Saturday, July 28, 2007

Der Dalai Lama in Deutschland

Zum Deutschlandbesuch des Dalai Lama gab es am Mittwoch in der Presse, einer österreichischen Tageszeitung, einen kleinen Artikel. Dort las ich: "Bei den Deutschen ist der Dalai Lama beliebter als der Papst". Natürlich ist er das.

Auf der einen Seite der Papst: Ein Deutscher (Europäer), der den Deutschen (Europäern) viel zu oft den Spiegel vorgehalten hat, als daß sie ihre Fratzen noch ertragen könnten. Er ist ein Mann, der Lösungen parat hat, die alle einen großen Nachteil besitzen: Sie verlangen nach verantwortungsvollen, arbeitwilligen Christen, die sich nicht davor scheuen, unpopulär zu sein, und die es gelernt haben, im Welt-Supermarkt der Beliebigkeit und - ja - des Relativismus zu einem angebotenen Produkt auch mal "Nein!" zu sagen, wenn eine andere Stimme als die des politisch korrekten Chores der "Wasch mir den Rücken aber mach mich nicht naß"-Gleichmacher wieder mal ein "Nein!" verlangt. Der Papst weiß, daß Europa, um zu überleben, Menschen braucht, welche die Dinge beim Namen nennen, und nicht beim Etikett. Ist doch klar, daß Benedikt XVI nur dann für Popularität steht, wenn auf einem Feld Hunderttausende kreischender Jugendlicher ein Event feiern, zu dessen Spielregeln es gehört, auch mal dem Mann in Weiß zuzujubeln. Einzeln befragt werden viele dieser Kids ihre Anhänglichkeit an Person und Botschaft des Papstes unter dem Druck der Medien und der Hobby-Theologen des öffentlichen Lebens blitzschnell wieder relativieren: "Benedetto, okay. Aber Papst? Denkt doch mal an Amtskirche, Leibfeindlichkeit, Ökumene, Homosexualität, Frauenpriestertum, Zölibat..."

Auf der anderen Seite der Dalai Lama: Ein Mitmachphilosoph von hinter den sieben Bergen. Eine spirituelle Projektionsfläche zum Anfassen und Liebhaben. Ein Ziehsohn der 'friedfertigen' Maurice Tornay-Killer, der bei seinem Auftritt in der Hamburger Tennisarena auf diese Art Position bezieht: "Ich bin für Sie, was Sie wollen, das ich für Sie bin." oder "Natürlich kann auch eine Frau zum Dalai Lama erwählt werden - aber sie sollte hübsch sein." Allerweltsphilosophie und Stand-up-Comedy, die einen nicht in die Pflicht nehmen und trotzdem diesen hauchzarten Anstrich von religiöser Sinnstiftung tragen. Der hörenswerteste Satz des Dalai Lama ist wahrscheinlich im Szenenapplaus zwischen den bunten Gebetsfahnen verweht worden: "Man kann seine Religion nicht wechseln wie einen Anzug". Das haben wir lieber mal überhört. Denn hier, in der Tennisarena, lässt sich ein spirituelles Vakuum ganz flott füllen, ohne daß man sich in die Tiefen einer Lehre begeben muß. Das ist beim Katholizismus nicht möglich.

Ich bin froh, daß der Dalai Lama in Deutschland beliebter ist als der Papst. Wäre es nicht so, machte der Papst vieles ganz falsch.

4 comments:

Claudia said...

Was die wenigsten Dalai-Lama-Verehrer wissen, ist, was für absolut widerliche Rituale mit Mädchen es in dieser achsofriedlichen Religion gibt.
Allerdings - Deine Meinung, daß man sich beim Katholizismus (notabene: beim Christentum überhaupt!) "in die Tiefen einer Lehre begeben muß" in allen Ehren - aber wenn ich mir so anhöre, was das durchschnittliche Gemeindemitglied gleich welcher christlichen Konfession so von sich gibt an Halb- und Unwissen, gilt diese Aussage idealiter.

Alipius said...

Ich hatte es eigentlich auch andersherum gemeint: Bei beiden Religionen muß man sich natürlich mit der Materie beschäftigen. Ich habe im Artikel für die Leute gesprochen, die meinen, Buddhismus sei so nett, weil man einfach ein paar Minuten einem Guru zuhört, einen Gong-Wecker hat und Räucherstäbchen verbrennt und fertig.

Klar, daß auch im Christentum die Zahl der Ignoranten Legion ist.

Benedikt said...

Es wäre noch darauf hinzuweisen, dass die Beliebtheit von Papst und Dalai Lama um ganze 2% divergiert (DL 43, B XVI 41). Das sind wahrlich Welten.

Alipius said...

Danke für die Info!

Jetzt weiß ich auch, warum in der Zeitung die Zahlen nicht mitgeliefert wurden ;-)