Tuesday, May 27, 2008

Ohne Ende...

Armer Bischof Schwarz!

Vor drei Tagen hab ich mich ja ein wenig über die tobenden Laien in der Diözese Linz amüsiert. Da die Erfahrung lehrt, daß dort, wo einmal die Aufmerksamkeit der Medien geweckt ist und man sich im Glanz der TV-Beleuchtungstechnik sonnen kann, die Wellen sich nicht so schnell legen, bin ich ein wenig am Ball geblieben und habe die Geschichte weiter verfolgt.

Noch am Tag meines ersten Beitrags fand ich auf kath.net einen Artikel über einen gewaltigen Ausrutscher: Die sogenannten Jugend-Katechesen, die der Linzer Bischof alle zwei Monate in der Krypta des Domes gibt, werden nämlich von den Rabatzlern der Katholischen Jugend organisiert. Nun hatten einige Linzer Jungendliche angekündigt, sie wollten sich bei der Katechese am 24. Mai mit ihrem Bischof solidarisch zeigen und sein Anliegen um die Treue zu Rom, zur Weltkirche und zur kirchlichen Lehre unterstützen.

Das geht natürlich nicht. Die KJ setzte ein Schreiben (Abbildung links, zum Vergrößern klicken) auf, in welchem man sich "vehement gegen die Instrumentalisierung und die Vereinnahmung zu Kundgebungszwecken" wehrte. Für sowas gibt's schließlich Bischofshöfe. Wie man lesen kann, widersetzt sich die KJ nicht nur klar den Anordnungen des eigenen Bischofs, sondern ist obendrein auch noch frech genug, dem Oberhirten indirekt Sabotage vorzuwerfen und die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens als "aktueller denn je" zu bezeichnen. Kinders! Aktuell ist ein Stummfilm!

Ober-Knüller: Das Schreiben trägt die Überschrift "Wir können unmöglich schweigen (Apg 4,20)". "Können" schon, "wollen" aber nicht. Im Geiste wird Bischof Schwarz der KJ aber sicherlich schon mit dem vorangehenden Vers 19 geantwortet haben:"Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst."

Heute dann das Sahnehäubchen, ebenfalls auf kath.net zu lesen: Die Stimmung wird von Seiten der Laien weiter angeheizt, indem man zum täglichen Glockenläuten gegen den Bischof aufruft. Schluchz. Das ist ja alles so schön einfach. Wenn ein katholischer Bischof seiner Lehre (und sicherlich auch seinem Gewissen) folgt und deswegen nicht stramm auf Linie ist, dann wird halt die mediale Brechstange ausgepackt. Super, liebe "katholische" Jugend. Wie heißt es doch in dem Protestschreiben? "Es geht uns als kj oö darum, im Dialog zu bleiben..." Dialog? Ich würde so gerne ans Scham- oder Ehrgefühl appelieren...

Stattdessen etwas zur Erbauung: Dieses nicht grade unelegante Photo von Bischof Ludwig Schwarz, der mir alleine schon wegen dieses Absatzkicks sympathischer ist, als all die "Wir wären so gerne Kirche"-Hippies zusammen:

Der brave Herr Alipius...

... muß in den nächsten drei Wochen gar fleißig studieren. Sieben Examen stehen an und da muß die Nase halt hin und wieder auch mal in die Bücher. Deswegen wird es auf "am römsten" - wie immer zur Examenszeit - vielleicht ein wenig ruhiger zugehen. Wir werden sehen...

Monday, May 26, 2008

Glückwunsch nach Heiligenkreuz!

Die Zisterzienser des Stiftes Heiligenkreuz im Wienerwald haben es doch tatsächlich geschafft: Nachdem sie den von Universal Records ausgerufenen Choral-Wettbewerb gewonnen haben, ist ihr Debüt-Album "Chant - Music for Paradise" nun auf Platz 9 in den Britischen Albumcharts eingestiegen.

Biretta ab, liebe Heiligenkreuzer!

Wie jetzt?

Jedesmal, wenn ich von der Marssonde lese, taucht der Begriff "Leben" auf.

Warum ist das Leben auf anderen Planten so fesselnd, wenn wir hier auf der Erde nicht genug von den diversen Möglichkeiten bekommen, das Leben zu beenden (vorzeitig oder auch nicht)?

Das kürzeste Rochett


Engelbert Kardinal Sterckx (1792-1867), Erzbischof von Mecheln.

Saturday, May 24, 2008

Hüben und Drüben

Dieser Artikel ist leider in englischer Sprache geschrieben. Ich übersetze mal schnell und dreckig die wichtigsten Punkte:
    Burkes Bemühungen führen zum zahlreichsten Priesterjahrgang seit Jahrzehnten

    Ein- oder zweimal im Jahr schaut jeder Student des Kenrick-Glennon-Seminars in Erzbischof Burkes Residenz vorbei und geht dann von dort mit dem Bischof über die Lindell Avenue zum Forest Park...

    Die Spaziergänge bieten den jungen Männern die Gelegenheit für vertrauliche Gespräche, in deren Verlauf sie auch die persönliche, menschliche Seite von Burke kennenlernen.

    Kenrick-Mitarbeiter organisieren die Spaziergänge, indem sie Zeitpläne aushängen, in welche die Studenten sich eintragen können. Der Andrang ist groß. "Es ist so, als ob du Futter in einen Fischteich wirfst" sagt Seminarist Edward Nemeth, 26. "Die Jungs stolpern förmlich übereinander, um ihren Namen auf die Liste zu kriegen."

    Am Samstag wird Nemeth mit acht anderen Seminaristen zum Priester geweiht. Es ist die zahlenmäßig größte Priesterweihe in der Erzdiözese St. Louis seit 25 Jahren.

    Erzbischof Burke wird angerechnet, daß er Probleme, die junge Männer vom Verfolgen ihrer Berufung abhalten könnten, offen anspricht. Er ist in der Priester-Rekrutierung aktiv und kennt die Seminaristen - ihre Namen, ihre Lebensgeschichten, ihre Freuden und Ängste. Er besucht auch häufig das Seminar und schaut hin und wieder überraschend zum Mittagstisch vorbei. "Er ist das Zentrum und die Quelle dieser ganzen Sache," Sagt Rev. Michael Butler, der Berufungsdirektor der Erzdiözese.

    Das Kenrick-Glennon-Seminar peilt im nächsten Jahr 120 Seminaristen an. Dies wären doppelt soviele Stundenten wie noch vor einem Jahrzehnt.

    Offiziell schreibt die Erzdiözese den Erfolg einer höheren Macht zu. Immer mehr Männer vernehmen wieder den Ruf und folgen ihm. Aber Erzbischof Burke leistete eifrige Hilfe, indem er die Berufingsfrage zur Priorität machte, als er 2004 in St. Louis eintraf. Aber es ist nicht nur Burkes direktes Eingreifen, welches als Grund für den Erfolg genannt wird. Auch die Tatsache, daß er konservativ ist, spricht junge Seminaristen an. Da junge Männer, die heute einer Beufung folgen, in der Regel konservativer sind als ihre Altersgenossen, können sie mit dem Erzbischof leicht eine Verbindung herstellen. Die Seminaristen reden offen darüber, daß sie Burke als ihren spirituellen Vater betrachten und begrüßen die traditionsbewußte Atmosphäre, die der Erzbischof in der Diözese und im Seminar bevorzugt. So ist Burke zum Beispiel einer der großen Unterstützer der tridentinischen Messe, die seit vergangenem Jahr jeden Freitag im Seminar zelebriert wird. Auch wird bei Morgen- und Abendgebet nun auf formellere Kleidung geachtet. Burke sagt, daß solche "kleinen Dinge" hilfreich sind, um eine "starke Identität bei den Seminaristen zu kreieren."

    Der Erzbischof spielt aber die Vorstellung, er sei die Hauptattraktion, herunter: "Ich bin nicht losgegangen und habe nach traditionsverbundeneren Männern gesucht. Die kommen von alleine. Wenn mir die Jungs sagen, daß sie meiner Führung vertrauen, sage ich ihnen, daß sie hierherkommen sollen, weil sie der Erzdiözese dienen wollen, nicht mir."

