Friday, October 26, 2007

Das haut ja irgendwie nicht hin

Piergiorgio Odifreddi ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Autor. Als Wissenschaftler ist er Mathematiker und Logiker. Als Autor hat er jüngst ein Buch veröffentlicht, wleches den Titel trägt "Warum wir nicht Christen sein können (und noch weniger Katholiken)".

Ja was denn nun? Ist der Mann Logiker, oder hält er die Meinung aufrecht, daß man eine Sache weniger als nicht sein kann?

Naja, wahrscheinlich ist ihm da die Publicity-Gier in die Quere gekommen. Schließlich muß man fix entscheiden und darf nicht allzu lange nachdenken, wenn es darum geht, sich in den Atheisten-Markt einzukaufen, solange die Aktien noch steigen. Mich amüsiert diese Panik irgendwie.


Interessant ist auch das Cover von Richard Dawkins "Der Gotteswahn", welches jetzt also endlich auch von deutschsprachigen Nachdenkern dekonstruiert werden kann. Da gibt es auf dem Titel gleich ein Zitat:
    "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, daß wir die Welt nicht verstehen."
Vergessen wir mal den zweiten Teil, der ja ohnehin nicht stimmt. Interessant ist Folgendes: Ein Grund, warum atheistische Wissenschaftler Gott ablehnen, ist die Tatsache, daß man nicht beweisen kann, daß Gott NICHT existiert. Das gilt als wissenschaftlich unseriös. Somit ist Gott aus dem Rennen. Somit darf man als Wissenschaftler aber als erste Prämisse auch nicht wählen "Es gibt keinen Gott". Schließlich läßt sich seine Nicht-Existenz ja nicht beweisen. Also muß man von den Effekten auf die Ursache schließen. Ein Effekt wäre der Glaube bzw. die Religion. Da wird munter im Namen Gottes herumgemetzelt und außerdem glauben die ja an so Zeug wie Jungfrauengeburt und Transsubstantiation. Und die Pfaffen besitzen die Kühnheit, uns auf ein besseres Leben nach dem Tod zu vertrösten, damit wir hier auf Erden bloß nicht zu viele unbequeme Fragen stellen. Also sind wir Gegner der Religion. Also gibt es keinen Gott. Merkt Ihr was? "Ich bin ein Gegner des Schmerzes, also gibt es keinen Körper" könnte man analog sagen. Oder - ganz mutig: "Menschen tun im Namen Gottes Gutes. Also gibt es einen Gott". Hier müßte man dann allerdings die Größe besitzen, das Gute und nicht das Böse den Ausschlag geben zu lassen.

Dawkins kommt mit vielen netten Anekdoten daher. So verschlechterte sich z. B. in einem Test nur der Gesundheitszustand von Krankenhausinsassen, denen man sagte, daß man für sie bete. Den Anderen ging es viel schneller viel besser. Klar, wenn ich im Krankenbett liege und mir jemand sagt, daß er für mich betet, dann werde ich wahrscheinlich auch ein wenig zappelig, was sich nicht notwendigerweise positiv auf meine Genesung auswirken muß. Schönen dank für die Menschenversuche übrigens.

Russell's Teekanne wird auch bemüht. Dies ist eine ungeschickte Parabel, aber auch ein Hinweis darauf, woran es im Disput mangelt: Die Kirche hat sich nie wirklich prinzipiell gegen die Wissenschaft gesträubt. Schließlich wurden - mit der Ausnahme von Bologna - die ersten wissenschaftlichen Fakultäten in Europa an kirchlichen Lehrinstituten eröffnet. Galileo hat nicht deswegen Probleme bekommen, weil er die Gedanken des Kopernikus (der übrigens Domherr war und dessen heliozentrisches System bei vielen Prälaten auf großes Interesse gestoßen ist) aufgegriffen und verbreitet hat, sondern weil er sich - entgegen einer Absprache mit der Kirche - dazu entschloß dieses Weltbild als das Neue, das Richtige, das Einzige anzupreisen, bevor es bewiesen werden konnte. Die Kirche konnte und wollte der Wissenschaft nie die Existenz absprechen. Wenn es in den Ring ging, dann nur, um bestimmten Auswüchsen vorzubeugen oder entgegenzusteuern. Die Atheisten haben es da leichter. Sie tun so, als existiere Gott nicht und können deswegen auch ganz anders operieren, weil sie einfach einen Teil der Realität ausblenden. Stellt Euch folgende Situation vor: Zwei Fußballfelder. Auf dem Einen spielt sich ein Team von Theologen, Seminaristen, Dorfpfarrern und Kardinälen warm. Auf dem Anderen steht Richard Dawkins und schießt ununterbrochen die Kugel in ein leeres Tor. Dann ruft er zum anderen Feld hinüber: "Ey, Ihr Flaschen! Macht mal die Socken scharf! Es steht 32 zu Null für mich!"

Russel's Teekanne besagt Folgendes: Sollte ich behaupten, daß irgendwo zwischen Mars und Erde eine Teekanne um die Sonne rotiert, die so klein ist, daß sie selbst von unseren besten Mikroskopen nicht wahrgenommen werden kann, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen. Sollte ich aber hinzufügen, daß das Bezweifeln meiner unwiderlegbaren Behauptung eine unerträgliche Anmaßung des menschlichen Verstandes ist, dürfte man mich zurecht des Verzapfens von Unsinn bezichtigen. Sollte aber die Existenz einer solchen Teekanne in alten Büchern bestätigt, sonntäglich von den Kanzeln als heilige Wahrheit verkündet und in den Verstand von Schulkindern eingeflößt werden, so wäre die zögerliche Annahme der Existenz dieser Teekanne ein Zeichen von Ekzentrizität, welches den Zweifler entweder zu einem Platz auf der Psychiater-Couch oder - in früheren Zeiten - einem Interview mit dem Inquisitor berechtigt.

Hübsch. Russel sieht - wie Dawkins - nur das eigene Spielfeld. Er blendet komplett die Realität (oder für ihn wenigstens die Möglichkeit) aus, daß ein Gott keine Teekanne ist, sondern ein Wesen, welches nicht nur in alten Büchern und von Kanzeln verkündet wird, sondern welches auch und vor allem dazu in der Lage ist, sich den Menschen zu offenbaren, wie es ja mehr als einmal geschehen ist.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, daß Atheismus nichts weiter ist, als eine Verengung der Vision. Aber eine hübsche Neben-Einnahmequelle: Wenn ein Kardinal sich zur Evolution äußert und dabei ungeschickt vorgeht, lacht die Welt. Wenn ein Wissenschaftler den schriftlichen Nachweis metaphysischer Defizite in polemisch-populistischer Formulierung als Hunderttausender-Auflage auf den Markt schmeißt, dann frißt man ihm aus der Hand.

Wednesday, October 24, 2007

Die Musik mit der ich groß wurde

Mal wieder ein Plattentip: 1981 veröffentlichen Orchestral Manoeuvres in the Dark (besser und kürzer bekannt als OMD) ihr drittes Album Architecture and Morality. Ich wurde erst ein Jahr später auf die Band aufmerksam, als Joan of Arc (Maid of Orleans) die deutschen Charts stürmte. Ich Pimpf also ab in den Plattenladen und nix wie her mit der Scheibe. Ich fand Maid of Orleans eigentlich gar nicht mal soooo überragend, aber es kam halt ständig und überall im Radio und außerdem war mir OMD damals schon irgendwie dunkel ein Begriff, weil ich bei einem Kumpel mal Electricity gehört hatte, was ja einer der unsterblichen New-Wave Synth-Pop-Klassiker überhaupt ist. Kurz nach Architecture and Morality legte ich mir gleich auch noch OMD's Debut-Album und ihren zweiten Longplayer Organisation zu. OMD waren zwischen 1982 und 1984 zusammen mit Depeche Mode wohl meine Lieblingsband. Ich verlor dann später den Kontakt, weil die Gruppe nach dem Kritiker-Flop des eigentlich ur-coolen Dazzle Ships sich nicht mehr in Experimentier-Tiefen wagte und lieber in sicheren aber seichten Popgewässern blieb. Sei's drum.

Architecture and Morality war ein ganz großes Ding und ich höre es auch heute immer noch gerne. Zwar gibt es auf dieser Scheibe nicht mehr solche ungeschliffenen, rotzigen Synth-Punk-Perlen oder kraftwerkesque Klangcollagen wie auf dem ersten Album. Dafür haben OMD sich aber gegenüber Organisation gehörig weiterentwickelt. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber die Songs haben irgendwie "Umgebung" bekommen. Los geht's mit The New Stone Age. Rauhe Synthesizer-Ströme fließen über Akkustik-Gitarren-Geschraddel, begleitet von Andy McCloskeys leicht hysterischem Gesang. Gänsehaut gleich zu Beginn. She's leaving, das zweite Stück auf dem Album, ist dann eines dieser ganz typischen OMD Pop-Werke, auf denen einerseits ganz böse geschmachtet wird, die aber andererseits durch ihre Instrumentierung mit präzisen Drums, kristallklaren Keyboards und schönem Bass gar nicht so viel Credibility einbüßen. Zu Souvenir, dem dritten Titel, muß nicht mehr viel gesagt werden. Wahrscheinlich hat sich jeder Pop-Komposer in seinem Leben schon mindestens einmal gefragt: "Mist, warum ist diese Hookline nicht mir eingefallen?" Der Achtminüter Sealand dürfe auch gerne doppelt so lange dauern, weil er einfach so schön entspannt. Und jetzt kommen die beiden Johannas. Joan of Arc ist vor dem Chartbuster Joan of Arc (Maid of Orleans) als Single veröffentlicht worden, aber zumindest in Deutschland hat man von diesem Song nicht viel mitbekommen. Meiner Meinung nach zu unrecht. Denn der Song ist, bei aller kompositorischen Schlichtheit, ein dramaturgisches Meisterwerk. Er beginnt mit leisen Keyboard-Glöckchen und feenhaften Stimmen, zu denen einmal die Strophe durchgesungen wird. Dann folgt - unterbrochen von einer Bridge zwischen Strophe 3 und 4 - eben dieses Thema noch dreimal und es wird immer ein Klafter draufgelegt. Erst ein schöner Keyboardteppich, dann Drums und Bass und am Ende Tutti. Das klingt jetzt vielleicht unspektakulär, aber für mich ist Joan of Arc eines der bewegendsten Stücke der 80er Jahre überhaupt. Klar, dann kommt Joan of Arc (Maid of Orleans), was ja jeder kennt. Ich finde den Song nicht übel und er impliziert auch viel mehr Schmerz und Weh als Joan of Arc aber, wie gesagt, mich packt letzteres Stück eindeutig mehr. Es folgt der Titelsong Architecture and Morality, ein Instrumental-Experiment mit Keyboard-Chören, Glöckchengebimmel, Synthie-Melodie und baustelligem Rhythmus, welches man sich am besten selbst anhört. Georgia beginnt mit extrem durchsichtigem Tanz-Pop und quirlt dann irgendwie schräg ab in die Sample- und Tape-Büsche, bevor es am Ende ruhig ausklingt. Die Ballade The Beginning and the End ist der perfekte Abschluß für dieses Album. Melancholisch, verträumt und wunderbar instrumentiert.

