Monday, January 29, 2007

H I L F E !

    "Indess scheint die Umkehrung manchmal nicht stattzufinden, wenn man die Beziehung nicht genau, sondern mangelhaft ausdrückt. Wenn man z.B. sagt "der Flügel des Vogels", so lässt sich nicht umgekehrt sagen "der Vogel des Flügels". Jener Ausdruck "der Flügel des Vogels" ist nicht genau; denn nicht insofern es ein Vogel ist, wird der Flügel als der seinige genannt, sondern insofern er ein Geflügeltes ist; denn noch vieles andere hat Flügel, was kein Vogel ist. Wenn man sich deshalb genau ausdrückt, so findet auch die Umkehrung statt; so ist der Flügel der Flügel des Geflügelten und das Geflügelte ist durch den Flügel geflügelt. Manchmal muss man auch wohl ein Wort dazu bilden, wenn das der genauen Ausdrucksweise entsprechende Wort nicht vorhanden ist. Wenn z.B. Jemand sagt "das Steuerruder des Schiffs", so wäre dies kein genauer Ausdruck; denn das Steuerruder wird von dem Schiffe nicht als Schiff ausgesagt, da es auch Schiffe ohne Steuerruder giebt, und deshalb lässt sich des Ausdruck auch nicht umkehren; denn das Schiff kann man nicht das Schiff des Steuerruders nennen. Dagegen würde die Aussage wohl genauer sein, wenn man sich ausdrückte "das Steuerruder ist das Steuerruder eines Besteuerruderten", oder in einer sonst entsprechenden Weise; ein Name ist dafür nicht vorhanden. Wenn man sich in dieser Weise genau ausdrückt, so findet auch das Umkehren statt; denn das Besteuerruderte ist durch das Steuerruder besteuerrudert.

    (Aristoteles, Kategorien, Kapitel 7)

Ja, ganz genau! Das ist unter anderem Bestandteil meiner Ontologie-Prüfung am 12. Februar. Der Witz: Ich habe 130 A4-Seiten voll davon und jede Zeile kann in der Prüfung auftauchen. Der Ober-Witz: Was ich hier veröffentlich habe, ist noch verständlich.

Tja, ich geh' mich dann mal in den Schlaf weinen.

Sunday, January 28, 2007

Morgen...

... beginnt die Examens-Zeit. Ich studiere schon seit einiger Zeit fleißig, habe die letzten Tage im Grunde nur mit meinen Notizen und Mitschriften verbracht. Ab morgen wird's dann ganz grob und fies. Weiß nicht, ob - und wenn ja wie oft - ich mich hier melden werde. Schaut halt hin und wieder mal rein. Am 16. Februar habe ich die letzte Prüfung. Ab dann sollte auf "am römsten" wieder normaler Betrieb herrschen.

Alles Liebe,
Alipius

Thursday, January 25, 2007

Bekehrung

Heute, am 25. Januar, feiert die Kirche das Fest der Bekehrung des Heiligen Paulus. Wenn Ihr jetzt nicht spontan wißt, was genau da eigentlich passiert ist, müßt Ihr nur in Eurer Bibel das neunte Kapitel der Apostelgeschichte lesen.

Von mir gibt's eine Passage aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 15:
    "Ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben."
Ihr seht: Es ist nie zu spät. Nicht für einen, der die Kirche damals verfolgt hat und daher auch nicht für diejenigen, die heute meinen, ihr feindlich gesinnt sein zu müssen.

Alles Liebe,
Alipius

Noch ein Online-Spiel...

... von Amanita-Design: "The Quest for the Rest".

Dieses Spiel wurde für das choral-symphonische, fünfzigtausendköpfige Pop-Rock-Ensemble The Polyphonic Spree designed. Deren Webpage ist durchaus mal einen Besuch wert, da extrem trippig.

Das Spiel selbst ist in altbewährter Amanita-Tradition eine art "Mini-Myst" mit lustigen Creatures und hübschem Soundtrack.

Schaut's Euch mal an und verzweifelt nicht, wenn Ihr erstmal keine großen Fortschritte macht.

Monday, January 22, 2007

Wir Katholiken...

... haben ja bekanntermaßen ein recht ungestörtes Verhältnis zur Seligen Gottesmutter. Marienverehrung hat ihren angestammten Platz im Gebetsleben, und neben den klassischen Marianischen Antiphonen zählen viele der Marienlieder, die in unseren Gotteshäusern erklingen, zu den schönsten Kompositionen der Kirchenmusik. Eins meiner liebsten Stücke ist wohl "Freu Dich Du Himmelskönigin", eine Variante des "Regina Caeli". Da bleibt selten mal ein Auge trocken.