    Edward Nemeth erinnert sich, daß Burke, als er nach St. Louis kam, versprach, das Seminar zum Herzstück der Diözese zu machen. Nemeth glaubt, daß Burke dieses Versprechen eingehalten hat und dadurch für die Seminaristen "wie ein Vater" ist. Für Nemeth war das erste Jahr im Seminar das schwierigste, da 2002 die Mißbrauchs-Affäre hohe Wellen schlug. "Ich war so wütend auf die Priester. Egal wo ich hinging, ich fühlte mich immer wie unter einem Mikroskop: 'Ist das vielleicht einer von denen?'" Nemeth sagt, daß die Art und Weise wie Erzbischof Burke in den folgenden Jahren mit Kontroversen fertig wurde, ihm Kraft gab. "Er steht für die Wahrheit ein, auch wenn er weiß, daß es nicht leicht wird und wir wissen, daß er uns unterstützen wird, wenn wir dies eines Tages tun müssen."
Soviel aus den USA.

Jetzt ab nach Österreich.

Dort hatte Bischof Schwarz wenige Tage nach dem Papstbesuch ein Schreiben verfaßt, welches die in der Diözese offenbar weit verbreitete Praxis der Laienpredigten während der Eucharistiefeier untersagt, bzw. welches an das Verbot der Laienpredigten während der Eucharistiefeier erinnert, denn es ist nicht so, als seien diese Predigten je gestattet gewesen. Nun wurde kürzlich in Linz auch noch die Laientaufe unterbunden. Die Reaktionen auf beide Verbote sind einigermaßen grotesk: Da zettelten etwas 100 Studenten der Linzer Theologischen Hochschule eine Demo gegen die Anordnungen ihres Bischof an. Offenbar wird in Linz gelehrt, daß Laienpredigt ein unveräußerliches Recht ist und daß die Laientaufe auch gespendet werden kann, wenn kein schwerwiegender Ausnahmefall vorliegt. Die Demo - die gleich mal mit gedachtem Diademgriff zum Schweigemarsch aufgebläht wurde - hatte als Ziel den Bischofshof. Bischof Schwarz wollte kein kompletter Spielverderber sein, so empfing er dann erst einmal mit einigermaßen gefaßtem Lächeln die Aktivisten (und natürlich rudelweise Presse). Ein Vertreter der bunten Schar überreichte dem Bischof dann erst einmal ein Schreiben, welches "unsere Sorgen und Anliegen" enthielt. Es folgte eine Einladug an den Oberhirten "nicht nur als unser Bischof, sondern auch als unser Bruder im Glauben mit uns gemeinsam für einen fruchtbaren Weg in unserer Diözese zu beten"...

Ein von der kirchlichen Lehre abweichender Theologiestudent lädt einen Bischof als "Bruder im Glauben" zum Gebet? Spätestens hier galt Bischof Schwarz meine ganze Bewunderung. Es macht scheinbar eben doch einen Unterschied, ob man die christliche Botschaft und die kirchliche Lehre ganz vertritt (und somit dem Rotzlöffel nicht mal eben eine Breitseite verpaßt, die sich gewaschen hat), oder ob man sich die Rosinen aus Bibel, Katechismus und CIC rauspickt und den Rest dann selbstgerecht als "verknöcherte Strukturen" oder "unzeitgemäße Formen" zu verkaufen versucht.

Naja, das gemeinsame Gebet gestaltete sich dann gar absonderlich: Zuerst wurde einmal woodstock-gerecht ein Tuch auf dem Boden ausgebreitet und darauf eine Kerze plaziert. Dann folgten die Fürbitten. Ich schalte hier mal einen Link, da es erstens nicht zu beschreiben ist und da es zweitens eh keiner glaubt, der es nicht gesehen hat: "Dazu segne uns Gott, unser Vater und unsere Mutter..."

Bischof Schwarz blieb glücklicherweise locker, schob den Protestlern 30 Sekunden Kurzkatechese rein ("... im Interesse unserer gemeinsamen Mutter Kirche, der wir alle angehören seit der Taufe, und wo wir eben unseren Beitrag leisten wollen für einen guten Fortgang, für die Ausbreitung des Reiches Gottes und für ein Leben aus dem Geist des Evangeliums...") und ließ einen Haufen konsternierter und "das gibt's doch nicht"-ender (vor allem) Damen zurück, von denen einige wohl schon gehofft hatten, als gültig geweihte Priesterinnen der katholischen Kirche den Heimweg anzutreten.

Sorry, liebe Studis, aber so macht man keine Kirche, auch wenn man der festen Meinung ist Kirche zu sein.

Zwischentöne

Der Spiegel veröffentlichte in Ausgabe 19/2008 einen Bericht über Kardinal Meisner.

Sieben Wochen zuvor gab es einen Artikel über ein christliches Begegnungszentrum, welches die Katholische Kirche in der Türkei - am Geburtsort des Heiligen Paulus - errichten möchte.

Aus dem "Begegnungszentrum"-Artikel:
    "Für den Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke etwa wäre der Bau in Tarsus 'ein überaus wichtiges Symbol'. Jaschke, in der Deutschen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog zuständig, will natürlich keinen simplen Handel Kirche gegen Moschee. Aber dann fügt er listig hinzu: 'Es würde sehr der Akzeptanz der Türken in Deutschland dienen, wenn auch in der Türkei ein Zeichen der Akzeptanz der Christen entstünde'.
Seit wann ist gesunder Menschenverstand 'listig'? Und wenn Jaschkes Äußerung schon als listig gilt, wie sollen wir denn dann die Einflußnahme einer radikal-islamischen Organisation wie Hisb ut-Tahrir in deutschen Moscheen nennen? Ich hoffe, der Spielgel sieht hier des Bischofs Listigkeit als eine positive Eigenschaft, die einem schamlosen und hinterlistigen Ausnutzen westlichem Großmutes durch brettharte "Demokratie, nein danke!"-Moslems gegenübersteht. Immerhin betreibt der Artikel im weiteren Verlauf dann keine Augenwischerei, was die Toleranz in der Türkei betrifft:
    "Obwohl die Zahl der Christen erheblich dezimiert wurde, wird von islamistischen und nationalistischen Kräften eine vollkommen überzogene Furcht vor 'christlicher Mission' geschürt. Sowohl der türkische Geheimdienst wie auch die Armee und die Sicherheitskräfte der Polizei verbreiten Horrornachrichten über die Christen in der Türkei. So veröffentlichten die Streitkräfte einen Bericht mit dem Titel 'Missionarische Aktivitäten in unserem Land und in der Welt', in dem vor der 'Gefahr von Konvertiten' gewarnt wurde. Gouverneure, Sicherheitschefs und Bildungsdirektoren der Provinzen wurden aufgerufen, gemeinsam gegen 'missionierende Christen' vorzugehen."
Uuuuuhhh! Die Angst geht um! Die seit 1920 im Bevölkerungsanteil der Türkei auf wundersame Art von 20% auf 0,1% zusammengeschrumpften Christen wollen missionieren! Was für'n Glück, daß wir in Deutschland bereits 3000 Moscheen haben, in denen schon dafür gesorgt wird, daß dem Kreuzfahrerpack bald die Falschheit seiner Wege vor Augen gehalten wird.


Aus dem Bericht über Kardinal Meisner:
    "Im Fall des Kölner Erzbischofs hat sich der Dämon Mühe gegeben, als wollte er des Teufels Kardinal kreieren. Kaum einem anderen Kirchenmann entschlüpfen so viele Fehlleistungen. Homosexualität sei etwas, was man 'ausschwitzen' müsse, sagte er einmal. Man darf ihm glauben, dabei nicht an die Lager gedacht zu haben. Das macht es nicht besser."
Orthographische Feinheiten und berechtigten Horror einmal außen vor lassend, bin ich nur bedingt der Meinung, daß es das nicht besser macht. Denn immerhin wird hier - im Sinne eines älteren "am-römsten"-Artikels - geoffenbart, wo das eifernde Bewahren-Wollen auch stattfindet: Der Spiegel sagt selbst, daß man dem Kardinal glauben darf, hier nicht an die Lager gedacht zu haben. Also müssen es die Zuhörer gewesen sein, die die Konnotation hineinbrachten. Wessen Verstand ist demnach mehr von vorgefertigten Konzepten blockiert? Wessen Flexibilität ist demnach stärker durch das Festklammern an überlieferte "Unwort"-Urteile gehemmt?