Ich habe mal ein bißchen gemogelt und im Internet gewühlt und - siehe da - ich stehe nicht alleine da mit meinem Urteil: Architecture and Morality ist OMD's reifstes und hörenswertestes Album.

Sunday, October 21, 2007

Hab ich gar nicht mitbekommen,...

... daß Eva Herman vor knapp zwei Wochen von JBK aus der Sendung geworfen wurde. Kaum hat man mal Online-Probleme, sitzt man gleich in der Informations-Wüste.

Was ein Glück, daß ich das nicht sehen mußte. JBK, das Evchen, Mario Barth, Senta Berger und Margarethe "Schnief" Schreinemakers: Ich stelle mir grade so vor, wie diese fünf Damen und Herren sich vor dem Studiopublikum zum Affen machen und man dann halt doch nicht drumrumkommt, die Sendung auszustrahlen.

Ach Herrje! Ich war es ja bisher gewohnt, daß alles, was sich "Intellektuell" nennt auf Knopfdruck mit Gewehr zur Stelle ist und die Exekution vornimmt, wenn irgendwo in Bayern ein Ignaz bei seinem Kosenamen gerufen wird. Aber daß jetzt auch noch Talkmaster und ihre Gäste sich zum munteren Tribunal niederlassen, das ist ja überaus reizend.

Ich hör immer "Vergangenheitsbewältigung". Soll die denn wirkich stattfinden? Bedenkt: Ist die Nazizeit einmal bewältigt, so wird eine ganze Industrie von Schreibern, von Anklägern, von Fingerzeigern, von Mahnern, von Gutmenschen, von Heulsusen, von Schwätzern, von bei mediokrer Intelligenz immerhin noch scheinbar moralisch Erhabenen, eben von professionellen "Vergangenheitsbewältigern" ihren rasselnden Untergang finden. Ich bin mir ziemlich sicher: Die werden schon dafür sorgen, daß sie bis zum Sankt-Nimmerleinstag wie die Maden im Speck leben können, sei es der reale oder der ideologische.

Das heutige Evangelium

Lukas 18,1-8:
    Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, daß sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

    In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.

    In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie läßt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

    Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?
Als ich jüger war mußte ich immer grinsen, wenn ich mit vorstellte,wie ein altes Mütterchen zu einem abgebrühten und harten Richter kommt und ihm mal eben kräftig eine einschenkt, weil er wochen- oder monatelang nicht auf ihre Bitten gehört hat. Ich verstand natürlich auch damals schon, daß es mit Gott so nicht funktioniert.

Oder nicht direkt.

Denn mit jeder Sünde, die wir begehen, verletzen wir nicht nur uns, sondern auch Christus, der ja sowohl Tod und Sünde besiegt hat. Wenn wir beten und nicht sogleich erhört werden und uns dann aus Ungeduld, aus Wut, aus einem unbestimmten Rachegefühl oder auch, weil wir denken, daß wir das alles schon irgendwie alleine schaffen, zur Sünde herablassen, so schlagen wir damit auch Christus ins Gesicht. Und das ist nicht gut. Wir werden dann zu Adam und zur Schlange in einer Person. Wir gehorchen nicht und rechtfertigen uns im gleichen Atemzug: "Nein, keine Panik, du wirst schon nicht sterben." Und was daraus wurde, das weiß vielleicht noch der Ein oder Andere.

Wenn wir bitten, wird Gott geben. Das hat der Herr uns versprochen und das habe nicht nur ich in meinem Leben mehr als einmal erfahren dürfen. Man braucht manchmal ein wenig Geduld, man muß manchmal die Dinge richtig interpretieren. Was man aber immer braucht ist Glauben. Dann fallen einem die Dinge, um die man bat, oft mit rosa Schleifchen umwickelt direkt vor die Füße. Je weniger Glauben, desto weniger Gebete. Je weniger Gebete, desto seltener zeigt sich die helfende Hand Gottes. Sagt nicht: "Ey, erst mal ein Wunder, und dann schauen wir mal mit dem Beten und dem Kirchgang und der Beichte und so." Glaubt an Gott, vertraut auf Gott und bittet Gott. Dann wird Euch gegeben.

Alles Liebe,
Alipius

Kleine Warnung...

Hallo daheim an den Weltempfängern!

In unserer neuen Behausung bei den Missionaren vom Heiligen Geist - einem Orden, der 1914 in Mexico gegründet wurde - gibt es drahtloses Internet, und das ist extrem bockig. Ich weiß nicht, ob die zu wenig Bandbreite haben oder was, auf jeden Fall laden die Seiten manchmal EWIG oder auch gleich GAR NICHT! Das bedeutet, daß meine amrömsten-Aktivitäten ein wenig von der Ladegeschwindigkeit bzw Ladewilligkeit der Seiten und auch von meiner Geduld abhängig sind. Also wundert Euch nicht, wenn es in den nächsten Wochen erst mal nur tröpfchenweise vorangeht. Wenn ich die Jungs richtig verstanden habe, dann ist das Problem bekannt und wird "bald" (italienisch für "irgendwann mal") in Angriff genommen.

Hier im Haus ist die offizielle Sprache Italienisch. Das ist praktisch, denn nun kann ich vielleicht auch endlich mal etwas mehr als mein Mess-, Taxi- uns Restaurant-Italienisch lernen.

Wie Ihr auf der Karte sehen könnt, liegt das Haus an der Piazze San Salvatore in Campo (roter Kringel) ganz angenehm. Nach Trastevere sind's nur ein paar Minuten, über die Via Giulia zum Vatikan hoch dauert nicht länger als 20 Minuten und zum Angelicum läuft man auch nur eine Viertelstunde. Also alles ganz easy zu erreichen.


Die Gemeinschaft hier im Haus ist sehr angenehm. Es sind größtenteils Priester, dazu zwei Seminaristen, ein Laienbruder und fünf oder sechs Nonnen (Ich kann die noch nicht auseinanderhalten), die ebenfalls in einer Gemeinschaft im selben Gebäudekomplex wohnen und sich mütterlich und schwesterlich um uns unbeholfene Pfaffen kümmern.

Im Rom ist der Sommer vorbei. Es ist extrem frisch, aber sehr schön, weil die Sonne tagsüber immer ganz brav scheint und der Regen nur abends oder in der Nacht fällt. So hat man's gern.

Okay, das waren die Nachrichten aus Rom. Ich mach jetzt einen Sonntagsspaziergang und wünsche Euch allen ein schönes Rest-Wochenende!

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, October 13, 2007

Keine Überraschung,...

... wenigstens für mich: Die Aussage dieser beiden Karten (Quelle: Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, "Freiheit oder Gleichheit?") ist doch recht eindeutig.


Auf dieser Karte seht ihr die Verteilung der Katholiken in Deutschland im Jahre 1934 (je schwärzer, desto rechtgläubiger).


Und diese Karte zeigt Euch die Verteilung der Leute, die in der Wahl von 1932 für die Nationalsozialisten stimmten (je schwärzer, desto brauner).

Aber klar: Wenn ein Kardinal Betram dem Führer ein Geburtstagstelegramm schickt, oder Pius der Zwölfte in den Kriegsjahren nur 600.000 Juden das Leben retten ließ und nicht dreimal sovielen, dann wiegt das natürlich schwerer.
    "Nö, über die Kirche müßt ihr euch keine Gedanken machen! Lest mal brav unsere Artikel, da steht alles drin."

    "Danke, Onkel Rudolf!"

    "Und vergeßt nicht, unsere Theaterstücke anzuschauen!"

    "Bestimmt nicht, Onkel Rolf!"

    "Und daß mir keiner auf die Idee kommt, sein Bild von Kirche und Papsttum aus anderen Quellen als meinen Büchern zusammenzusetzen!"

    "Keine Angst, Onkel Karl-Heinz!"

    "Und ich brauche dringend zwei neue mintfarbene Kostüme und mehr Medienpräsenz, also kauft meine Bücher!"

    "Jawohl, Tante Uta!"
Zur Avantgarde gehört man als kirchentreuer Katholik ja eh schon. Jetzt stellt Euch mal vor, Ihr könntet sogar an einer neuen Aufklärung mitwirken!

Hilfe!

Mann, hab' ich die Kappe auf!

Gestern Nacht fand hier zwei Straßen weiter eine Open-Air-Veranstaltung statt, Vorspiel zu irgendeiner heute stattfindenden Alleanza Nazionale-Demo gegen die Finanzpolitik der momentanen Regierung statt. Bis gegen Mitternacht wurde da Reggae gespielt und zwar mit den Amps auf "Spinal Tab"-Einstellung.

Jetzt läuft wohl grade die Demo und - Juchei! - zwei Helikopter kreisen seit drei Stunden über dem Geschehen, also auch über unseren Köpfen. Meine Tischkante hat schon Bißspuren.

Und grade während ich das hier tippe, wird draußen die Nationalhymne - ebenfalls ohrenbetäubend - angestimmt. Na, das Liedchen mag ich ja ganz gerne.

"Willkommen zurück in Rom" will man mir damit wohl sagen.

Kurzes "Hallo" aus Rom

Tach!

Wir (Max, Gabriel und ich) sind mittlerweile seit einer Woche in Rom. Wir bee-boppen noch so ein bischen herum, weil wir uns erst wieder eingewönen müssen. Zum Beispiel müssen wir jetzt wieder auf "Italienisch" umschalten und uns ganz neu mit Spitzenkaffee, paste al dente, Gruselverkehr und Kundenfeindlichkeit vertraut machen.

Meine erste Woche Theologie habe ich auch schon hinter mir. Wild war es noch nicht. Interessant allerdings schon. Ich habe in meiner Klasse noch ein paar Leute, die auch schon in Philosophie dabei waren, also ist es eine ganz familiäre und angenehme Atmosphäre. Die Profs scheinen allesamt korrekt und informiert und motiviert zu sein, was ja schon mal die halbe Miete ist.

Boah! Hier in der Innenstadt Roms sind bergeweise Möwen unterwegs. Und die sind extrem nachtaktiv! Die kreischen um zwei Uhr morgens mal kurz alle wie die Katzen auf, fliegen einmal im Kreis und dann, wenn endlich die ganze Nachbarschaft mit zu Berge stehendem Haar in embryonaler Stellung im Bett liegt, begeben sie sich wieder zur Ruhe. Rotzviecher.

Okay, wenn wir uns hier in Rom wieder richtig niedergelassen haben, dann wird's auch mit dem Bloggen wieder etwas besser flutschen.

