt ist der Missionsbefehl des Auferstandenen an seine Jünger.

Sunday, April 22, 2007

Ungefähr so fühle ich mich...

... seit ich in dieser Woche herausfand, daß ich zwischen dem 4. und 15. Juni neun Examen haben werde. Das macht neun Examen in zehn Arbeitstagen. Die letze Prüfung am 15. ist das Abschlussexamen. Wie genau ich das schaffen soll weiß ich auch noch nicht. Ich laß mich selbst mal ein bißchen überraschen. Das einzig Gute an der Sache ist, daß ich dann am 15. Juni schon in Urlaubsmodus wechseln kann, die Studienpause also dreieinhalb Monate betragen wird.

Nicht ganz wahr...


... aber leider auch nicht ganz falsch.

Der Sommer naht!

Es ist bullewarm, die Vögel flippen völlig aus, der Pool wird schon gestrichen, das Chinotto verdampft im Glas und ich gehe grade so durch meine iTunes, um eine "Songs, die man nach einem heißen Tag bei einem kühlen Bier auf der Terrasse hört, während man der Sonne beim Sinken zuschaut"-CD zusammenzustellen. Hier meine Empfehlung:
    1.) Bran Van 300 "Problems"
    2.) Coldplay "Clocks"
    3.) Maximilian Hecker "Daylight"
    4.) Snow Patrol "Spitting Games"
    5.) Pet "Snooze"
    6.) The Divine Comedy "Becoming more like Alfie"
    7.) The Killers "Mr. Brightside"
    8.) The Wannadies "You and Me Song"
    9.) Swing Out Sister "Breakout"
    10.) Timo Maas "Help Me"
    11.) Whirlpool Productions "The Cold Song"
    12.) The Lotus Eaters "The first Picture of you"
    13.) The Railway Children "Native Place"
    14.) Bill Pritchard "Tommy & Co."
    15.) Aztec Camera "Still on Fire"
    16.) It's Immaterial "Ed's Funky Diner"
    17.) The Pale Fountains "Reach"
    18.) The Doves "Pounding"
    19.) Mansun "I can only disappoint you"
    20.) The Church "Under the Milky Way"
Mit diesen 20 Songs könnt Ihr im Sommer nichts falsch machen.

Saturday, April 21, 2007

Nur vier Zitate...

... aus einem Video, welches undercover in Britischen Moscheen gefilmt wurde:
    "Wir Muslime haben den Auftrag, Gehirnwäsche zu betreiben."
    "Ihr müßte wie ein Staat in einem Staat leben, bis ihr die Macht ergreift."
    "Allah hat die Frau mangelhaft geschaffen."
    "Die Spitze, der Gipfel, der Höhepunkt des Islam ist Dschihad."
Wem jetzt noch nicht schlecht ist, der kann sich das deutschsprachige Transkript der Videos hier (Teil 1), hier (Teil 2) und hier (Teil 3) durchlesen. Links zu dem auf Youtube gehosteten (allerdings englischen) Video gibt's auch, für diejenigen, die es nicht glauben können.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an diejenigen unter den "Politikern", "Wissenschaftlern" und "Intellektuellen", die die Loslösung Europas von den Christlichen Wurzeln und der Christlichen Identität nicht schnell genug vorantreiben können und in ihrer Verblendung das, was von unserer Kultur noch übrig ist, den Moslems auf dem Silbertablett zum Fraße hinhalten. Ich bin sicher, ihre Enkel werden es ihnen danken. Ach nein, Moment! Kinder zeugen ist denen bestimmt zu Christlich. Verständlich. Wer will eine Frau auch schon der schonungslosen Hölle von Heim und Herd ausliefern, wenn die in den Moscheen angebotenen Alternativen so viel strahlender sind.

Angewidert,
Alipius

Friday, April 20, 2007

Weil ich grad ein paar Minuten Zeit habe...

... stelle ich mal anderthalb Überlegungen an:

Ich fand neulich online in irgendeiner Photo-Community ein Bild. Dargestellt waren zwei katholische Priester auf dem Petersplatz. Beide lagen altersmäßig irgendwo um die 50, beide trugen kurzärmelige Hemden mit Klerikerkragen und beide waren, wenn auch nicht maßlos fett, so doch von guter monsignorialer Leibesfülle. Der Titel des Bildes lautete: "Die Kirche bekämpft die Unterernährung in der Welt."

