Saturday, December 06, 2008

"Nein, ich kann mir jetzt nicht die Boxhandschuhe anziehen...

... weil der Nagellack noch trocknet."

Ideologien dienen nicht dem Menschen, sondern sie wollen den Menschen verändern, so daß er der Ideologie dient.

Ich kann mich also mit einer Milliarde Menschen gemeinsam glücklich schätzen, daß es Gott ist, der uns verändern will und im Idealfall auch verändert. Denn wenn er das tut, dann beginne ich, ihm zu dienen, nicht mehr den Menschen. Dann möchte ich bei ihm beliebt sein, nicht mehr bei den Menschen. Dann will ich mich ihm zu Füßen werfen, nicht mehr einem Menschen (na gut, vielleicht dem Heiligen Vater, aber den sehe ich dann nicht in seiner Person, sondern in seinem Amt). Und dann kann ich mit etwas mehr Gelassenheit auf den alltäglichen Wahnsinn blicken.

Ein typischer Fall für besagten alltäglichen Wahnsinn: Die Ideologie des Gender-Mainstreaming.

Meyers Lexikon:
    "Gender-Mainstreaming ist eine noch relativ junge politische Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter. Gender-Mainstreaming zielt darauf, dass bei sämtlichen politischen Aktivitäten die Auswirkungen für Frauen und Männer beachtet werden. Das Konzept des Gender-Mainstreaming wurde auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking als politisches Leitprinzip verankert und auf EU-Ebene mit Inkrafttreten des Amsterdamer Vertrages 1999 als rechtlich verbindlicher Auftrag festgeschrieben. Im selben Jahr erkannte auch das Bundeskabinett der Bundesrepublik Deutschland Gender-Mainstreaming als durchgängiges Leitprinzip der Bundesregierung in der Gleichstellungspolitik an."
Nochmal zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen: "... zielt darauf, daß bei sämtlichen politischen Aktivitäten die Auswirkungen für Frauen und Männer betrachtet werden."

Wie sieht es aber mit Auswirkungen von Aktivitäten aus, die vielleicht nicht (auf den erten Blick) als 'politisch' einzustufen sind? Wie steht's z.B. mit den Auswirkungen von Attacken auf den gesunden Menschenverstand? Kein Problem, wird sogar bezahlt:
    "Der Nationalpark Eifel ist ein schöner Flecken Erde zwischen Bonn und Aachen. Lichte Buchenwälder wechseln sich ab mit duftenden Heidewiesen. Es ist ein Ort, an dem alle Menschen gleichermaßen Ruhe und Erholung finden, Männer wie Frauen; ein Ort, so möchte man meinen, wo der Geschlechterkampf pausiert. Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen traute dem Frieden nicht und schickte ein Expertenteam los, eine Soziologin, eine promovierte Ökotrophologin, sie hatten einen wichtigen Auftrag: "Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel - Entwicklung von Umsetzungsinstrumenten". Das klingt kompliziert, aber dahinter stand die Überzeugung, dass Sexismus nicht vor den Grenzen eines Naturschutzgebiets haltmacht. Nach elf Monaten Arbeit legte das Forscherteam einen 67-seitigen Abschlussbericht vor. Es empfahl zum Beispiel, Bilder von der Hirschbrunft möglichst aus Werbebroschüren zu streichen, denn so etwas fördere "stereotype Geschlechterrollen". Die Landesregierung überwies 27 000 Euro für die Studie." [Quelle: Spiegel, 30.12.2006]

Oder was ist mit Psycho-Terror im Namen der GM-Diktatur? Gerne:
    "Wer eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie Gender Mainstreaming in der Praxis funktioniert, muss bei Ralf Puchert vorbeischauen. Puchert hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, einen anderen Mann zu formen, er verfolgt den Gedanken, seit er in den achtziger Jahren an der TU Berlin studiert hat. 1989 schloss er sich mit vier anderen Pädagogen aus seiner Männergruppe zusammen und gründete "Dissens", einen Verein für eine "aktive Patriarchatskritik".