Bis bald und alles Liebe,
Alipius

Evolution

Dove macht sich ja seit längerer Zeit schon einen Namen als "ehrliche" Company, die mit Photos von nackten Hundertjährigen oder Slogans wie "Reden Sie mit Ihrer Tochter, bevor es die Schönheitsindustrie tut" von sich reden macht. In diesem kleinen Film mit dem Titel "Evolution" zeigt uns Dove, was so alles mit einer ohnehin schon prächtig aussehenden Frau geschieht, bis sie Werbeplakat-Material ist. Spukig, wenn's denn so ist.



Und das hier ist die Antwort aus dem "wahren Leben" auf Dove's "Evolution".


Hehe

Friday, October 05, 2007

Bevor ich wieder nach Rom fliege...

... leg ich noch schnell ein paar Werbebildchen für die Katholische Kirche auf "am römsten" ab. Es gibt so viele schöne Slogans, die sich so herrlich auf die Eine, Heilige, Katholische, Apostolische anwenden lassen, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Sollte Euch das ein oder andere Bildchen gefallen, so ist Klau und Vervielfältigung nicht nur gestattet, sondern auch erwünscht.










Also: Morgen geht's ab in die Ewige Stadt. Dann gibt's erst mal ein paar Tage Sendepause und ab Mitte Oktober müßte "am römsten" dann wieder normale Betriebsgeschwindigkeit erreicht haben.

Bis dahin:

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, October 03, 2007

Guckst Du!


Am 10. Oktober startet auf RTL II die Serie Heroes.

Mir ist zu Ohren gekommen, daß in Deutschland schon schwerer Werbehype betrieben wird. Ausnahmsweise ist der Hype aber auch gerechtfertigt. Heroes ist extrem sehenswert. Die Grundidee ist spätestens seit X-MEN nicht mehr neu, aber die Umsetzung ist eine völlig andere. Keine Babes mit Guns und Studs in Latex, die im Dauereinsatz die Welt vor den neuesten Höllenmaschinen irgendwelcher Superschurken im Purpurcape retten. Nope. Heroes zeigt uns die genetisch Herausgeforderten als Politiker, Cops, Maler, Cheerleader, alleinerziehende Mütter, Knastbrüder, Freaks, Krankenpfleger etc.

Die ganze bunte Truppe wird im Laufe der 22 Folgen der erstern Staffel schicksalsmäßig zusammengeschweißt um New York vor einer gewaltigen atomaren Explosion zu bewahren. Was bis dahin geschieht ist immer unterhaltsam, streckenweise originell, manchmal überraschend.

Zwei Darsteller sind besonders erwähnenswert: Masi Oka spielt Hiro, einen geekigen, comic-liebenden Japaner, der an seine besonderen Fähigkeiten mal fest glaubt und auch mal schwer an ihnen zweifelt. Und er ist sicherlich der witzigste, positivste und knüffigste Character in der Show. Dann ist da Sylar, gespielt von Zachary Quinto. Sylar ist der "Schurke" in Heroes und Quinto macht wirklich etwas draus. Er muß nicht einmal auf dem Bildschirm sein. Wenn der Name "Sylar" nur erwähnt wird, dann legt sich gleich eine doomige Gänsehautschicht über das gesamte Geschehen, so bleibend ist der Eindruck der ersten Auftritte von Quinto.

Ich will nicht sagen, daß Heroes ein Muß ist, aber wenn Ihr Serien mögt, die mal ein wenig anders sind und trotzdem prima unterhalten, dann zieht Euch wenigstens die ersten vier order fünf Folgen rein. Wenn Ihr dann nicht am Haken hängt, macht's eh keinen Sinn weiterzuschauen.

Save the cheerleader - save the world!

Der Lösung einen Schritt näher...

Aus der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch:
    Zu Recht vergnügt? - Forscher entdecken: Konservative sind fröhlich, Linke verzweifelt.
    Von Hilmar Klute


    Der Bänkelsänger Franz-Josef Degenhardt hat in den frühen achtziger Jahren ein Lied gesungen, in welchem er das emotionale Grundproblem der Sozialisten und verwandter Geister ziemlich bündig zu fassen kriegte: "Also, wir wollen mal ehrlich sein, so richtig können sich Linke nicht freun." Eigentlich war das damals schon eine ketzerische Bilanz gewesen, denn die Linken hielten sich doch immer zugute, saftige Epikuräer zu sein, die schwer solidarisch an langen Tischen saßen, Beaujolais Primeur tranken und pfeffrigen Hammelbraten in sich rein-stopften, um die Verhältnisse auf diese Weise zum Tanzen zu bringen. Tja. Windige Utopien waren das alles. In Wirklichkeit hockten die Linken verkniffen in schlecht gelüfteten Seminarräumen und klopften solange die alten Marx- und Hegel-Schinken ab, bis die Mauer umfiel und alles umsonst gewesen ist.

    Die Konservativen dagegen haben immer sehr angenehm im Ratskeller gesessen, Moselwein getrunken und sich an der Stabilität ihres Weltgebäudes freuen können. Im Sommer zogen sie ins Bierzelt um und ließen dort ihre Festredner hochleben, welche ihnen noch einmal die Palette der überlieferten Werte von der Familie bis hin zum finalen Rettungsschuss auffächerten. Wobei der Spott hier auch abrupt aufhören muss, denn es hat sich in der Tat herausgestellt, dass Konservative nachweisbar gefestigter sind als Linke und damit ungleich zufriedener.

    Die Forschergemeinschaft um den Dänen Christian Bjørnskov von der Aarhus School of Business hat nach links und rechts Fragebögen verteilt und die einzigen wirklich fröhlich stimmenden Auskünfte nun einmal von den Werteorientierten bekommen. Selbst wenn ein Linker über ein schönes finanzielles Vermögen verfügt, ist er unglücklich, weil ja gerade seine feste Verortung auf der materiellen Sonnenseite so grell und hässlich verdeutlicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich so fies - ach, es ist ein Elend. Im konservativen Gegenlager ist diese Schere wiederum ein Symbol der Gerechtigkeit, denn sie zeigt ja, dass nur derjenige, der mit Fleiß und Talent vorstellig wird, Glück und Erfolg erntet.

    Je linker ein Mensch ist, desto unglücklicher ist er: Ich bin so links, dass ich am liebsten sterben möchte. Ich wache morgens auf, schaue mit meinem verschleierten linken Auge auf mein Liebknecht/Luxemburg-Plakat und bin schon wieder so unrettbar in diesem Kokon aus Verzweiflung und Wut gefangen, verstehst du?

    Je rechter ein Mensch ist, desto glücklicher ist er: Ich bin so rechts, dass ich schon morgens um fünf mein Carl-Schmitt-Portrait mit frischem Eichenlaub bekränze und die Ouvertüre zu Tannhäuser so lange auf dem Grammophon laufe lasse, bis ich das Bedürfnis verspüre, spontan in Sachsen-Anhalt einzumarschieren.

    Das wahre Elend ist natürlich, dass man sich seine Gesinnung nicht aussuchen kann.
Na, jetzt habe ich endlich die Antwort auf Alfred Jodocus Quackens Frage "Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, so ausgesprochen fröhlich, so fröhlich wie noch nie?"

Saturday, September 29, 2007

Beidseitiges Bedauern

In der heutigen Ausgabe der Presse findet sich neben dem aufmunternden Kreuzentfernungs-Artikel auch ein Essay von Robert Menasse, Dr. phil. und freier Schriftsteller. Er erzählt von der Verweltlichung von Kirche und Religion und der Sakralisierung des Kapitalismus. Wenn letzterer Ansatz auch interessant und richtig sein mag, so stützt sich der gesamte Artikel jedoch auf einen Trugschluß, der gleich zu Beginn geschieht: Der Gott der Moderne, der Gott der aufgeklärten Welt, sei nur als Begründer einer Religion (welche hier eine menschliche und menschengemachte Institution genannt wird) und nicht der Welt anerkannt. Das haut natürlich nicht hin. Wenn er Gott ist, ist er Schöpfer der Welt. Wenn er nicht Schöpfer der Welt ist, ist er nicht Gott. Das mögen moderne Menschen nicht verstehen (wollen), aber das ändert nichts am Sachverhalt. Wie ich gestern sagte: Die Menschen heutzutage sagen viel zu oft "Gott", ohne 'Gott' zu denken.

"Wäre der Papst das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, Stellvertreter seines Gottes auf Erden, er hätte es abgelehnt, ja zurückgewiesen, [in Österreich] mit militärischen Ehren empfangen zu werden", heißt es im Artikel von Menasse. Nun ist der Papst aber nicht nur Oberhaupt der Katholischen Kirche, sondern auch Oberhaupt des Vatikanstaates und hatte somit die Wahl.

Eine handvoll hundertjähriger Linden musste weichen, damit in Mariazell die Tribüne für die Papstmesse errichtet werden konnte, weiß Menasse weiter zu berichten. Das stürzt unsere Umweltfreunde sicherlich in tiefe Trauer. Wer allerdings in Richtung Ewigkeit lebt und nicht nur seine Tage auf der Erde zählt, den jucken ein paar hundertjährige Bäume weniger.

Der Papst ist also ein säbelrasselnder Öko-Terrorist. Wäre es Robert Menasse wirklich lieber gewesen, wenn Benedikt XVI sich entschieden hätte, auf militärische Ehren zu verzichten und die Bäume stehen zu lassen? Dann wären ja als entrüstungsbeschleunigender Anklagepunkt nur die Prada-Schuhe geblieben, die sich erstmal einem harten historischen Test unterziehen Müssen ("Jesus zog in Sandalen in Jerusalem ein") bevor folgende Aussage gemacht wird: "Die Schuhe des Papstes, erfuhren wir, wurden in Indien genäht!" Naja, bei soviel moralischer Überlegenheit, hervorgerufen durch eine so eindeutige Quellenlage ("... erfuhren wir, ..."), ist der Pluralis Majestatis sicherlich gerechtfertigt. Da kann ja selbst der Papst noch was lernen.

Menasse erhöht dann die Papstmesse in Mariazell zu einer politischen Eroberung eines öffentlichen Raumes für einen sakralen Ritus und erklärt sie zur Landnahme. Der Autor watet noch durch drei weitere Landnahme-Analogien (Amsterdam, Auschwitz, Nagasaki) und erhellt deren Relation zur Religion. Er stellt fest, daß wir mit den Gebeten eben dieser Religion in Mariazell Bäume fällen. Er scheint dann zu hoffen, daß der Leser erstens die Prada-Schuhe und zweitens den Satz von drei Spalten vorher noch im Kopf hat: "Es wird niemanden, der das Verhältnis von Kapitalismus und Christentum kennt, überraschen, daß [in Mariazell] selbstverständlich die hundertjährigen Linden weichen mußten". Denn - Faust immer im Gepäck - schließ der Kreis endlich so: "Laß dich mit dem Teufel ein und mach deinen Profit. Am Ende wirst du von Gott erlöst, denn dein Streben war gottgefällig." Ja, so durchschaubar sind Christus und Benedikt XVI.

