Friday, June 12, 2009

Priester

David hat einen schönen Artikel zum Thema "Priester" geschrieben.

Während der Lektüre fiel mir wieder etwas ein, das mich vor einigen Tage ein wenig in Unruhe versetzt hat. Auf einem tollwütig antikirchlichen und antiklerikalen Weblog aus Irland habe ich einen kurzen Artikel gelesen, der sich spöttisch mit dem nächsten Eucharistischen Weltkongress auseinandersetzt, der 2012 in Dublin stattfinden wird. Dieser sei deswegen radikalst abzulehnen, weil irischen Nonnen und Priester in der Vergangeheit Kinder in katholischen Heimen ruppig angepackt und sexuell mißbraucht haben.

Der Gedanke an sexuellen Mißbrauch von Kindern durch Priester ist für mich nur zu ertragen, weil ich mir einrede, daß es irgendwo in der Hölle einen besonders trostlosen Extra-Ort für diese Männer gibt. Aber ich hoffe nicht (oder bete gar), daß sie dahin kommen. Ich hoffe und bete, daß all die Priester, die Kinder vergewaltigen oder mißbrauchen, noch zu Lebzeiten eine Gelegenheit bekommen, dies wieder gutzumachen. Dieses Thema stimmt mich immer, wenn es mir begegnet, unendlich traurig.

Jetzt lese ich dieses irische Blog und es wird mit beiden Füßen über Absätze hinweg in die Kirche reingetreten, die ja momentan in Irland ohnehin am Boden liegt. Abgesehen von der in diesen Fällen von Seiten der Ankläger traditionell zur Schau gestellten Selbstgerechtheit, gesellt sich in diesem Text ein Ton hinzu, der so dermaßen von Genugtuung und Schadenfreude strotzt, daß mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf geht:

Das irische Weblog spricht sich - wie andere, vergleichbare Internetseiten - natürlich für eine säkulare und daher humane Gesellschaft aus. Ich frage mich nur, wo sie die Kompetenz hernehmen wollen. Denn ich zumindest habe noch keinen katholischen Priester oder Bischof getroffen (on- oder offline), der aus der Tatsache, daß Kinder von Priestern vergewaltigt wurden, eine solche Befriedigung seiner selbst, ja sogar schlecht verhohlene Freude gewinnt.

Daher meine Bitte an alle Katholischen Christen, die bei Kindervergewaltigung durch Priester genauso pissed off sind wie ich: Betet. Da haben wir alle mehr von. Klar, selbstgerechtes mediales Geplärre ist schöner, weil es einem das Gefühl gibt, "wichtig" zu sein. Aber wäre "wichtig" nur ein Gefühl, käme "wichtig" nur aus dem Bauch, dann wäre ich nicht auf dem Weg, mich weihen zu lassen.

Also betet. Betet für die Seminaristen; betet für die Ordensleute; betet für die jungen Priester und die alten; betet für Euren Bischof, für alle Bischöfe und auch und besonders für den Papst; betet für den Frieden und die Einheit in der Kirche. Laßt Euch nicht einreden, daß das Gebet keine Bedeutung und keine Wirkung mehr habe. Fallt nicht auf die Leute rein, die Euch erzählen wollen, all das Grauen auf der Welt zeige, daß Beten nichts nutzt, ja, daß Gott nicht existiert. Wenn Ihr schon Zweifel braucht, dann denkt lieber darüber nach, ob Gott nicht all die Menschen, die sich in den letzten 60 Jahren dazu entschieden haben, immer weniger zu beten, so ernst nimmt, daß er ihren Rückzug in das gebetslose Dunkel und damit auch Ihr eigenes Sich-Abkapseln von seiner Gnade respektiert.

4 comments:

Stegi said...

Theodizee- schwieriges Feld.

Wenn es explkizit erhörte Gebete gibt- beinhaltet dieses nach den Gesetzen der Logik nicht auch die Existenz "nicht-erhörter " Gebete?

Wenn ja- nach welchen Kriterien wird erhört, bzw. ignoriert...und weshalb?
Wie kann ich differenzieren, was im Einzelfall passiert ist?

Maria Magdalena said...

Danke für diesen Kommentar. Insbesondere das Fazit "BETET" ist mir aus dem Herzen gesprochen.

Grüße vom Mariechen.

Alipius said...

@ Stegi: Ich habe im Artikel extra auf den Begriff "erhört" verzichtet, weil es keine nicht erhörten Gebete gibt. Gott ist allmächtig, also kennt er auch all unsere Gebete. Das Kriterium, welches das Erhörtwordensein unserer Gebete für uns spürbar macht, ist unsere Bereitschaft, sich für Gottes Gnade und Liebe zu öffnen und für das Gute, welches er ist und welches er uns anbietet, in unsrem Leben Platz zu schaffen.

Wir beten ja nicht, weil wir Gott verändern können. Vielleicht wollen Einige es oft, aber wir können es nicht. Die einzige Veränderung, die stattfinden kann und muß ist die, daß wir uns wirkich öffnen für diese Gnade und sie wirksam und fruchtbar werden lassen.

kalliopevorleserin said...

An dem Artikel stört mich ein einziger Satz. "Ich hoffe und bete, daß all die Priester, die Kinder vergewaltigen oder mißbrauchen, noch zu Lebzeiten eine Gelegenheit bekommen, dies wieder gutzumachen." - Das geht nicht! Etwas Böses bleibt immer böse, und kein Gebet und keine Buße kann es wieder gutmachen. Hoffen und beten kann man nur, daß die Täter bereuen und die Opfer verzeihen. Und, ja, das Gott verzeiht. Wovon ich in hohem Maße ausgehe.