Wednesday, June 24, 2009

Ein kurzes "Hallo!"...

So, Ihr lieben "am römsten"-Junkies!

Ich bin jetzt seit einer Woche wieder im schönen Stift Klosterneuburg und es ist wohl Zeit, mal ein Lebenszeichen von mir zu geben.

Erstmal meckern: Das Wetter? Kannste knicken! Dauerregen; landesweit schlagen erstens die Wellen der Flüsse und zweitens die Überflutungspanik hoch. Das ist verständlich, wird Österreich doch immer wieder von schweren Hochwassern heimgesucht (1991, 1997 und das "Jahrhunderthochwasser" 2002). Die Zeitung hat in ihren Wetter-Vorschau-Piktogrammen heute ein wenig Sonne beigemischt. Wollen mal abwarten.

Dann habe ich vorgestern mal eben einen Einbrecher im Stift überrascht. Ich bin nach dem Mittags-Chor nicht zu Tisch gegangen, sondern zurück ins Juniorat. Dort kam unsere Reinemachefrau ganz aufgeregt auf mich zu und fragte, ob wir momentan einen Gast mit Augenbrauen-Piercing hätten. Ich sagte "Nö" und fragte "Wo isser?" Sie sagte, er treibe sich irgendwo im Juniorat herum und war ganz aufgelöst. Ich bin dann mal durch die Räume und in der Juniorats-Küche stand dan tatsächlich so'n gepiercter, junger Labbes und ging durch die Regale. Er war hemdig genug um in mir keine großen Panik aufkommen zu lassen.

"Tach! Ich such'n Trinkglas." begrüßte er mich freundlich.

"Tach! Wer sind sie denn?"

"Ich bin der Sohn der Putzfrau."

"Richtig. Sie sind der Sohn unserer Putzfrau aus den Philippinen!"

"Nein! Quatsch. Der anderen Putzfrau."

"Ja, komm her, ich geb' Dir'n Glas!" Ich auf ihn zu, er nix wie weg, ich hinterher, aber: Talar! Das Ding verfing sich in meinen Beinen und ich leg mich so halb auf die Nase. Als die Stoffmassen endlich gerafft waren, hatte der Kerl schon zu großen Vorsprung. Mist.

Also ab zur Polizei zum Datenvergleich. Denn vor zwei Wochen war bereits schon einmal ein langfingriger Fremdkörper in unseren Hallen aufgetaucht. Der hat damals auch was mitgehen lassen. Ich fange also an, ihn zu beschreiben und der hilfreiche Gendarm winkt gleich ab. "Ja, das ist der gleiche Kerl! Beschreibung paßt." Verzweifelter Seufzer: "Warum haben sie den denn nicht festgehalten?" Ich erröte ein wenig. "Naja, Talar und schnell rennen..." Gestern erfahre ich dann, daß dieser Frechdachs doch tatsächlich an dem Tag, als ich ihn erwischte, morgens schon einmal im Haus war, erwischt wurde und abdampfte. Unglaublich. Naja, jetzt herrscht natürlich erhöhte Aufmerksamkeit im Haus.

Ich kann Diebe nicht ab. Klar, wenn ein Familienvater Nahrung oder vielleicht gar etwas Geld stiehlt, weil sonst zwei Kinder verhungern: Geschenkt! Aber so junges Volk, daß Geld für insgesamt drei Piercings und modische Klamotten hat, und dann in Klöster, in Pfarrhäuser oder bei alten Omis einsteigt, weil ein wenig Geld für die Disse oder ein paar E's her muß: Da bin ich unheimlich gut drauf zu sprechen und bekomm auch gar keinen roten Schleier vor den Augen. Sackpack.

Ansonsten bin ich natürlich ganz froh, wieder im Stift zu sein. Ich bin gleich mal als kleiner Hebdomadar eingeteilt worden (Anstimmen von Hymnen, Antiphonen und Psalmen beim Chorgebet, Ministrieren bei der täglichen Kapitelmesse), also bin ich schon wieder gut im Trott und habe mich auch an das Aufstehen um 5:30 gewöhnt. Die in Wien und Heiligenkreuz studierenden Mitbrüder haben alle noch ein paar Prüfungen vor sich, daher herrscht im Juniorat leichtes Zappeln und Zittern. Das habe ich natürlich vor einer Woche schon abgeworfen.

