Saturday, February 17, 2007

Das wir's eben von 80er-Pop hatten...

Auch in den Neunzigern gab's noch anständiges Zeugs.

1993 veröffentlichte der Jazz Butcher (zu diesem Zeitpunkt bereits Jazz Butcher Conspiracy, fortan kurz JBC) mit “Waiting for the Love Bus“ das - moment, mal nachzählen... - neunte offizielle (also nicht "Live" oder "Compilation" oder "Best of" oder so) Studioalbum in zehn Jahren. Ich war vom Butcher immer ziemlich angetan. Die Musik lag genau auf meiner Wellenlänge und die Texte waren clever, schwarzhumorig und tief. 1991 wurde die Fangemeinde dann durch "Condition Blue" ein wenig gespalten, weil es einigen Aficionados nicht JBC-ig genug war und man gleich was von "Sell out" maulte. Der "Love-Bus" dürfte diese Leute dann endgültig aus der Bahn geworfen haben.

Ein erstaunlicher Widerspruch macht dieses Album so großartig: Der "Love-Bus" ist middle-of-the-roadigster Rock/Pop. Harmoniefolgen aus der Mottenkiste, Rhythmen aus dem Paläolitikum, Melodien aus dem Second-Hand-Shop. Und trotzdem haut mich jeder Song weg. Keine Ahnung, was deren Mojo ist, aber es funktioniert.

Los geht’s mit "Rosemary Davis World of Sound". Da ich nicht weiß, wer diese Rosemary Davis ist, kann ich mir zu dem ruhigen, leicht geisterhaften Tune prima eine blinde Omi vorstellen, die auf ihrer Terasse sitzt und einfach all das hört, was in dem Song besungen wird ("Church bell tolling, alsatian barking, radio static, engine running at 18 knots..." usw). Ein schöner und wie gesagt ruhiger Song. Dann wird ein bischen aufgedreht. "Bakersfield" startet mit simplem Gitarrenwirbel, dann setzten mit einem Mini-Break die auf Persil-Trommel-Stil runtergemumpften Drums ein und ein rotzordinäres Gitarrensolo frißt sich trotzdem gleich in Herz und Seele. Und auch der Rest vom Lied macht Spaß. "Kids in the Mall/Kaliningrad" beschäftigt sich inhatlich mit Waffenhandel. Musikalisch hat der Song einen schon fast kriminell abgegriffenen Beat, und trotzdem werden wahrscheinlich nicht mal Biologie-Lehrer still sitzen, so böse swingt es. Klasse! "Waddya?" ist dann die erste von mehreren äußerst empfehlenswerten Balladen, die dieses Album zieren. Schneebesendrums und ein monoton durchlaufendes Echolot-Bing zusammen mit quirlig gezupften Klampfen und unterwassriger Orgel verleihen dem Song seine besondere Note und machen ihn zum ersten eigentlich originellen Stück auf dem Album. Dann folgt mit "Sweetwater" einer dieser perfekten Popsongs, die JBC immer wieder mal ausspucken. Eingängig bis zum Weinen, locker daher-sechachtelnd mit perligen Gitarren und einem "Und jetzt alle!"-Chorus verbreitet dieser Song pure gute Laune, oder, um es mit den Lied selbst zu sagen: "Havanna cigars on the back seat, and I wouldn't have it any other way". Und weil man grade in Pop-Stimmung ist, wird mit "Ghosts" gleich noch einer nachgelegt. Eine simple Keyboardschleife läuft im Hintergrund durch und davor wird eine steinalte Harmoniefolge schamlos ausgebeutet, um einen überraschend flockigen und witzigen Song zu präsentieren. Und dann das große, das schöne, das atemberaubende "Baltic". Ein Lied, so dramatisch und edel, daß ich wirklich nicht weiß, warum man es nur auf der CD findet. Pech für die Vinyl-Freaks. Um eine Ahnung von der Stimmung des Songs zu bekommen, hier erst einmal ein paar Zeilen des Textes:
    " Thinking in squares in binocular time.
    Trailing admirers who all look too young for her.
    Talking in French in unsuitable restaurants.
    Keeping a lost age alive with her perfume.
    Her glamour, her scandal, her dreams and her smokescreens,
    the Church and the veil and the old Russian cigarettes.
    Always impeccable, never in daylight.
    The pale sun of midnight was all that she wanted."
Ja, genau. Und die Mucke paßt einfach eins zu eins. Schleppend, ein wenig düster, mit synthetisch-kühlen Streichern, warmen gezupften Saiteninstrumenten und einem hin und wieder eingestreuten Break, der dem Song immer an der richtigen Stelle neues Leben einpumpt. Das ist das zweite durchaus eigenständige Lied des Albums. Ober-Klasse! Dann aber heißt es "Aufwachen!", denn "Killed out" ist wieder JBC-Rock wie man ihn kennt und liebt. Augen zu und gradeaus! Und als konnte man sich nicht so recht entscheiden, gibt's danach wieder eine Ballade: "Ben" handelt von Ben Silcock, der - nachdem er vom "National Health Service" keine Hilfe gegen seine Schizophrenie bekam - Weihnachten 1992 versuchte, sich selbst im Londoner Zoo den Löwen zum Fraß vorzuwerfen und dabei - wenn auch nicht getötet - so doch ziemlich durchgewalkt wurde. Und selbst dieses nicht eben spaßige Thema versteht die Conspiracy noch in einer Ballade mit etwas Augenzwinkern zu behandeln ("It just can't be done, they weight half a ton and they don't want you going in there..."). Musikalisch ist es ein ruhiges Stück mit ganz klassichem Aufbau und ganz klassischer Instrumentierung, aber auch wieder mit dem klitzekleinen bißchen JBC-Extra. "Penguins" ist dann ein liebes, poppiges Stückchen mit zittrigen Gitarren und Synthie-Glöcken über Pinguine, die ein wenig von der Antarktis erzählen. "President Chang" bietet nochmal mumpfigen Butcher-Rock über Politik und Wahlen. Mit über sech Minuten ein wenig zu lang, aber wer beklagt sich. Abgeschlossen wird das Album dann von "Angel Station", einer weiteren Ballade, die sehr luftig und weit gemixt ist, mit Hall hier und dort und sparsam instrumentiert und so weiter. Sehr angenehm, sehr schön. Und dieser Song geht dann in ein Reprise von "Rosemary Davis" über, in dem das Lied einfach nochmal nur mit einer konstant durchjängernden Klampfe und hin und wieder in den Vordergrund drängendem Gezupfe und Geperle und Gewirre anderer Saiteninstrumente dargeboten wird. Nicht super-überflüssig, aber auch nicht essentiell.