Extra-schmierig dann der Abschluß des Artikels: "Ich bedaure, daß ich das geschrieben habe." Das ist schon okay. Ich bedaure, daß trotz des Bedauerns der Text irgendwie immer noch seinen Weg in die Zeitung fand.

Jetzt endlich auch in Österreich!

Juchei, der Islamismus ist da!

Nachdem in Frankreich vor Jahren kurzseitig die Trennung zwischen Kirche und Staat aufgehoben wurde, damit mit staatlicher Finanzierung Imame ausgebildet werden können; nachdem in London vermummte Moslems auf Plakaten den Tod des Papstes forderten und die Auslöschung des Christentums in Europa versprachen; nachdem in Deutschland die bombigen Pläne dreier Moslems vereitelt werden konnten; nach all diesen "Der tut doch nichts, der will nur spielen"-Episoden kann Österreich nun auch mitreden. Erst die Schändung einer Kirche durch drei junge Türken in Hohenems (April 2006). Dann das Hochnehmen von drei Islamisten, die im Internet ein wenig Haß predigten. Und nun lese ich in der heutigen Tageszeitung dies: In Graz werden seit einiger Zeit die Kreuze von den auf Taxi-Nummernschilder gedruckten steirischen Landeswappen gekratzt. 18 Fälle waren bis gestern Mittag bekannt. In mindestens 16 Fällen, so heißt es, haben Fahrzeuglenker bzw. -besitzer einen muslimischen Hintergrund.

Und dann motzt die Vorsitzende eines islamischen Vereins in Österreich in der "Presse", daß die Leute sich halt mehr über den Islam informieren sollen, dann wird auch alles viel besser. Ja, bitteschön, was will ich denn eigentlich noch mehr wissen, als daß christliche Kirchen geschändet, Internetseiten zur Verbreitung von terroristischen Inhalten genutzt, Konvertiten zu Bombenbastlern ausgebildet und christliche Symbole mit Urkundenkraft (Nummernschild) zerstört werden? Setze ich mich da hin und suche nach Anhaltspunkten, die mich dazu bewegen könnten, die Islamisierung Europas schweigend und in Freude abzuwarten? Habt Ihr sie eigentlich noch alle?

Es gibt auch eine gute Seite des Islam und jede Menge Moslems, die gegen Gewalt sind? Liebe muslimische Brüder und Schwestern, macht die Socken scharf und zeigt sie uns. Groß, bunt und in aller Herrlichkeit in den Medien. Langsam wird es Zeit, meint Ihr nicht?

Aber wahrscheinlich wird die Reaktion in etwas so lauten:
Österreichische Politiker: "Och, sind wir doch froh, daß sie nur die Kreuze von den Wappen kratzen und nicht auch noch Halbmonde draufmalen. Und überhaupt, sollten wir nicht langsam christliche Symbole gänzlich aus der Öffentlichkeit verbannen?"
Österreichische Moslems: "In Graz verlangen Taxikunden seit einigen Tagen vermehrt inländische Fahrer! Wir sind empört!"

Nochmals Glückwunsch an all jene, die seit Generationen selbstgerecht und blind an der Entchristianisierung Europas basteln und es auch heute noch für eine gute Idee halten.

Friday, September 28, 2007

War mal wieder Zeit...

... für ein wenig Veränderung. Ich hoffe, das neue Petersplatz-Bild im Header findet Euren Beifall (wenn nicht, laß ich's aber trotzdem erstmal da, weil ich es wirklich gern hab).

Alles Liebe,
Alipius

Ja, warum denn eigentlich...?

"Warum die Kirche nervt!" heißt es auf der Titelseite der neuen Ausgabe der Zeit.

"Warum wir finden, daß die Kirche nervt!" oder "Nervt die Kirche? Und wenn ja, warum?" als Alternativ-Überschriften? Bloß nicht! Dogma und Fundamentalismus gibt's ja glücklicherweise ohnehin nur da, wo wir diese zu finden glauben.

Versöhnlich dagegen, daß es "Die Kirche" heißt. Zwar wird im Artikel zweimal auf die leicht angefressene Befindlichkeit der Protestanten verwiesen, denen ja unlängst das sogenannte "Kirchesein" im engsten Sinne abgesprochen wurde, aber offenbar wissen auch die Leute bei der Zeit, welche Institution gemeint ist, wenn von DER Kirche die Rede ist.

Drei Antworten auf das "Warum" (ein Schelm, wer hier an "Dodgeball" denkt) bietet der Artikel an. "Einen guten, einen tragischen und einen furchtbar traurigen", wie es im O-Ton heißt. "Furchbar" traurig? Naja, wir wollen doch, daß auch die "Würde bitte für eine Sekunde vielleicht irgendjemand auch mal an die Kinder denken"-Fraktion weiterliest.

Furchtbar traurig sind die konservativen Bischöfe, die "den Glauben in Verruf" bringen. Hier werden die drei unangenehmen M's, Gerhard Ludwig "Sexskandal" Müller, Walter "Gebärmaschinen" Mixa und Joachim "entartete Kultur" Kardinal Meißner genannt.

Letzterer hat ja mit seinem gewaltigen Tritt ins Fettnäpfchen immerhin das typische und obligatorische Schubladendenken des moralisch leicht entflammbaren Teils der Öffentlichkeit bloßgelegt: "Hmmm... Entartet..., entartet..., entartet... Ah, da steht's! Mal die Schublade aufmachen und reinschauen. Oha! Eine "To do List"...
    1.) Betroffen gucken
    2.) Entrüstet mit dem Fuß stampfen
    3.) Mahnend an die Vergangenheit erinnern
    4.) Sich freuen, daß man zu den Guten gehört
    5.) Die Diskussion vom eigentlichen Punkt wegleiten auf den bösen Buben

    Achtung: Unbedingt alles vermeiden, was einer zu einer Rückeroberung des Begriffs für den allgemeinen Sprachgebrauch führen könnte. Diesen Schatz dürfen wir uns nicht nehmen lassen!
Bischof Mixa musste sich von der "Maria Schell der Sozialdemokratie" (ebenfalls aus der "Zeit") mit einem kastrierten Kater vergleichen lassen. Kurt Beck wollte mit diesem Witzchen aber nur um Verständnis für den Bischof werben. Ja, genau...

Bischof Müller, der Louis XIV des deutschen Episkopats, steht im Mittelpunkt der Zeit-Kritik, dies mit Recht. Wer überwuchernde Laienaktivität beschneidet und goscherte Priester und Theologen in die Schranken weist, muß dann halt auch beim Umgang mit in ihrem Sexualverhalten gestörten Geistlichen Klugheit und Umsicht beweisen und hart durchgreifen, sonst ist die Mitra mehr als fehl am Platze.

Der Artikel leidet insgesamt am mittlerweile gesellschaftsfähig gewordenen und seit langem sich mit rasender Geschwindigkeit verbreitenden emotionalen Overkill ("furchtbar traurig"). Der Verstand, so weiß man aus der Logik, arbeitet mit Universalen. Wenn eine "fröhliche ältere Dame" den Kardinal Meißner nicht mehr will, weil er Fuchsaugen habe, so ist dies ein auf Gefühlen basierender singulärer Eindruck, der nicht wirklich etwas zur Suche nach dem Prinzip "Bischof" beiträgt. Auch ein im Nebenzimmer wimmernder Säugling während eines Besuchs von Bischöfen in den Räumlichkeiten eines Aids-Projektes in Mfuleni mag die Herzen höher schlagen lassen, ändert aber nichts an der Tatsache, daß das HI-Virus primär durch Geschlechtsverkehr und erst sekundär durch die Abwesenheit eines Gummihäutchens übertragen wird. Naja und dann halt jede Menge "Amtskälte", "Menschenferne", "Mitschuld", "Bischof Müller könnte mit den Mullahs an einem Tisch sitzen", "Die Kluft zwischen Gläubigen und der Amtskirche verschwindet erst, wenn man an die Basis geht..." etc.

Es gibt also drei Beispiele für Bischöfe, die nicht so wollen, wie sie (nach wessen Meinung auch immer) sollen. Von diesen drei Herren kann man streng genommen nur Müller einen echten Vorwurf machen, weil nur er das Prinzip der bischöflichen Amtsführung scheinbar voll in die falsche Kehle bekommen hat. Dann nervt aber gleich die ganze Kirche. Komisch, hier werden Universale dann plötzlich wieder interessant. Das finde ich ein bißchen zu einfach und auch ein bißchen bigott.

Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in der die Menschen immer öfter "Gott" sagen, aber immer seltener 'Gott' denken. Gott kann nur EINER sein, dies liegt in der Natur eines allmächtigen, perfekten Wesens. Wegen seiner Perfektion, also der Abwesenheit jeglicher negativen Indikationen, kann Gott auch nicht lügen, daher ist erstens die Trinität - wenn sie vielleicht auch schwer verständlich ist - ebenso leicht zu glauben, wie die Auferstehung Christi, und daher ist zweitens für einen gläubigen Christen jede auf Christus folgende "göttliche Offenbarung" abzulehnen, dies allerdings nicht mit Gewalt, denn so hat unser Herr auch keine Anhänger gewonnen. Die Kirche kann ebenfalls nur EINE sein, denn sonst gibt es ihrer irgendwann so viele, wie da Menschen sind. Man vergleiche nur die Anzahl der lutherischen / anglikanischen / /zwinglianischen / calvinistischen / puritanischen / amischen / methodistischen / baptistischen etc. Glaubensgemeinschaften mit der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche, die ja übrigens auch auf einem Felsen und nicht auf mehreren errichtet wurde. Tja und dann muß man halt als gläubiger Christ in den sauren Apfel beißen und der Katholischen Kirche erstens beitreten und zweitens mit dem Wohlwollen begegnen, welches sie zum Überleben braucht. Böse Bischöfe sollten wirklich nicht interessanter sein und mehr wiegen als das Gute in der Kirche, das Wohl derselben und auch das eigene Seelenheil.

In Zeiten, in denen Europa zu Erbsen zerfällt, sich an der eigenen Christus- und Kirchenlosigkeit zu er-"götzen" beginnt und sich im Taumel der Vorfreude über die eigene Kapitulation hemmungslos an seiner Zukunft vergeht, erscheint ein Fokus auf die "nervigen" Aspekte der größten und ältesten Institution unseres Kontinents nicht wirklich hilfreich. Sicher, die Fehler und Vergehen der Bischöfe sollen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Aber wir sollten auch nicht vergessen, daß wir seit fast zweitausend Jahren mit den Launen solcher "Kirchenfürsten" leben. Und trotzdem gibt's uns immer noch. Wahrscheinlich hauptsächlich wegen der Leute, die sagen "Du bist mein Herr und dies ist Deine Kirche. Ich danke Dir, daß Du sie uns als Deinen mystischen Leib hinterlassen hast, und ich will ihr treu bleiben" und nicht "Du bist mein Papst / Bischof /Pfarrer und Du bist
    gegen Frauenordination
    für den Zölibat
    gegen Clownnasenmessen
    gegen die Homo-Ehe
    konservativ
    selbstherrlich
    versoffen
    blöde
    sonstwas
    (Zutreffendes bitte ankreuzen)
darum mag ich Dich jetzt nicht mehr und die Kirche auch nicht."


