Saturday, October 18, 2008

Kleine Überraschung

Heute morgen habe ich in der Kirche "Il Gesù" die Heilige Messe besucht. Il Gesù ist eine der größten und am besten besuchten Innenstadtpfarren in Rom, daher gibt es dort auch an Wochentagen zwischen 7:00 und 12:00 Uhr jeweils zur vollen Stunde eine Messe. Ich saß in einer der hinteren Reihen und nosterte so brav auf italienisch mit, bis dann plötzlich zur Leseung ganz vorne ein alter, gebückt gehender Herr sich erhob und an das Lesepult schritt. Ich staunte nicht schlecht, als ich Giulio Andreotti erkannte, Mitglied der für 40 Jahre lang allein herrschenden Democrazia Cristiana, 385-facher Innen-, Verteidigungs- und Premierminister Italiens, Senator auf Lebenszeit, skandalumwitterter Mafia-Kumpel, Operazione Gladio-Enthüller und täglicher Messbesucher.

Nach der Messe schlurfte Andreotti aus der Kirche, begleitet von nur einem Bodyguard. Eine alte Dame sprach ihn an und die Beiden scherzten für zwei Minuten herum. Vor der Kirche stürzte ein Bettler auf Andreotti zu, der schon das klimpernde Kleingeld aus seiner Manteltasche zog und es dem Mann zusteckte. Dann hopste der Senator in einen bereitstehenden Wagen, der ohne Motorradbegleitung oder Blaulicht langsam davonrollte.

Es wirkte irgendwie alles so normal und unauffällig. Das gefiel mir.

Friday, October 17, 2008

Ich hab's geahnt...

"Ich laß meine Kleinen nicht taufen; ...

... die sollen sich später mal selbst entscheiden können, wenn sie alt genug sind zu erkennen, ob die Taufe für sie das Richtige ist."

Ist es vermessen, diesen Satz Mamas in den Mund zu legen, die ihren Kleinen auch so etwas antun würden?


Und wenn nein, wer entscheidet denn, wann die Kleinen alt genug sind zu erkennen, ob das von ihnen auf diesen Plakaten und Mitren propagierte Weltbild das richtige ist?

Wie immer: Wer will wieviel Macht und warum und welchen Preis ist er/sie bereit dafür zu zahlen...

2008: 40 Jahre "Humanae Vitae"

"Presseleute und manchmal auch Theologen sagen, daß der Heilige Vater "Humanae Vitae" niemals hätte herausgeben dürfen, weil dieser Brief die Kirche spaltete. Natürlich spaltete er die Kirche. So wie Elias diejenigen spaltete, die zwischen Gott und Baal zu wählen hatten. So, wie Gott selbst die Kirche spaltete, als er sagte "Der, der nicht mit mir sammelt, zerstreut". Sicher, der Brief verdünnte die Ränge der Kirche, so wie Gottes Auftrag an Gideon seine Armee von 30.000 auf 10.000 und von 10.000 auf 300 verdünnte, die dann gegen eine Armee von 50.000 zu kämpfen hatten. Humanae Vitae ist, nicht nur wegen der Lehre, vielleicht das wichtigste kirchliche Dokument der modernen Zeit. Es ermöglichte der Kirche zu erkennen, wie viele dem Fleisch und nicht dem Geiste folgen."

Archbishop Fulton J. Sheen, 1974

Thursday, October 16, 2008

Und sie fliegt und fliegt und fliegt...


Ruhestand für die Enterprise-Crew? Fehlanzeige! Erst heute erfahre ich, daß ein neuer Star Trek Film im Dreh ist. Und zwar mit der Original-Crew, allerdings in neuer Besetzung. Das kann gewaltig in die Hose gehen.


Aber es gibt Hoffnungszeichen: Zachary Quinto (Heroes-Schurke Sylar) spielt Spock. Wenn der sich in dem Film von seiner etwas verstimmten Seite zeigen darf und auch mal - wie hier im Bild - den vulkanischen Gutenachtgriff anwendet, dann ist er sicherlich die Top-Besetzung.


Erik Bana wird als Nero zu sehen sein, was bestimmt auch kein Fehlgriff ist.


Was die Brücke der Enterprise betrifft, muß man wohl abwarten, ob es überall im Film so Jetsons-mäßig abgeht.