Tja und dann hat es sich. "Waiting for the Love Bus" ist sicher nichts für Leute, die sich zum Frühstück schon Tool reinziehen und dann aber erstmal was komplexeres brauchen. Es ist Rock/Pop ohne Ecken und Kanten oder übergroße Ideen aber trotzdem auf seltsame Art einnehmend und mit richtig guten Texten. Kurz: Eine Scheibe, die Spaß macht!

Langeweile

Ich küsse behutsam Euterpe wach
und schreibe ihr süffige Zeilen.
Ich mache vor Jericho etwas Krach
und lerne die Sehnsucht zu heilen.

Ich schicke Picasso fünf nackte Mädchen,
doch kann er sie nicht malen.
Ich trinke Kaffee mit Faust und Gretchen
und laß sie die Rechnung bezahlen.

Ich schlaf unter eines Königs Bett,
tret einem Kardinal auf die Schleppe,
klaue Shakespeare das erste Sonett,
baue Sysiphos eine Treppe.

Ich trink mit der Pompadour einen Ouzo.
Ich knüpfe den gordischen Knoten.
Ich lausche einem verschnupften Caruso.
Ich haue Shir-Khan auf die Pfoten.

Die Geister, die ich rief, werde ich wieder los,
zu einem vernünftigen Preis.
Ich mache Rast in Abrahams Schoß,
treib Spott auf dünnem Eis.

Ich gähne in Kirchen und schlafe auf Festen,
leide Hunger an vollen Töpfen.
Ich wähne das Paradies im Westen
und gleit aus auf rollenden Köpfen.

Was es bedeutet...

... in den 80ern jung gewesen zu sein.

Ich höre immer wieder Leute, die sich über diese Zeit lustig machen. Oft zurecht, wenn ich mir diverse Moden angucke (denen ich nicht selten selbst zum Opfer fiel). Aber, hey, die Mucke damals? The Icicle Works, The Lotus Eaters, Joy Division, ABC, so ziemlich alles vom 4AD-Label, Echo and the Bunnymen, The Psychedelic Furs, The Pixies, The Smiths etc.

Und eben auch die Pale Fountains, hier und heute vertreten mit Thank You. Ein Klassiker! Bescheuertes Video, okay, aber was für ein Superpopschmalzdrama!

Die Fundgrube

Die Österreichische Nationalbibliothek hat (bereits im Jahr 2003) einen virtuellen Zeitungslesesaal eingerichtet, der es gestattet, online in alten Ausgaben österreichischer Zeitungen herumzublättern. Es sind bereits über drei Millionen Seiten im Netz. Sukzessive sollen dort alle im Bestand vorhandenen Zeitschriften eingescannt werden. Momentan lassen sich die Zeitungen nur nach Datum oder Titel browsen, künftig soll es aber wohl auch eine Volltextsuche geben, was das Ganze natürlich zu einem richtig edlen Internetprojekt macht. Sinn der Sache ist, den Leuten einen Blick in die Vergangenheit zu gewähren, ohne daß die Leser fettige Fingerabdrücke auf zweihundert Jahre altem Papier hinterlassen. Die Originale werden geschont, der sinnliche Reiz des Umblätterns und des Papierraschelns fällt weg, aber die Informationen sind für alle jederzeit vorhanden.

Ich hab mal ein bischen rumgeguckt und auch gleich was Interessantes gefunden (obacht, große Bilddatei):



Aus der Zeitschrift Wiener Bilder von 1936

Schaut Euch mal dort um, wenn Ihr mögt. Die bisher eingescannten Zeitungen reichen bis ins Jahr 1713 zurück, aber die Jahrgänge sind insgesamt noch lückenhaft. Wenn Euch das Projekt reizt, dann schaut öferts mal nach Updates, die ziemlich regelmäßig stattfinden.

Friday, February 16, 2007

Bamberger Wochen, Teil 2

Das Kloster Michelsberg

Eberhard, der erste Bamberger Bischof, gründete im Jahr 1015 das Benediktinerkloster St. Michael auf dem Michelsberg. Wer jetzt ruft "Boah! So'n Zufall! Der Berg heißt genauso wie das Kloster!" der bleibt bitte zum Nachsitzen hier. Das Kloster war ein sogenanntes Eigenkloster, was bedeutet, daß die Äbte nur dem Bischof unterstanden. Der erste Bau wurde schon 1117 zerstört, vermutlich durch ein Erdbeben. Bischof Otto (1102-1139) machte sich dann um das Kloster sehr verdient und wurde dort auch beigesetzt. Nach seiner Heiligsprechung 1189 gelang es dem Kloster, zunehmend Unabhängigkeit von den Bischöfen zu erlangen. Es erreichte in dieser Zeit eine große geistige Blüte und auch finanziell lief's, hatte man doch Grundbesitz in über 400 Orten des Bistums.

Bergab ging es dann stufenweise: Wie viele andere süddeutsche Benediktinerklöster nahm auch St. Michael um 1400 ausschließlich Adlige auf, deren Lebensweise nicht nur durch die Regel des Hl. Benedikt sondern auch durch ihr Selbstverständnis als Adlige bestimmt wurde. Dies führte nicht nur zu Kritik, sondern auch zu echtem Rabatz: 1435 wurde das Kloster von aufgebrachten Bürgern geplündert und verwüstet. Dies zu einer Zeit, zu der man ohnehin schon aufgrund der Hussitenkriege unter erheblichen Zahlungen in die Kriegskasse des Hochstifts litt. Abt Andreas Lang (1483-1502) brachte das Kloster dann wieder auf Kurs, führte die rechte monastische Ordnung wieder ein, brachte Gelehrsamkeit und Frömmigkeit zurück und sorgte dafür, daß dringende Reperaturen ausgeführt wurden. Jedoch: Schon 1525 fallen die aufständischen Bauern über Bamberg und das Kloster her und treiben es gar doll. Während des zweiten Markgrafenkrieges gibt es 1552 gleich noch einen Dämpfer und dann fällt auch noch 1610 die Kirche einem Brand zum Opfer.

Was tun? Gegenreformation! Barock!

