Friday, August 31, 2007

Große Freude im Stift

In der vergangenen Woche hat es im Stift wieder richtig gebrummt. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der neuen Novizen und der Junioren, die ihre Ordensgelübde ablegten, belebten das Haus. Es war eine sehr schöne und trotz des Rummels irgendwie familiäre Atmosphäre.



Am Fest der Heiligen Monika haben wir in diesem Jahr vier neue Novizen einkleiden dürfen. Es sind von links nach rechts die Herren Konstantin (Norwegen), Florian, Anselm (beide Österreich) und Aegidius (nochmal Norwegen). Herzlich willkommen!



Von den sechs Novizen des vergangenen Jahres haben zwei uns verlassen. Die restlichen vier haben am Hochfest unseres Heiligen Ordensvaters Augustinus ihre kleine Profeß abgelegt. Hier seht Ihr von rechts nach links die Herren Quirinus (Deutschland), Gabriel (USA), Sebastian (Österreich) und Benedict (Deutschland). Für diese Vier gehen jetzt bald die Studien los. Gabriel wird nach Rom kommen, worüber Max und ich uns natürlich sehr freuen.



Ebenfalls zu Augustini haben Maximilian und Bruno ihre ewige Profeß abgelegt. Bruno, der bereits Priester ist, verläßt somit das Juniorat. Max bleibt uns bis zu seiner Weihe noch erhalten.



Und so sehen Noviziat und Joniorat des Stiftes Klosterneuburg im August 2007 aus: Gruppenbild mit dem Hochwürdigsten Hernn Prälaten Bernhard und Novizenmeister und Klerikerdirektor Anton (ganz links). Wir danken dem Heiligen Leopold, daß er so vorzüglich über seine Stiftungen wacht (auch in Heiligenkreuz gab's in diesem Jahr wieder reichlich Zuwachs: Sechs Novizen wurden dort aufgenommen). Ich bitte um Euer Gebet für unsere Gemeinschaft.


Ich bin jetzt dann mal weg auf Heimaturlaub und dann geht es noch für ein paar Tage nach Polen. Nächstes Lebenszeichen auf "am römsten" voraussichtlich in den späteren Septembertagen. Ich wünsche Euch einen schönen Restsommer!

Alles Liebe,
Alipius

Monday, August 20, 2007

Anleitung zum Selbstmord

Niederlande 1957:



Niederlande 2007:

In den Niederlanden hat der katholische Bischof Tiny Muskens (71) vorgeschlagen, alle Gläubigen sollten Gott künftig Allah nennen. Allah sei an sich ein ganz schöne Bezeichnung für Gott, sagte der Bischof von Breda nach Medienberichten vom Dienstag. Dies fördere das wechselseitige Verständnis zwischen den Religionen.
    Stimmt, in mir wird's schon ganz warm vor lauter Nettigkeit und plötzlich aufkeimendem Verständnis.
Muskens fügte hinzu: «Warum sollen wir nicht alle gemeinsam sagen: Wir nennen Gott fortan Allah?»
    Das würde Exzellenz sicher nicht verstehen, denn Exzellenz ist niederländischer Prälat.
Allah ist das arabische Wort für Gott im Koran. Besorgnissen der Gotteslästerung hielt Muskens entgegen: «Wir haben das erfunden, um darüber zu streiten.»
    Das kann er seinem "Gott" erzählen, wenn er nach seinem Tod mit ihm bei Schwefelduft und Seelengeschrei ein Schwätzchen hält.
Der Kirchenmann, der kürzlich aus Gesundheitsgründen seinen Rücktritt angeboten hat, räumte ein, dass die Einführung von Allah als Gottesnamen in der katholischen Kirche in absehbarer Zeit kaum Chancen habe. Aber in 100 oder 200 Jahren sei es durchaus denkbar.
    Natürlich, Exzellenz, denn dann gibt's in Europa ja auch keine Christen mehr (dank Bischöfen wie Ihnen).
Für seine Empfehlung beruft sich der Bischof auf seine Erfahrungen in Indonesien, wo er acht Jahre tätig war. In der Eucharistiefeier werde Gott dort Allah genannt: «Warum übernehmen wir das nicht.» Dies müsse gut vorbereitet und gründlich erwogen werden, denn es seien sehr viele Emotionen im Spiel.
    Nee? Echt jetzt?