Ein interessanter Fakt mit hohem Geek-Wert ist das Heroes/Enterprise Crossover, spielt doch George "Zulu" Takei den Vater des Heroes Zeit- und Raum-Reisenden Hiro.

Heute vor dreißig Jahren...


"Habemus Papam"

Den Film dazu gibt's bei Leibowitz

St-rrrrrrrike!


Äh, Stroik, um genau zu sein. Duncan G. Stroik ist der Architekt, der mit seinem Team die Kirche "The Shrine of Our Lady of Guadalupe" in La Crosse, Wisconsin geplant und ausgeführt hat. Die Vision hatte Raymond Burke, einst Bischof von La Crosse, dann Erzbischof von St. Louis, jetzt Präfekt der Apostolischen Signatur.


Hier ein Auszug aus dem einleitenden Text der Homepage des Architekten (Übersetzung schnell und schmutzig von mir):
    Man sagt, der Shrine of Our Lady of Guadalupe ist eine der ersten großen katholischen Kirchen, die während der letzten 50 Jahren im klassischen Stil gebaut wurden. Es soll ein Ort sein, der die Gläubigen zur Pilgerfahrt anregt und die Verehrung der Seligen Jungfrau als Patronin beider Amerikas fördert. Ganz in der Tradition von Wallfahrtskirchen stehend sitzt die Kirche auf einem Hügel außerhalb der Stadt mit einem Turm und einer Kuppel, die aus weiter Ferne sichtbar sind.
Die Kirche wurde von Erzbischof Burke am 31sten Juli dieses Jahres eingeweiht.


Jetzt sitze ich natürlich breit grinsend vor dem Computer und habe so ein warmes Flimmern im Herzen, verursacht durch den Gedanken an die künftige Definition des Ausdrucks "moderner Kirchenbau"... Hach, schön wär's!




Dank an J.D. Treat für die Photos.

Endlich mal wieder Unterhaltung pur!

Aus der Online-Krone:
    US-Richter weist Klage gegen Gott ab

    „Allmächtiger!“ mag sich so manch einer über den Kampf denken, den ein Parlamentsabgeordneter im US-Bundesstaat Nebraska gegen den Vater im Himmel führt. Im September 2007 hat Senator Ernie Chambers Strafanzeige gegen Gott erstattet, weil dieser für terroristische Drohungen
    verantwortlich sei, Angst verbreite und "unter Abermillionen von Erdbewohnern Tod, Zerstörung und Terror" verursacht habe. Jetzt hat der zuständige Richter die Klage mit der Begründung abgewiesen, daß die Klageschrift Gott – der keine eindeutige Adresse habe – nicht zugestellt werden könne. Chambers ist sich aber sicher, daß Gott sehr wohl informiert sei.

    Richter Marlon Polk vom Bezirksgericht in Douglas: „Unter den gegebenen Umständen befindet das Gericht, daß die Zustellung der Klageschrift nicht möglich ist, damit wird die Klage abgewiesen.“

    Chambers will aber nicht klein beigeben. Der studierte Jurist, dem nur die Anwaltsprüfung fehlt, glaubt, daß er bereits ein Schlupfloch gefunden hat. „Das Gericht erkennt die Existenz Gottes an“, sagte er am Mittwoch, „wenn Gott anerkannt ist, dann auch seine Allwissenheit.“ Daraus wiederum müsse geschlossen werden, dass Gott von der Klage Notiz genommen habe und um sie wisse. Der Politiker hat einen Monat Zeit, Einspruch gegen den Richterspruch zu erheben.
Ich sag jetzt mal gar nix. Ihr könnt Euch ja dazu äußern, wenn Ihr wieder Luft holen könnt.