Ab 1697 erhielt die Basilika ihre barocke Westfassade durch Leonhard Dientzenhofer. Die beeindruckende Treppe und der pompös fricklige Barock-Hochaltar wurden dann ab 1723 durch den bischöflichen Hofbaumeister Johann Dientzenhofer angelegt. Die verspielte Engelskanzel ist dann schon Rokoko und das Heilige Grab in der Seitenkapelle weist bereits in Richtung Klassizismus. Es gibt einige sehr hübsche und künstlerisch nicht wertlose Bischofs-Epitaphe in der Kirche, die aber erst nach 1833, als der Dom "purifiziert" wurde, von dort auf den Michelsberg gebracht wurden. Der eigentliche Hammer aber ist die Decke der Kirche: Das Herbarium. Fast 600 verschiedene Pflanzen tummeln sich im Mittel-, im Quer- und in den Seitenschiffen. Ob exotisch oder heimisch war ganz egal: Ananas, Baumwolle, Granatapfel oder Tabak sind ebenso zu finden wie Apfel, Birne, Brombeere und Buche. Außer den Pflanzen gibt es noch Singvögel und Papageien zu sehen. Die Malereien sollten die gesamte bekannte Flora repräsentieren, sie können aber auch als Verehrung der Schöpfung gewertet und als eine gegenreformatorische Maßnahme verstanden werden, was den Wert des Kunstwerks ja nicht schmälert.

1803 kam dann die heißgeliebte Säkularisation und somit fiel für die Benediktiner vom Michelsberg der letzte Vorhang. Nichtmal das 800-Jährige konnten die Jungs feiern! Und wir haben noch Glück: Anfangs war von Abriß die Rede. Das Kloster kam aber letztlich in Besitz der Stadt Bamberg, die auf Bitten der Bürgerschaft die alten Spitäler aus der Innenstadt auf den Michelsberg verlegte. Die ehemalige Abtei beherbergt noch heute das Bürgerspital (Altersheim).

YESSS!

Oder, um es mit Brentano zu sagen: "Ein psychisch Tätiges verneint in dem modus praesens ein Durchgefallensein in einem seiner Examen."

Jawoll, die Woche des Grauens liegt hinter mir! Komme soeben vom "Geschichte der Gegenwartsphilosophie"-Examen und habe es bestanden. Epistemologie habe ich schon am Dienstag klargemacht und auch im geflügelten und besteurruderten Ontologie-Examen am Monatg habe ich mich achtbar geschlagen.

Okay, jetzt muß ich dochmal protzen. Nicht nur wegen der eigenen Glorie, sondern auch und vor allem, weil die Geschichte einfach so witzig ist: Also, da war letztes Jahr dieser Typ am Angelicum, der auch bei Professor Holzer das Gegenwartsphilosophie-Examen gemacht hat. Professor Holzer ist Schweizer, fachlich ungeheuer firm, menschlich wahnsinnig nett und unterhaltsam aber o-ber-an-spruchs-voll. Wer da nicht den Aristoteles auf Griechisch rückwärts zitiert und dabei mit drei rohen Eiern jongliert, der kriegt dann halt auch keine 10 Punkte. Das Holzersche Geschichts-Examen sieht so aus, daß man einen von drei Textschnipseln, die mit dem Gesicht nach unten präsentiert werden, ziehen muß. Das ist dann immer ein Ausschnitt aus einem Text eines der 12 im Kurs behandelten Philosophen (Kant, Hegel, Feuerbach, Marx, Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche, Comte, Mill, Brentano, Frege, Bergson. Keine Panik, liebe Philosophen: Die Phänomenologen und Analytiker folgen im zweiten Semester). Dann guckt man sich den Text an und sagt, wer der Author ist und breitet anhand des Textes dessen Philosophie ein wenig aus. Der Typ im letzten Jahr hatte sich für das Examen nur auf einen EINZIGEN der Philosophen (Mill, glaube ich) anständig vorbereitet. Und was geschieht? Logo, er zieht Mill und tütet ganz dick ein. Naja, jetzt kommt in diesem Jahr der kleine Herr Alipius an und hat sich auf ALLE Philosophen super-anständig vorbereitet, bis auf einen, namentlich Hegel. Und was geschieht? Ich ziehe natürlich Hegel! Argh! Immerhin erkannte ich auf den ersten Blick, daß es Hegel war und war damit schonmal denen voraus, die so obskures Zeugs aufgetischt bekommen, daß sie nicht mal den Autor erkennen können. Ich hab dann brav von Logik, Natur, Geist, Schlüssen etc erzählt (ohne wirklich zu wissen, was ich tue). Dann kam das Gespräch auf Hegel und Religion und - aus welchem Grund auch immer - ich hatte doch tatsächlich zwei Sätze aus dem Hegel-Manuskript wörtlich im Kopf, die sich direkt darauf bezogen und die ich dann auch gleich mal brav zitierte und erläuterte, wobei die Augen des Professors sich zum ersten Mal weiteten (nach dem Motto: "Hey, der Kerl hat ja doch einen Puls!"). Und am Ende erfuhr ich dann, das es gereicht hat! YEAH!

Jetzt sitze ich bei strahlendem Sonnenschein am Laptop, höre Melissa auf der Maur's großartiges Soloalbum, trinke Milchkaffee und teile meine Freude mit der geneigten Leserschaft. Jetzt muß ich nur noch ein Semester Philosophie und die Abschlussexamen überstehen, dann geht's ab in die Theologie.

Oh, Abschlußexamen: Da hörte ich doch just am Dienstag, daß die Note des Abschlußexamens 60% der Gesamt-Philosophie-Note ausmacht. Da gibt man sich doch die Kugel! Zwei Jahre wackeres Studieren inklusive Einheimsen nicht weniger Zehner können dann innerhalb von zwei Stunden in Trümmer sinken, wenn man ein Thema kriegt, das einem nicht liegt. Das wird ein lustiges Vierteljahr.

Alles Liebe,
Alipius

Tuesday, February 06, 2007

Ethik (Reprise)

Ich habe auf meinen "Straßenbahn-Ethik"-Artikel einen Kommentar von Frank erhalten. Es klingt ziemlich nach Physik und ich neige fast zur Annahme, daß es sich um Frank Timphus handelt, könnte aber auch falsch liegen. Solltest Du es sein: "Hi! Schön, mal wieder von Dir zu hören. Ich freue mich auf den 15. September!"

Okay, ich mache den Kommentar hier publik und antworte auch darauf. Nicht nur aus Eitelkeit, sondern weil es ein großes und breites Thema ist und vielleicht andere Leute Interesse haben, darüber ein wenig zu lesen oder vielleicht gar sich einzuschalten.