Ernsthaft, was mußte in der Kirche eigentlich alles schiefgehen, damit so jemand Bischof werden kann?

Sunday, August 12, 2007

Wieviel ist dein Blog wert?

Technorati gibt die Antwort. Dank an Thomas, bei dem ich zuerst drauf stieß.


My blog is worth
'n Appel un'n Ei.
.

How much is your blog worth?

Saturday, August 11, 2007

Ich will ja nicht angeben...

... aber ich tu's jetzt halt doch mal. Weil's mich schlicht und einfach freut: Klosterneuburg ist eines der sieben "Weltwunder" Österreichs. Es ist sogar auf Platz eins gelandet. Ihr wißt, ich liebe das Stift, also gönnt mir ein paar Sekunden publik gemachter Freude! Ermittelt wurde alles von der Zeitschrift "Kurier" und ihren Lesern bzw. Interntteilnehmern.

Also: Hip Hip Hurrah!

Schönes Wochenende!

Sunday, August 05, 2007

Chorherren-Kongress in Vorau

Vor drei Wochen waren wir auf dem Chorherren-Kongress in Vorau. Dort kamen Augustiner-Chorherren aus aller Welt zusammen, sangen gemeinsam das Chorgebet (dies in fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein), feierten gemeinsam die Heilige Messe, lauschten Vorträgen zur Gegenwart und Zukunft von "Communio und Missio", machten Ausflüge und genossen grundsätzlich das bunte Durcheinander, das irgendwie doch geeint war.

Hier ein paar photographische Eindrücke:


Die wunderschöne Stiftskirche in Vorau


Die Herren Bruno, Clemens, Gabriel und Ambros (v.l.)


"Jedermann" einmal anders: nicht vor dem Salzburger Dom, sondern vor der Pöllauberger Kapelle: Die Herren Alipius, Gabriel und Daniel in sommerlicher Zivilkleidung (v.l.)


Wir haben auch Pöllau besucht. Dies ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstif, von dem natürlich die zuvor erwähnte Kapelle Pöllauberg ihren Namen hat, da sie auf einem Berg liegt und zum Stift Pöllau gehört. Das hier ist der Heilige Antonius von Padua, der vor seinem Übertritt zu den Franziskanern ein Augustiner-Chorherr war. In der Stiftskirche von Pöllau habe ich den Heiligen Antonius zum erten Mal in Chorherren-Tracht gesehen. Üblicherweise ist er ja als Franziskaner dargestellt.


Und noch eine Premiere: Da haben die doch in Pöllau tatsächlich einen Heiligen Alipius stehen, und zwar an einem dem Heiligen Augustinus geweihten Seitenaltar. Eine figürliche Darstellung des Heiligen Alipius habe ich bisher auch noch nie gesehen. Auf der anderen Seite steht der Heilige Possidius, der ebenfalls ein Freund des Augustinus war und die "Vita Augustini" schrieb.


Einen schönen Sonntag Euch allen!

Saturday, August 04, 2007

"Non serviam!", die Zweite

In der vergangenen Woche staunte ich noch über die verheirateten Priester, die das Magazin "Profil" präsentierte. Gestern schlage ich die "Presse" auf und finde eine Fortsetzung:
    "Pfarrer mit Kind muß gehen"
violint es mir im Österreich-Teil entgegen. Aus diesem Artikel zitiere ich nur zwei Sätze. Der Erste ist ein Zitat von einem Gemeindemitglied:
    "Wenn das die Belohnung dafür ist, daß ein Vater zu seinem Kind steht, ist der Sinn der Kirche für mich nicht mehr erkennbar."
Den übermäßig empfindungsbegabten unter meinen Lesern wird die Ironie vielleicht verborgen bleiben. Eine kleine Lösungshilfe ist das Zitat des Priesters, mit welchem der Bericht schließt:
    "Nicht zu meinem Sohn und seiner Mutter zu stehen, wäre für mich weder christlich noch menschlich gewesen."