Wir werden in diesem Jahr fünf Novizen bekommen, was eine ganz anständig Zahl ist. Wir befinden uns eh seit einigen Jahren in der glücklichen Situation, daß die Nachwuchsrate die Sterberate übersteigt und wir uns daher ständig verjüngen. Ich bete immer ganz brav, daß es auch in Zukunft so bleibt.

Naja, da das Watter ja momentan nicht mitspielt, habe ich noch keine Photos gemacht (was ich mir eigentlich vorgenommen hatte). Wenn die Sonne mal wieder rausschaut, dann zieh ich los und knips Euch ein wenig was vom Stift und von Klosterneuburg.

Ach ja: Ladet Euch doch mal die Studie "Religiöse Sinnangebote im Web 2.0" (pdf) herunter und schaut auf Seite 64 (von 87) nach. ;-)

Laßt's Euch gut gehen, alles Liebe und bis bald!

9 comments:

Anonymous said...

Ein kurzes Hallo zurück! Das Wetter wird sicher noch besser - ansonsten werden Sie durch den römischen Herbst sicher entschädigt.

Was den Langfinger angeht: Treten Sie doch in die Fußstapfen eines illustren Vorgängers: Pater Brown.

Eine schöne Zeit im Stift
wünscht
G.

Olifant said...

Weiterhin einen schönen Aufenthalt im Stift!
Das Interview habe ich gelesen; die Studie werde ich bei Gelegenheit mal etwas mehr überfliegen.
Kann man bei hochgerafftem Talar eigentlich Fahrrad fahren?

Familie Cassian said...

Die haben Dich als Alpius vorgestellt, "tztztztz".
Willkommen in Österreich und ja, der Dauerregen nervt total!!!
Frau Cassian, die "Ab- und Zuleserin

Alipius said...

G: Danke! Pater Brown? Naja...

Olifant: Auch danke! Hab's noch nicht versucht (Fahrrad fahren mit Talar).

Cassians: Und nochmal danke! WAAAAS? Hab' ich gar nichrt gemerkt! Schande!

feline said...

Hört sich nach Abenteuerurlaub an. Ich finde das die Mitbrüder gut für Dich / Sie organisiert haben ....

Was das Wetter angeht...
Tja, Köln ist eine schöne Stadt ....und hier waren es sonnige 25 Grad.
:-)
Weiterhin viele schöne Erlebnisse!

feline said...

Hört sich nach Abenteuerurlaub an. Ich finde das die Mitbrüder gut für Dich / Sie organisiert haben ....

Was das Wetter angeht...
Tja, Köln ist eine schöne Stadt ....und hier waren es sonnige 25 Grad.
:-)
Weiterhin viele schöne Erlebnisse.

Elsa said...

Unglaublich, man kann dich nicht alleine lassen ... Stolpert über den Talar ... Hörmal, die Japaner haben diese eleganten Aikido-Hosenröcke, die sich auch in Kampfsituationen bewährt haben. Führt die mal ein, die sind AUCH schick.
Und generell: Diese "Piercing" - MEMMEN! Zu meiner Zeit hat man sechs Pils getrunken, eine Sicherheitsnadel durch die Feuerzeugflamme gezogen und dann ab durchs Ohr oder durch die Backe. Die Leute haben mittlerweile zuviel Zeit und zuviel Geld :)

Ihr braucht einen Klosterhund, glaub ich. Rent-a-Rasul?

PS: Aufhören zu bloggen kommt sowieso gar nicht in Frage.

zeitzubeten - Stefan said...

Willkommen "Alpius" in heimischen Landen!

Schön von den Klosterneuburger Novizen zu hören, auch (das von mir nur 20min entfernte) Heiligenkreuz ist ja sehr vorbildlich "bestückt", und Göttweig sollte doch einigermaßen gesegnet sein ??.

Zum Hochwasser - die Probleme sind leider noch nicht ausgestanden, also schließen wir die Betroffenen in unser Beten mitein...

Jetzt aber eine gesegnete Zeit im Sift
und viele Grüße,
Stefan

kalliopevorleserin said...

Sollen wir ab jetzt Father Brown zu Dir sagen?
Schöne Tage, Wochen, Monate.... Jahrzehnte wünsche ich.