Also, zuerst einmal der Kommentar:
    "Hmh, der Bogen zur Ethik ist sehr interessant, aber ich möchte auf den naturwissenschaftlichen Aspekt des ersten Absatzes zurückkommen. Der deutsche/österreichische Ansatz sieht auf den ersten Blick menschenfreundlicher aus, aber ist das nicht nur eine Frage der Effizienz? Nicht weniger, aber auch nicht mehr, beschreibbar mit den Gestzen der Hydrodynamik, d.h. alles eine Frage des Druckunterschieds und eine Frage der Sequenz, wann wo der Druck auftritt. Die Verhaltensweise hängt dann davon ab, was man als Gemeinschaft erreichen will UND welche Diziplin man dafür aufbringen möchte. Ethik ist dabei für mich recht weit hergeholt. Oder lässt sich schließen, dass die Italiener weniger Ethik haben als die Deutschen, während letztere weniger Ethik haben als Engländer, die eine Schlange bilden, um einzusteigen?

    Nun stehe ich aber vor einem Problem, denn ich würde ja mal gerne etwas über die fundamentalen Normen und Werte lernen. Bisher habe ich da ein sehr naives Verständnis, dass mir sagt, dass wir auf der Suche nach fundamentalen Werten noch lange nicht zuende ist. Ok,Ok, alles geht zurück auf einen unendlich gütigen Gott, aber der hat sich in den vergangenen 3000 Jahren sehr unterschiedlich manifestiert, bzw. wurde sehr unterschiedlcih interpretiert. Je nach Umgebung, sozialer, wirtschaftlicher Situation, Herrschaftsform, Informationsstand, usw.usw. gibt es auch eine sehr unterschiedliche Ethik. Was sind denn z.B. diese extremen Umstände, die es erlauben einen Menschen zu töten?

    Um die Kurve zu kriegen: Das Handeln von Menschen ist evtl. nur dadurch bestimmt das eigene Leben zu verbessern (gemeinsam sind wird stark, ich helfe damit mir geholfen wird). Das ist eine logische Folge, ein Naturgesetz. Wo aber ist die Grenze, an der darüber hinausgehenend eine (göttliche) Ethik anfängt?"
So weit, so gut. Es gibt einige interesante Punkte hier, die ich nun ansprechen möchte:

Ich muß vielleicht erst einmal voranstellen, daß sich Gott für mich als Katholischen Christen nur einmal manifestiert hat, nämlich in der uns in Form der Heiligen Schrift zur Verfügung stehenden Offenbarung. Einzuräumen, daß andere "Manifestationen" vergleichbare Gültigkeit besitzen ist nicht etwa deswegen undenkbar, weil ich so ein Sturkopp bin, sondern weil dies Gott schlicht und einfach zu einem Lügner machte, was er aber nicht sein kann.

Die Grenze, wo die (göttliche) Ethik beginnt, ist dort, wo der absolute Wert der individuellen Person erkannt wird. Ein dem Utilitarianismus anhängender Verfechter des Kommunismus hätte keine Probleme damit, 2.000 reiche Grundbesitzer zu töten, wenn dies zur Errichtung eines kommunistischen Staates und somit - seiner Meinung nach - zur Verbesserung unseres Lebens beiträgt. Tatsächlich könnte dies nicht nur unter dem "Gemeinsam sind wir stark"-Aspekt sondern auch unter "Ich helfe, damit mir geholfen wird" eingeordnet werden (Ich helfe, indem ich die Order gebe, die Grundbesitzer zu töten und mir wird geholfen, indem mir entweder im künftigen kommunistischen Paradies die entsprechenden Credits angerechnet werden oder ich zumindest als Gleicher unter Gleichen ohne irgendwelche Repressionen ein bestimmtes Ideal verfolgen kann). Wenn man um den Wert anderer Personen weiß und sie tatsächlich als - wenn auch nur potentiell - an Gottes Liebe und Weisheit teilhabende Individuen erkennt, dann läßt man sie leben.

Philosophisch betrachtet ist das Gute (auf eine rauhe, primitive, vor-moralische Art) das, was geliebt wird. Wird etwas geliebt, ist es gut (etwa analog zu: Wird etwas gesehen, ist es Farbe). Nun hat alles, was existiert, eine gewisse Inklination im Hinblick auf seine eigene Existenz. Natürlich kann man bei einem Stein nicht im strengen Sinne von einer Affinität zur Existenz reden, aber zumindest bei animierten (Pflanzen), empfindenden (Tieren) und vernunftbegabten (Menschen) Substanzen sieht man, daß sie den Weg gehen, der der Erhaltung ihrer Existenz förderlich ist. Und daher - weil es geliebt wird - ist das Sein als solches gut. Das bedeutet natürlich nicht, daß alle Dinge einfach so wie ein Puzzle sich reibungslos zusammenfügen. Aber es heißt, daß dort, wo das Sein an sich ist, auch das Gute ist. Und das hebt die Aussage über einen vermeintlichen metaphysischen Optimismus reicher Konservativer ("Die Dinge sind gut, so wie sie sind") hinaus auf eine Ebene, wo das Sein als solches tatsächlich nicht nur einen berechtigten Ruf nach Unversehrtheit in die Welt schickt, sondern - der Dynamik des Guten folgend - auch der Empfänger dieses Rufes die Verpflichtung hat, ihm nachzukommen.

Und hier erreichen wir die fundamentalen ethischen Normen: Es gibt Dinge, die im Umgang mit anderen Existenzen absolut zu unterlassen sind und Dinge, die zu tun wir uns anderen Existenzen gegenüber verpflichtet sehen. Hier spielt natürlich der andere Mensch eine übergeordnete Rolle. Grundsätzlich ist aber auch z. B. das Leben einer Mücke zu schonen und es geht nicht an, daß wir sie einfach aus Lust und Laune zerquetschen. Wenn die Mücke sich aber anschickt mich anzuzapfen, dann ist es ethisch vertretbar sie zu pürieren, da ein der Schöpfungsordnung und auch dem Baum des Porphyrus zufolge unter dem Menschen stehendes Wesen sich nun mal dem Wohle des Menschen zu beugen hat. Deswegen ist nach katholischem Verständnis übrigens auch Fleischgenuss keineswegs ein Irrweg (mit diversen abartigen Formen der Massentierhaltung ist das anders). Das Problem hier: Wo ziehen wir die Bremse? Klar, die Schöpfung ist für den Menschen gemacht. Aber ist der Mensch reif genug, mit ihr verantwortungsvoll umzugehen? Momentan sieht es nicht so aus. Und auch hier betritt wieder die (göttliche) Ethik die Bühne: Gott verneinend wird man nicht weit kommen, wenn man den Leuten so etwas sagt wie: "Haltet den Ball mal flach, sonst ist für die nächsten Generationen wenig übrig". Da kann die Antwort leicht lauten: "Na und? Wer soll mich dafür bestrafen? Hauptsache, es reicht noch für mich!" Erst wenn man erkennt, daß nachfolgende Generationen nicht nur das Bedürfnis, sondern auch das Recht haben in einer einigermaßen intakten Welt zu leben, wird man ethisch korrenkt handeln können. Im "Gemeinsam sind wir stark"-Modus sind die nächsten Generationen nur ein Hirngespinst, da sie, als noch nicht Geborene, noch nicht ihren Beitrag zum Gemeinsamen leisten können. Im "Jeder Mensch besitzt einen absoluten Wert"-Modus sind die nächsten Generationen - von denen man weiß, daß sie existieren werden - eingeschlossen (vorausgesetzt unser momentanes Verständnis vom Beginn des Lebens läßt künftig noch Geburten zu).