So hat man also einen Gott und einen Weg zu ihm. Steht nicht da und meckert über die Schlaglöcher. Ihr seid doch schlau genug, sie zu sehen. Also umgeht sie, warnt die nach Euch kommenden und marschiert weiter Richtung Heil. Die perfekte Straße gibt es ebenso wie die vollendete Kirche ohnehin erst im Jenseits.

Tuesday, September 25, 2007

Jetzt also die Bilder...

Das ist ein Teil (weniger als die Hälfte) der Leute, mit denen ich vor 20 Jahren Abitur gemacht habe. War ganz witzig, die Bande mal wiederzusehen. Auch, wenn ich einige kaum noch wiedererkennen konnte. Und von meinem Namensgedächtnis wollen wir mal gar nicht reden. Das ist so mies, es läuft so nach dem Motto "Ich kann nicht glauben, daß Du vergessen hast, wie ich heiße!" Worauf ich dan nur kleinlaut antworte "Tschuldige Mama!"


Und jetzt ein paar Eindrücke aus Polen:

Stoak, oder? Ist das nicht ein richtig hübscher, großer Platz? Und dabei seht Ihr hier auf dem Bild nicht mal die Hälfte!


Dieses dezente frühbarocke Flimmern konnten wir bei den Chorherren in Krakau bestaunen. Der Typ im Radlerdress hat bezüglich der Farbigkeit (oder Buntigkeit) kurzzeitig dem Sakralbau die Show gestohlen.


Am zweiten Abend waren wir in einem jüdischen Restaurant in Krakau. Da gab's nicht nur die ganzen klassischen Gerichte und koscheren Wein, sondern auch Klezmer-Mucke und zwar live. Die fünf Jungs, die Ihr hier auf dem Bild irgendwie sehen könnt, waren richtig gut und haben mächtig was losgemacht. Der Hit: Sie heißen "Klezzmates", was ja wohl geiler kaum gefunden werden kann.


In Częstochowa waren wir natürlich auch und haben uns die schwarze Madonna angesehen. Da bekam ich dann zum ersten Mal seit langer Zeit wieder so richtig Haarspitzenkatharr. Und zwar hatten wir am Altar der schwarzen Madonna Messe. Ich dachte, daß das eher so eine private Geschichte wird, weil's halt natürlich eine Messe in deutscher Sprache war. Wir stellen uns also in der Sakristei so brav auf und marschieren raus. Und da stehen in der Kapelle Schulter an Schulter, Schuhspitze an Absatz die Leute. Pickepackevoll, aber: Kein Mucks! Das war schon leicht gespenstisch. Dann knieten wir uns vor dem Altar hin und blieben knien, denn es fuhr unter live gespieltem Trompeten und Trommelgerassel die das Madonnenbild verkleidende Tafel langsam hoch. Und kaum war die Madonna zu sehen und kaum hatte die Messe begonnen, ging der Betrieb wieder los: Rund um den "Chorraum" und hinter dem Gnadenaltar entlang führt ein Weg für die Pilger, und auf dem wurde auch während der Messe fleißig aber würdig entlanggeschritten, manchmal rutschten sogar ein paar Leute auf Knien vorbei. Nur bei der Wandlung und beim "Agnus Dei" kam der Verkehr kurzzeitig zum Stehen und alles sank in die Knie (außer denen, die schon gekniet haben, versteht sich). Das war doch eine ziemlich andere Form des Katholizismus als das, was ich bisher so aus Deutschland und Österreich kannte.


Sarockels on Parade!


Auf der Rückreise waren wir noch in Kalwaria Zebrzydowska, wo ich diese beiden Extrem-Jubelputten sah, die ich Euch auch nicht vorenthalten möchte


Irgendwo in der Slowakei, während der Rückreise aus dem Bus heraus geschossen.

Monday, September 24, 2007

Wieder da!

So, ich bin zurück von meiner Deutschland/Polen-Reise. Familie und Freunde und Ex-Klassenkameraden (20 Jahre Abi. Man, bin ich alt!) hab ich getroffen und mich sehr gut erholt. Krakau ist nicht nur eine schöne Stadt, sondern scheint im Moment auch einer dieser ultra-hippen Orte zu sein, an dem sich alles trifft, was auf Paris, New York und Mailand keinen Bock mehr hat. Aber viel Studis und Jungvolk gibt's da auch, also ist das Ganze noch nicht so versnobt. Und es gibt den größten Marktplatz Europas mit vielen schönen historischen Gebäuden, in denen sich haptsächlich Restaurants und Bars finden.

Die Polen pflegen eine ganz eigene Art des Katholizismus. Fromm sind sie eh, klar. Aber es fließt ganz viel Persönliches mit hinein. Reiß mal einen geschmacklosen Witz über JPII oder Faustina. Und dann lauf ganz ganz ganz ganz schnell. Naja, dafür müssen sie ja auch jetzt für das "aufgeklärte" Europa den Running Gag als angeblich mittelalterlich-verdüstertes Katholenvölkchen machen.

Shot-Tip des Monats: Teraz Polska - Ein Drittel Grenadine, ein Drittel Zitronensaft, ein Drittel Wodka.



So, und jetzt Photos:


...
-=§@*# grmblfjxt! #*@§=-
...

Okay, irgendwas läuft mit dem Hochladen der Photos falsch. Und ich muß jetzt weg. Also probier ich's morgen oder übermorgen nochmal.

Sorry!

Tschö!

Friday, August 31, 2007

Große Freude im Stift

In der vergangenen Woche hat es im Stift wieder richtig gebrummt. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der neuen Novizen und der Junioren, die ihre Ordensgelübde ablegten, belebten das Haus. Es war eine sehr schöne und trotz des Rummels irgendwie familiäre Atmosphäre.



Am Fest der Heiligen Monika haben wir in diesem Jahr vier neue Novizen einkleiden dürfen. Es sind von links nach rechts die Herren Konstantin (Norwegen), Florian, Anselm (beide Österreich) und Aegidius (nochmal Norwegen). Herzlich willkommen!



Von den sechs Novizen des vergangenen Jahres haben zwei uns verlassen. Die restlichen vier haben am Hochfest unseres Heiligen Ordensvaters Augustinus ihre kleine Profeß abgelegt. Hier seht Ihr von rechts nach links die Herren Quirinus (Deutschland), Gabriel (USA), Sebastian (Österreich) und Benedict (Deutschland). Für diese Vier gehen jetzt bald die Studien los. Gabriel wird nach Rom kommen, worüber Max und ich uns natürlich sehr freuen.



Ebenfalls zu Augustini haben Maximilian und Bruno ihre ewige Profeß abgelegt. Bruno, der bereits Priester ist, verläßt somit das Juniorat. Max bleibt uns bis zu seiner Weihe noch erhalten.



Und so sehen Noviziat und Joniorat des Stiftes Klosterneuburg im August 2007 aus: Gruppenbild mit dem Hochwürdigsten Hernn Prälaten Bernhard und Novizenmeister und Klerikerdirektor Anton (ganz links). Wir danken dem Heiligen Leopold, daß er so vorzüglich über seine Stiftungen wacht (auch in Heiligenkreuz gab's in diesem Jahr wieder reichlich Zuwachs: Sechs Novizen wurden dort aufgenommen). Ich bitte um Euer Gebet für unsere Gemeinschaft.


Ich bin jetzt dann mal weg auf Heimaturlaub und dann geht es noch für ein paar Tage nach Polen. Nächstes Lebenszeichen auf "am römsten" voraussichtlich in den späteren Septembertagen. Ich wünsche Euch einen schönen Restsommer!

Alles Liebe,
Alipius

Monday, August 20, 2007

Anleitung zum Selbstmord

Niederlande 1957:



Niederlande 2007:

In den Niederlanden hat der katholische Bischof Tiny Muskens (71) vorgeschlagen, alle Gläubigen sollten Gott künftig Allah nennen. Allah sei an sich ein ganz schöne Bezeichnung für Gott, sagte der Bischof von Breda nach Medienberichten vom Dienstag. Dies fördere das wechselseitige Verständnis zwischen den Religionen.
    Stimmt, in mir wird's schon ganz warm vor lauter Nettigkeit und plötzlich aufkeimendem Verständnis.
Muskens fügte hinzu: «Warum sollen wir nicht alle gemeinsam sagen: Wir nennen Gott fortan Allah?»
    Das würde Exzellenz sicher nicht verstehen, denn Exzellenz ist niederländischer Prälat.
Allah ist das arabische Wort für Gott im Koran. Besorgnissen der Gotteslästerung hielt Muskens entgegen: «Wir haben das erfunden, um darüber zu streiten.»
    Das kann er seinem "Gott" erzählen, wenn er nach seinem Tod mit ihm bei Schwefelduft und Seelengeschrei ein Schwätzchen hält.
Der Kirchenmann, der kürzlich aus Gesundheitsgründen seinen Rücktritt angeboten hat, räumte ein, dass die Einführung von Allah als Gottesnamen in der katholischen Kirche in absehbarer Zeit kaum Chancen habe. Aber in 100 oder 200 Jahren sei es durchaus denkbar.
    Natürlich, Exzellenz, denn dann gibt's in Europa ja auch keine Christen mehr (dank Bischöfen wie Ihnen).
Für seine Empfehlung beruft sich der Bischof auf seine Erfahrungen in Indonesien, wo er acht Jahre tätig war. In der Eucharistiefeier werde Gott dort Allah genannt: «Warum übernehmen wir das nicht.» Dies müsse gut vorbereitet und gründlich erwogen werden, denn es seien sehr viele Emotionen im Spiel.
    Nee? Echt jetzt?

Ernsthaft, was mußte in der Kirche eigentlich alles schiefgehen, damit so jemand Bischof werden kann?

Sunday, August 12, 2007

Wieviel ist dein Blog wert?

Technorati gibt die Antwort. Dank an Thomas, bei dem ich zuerst drauf stieß.


My blog is worth
'n Appel un'n Ei.
.

How much is your blog worth?

Saturday, August 11, 2007

Ich will ja nicht angeben...

... aber ich tu's jetzt halt doch mal. Weil's mich schlicht und einfach freut: Klosterneuburg ist eines der sieben "Weltwunder" Österreichs. Es ist sogar auf Platz eins gelandet. Ihr wißt, ich liebe das Stift, also gönnt mir ein paar Sekunden publik gemachter Freude! Ermittelt wurde alles von der Zeitschrift "Kurier" und ihren Lesern bzw. Interntteilnehmern.