Tuesday, October 14, 2008

Diakonenweihe und Erkältungsmedizin

Ich war am Donnerstag bei der Diakonenweihe des Nordamerikanischen Kollegs im Petersdom. Die Weihe fand am Altar der Cathedra Petri statt (den Ihr im Bild seht). Der Bronzethron, um den sich in diesem lebhaften Bernini-Werk alles dreht, ist nur eine Hülle für eine alte Reliquie, den Stuhl des Petrus und seiner ersten Nachfolger. Bischof Callahan hat 25 Diakone geweiht. Es waren noch vier weitere Bischöfe anwesend, darunter auch Erzbischof und Bald-Kardinal Raymond Burke, dessen Werk in St. Louis ja jetzt bald von einem gleichwertigen Nachfolger weitergeführt werden muß, was wahrscheinlich gar nicht so einfach ist. Burke gilt zwar als umstritten, hat aber viel geleistet, was die Berufungen und die Priesterausbildung in St. Louis betrifft. Und "umstritten" ist eigentlich auch das falsche Wort. Wer ihn persönlich kennt, weiß nur Gutes zu berichten. Die negativen Stimmen stammen alle von Leuten, die ihn nur aus der Presse kennen, wo meistens nur über seine konservative Einstellung und sein Festhalten an der kirchlichen Lehre berichtet wird. Da schaukelt man sich dann im Forum des National "Catholic" Reporter gerne mal bis zur gnadenlosen Verdammung des Erzbischofs hoch, weil er Spaziergänge mit Seminaristen unternimmt (wie schlüpfrig), sich an die Buchstaben des Gesetzes hält (wie unpaulinisch) oder die Cappa Magna trägt (wie borgia-esque). Ich mag Erzbischof Burke und als ich ihn im Petersdom erlebte, fand bestätigt, was die Amis aus dem Kolleg mir schon oft sagten: Wenn Du ihn kennenlernst, dann verstehst Du gar nicht, wie irgendjemand irgendetwas Böses über ihn schreiben kann. Stimmt.

In der Sakristei habe ich vor der Zeremonie erst einmal heftig geschwitzt (nicht vor Aufregung, sondern vor Hitze) und dann im Dom heftig gefroren, also habe ich jetzt folglich eine Erkältung (geht offenbar grade eh ein Virus in Rom um). So richtig los ging es erst am Samstag. Gestern bin ich dann mal kurz zur Apotheke und habe mir Halsschmerztabletten und den grünen Erkältungssaft für die Nacht besorgt. Und siehe da: Die Medizin in Italien ist offensichtlich ganz auf die zarten und kleinen Italiener und Italienerinnen abgestimmt. Die Halsschmerztabletten gingen bei und nicht mal als TicTac durch und das MediNait ist so runtergewässert, daß es farblich eher grünem Chartreuse gleicht (geschmacklich leider nicht...). Aber egal: Ich bin schon auf dem Weg der Besserung und werde morgen (Mittwoch) an die Uni gehen. Ich hätte als 18-jähriger nie gedacht, daß ich folgenden Satz einmal sage: Ich freue mich aufs Lernen.

Sunday, October 12, 2008

Ein Spaziergang über den Gianicolo

Am Donnerstag bin ich bei strahlendem Sonnenschein einmal den Gianicolo rauf- (beim Vatikan) und wieder runter- (in Trastevere) gelaufen. Hier sind ein paar Photos von dem Trip.



Von da oben hat man natürlich einen wunderbaren Ausblick über die Ewige Stadt.


Der "Faro del Gianicolo" wurde der Stadt Rom im Jahre 1911 von Argentiniern italienischer Abstammung geschenkt. Er wirft abends die Nationalfarben Rot, Weiß und Grün über die Stadt.


Natürlich gibt es auf diesem Hügel auch viel Garibaldi, unter anderem dem Jupp sein Reiterstandbild...


... und dem Jupp sein Mausoleum.


Der Brunnen der Acqua Paola wurde zu Beginn des 17. Jhs. geschaffen und bildet den Abschluss des Trajansaquädukts, der von Paul V nach über 1000 Jahren wieder in Betrieb genommen wurde. Der Brunnen ist mit Säulen aus dem alten Petersdom geschmückt und sammelte das Wasser in fünf Becken, die später durch ein einziges, großes ersetzt wurden.


Bevor man sich versieht ist man dann plötzlich wieder in Trastevere.


In diesem Haus (rechts), wohnte angeblich Margherita Luti, Raphaels Fornarina (Bäckerin). Heute ist es ein Restaurant und zwar ein anständiges.

Saturday, October 11, 2008

Jörg Haider ist tot...

... und was mir dazu spontan einfällt sind zwei Dinge:
  • Kärnten, das erste österreichische Bundesland, das ich bereiste und gut kennenlernte. Es ist schön dort und das wird es wohl auch ohne Jörg Haider bleiben.

  • Die sogenannten EU-Sanktionen gegen Österreich aus dem Jahr 2000. Was ist eigentlich genau eine Demokratie? Ist es eine Staatsform, in der von vorneherein nur Parteien zur Wahl stehen, die verfassungskonform sind? Wenn ja, wie kam es dann zu den Sanktionen? Oder ist es eine Staatsform, in der es zwar eine Verfassung gibt, es aber keine Probleme bereitet diese unbemerkt zu um- oder unterwandern, bis dann erst nach einer Wahl plötzlich ganz Europa so tut, als hörte es "FPÖ" zum ersten Mal?