Aber zurück zum berechtigten Ruf nach Unversehrtheit: Je früher man beginnt, hierfür ein Verständnis zu entwickeln, desto besser. Und je niedriger das Level, auf dem dieses Verständnis in die Tat umgesetzt wird (aus der Straßenbahn aussteigen lassen), desto größer die Wahrscheinlichkeit, auch auf anspruchsvollerem Niveau (Verzicht auf Rufmord, Diebstahl, Gewalt) korrekt zu handeln.

Und noch etwas: Wenn man den Fall setzt, daß physikalische Gesetze zur Erklärung gewisser zwischenmenschlicher Phänomene ausreichen, wie liegt es dann zum Beispiel mit den Horden von Teens und Twens, die sich sowohl in Deutschland und Österreich als auch in Italien in den Bussen und Bahnen bequem auf Sitzplätzen herumlümmeln, währen vor ihren Augen ein altes Mütterchen sich mit Händen und Füßen und dritten Zähnen an die Haltestangen klammert? Würden physikalische und biologische Intuition hier nicht verlangen, daß ich als Kid oder junger Erwachsener aufspringe und die Oma sitzenlasse, damit der unkoordiniertere Körper nicht (aufgrund nicht vorhandener Trägheitspuffer) plötzlich nach einer Vollbremsung auf meinem Schoß landet oder beim Herumstolpern mit dem Ellbogen gegen meinen Kopf schlägt? Eigentlich sollte es doch so sein. Trotzdem sind es aber in der Regel 40 bis 60-jährige Damen und Herren (die in ihrer Erziehung noch mit (göttlicher) Ethik konfrontiert wurden), die entweder ihren Platz räumen, oder die Kurzen wenigtens auf ihre Pflichten aufmerksam machen (und sich dann hin und wieder noch eine schräge Anmache einfangen).

Impliziert der physikalische Ansatz nicht, daß die Menschen überall auf der Welt die gleiche Chance haben, gewisse Mechanismen zu verstehen und zu durchschauen, da kein Gott ihnen hilft und sie erleuchtet? Und ist es dann nicht mindestens ebenso absurd zu behaupten, Italiener seien weniger physikalisch begabt als zu sagen, sie besäßen weniger Ethik?

Logo, der physikalische Ansatz ist nicht von der Hand zu weisen. Aber er reicht meiner Meinung nach nicht aus, um ethische Phänomene zu erklären. Denn wo ist z.B. die Physik, wenn Ordensleute sich in die dritte Welt begeben und im Dienste Anderer Leib und Leben riskieren? Wo ist die Physik, wenn man als Geschäftsmann nicht auf Umsatz, sondern ausschließlich auf Profit schielt und das Wohl der Arbeiter diesem unterordnet? Wo ist die Physik, wenn sich bei "Vera am Mittag" Mutter und Tochter unter Zuhilfenahme derbster verbaler Nuklearbomben über eine zerquetschte Zahnpastatube streiten? Hier handelt es sich um vorhandenes oder mangelndes ethisches Verständnis.

Der einzige mir einleuchtende und bekannte Fall, in dem es erlaubt wäre, einen Menschen zu töten ist der der Selbstverteidigung. Aber auch hier sollte man natürlich erstmal versuchen, dem Anderen das Messer aus der Hand zu schießen, bevor man aufs Herz zielt ;-)

Naja, soweit meine fünf Pfennig an Weisheit.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, February 05, 2007

Bzgl. des vorherigen Eintrags:

Das erklärt alles!

Straßenbahn-Ethik

Eine alte physikalische Weisheit besagt, daß zwei Körper nicht gleichzeitig denselben Raum einnehmen können. Da der Innenraum einer Straßenbahn im Vergleich zu einem Bürgersteig begrenzt ist, macht es daher Sinn, daß an einer Haltestelle die Fahrgäste erst aussteigen, bevor die Wartenden einsteigen. Um diesen Prozess wiederum so geschmeidig wie möglich zu gestalten, bietet es sich an, daß (Abb. 1) die Wartenden einen möglichst breiten Weg freihalten oder wenigstens (Abb. 2), sich so positionieren, daß am Ende eines eventuell sich bildenden Trichters noch ein Ausweg besteht. So kannte ich es bisher aus Ländern wie Deutschland oder Österreich.

Willkommen in Italien: Hier sieht es so aus (Abb. 3), daß, wenn die Türen der Bahn sich geöffnet haben, man sich als aussteigender Fahrgast einer nervös mit den Hufen scharrenden Meute gegenübersieht, die nicht nur eng geschlossen im Halbkreis die Türe belagert, sondern sich auch noch langsam vorwärts schiebt. Das kreiert dann auf der Türschwelle eine hübsche Moshpit, in der nur eines zählt: Für die Einsteigenden der Sitzplatz und für die Aussteigenden das nackte Leben. Hab's heute morgen (auf dem Weg zum Ethik-Examen, das ich nicht glorreich aber immerhin bestanden habe) wieder erleben dürfen.