Nicht nur wegen seiner Melodie, sondern auch und vor allem wegen des Textes ist aber "Wunderschön prächtige" uneinholbar. Es wurde 1692 von einem der bekanntesten Österreichischen Barockdichter geschrieben. Dieser hieß Laurentius von Schnüffis und erhebt somit natürlich posthum Anspruch auf so ziemlich jeden in der Kategorie "Namen" zu vergebenden Preis. Hier also der Text des Liedes. Anschnallen!
    Wunderschön prächtige,
    hohe und mächtige,
    liebreich holdselige himmlische Frau.
    Der ich mich ewiglich,
    weihe herzinniglich,
    Leib dir und Seele zu eigen vertrau!
    Gut, Blut und Leben,
    will ich dir geben,
    alles war immer ich hab’, was ich bin,
    geb ich mit Freuden Maria dir hin.

    Sonnenumglänzete,
    Sternenumkränzete,
    Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt.
    Vor dem verderblichen
    Makel der Sterblichen
    hat dich die Allmacht des Vaters bewahrt.
    Selige Pforte
    warst du dem Worte,
    als es vom Throne der ewigen Macht,
    Gnade und Rettung den Menschen gebracht.

    Schuldlos geborene,
    einzig erkorene,
    du Gottes Tochter und Mutter und Braut,
    die aus der reinen Schar
    Reinste wie keine war,
    die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut.
    Du Makellose,
    himmlische Rose,
    Krone der Erde, der Himmlischen Zier,
    Himmel und Erde, sie huldigen dir!

    In diesem Jammertal
    rufen wir allzumal
    zu dir, o Mutter, aus Elend und Not.
    Aber vor allem gut
    halt uns in deiner Hut,
    wann Leib und Seele sich scheiden im Tod!
    Dann für uns streite
    und uns geleite,
    mächtige Jungfrau, zum Himmel empor,
    wo dich lopreisen die Engel im Chor.

Seufz! Wurde jemals zu Ehren der Seligen Gottesmutter fetter aufgetragen? Ich glaube nicht.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, January 21, 2007

Sant'Agnese fuori le mura

So heißt die Kirche, in der ich heute mit Max und Elias die Heilige Messe gefeiert habe. Denn erstens ist heute der Tag der Heiligen Agnes und zweitens wird an eben diesem Tag in eben dieser Kirche ein ganz spezielles Katholisches Zuckerstückchen geboten. Es werden nämlich die "Agnes-Lämmer" gesegnet, aus deren Wolle dann später von den Nonnen des Klosters Santa Cecilia in Trastevere die Pallien für die neu ernannten oder zu ernennenden Metropoliten gefertigt werden.

Das Pallium ist das Amtsabzeichen der Metropoliten der Lateinischen Kirche. Es ist ein ringförmiges, ca. 5-15 cm breites Band, eine Art Stola, und wird über dem Messgewand getragen. Auf das Pallium sind fünf schwarze oder rote Seidenkreuze gestickt. Diese symbolisieren die fünf Wundmale Christi. In die Enden auf der Brust und auf dem Rücken sind Bleistücke zur Beschwerung eingenäht. Im Pallium des Papstes werden drei der aufgestickten Kreuze mit Nadeln durchstochen, die an die drei Kreuzesnägel erinnern. Ursprünglich dienten diese Nadeln zur Befestigung auf dem Messgewand.

Früher wurden die Agnes-Lämmer noch vom Papst gesegnet. Heute war Kardinal Ruini Zelebrant. Elias hat konzelebriert und Max und ich standen auch im Chor mit den anderen Priestern. Als dann auf einer Trage, begleitet von Kindergesang, in langsamer Prozession zwei blumengeschmückte Körbe hineinbegracht wurden, in denen jeweils ein Lämmchen mit Blumenkranz auf dem Kopf saß und etwas erstaunt in die Runde blickte, da war da wieder dieses Wissen: Besser als Katholisch geht's nicht!

Und bevor jetzt alle PETA-, Robin-Wood- und Greenpeace-Aktivisten kollektiv einen Herzkasper kriegen: Beide Lämmer fielen während der Zeremonie nicht in Ohnmacht. Sie wurden nicht in Massentierhaltung großgezogen. Sie wurden immer proper gehätschelt und hatten gut Auslauf. Zudem wird den beiden Glücklichen nicht nur das Privileg zuteil, Wolle für die Pallien der Metropoliten zu liefern, sie werden wahrscheinlich auch in Priestermägen enden. Gelungener kann die Existenz einer körperlichen, animierten, empfindenden aber nicht vernunftbegabten Substanz doch kaum enden, oder?