Friday, October 10, 2008

Der Wind, der Wind...

... das himmlische Kind


Schwupp!

Schwupp-schwupp-schwupp!

Schwuppdiwupp!

Scha-wupp!

Wednesday, October 08, 2008

Trastevere

Die Bewohner des Viertels "Jenseits des Tibers" behaupten gerne von sich, sie seien die "wahren" Römer. Es gibt hier offenbar einen wilden Dialekt, den ich aber bisher noch nicht gehört habe. Früher einmal eine Mischung aus Arme-Leute-Viertel, Künstlerquartier und Partyzone läuft Trastevere heute Gefahr in eine luxussanierte Touristenfalle verwandelt zu werden. Noch ist es lange nicht soweit, aber die mahnenden Stimmen mehren sich und die "echten" Trasteverini wandern offenbar seit einigen Jahren auch schon vermehrt ab. Also, so lange es noch steht: Hier einige Bilder von Trastevere.


Wir wohnen nahe bei der Ponte Sisto, also ist dies unser amtlicher zugang nach Trastevere.


Wenn man auf der Brücke steht, lohnt sich mal ein Blick nach unten. Der Müll, den man auf den Plattformen der Brückenpfeiler sieht, ist von den diversen Hochwassern dort hingespült worden und gibt einen netten Einblick in die Wasserqualität des Tibers. Grusel.


Die Piazza vor der Kirche Santa Maria in Trastevere. Hier ist immer schwer was los. Straßenhändler, Kleinstkünstler, gammelndes Jungvolk und Bettler bevölkern diesen Platz so ziemlich rund um die Uhr.


Verflossene Pracht gibt es hier auch...


... und natürlich jede Menge Straßen, an denen sich Restaurant an Eisdiele an Cafe an Bar reiht.


Dazu dunkle Gassen, die ins Licht führen,


... "Ateliers",


... winkliges Gassenzeugs


... und natürlich (wir sind ja schließlich in Rom) häßliche und schludrige Graffiti bis zum Pupillenstillstand.

Trastevere: Nicht unbedingt eine Schönheit, aber immer voller Leben und auf jeden Fall einen Besuch wert!

Lechz!

Als Kind (naja, eigentlich auch noch heute) war ich immer ein Fan von Kugelbahnen oder Maschinen bei denen - wie beim Spiel "Fang die Maus" - eine lange Kette von Ursachen und Effekten für Unterhaltung sorgte. Und jetzt entdecke ausgerechnet ich im Internet das hier!

Nach einer halben Stunde intensivsten Hinstarrens gefolgt vom schnellen Einwerfen dreier Aspirin, muß ich dieses Maschinchen einfach mit Euch teilen. Tip: Dreht den Sound ab! Die Musik macht wahnsinnig!

Reden ist Silber...

... Handeln ist Gold.


Morgen jährt sich zum 50sten Mal der Todestag Papst Pius' XII. Es ist jetzt schon mehr über diesen Papst geschrieben worden, als jeder normale, einer geregelten Beschäftigung nachgehende Bürger lesen kann. Zu dem Berg habe auch ich - mea culpa - in bescheidenstem Maße beigetragen.

Es ist anzunehmen, daß nun wieder eine neue Welle von Pro- und Contra-Stimmen unsere Sinne überflutet. Einen ersten Einblick in die anstehende Diskussion (die nicht nur wegen des 50sten Todestages, sondern auch und vor allem wegen der angepeilten Seligsprechung immer noch hochaktuell ist) habe ich heute in der Süddeutschen Zeitung bekommen. Hier werden im Grunde sämtliche Problempunkte der Diskussion in wenigen Absätzen präsentiert (meistens unfreiwillig).