Apropos Ethik: Ich weiß, es ist ein weiter Bogen, aber liegen diese Art von Verhalten und das Töten eines Sicherheitsbeamten während eines Fußballspiels nicht zumindest auf derselben Route? Jede individuelle Person besitzt einen absoluten Wert. Dieser wird ihr nicht von anderen Personen verliehen, sondern von Gott. Der Mensch ist das Subjekt, in dem der simple, absolute Wert der unendlichen Gutheit Gottes sich in Wissen und Liebe wiederfindet. Der Mensch ist Träger dieser Güte und hat somit Anteil an der Güte Gottes. Wenn der Mensch nun aber nur jemand ist, der mir beim Einsteigen der Straßenbahn im Weg steht und nicht jemand, dem gegenüber ich aufgrund seines Wertes auf eine gewisse Art verpflichtet bin (in unserem Fall: Weg freimachen), dann kann der Mensch ja im nächsten Moment auch jemand sein, der nicht etwa aufgrund seines Alters einen Anspruch auf meinen Sitzplatz hat, sondern nur jemand, der annimmt, mir wegen seiner Tatterigkeit meinen Sitzplatz wegnehmen zu dürfen. Und dann kann er mich mal gern haben (wie täglich im römischen Personennahverkehr beobachtet). Dann machen wir dieser Logik folgend noch ein paar Schritte mehr auf dem falschen Weg und plötzlich ist der Mensch nichts weiter als ein lästiger Störenfried, der nicht zulassen will, daß ich randaliere, Gewalt ausübe und Fans der gegnerischen Mannschaft verletze. Dann muß er halt weg, und im Eifer des Gefechtes greift man dann auch mal zu etwas drastischeren Mitteln. Der Heilige Thomas von Aquin war überzeugt, daß keine Gesellschaft je so kaputt sein könnte, daß sie die fundamentalen Normen des Naturgesetzes nicht anerkennte. Diese Normen werden direkt von der Natur der guten Dinge selbst bestimmt und legen unter anderem eben fest, daß andere Menschen nicht zu verletzen und schon gar nicht zu töten sind, es sei denn, bestimmte extreme Umstände erfordern es. Und wo sind die Umstände, die es erfordern, aus einem Fußballspiel eine Gewalt-Party zu machen? Oder Schwächere zu piesacken? Oder einer Oma keinen Sitzplatz anzubieten? Oder Leute nicht anständig aus einer Straßenbahn aussteigen zu lassen?

Friday, February 02, 2007

Hörst Du!

Belly's Star (1993) war eine Woche nach seinem Erscheinen eins meiner Lieblingsalben und ist es auch heute noch.

Tany Donelly hatte damals nach dem Ausstieg bei den Throwing Muses und der nicht so recht fluppenden Kooperation mit den Breeders ihren "Menno! Niemand will meine Songs auf seinen Alben veröffentlichen"-Frust. Irgendwie mußte die geballte Kreativität dann wohl raus. Also: Flugs eine eigene Band gegründet und ein Album rausgebracht, das nur eigene Songs enthält. Und was für welche!

Der Opener Someone to die for ist kurz und sanft. Stimme und Gitarre und ein Text, der gleich klarmacht, daß hier auch mal ein paar andere Geschichten erzählt werden ("Would you lay your body down on the tracks for her? Step one tiptoe in hell for her?"). Nicht jedermanns Geschmack, aber definitiv abseits von normal. Mit Angel und Dusted folgen dann zwei gitarrenlastige, flotte, rockige Nummern die so richtig Spaß machen. Every Word tritt die Bremse, bevor auf Gepetto dann Sechsachtelpop vom Allerallerfeinsten losbricht und Tanya uns von einem puppenentköpfenden Kind erzählt. Witch ist dann wieder eine ganz ruhige und etwas spukige Angelegenheit ("You're not safe here, in some witch's bed."). Slow Dog startet mit schräg-zapplig-punkiger Strophe und geht dann im Chorus mitreißend los. Hier zeigt sich auch, daß es keine Schande ist, mangelnde Stimmqualität durch den Gebrauch von mehreren Vocals-Spuren auszugleichen. Klappt prima. Der Song endet recht abrupt und macht Platz für Low Red Moon, einen wunderbar hypnotischen Ohrwurm, der irgendwo hinter seinen Bergen von monotonen Drums und Klampfen eine Stummfilmorgel mitflimmern läßt. Zu Feed the Tree muß, glaub ich, nicht mehr so arg viel gesagt werden. Es war ein Hit und dies zurecht. Full Moon, Empty Heart fängt auch erstmal nur mit Gitarre und Stimme an, lädt dann aber Bass und Drums zu einem hübschen Groove ein und entwickelt sich zu einem großen Song, in dem es wieder ein paar dieser leicht verstörenden Textpassagen gibt ("Out the window backwards"). White Belly finde ich nicht so spektakulär. Es ist kein übles Stück, aber es packt mich irgendwie nicht so wie der Rest der Platte. Untogether ist da schon eine ganz andere Geschichte. Wieder wird Tanya nur von ihrer Gitarre begleitet und erzählt zu einem wirklich tollen Lied durchgedrehte Geschichten von Schiffbruch mit Fröschen, Parties mit Vögeln, die auf ihrem Rücken nisten und kommt dabei noch zu der Erkenntnis "Sometimes there's no poison like a dream". Auf Star, dem Titelsong, darf die Rhythmus-Sektion immer noch nicht zum Spielen rauskommen, was dem Song aber keinen Abbruch tut und sich auf Sad Dress auch schnell ändert. Ein etwas sumpfig produzierter, schnoddrig abgelieferter aber gut swingender Song. Auf Stay, dem letzten Track, wird's dann fast hymnisch. Langsam, schlepend, mit jammernder Violine, klagenden Gitarren und klagenderem Gesang drückt der Song während seiner ganzen Dauer genau das aus, was der Titel besagt: "Bitte geh nicht weg!" Tut er dann aber doch, der Song, und eine absolut hörenswerte CD findet nach 50 Minuten ihr Ende.

Belly's zweiter Longplayer King wurde übrigens seinerzeit von einigen Kritkern gnadenlos zerrissen, was aber ungerechtfertigt war. Der einzige Nachteil von King ist, daß Bass-Ass und Namens-Ass Fred Abong durch Gail Greenwood ersetzt wurde. Die ist zwar Weltmeisterin im Posen, ist aber am Bass mehr eine Handwerkerin im Dienste des gepflegten Rock als eine Künstlerin. Die Songs auf King sind einwandfrei und wer von Star nicht genug kriegen konnte wird hier gut bedient (und hat die Scheibe wahrscheinich eh schon im Rack).

Tja, schade daß diese Klasse-Band sich nach nur zwei Alben wieder aufgelöst hat.

Spätbarocker Hochsommer

Ein schwerer Körper schreitet
durch einen großen Raum.
Gravität und Fieber,
Gegenwart und Flucht.
Streifen milchigen Lichtes
gleiten, tasten und streicheln.
Zwei Füße berühren
berühren nicht
berühren
den Boden.

Die Sonne betrachtet Häuser und Kirchen,
wärmt Sandstein, Kupfer und Holz.

Die langsame Welt duftet und lauscht
den Stimmen kleiner Tiere.