Ich weiß, der natürliche und schmerzfreiste Weg wäre es gewesen, hätte ich einfach gegrinst und geantwortet "Wieso? Stimmt doch gar nicht! Die Beiden scheinen eher alles selber zu essen!" Aber da ich bereits weiß, daß ich einen Sinn für Humor besitze und mir speziell bei Kirchenkritikern da eben nicht immer so sicher bin, habe ich mich mit dem Autor erstmal sanft auf einen Meinungsaustausch eingelassen. Immerhin war der Kerl dialogfähig und ansatzweise einsichtig. Trotzdem blieb ein schaler Geschmack.

Warum? Das werd ich mal kurz ausbreiten: Ich sehe zwei dicke Pfaffen und denke 'Boah! Die Säcke! Anstatt die Botschaft Christi zu leben, stopfen die sich die Wänste voll!' Die mit dem Einmaleins der Logik ein wenig vertrauten unter meinen Lesern werden hier schon den unkompletten Schluß erkennen. Für alle Anderen führe ich kurz auf, wie es komplett heißen müßte:
    Prämisse eins: Jeder dicke Priester ist ein Mann, der nicht die Botschaft Christi lebt, sondern sich nur selbst den Bauch füllt.
    Prämisse zwei: Diese beiden Menschen sind dicke Priester.
    Schluß: Diese beiden Menschen sind Männer, die nicht die Botschaft Christi leben, sondern sich nur selbst die Bäuche füllen.
Ihr seht, wo der Schwachpunkt liegt: Die erste Prämisse ist schlicht falsch. Sie mag Wunschdenken einiger Individuen sein, deren Selbstbewußtsein oder Selbsticherheit in direkter Relation zum Wahrheitsgehalt der von ihnen gepflegten Vorurteile oder Klischees stehen. Mehr ist da aber nicht drin.

Und die Geschichte hat noch einen anderen Aspekt: Wenn ich ein solches Bild mit einem solchen Titel veröffentliche, dann hat die damit verbundene Nachricht ja nicht nur die rein informative Dimension, sondern es soll erstens auch so etwas wie ein Appell mitgesendet werden und zweitens eine Abgrenzung stattfinden (Das gute alte pharisäische "Dank sei Gott, daß ich nicht so bin wie diese Zöllner"). Wenn dem so ist, dann müßte der Autor von Text und Photo sich ja bereits im selbsternannten Stande der Gnade befinden und regelmäßig für einen guten Zweck spenden. Tut er es nicht, ist er ein elender Bigotterich. Tut er es, dann ist die dahinterstehende christliche Motivation fraglich, denn wer mit der Botschaft unseres Herrn so vertraut ist, daß er weiß, daß man den Armen helfen soll, der weiß auch, daß man nicht vorschnell und nur aufgrund von Äußerlichkeiten urteilen darf.

Ich könnte dem Autor ja auch vorwerfen, daß er einen teuren Computer besitzt und Zeit im Internet verplempert, anstatt den Rechner zu verkaufen und das Geld zu spenden oder wenigstens ein paar Stunden ehrenamtlich in einem Altenheim oder in einer Armenküche zu arbeiten. Dann wird der Autor sagen: Woher willst Du denn wissen, daß ich nicht auch viel Geld an gute Zwecke spende? Eben! Woher willst Du wissen, daß unsere beiden dicken Priester den Armen gegenüber nicht ausgesprochen großzügig sind? Und wenn es dann heißt "Och, ich hab die Beiden ja nicht persönlich attackieren wollen, sondern nur als Exemplare für ein universelles Problem dargestellt", dann ist auch dies nicht wasserdicht, denn das Urteil steht, egal ob es sich auf die Abgebildeten bezieht oder auf real existierende aber sich der Kamera in diesem Moment entziehende Priester, die aufgrund oberlukullischer Lebensweise in Tateinheit mit Unaufmerksamkeit gegenüber den Bedürftigen tatsächlich ein wenig Schelte verdient hätten. Wenn im letzteren Fall Urteil und Geschimpfe auch gerechtfertigt sein mögen, bleibt dennoch das pauschale Abkanzeln. Dies birgt die Gefahr, daß man den Satz "Jeder verweltlichte und den Armen gegenüber knausrige Priester, den ich bisher sah, war dick" umdreht in "Jeder dicke Priester ist verweltlicht und den Armen gegenüber knausrig". Und das ist erstens falsch und beleidigt zweitens eine ganze Reihe mir spontan in den Sinn kommender Priester, die allesamt kugelrund und dennoch barmherzig, freigiebig und rundherum sehr christlich sind. Bei mir richtet das folglich keinen Schaden an, aber was ist mit den unvorbereiteten Gemütern, die durch solche Propaganda und Verallgemeinerungen auf die falsche Spur gebracht werden?

