Monday, January 22, 2007

Wir Katholiken...

... haben ja bekanntermaßen ein recht ungestörtes Verhältnis zur Seligen Gottesmutter. Marienverehrung hat ihren angestammten Platz im Gebetsleben, und neben den klassischen Marianischen Antiphonen zählen viele der Marienlieder, die in unseren Gotteshäusern erklingen, zu den schönsten Kompositionen der Kirchenmusik. Eins meiner liebsten Stücke ist wohl "Freu Dich Du Himmelskönigin", eine Variante des "Regina Caeli". Da bleibt selten mal ein Auge trocken.

Nicht nur wegen seiner Melodie, sondern auch und vor allem wegen des Textes ist aber "Wunderschön prächtige" uneinholbar. Es wurde 1692 von einem der bekanntesten Österreichischen Barockdichter geschrieben. Dieser hieß Laurentius von Schnüffis und erhebt somit natürlich posthum Anspruch auf so ziemlich jeden in der Kategorie "Namen" zu vergebenden Preis. Hier also der Text des Liedes. Anschnallen!
    Wunderschön prächtige,
    hohe und mächtige,
    liebreich holdselige himmlische Frau.
    Der ich mich ewiglich,
    weihe herzinniglich,
    Leib dir und Seele zu eigen vertrau!
    Gut, Blut und Leben,
    will ich dir geben,
    alles war immer ich hab’, was ich bin,
    geb ich mit Freuden Maria dir hin.

    Sonnenumglänzete,
    Sternenumkränzete,
    Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt.
    Vor dem verderblichen
    Makel der Sterblichen
    hat dich die Allmacht des Vaters bewahrt.
    Selige Pforte
    warst du dem Worte,
    als es vom Throne der ewigen Macht,
    Gnade und Rettung den Menschen gebracht.

    Schuldlos geborene,
    einzig erkorene,
    du Gottes Tochter und Mutter und Braut,
    die aus der reinen Schar
    Reinste wie keine war,
    die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut.
    Du Makellose,
    himmlische Rose,
    Krone der Erde, der Himmlischen Zier,
    Himmel und Erde, sie huldigen dir!

    In diesem Jammertal
    rufen wir allzumal
    zu dir, o Mutter, aus Elend und Not.
    Aber vor allem gut
    halt uns in deiner Hut,
    wann Leib und Seele sich scheiden im Tod!
    Dann für uns streite
    und uns geleite,
    mächtige Jungfrau, zum Himmel empor,
    wo dich lopreisen die Engel im Chor.

Seufz! Wurde jemals zu Ehren der Seligen Gottesmutter fetter aufgetragen? Ich glaube nicht.

Alles Liebe,
Alipius

4 comments:

Irene said...

Ein hinreißendes Lied - aber da packt mich schon wieder mein erst kürzlich geäußertes Unbehagen angesichts einiger katholischer Bräuche. Wir streifen da zuweilen eine Art Vierfaltigkeit! Die Mutter Gottes gerät uns zur Muttergöttin - Vorsicht!

Alipius said...

Die Katholische Dogmatik unterscheidet zwischen Ehrerweisung (die auch Menschen erwiesen werden können, z.B. den Heiligen und darunter im besonderen Maria) und Anbetung (die nur Gott zukommt) und weist eine verselbständigte Marienverehrung zurück.

Ich weiß, manche Gruppen tendieren dahin, Maria auf eine Stufe mit Jesus Christus zu stellen. Die katholische Kirche hat solche Tendenzen aber immer abgelehnt.

Sieh's mal positiv: Wer soviel Christus hat, wie die Katholiken in der Realpräsenz, der kann es sich auch mal locker leisten, Heilige zu verehren.

Irene said...

Damit kann ich leben, danke.
Übrigens - meiner Meinung nach die schönsten Fassungen von Marienlegenden finden sich ausgerechnet bei einem Schweizer Protestanten, Gottfried Keller - Sieben Legenden, darin: Die Jungfrau und der Teufel / Die Jungfrau als Ritter. Unbedingt lesen!

Anonymous said...

Meine Deutsch ist nicht so gut – aber wann ich hat Deutschland besucht (Stuttgart - Domkirche) ich hat gefunden dieses leid sehr gut.
This song rocks – I hope we have something even close in English.
O.O.