Also: Hip Hip Hurrah!

Schönes Wochenende!

Sunday, August 05, 2007

Chorherren-Kongress in Vorau

Vor drei Wochen waren wir auf dem Chorherren-Kongress in Vorau. Dort kamen Augustiner-Chorherren aus aller Welt zusammen, sangen gemeinsam das Chorgebet (dies in fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein), feierten gemeinsam die Heilige Messe, lauschten Vorträgen zur Gegenwart und Zukunft von "Communio und Missio", machten Ausflüge und genossen grundsätzlich das bunte Durcheinander, das irgendwie doch geeint war.

Hier ein paar photographische Eindrücke:


Die wunderschöne Stiftskirche in Vorau


Die Herren Bruno, Clemens, Gabriel und Ambros (v.l.)


"Jedermann" einmal anders: nicht vor dem Salzburger Dom, sondern vor der Pöllauberger Kapelle: Die Herren Alipius, Gabriel und Daniel in sommerlicher Zivilkleidung (v.l.)


Wir haben auch Pöllau besucht. Dies ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstif, von dem natürlich die zuvor erwähnte Kapelle Pöllauberg ihren Namen hat, da sie auf einem Berg liegt und zum Stift Pöllau gehört. Das hier ist der Heilige Antonius von Padua, der vor seinem Übertritt zu den Franziskanern ein Augustiner-Chorherr war. In der Stiftskirche von Pöllau habe ich den Heiligen Antonius zum erten Mal in Chorherren-Tracht gesehen. Üblicherweise ist er ja als Franziskaner dargestellt.


Und noch eine Premiere: Da haben die doch in Pöllau tatsächlich einen Heiligen Alipius stehen, und zwar an einem dem Heiligen Augustinus geweihten Seitenaltar. Eine figürliche Darstellung des Heiligen Alipius habe ich bisher auch noch nie gesehen. Auf der anderen Seite steht der Heilige Possidius, der ebenfalls ein Freund des Augustinus war und die "Vita Augustini" schrieb.


Einen schönen Sonntag Euch allen!

Saturday, August 04, 2007

"Non serviam!", die Zweite

In der vergangenen Woche staunte ich noch über die verheirateten Priester, die das Magazin "Profil" präsentierte. Gestern schlage ich die "Presse" auf und finde eine Fortsetzung:
    "Pfarrer mit Kind muß gehen"
violint es mir im Österreich-Teil entgegen. Aus diesem Artikel zitiere ich nur zwei Sätze. Der Erste ist ein Zitat von einem Gemeindemitglied:
    "Wenn das die Belohnung dafür ist, daß ein Vater zu seinem Kind steht, ist der Sinn der Kirche für mich nicht mehr erkennbar."
Den übermäßig empfindungsbegabten unter meinen Lesern wird die Ironie vielleicht verborgen bleiben. Eine kleine Lösungshilfe ist das Zitat des Priesters, mit welchem der Bericht schließt:
    "Nicht zu meinem Sohn und seiner Mutter zu stehen, wäre für mich weder christlich noch menschlich gewesen."

Doch dieser "Presse"-Artikel war nur die Vorspeise. Denn heute lag auch die neue Ausgabe von "Kirche In" vor. Das in Wien publizierte 'ökumenische' Zentralorgan gegen all das, was in der Katholischen Kirche noch Katholisch ist, überbietet sich diesmal selbst. Ich hatte mir das Blatt eigentlich mitgenommen, weil auch hier laut Titel wieder mal der "Pflichtzölibat" auf dem Prüfstand steht. Ihr wißt schon: "Pflichtzölibat" im Gegensatz zum freiwilligen Zölibat, den es ja in der Kirche scheinbar auch gibt. Jedenfalls kam ich dann gar nicht bis zur angepeilten Seite 24, auf welcher der Zölibats-Bericht beginnt, weil mir schon vorher vor Lachen die Puste und vor Weinen die Geduld ausging.

Da lärmt ab Seite 12 ein "Catholicus" herum und erklärt dem Leser, wie Papst Benedikt XVI das Konzil schrittweise demontiert. Aufhänger ist die Wiedereinführung der Heiligen Messe nach Tridentinischem Ritus, die dem Autor offenbar einen solchen Schrecken eingejagt hat, daß der gesamte Artikel zu einem Paradebeispiel für emotional überfrachteten, logisch verarmten Ideologie-Journalismus wurde. Es beginnt bereits im ersten Absatz. Die Tridentinische Messe ist, so der Catholicus,
    "... wenn die Priesterschaft vorne etwas feiert, was mit dem entmündigten Volk hinten kaum etwas zu tun hat."
Bei einer Sprachwahl wie dieser muß man kein Überflieger sein, um zu erkennen, von wem die Kluft zwischen Klerus und Kirchenvolk künstlich großgehalten wird. "Wenn die Priesterschaft etwas feiert" klingt ja so schön nach "Die Großen, Mächtigen und Eingeweihten machen da vorne 'ne Party" und ist eine so geniale Vorlage, daß selbst ein Hirntoter das "entmündigte Volk" dann noch in die richtige Schublade einlochen wird, die da mit "Die bösen Priester gegen die braven Laien" beschriftet ist. Am schönsten ist das "...kaum etwas zu tun hat". Entlarvend, daß für "Kirche In" eine Heilige Messe mit den Laien offenbar nur dann etwas zu tun hat, wenn diese Bongos spielen, Blumen schleppen, Händchen halten, um den Altar tanzen und andere Dinge tun, die die Aufmerksamkeit vom Herrn weg auf "MICH" lenken. Gebet? Reue und Vergebung? Ehrfurcht in Gegenwart des Allerheiligsten? Empfang der Sakramente? Wir wollen ja mal nicht übertreiben!

Damit der sich anschließende Widerspruch nicht allzu bösartig auffällt, hat Catholicus dann im folgenden Absatz ganz schlau ein paar Anführungszeichen gesetzt. Die Tridentinische Messe wurde ja nicht deshalb wieder eingeführt, weil sich weltweit Gruppen zusammengetan haben, um gegen eben jene Einführung zu protestieren. Das Gegenteil war der Fall. Wie rechtfertige ich also das "entmündigte Volk", wenn es nicht nur erstens eine beträchtliche Anzahl von Menschen gibt, die sich die alte Messe zurückgewünscht haben, sondern wenn zu den Unterstützern dieser Aktion auch nicht wenige Künstler, Schriftsteller, Intellektuelle, Akademiker, Politiker, Theologen etc. gehören? Catholicus weiß, wie man's macht: Der Papst erlaubt die alte Messe...
    "...weil 'Gruppen von frommen Christen' so unglücklich waren. 'Ein großes Leid war das', wie ein Bischof in die TV-Kamera sagt. Raffiniert!"
Raffiniert, in der Tat, Catholicus. "Fromm" ist ja ohnehin schon zum Schimpfwort mutiert. Um sicherzugehen stellt man die Katholiken, die sich die alte Messe zurückgewünscht haben, noch als Heulbojen dar und mit ihnen einen Bischof, der ein Statement dazu abgibt. Hier wird klar, was mit "Kirchenvolksbegehren" und "Wir sind Kirche" gemeint ist: Ja, der Papst und die Bischöfe sollen auf die Laien hören. Aber bitteschön nur auf diejenigen, die den Ungehorsam predigen. Nur auf diejenigen, die - um das Rampenlicht etwas deutlicher auf sich zu ziehen - den Keil noch tiefer zwischen Priester und Laien treiben. Nur auf diejenigen, die letztlich der Katholischen Kirche die Katholizität rauben wollen, indem sie die "Allumfassende" in einen atomisierten Zirkus von Halb-Laien und Halb-Priestern verwandeln, der nur von seinen sich ständig ändernden Bedürfnissen und Forderungen und sekündlicher Neuinterpretation dessen "was Jesus gewollt hat" angetrieben wird.

Weiter beeindruckt der Artikel mit wissenschaftlichen Schlüssen folgender Art:
    "Kein Querdenker oder das, was man einen 'Mann mit Rückgrat' nennen könnte, hat eine Chance Bischof zu werden. Man sieht es an vielen ihrer Gesichter bei rituellen Auftritten."
Womit der Nachweis ja knallhart erbracht wäre.

Das alles ist aber an und für sich aus dieser Ecke ja nichts Neues. Interessant ist jedoch die Selbsteinschätzung: An einer Stelle heißt es, daß der Artikel sicherlich als...
    "...typisch aufgeklärt, typisch kirchenfeindlich, typisch ungläubig eingestuft wird."
Falsch. Mit Aufklärung hat dieses plärrende Zeugnis des antiklerikalen/antikurialen Obskurantismus nicht das Geringste zu tun. Kirchenfeindlich können die Zeilen alleine schon deswegen nicht sein, weil jeder noch schwankende Gläubige, sofern er Vernunft und Herz besitzt, nach Genuß dieser Unverschämtheiten sich gerne fester im Schoß der Heiligen Mutter Kirche einnisten wird. Somit wird hier der Kirche eigentlich - wenn auch ungewollt - ein Dienst erwiesen. Ungläubig schließlich ist der Artikel auch nur zur Hälfte, denn er beweist ja immerhin, daß die Gemeinde der Kirchenvolksbegehrer nach wie vor ganz vortrefflich vor ihren Götzen gläubig das Knie zu beugen weiß.

Das brutalste Delikt dann auf Seite 14:
    "Hallo Herr Papst! Der Zug fährt falsch! Die Frauen, die Kinder, die Denkenden, die Liebenden, die Inspirierten, die Nüchternen, die Leidenden, die Unterdrückten, die Suchenden laufen alle in die andere Richtung: auf Christus zu."
Das ist nicht nur widerwärtig, sondern schlicht gelogen. Immerhin verwundert es wenig, daß in der Aufzählung weder von den Demütigen, noch von den Dienenden, noch gar von den Gläubigen die Rede ist.

Auf Seite 16 beginnt dann ein neuer Artikel mit dem Titel "Requiem für ein Konzil". Autor hier ist ein gewisser "Episkopos". Türöffner für die Flutwelle moralischer Entflammung ist auch hier die Tridentinische Messe, und auch hier wimmelt es nur so vor Unlogik und Gefühlsduselei. Aus diesem Artikel gibt es kein Zitat, sondern nur ein begleitendes Photo eines ökumenischen Gottesdienstes, welches wohl die Idealvorstellung der Christusverehrung in "Kirche In"-Kreisen zeigt:


Wie hieß es doch bei "Catholicus" so schön: " Man sieht es an vielen ihrer Gesichter bei rituellen Auftritten."