Die Kirche hat es in der heutigen Zeit schwer genug. Da ist es nicht unbedingt nötig, daß übergewichtige Priester zusätzlich zu ihren körperlichen Extrapfunden von in der Regel außerhalb der Kirche stehenden Personen pauschal auch noch die psychische Extralast des Sündenbocks und Verursachers oder Nicht-Verhinderers von Hunger und Elend angehängt bekommen. Jeder, der über die karitativen Aktivitäten der Katholischen Kirche auch nur ansatzweise informiert ist weiß, daß dies einfach kindisch ist.

Thursday, April 19, 2007

Zwei kleine Weckrufe

Um es vorwegzunehmen: Hier soll nichts beschönigt werden.

Aber die Bücher von Rainer Decker und Anne-Catherine Simon zum Thema Hexenverfolgung aus den Jahren 2003 (Decker) bzw 2007 (Simon, in der deutschen Übersetzung) bieten einigen "Kirchenkritikern" eine hübsche Gelegenheit ihr mittelalterliches Weltbild ein wenig zurechtzurücken.

Hier ein kurzer Auszug aus der Rezension des Decker-Buches:
    Zum einen weist Decker auf die Tatsache hin, dass bei den Massenverfolgungen im westlichen Alpenraum seit 1430/40 die weltlichen Gerichtshöfe führend waren, auch was die Todesurteile angeht. Addiert man alle Einzelnachrichten von Hexenverfolgungen, so ergibt sich für die mittelalterliche päpstliche und päpstliche Inquisition eine Zahl von deutlich unter 1000 Menschen, die wegen Hexerei verbrannt wurden. Erheblich niedriger ist der Wert für die neuzeitliche, das heißt die 1542 gegründete römische Inquisition. Decker: "Massenverfolgungen hat sie ebensowenig durchgeführt wie ihre spanischen und portugiesischen Schwestern. Die Zahl der Hinrichtungen liegt bei unter 100."

    Der Wissenschaftler macht außerdem darauf aufmerksam, dass in Italien auffallend viele Männer unter den wegen Magie Angeklagten waren, in Friaul waren es rund 50 Prozent. "Die passt nicht zu der landläufigen Vorstellung von den frauenfeindlichen Klerikern", folgert Decker. "Es genügt eben nicht, den in der Tat frauenfeindlichen 'Hexenhammer' zu zitieren, sondern es wäre zu untersuchen, ob die Kirche, präziser gesagt: die Kirchen, seinen Empfehlungen folgten." Eine aktuelle Arbeit komme weiters zu dem Ergebnis, "dass in den evangelisch-lutherischen Territorien Deutschlands der Anteil der wegen Hexerei verfolgten Frauen größer war als in den katholischen. Die einfache Kausalkette Zölibat - sexuelle Verklemmtheit - Frauenfeindlichkeit - Hexenverfolgung ist mehr als fragwürdig."
Ich weiß, diese Bücher bergen die Gefahr, daß für einige Leute ihr so nett zurechtgestutztes Bild von der Kirche zusammenbricht. Andererseits ist es nie zu spät, einen gewissen Reifeprozess zu durchschreiten.

Tuesday, April 17, 2007

Schaum vorm Mund

Heute, 13:40, Piazza del Popolo.

Ich in Kluft auf dem Weg zum Angelicum.

Ein Italiener kommt auf mich zugeschnürt, schon von weitem sarockelfixiert.

"Questo ordine?" hechelt er, nur durch einen strengen Blick meinerseits davon abzubringen, den weißen Leinenstreifen mit Händen und Zähnen einem genaueren Test zu unterziehen.

"Canonici Regolari di Sant'Agostino", kläre ich auf.

"Ahhhhh!" macht er, praktisch mit dem ganzen Körper. Dann eine Pause. Und dann: "Cattolico, si?"