Oberflächlich betrachtet könnten einem diese Fragen schnuppe sein, sind wir Deutschen doch tatsächlich dazu verpflichtet, ein gewisses Fingerspitezngefühl zu demonstrieren. Wenn dann aber der Spiegel-Artikel über den Kardinal mit dem Satz
    "Für die liberale Öffentlichkeit ist er ein Feindbild."
beginnt, lohnt sich weiteres Nachdenken. Wird beim "ausschwitzen" nicht, wie so oft, einfach nur auf Knopfdruck reagiert? Und wenn Meisner der Buhmann sein soll, dem man Naivität im Umgang mit der Sprache unterstellen will, sollte dann die "liberale Öffentlichkeit" nicht zumindest den ehrbaren Versuch starten, nicht selbst in die Falle der Naivität gegenüber dem gesprochenen Wort zu tappen? Ich bin mir sicher, daß Meisners Homosexualität-Urteil für viele Menschen auch ohne den Pseudo-Nazi-Beigeschmack bedenklich genug ist. Da ist es für mich entweder eine Frage der Intelligenz oder der Fairness, ob man die "Fascho"-Keule auspackt oder steckenläßt.

Wenn Ihr Euch jetzt fraget, was die beiden Artikel eigentlich miteinander zu tun haben:
    "Meisner setzt sich für den Bau einer Kölner Moschee ein. Kein deutscher Bischof hat mehr für die deutsch-polnische Aussöhnung getan."
Manchmal glaube ich, daß Etiketten wie "konservativ" oder "liberal" durch weniger verallgemeinernde Bewertungen ersetzt werden sollten. Meisner ist sicherlich nicht immer auf der Höhe der Diplomatie oder der Geschicklichkeit. Aber wer ihn deswegen pauschal verdammt, enthüllt doch nur genau den Mangel an Eigenständigkeit und Flexibilität, der eigentlich uns mittelalterlichen Pfaffen vorbehalten sein sollte.

Thursday, May 22, 2008

Der längste Tag und der schönste Abend

Uff! Ich bin geschafft. Ich bin heute zwischen 14:00 und 22:00 Uhr bei nicht eben gemäßigten Temperaturen insgesamt ziemlich genau 22 Kilometer durch Rom gelaufen.

Zuerst hatten wir einen weiteren Gig mit unsrem Archäologiekurs. Es ging zur Kirche Sant'Agnese fuori le mura, in der järlich am 21. Januar die Agneslämmer gesegnet werden. Ich ging danach gar nicht wieder heim, sondern schlenderte gleich zur Lateranbasilika, wo um 19:00 der Heilige Vater eine Freiluft-Messe zelebrierte. Nach der Messe folgte eine Fronleichnams-Prozession zur Basilika Santa Maria Maggiore. Und dann mußte ich ja auch wieder zurück zur Piazza San Salvatore in Campo. Da der Herr Alipius erstens noch gar nicht müde ist und zweitens weiß, was er den treuen Lesern schuldet, gibt's vor dem Heia-Machen noch ein paar Bilder vom Tag:


Archäologie-Trip: Hier stehen wir inmitten der Mauern der alten Basilika, die früher auf dem Friedhof stand, auf welchem auch die Heilige Agnes ihre letzte Ruhestätte fand. An den Wänden des langen und breiten Treppenweges, der in die zur Hälfte unter dem Straßenlevel gelegenen "neuen" Kirche (7. Jhdt.) führt, kann man eine uralte Marmorplatte sehen, die von Papst Damasus I (366-383) als Verzierung an Agnes' Grab angebracht wurde. Agnes wurde im Jahre 304 enthauptet, also ist ihre Abbildung auf der Marmorplatte noch recht zeitnah. Man sieht ein junges, pausbäckiges, schlichtes römisches Madel. In der Kirche selbst sieht man in der Apsis ein Mosaik aus dem späten 7. Jhdt. Auf diesem gleicht Agnes einer byzantinischen Prinzessin. Witzig, wie die Legenbildung auch auf die Kunst Einfluß nimmt.


Der bärtige Herr ist Professor Ditton. Er unterrichtet Patristik, die diversen Kirchengeschichten (alte, mittelalterliche und neuzeitliche) und eben auch christliche Archäologie. Er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der größte Sprücheklopfer unter den Angelicum-Profs und es vergeht keine Stunde, in der nicht wenigstens geschmunzelt, wenn nicht gar gegackert wird (und dabei lernt man bei Prof Ditton auch noch richtig was).


Und auch heute war das Wetter erst einmal durchwachsen. Noch bis kurz vor 14:00 Uhr herrschte Blitz, Donner und Regen. Doch als ich das Haus verließ, um mich auf den Weg zu Sant'Agnese zu machen, war plötzlich die Sonne da. Von circa 16:00 - 17:00 Uhr gab es nochmal einen kräftigen Schauer. Das war genau die Zeit, die wir in der Kirche waren. Als wir rauskamen, strahle schon wieder die Sonne. Nur diese schöne, stolze Wolke lungerte noch ein wenig am Himmel herum. Für den Rest des Tages blieb es dann trocken (wegen der Papstmesse, denke ich mal).


Auf dem Weg von Sant'Agnese zur Lateranbasilika machte ich kurz in San Bernardo alle Terme Zwischenstop. Das war dem Löwen von Münster seine Titelkirche.

Clemens August Kardinal Graf von Galen wurde am 18. Februar 1946 von Papst Pius XII in das Kardinalskollegium aufgenommen. Als Kardinalpriester wurde ihm die Titelkirche San Bernardo zugeteilt. Von dieser hat er leider nicht viel gesehen, verstarb er doch bereits am 22. März 1946 an einem Blinddarmdurchbruch. Ich sah vor vielen Jahren eine Fernsehdokumentation über den Kardinal. Er kehrte am 16. März 1946 - seinem 68. Geburtstag - nach Münster zurück, wo ihm ein grandioser Empfang bereitet wurde. Im Fernsehbericht wurden Photos und Filmaufnahmen gezeigt, auf denen man den hünenhaften Kirchenfürsten vor dem Hintergrund der total zerbombten Stadt in voller Kardinalstracht auf dem Domplatz stehen sah. Dazu wurde eine Originalaufnahme der Rede eingespielt, die er aus diesem Anlaß hielt. Es war seine Letzte. Ich fand neulich Teile des Textes:
    "Es ist heute schon und in den letzten Tagen davon gesprochen worden, daß Gott der Herr mich gestärkt, mich berufen und gestärkt hat, in den vergangenen Jahren manchmal laut und deutlich zu sprechen über Dinge, von denen zu sprechen gefährlich war. Und ich habe es getan, weil es meine Pflicht war. Ich habe es getan, weil ich glaubte, damit meinem Volk und meinen Diözesanen den besten Dienst zu erweisen. Ich habe es getan aber auch, weil ich wußte, daß ich nicht für mich und meine Person allein sprach, sondern daß ich berufen und berechtigt war, für Hunderte und Tausende zu sprechen, die hinter mir standen und nicht sprechen konnten. Eure Liebe und Treue, meine lieben Diözesanen, haben auch das von mir ferngehalten, was vielleicht mein Verhängnis, aber auch mein schönster Lohn gewesen wäre, daß ich die Märtyrerkrone erhalten hätte. Eure Liebe und Treue hat es verhindert. Daß ihr hinter mir standet und daß die damaligen Machthaber wußten, daß Volk und Bischof in der Diözese Münster eine unzertrennliche Einheit waren und daß, wenn sie den Bischof schlugen, das ganze Volk sich geschlagen gefühlt hätte..."
Ich weiß nicht, ob ich mich richtig erinnere, aber ich meine, daß dem Kardinal, als er von der nicht erhaltenen Märtyrerkrone sprach, kurz die Stimme brach. Wird schon stimmen, meine Erinnerung, denn ich kann mich ebenfalls noch entsinnen, wie mir damals das Pipi in die Augen schoß.