    Spezialgebiet des Vereins ist Jungenarbeit. Von dieser hat Dissens eine sehr eigene Vorstellung, denn es geht dabei auch darum, Jungs früh zu Kritikern des eigenen Geschlechts zu erziehen. Es gibt ein einprägsames Beispiel, wie die Gender-Theorie Eingang gefunden hat in die angewandte Pädagogik.

    So spielten Dissens-Mitarbeiter bei einer Projektwoche mit Jungs in Marzahn einen "Vorurteilswettbewerb", an dessen Ende die Erkenntnis stehen sollte, dass sich Männer und Frauen viel weniger unterscheiden als gedacht. Es entspann sich eine heftige Debatte, ob Mädchen im Stehen pinkeln und Jungs Gefühle zeigen können, Sätze flogen hin und her. Am Ende warfen die beiden Dissens-Leute einem besonders selbstbewussten Jungen vor, "dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge", so steht es im Protokoll.

    Einem Teenager die Existenz des Geschlechtsteils abzusprechen ist ein ziemlich verwirrender Anwurf, aber das nahmen die Dissens-Leute in Kauf, ihnen ging es um die "Zerstörung von Identitäten", wie sie schreiben. Das Ziel einer "nichtidentitären Jungenarbeit" sei "nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge".
    [ibid.]

Und Versuche der 'Umerziehung'? Können wir gar nicht genug von kriegen:
    "Bei uns gibt es besondere Förderung für Buben:
    • positive Körperwahrnehmung (Massage, Kosmetikkorb -eigenen Körper pflegen und achten, schön sein, Anbieten von männlichem und weiblichem Verkleidungsmaterial -in andere Rollen schlüpfen), fürsorgliche und behutsame Interaktion mit anderen Kindern aufnehmen ..)
    • positive Besetzung von Schlüpfen in „weibliche“ Rollen (Prinzessinnenkleid, Nägel lackieren..)
    • Konflikte begleiten (Alternativen zu Schreien, Toben, Hinhauen anbieten)
    • Erlernen von Umgang mit Puppen (positiver Begriff: Puppenvater)
    [Quelle: Homepage des Wiener Kindergartens 'Fun & Care', der auf seine geschlechtsspezifische Pädagogik ganz stolz ist]

Heute greife ich mir bei meinem Zeitungsmann am Largo Argentina die Zeit aus dem Regal und lese auf der Titelseite: "Die Würde des Menschen ist antastbar". Wenn die wüßten, wie Recht sie haben.

Aber vielleicht tue ich den EU-Bürokraten Unrecht. Vielleicht meinen sie es ja auch gut: Wenn das Abendland schon untergeht, dann bitte nicht quälend langsam, sondern so fix wie es geht. Also die Frauen raus aus dem Kreißsaal, die Männer rein in die Prinzessinnenkleider und dann geht's praktisch wie von selbst...

Was auch immer man sich an Positivem vom "Gender Mainstreaming" erhoffte (nicht, daß ich da übermäßig viel sehe...): Auf diese Art umgesetzt wird es sicher nur eine weitere Nummer in der Stand-up-Comedy, welche Europa dem gegen sie anrennenden und in ihr groß werdenden potentiellen Feind unaufhörlich bietet. Gender-Mainstreaming wird einer der Top-Gründe sein, warum die Moslems uns gleichzeitig verachten (Werteunterhölung, Identitätsraub, Selbstaufgabe) und lieben (Werteunterhölung, Identitätsraub, Selbstaufgabe).

Glückwunsch, Mädels, äh.... meine Herren (und Damen).

9 comments:

Stegi said...

Ein hervorragender Artikel dazu:

http://www.vatican-magazin.de/archiv/2008/11-2008/disputa_1108.pdf

Dem ist nichts weiter als Sprachlosigkeit hinzuzufügen.

