Thursday, March 08, 2007

Bamberger Wochen, Teil 5

St. Jakob, oberhalb des Bamberger Domes gelegen, ist eine ganz besondere Kirche. Äußerlich präsentiert sie sich recht spätbarock. Dies zurecht, wurde die Fassade doch 1771 unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim von Johann Michael Fischer renoviert. Die Statue des Hl. Jakob in der Nische über dem Portal stammt von Ferdinand Tietz, was erwähnenswert ist, weil er einer der Haus- und Hof-Künstler der Schönborn war und in deren Herrschaftsbereichen so ziemlich alles bildgehauen hat, was sich nicht rechtzeitig auf einen Baum retten konnte. Außer in Bamberg war er in Würzburg, Veitshöchheim, Trier und Speyer tätig.

Aber zurück zur Jakobskirche: Betritt man das Gotteshaus, herrscht erstmal großes Staunen. Denn St. Jakob ist die einzige fast vollständig erhaltene romanisch Kirche in Bamberg. Man steht, nachdem man sich aufgrund des Fassadeneindrucks auf Barock - je nach Neigung - schon gefreut oder schonend vorbereitet hatte, plötzlich in einer flachgedeckten Säulenbasilika aus dem 12. Jahrhundert, in der alles ganz unbarock schlicht, einfach und kahl ist. Trotzdem ist es eine bemerkenswerte und schöne Kirche. Und das sage ich, Mister "Okay, wir brauchen dringend noch 317 vergoldete Putten da drüben, es muß mehr Farbe an die Decke und wenn ich auf das Schnitzwerk des Chorgestühls gucke, wird mir immer noch nicht schwindelig". Müßt Ihr unbedingt sehen, wenn Ihr mal nach Bamberg kommt.

9 comments:

Claudia said...

Keine dicken Engelchen in romanische Kirchen!!! Bitte nicht!
Diese Kirche ist ein sehr starkes Argument für eine Reise nach Bamberg. Leider stehen dem einige triviale Gründe entgegen, aber eines Tages wird alles anders, und dann guck ich mir St Jakob an (vorzugsweise von innen).

Alipius said...

Keine Panik!
Die dicken Engelchen soll man natürlich vorzugsweise in original Barockkirchen finden. Andererseits, wenn in eine romanische Kirche über die Jahrhunderte andere Stile organisch hineinwachsen, warum nicht?

Claudia said...

Ja schon - irgendwie -, aber seit ich in Maria Laach war, bin ich dem Barock gegenüber etwas unduldsam geworden, jedenfalls in Kirchen. Schlösser konnten sie ja gut, siehe Charlottenburg, aber Kirchen - gefallen mir einfach am besten vor 1200 und dann erst wieder Corbusier.

Alipius said...

Ich werde mit Corbusier nicht warm. Romanik mag ich auch, ebenso Gotik. Aber bei Corbusier bekomme ich immer Beklemmungen. Ronchamp ist ja zumindest äußerlich irgendwie einladend. Aber wenn ich zum Beispiel Firminy sehe, dann sehe ich einen Bunker, der allem, was sich in meinem Herzen und Verstand abspielt, wenn ich eine Kirche betrete, diametral entgegenspricht.

Charlotte said...

Ich werf dann mal in die Runde:

Sankt Martin in Landshut. So Gotisch gerade, dass ich Stunden in einer Bank sitzen könnte und starren und langsam in die 10. Dimension anwandern. Wenn ich ein Bild finde, werd ich es auf meiner Seite posten, komm heute mal gucken irgendwann.

Alipius said...

Hall-o-ho!
In der Kirche waren wir doch zusammen drin! Schon vergessen? Sollst aber natürlich trotzdem ein Photo veröfentlichen, damit der Rest der Welt weiß, was Sache ist.

Alipius said...

Oops!
"veröffentlichen"
;-)

Charlotte said...

Auch oops. Stümmt ja. Dann rememberst Du bestimmt auch die Pfarrkirche in Friesach? Die war auch endcool. Eingentlich noch schöner als die in Landshut. Aber ich habe keine digitalen Bilder, das war ja noch in der Farbfilmsteinzeit. Schade, eigentlich.

Claudia said...

@charlotte: Ich hab kein google-account und will auch keines, deshalb kann ich bei Dir leider nicht posten. Also sei es hier gesagt: Danke für die wunder-wunderschönen Fotos von St Martin! Ja! So muß Kirche aussehen!!!