Ein weiterer berühmter ehemaliger Kardinalpriester von San Bernardo ist Giuseppe Kardinal Sarto, besser bekannt als der Heilige Papst Pius X. Ihm wurde sogar ein kleines Seitenkapellchen eingerichtet.


Auf dem Weg zum Lateran kam ich auch an Santa Maria Maggiore, dem Endpunkt der Prozession vorbei. Dort standen bereits der Altar für die Benediktion und die Straßenabsperrungen. Millionen von Cops und Vatikanischen Platzanweisern spielten Crowd Control mit neugierigen Touristen oder viel zu früh eingetroffenen Gläubigen.


Entlang der Via Merulana waren viele Häuser für die Prozession geschmückt. Die religiösen Häuser hatten natürlich die Nase ganz weit vorne, so wie hier.


Auch der Lateranpalast hatte sich fein gemacht.


Das Bild ist zwar ein wenig verwackelt, aber ich konnte nicht widerstehen: Als ehemaliger X-Men-Fan (besonders die Phase in den späten 80'ern) muß ich beim Anblick einer habittreuen Brigittinerin einfach immer an Havok denken.


Aber zurück zum Spiel: Ich kam also am Lateranplatz an und der war natürlich gehörigst abgesperrt. Ich ging dann mal so da entlang wo alle anderen Soutanen- und Talartäger auch entlanggingen und grinste ganz lieb. Um den Altar rum gab es ein hochkompliziertes Sitzarrangement. Rechts vom Altar nah an der Kirche gab's die Plätze für die weltlichen VIPs. Auf derselben Seite, aber ebenerdig, saßen die Ordensleute (das sah ich dann aber erst viel später). Kardinäle, Bischöfe und Monsignori saßen in den ersten Reihen ganz vorne links vom Altar mit gepolsterten Kniebänken, wie es sich nun mal gehört. In den Reihen dahinter saßen eigentlich erstmal nur Priester. Aber da waren doch irgndwie noch einige Plätze frei. Also erkundigte sich der Herr Alipius mal ganz unschuldig bei einem dieser Ordner, die den Leuten die Plätze zuweisen. Es war ein älterer Herr, der meinen Habit ganz außerirdisch und interessant fand und mich daher viel weiter nach vorne zerrte, als ich es mich alleine getraut hätte. Da hatte ich dann nicht nur einen prima Blick, sondern traf auch gleich noch einige Bekannte (Hallo Jarek, Wojciech und Thomas!).


Vom Beginn der Messe bis nach der Kommunion habe ich die Kamera mal Kamera sein lassen. Aber diesen Schuß mußte ich einfach machen. Was Ihr hier seht ist leider ertens nicht so schön, wie in natura und zweitens auch nur noch der Rest von einer viel grandioseren Erscheinung: Ungefähr mit Beginn der Präfation schob sich (von meinem Platz aus betrachtet) eine weiße, plüschige Wolke hinter dem Lateranpalast hervor. Sie wurde von hinten von der Sonne angestrahlt, leuchtete daher wie Osram und hatte einen atemberaubenden orange-rosa Stich. Als die Schola das Sanctus anstimmte, begann sich in der Mitte der Wolke ein kleines, ovalförmiges Loch zu bilden, welches den Blick nicht auf den blauen Himmel dahinter, sondern auf das etwas dunklere Innere der Wolke freigab. Ich weiß nicht, wie viele Leute das sahen, und es dauerte auch nur ca. eine Minute bis die Wolke an der Stelle ganz entzwei war. Aber während der sechzig Sekunden, in denen ich mitten in der Wolke so etwas wie ein Auge sah und um mich herum tausendstimmig das "hosanna in excelsis" ertönte, wurden meine Knie doch ein wenig puddingähnlich.


Nach der Messe gab es dann die Fronleichnamsprozession. Ich marschierte mittendrin mit und konnte leider kein schärferes Photo als dieses hier schießen. Mann, war das schön, mit tausenden von Gläubigen und Priestern die Via Merulana entlangzugehen und dabei rechts und links haufenweise Menschen zu sehen, die die Lieder mitsangen und die Gebete mitsprachen.


Vor Santa Maria Maggiore hatten die Ehrengäste bereits Platz genommen, als wir eintrafen.


Der Herr und sein Knecht: Auf einer von einem Pick-up gezogenen Plattform kniet Papst Benedikt XVI vor der Monstranz mit dem Allerheiligsten. Ich habe nach dieser Aufnahme die Kamera wieder weggepackt. Benediktion und so.


Ich war früher nicht selten mal auf Rockkonzerten. Wenn ich aus der Halle kam, war ich immer wie betäubt. Erstens, weil die Mucke natürlich irrsinnig laut war. Zweitens, weil ich meine "Helden" live gesehen hatte. Drittens, weil ich für ca. zwei Stunden inmmitten der anderen Fans so ein "Wir sind alle eine Famile"-Gefühl hatte. Wenn ich dan zu Hause ankam, wollte ich nur noch schlafen.

Heute gab es keine irrsinnig laute Mucke, sondern Gesang und Gebet. Ich habe meinen Gott live gesehen und ich war für ca. zwei Stunden mit meiner Familie zusammen. Daher ist mir jetzt noch war ums Herz und ich will irgendwie so gar nicht schlafen, sondern lieber durch die ganze Welt rennen, um allen Leuten die beiden ganz einfachen Antworten auf die beiden ganz großen Fragen zu geben:
    "Erstens: Ja, er existiert. Zweitens: Katholisch werden."

Wednesday, May 21, 2008

Der leiwandste Bischof

"Leiwand" ist österreichisch für "prima, knorke, astrein, töfte, klasse, toll, ..." und wird gesteigert, indem man "ur-" davorsetzt. Dieser Bischof ist aber mehr als "urleiwand", daher das Prädikat "am leiwandsten".



Es handelt sich um den Spanier Orlando Arce Moya, der nach einer Karriere in einer chilenischen altkatholischen Splitterkirche von Johannes XXIII in den Schoß der Una Sancta aufgenommen wurde. Daß knorkige an der Geschichte ist, daß der Bischof nicht nur in einem Club die Drums drescht, sondern daß er dabei Soutane, Zingulum und Zucchetto trägt.

Der Unterschied

Habe ich heute in Moraltheologie gelernt:
    "In Frankreich ist alles erlaubt, was nicht schwarz auf weiß verboten ist.

    In Deutschland ist alles verboten, was nicht schwarz auf weiß erlaubt ist.

    In Italien ist alles erlaubt, besonders, was schwarz auf weiß verboten ist."

Na so was!

Mein Angelicum-Kumpel JP Sonnen hat doch tatsächlich auf seinem Blog ein Photo vom Herrn Alipius gepostet. JP "sammelt" sämtliche Ordenstrachten, die man in Rom so sieht. Ich gab ihm also mal ein Bild von mir im Habit, welches er nun veröffentlicht hat. Sein Kommentar:
    "This photo comes to us from our personal favorite: the Augustinian Canons of Klosterneuburg..."
Wow! Danke, JP!

Schreibfäule

Seit zwei Tagen ist es in Rom schwülst drückend und feucht. Stundenlanger Regen mit Blitz und Donner wird hin und wieder mal von 60 Minuten Sonne abgelöst. Der Vogelmist stinkt zum Fenster hinein. Die Schmeißfliegen ekeln sich vor dem Abfall. Auf der Tastatur wächst grün-blauer Schimmel. Maden tummeln sich im Laufwerk. Der Monitor ist von Spinnweben überzogen. Aber mir geht's gut.