Doch dieser "Presse"-Artikel war nur die Vorspeise. Denn heute lag auch die neue Ausgabe von "Kirche In" vor. Das in Wien publizierte 'ökumenische' Zentralorgan gegen all das, was in der Katholischen Kirche noch Katholisch ist, überbietet sich diesmal selbst. Ich hatte mir das Blatt eigentlich mitgenommen, weil auch hier laut Titel wieder mal der "Pflichtzölibat" auf dem Prüfstand steht. Ihr wißt schon: "Pflichtzölibat" im Gegensatz zum freiwilligen Zölibat, den es ja in der Kirche scheinbar auch gibt. Jedenfalls kam ich dann gar nicht bis zur angepeilten Seite 24, auf welcher der Zölibats-Bericht beginnt, weil mir schon vorher vor Lachen die Puste und vor Weinen die Geduld ausging.

Da lärmt ab Seite 12 ein "Catholicus" herum und erklärt dem Leser, wie Papst Benedikt XVI das Konzil schrittweise demontiert. Aufhänger ist die Wiedereinführung der Heiligen Messe nach Tridentinischem Ritus, die dem Autor offenbar einen solchen Schrecken eingejagt hat, daß der gesamte Artikel zu einem Paradebeispiel für emotional überfrachteten, logisch verarmten Ideologie-Journalismus wurde. Es beginnt bereits im ersten Absatz. Die Tridentinische Messe ist, so der Catholicus,
    "... wenn die Priesterschaft vorne etwas feiert, was mit dem entmündigten Volk hinten kaum etwas zu tun hat."
Bei einer Sprachwahl wie dieser muß man kein Überflieger sein, um zu erkennen, von wem die Kluft zwischen Klerus und Kirchenvolk künstlich großgehalten wird. "Wenn die Priesterschaft etwas feiert" klingt ja so schön nach "Die Großen, Mächtigen und Eingeweihten machen da vorne 'ne Party" und ist eine so geniale Vorlage, daß selbst ein Hirntoter das "entmündigte Volk" dann noch in die richtige Schublade einlochen wird, die da mit "Die bösen Priester gegen die braven Laien" beschriftet ist. Am schönsten ist das "...kaum etwas zu tun hat". Entlarvend, daß für "Kirche In" eine Heilige Messe mit den Laien offenbar nur dann etwas zu tun hat, wenn diese Bongos spielen, Blumen schleppen, Händchen halten, um den Altar tanzen und andere Dinge tun, die die Aufmerksamkeit vom Herrn weg auf "MICH" lenken. Gebet? Reue und Vergebung? Ehrfurcht in Gegenwart des Allerheiligsten? Empfang der Sakramente? Wir wollen ja mal nicht übertreiben!

Damit der sich anschließende Widerspruch nicht allzu bösartig auffällt, hat Catholicus dann im folgenden Absatz ganz schlau ein paar Anführungszeichen gesetzt. Die Tridentinische Messe wurde ja nicht deshalb wieder eingeführt, weil sich weltweit Gruppen zusammengetan haben, um gegen eben jene Einführung zu protestieren. Das Gegenteil war der Fall. Wie rechtfertige ich also das "entmündigte Volk", wenn es nicht nur erstens eine beträchtliche Anzahl von Menschen gibt, die sich die alte Messe zurückgewünscht haben, sondern wenn zu den Unterstützern dieser Aktion auch nicht wenige Künstler, Schriftsteller, Intellektuelle, Akademiker, Politiker, Theologen etc. gehören? Catholicus weiß, wie man's macht: Der Papst erlaubt die alte Messe...
    "...weil 'Gruppen von frommen Christen' so unglücklich waren. 'Ein großes Leid war das', wie ein Bischof in die TV-Kamera sagt. Raffiniert!"
Raffiniert, in der Tat, Catholicus. "Fromm" ist ja ohnehin schon zum Schimpfwort mutiert. Um sicherzugehen stellt man die Katholiken, die sich die alte Messe zurückgewünscht haben, noch als Heulbojen dar und mit ihnen einen Bischof, der ein Statement dazu abgibt. Hier wird klar, was mit "Kirchenvolksbegehren" und "Wir sind Kirche" gemeint ist: Ja, der Papst und die Bischöfe sollen auf die Laien hören. Aber bitteschön nur auf diejenigen, die den Ungehorsam predigen. Nur auf diejenigen, die - um das Rampenlicht etwas deutlicher auf sich zu ziehen - den Keil noch tiefer zwischen Priester und Laien treiben. Nur auf diejenigen, die letztlich der Katholischen Kirche die Katholizität rauben wollen, indem sie die "Allumfassende" in einen atomisierten Zirkus von Halb-Laien und Halb-Priestern verwandeln, der nur von seinen sich ständig ändernden Bedürfnissen und Forderungen und sekündlicher Neuinterpretation dessen "was Jesus gewollt hat" angetrieben wird.