Schon der Beginn des Artikels versetzt in Staunen:
    "War Pius, der seine Kirche von 1939 bis 1958 regierte, ein Held, der im Stillen so viele Juden wie nur möglich vor den Nazis rettete? Oder war er ein Opportunist, der zum Holocaust schwieg, ein "satanischer Feigling" gar, wie sich der Dramatiker Rolf Hochhuth ausdrückte?"
Um erstmal den Hochmuth... sorry, Hochhuth abzufrüstücken: Das Geständnis von Mihail Pacepa - Ex-General der rumänischen Securitate - das Anti-Pius-Geschmiere sei vom KGB initiiert worden, welchem Hochhuth mehr oder weniger wissentlich dienstbar gemacht wurde, ist bis heute nicht entkräftet (und daher von den üblichen Verdächtigen auch lieber ignoriert). Hochhuth hat vor und nach dem Stellvertreter nie wieder etwas gerissen. Und das Etikett "satanischer Feigling" aus dem Munde eines Mannes, dessen einziger großer Wurf darin besteht, auf die Grabstätte eines ehrenhaften und zu sowohl zu Lebzeiten als auch unmittelbar nach seinem Tode international geachteten Mannes gepißt zu haben, ist so grotesk, daß es schon wieder normal wirkt. Wer das Pacepa-Geständnis nicht kennt, findet es im National Review im Orignial (auf Englisch). Ich bitte, die ignoratio elenchi des "Klar, der National Review ist konservativ, also muß der ja so etwas schreiben" zu unterlassen. Dies sagt nichts über den Wahrheitsgehalt von Pacepas Geständnis aus.

Die eigentliche Frage, die sich nach Lektüre des ersten Absatzes des SZ-Artikels stellt ist folgende: Kann ein Papst nur ein Supermann oder ein Oberschurke sein? Oder ist es vielleicht möglich, daß angesichts der internationalen Katastrophe, der Gemetzel, der Zerstörungen und der bereits einsetzenden Verfolgung der Kirche auch einem Pius XII mal für eine Sekunde die Muffe 1 zu 1000 ging und er schlicht und einfach menschlich agierte: Helfen, ohne dabei zu plappern, anzuzklagen, zu drohen oder zu greinen. Schließlich war er nicht der Mittelpukt. Mittelpunkt war ein jedes Leben, welches bedroht war aber vielleicht gerettet werden konnte. Immerhin wurden so - laut Pinchas Lapide, vor drei Jahren bestätigt von David G. Dalin - von der katholischen Kirche mehr jüdische Leben gerettet als von jeder anderen Organisation, nämlich zwischen 600.000 und 800.000. Wem das nicht genug ist, der fühlt sich wahrscheinlich daheim hinter den Seiten seiner Cromwells und Goldhagens und Hochhuths sehr sicher und wenig herausgefordert. Dort läßt sich schön ausmalen, wieviele bedrohte Leben man selbst gerettet hätte, wäre man damals dabei gewesen...

Nun, der Papst war dabei und er hätte schon mit nur einem einzigen geretteten jüdischen Leben mehr zum Lauf der Dinge und zum über seine Person gesprochenen Urteil beigetragen, als all die Nachverdauer und Wichtigtuer, all die verhätschelten und selbstgerechten Umdeuter Nachkriegseuropas zusammen.

Im Artikel folgt dann das Übliche:
    "Aber mehr Protest von seiten des Papstes..."

    "Nein, siehe Niederlande 1942."

    "Aber dann wenigstens Exkommunikation von Nazis schon vor dem Ausbruch des Krieges."

    "Ja, klar. Hunderttausende aus politischen Gründen exkommunizieren. Das ist kirchenrechtlich super-wasserdicht."

    "Aber das Schweigen...!"

    "Hallo-ho! Weihnachtsansprache 1942?"
Dann wird es aber noch einmal originell, als es bezüglich der Seligsprechung heißt:
    "Nun aber geht es nicht um eine Verurteilung, sondern darum, ob Pius XII so vorbildhaft gehandelt hat, daß er selig gesprochen werden sollte."
Es mag schmerzen und nicht in das Weltbild unserer an Leistung/Gegenleistung gewohnten Gesellschaft passen, aber ein außergewöhnlicher und reich mit Gottes Gnade gesegneter Katholik kann auch schon mal aufgrund seines Vorbildcharakters in Dingen des Glaubens und der Frömmigkeit selig gesprochen werden und nicht, weil er erfolgreich den weltweiten Hunger bekämpfte, ein Mittel gegen Krebs entwickelte oder pro Woche 80 Omas über die Straße half.