In der Klasse meinte heute einer von den NACkern: "It's raining cats and dogs!"

Stimmt.

Monday, May 19, 2008

Als ich noch ein Bub' war...

... wollte ich so sein, wie Indy.

Gestern gab's in Cannes die Premiere des 4. Indiana-Jones-Films. Die Reaktionen der Kritiker sind gemischt, so las ich. Bei Rotten Tomatoes gibt es allerdings laut aktuellem Stand 78 Prozent positiver Kritiken für "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels". Selbst wenn's weniger wären: Ich lasse mir diesen Trip zurück in meine Jugend nicht entgehen.


Ich denke, es ist würdig und recht, sich an dieser Stelle an die ersten drei Indy-Filme zu erinnern.

Ich war grade mal pimpfige 13, als "Jäger des verlorenen Schatzes" auf die Leinwand kam. Mit 13 ist man in der Regel über kommende Kino-Attraktionen noch nicht so richtig informiert. Kumpels meinten, das sei ein Film, den man sich angeblich nicht entgehen lassen darf. Wir also nix wie ins nächste Kino. Es war ein nicht enden wollendes "Wow!" und "Boah!" und "Eyyyy!" und "Coooooooooool!" begleitet entweder von schallendem Lachen oder heftigst in die Sitzlehnen gekrallten Fingern. Wenn ich micht richtig erinnere, so erklärte ich "Jäger des verlorenen Schatzes" nach der Vorstellung erst einmal spontan zu meinem absoluten Lieblingsfilm. Und natürlich ist die Mama aller Indy-Filme auch noch heute ein Streifen, den ich mir immer wieder gerne ansehe. Es stimmen einfach alle Zutaten: Eine fesselnde Story. Ein Held, den man unmöglich nicht mögen kann. Ein Gegner, der so böse ist, wie das Böse eben böse sein kann. Rasante Aktion. Knisternde Spannung. Klasse Effekte. Ein Hauch von Romanze (der uns 13-jährigen Rotznasen damals selbstverständlich nur ein "Uäh!" abnötigte). Und jede Menge unerwachsener Spaß. Und dann ist da natürlich noch die Gesichts-Schmelz-Szene, die heute zwar ultra-hausbacken ist, 1981 aber so dermaßen zombig wirkte, daß wir uns fast unter die Sitze verkrochen. Dieser Film ist ein Klassiker und zählt mit Recht zu den besten Action/Abenteuer-Streifen aller Zeiten.

11 von 10 möglichen Punkten



Nach "Jäger des verlorenen Schatzes" hieß es erst einmal warten. Nein, nicht unbedingt auf die Fortsetzung (von der ich damals noch gar nicht ahnte, daß sie gedreht wurde), sondern auf einen Film, der mich ähnlich packt. Als dann langsam aber sicher klar wurde, daß ein zweiter Indy-Film kommt, wurde ich zappelig. Im Jahre 1984 war es dann endlich so weit: "Indiana Jones und der Tempel des Todes". Bitteschön, wer fragt mit 17 nach einem Plot? Action wollten wir und Action bekamen wir bis zum Platzen. Wir fanden Indies kleinen Sidekick alle doof, aber nur, weil wir ihn heimlich beneideten. Dann waren da die igittigen Insekten und der noch viel igittigere Herzensdieb und das allerigittigste Affenhirn auf Eis. Überhaupt: Einerseits war der Film noch alberner als "Jäger des verlorenen Schatzes", andererseits verbreitete er aber diese doomig-finstere Atmosphäre im Tempel. Naja, jedenfalls hat auch der "Tempel des Todes" für uns voll funktioniert. Alleine schon die Anfangsszene mit Gift und Gegengift und einem wilden Prügel-o-Rama zu flotter Musik. Herrlich! Dennoch: "Tempel des Todes" ist für meinen persönlichen Geschmack der Schwächste der drei Indie-Filme.

8,5 von 10 möglichen Punkten (eigentlich 9, aber 0,5 Punkte Abzug für überflüssige Hysterie bei Kate Capshaw (das Blondchen) und Jonathan Ke Quan (der Kurze)).



Fünf Jahre später ging ein großes "Aaaah!" durch die Kinosäle. Sean Connery und Harrison Ford als Dad und Junior! Was für eine Spitzen-Besetzung! Im dritten Teil der Indy-Saga, "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug", legt sich Professor Jones wieder mit den Nazis an und hat dieses Mal seinen knurrigen Vater dabei. Die Beiden Mischen die Menge richtig nett auf. Zwischendurch haben sie es sogar mal auf dieselbe Schönheit abgesehen. Connery's Albernheiten mit Denholm Elliot sind zum Schießen. Zum Ende hin wird's sehr pop-mystisch und etwas geigenschwanger. Trotzdem: Dieser Film kann alles. Man darf nicht vergessen, daß man beim Zuschauer das Gefühl, ein Spaß- und Staunen-Wunderwerk wie "Jäger des verlorenen Schatzes" zum ersten Mal zu sehen, einfach nicht wieder reproduzieren kann. Daran gemessen ist der "letzte Kreuzzug" klasse, bietet er doch genau die Zutaten, die den ersten Indy-Film so unvergeßlich machten auf eine Art, die trotzdem mitreißt. Bis hin zur Message: Wenn du nicht rein bist, dann laß die Flossen von den Heiligen Dingen, sonst schmilzt du!

10 von 10 möglichen Punkten



Ich kann mir nicht vorstellen, daß Indy 4 so richtig richtig richtig funktioniert, aber ich lasse mich diesbezüglich gerne eines Besseren belehren. Schaumermal.

Willkommen...


... in Neapel.

Was im Artikel nicht gesagt wird, ist, daß die Mafia auch dick die Finger im Spiel hat, und daß die Neapolitaner sich bereits seit Jahren erfolgreich gegen eine weitere Deponie oder Verbrennungsanlage außerhalb der Stadt wehren. Jetzt haben sie halt die Deponie in der Stadt.

Gruselig.

Sunday, May 18, 2008

Das ist einfach zu schön...

(Mit einer Entschuldigung an alle Nicht-Englisch-Sprecher)



Hier zwei Übersetzungen:
0:52 - 0:58
Er: "Mann, meine Blase ist voll!"
Sie: "Ich sorge mich momentan nicht um ihre Blase."
Er: "Klar."

1:42 - 1:54
Sie: "Das war wirklich gut. Sind sie Tänzer?"
Er: "Nee, ich bin nur besoffen."
Beide: "Ahhh...!"
Sie: "Hände gegen das Fahrzeug!"

Saturday, May 17, 2008

Unmenschen

Kaum war Amstetten am Tageslicht, ging in den Medien gleich die Mutmaßung los, inwieweit es sich beim "Horror-Vater" Josef F. noch um einen Menschen handelt.

Jetzt lese ich heute:
    Wien (AFP) - Die Opfer des Inzest-Dramas in der österreichischen Kleinstadt Amstetten werden mit zunehmender Rücksichtslosigkeit von Fotografen belagert, die sich mit Bildern von den Misshandlungsopfern eine goldene Nase verdienen wollen. Wie die Tageszeitung "Österreich" berichtet, wurde in der Nacht zum Freitag ein Fotograf erwischt, der sich auf den Balkon des Krankenhausgebäudes hieven wollte, in dem die 42 Jahre alte Elisabeth F., fünf ihrer Kinder und ihre Mutter psychiatrisch betreut werden.

    Auch ein Mitglied des Klinikpersonals von Amstetten-Mauer habe trotz eines ausdrücklichen Verbots ein Foto eines Familienmitglieds aufgenommen und versucht, es für 300.000 Euro zu verkaufen, berichtet das Blatt.
Tja, wo sitzen denn nun die Unmenschen? Ist es Josef F.? Sind es die Fotografen, die um jeden Preis einen gelungenen Schnappschuß von den Opfern schießen wollen? Sind es die Redaktionen, die den Fotografen solche Schnappschüsse abkaufen (auch wenn sie sich, wie in diesem Beispiel, als Musterknaben hinstellen und das Geschehene anprangern)? Sind es die Zeitungsleser und Fernsehzuschauer, die sich solche Bilder angucken? Aber warum gucken sie sich solche Bilder an? Besteht in der Tat eine Nachfrage nach möglichst akkuratem Splatter oder tränenfeuchten Wangen in Großaufnahme? Oder schaut man es sich an, weil es eben angeboten wird?