"..." Die Worte fehlen, doch scheint die Miene Bände zu sprechen, denn der Herr nuschelt ganz fix etwas, daß auf Deutsch wohl "Nix für ungut" oder "Tschuldigung" oder "Nicht schießen" gehießen hätte und dampft ab.

Also ehrlich...

Was nun?

32 Tote im blutigsten Schul-Massaker in der Geschichte der USA.

Was wird geschehen, wenn all die Tränen getrocknet, die Blumen verwelkt, die Kerzen niedergeschmolzen, die Schuldzuweisungen verteilt, die Video-Spiele und Rap-Texte exkulpiert und die Waffen nachgeladen sind?

Das Recht auf Waffenbesitz hat George Bush ja heute bereits verteidigt. Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, daß die Amis ihre Mixer so ohne weiteres rausrücken werden.

"Wir müssen sicherstellen, daß diese Art von Waffen nicht in die Hände böser Menschen fällt". Nett anzuhören ist's ja.

Wo fängt das Problem an? Woher soll ich das wissen. Ich bestreite aber heftigst die in einem Kommentar gelesene Meinung, die Vermeidung solch abartiger Amokläufe beginne in der Schule. Sie beginnt im Elternhaus. Und nicht in irgendeinem.

"Christlich" sollte nicht nur draufstehen, sondern auch drin sein. Auf die USA bezogen heißt das nicht etwa "Wir haben Angst vor einer Papisten-Invasion, deshalb haben wir auf unserer kleinen Farm alle einen Colt unterm Kopfkissen"-christlich, sondern "Ich habe meinen Katechismus und meinen Thomas von Aquin gelesen"-christlich. Auf Europa bezogen heißt es mitnichten "Jesus, der Sozial-Revoluzzer, der sich beim 'Du bist Petrus...' bestimmt nur versprochen hat und eigentlich nur will, daß wir uns lieben, egal wer mit wem oder wie oft oder mit wievielen"-christlich, sondern "Christus, der Sohn Gottes, der uns in der Kirche und in der Eucharistie erhalten blieb und der bestimmt nichts dagegen hat, wenn wir unser Kreuzlein auch mal ohne Geplärre tragen"-christlich. Denn sonst können Papa und Mama reden und belehren und erziehen soviel sie wollen. Das Bild vom Menschen als an der absoluten Gutheit Gottes partizipierendes und somit von Natur aus zu respektierendes Wesen wird im Verstand der Lütten nicht Fuß fassen, weil es entweder gar nicht oder nur bigottisch kommuniziert wird.

Den wagemutigen, avantgardistischen echten Männern und Frauen unter meiner Leserschaft, die in den nächsten Jahren den heiligen Bund der Ehe eingehen, Kinder zeugen und diese gemäß der Weisungen unseres Herrn und seiner Kirche erziehen an dieser Stelle schon mal ein herzliches "Vergelt's Gott". Wer schon verheiratet ist oder schon Nachwuchs hat: Ich schließe Euch in meine Gebete ein, wenn Ihr wollt sogar persönlich (eMail genügt).

Happy Birthday Papa!


Meine Gebete werden Dich auch in diesem Jahr begleiten.

Saturday, April 14, 2007

HALLELUJAH!



So lange wir uns noch in der Oktav befinden, möchte ich vor dem Todmüde-ins-Bett-fallen schnell mit Rubens einen Ostergruß an Euch alle loswerden.

Ich bin vor zwei Stunden wieder in Rom gelandet. Ich habe nur halb ausgepackt, weil ich am 26. April wieder für ein Wochenende nach Klosterneuburg zurückkehre. Dann wird der gute Josef nämlich zum Priester geweiht. Und dann befinde ich mich auch schon auf der Philosophie-Zielgraden. Circa am 14. Juni werde ich meine Abschlußprüfung machen und wenn ich die nicht komplett vergeige, dann war's das erstmal mit Philosophie (Natürlich nur, was das Studium betrifft. Die Materie selbst wird mich sicherlich mein Leben lang begleiten).

Ostern im Stift war wieder ausgesprochen schön und besinnlich. Die Mitbrüder halten sich alle wacker, die Novizen sind extrem sangesbegeistert, wodurch unser Choral sehr gewinnt.

Ich hoffe, Ihr habt auch ein frohes und erhebendes Osterfest feiern können und wünsche Euch allen die Freude und den Frieden des Aufertandenen.

Alles Liebe,
Alipius