Monday, January 15, 2007

Bamberger Wochen, Teil 1

Tag!

Mit diesem Beitrag eröffne ich also feierlich die "Bamberger Wochen" anläßlich des Bistumsjubiläums. Und gleich zu Beginn ein kleines Schmankerl:

Links abgebildet seht Ihr Papst Clemens II. Er ist der einizge Nachfolger Petri, der nördlich der Alpen begraben liegt, nämlich im Bamberger Dom. Sein Pontifikat dauerte nur neun Monate und 16 Tage. König Heinrich III entmachtete im Jahre 1046 gleich drei miteinander um die Nachfolge Petri konkurrierende Päpste und setzte den Bamberger Bischof Suidger an Heiligabend als Kirchenoberhaupt durch.

Suidger, der eigentlich aus dem heute niedersächsischen Hornburg stammte und erst sechs Jahre zuvor Bischof in Franken geworden war, folgte dem Ruf nach Rom nur ungern, denn sein Herz gehörte Bamberg, wie er kurz vor seinem Tod in einem Schreiben erkennen läßt. Dort bezeichnet er die Stadt als "geliebteste Tochter Gottes" und seine "süßeste Braut". Folglich sein Wunsch, nicht in Rom, sondern in Bamberg seine letzte Ruhestätte zu finden.

Um den Tod des Papstes ranken sich wilde Leegenden. Clemens II. stand am Beginn der mittelalterlichen Kirchenreform und wollte gemeinsam mit König Heinrich, den er in einer ersten Amtshandlung zum Kaiser krönte, vor allem mit der Simonie Schluß machen. Sowohl sein abgesetzter Vorgänger, Benedikt IX., als auch der römische Adel, in dem Clemens II. aufräumen wollte, hätten schon ein Motiv gehabt, die Amtszeit des Papstes künstlich zu verkürzen. Bei einer Untersuchnug der Überreste des Leichnams nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bleiablagerungen gefunden und die Spekulationen schlugen hoch. Allerdings konnten diese Ablagerungen auch von bleihaltigen Trinkgefäßen stammen. Weitaus besser erhalten als der Leichnam war übrigens die prachtvolle Amtstracht des Papstes. Auf dem Bild seht ihr die Pontifikalstrümpfe, die man im Diözesanmuseum in Bamberg bestaunen kann.

Fundstück der Woche



"Du, Schatzi, ich hab' mein Brillenetui im Auto vergessen! Kannst Du's mal eben rausholen?"

Saturday, January 13, 2007

Wie die Zeiten sich ändern...

Ich habe auf der Seite des (mittlerweile auf Eis gelegeten) Projektes "Erlebte Geschichte" aus Rheinland-Pfalz zwei - aufgrund ihrer Bildunterschriften nicht uninteressante - historische Photographien aus einer Gemeinde gefunden:



"1951 kam der Pastor noch als Autorität ins Dorf."




"1987 hat der Priester ein anderes Selbstverständnis."


Ergo implizieren korrekte priesterliche Kleidung und sich am Wegesrand aufreihende Gläubige schon Autorität, während schlampiges Stola-Überwerfen und unbeteiligt sich in alle Richtungen orientierende Leute im Hintergrund in direkter Beziehung zu Selbstverständnis stehen. Es wird zwar nicht näher darauf eingegangen, ob dieses ein zu begrüßendes oder ein abzulehnendes Selbstverständnis ist, aber die Worte "noch" in der ersten Bildunterschrift und "anderes" in der zweiten geben schon eine gewisse Richtung an.

Thursday, January 11, 2007

Nochmal Bamberg

Im Erzbistum selbst ist man natürlich ob des Jubiläums auch recht rührig. Es gibt sogar eine Internetseite, die gestalterisch leider etwas holprig daherkommt und inhaltlich - hoffe ich - noch im Aufbau ist. Schaut Euch mal um, wenn Ihr wollt.

Links seht Ihr übrigens das Heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, die nun auch schon seit fast einem Jahrtausend im Bamberger Dom begraben liegen und in der Stadt immer noch hoch verehrt sind.

Tuesday, January 09, 2007

Ratet mal...

... wer in diesem Jahr 1000 Jahre alt wird?