Anonymous said...

Das Lächlerlichmachen ist kein journalistisches oder gar wissenschaftliches Mittel, es ist reine Propaganda.
Einige Extrembeispiele herauszupicken und anhand derer einer Sache die Existenzberechtigung abzusprechen...
Ihr Abstand zum alltäglichen Wahnsinn scheint nicht der größte zu sein, oder warum verwenden Sie so viel Zeit und Mühen darauf? Ihre TRAUER jedenfalls um die ECHTEN Vergehen an der Schöpfung scheint sich in Grenzen halten. Möchten Sie jetzt wieder argumentieren, dass Sie sehr wohl trauern etc., dann bedenken Sie bitte, dass das Bild, was Sie über diesen Blog hier von sich zeichnen, das Bild eines politischen Rechtsauslegers ist, der sich ältester demagogischer Mittel bedient, derer sich Denkende zu verwenden schon vor hunderten vor Jahren weigerten.
Zwischen Gott in der Höhe, dem Sie sich zu Füßen werfen, und den Untiefen menschlicher Verwirrung, auf denen Sie mit karikierenden Mitteln gerne herumtrampeln, steht der ganz normale Mensch und das ganz normale Leben. Wenn Sie schon so sehr damit überfordert sind, das Extreme zu lieben, können Sie es nicht mal mit den Normalen versuchen? Das wäre doch ein Anfang.

Alipius said...

Lieber "Anonymous"

"Das Lächlerlichmachen ist kein journalistisches oder gar wissenschaftliches Mittel, es ist reine Propaganda."
Ich beschreibe nur, wie es sich verhält. Wenn Sie das Geschilderte einerseits in der Tat "lächlerlich" finden, und es andererseits dennoch als so sehr verteidigungswürdig erachten, dann muß ich nur einmal überlegen, um zu erkennen, wo der Propaganda- bzw. Ideologie-Virus sich eingenistet hat.

"Einige Extrembeispiele herauszupicken und anhand derer einer Sache die Existenzberechtigung abzusprechen..."
Hier hätten Sie viel Zeit und Raum gehabt, mir positive Gegenbeispiele zu nennen. Zuimindest aber hätten sie den ehrbaren Versuch unternehmen können, mir aufzuzeigen, inwiefern das Entfernen röhrender Hirsche aus Werbekatalogen oder das Geständnis, Identitäten zerstören zu wollen oder das Verkleiden von Buben als Prinzessinen nicht des Karikierens würdig sind. Chance vertan.

"Ihr Abstand zum alltäglichen Wahnsinn scheint nicht der größte zu sein, oder warum verwenden Sie so viel Zeit und Mühen darauf?"
Die Antwort geben Sie in Ihrer Frage selbst. Wenn es Wahnsinn ist und er alltäglich ist: Wie um alles in der Welt sollte mein Abstand zu ihm groß sein können? Bin ich blind und taub?

"Ihre TRAUER jedenfalls um die ECHTEN Vergehen an der Schöpfung scheint sich in Grenzen halten. Möchten Sie jetzt wieder argumentieren, dass Sie sehr wohl trauern etc., dann bedenken Sie bitte, dass das Bild, was Sie über diesen Blog hier von sich zeichnen, das Bild eines politischen Rechtsauslegers ist, der sich ältester demagogischer Mittel bedient, derer sich Denkende zu verwenden schon vor hunderten vor Jahren weigerten."
Denkende neigen in erster Linie dazu, sich der Werkzeuge der Logik zu bedienen. Zur Grundausrüstung gehört dann ein phänomenologisches Herangehen an Dinge, die einem neu sind. D.h. man betrachtet und bedenkt, was sich im Objekt des Wissens unmittelbar präsentiert und tut dies anfangs ohne dabei zu spekulieren, was sich hinter dem Gegebenen noch verstecken könnte. Das Gender-Mainstreaming war mir neu. Ich warf einen Blick darauf und sah neben wohlformulierten und wohlklingenden Versprechen vorrangig (um nicht zu sagen ausschließlich) die geschilderten Fälle. Diese widerum enthüllten - ohne großes Dazutun meinerseits - wie von selbst die dahinter versteckte Ideologie der Gleichmacherei und des Identitäts-Raubes.
Einen Zusammenhang zu vermuten zwischen dem, worüber ich trauere und dem Bild, welches ich von mir in diesem Blog zeichne, ist schon beinahe disparat.

