Thursday, October 16, 2008

St-rrrrrrrike!


Äh, Stroik, um genau zu sein. Duncan G. Stroik ist der Architekt, der mit seinem Team die Kirche "The Shrine of Our Lady of Guadalupe" in La Crosse, Wisconsin geplant und ausgeführt hat. Die Vision hatte Raymond Burke, einst Bischof von La Crosse, dann Erzbischof von St. Louis, jetzt Präfekt der Apostolischen Signatur.


Hier ein Auszug aus dem einleitenden Text der Homepage des Architekten (Übersetzung schnell und schmutzig von mir):
    Man sagt, der Shrine of Our Lady of Guadalupe ist eine der ersten großen katholischen Kirchen, die während der letzten 50 Jahren im klassischen Stil gebaut wurden. Es soll ein Ort sein, der die Gläubigen zur Pilgerfahrt anregt und die Verehrung der Seligen Jungfrau als Patronin beider Amerikas fördert. Ganz in der Tradition von Wallfahrtskirchen stehend sitzt die Kirche auf einem Hügel außerhalb der Stadt mit einem Turm und einer Kuppel, die aus weiter Ferne sichtbar sind.
Die Kirche wurde von Erzbischof Burke am 31sten Juli dieses Jahres eingeweiht.


Jetzt sitze ich natürlich breit grinsend vor dem Computer und habe so ein warmes Flimmern im Herzen, verursacht durch den Gedanken an die künftige Definition des Ausdrucks "moderner Kirchenbau"... Hach, schön wär's!




Dank an J.D. Treat für die Photos.

7 comments:

kalliopevorleserin said...

Heute so tun, als wär noch Barock, find ich - hmm, piefkig und phantasielos. Das hat mit Ehrfurcht vor Gott in meinen Augen ebenso wenig zu tun wie mit Ehrfurcht vor der Kunst des 17. und 18. Jhs.

Alipius said...

Es geht hier meiner Empfindung nach gar nicht darum, welcher Stil emuliert oder welches Jahrhundert als Zeuge herbeigerufen wurde, sondern darum, daß ein Raum geschaffen wurde, der sich durch prachtvolle und trotzdem nicht gewöhnungsbedürftige Gestaltung wohltuend von vielen der modernen Sakro-Malls (sei es die Dieves in Misericordia in Rom, die Basilika von der Göttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki bei Krakau, die Kathedrale in Liverpool oder auch die Neue Basilika in Guadalupe) abhebt, die mit ihrem "noch nie dagewesenen" Firlefanz oder ihrer "bewußt schlichten" Ausstattung trotzdem stets mehr um Aufmerksamkeit zu heischen scheinen als jede noch so überfrachtete Barockkirche irgendwo zwischen Donau und Alpen.

dilettantus in interrete said...

By the way:

Heißt der Stil auf deutsch nicht "klassizistisch"?

Alipius said...

"Klassisch" bezieht sich hier nicht auf den Kunststil, der dann tatsächlich "klassizistisch" hieße, sondern auf die klassische Bauform einer Kirche mit dreischiffigem Langhaus (ein breites Mittelschiff, in dem während der Liturgie gesessen wird und zwei mit weiteren Altären ausstaffierten Seitenschiffen, die Fluß und Bewegung erlauben), einem Querschiff und einer Kupppel über der Vierung.

stegi said...

Klassizistisch ist etwas anderes. Der Klassizismus folgte auf die finale Stilisierung des Barock zum Rokoko.
Eher eine Reminiszenz an das Griechische.
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muss kaliope en bisschen Recht geben: Es ist wirklich etwas seltsam- in jedem Fall einfallslos.
Es ist auch nur irgendwie ein bisschen billige Barock-kopie.
Es mutet mich an wie die Bemühungen der Nazarener und Präraffaeliten im 19.Jh. die Renaissance wieder zu beleben und aber gleichzeitig der Kunst eine fromme Aussage unterzujubeln.

Fazit:
Ein sehr merkwürdiger Bau.
Aber besser als die Betonbauten der 60er und 70er Jahre- wenn auch diese wiederum wenigstens Zeugen (authentische!) ihrer Zeit sind.

Nur: Welchen Stil sollte ein Sakralarchitekt des 21.Jh. anstreben?? Das ist die eigentlich interessante Frage.
ich würde dem Herrn Alipius gerne mal die bereits erstellte Kirche eines mir bekannten Priesters mitten in Afrika zur Ansicht zumailen...

Alipius said...

Es ist eben eine schwierige Gratwanderung: Ordnet man sich als Künstler oder Architekt dem Objekt unter, oder macht man es zu einem Spiegel seiner selbst? Das größte Problem, das ich mit der modernen Kunst und Architektur habe, ist, daß Künstler häufig die Realität nur so wiedergeben, wie sie in ihren Köpfen stattfindet und damit einem Werk automatisch ihren Stempel aufdrücken. Das mag legitim sein, wenn man auf dem Markt seine Nische finden will und gleichzeitig sich selbst im Schaffen treu ist. Wer aber eine Kirche baut, der sollte so arbeiten, daß man beim hinschauen nicht denkt "Ahhhh! Eine Le Corbusier!" sondern "Ahhh! Ein katholisches Gotteshaus!" Es ist eine gewisse Unterordnung, vielleicht sogar Demut vonnöten, um eine Kirche schaffen zu können, die einfallslos, billig und kopiert aber trotzdem schön ist.

Alipius said...

P.S.: Meine eMail-Adresse ist jetzt auf meinem Profil abrufbar, also kannst Du mir das Photo von der Kirche in Afrika gerne zuschicken.