Nein, es ist nicht der Bamberger Dom, den Ihr links seht, sondern das Bistum Bamberg selbst! Auf der Reichssynode in Frankfurt, die am 1. November 1007 begann, erwirkte König Heinrich II. (ab 1014 Kaiser), die Gründung des Bistums Bamberg aus Teilen von Würzburg und Eichstätt. Erster Bischof wurde Eberhard, Kanzler des Königs. Es begann eine lange und farbige Geschichte mit Mittelalterblüte, Bauernsturm, Protestanten-Gezicke, Barock-Pracht, Sakularisations-Verwüstungen und endlich dem Kirchensterben, welchem tatenlos zuzuschauen sich ja bedauerlicherweise die meisten Deutschen/Europäer verpflichtet zu fühlen scheinen.

Bamberg ist - wie schon an anderer Stelle erwähnt - mein Juwel. Also werde ich wahrscheinlich in diesem Jahr der Stadt, dem Bistum und natürlich meinen ganz speziellen Kumpels, den Schönborn-Bischöfen, hin und wieder ein paar Zeilen widmen.

Bis bald und Alles Liebe,
Alipius

Sunday, January 07, 2007

Zuerst einmal...

... lasse ich die besten Schweden aller Zeiten für mich sprechen: "Happy New Year!"

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr wünsche ich Euch allen!

Der (wie immer zu kurze) Aufenthalt im Stift war natürlich wunderbar. Ergiebige, schöne Liturgie, vertraute Gesichter, viele schöne Stunden mit meinen Mitbrüdern usw. Zwar hatten wir in diesem Jahr keinen Schnee (bis auf ein kurzes aber hetiges nächtliches Intermezzo) aber trotzdem war es eine gute Zeit, in der ich mich etwas von den Studien erholen konnte.

Mein Gepäck ist übrigens dann auch eingetrudelt. Es stand drei Tage herrenlos am Flughafen im Rom in einem Raum für "herrenlose" Koffer. Die Manschette, die sie beim Einchecken um den Griff kleben, war "abgefallen" (Ich brauche zwei Stunden, um das Ding nach dem Flug mit Gewalt abzukriegen, in Rom fällte es einfach ab) und so wußte man nicht, wohin mit dem Koffer. Ich wurde dann nach besonderen Kennzeichen interviewt ,und schließlich wurde mein Gepäck identifiziert. Gähn. Ich bin übrigens mittlerweile bei einer Gepäckverlustsquote von 50% auf dem Weg von Rom nach Wien.

So, ab morgen geht dann meine Lieblingssportart wirder los: Extrem-Examensvorbereiting. Sieben Prüfungen stehen an, von denen einige durchaus das Prädikat "besonders nervenaufreibend" verdienen. Naja, wir werden sehen.

Das war's erstmal aus Rom. Ich werde jetzt noch den Rest des Sonntags genießen und melde mich dann in der nächsten Woche wieder.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, December 24, 2006

Ach je!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.


Also: In Klosterneuburg sind Max und ich gut angekommen. Mein Gepäck (mal wieder) leider nicht. Jetzt sitze ich hier und warte. Ich kann leider das vierte Kerzlein nicht posten, weil mein Computer mit der Grafik in meinem Koffer ist (Klappe! Es haben mir schon 15 andere Leute gesagt, wie blöd das ist, also haltet Euch zurück!): Ich sitze im Moment an einem Computer im Juniorat und hacke schnell ein paar Zeilen zusammen.

Naja, als ich gestern den Schock mit dem Gepäck verkraftet hatte, ging ich erstmal auf Begrüßungstour durch das Stift. Großes Hallo überall, dicke Wiedersehensfreude und es gab natürlich jede Menge zu erzählen und auszutauschen. Abends waren wir dann mit dem Juniorat essen, und als ich später in mein Zimmer kam duftete es überall nach Klosterneuburger Winter. Ich hatte beide Fenster geöffnet, und die würzig-klirrende Dezemberluft hatte zusammen mit den mir aufs Zimmer gestellten Tannenzweigen und den alten Stiftsmauern ein Armoa kreiert, welches ich so nur aus Klosterneuburg kenne. Da wußte ich, daß ich wieder zu Hause war und mir ging's gut. Jetzt fehlt halt nur noch mein Gepäck.

Ich wünsche Euch allen da draußen ein besinnliches, ruhiges, gemütliches, segensreiches Weihnachtsfest. Schaltet ein paar Gänge zurück, schaut auf den Neugeborenen in der Krippe und erkennt, was wirklich zählt. Und seid einander gut.

Einen herzlichen Dank an alle treuen Leser!


Alles Liebe,
Alipius

P.S.: Während der nächsten zwei Wochen ist "rom, römer, am römsten" in Weihnachtsferien. Demnach sollte ich Euch hier eigentlich auch schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen, oder? Klar, warum nicht: Alles Gute und bis 2007!