Unterm Strich kann ich das schmutzige Gefühl nicht loswerden, daß Pius XII nur deswegen als "umstritten" gilt, weil es damals einer Riege alter machthungriger Kommunisten gut in den Kram paßte und weil sich heute eine ganze Anti-Pius-Industrie prima davon ernährt. Nicht, daß es unziemlich ist, das Leben eines Papstes zu durchleuchten und auch mal unangenehme Fragen zu stellen. Wie sich trotz unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgter positiver Urteile von (häufig jüdischen) Zeitgenossen der Nazi-Papst-Mythos bis heute halten konnte, kann nur demjenigen schleierhaft sein, der das Zusammenspiel zwischen Mediengeilheit, Selbstgerechtheit, risikofreiem Schänden verstorbener Mitmenschen und dem schnellen, schmutzigen Euro nicht erkennen will.


Tuesday, October 07, 2008

Geld - und warum man doch genug davon haben kann

Warum habe ich Geld? Damit ich nicht verhungere. Damit ich nicht verdurste. Damit ich nicht nackt durch die Gegend laufen muß. Damit ich nicht unter Brücken schlafen muß. Ich habe Geld, damit ich es gegen das eintauschen kann, was ich zum täglichen Leben brauche. Habe ich mehr Geld, als ich dafür benötige, dann kann ich es entweder für die zweitrangigen Dinge ausgeben oder sparen.

Wie bekomme ich Geld? Ich arbeite. Ich biete meine Kraft, Fähigkeit, Kreativität, Genauigkeit, Ehrlichkeit, Hingabe an, um etwas zu erschaffen, das irgendwo anders gebraucht wird. Dann biete ich das Produkt entweder gegen Geld direkt an oder werde für das Erschaffen des Produktes selbst bezahlt, ohne mich über dessen weiteres Schicksal kümmern zu müssen.

Wie bekomme ich viel Geld? Ich lande einen großen Wurf mit einem neuen Produkt. Ich habe eine clevere und neue Geschäftsidee und gründe ein eigenes Unternehmen. Ich verrichte eine Arbeit, die schwer zu erlernen ist, aber überdurchschnittlich gut bezahlt wird. Ich erbe. Ich gewinne im Lotto. Wenn ich überschüssiges Geld habe und es nicht ausgebe, dann gammelt es vielleicht jahrzehntelang in einem Sparschwein herum. Oder es gammelt auf einem Konto und setzt ein wenig an. Oder ich schicke es zum Gammeln an die Börse, wo es richtig fett werden kann. Dann habe ich mehr überschüssiges Geld.

Warum will ich viel Geld? Um von den zweitrangigen Dingen mehr zu haben oder von den erstrangigen Dingen die Besseren und Besten. Oder um es weiter gammeln zu lassen, damit es vielleicht noch mehr wird. Und irgendwann habe ich dann genug. Aber wann? Wer sagt "genug"? Wer ruft mir dieses Wort zu? Wer mißt, wann ich aufhören kann, darf, muß mit dem endlosen Besitz- und Geldvermehren? Wer sagt mir, daß es an der Zeit ist, mal wieder durchzuatmen? Gibt es diese Stimme? Und wenn ja, höre ich sie?

Oder wird sie übertönt vom Gequengel des nächsten Bedürfnisses. Dann stellt sich die Frage: Habe ich all das Geld verdient, weil ich dieses Bedürfnis stillen wollte? Oder ist dieses Bedürfnis entstanden, weil ich das Geld habe, es zu stillen? Als Prinz Marcus auf die Welt kam, trug er da schon den Wunsch in seiner Brust, eines Tages ein "Royal Race" von Cannes nach München zu organisieren und dabei Geldmassen zu verbraten, die einem den Schwindel in den Kopf treiben (Lehrbuchbeispiel für "Geld allein macht nicht glücklich" übrigens)?

Man braucht Brot und Wasser, Fleisch, Obst und Gemüse, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Bett, Tisch, Stuhl und Schrank. Überall auf der Welt ist es so. Aber nicht überall auf der Welt gibt es diese Dinge in dem Maße, wie sie vonnöten wären. Nicht einmal in den reichen Ländern der ersten Welt. Dort gibt es dafür "Royal Races", worüber sich die an der Armutsgrenze lebenden Familien sicher freuen.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht gegen ein wenig Luxus hier und eine Messerspitze Überfluß dort. Aber sowohl das zwanghafte Anhäufen virtueller Geldberge als auch das Verprassen atemberaubender Beträge für hohle Vergnügungen sind mir ziemlich zuwider.