Schwierig, schwierig, schwierig. Über den kaputten Josef F. muß ich nicht auch noch urteilen. Das haben die Weltpresse und das Blogiversum bereits erschöpfend getan. Den Fotografen würde ich aber schon gerne ein zünftiges "Schämt Euch, Ihr Säcke!" mit auf den Weg geben. Was die Zeitungsredaktionen betrifft, werden sie ihr "Josef F., die Bestie / der Unmensch / das Tier"-Geschreibe an ihrer Berichterstattung messen lassen müssen (Wow, drei Verben mit Doppel-S hintereinander). Den Lesern und Guckern rate ich: Lebt Euer eigenes Leben und zieht Euch nicht an plakativen Blut- und Tränen-Berichterstattungen hoch.

Kackwelt, manchmal.

Eine sanfte Anklage

Ich weiß, man sollte vorsichtig sein mit dem Jammern über materielle Verluste, wenn gleichzeitig der Tod von Abermillionen von Menschen zu beklagen ist. Trotzdem drängt sich mir die Frage auf, ob es notwendig oder zielführend oder grundsätzlich eine gute Idee war, ein Schloß, welches nach dem Zweiten Weltkrieg noch so ausgesehen hat...






... quasi über Nacht in das hier zu verwandeln:





So geschehen im Jahre 1947 in Goszcz (Goschütz), Südpolen. "Junkernland in Bauernhand" hin, "Krieg den Palästen" her: Das Niederbrennen, Verwüsten oder Zerstören hunderter, völlig intakter, oft noch komplett eingerichteter Schlösser nach dem Zweiten Weltkrieg war eine oberunreife Nummer, liebe Rote Armee.

Ich hab's ja eigentlich nicht so mit "modern"...

... aber als ich Takeshi Miyakawa's Schubladen-Set "Fractal 23" sah, stand mir erstmal eine halbe Stunde der Mund offen.

Viel cooler geht's nun wirklich nicht.

Was wäre wenn...

... Chrales M. Schulz die Watchmen gezeichnet hätte?


Ganz klar: Es wären die Watchpeanuts geworden!

Gefunden bei Evan Shaner

Wochenende

Hallo zusammen!

Es ist Samstag-Mittag und das Wetter ist (noch) prima. Ich habe grade meine Semesterarbeit für das Fach "Einführung in die Weltreligionen" fertiggeschrieben. Thema: Der Fußballsport als religiöse Tradition. Wie es dazu kam? Der Professor ließ uns die Wahl zwischen einem mündlichen Examen und einer 10 bis 15 Seiten langen schriftlichen Arbeit, in welcher wir eine Religion anhand ihrer Charakteristiken darstellen. Ich ging dann nach der Stunde zu ihm und fragte, an welche Religionen er denn so denke. Er meinte: "Alle, nur nicht deine. Das wäre zu einfach. Von mir aus Atheismus oder auch Fußball." Da machte es 'Bingo' und ich stürzte mich in die Arbeit. Und es hat Spaß gemacht. Nicht nur, weil man das Thema mit einem gewissen Augenzwinkern behandeln kann, sondern auch, weil es wirklich ein riesiges Feld ist, das sich im Rahmen einer Semesterarbeit eigentlich überhaupt nicht anständig beackern läßt. Immerhin fand ich genügend Material, um ein 13 Seiten langes Papier zusammenzustellen. Somit wäre also eines von acht Examen schon mal vom Tisch. Ab dem 3. Juni wird es dann heiß: Sieben weitere Examen in zwei Wochen.

Jetzt nehme ich mir für den Rest des Wochenendes frei und spaziere durch Rom, bis der (schon angekündigte) Regen kommt.

Alles Liebe,
Alipius

Thursday, May 15, 2008

Hammer-Seite

Die Seite ist zwar schon seit einiger Zeit online und diverse Blogger haben auch bereits darauf aufmerksam gemacht; aber zu so einer klasse Webpage kann nicht oft genug verlinkt werden: Dieter Philippi präsentiert auf seiner Homepage eine unglaubliche Bildersammlung klerikaler Kopfbedeckungen. Von uns allen bekannten Hüten, Mützen und Kronen bis hin zu "Wie bitte?"-Dingern: Wenn es auf den Kopf paßt und zur Tracht eines Priesters gehört, dann findet ihr es auf dieser Seite. Hier ein paar Bilder als Teaser:







Empfehlenswert ist auch ein Besuch auf der Seite mit den klerikalen Feinheiten. Dort gibt es momentan Schuhwerk, Handschuhe, Pektorale inkl. Schnüre, Fascia undsoweiter. Ich hoffe, daß die Seite weiterhin ausgebaut wird. Es ist ein echtes Schatzkistchen.

Auf dem Aventin

Hier noch einige Bilder vom heutigen Tagestrip zum Aventin.

Getroffen haben wir uns in einem Park neben der Kirche Santa Sabina. Hier kann man am Ende der Allee die Kuppel des Petersdoms sehen. An den Rändern der Grasflächen stehen groß bedruckte Schilder, die in italienischer Sprache das Betreten des Rasens untersagen. Klar, daß also vor lauter Liebespaaren, Frisbeespielern und sonnenbadenden Tippelbrüdern kaum noch ein Stückchen Grün zu sehen ist, weil, man ist ja Italiener und so.


Katzen dürfen den Rasen ganz offensichtlich nicht nur betreten, sondern werden zur Belohnung auch noch durchgefüttert.



Anthony, links, Diözesanpriester aus den USofA und der Schotte Ambrose, Norbertiner aus London.


Santa Sabina vom Park aus gesehen


Im Vorraum der Kirche kann man durch ein verglastes Loch in der Wand den Baum sehen, unter dem der Heilige Dominikus während seiner Rom-Jahre oft gesessen und gebetet hat.


Santa Sabina ist eine der ganz frühen Kirchen Roms. Ergo schichtete sich im Laufe der Jahrhunderte (speziell im Barock) im Inneren eine ganze Menge Schmuck an. Während des ersten Weltkriegs wurde das Gotteshaus "in seinen ursprünglichen Zustand" zurückversetzt, sprich: Gold und Marmor raus, Grau und Braun rein. Naja, ich übersah bei meinem ersten Besuch die Sakramentskapelle, die noch frech im Farbenkleid prunkt und in der heute dieses schöne Licht herrschte. Wieso ich eine ganze Kapelle übersehen habe? Ich war zur Stationsmesse da und die Kirche platzte so dermaßen aus allen Nähten, daß ich nicht groß herumwandern konnte.

Der Herr Alipius hat sich neulich auf seine Sonnebrille gesetzt. Seitdem hängt der rechte Bügel irgendwie im Outback rum. Trotzdem war man so nett, aus der Hüfte dieses Bild von mir zu schießen.

Ein Blick - Drei Staaten


Heute haben wir mit dem Archäologie-Kurs eine Exkursion zur Kirche Santa Sabina auf dem Aventin gemacht. Dort oben findet man auch den Sitz des Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem genannt von Rhodos und von Malta, sprich: des souveränen Malteserordens. Nach der Vertreibung von Malta im Jahre 1798 siedelte der Orden sich 1834 in Rom an, wo er Exterritorialität genießt. In Rom gibt es zwei "Palazzi Malta", einen an der via Condotti, einen auf dem Aventin. Letztere ist Sitz des Groß-Priors und bietet einen hübschen, weltbekannten Blick: Wenn man durch das Schlüsselloch des Portals in den Garten schaut, sieht man, eingerahmt von Hecken, genau die Kiuppel des Petersdomes und hat somit drei Staaten im Blick. Italien, den Vatikan und eben den souveränen Malteserorden.