Friday, December 22, 2006

Person des Jahres

DU!

So sieht es zumindesst das Time-Magazine in seiner am 25. Dezember erscheinenden Ausgabe.

Begründung: Wenn man sich das Jahr 2006 nicht durch die übliche Linse ansieht, dann sieht man eine Geschichte, die nicht von wenigen großen Männern und Frauen geschrieben wurde, sondern in Gemeinschaft und Zusammenarbeit von Millionen von Individuen überall auf unserem Planeten. Als Beiepisle werden genannt: Die allumfassende Wissenseite Wikipedia, das Video-Netzwerk YouTube oder die online-Großstadt MySpace. Ermöglicht wird dies durch das neue WWW. Das neue Web ist laut Time Magazine nicht mehr das Kinderschuh-Projekt von Tim Berners-Lee und schon gar nicht mehr das überhypte Dotcom-Web der späten Neunziger-Jahre. Im neuen WWW dreht sich alles darum, daß die Vielen den Wenigen die Macht entreißen, sich gegenseitig kostenfrei helfen und somit nicht nur die Welt verändern, sondern auch die Art, wie sich die Welt verändert. Es ist, so Time-Magazine, eine Revolution, für die wir reif sind. Es sei an der Zeit, daß die vorverdauten Nachrichten, an die wir uns gewähnt haben, durch ungeschliffene Einspeisungen aus Baghdad, Boston oder Peking ausbalanciert werden.

Soweit die mit viel Geigenschmalz und Blütenduft begleitete Einführung.

Diese ist nicht falsch. Aber, und auch dies gibt das Time-Magazine zu, es ist grotesk das Phänomen über Gebühr zu romantisieren. Der erste Grund liegt auf der Hand: Wo, wenn nicht im WWW, gibt es für so viele Individuen so viel Raum um so viel unvorstellbaren Schwachsinn abzuladen? Ein weiterer Grund: Nur weil die Mainstream-Nachrichten in ihren Reportagen zumindest in Amerika schon seit langem alles andere als unvoreigenommen sind, bedeutet dies nicht, daß die Kleinst-Journalisten am PC allesamt hehre Quellen ungefilterter Wahrheit sind. Wahrscheinlich ist jeder zweite Photoshop-Anwender heutzutage bereits geschickter im Fälschen von Photographien, als jener unselige Schreibtischtäter, der für Reuters ein Photo von der Beschießung Beiruts mit ein paar Extra-Ruinen und Zusatz-Rauchschwaden ausstattete und sich dabei einzig auf das "Clone"-Werkzeug verließ. Hier der Vergleich:

Original:


Fälschung:

Besonders in den Rauchwolken ist der exzessive Gebrauch des "Clone"-Werkzeugs gut zu sehen. Wer genau hinschaut, kann auch eine der Ruinen mindestens dreimal an verschiedenen Stellen auftauchen sehen.


Klar, das WWW ist genau der Ort, an dem die Wahrheit über solche Schwindeleien sich in Windeseile verbreitet. Das ist nicht unbedingt schlecht. Andererseits bietet das Web natürlich auch Raum, um die eigenen Schwindeleien einzustreuen. Und die Lorbeeren, die man für das Entdecken eines frisierten Photos oder Artikels einheimst, können das bisher eher zufällige Aufdecken solcher Methoden schnell zu einer Hexenjagd mutieren lassen.

Ein weiteres dickes Fragezeichen wird sichtbar, wenn man bedenkt, daß auf YouTube jetzt schon ein großer Anteil der Filme einfach aus dem Fernsehen oder von Videos/DVDs gezogen und ins WWW gestellt wurde, um entweder zu prüfen, wie weit man mit Copyright-Verletzungen durchkommt oder um die breite Masse durch Teasing zum Kauf anzuregen. Kreativität? Neuer Blickwinkel? Ja, klar. Die paar selbstgebastelten Filme sind oft hintereinander geschaltete Stills und noch öfter inhaltlich belanglos.