P.S.: Ich weiß selbst, daß ich während meines Sommerurlaubs eigentlich besseres zu tun haben sollte, als mich über solche Dinge aufzuregen. Aber in letzter Zeit häufen sich die dumpfen Attacken - vielleicht nur wegen des Sommerlochs - und ich bin daher momentan ein wenig mürrisch. Und der Bedarf an wirklicher Aufklärung ist so gigantisch, daß bei der Arbeit gegen diese Rattenfänger jede Stimme zählt. Übrigens auch Eure. Wenn in der breiten Masse immer wieder unreflektiert und uninformiert nur die alten, falschen, einseitigen Anti-Kirchen- oder Anti-Papst-Klischees nachgekäut werden, dann sollte man wenigstens den Leuten, die diese Klischees krampfhaft am Leben erhalten wollen, hin und wieder mal Paroli bieten.

P.P.S.: Möglich, daß "Kirche In" neuerdings ein Satire-Magazin ist und man nur vergaß, die Öffentlichkeit zu informieren. Sollte dies der Fall sein, bitte ich um Verzeihung und gratuliere den Machern zu dieser überaus gelungenen Ausgabe.

Wednesday, August 01, 2007

Dem ist nichts hinzuzufügen, Teil II

    "The truth that makes men free is for the most part the truth which men prefer not to hear."

    Herbert Agar

Saturday, July 28, 2007

Der Dalai Lama in Deutschland

Zum Deutschlandbesuch des Dalai Lama gab es am Mittwoch in der Presse, einer österreichischen Tageszeitung, einen kleinen Artikel. Dort las ich: "Bei den Deutschen ist der Dalai Lama beliebter als der Papst". Natürlich ist er das.

Auf der einen Seite der Papst: Ein Deutscher (Europäer), der den Deutschen (Europäern) viel zu oft den Spiegel vorgehalten hat, als daß sie ihre Fratzen noch ertragen könnten. Er ist ein Mann, der Lösungen parat hat, die alle einen großen Nachteil besitzen: Sie verlangen nach verantwortungsvollen, arbeitwilligen Christen, die sich nicht davor scheuen, unpopulär zu sein, und die es gelernt haben, im Welt-Supermarkt der Beliebigkeit und - ja - des Relativismus zu einem angebotenen Produkt auch mal "Nein!" zu sagen, wenn eine andere Stimme als die des politisch korrekten Chores der "Wasch mir den Rücken aber mach mich nicht naß"-Gleichmacher wieder mal ein "Nein!" verlangt. Der Papst weiß, daß Europa, um zu überleben, Menschen braucht, welche die Dinge beim Namen nennen, und nicht beim Etikett. Ist doch klar, daß Benedikt XVI nur dann für Popularität steht, wenn auf einem Feld Hunderttausende kreischender Jugendlicher ein Event feiern, zu dessen Spielregeln es gehört, auch mal dem Mann in Weiß zuzujubeln. Einzeln befragt werden viele dieser Kids ihre Anhänglichkeit an Person und Botschaft des Papstes unter dem Druck der Medien und der Hobby-Theologen des öffentlichen Lebens blitzschnell wieder relativieren: "Benedetto, okay. Aber Papst? Denkt doch mal an Amtskirche, Leibfeindlichkeit, Ökumene, Homosexualität, Frauenpriestertum, Zölibat..."

Auf der anderen Seite der Dalai Lama: Ein Mitmachphilosoph von hinter den sieben Bergen. Eine spirituelle Projektionsfläche zum Anfassen und Liebhaben. Ein Ziehsohn der 'friedfertigen' Maurice Tornay-Killer, der bei seinem Auftritt in der Hamburger Tennisarena auf diese Art Position bezieht: "Ich bin für Sie, was Sie wollen, das ich für Sie bin." oder "Natürlich kann auch eine Frau zum Dalai Lama erwählt werden - aber sie sollte hübsch sein." Allerweltsphilosophie und Stand-up-Comedy, die einen nicht in die Pflicht nehmen und trotzdem diesen hauchzarten Anstrich von religiöser Sinnstiftung tragen. Der hörenswerteste Satz des Dalai Lama ist wahrscheinlich im Szenenapplaus zwischen den bunten Gebetsfahnen verweht worden: "Man kann seine Religion nicht wechseln wie einen Anzug". Das haben wir lieber mal überhört. Denn hier, in der Tennisarena, lässt sich ein spirituelles Vakuum ganz flott füllen, ohne daß man sich in die Tiefen einer Lehre begeben muß. Das ist beim Katholizismus nicht möglich.

Ich bin froh, daß der Dalai Lama in Deutschland beliebter ist als der Papst. Wäre es nicht so, machte der Papst vieles ganz falsch.

Friday, July 27, 2007

Priester gegen die Kirche

Profil, das 'unabhängige Nachrichtenmagazin Österreichs', ist gerne ganz weit vorne, wenn es darum geht die katholische Kirche im allgemeinen und den Vatikan, die Kurie, die 'Kirchenfürsten' (allen voran natürlich den Papst) und die 'Amtskirche' im besonderen zu kritisieren.

An der neuesten Ausgabe der Zeitschrift konnte ich nicht vorbeigehen, denn auf dem Titelblatt prunkt der kecke Spruch "Priester gegen Gott". Wer meint, hier solle ein neuer Dan-Brown-Roman oder ein heißer, bluttriefender Ego-Shooter vermarktet werden, liegt falsch. Die Profil-Macher haben sieben österreichische Priester ans Tageslicht gezerrt, die allesamt Familie haben und sich nun vor Kamera und Diktiergerät dazu bekennen.

Selbstverständlich strotzt der gesamte Beitrag vor 'Statistiken' und 'Umfragen'. Diese klingen garstig und malen ein gar schröckliches Bild der Zukunft. Wenn man sich aber die Form einmal genauer anschaut, weiß man gleich, woher der Wind weht:
    "Mehr als die Hälfte der Geistlichen hat Äffären schätzen Betroffene; andere leiden unter Einsamkeit und Depressionen, entwickeln religiös bedingte Neurosen oder verfallen dem Alkohol."
Wieviel eine von Betroffenen vorgenommene Schätzung zum Thema "Priester, die Affären haben" wert ist wird ebenso wenig verraten, wie die genaue Zahl der "Anderen", die unter Einsamkeit, Depressionen etc leiden. Aber es wird fix noch einer draufgesetzt:
    "Papst Benedikt XVI. nannte den Zölibat jüngst eine 'kostbare Gabe'. 'Für wen?' fragt ein stetig wachsender Teil der Priesterschaft."
Sei's drum. Mit Zahlen um sich werfen kann jeder. Ich spare es mir und sage an dieser Stelle nicht, wie viele der grob geschätzt 150 Ordensleute, Seminaristen und Jungpriester, die ich in den letzten drei Jahren kennenlernte, tatsächlich gegen den Zölibat sind. Das wird dann von anderer Seite eh wieder angezweifelt und dann haben wir eine fade Pattsituation.

Ich schaue mir lieber mal an, was sich auf der Ebene der Phänomene innerhalb und außerhalb des Profil-Artikels den Sinnen und dem Verstand bietet. Da haben wir sieben Priester mit Familie. Nur einer von ihnen wurde nach 1973 geweiht (1992, Heirat 2000), nur ein weiterer heiratete nach 1975 (2002).

Zwischengeschichte: Als Josef Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt wurde, fand in den USA etwa zeitgleich irgendwo in Vermont (weiß nicht mehr genau, wo) die Ordination eines Koadjutor-Bischofs statt. Ein Seminarist aus dem North American College in Rom, den ich ganz gut kenne, war bei dieser Ordination anwesend und erzählte mir von diesem Tag. Den anwesenden Prälaten hatte man die Sakristei der Kathedrale zugewiesen, die jungen Kleriker mußten sich in einem großen Raum neben der Sakristei umziehen. Mein Seminarist kam nun einige Minuten zu spät und hatte die Nachricht von der Papstwahl bereits auf dem Weg gehört. Er ging an der Sakristei vorbei und sah dort den Großteil der betagten Bischöfe und Monsignori mit versteinerten, teils panischen Mienen stehen. Aus der Umkleide des klerikalen Nachwuchses schallte ihm schon der Partysound entgegen, und als er eintrat sah er - wörtlich "die Seminaristen und Kleriker auf den Tischen tanzen und high-fiven".

Zurück zu den Priestern mit Familie: Daß nach Studentenrevolten, Summer of Love, BH-Verbrennungen und "Wer zweimal mit der Gleichen pennt gehört schon zum Establishment" mehr als eine Generation von Priestern heranwachsen mußte, die nicht nur einen pervertierten Begriff von Gehorsam kultivierte, sondern auch eine ganz persönliche Interpretation des Zölibatsbegriffes fand, darf nicht weiter verwundern. Auch, daß Menschen mit den Folgen ihrer Sündhaftigkeit (vor allem der Promiskuität) nicht umgehen können und daher nach Möglichkeiten suchen, alles abzuwälzen (mit Vorliebe auf die "Katholen", die "Intoleranten" und die "Unaufgeklärten" oder - noch besser, weil die nicht zurückargumentieren - auf die Ungeborenen) leuchtet ein. Daß aber nun diese Altherrenriege aus ihrem Elfenbeinturm Funksignale sendet, die uns glauben machen sollen, wir lebten noch im Jahre 1968, hebt sich zumindest für mein Verständnis nicht wirklich wohltuend von der angeblichen Mittelaltermentalität der Männer im Vatikan ab.

Und noch etwas fällt auf: Wenn in dem Profil-Bericht von Priestern die Rede ist und von der Motivation, diesen Beruf zu ergreifen, dann lese ich kein einziges Mal von Dienen, von Opferbereitschaft oder von Gehorsam. Es geht viel zu oft um Beliebtheit, um Ansehen und darum "jemand zu sein" und natürlich in erster Linie um "mich" und "meine Vorstellungen" und "meine Bedürfnisse" und "meine Wünsche".

Und dann ist da der alte, aber immer wirksame Trick, den Leuten nur die halbe Wahrheit zu erzählen und darauf zu hoffen, daß die Leser mittlerweile aufgrund antikirchlicher oder antipäpstlicher Dauerbeschallung so weiche Hirne haben, daß sie nicht mehr 1 und 1 zusammenzählen können. Im Profil-Bericht sieht das so aus: Da wird gemeckert, daß die böse schwarze Krake Vatikan einem der liebestollen Priester keine Dispens erteilt hat und ihm somit den Segen zu seiner (standesamtlichen) Ehe verweigerte. Die Suspendierung vom Priesteramt sei aber ganz flott in der Post gewesen. Nur eine Seite weiter lesen wir plötzlich von einem kirchlichen Segen zur Priesterehe, und zwar bei einem Mann, der zwar auch vom Priesteramt enthoben wurde, aber nicht nur standesamtlich, sondern eben auch kirchlich geheiratet und daher die Dispens erhalten hat. Schuld an einer nicht erteilten Dispens ist also nicht der Vatikan, sondern nur derjenige, der nicht vor den Traualtar treten will. Aber klar: Wenn ein Mann schon das in einer Kirche gegebene Treueversprechen zu Gott und Kirche nicht halten kann, dann wird er es sich wohl in der Tat lieber zweimal überlegen, bevor er dasselbe einer Frau antut.