Ein Apfel fällt und
wird gefangen.

Türen stehen offen.

Thursday, February 01, 2007

Als ich neulich "Germanistan" sagte...

... da meinte ich natürlich eigentlich "Eurabien":
    "Vi måste vara öppna och toleranta mot islam och muslimerna för när vi blir i minoritet kommer de att vara det mot oss."
    "Wir müssen dem Islam und den Moslems gegenüber offen und tolerant sein, denn wenn wir eine Minorität werden, dann verhalten sie sich uns gegenüber auch so."


    Jens Orbach, Minister der sozialdemokratischen Regierung in Schweden.

Ach, was wird das schön, wenn wir endlich die Früchte der idiotischen Selbsterniedrigung, der kleinmütigen Identitätsverleugnung, der quasi-faschistoiden Political Correctness, der anbiedernden Multi-Kulti-Tümelei, der Tyrannei der Nettigkeit, des Siegeszugs der Lüge und der Diktatur des Relativismus genießen können. Ein englischsprachiger Kommentator hat diese Art von Europäischen Politikern zurecht als die neuen Marie Antoinettes bezeichnet:
    "Dann sollen sie doch Kebab essen!"

Wie wir so tief sinken konnten? Ich glaube, daß Ihr alle es wißt.

Ist doch wahr: Man kann sich nicht einmal mehr in Ruhe auf die Examen vorbereiten.

Monday, January 29, 2007

H I L F E !

    "Indess scheint die Umkehrung manchmal nicht stattzufinden, wenn man die Beziehung nicht genau, sondern mangelhaft ausdrückt. Wenn man z.B. sagt "der Flügel des Vogels", so lässt sich nicht umgekehrt sagen "der Vogel des Flügels". Jener Ausdruck "der Flügel des Vogels" ist nicht genau; denn nicht insofern es ein Vogel ist, wird der Flügel als der seinige genannt, sondern insofern er ein Geflügeltes ist; denn noch vieles andere hat Flügel, was kein Vogel ist. Wenn man sich deshalb genau ausdrückt, so findet auch die Umkehrung statt; so ist der Flügel der Flügel des Geflügelten und das Geflügelte ist durch den Flügel geflügelt. Manchmal muss man auch wohl ein Wort dazu bilden, wenn das der genauen Ausdrucksweise entsprechende Wort nicht vorhanden ist. Wenn z.B. Jemand sagt "das Steuerruder des Schiffs", so wäre dies kein genauer Ausdruck; denn das Steuerruder wird von dem Schiffe nicht als Schiff ausgesagt, da es auch Schiffe ohne Steuerruder giebt, und deshalb lässt sich des Ausdruck auch nicht umkehren; denn das Schiff kann man nicht das Schiff des Steuerruders nennen. Dagegen würde die Aussage wohl genauer sein, wenn man sich ausdrückte "das Steuerruder ist das Steuerruder eines Besteuerruderten", oder in einer sonst entsprechenden Weise; ein Name ist dafür nicht vorhanden. Wenn man sich in dieser Weise genau ausdrückt, so findet auch das Umkehren statt; denn das Besteuerruderte ist durch das Steuerruder besteuerrudert.

    (Aristoteles, Kategorien, Kapitel 7)

Ja, ganz genau! Das ist unter anderem Bestandteil meiner Ontologie-Prüfung am 12. Februar. Der Witz: Ich habe 130 A4-Seiten voll davon und jede Zeile kann in der Prüfung auftauchen. Der Ober-Witz: Was ich hier veröffentlich habe, ist noch verständlich.

Tja, ich geh' mich dann mal in den Schlaf weinen.

Sunday, January 28, 2007

Morgen...

... beginnt die Examens-Zeit. Ich studiere schon seit einiger Zeit fleißig, habe die letzten Tage im Grunde nur mit meinen Notizen und Mitschriften verbracht. Ab morgen wird's dann ganz grob und fies. Weiß nicht, ob - und wenn ja wie oft - ich mich hier melden werde. Schaut halt hin und wieder mal rein. Am 16. Februar habe ich die letzte Prüfung. Ab dann sollte auf "am römsten" wieder normaler Betrieb herrschen.

Alles Liebe,
Alipius

Thursday, January 25, 2007

Bekehrung

Heute, am 25. Januar, feiert die Kirche das Fest der Bekehrung des Heiligen Paulus. Wenn Ihr jetzt nicht spontan wißt, was genau da eigentlich passiert ist, müßt Ihr nur in Eurer Bibel das neunte Kapitel der Apostelgeschichte lesen.

Von mir gibt's eine Passage aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 15:
    "Ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben."
Ihr seht: Es ist nie zu spät. Nicht für einen, der die Kirche damals verfolgt hat und daher auch nicht für diejenigen, die heute meinen, ihr feindlich gesinnt sein zu müssen.

Alles Liebe,
Alipius

Noch ein Online-Spiel...

... von Amanita-Design: "The Quest for the Rest".

Dieses Spiel wurde für das choral-symphonische, fünfzigtausendköpfige Pop-Rock-Ensemble The Polyphonic Spree designed. Deren Webpage ist durchaus mal einen Besuch wert, da extrem trippig.

Das Spiel selbst ist in altbewährter Amanita-Tradition eine art "Mini-Myst" mit lustigen Creatures und hübschem Soundtrack.

Schaut's Euch mal an und verzweifelt nicht, wenn Ihr erstmal keine großen Fortschritte macht.

Monday, January 22, 2007

Wir Katholiken...

... haben ja bekanntermaßen ein recht ungestörtes Verhältnis zur Seligen Gottesmutter. Marienverehrung hat ihren angestammten Platz im Gebetsleben, und neben den klassischen Marianischen Antiphonen zählen viele der Marienlieder, die in unseren Gotteshäusern erklingen, zu den schönsten Kompositionen der Kirchenmusik. Eins meiner liebsten Stücke ist wohl "Freu Dich Du Himmelskönigin", eine Variante des "Regina Caeli". Da bleibt selten mal ein Auge trocken.

Nicht nur wegen seiner Melodie, sondern auch und vor allem wegen des Textes ist aber "Wunderschön prächtige" uneinholbar. Es wurde 1692 von einem der bekanntesten Österreichischen Barockdichter geschrieben. Dieser hieß Laurentius von Schnüffis und erhebt somit natürlich posthum Anspruch auf so ziemlich jeden in der Kategorie "Namen" zu vergebenden Preis. Hier also der Text des Liedes. Anschnallen!
    Wunderschön prächtige,
    hohe und mächtige,
    liebreich holdselige himmlische Frau.
    Der ich mich ewiglich,
    weihe herzinniglich,
    Leib dir und Seele zu eigen vertrau!
    Gut, Blut und Leben,
    will ich dir geben,
    alles war immer ich hab’, was ich bin,
    geb ich mit Freuden Maria dir hin.