Mein Photo ist bei strahlender Sonne durch das Schlüsselloch geschossen und daher nur mittel-aufschlußreich, daher gibt's hier noch ein aus dem Netz gezogenes Profi-Bild, was Euch den schönen Blick etwas feiner präsentiert:



Es ist schon schön, die ganzen Dinge, von denen ich früher immer nur las, nun mit eigenen Augen zu sehen.

Wenn es nicht so wahr wäre...


... könnte man glatt kichern.

Tuesday, May 13, 2008

Eines der besten Alben der 80'er!

Ginge es auf der Welt immer mit rechten Dingen zu, dann wären die Pale Fountains so richtig groß rausgekommen. Ihr auf finsterste Art ignoriertes Debut-Album "Pacific Street" aus dem Jahre 1984 hätte bei korrekter Chart-Verabreichung den 80'er-Pop vielleicht noch grade rechtzeitig vom Killervirus der Synthie-Bläserfanfaren, Elektro-Drums, Pseudo-Funk-Bässe, Vokuhila-Frisuren und weißen Lederjacken heilen können. Allein, es sollte nicht sein, und so durfen noch im selben Jahr Jermaine Jackson und Pia Zadora ungestraft zu "And when the Rain begins to fall" herum-madmaxen. Schluchz.

Egal: Ich bin nicht hier um zu weinen, sondern um auf ein ganz besonders edles Stück Populärmusik aufmerksam zu machen. Also los. Die Vinyl-Version des Albums hat 11 Songs, eine neu herausgegebene CD-Version bringt es auf ganze 21 Tracks. Ich werde mich an meine CD halten, ein 90'er Re-Issue mit 15 Stücken.

Irgendwann im Sommer 1984 bekam ich Besuch von einem Kumpel. Der schob ein Tape in meine Anlage und meinte "Hey, bei deinem Musikgeschmack gefallen dir diese Jungs garantiert!" Ich ging noch am selben Nachmittag los und erjagte mir das Album.

Die Pale Fountains hatten 1984 die Nase ganz weit vorne. Michael Head, Oberfountain und Songwriter, schüttelt auf "Pacific Street" jede Menge Überraschungen aus dem Ärmel. Alleine die instrumentierung ist schon recht ungewöhnlich. Da findet man z. B. Trompete, Querflöte, Steeldrum und Cello. Musikalisch geht es sanft los. Der Opener Reach beginnt mit ungefähr einer Minute Bongos, Gitarrenakkorden und leisem Gesang, bevor dann die Post abgeht. Gitarre, Bass und Drums brettern durch eine klassische Upbeat-Songstruktur, die mit feinen Trompeten- und Keyboardtupfern wirkungsvoll garniert ist. Is there something I should know? fragt Michael Head im Titel und im Chorus des zweiten Songs. Yup, there is! Dieser Tune ist oberfein! Einem leich überdramatisierten Gitarrengeschraddel ("Olé!") folgt eine ganz zarte Strophe mit Perkussion, Saitengezupfe und Klaviertröpflein. Der anschließende Chorus ist reinste Wonne, mit lässigen Drums, flächigen Keyboards und Ohrwurmgarantie. Nach dem zweiten Refrain wird's dann noch schicker: Die Drums ziehen durch, ein Bass tanzt mit und Trompeter Andy Diagram legt ein zauberhafters Solo hin. Unless heißt das dritte Stück. Es beginnt mit viel Perkussion und diesen witzigen Keyboards, die irgendwie menschliche Stimmen imitieren sollen oder wollen. Dazu wird von Einsamkeit gesungen, dies aber nicht unbedingt aufgesetzt. Im Sehnsuchts-Chorus wird erneut die Trompete ausgepackt. Im zweiten Durchlauf werden dann noch ein paar Spuren Gezupfe und Sequenzer draufgesetzt, wodurch die Komposition noch an Schwere gewinnt. Das Gewicht kommt aber gleich wieder runter, wenn Southbound Excursion beginnt. Perlig gezupfte Gitarren und leichtfüßiger Gesang münden in einem zuckerreichen Refrain mit Querflöte, Cello und Schneebesen-Drums. Meine Schwester und ich nannten den Song immer das Herr-Rossi-Lied ("Ja, Herr Rossi sucht das Glück. Sucht man es, so fehlt ein Stück..."). Es folgt Natural, ein trashiges Pop-Gewitter mit bratziger Klampfe, Bar-Piano und ungefähr 35 Yeah-Yeahs und Ows zuviel, aber wer beklagt sich. Der Song geht immerhin gut ab und macht wirklich Laune. Faithful Pillow (Part I), Track #6, ist ein schönes und kurzes Instrumentalstück. Der nächste Song, (Don't let your Love) start a War, ist ein eingängiges und ambitioniertes Mini-Epos mit viel Gitarre, Hall-Trompeten und rascheligen Drums, ganz tanz- und mitsigbar. Dann kommt der Teil der Scheibe, der die Gelehrten streiten läßt. Manche Leute sagen, es geht bergab. Ich bin nicht nur nicht dieser Meinung, sondern vertrete auch die entgegengesetzte: Es geht bergauf! Zugegeben, die Lieder sind beim ersten Hören stellenweise nicht mehr ganz so eingängig und gradeheraus. Aber wenn man die Platte 24 Jahre lang besitzt und immer wieder mal anhört, dann merkt man plötzlich, wo einem die richtig guten Freunde begenen: Zwischen den Tracks 8 und 15 (wenn man die CD mit den vier Extra-Songs hat). Beyond Fridays Field startet mit anderhalb Minuten Trompete, zu der sich Gitarre und Bongos gesellen. Dann schimmern, wenn der Song eigentlich losgeht, plötzlich Steeldrums durch. Die Strophe plätschert zuerst unauffällig dahin, wird mit Zweitstimme und Flöte nochmals wiederholt, dann steigt ein "Lalala"-Chor mit ein und schon endet alles, wie es begann, mit Trompete und Steeldrums. Ich wußte zuerst nicht, was ich mit diesem Lied anfangen soll. Jetzt gehört es auf die Scheibe wie Nutella aufs Frühstücksbrot. Abergele next Time schraubt den Burt-Bacharach-Faktor hoch. Es ist ganz und gar perkussive Lässigkeit mit Piano, flirrendem Streicherzeugs, raschelnden Drums und einem prima Mitwipp-Chorus. Es geht weiter mit Crazier. Auch hier knarzen im Intro kurz die Percussions, bevor die Steeldrum das Ruder an sich reißt. Die erste Strophe ist ganz schlichtes aber wunderbar stimmiges Bass-Gitarre-Drum Handwerk, auf welches sich im zweiten Durchlauf Streicher, Keyboards und Drumbreaks pflanzen. Dann kommt ein wild gemischter Instrumental-Teil, in dem die Instrumente nicht so richtig wissen, wohin. Die letzte Strophe endet in einem Tutti-Brei, nach welchem der Song sanft ausläuft. Faithful Pillow (Part II) ist eine etwas längere und daher lohnendere Version von Part I, ebenfalls instrumental. Mit Palm of my Hand beginnt der "inoffizielle" Extra-Teil der CD. Es ist ein oberstarker Song, flott, swingend, mit frechen Trompeten-Breaks, Streicher-Watschen und prima Background-Vocals. Es schwingt irgendwie eine Lust auf Leben, Licht und Liebe mit. Keine Ahnung, wie ich es genau beschreiben soll. Geliebt wird auch im nächsten Track, Love's a beautiful place, allerdings nicht poppig-tanzbar sondern Cocktailbar-lässig mit gelengentlichem Fingerschnippen und geziemend gedämpfter Trompete. Wenn Meadow of Love beginnt, fängt man erstmal an zu meckern: "Ey! Die wiederholen sich ja nur noch!" In der Tat klingt das Lied zuerst nicht neu, sondern wie eine Mischung diverser vorangegangener Songs. Aber dann kommt zum ersten Mal diese Bridge mit den fetten Streichern, der kurze aber ohrwurmige Chorus und vor allem die Querflöte im anschließenden Instrumental-Teil und plötzlich ist es doch ein nicht nur ganz eigenes, somdern ein richtig gutes Stück, in dem später auch das Klavier ein kleines Solo spielen darf. Tja, und dann halt Thank you, welches ich ja schon einmal als Video gepostet habe (siehe Link). Barry Manilowsche Schmalzschichten noch und nöcher sollten eigentlich jeder ambitionierten 80'er-Combo umgehend die Credibility rauben. Nicht so bei den Fountains. Die ziehen das Ding gnadenlos durch und ich freu mich drüber.