Mein größtes Problem ist die Qualität. In einer Zeit, wo man schon dankbar ist, wenn wenigstens noch die Mittelmäßigkeit feierlich zum Standard erklärt und zelebriert wird, drohen uns jetzt - nach der in drei Tagen erscheinenden Aufmunterung im Time-Magazine - natürlich weitere Milliarden von WWW-Beiträgen, in denen die Anbieter von Photos der Marke "Meine Katze hebt das rechte Bein! Süüüüß!", Autoren von Zerebraljuwelen wie "Hey Leutz, hab mal einen freetype getextet. Feeded mich mal back, ob die Stylez kicken!" und Regisseure von preisverdächtigen Steifen a la "Meine Kumpels rotzbesoffen auf dem Oktoberfest" alles abladen, was nicht vorher einem Nuklearschlag zum Opfer gefallen ist. Versteht mich nicht falsch. Ich verlange keine Zensur. Ich beklage aber die Tatsache, daß 90% des WWW-Wachstums reinem Müll zu verdanken sein werden, und man sich daher künftig um so mehr anstrengen muß, um die wirklich relevanten Informationen zu finden. Ich kann mir gut vorstellen, daß Suchmaschinen bald veraltet sein werden und die Leute sich mehr auf bekannte Seiten und auf die dort empfohlenen Links verlassen. Wir werden sehen.

Andererseits gibt das WWW natürlich auch mir die Möglichkeit, meine Sicht der Dinge an den Tag zu bringen. Also sollte ich vielleicht die Klappe nicht ganz so weit aufreißen.

Sunday, December 17, 2006

Das dritte Kerzlein...

Ich wünsche Euch allen einen schönen dritten Adventssonntag.

Heute ist das Weihnachts-Essen im College, also bin ich im Streß. Daher poste ich jetzt einfach nochmal die Information vom letzten Jahr. Nicht besonders originell, ich weiß, aber ich habe erstens keine Zeit und zweitens gibt es bestimmt noch irgendjemanden da draußen, der Folgendes noch nicht weiß:

Seit heute befinden wir uns in der Zeit der sogenannten "O-Antiphonen". Das sind die Magnificat-Antiphonen in den Vespern der letzten Adventswoche vom 17. bis zum 23. Dezember. Sie heißen "O", weil sie immer mit einer Anrede an den erwarteten Messias beginnen ("O Sapientia" oder "O Adonai" etc).

Die sieben Anreden
Sapientia (Weisheit)
Adonai (Herr)
Radix Jesse (Wurzel Jesse)
Clavis David (Schlüssel Davids)
Oriens (Anfang)
Rex Gentium (König der Völker)
Emmanuel (Gott mit uns)
sind die sieben Titel Christi, des Messias, in den hebräischen Schriften.

Wenn man am 23. Dezember jede dieser Antiphonen gesungen und somit die (hier fett gedruckten) Anfangsbuchstaben der Anreden sozusagen "gesammelt" hat und diese Buchstaben dann rückwärts liest, ergibt sich die Verheißung: "Ero cras!" was soviel heißt wie "Ich werde morgen (da) sein!" oder "Ich werden morgen kommen!"

Dieses liturgische Schmankerl alleine wäre für mich schon Grund genug, in diesen Zeiten katholisch zu werden.

Alles Liebe,
Alipius

Saturday, December 16, 2006

Die triumphierende Kirche

Und so sage ich dir: Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. (Mt 16, 18-19)

Es können sich nur die Betagteren unter meinen Lesern an die Zeit erinnern, in welcher der an Christi Sieg und Versprechen teilhabenden Kirche von ihren Mitgliedern Ehre, Respekt und Vertrauen entgegengebracht wurden. Mehr als vierzig Jahre ist's her. Es hat sich viel geändert.

Damals wurden die Fehler, Versäumnisse und Schwächen der Christlichen Geschichte nicht einfach unter den Teppich gekehrt. Aber damals war man sich bewußt, daß die Dimension des Göttlichen innerhalb der Kirche dies allemale wieder wettmacht. Man sah auf die Dauerhaftigkeit der Kirche durch alle Hochs und Tiefs, durch alle Erfoge und Quälereien und erkannte die historische Bestätigung des Anteils der Kirche am Siege Christi.

Dann erschien das Wort "Triumphalismus" im theologischen Vokabular, die Geschichte der Kirche wurde bedauert, ihre Fehler wurden unter dem Miroskop betrachtet, und was dort zu sehen war, wurde als im Größenverhältnis 1 zu 1 der Relität entsprechend in einer Woge von Publikationen an das Volk gebracht. Küng, McKenzie, die holländischen Theologen und hunderte Anderer starteten einen masochistischen Wettlauf des Muttermordes. Und wehe dem Katholiken, der nicht sein Haupt in Schande senkte: "Pfui! Triumphalist!"