"Zwischen Gott in der Höhe, dem Sie sich zu Füßen werfen, und den Untiefen menschlicher Verwirrung, auf denen Sie mit karikierenden Mitteln gerne herumtrampeln, steht der ganz normale Mensch und das ganz normale Leben. Wenn Sie schon so sehr damit überfordert sind, das Extreme zu lieben, können Sie es nicht mal mit den Normalen versuchen? Das wäre doch ein Anfang."
Was für ein Haufen Spülwasser. Wenn ich das Extreme nicht liebte, gäbe es diesen Blog nicht. Wenn ich das Normale nicht liebte, gäbe es diese Antwort auf Ihren Kommentar nicht.

Grüße,
Alipius

kalliopevorleserin said...

Mich stört an dem übrigens wieder mal sehr lesenswerten Artikel (so meine Meinung dazu, nebenbei: ich bin sowohl katholisch als auch verrückt) einzig die Negativbelegung des Begriffes Ideologie. Meiner Meinung nach ist Ideologie ein wertfreies Wort; das Reden oder Lehren von Vorstellungen (wörtliche Übersetzung von Ideologie: Lehre / Rede vom Sehen) muß jedem gestattet sein, ist sogar notwendig, wenn wir nicht in einer begriffslosen Beliebigkeit versacken wollen.
Herrlich bescheuert finde ich den Vorschlag, Bilder von balzenden Hirschen zu verbieten. Das erinnert stark an die Sexualmoral des 19. Jhs. - der Dame der Gesellschaft sind solche Abbildungen nicht zuzumuten, und der höheren Tochter schon mal gar nicht!

Alipius said...

Ich habe natürlich den Begriff "Ideologie" als Synonym für ein zur Schaffung des Paradies auf Erden durch Menschenhand verwendetes Werkzeug benutzt. Da es dieses Paradies auf Erden nicht gibt und nicht geben wird, da Ideologien daher den Menschen immer und immer wieder von seinem Weg ins eigentliche Paradies abbringen, da es Ideologien in den letzten Jahrhunderten ja seltem beim Reden und Lehren beließen und da das Sehen sich bei Ideologien häufig nur auf das beschränkt, was die Scheuklappen noch erkennen lassen, fühlte ich mich unter diesem Gesichtspunkt auf der sicheren Seite, als ich Ideologie negativ belegte.

dilettantus in interrete said...

Da hat der andere Thomas eine schöne Ergänzung gefunden:

http://www.youtube.com/watch?v=NFmO1bcdvOE

Anonymous said...

Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel auf diese blödsinnigen Bürokraten.

Es gibt anscheinend doch einfach zuviel Geld im System

Anonymous said...

Ich hätte da auch ein paar Fragen: Läßt es das gender mainstreaming - iS eines übergeordneten Anliegens überhaupt zu, die individuelle Besondereheit des Einzelnen zu respektieren? Sollten wir nicht über die Bestellung des/r gender mainstreaming Beauftragten im blogg abstimmen? - Bin ich eine RechtsauslegerIn, wenn mir das gender mainstreaming stinkt? HGr PeterStein

Deus semper major said...

Da geht einem ja ganz automatisch der Adventkranz aus!

Gegen soviel Dunkel um uns herum kann er nämlich gar nicht anleuchten!