Streng genommen sind es doch diejenigen, die ihrer Arbeit nachgehen und dabei den Markt mit den von allen Menschen benötigten Dingen versorgen, die in unserer Gesellschaft das hohe Ansehen besitzen sollten, nicht diejenigen, die quasi im Spaß Luxusautos zu Schrott fahren, mit der Schulter zucken und sich den nächsten Porsche vor die Türe stellen lassen oder diejenigen, die als 30-jährige Bankenfuzzis herumspekulieren, bis es kracht.

Ebensowenig wie Arbeit frei macht, macht Geld glücklich. Man kann tatsächlich genug davon haben und wenn man das einmal versteht, dann steht plötzlich die Türe zum Leben offen. Wenn man es nicht versteht, dann schlägt man viel zu oft den Anderen die Türe zum Leben vor der Nase zu.

Monday, October 06, 2008

Weil...

... ich ja noch ein paar Tage vorlesungsfrei habe, betrachte ich mich als irgendwie noch nicht so richtig in Rom angekommen. Dies bedeutet, daß ich auch meine "am römsten"-Pflichten schnöde vernachlässigen werde.

Aber weil so ganz trockene "Och nö, ich poste jetzt erstmal nix"-Beiträge ja auch nicht gehen, ist das eine gute Gelegenheit, diese Anzeige für Priesterberufungen aus der Diözese Raleigh/USA mit Euch zu teilen. Spitzen-Photo und sehr wahrer Text.

Saturday, October 04, 2008

Waaaaaaaaas?

Da fliege ich also gestern ganz entspannt mit Gabriel nach Rom zurück, wir nisten uns unter großem Hallo und Wiewars und Wiegehts und Schöndichwiederzusehen bei unseren mexikanischen Freunden ein und dann meldet sich heute morgen gleich nach dem Aufstehen ein Komilitone, der uns mitteilt, daß der auf dem Uni-Kalender angegebene Termin für den Start der Vorlesungen leider irgendwie beim Druck um eine Woche verrutscht sei und wir erst am 13. wieder ans Angelicum müssen.

Tja..., was macht man denn in so einer Situation? Ich schlage vor: Eine Woche Urlaub in Rom! Hatte ich nämlich noch nie! Ich war bisher immer nur studierender- oder geprüftwerdenderweise in der Ewigen Stadt. Wenn das Wetter halbwegs mitspielt (momentan kann es sich nicht so richtig zwischen Sonne, Regen und/oder Hagel entscheiden), könnten das ganz schöne sieben Tage werden. Plus: Ich kann mich dann auch schon mal an der Uni zurückmelden und muß nicht nächste Woche in der zwölf Kilometer langen Schlange anstehen.

Okay, 'am römsten' ist also ab heute wieder 'am römsten' und nicht 'am klosterneuburgsten'. Bis bald und schönes Wochenende!

Monday, September 29, 2008

Du weißt,...

... daß das Abendland untergegangen ist, wenn...:

Lebe wohl, du Land der Bayern!

Sunday, September 28, 2008

Zurück auf Los

Aus der Krone:
    Schüsse auf Polizisten in Köln als "Heiliger Krieg"

    Köln.
    - Drei 15, 16 und 17 Jahre alte türkischstämmige junge Männer, die Mittwoch in Köln zwei Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und beschossen hatten, haben in Verhören erklärt, sie führten einen "Heiligen Krieg" und wollten Märtyrer sein. Sie hatten nur Schreckschußpistolen und nicht funktionierende Handgranaten, wollten den Polizisten ihre Diensstwaffen entreißen, sie dann mit Messern töten und die Waffen für Terroranschläge benützen. Bisher waren die Jugendlichen und ihre Familien nie durch Extremismus aufgefallen.
Was ist das? Türkisch für "Danke, daß wir hier eine so große Moschee bauen dürfen?" Mann, Mann, Mann! Bin ich froh, daß mein Beitrag zu "Pro Köln" schon geschrieben ist. Der sähe wahrscheinlich heute ETWAS anders aus.

Am beunruhigendsten finde ich den letzten Satz. Es gibt in Deutschland über 3 Millionen Moslems, die noch nie durch Extremismus aufgefallen sind. Ich hoffe, daß diese 3 Millionen mit unseren drei Gotteskriegern nicht noch mehr gemeinsam haben...

Echt, erwischt mich nochmal dabei, daß ich über den Islam IRGENDETWAS nettes sage, bevor er mir nicht einen Grund gibt.