Es taucht im Artikel natürlich auch noch ein Klassiker auf, der nicht fehlen darf: "Och menno! Wenn ein protestantischer Priester zum Katholizismus konvertiert und eine Familie mitbringt, dann ist das in Ordnung. Was soll diese Doppelmoral?!" Gähn, Leute! Überlegt mal für zwei Minuten selbst. Wenn Ihr wirklich nicht drauf kommt, schreibt mir und ich werde es aufklären.

Alles in allem ein ausgesprochen sommerlochfüllender Schinken, dem aber meiner Meinung und meiner Erfahrung nach der einhundertprozentige Realitätsbezug fehlt.

Männer, ihr hattet euren Spaß. Und der hat uns viel gekostet. Jetzt schaltet mal die Egos auf Sparflamme und laßt die Putzkolonne ran. Ich stehe hier Schulter an Schulter mit einer ganzen Horde von jungen Kerlen, die zur Abwechslung mal wieder gerne etwas zur Ehre Gottes, zum Wohl der Kirche und zum Heil der Seelen täten. Und da sind solche Zwischenrufe von vorvorgestern irgendwie so störend.

Wednesday, July 11, 2007

Eine kleine Neuerung

Jetzt, wo ich abseits des Studienrummels mich auch mal richtig innig mit meinem Blog auseinandersetzen kann, tauchen natürlich gleich die großen, tiefen Fragen auf:
    "Biete ich meinen Lesern genug?"

    (vereinzeltes Stirnrunzeln; hier und da eine hochgezogene Augenbraue)

    "Sollte ich ein wenig am Template herumbasteln?"

    (kollektives gehetztes Aufstöhnen, welches sich in einigen Fällen zu wimmernden Klagelauten steigert)

    "Vielleicht könnte ich einfach ein oder zwei kleine Features hinzufügen?"

    (skeptische Blicke, jedoch auch beifälliges Murmeln)

    "Klar! Die Welt muß erfahren, was der Herr Alipius grade so liest und hört!"

    (tosender Beifall, ekstatisches Kreischen, spontane La Ola)
Ermm... Ja, also ab heute findet ihr rechts in der Randleiste zwei neue Rubriken: "Les' ich grade" und "Hör ich grade am liebsten". Schwer zu erraten, um was es sich dabei handelt. Die Bilder dienen als Links zu Amazon, wo Ihr mehr über die jeweiligen Bücher bzw. CDs erfahren könnt.

Tja, seht Ihr, das kommt dabei raus, wenn der Herr Alipius im Sommer zuviel Zeit hat und die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist.

Ach ja: Wenn sich bei einer der beiden Rubriken mal wochen- oder monatelang nichts ändert, dann heißt das nicht, daß ich ein so langsamer Leser oder ein so genügsamer Hörer bin, sondern es bedeutet, daß ich entweder keine Zeit oder keine Lust oder keine lohnenswerten Vorstell-Objekte habe.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, July 09, 2007

Sommerferien

Hallo, liebe Leserschaft!

Jetzt melde ich mich mal ganz fix aus Klosterneuburg. Ich bin seit mittlerweile drei Wochen im Stift und habe mich prächtig eingelebt. In dieser Woche bin ich zum ersten Mal wieder kleiner Hebdomadar, was bedeutet, daß ich während des Chorgebetes die Hymnen, Antiphonen und Psalmen anstimme und während der täglichen Kapitelmesse ministriere. Gestern bei der gesungenen lateinischen Sonntagsvesper war ich außerdem noch Kantor. Sprich: Ich durchlaufe momentan all die größeren und kleineren Aufgaben, die einem als Junior im Hause so zufallen. Im Hause herrscht großes Kommen und Gehen, da ja jetzt Urlaubszeit ist und somit verreisende Chorherren anreisenden Gästen die Klinke in die Hand geben und umgekehrt.

Gestern war Premiere der diesjährigen "Oper Klosterneuburg". Seit über zehn Jahren werden mitten im Kaiserhof des Stiftes jeden Sommer für einige Wochen eine Bühne und eine gegenüberliegende Zuschauertribüne aufgebaut. Dann wird dort für ca. 10 Aufführungen heftig herumgeopert. Vor zwei Jahren gab's die Italienerien in Algier, im letzten Jahr Hoffmanns Erzählungen. Heuer wird Fidelio gegeben. Die Oper ist immer so etwas wie ein kleiner Geheimtip in und um Klosterneuburg, weil es meistens ganz muntere und gar nicht altbackene Inszenierungen sind.

Mein Programm für die nächsten drei Monate steht auch schon. Unter anderem steht in einer Woche der internationale Chorherrenkongreß an, der im diesem Jahr im Stift Vorau in der Steiermark stattfindet. Im September machen wir einen Kapitelausflug nach Polen. Dazwischen gebe ich im Haus ein wenig Logik-Unterricht für die Novizen und Junioren. Und dann ist da natürlich noch ganz viel Ruhe und Entspannung. Die letzten zwei Jahre waren aufregend und schön und ich habe wohl zuvor in einem so kurzen Zeitraum noch nie soviel nicht nur gelernt sondern auch verstanden und behalten. Aber es war doch streckenweise so, als polterten in meinem Gehirn Pflastersteine hin und her. Jetzt, wo die Philosophie bestanden ist, fühlt es sich anders an. Eher so, als fiele manchmal ein großer Kiesel in staubfeinen Sand, der sich nach dem Einschlag (einem feinen, leicht dumpfen "Whuffff") kreisförmig aufwirft und davonweht. Naja, Ihr wißt, was ich meine. Oder auch nicht.

Okay, soviel zum kleinen sommerlichen Zwischenbericht aus der Heimat. Sollte bei Euch noch Urlaub anstehen, dann wünsche ich Euch einen schönen solchen mit viel Erholung und wenig Unruhe, also ganz im Sinne von Georg, der auf Himmel über Wien sich des Themas Urlaubsdruck und Touristen-Overkill angenommen hat.

Grüße aus Klosterneuburg!
Alipius

Monday, June 18, 2007

Es ist vollbracht!

Heute morgen hatte ich mein Religionsphilosophie-Examen. Dies war nicht nur das letzte Examen in diesem Semester, sondern auch zugleich mein letztes Philosophie-Examen überhaupt! Jetzt muß ich mich erst einmal langsam an das Gefühl gewöhnen, den ersten Teil der Studien erfolgreich hinter mich gebracht zu haben. In zwei Stunden verlasse ich das Kolleg und mache mich auf den Heimweg.

Ich werde versuchen, diesen Blog nicht vollkommen verwahrlosen zu lassen, kann aber nichts versprechen, außer daß ich - so Gott will - ab Oktober wieder fleißig posten werde.

Ich wünsche Euch allen einen schönen und erholsamen Sommer. Danke für Euer Interesse, Eure Kommentare und für Eure Gebete.

Tja, bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen:


Alles Liebe,
Alipius

Saturday, June 16, 2007

Berufungswerbung Marke USA

Aus der Diözese mit dem schönen Namen St. Augustine:



Herzig, oder?

Schlaflos in Rom...

Boah!

Ist das heiß!

Ich wälz mich nur im Bett hin und her und krieg kein Auge zu. Also lümmel ich mich jetzt bei laufendem Ventilator und offenem Fenster am Computer herum und tu was für die Kundschaft.

Also erstmal: Montag morgen habe ich das letzte Examen. Montag Nachmittag geht's ab nach Klosterneuburg. Wie auch im letzten Jahr gilt: Das Posten wird auf "am römsten" zwischen Ende Juni und Anfang Oktober eher sporadisch sein. Ich werd' den Sommer über versuchen, mal ein bißchen was für den Dritt- und Gruppenblog "Himmel über Wien" zu schaffen. Schließlich bin ich ja in (oder bei) Wien, da gibt's sicherlich das ein oder andere Thema.



Okay, jetzt zum unterhaltsamen Teil: Ich habe, wie Ihr vermutlich schon bemerkt habt, die Link-Sektion "Satire-Seiten" vor einiger Zeit gelöscht, weil ich es einerseits nicht richtig fand, diese Leute an den Pranger zu stellen und weil ich andererseits auch gar nicht mehr nachkam. Der Müllberg im Internet wächst einfach schneller als man den Heiligen Isidor von Sevilla um Beistand bitten kann.

Jetzt habe ich aber grade doch ein Zuckerl gefunden, daß einfach zu gut ist, um es stillschweigend zu übergehen: Es gibt eine Seite, die unter dem Titel "Religionsfreie Zone" (Slogan: "Heidenspaß statt Höllenqual") daherkommt. Klar, daß es auf dieser Seite gegen die Religion im allgemeinen und den Katholizismus im besonderen geht. Somit ist der Titel also leicht irreführend, denn wenn die Seite eines nicht ist, dann religionsfrei.

'Naja,' dachte ich mir. 'Vielleicht fehlt ja dafür etwas anderes...'

Also habe ich mal ein wenig herumgeklickt und fand einen Haufen Karikaturen aus den Abteilungen:


"Realitätsferne"


"Wir basteln uns ein Geschichtsbild"


"Stereotypen/Vorurteile"


"Blanker Unsinn, aber die ferngesteuerten kirchenfeindlichen Marionetten werden es uns trotzdem abkaufen"


Dann endlich die Auflösung:

"Glaubst Du noch, oder denkst Du schon?"

Hä? Wie bitte? Andererseits: Wenigstens eine Karikatur, die komisch ist, wenn auch auf eine von den Initiatoren wohl kaum beabsichtigte Art.

Kinders, nee, ist das schön: Da werden die Schäfchen vom moralischen Hochsitz aus zeternd bei der Stange gehalten, mit Lüge, Idiotie und Klischee zugebombt, damit sie vor lauter fremderzeugter antiklerikaler Entrüstung nur ja keine eigenen Wege gehen, nachdenken, sich informieren und dann am Ende etwas anderes tun, als am Altar der Giordano-Bruno-Stiftung oder der Leitkultur-Humanismus um Erlösung zu flehen, verbal widerzukäuen oder die über denkladen.de angebotenen antireligiösen Produkte zu kaufen. Und warum? Weil man die Leute vor Schwindel, Verdummung und Abzocke warnen will! Ich wisch mir jetzt noch die Heiterkeitstränchen aus den Augenwinkeln.

Immerhin: Solange Klerophobie und Identitätsstiftung nicht im Doppelpack angeboten werden, können wir uns noch auf herrliche Unterhaltung aus dieser Ecke freuen.

Tuesday, June 12, 2007

Neulich im Vatikan...


"Hehe! Wenn ich ihm auf den Bauch drücke, dann sagt er 'Wo ist deine Tiara?'"