Sunday, January 21, 2007

Sant'Agnese fuori le mura

So heißt die Kirche, in der ich heute mit Max und Elias die Heilige Messe gefeiert habe. Denn erstens ist heute der Tag der Heiligen Agnes und zweitens wird an eben diesem Tag in eben dieser Kirche ein ganz spezielles Katholisches Zuckerstückchen geboten. Es werden nämlich die "Agnes-Lämmer" gesegnet, aus deren Wolle dann später von den Nonnen des Klosters Santa Cecilia in Trastevere die Pallien für die neu ernannten oder zu ernennenden Metropoliten gefertigt werden.

Das Pallium ist das Amtsabzeichen der Metropoliten der Lateinischen Kirche. Es ist ein ringförmiges, ca. 5-15 cm breites Band, eine Art Stola, und wird über dem Messgewand getragen. Auf das Pallium sind fünf schwarze oder rote Seidenkreuze gestickt. Diese symbolisieren die fünf Wundmale Christi. In die Enden auf der Brust und auf dem Rücken sind Bleistücke zur Beschwerung eingenäht. Im Pallium des Papstes werden drei der aufgestickten Kreuze mit Nadeln durchstochen, die an die drei Kreuzesnägel erinnern. Ursprünglich dienten diese Nadeln zur Befestigung auf dem Messgewand.

Früher wurden die Agnes-Lämmer noch vom Papst gesegnet. Heute war Kardinal Ruini Zelebrant. Elias hat konzelebriert und Max und ich standen auch im Chor mit den anderen Priestern. Als dann auf einer Trage, begleitet von Kindergesang, in langsamer Prozession zwei blumengeschmückte Körbe hineinbegracht wurden, in denen jeweils ein Lämmchen mit Blumenkranz auf dem Kopf saß und etwas erstaunt in die Runde blickte, da war da wieder dieses Wissen: Besser als Katholisch geht's nicht!

Und bevor jetzt alle PETA-, Robin-Wood- und Greenpeace-Aktivisten kollektiv einen Herzkasper kriegen: Beide Lämmer fielen während der Zeremonie nicht in Ohnmacht. Sie wurden nicht in Massentierhaltung großgezogen. Sie wurden immer proper gehätschelt und hatten gut Auslauf. Zudem wird den beiden Glücklichen nicht nur das Privileg zuteil, Wolle für die Pallien der Metropoliten zu liefern, sie werden wahrscheinlich auch in Priestermägen enden. Gelungener kann die Existenz einer körperlichen, animierten, empfindenden aber nicht vernunftbegabten Substanz doch kaum enden, oder?

4 comments:

Irene said...

Mir bereiten diese Segnungen von ich weiß nicht was allem gelegentlich Bauchschmerzen. Das sieht mir - gelegentlich - arg nach frommem Aberglauben aus, um nicht zu sagen heidnischen Anteilen im Kultus.
Allerdings lobenswert ist, daß die Tierchen artgerecht gehalten werden und sowohl Dienstkleidung als auch Nahrung der Priester ökologisch korrekt ist. Das tun nicht viele Branchen für ihre Mitarbeiter!

Alipius said...

Kein Grund für Bauchschmerzen! Klar, es mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, daß während einer Messe zwei Lämmchen gesegent werden. Aber - wie ich auch schon vor gut einem Jahr erklärte - Die Kirche blickt letztlich bei all diesen Aktionen doch immer auf Christus. So auch bei den Agnes-Lämmern, die gesegnet werden, weil man ihre Wolle für Pallien braucht, deren Symbolik auf die Wunden unseres Herrn weist. Richtig, das geht über ein paar Ecken, aber landet letztlich doch immer bei Ihm. Also: Keine Panik!

Irene said...

Das ist in der Tat stark um die Ecke raisonniert. Aber dafür hab ich Sympathie. Und glücklicherweise ist Segnung der Agnes-Lämmer ja nicht glaubensnotwendig, ich riskiere also m.E. gar nichts, wenn ich sie weiterhin kritisch distanziert beäuge.

Alipius said...

Eben