Tuesday, March 27, 2007

Held des Tages...

Gefunden bei ANNO:



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Hier der Text, falls er auf dem Bild nicht gut zu lesen sein sollte:

"Wenig bekannt wurde in der Öffentlichkeit eine mutige Mannestat, die der neue Fürsterzbischof von Wien, Dr. Friedrich Piffl, zu einer Zeit, als ihm bereits bekannt war, daß er zu dieser hohen kirchlichen Würde berufen wurde, vollführte, die Zeugnis von der großen persönlichen Entschlossenheit des Kirchenfürsten ablegt und deswegen auch wert ist, im Bilde festgehalten zu werden. Es war Freitag vergangener Woche, als Propst Piffl aus der Inneren Stadt kommend, die Renngasse auf dem Bürgersteig passierte. Plötzlich gewahrte er, wie ein paar scheu gewordene Pferde in rasendem Galopp daherstürmten. Schrecken erfaßte die Passanten, die, so rasch sie vermochten, in die Häuser flohen. Kaum hatte Propst Piffl die äußerst bedrohliche Situation erfaßt, als er sich, rasch entschlossen, mit großer Kraft den Pferden in die Zügel warf und mit einem kräftigen Ruck die schäumenden Tiere, welche die Plötzlichkeit des Eingriffs verblüffte, zum Stehen brachte. Laute Kundgebunden und Bravorufe wurden dem kühnen Retter im Priessterkleide zuteil, der in der Menge unbekannt blieb und sich bescheiden den Beifallsbezeugungen entzog."

Hach, das war noch eine blumige Sprache! Meine Lieblingsformulierungen sind die "mutige Mannestat", die "schäumenden Tiere" und - natürlich ganz weit vorne - der "kühne Retter im Priesterkleide".

Und warum ist der Artikel so interessant? Na, weil Dr. Friedrich Piffl vor seiner Ernennung zum Fürsterzbischof Propst des Stiftes Klosterneuburg war. Und da konnte ich natürlich nicht dran vorbeibloggen. Zumal die dramatische Illustration mit dem einherstürmenden Prälaten einfach stoak ist!

5 comments:

Charlotte said...

Filmquiz:
"Otto, Otto, Darling."
Jedem sein Piffl, kann ich da nur sagen, und verbleibe mit einem sehr lauten: "SCHLEMMER!!!"

Claudia said...

Besonders interessant ist an dem Artikel, daß es Zeiten gab, da Journalisten noch Deutsch konnten!
Und schade, schade, daß man durchgehende Autofahrer nicht in ähnlicher Weise stoppen kann. Nicht mal mit Priestergewändern angetan.

Anonymous said...

...Und viel später, hat er auch noch einen eigenen Platz bekommen, den KARDINAL-PIFFL-PLATZ in Klosterneuburg. - Dort ist es auch sehr unterhaltsam, wenn ich mich nicht irre (an dieser Adresse befindet sich ein gutes Weinlokal=Heuriger). LG Peter Stein

dilettantus in interrete said...

ad (@?) Claudiam:

Ob jemand, der Bürgersteig statt des deutschen Worter Trottoir sagt, wirklich so sprachbegabt ist?

Und bezüglich der Automobile hast Du natürlich recht!

Claudia said...

ad dilectum:

"Bürger steig" ist nicht nur ein sehr seltsamer Imperativ. Das Wort impliziert, daß Adlige auf der Straße gehen müssen; ich bin aber für Chancengleichheit. Im Namen von Liberté und Egalité daher weiterhin: Trottoir. (Fraternité lasse ich mal außen vor.)