    Sonnenumglänzete,
    Sternenumkränzete,
    Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt.
    Vor dem verderblichen
    Makel der Sterblichen
    hat dich die Allmacht des Vaters bewahrt.
    Selige Pforte
    warst du dem Worte,
    als es vom Throne der ewigen Macht,
    Gnade und Rettung den Menschen gebracht.

    Schuldlos geborene,
    einzig erkorene,
    du Gottes Tochter und Mutter und Braut,
    die aus der reinen Schar
    Reinste wie keine war,
    die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut.
    Du Makellose,
    himmlische Rose,
    Krone der Erde, der Himmlischen Zier,
    Himmel und Erde, sie huldigen dir!

    In diesem Jammertal
    rufen wir allzumal
    zu dir, o Mutter, aus Elend und Not.
    Aber vor allem gut
    halt uns in deiner Hut,
    wann Leib und Seele sich scheiden im Tod!
    Dann für uns streite
    und uns geleite,
    mächtige Jungfrau, zum Himmel empor,
    wo dich lopreisen die Engel im Chor.

Seufz! Wurde jemals zu Ehren der Seligen Gottesmutter fetter aufgetragen? Ich glaube nicht.

Alles Liebe,
Alipius

Sunday, January 21, 2007

Sant'Agnese fuori le mura

So heißt die Kirche, in der ich heute mit Max und Elias die Heilige Messe gefeiert habe. Denn erstens ist heute der Tag der Heiligen Agnes und zweitens wird an eben diesem Tag in eben dieser Kirche ein ganz spezielles Katholisches Zuckerstückchen geboten. Es werden nämlich die "Agnes-Lämmer" gesegnet, aus deren Wolle dann später von den Nonnen des Klosters Santa Cecilia in Trastevere die Pallien für die neu ernannten oder zu ernennenden Metropoliten gefertigt werden.

Das Pallium ist das Amtsabzeichen der Metropoliten der Lateinischen Kirche. Es ist ein ringförmiges, ca. 5-15 cm breites Band, eine Art Stola, und wird über dem Messgewand getragen. Auf das Pallium sind fünf schwarze oder rote Seidenkreuze gestickt. Diese symbolisieren die fünf Wundmale Christi. In die Enden auf der Brust und auf dem Rücken sind Bleistücke zur Beschwerung eingenäht. Im Pallium des Papstes werden drei der aufgestickten Kreuze mit Nadeln durchstochen, die an die drei Kreuzesnägel erinnern. Ursprünglich dienten diese Nadeln zur Befestigung auf dem Messgewand.

Früher wurden die Agnes-Lämmer noch vom Papst gesegnet. Heute war Kardinal Ruini Zelebrant. Elias hat konzelebriert und Max und ich standen auch im Chor mit den anderen Priestern. Als dann auf einer Trage, begleitet von Kindergesang, in langsamer Prozession zwei blumengeschmückte Körbe hineinbegracht wurden, in denen jeweils ein Lämmchen mit Blumenkranz auf dem Kopf saß und etwas erstaunt in die Runde blickte, da war da wieder dieses Wissen: Besser als Katholisch geht's nicht!

Und bevor jetzt alle PETA-, Robin-Wood- und Greenpeace-Aktivisten kollektiv einen Herzkasper kriegen: Beide Lämmer fielen während der Zeremonie nicht in Ohnmacht. Sie wurden nicht in Massentierhaltung großgezogen. Sie wurden immer proper gehätschelt und hatten gut Auslauf. Zudem wird den beiden Glücklichen nicht nur das Privileg zuteil, Wolle für die Pallien der Metropoliten zu liefern, sie werden wahrscheinlich auch in Priestermägen enden. Gelungener kann die Existenz einer körperlichen, animierten, empfindenden aber nicht vernunftbegabten Substanz doch kaum enden, oder?

Monday, January 15, 2007

Bamberger Wochen, Teil 1

Tag!

Mit diesem Beitrag eröffne ich also feierlich die "Bamberger Wochen" anläßlich des Bistumsjubiläums. Und gleich zu Beginn ein kleines Schmankerl:

Links abgebildet seht Ihr Papst Clemens II. Er ist der einizge Nachfolger Petri, der nördlich der Alpen begraben liegt, nämlich im Bamberger Dom. Sein Pontifikat dauerte nur neun Monate und 16 Tage. König Heinrich III entmachtete im Jahre 1046 gleich drei miteinander um die Nachfolge Petri konkurrierende Päpste und setzte den Bamberger Bischof Suidger an Heiligabend als Kirchenoberhaupt durch.

Suidger, der eigentlich aus dem heute niedersächsischen Hornburg stammte und erst sechs Jahre zuvor Bischof in Franken geworden war, folgte dem Ruf nach Rom nur ungern, denn sein Herz gehörte Bamberg, wie er kurz vor seinem Tod in einem Schreiben erkennen läßt. Dort bezeichnet er die Stadt als "geliebteste Tochter Gottes" und seine "süßeste Braut". Folglich sein Wunsch, nicht in Rom, sondern in Bamberg seine letzte Ruhestätte zu finden.

Um den Tod des Papstes ranken sich wilde Leegenden. Clemens II. stand am Beginn der mittelalterlichen Kirchenreform und wollte gemeinsam mit König Heinrich, den er in einer ersten Amtshandlung zum Kaiser krönte, vor allem mit der Simonie Schluß machen. Sowohl sein abgesetzter Vorgänger, Benedikt IX., als auch der römische Adel, in dem Clemens II. aufräumen wollte, hätten schon ein Motiv gehabt, die Amtszeit des Papstes künstlich zu verkürzen. Bei einer Untersuchnug der Überreste des Leichnams nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bleiablagerungen gefunden und die Spekulationen schlugen hoch. Allerdings konnten diese Ablagerungen auch von bleihaltigen Trinkgefäßen stammen. Weitaus besser erhalten als der Leichnam war übrigens die prachtvolle Amtstracht des Papstes. Auf dem Bild seht ihr die Pontifikalstrümpfe, die man im Diözesanmuseum in Bamberg bestaunen kann.

Fundstück der Woche



"Du, Schatzi, ich hab' mein Brillenetui im Auto vergessen! Kannst Du's mal eben rausholen?"