Ich starte mal einen neuen Service und verlinke in Zukunft bei Plattentips immer gleich zu Amazon. Nicht, weil ich mit denen einen Provisions-Deal habe, sondern weil die Scheiben, die ich vorstelle, in der Regel nicht auf Bäumen wachsen. Wer also interesse an den Pale Fountains haben sollte, der klicke bitte hier. Der Link führt zur 21-Titel-Version des Albums. Ihr kriegt also noch mehr, als ich hier beschrieb. Achtung: Es ist ein Import und daher ein wenig kostspielig. Aber glaubt's mir, Leute: Die CD ist jeden Cent Wert!

Geschenkt

Am Anfang war das Geschenk. Zumindest für mich. Mir wurde das Leben geschenkt. Neun Monaten des behaglichen Durchgefüttertwerdens in der schallgedämpften Dunkelkammer des Mutterschoßes folgten bis jetzt 39 Jahre eines bunten, abwechslungsreichen Wuselns, welches überwiegend schöne Erinnerungen gestattet. Dieses Wuseln wiederum fand und findet statt in einem weiteren Geschenk: Der Welt, wie Gott sie schuf, wie ich sie kenne, wie ich sie mag, wie ich sie zu verstehen versuche. Und die Welt selbst? Einheitlich einerseits, doch auch aufgeteilt in eine unüberschaubare Anzahl verschiedenster weiterer Geschenke: Glaube, Familie, Mitbrüder, Freunde, Blaumeisen, Seidenraupen, Maiglöckchen, Amethysten, Barockkirchen, Syllogismen, Psalmen, Summa Theologica, Pontifikalvesper, And also the Trees, Erdnußbutter, Chartreuse-Likör, Charles Dickens, Groundhog Day, Anti-Schuppen-Shampoo, Nasentropfen undsoweiter...

Heute ging es während der Vorlesung in Moraltheologie unter anderem um das Thema "Nachwuchs". Die Abtreibung wurde ein wenig durchleuchtet und natürlich als nicht korrekt bewertet (Gedankenspiele der Marke: "Aber was ist, wenn die Abtreibung das Leben der Mutter rettet?" wurden außen vor gelassen, da das Prinzip des doppelten Effektes bereits im Ethik-Unterricht behandelt wurde). Professor Giertych erwähnte dann so im Vorübergehen, daß Leute, die das Kinderkriegen als ein absolutes Recht betrachten, das Kind schon vor der Geburt in eine Art Konsumgegenstand verwandeln. Natürlich soll keinem Ehepaar der Wunsch nach Nachwuchs verweigert werden. Aber die künftigen Eltern sollen das Kinderkriegen eben nicht als ein absolutes Recht betrachten. Ich überlegte ein wenig hin und her und es leuchtete mir ein: Der Aspekt des Lebens als ein Geschenk geht verloren, weil man ja nicht wirklich einen legalen Anspruch auf ein Geschenk erheben kann. Aber man kann und darf sich ein Geschenk wünschen. Deswegen heißt es wohl auch "Kinderwunsch" und nicht "Kinderkauf".

Und wenn man das Geschenk gar nicht haben will? Es mag Menschen geben, die Anderen absolut unnütze und obendrein auch noch unappetitliche oder grottenhäßliche Geschenke machen. Trotzdem landen diese Geschenke wohl erst nach reiflicher Überlegung und einigen Gewissensbissen im Müll. Wahrscheinlich werden sie aber einfach irgendwo weit hinten im Schrank aufbewahrt. Wenn der Schenkende eine gänzlich fremde Person oder ein ganz entfernter Bekannter ist, dann kann es vielleicht auch vorkommen, daß der Briefbeschwerer aus pinkfarbenem Kunststoff in Form eines Hundehaufens auch gleich im Abfall landet. Von den Extremfällen einmal abgesehen: Wenn jemand ein Geschenk bekommt (egal ob von mir oder von einer anderen Person), dann wünsche ich, daß er oder sie es in Ehren hält. Dies nicht, weil ich mich um den Stolz des Schenkers sorge, sondern weil es lehrreich und heilsam ist, wenn Menschen, die etwas besitzen, was sie nichts gekostet hat, nicht so tun, als sei es nichts Wert.

Was ist an dem Geschenk des im Mutterleib heranwachsenden Lebens unnütz, unappetitlich oder häßlich? Grund für eine Abtreibung ist doch in der Regel das Erscheinen zur unpassenden Zeit, das "Ich brauche..." des Kindes, welches dem "Ich will..." der Mutter widerspricht.

Zu der legitimen, sich auf Extremfälle beziehenden Frage "Was, wenn durch den Tod des Kindes das Leben der Mutter gerettet werden kann?" läßt sich eine wenigstens ebenso legitime, sich auf bedeutend weniger extreme Fälle beziehende Frage stellen: "Was, wenn durch den Verzicht der Mutter das Leben des Kindes gerettet werden kann?"

Monday, May 12, 2008

Am Ziel - und doch erst am Anfang

Nachdem ich gestern nach meiner späten Ankunft in Rom nur noch flott das Bild vom Southpark-Regularkanoniker gepostet habe, gibt's jetzt auch die Bestätigung im Wort: Das Kapitel des Stiftes Klosterneuburg hat meinen Mitbruder Daniel und mich zur Ewigen Profess zugelassen. Wir haben natürlich gleich nach der Entscheidung im kleinen Kreis ein wenig gefeiert. Die Ablegung der Profess mit offizieller Gratulation und Feier erfolgt aber natürlich erst am 28. August.

Tja, schwer zu sagen, wie ich mich jetzt fühle. Einerseits gar nicht soooo anders, da heute ja schon wieder Uni war und ich angesichts der heranrollenden Examenswelle bereits den Tunnnelblick kriege. Andererseits doch wieder ganz anders, da ich jetzt auf unmißverständliche Weise die Bestätigung erhalten habe, daß man sich im Stift eine Zukunft mit mir sehr gut vorstellen kann. Das freut mich riesig! Denn - das hat wohl jeder treue am römsten-Leser bereits mitbekommen - ich konnte mir vom ersten Tag an eine Zukunft mit dem Stift und im Stift mehr als gut vorstellen. Prima also, daß das Haus und ich da einer Meinung sind!

Während der vergangenen drei Jahre und neun Monate hatte ich natürlich ständig die Ewige Profess vor Augen. Also bin ich jetzt einerseits am Ziel angelangt. Andererseits stehe ich auch wieder am Beginn. Denn nun muß und möchte ich meinen Mitbrüdern zeigen, daß das Vertrauen, welches sie am vergangenen Donnerstag zeigten, berechtigt ist.

Tja, der Herr Alipius wird jetzt versuchen, die Examen mit Anstand über die Bühne zu bringen. Dann geht's Ende Juni zurück ins Stift. Es stehen noch vorprofessliche Exerzitien an. Außerdem möchte ich etwas Italienisch lernen. Schließlich muß ich noch ein wenig Fine-Tuning am neuen Layout unserer englischsprachigen Webpage machen. Die habe ich zwar im September letzten Jahres bereits fertig gestaltet, und die neue Version sollte auch schon längst online sein. Aber dann gab's natürlich eine Kritik-Runde und jetzt muß ich doch noch ein wenig basteln. Macht aber nix, denn ich friemle ganz gerne ein wenig mit HTML rum.

Vielen herzlichen Dank und ein dickes "Vergelt's Gott" für all eure Gebete!


Alles Liebe,
Alipius

Sunday, May 11, 2008