Der Masochismus war gepaart mit dem Narzissmus der "Woodstock-Generation", so daß jeder, der das Wort "Jesus" fehlerfrei schreiben konnte, sich automatisch als eine prophetische Stimme in der "neuen Kirche" dünkte. Ganze Gruppen innerhalb der Kirche zogen los auf einen Ego-Trip in der bunten Zirkuswelt der Mini-Theologie. Jede Lehre, die auf die Kirche als mystischen Leib Christi, auf die Notwendigkeit der Zugehörigkeit zur Kirche und auf die unauflösliche Einheit zwischen Christus und seiner Kirche hinwies, wurde entweder als schlechte biblische Gelehrsamkeit oder gar als Wahnvorstellung abgetan. Die Folge war, daß sich aufgrund der Schnelligkeit der Medien und des ungefilterten Hervorschwellens immer neuer Pamphlete aus den Federn von Theologen, Gelehrten und Journalisten das neue Kirchenbild mit rasender Geschwindigkeit verbreiten und vor allem in den Köpfen von Studenten, Seminaristen und jungen Priestern und Laien Schaden anrichten konnte. Kurzerhand wurde Christus von der Kirche getrennt und Sätze wie "Ich glaube an Christus aber nicht an die Kirche" oder "Jesus ja, Kirche nein" wurden zu beliebten Schlagworten.

Seminare leerten sich, Priester fielen von der Kirche ab, Nonnen hüpften aus der Ordenstracht und Laien suchten in Scharen das Weite. Dies waren die Folgen der traurigen Stunde, in welcher die Doktrin des mystischen Leibes Christi in den lärmenden Denunziationen gegen die "sündige Kirche" niedergeschrien wurde.

Erstaunlich ist allerdings, daß Sünde in der Kirche ein solcher Schocker war, grade für Theologen. Die Kirche hat menschliche Schwäche immer eingestanden und immer für die Vergebung ihrer Sünden gebetet. Die ganze Liturgie ist voll von Eingeständnissen und Bitten. Woher also der puritanische Schrecken über Sündhaftigkeit in der Kirche, die doch niemals ein Geheimnis war? Die Kirche hat Christus als ihr sündenloses Zentrum. Aber sie besteht auch aus Menschen, denen das ganze Spektrum menschlicher Natur als Handlungsspielraum zur Verfügung steht. Es gibt die Heiligkeit, es gibt die Sünde. Und auf letztere mit einem überraschten Zorn zu schauen ist schlicht billiges Moralisieren, angesichts der Tatsache, daß die Kirche eine Kirche von Menschen ist. In ihrer eigenen Vorstellung mögen jene, die über die unvollkommene Chrsitlichkeit der Kirche maulen vielleicht Humanisten sein. In der Praxis sind sie es nicht, schämen sie sich doch der Menschlichkeiten, die sie in der inkarnierten Kirche finden. Sie bejubeln die Glorie und die Würde des Menschen, sparen aber nicht mit Verwünschungen, wenn sie menschliche Schwäche sehen. Und sie sind so fixiert auf alles Menschliche in der Kirche, daß sie die Herrlichkeit Christi und des Heiligen Geistes in ihr nicht sehen können.

Impuls-Wochendenden und Yoga-Exerzitien für eine bessere Welt standen bald auf den Menüs der "religiösen Begenungsgruppen". Gemeinsam studierte man, wie man die Kirche zu einer Körperschaft mit ausschließlich sozialer Verantwortung ummodeln könnte. Dies waren die Folgen der traurigen Stunde, in welcher die Armee der Laien- und Pop-Theologen auf die Kirche blickte und mit Pharisäer-Stimme unisono sagte "Dank sei Gott, daß ich nicht so bin, wie diese Zöllner dort".

Aber die Kirche ist eine pilgernde Kirche. Sie ist nicht vollkommen. Sie ist auf dem Weg zur Vollendung im Königreich Christi. Sie trägt auf ihren Gewändern den Schmutz der Geschichte, das ist wahr. Aber sie trägt immer noch ihre Gewänder, die ihr von Christus in dem Augenblick verliehen wurden, als er sie aus Liebe zu uns errichtete, um einen Ort zu schaffen, an dem er immer bei uns sein kann. Wer faule Tomaten gegen die Kirche wirft, wirft sie auch gegen Christus.

Ich mache den Menschen, die die Kirche so, wie sie in den letzten 4 Jahrzehnten gemalt wurde zurückweisen, keinen Vorwurf. Ich selbst würde mich schämen einer Kirche anzugehören, die so ist, wie es in den plärrenden Kritikschriften der postkonziliaren Zeit dargestelt wurde. Das Problem ist: Das Bild ist eine Fälschung. Und die Wenigsten, die zustimmend nicken und zornig die Hände zu Fäusten ballen, wenn man ihnen die neuesten Urteile über die Kirche präsentiert, sind solche Kunstkenner, daß die den Trug erkennen.

In einer Zeit, in der Europa eine stabile Identität und eine moralische Autorität so dringend braucht, ist es für alle Gläubigen angebracht, den Kopf aus dem Sand zuziehen, den Schulterschluß zu wagen, sich gemeinsam hinzustellen und sich als laut und deutlich betende Stimme in den Chor der humanistischen Weltverbesserer, der feministischen Theologen, der CSD-Paraden, der Muezzine, der Hobby-Atheisten und der Freizeit-Theologen einzuschalten, um das Bild von der Heiligen Katholischen Kirche, dem mystischen Leib unseres Herrn Jesus Christus, wieder ein wenig grader zu hängen. Dann kann die Kirche auch wieder triumphieren, ohne triumphalistisch zu sein.

Die Spanischen Märtyrer

2006 jährt sich zum siebzigsten Mal der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs und somit eine der schwärzesten Stunden der Katholischen Kirche.

13 Bischöfe, 4184 Diözesanpriester, 2365 Ordensleute, 285 Nonnen und Tausende von Laien wurden getötet, nicht selten unter Umständen, die wiederzugeben die Tastatur sich weigert. Warum wurden sie getötet? Weil sie Katholisch waren.

Schon vor 1936 war es in Spanien immer wieder zu Angriffen auf die Kirche gekommen. Neben den Priestern und Nonnen war es vor allem die Spanische und Christliche Kultur, die darunter zu leiden hatten. Klöster, Kirchen, Seminare, Universitäten, Schulen, Pfarrhäuser, bischöfliche Residenzen wurden geplündert, verwüstet, niedergebrannt. Zu beklagen ist hier neben dem Verlust unersetzlicher Kunstwerke auch die Zersörung ganzer Bibliotheken. Daß fanatische Kommunisten oder Anarchisten zum Erreichen ihrer Ziele Bücherverbrennungen anzetteln, paßt natürlich zu dem Vorwurf, die Kirche hielte die Leute zur eigenen Machterhaltung im Dunkeln, wie die Faust aufs Auge.

Aber Bonaventura Duritti, zentrale Figur des spanischen Anarchismus, zeigt an, wo's langgeht. Er erschoß im Jahre 1923 den Erzbischof von Saragossa, Kardinal Soldevila. Und er wird zitiert mit den Worten: "Die einzige Kirche, die erleuchtet, ist eine brennende Kirche."

Die spanische Linke war zerplittert und zerstritten, geeinigt nur durch das Ziel, den Katholizismus im eigenen Lande auszulöschen. Und so wurde der Krieg gegen die Kirche zum Kittmittel für eine Bewegung, die es sonst wahrscheinlich nicht weit gebracht hätte.

Bischöfe, Priester, Ordensmänner, Nonnen, Laien: Sie alle starben für ihren Glauben. Und sie alle zeigen uns, daß Angst, Kleingeisterei, Anbiederung und Verneinung der eigenen Wurzeln zum Erlangen der Seligkeit nicht notwendig sind.

Tuesday, December 12, 2006

Neues aus Rom

Ich habe in den letzten Wochen eine empirische Erhebung gestartet und bin zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen, daß in Rom nur jeder vierte Bankomat betriebsbereit ist. Das scheint selbst für italienische Verhältnisse ein Hammer zu sein, denn heute habe ich gleich zwei eigentlich recht distinguiert ausschauende ältere Herren beim hemmungslosen Fluchen ertappt. Sie standen jeweils vor einem Geldautomaten, der ihnen verkündete, daß er "fuori servizio" sei. "Fuori servizio" heißt außer Betrieb, ist also in Rom ein Synonym für "normal".

Der Schläfer

Der Schläfer liegt auf dunkelgrünem Gras,
ruht im Schatten eines Baumes.
Er bläst unsichtbare Ranken
hoch zum Laub empor.

Brust und Bauch
steigen und fallen.
Gezeiten des Körpers,
des Körpers im Schlaf.

Es fällt eine Raupe vom Baum.
Sie landet lautlos und weich
auf des Schläfers Bauch.

Der Schläfer lächelt im Traum.
Die Luft ist warm und reich.
Die Raupe schläft auch.

Fundstück der Woche:


Der Eucharistie-Wühltisch: "Flossen weg! Ich hab's zuerst gesehen!" - "Nein, ich!" - "Nein, ich!" - "Na schön! Aber dann krieg ich den gelb-goldenen Schleier!" - "Von mir aus."