Weiter beeindruckt der Artikel mit wissenschaftlichen Schlüssen folgender Art:
    "Kein Querdenker oder das, was man einen 'Mann mit Rückgrat' nennen könnte, hat eine Chance Bischof zu werden. Man sieht es an vielen ihrer Gesichter bei rituellen Auftritten."
Womit der Nachweis ja knallhart erbracht wäre.

Das alles ist aber an und für sich aus dieser Ecke ja nichts Neues. Interessant ist jedoch die Selbsteinschätzung: An einer Stelle heißt es, daß der Artikel sicherlich als...
    "...typisch aufgeklärt, typisch kirchenfeindlich, typisch ungläubig eingestuft wird."
Falsch. Mit Aufklärung hat dieses plärrende Zeugnis des antiklerikalen/antikurialen Obskurantismus nicht das Geringste zu tun. Kirchenfeindlich können die Zeilen alleine schon deswegen nicht sein, weil jeder noch schwankende Gläubige, sofern er Vernunft und Herz besitzt, nach Genuß dieser Unverschämtheiten sich gerne fester im Schoß der Heiligen Mutter Kirche einnisten wird. Somit wird hier der Kirche eigentlich - wenn auch ungewollt - ein Dienst erwiesen. Ungläubig schließlich ist der Artikel auch nur zur Hälfte, denn er beweist ja immerhin, daß die Gemeinde der Kirchenvolksbegehrer nach wie vor ganz vortrefflich vor ihren Götzen gläubig das Knie zu beugen weiß.

Das brutalste Delikt dann auf Seite 14:
    "Hallo Herr Papst! Der Zug fährt falsch! Die Frauen, die Kinder, die Denkenden, die Liebenden, die Inspirierten, die Nüchternen, die Leidenden, die Unterdrückten, die Suchenden laufen alle in die andere Richtung: auf Christus zu."
Das ist nicht nur widerwärtig, sondern schlicht gelogen. Immerhin verwundert es wenig, daß in der Aufzählung weder von den Demütigen, noch von den Dienenden, noch gar von den Gläubigen die Rede ist.

Auf Seite 16 beginnt dann ein neuer Artikel mit dem Titel "Requiem für ein Konzil". Autor hier ist ein gewisser "Episkopos". Türöffner für die Flutwelle moralischer Entflammung ist auch hier die Tridentinische Messe, und auch hier wimmelt es nur so vor Unlogik und Gefühlsduselei. Aus diesem Artikel gibt es kein Zitat, sondern nur ein begleitendes Photo eines ökumenischen Gottesdienstes, welches wohl die Idealvorstellung der Christusverehrung in "Kirche In"-Kreisen zeigt:


Wie hieß es doch bei "Catholicus" so schön: " Man sieht es an vielen ihrer Gesichter bei rituellen Auftritten."


P.S.: Ich weiß selbst, daß ich während meines Sommerurlaubs eigentlich besseres zu tun haben sollte, als mich über solche Dinge aufzuregen. Aber in letzter Zeit häufen sich die dumpfen Attacken - vielleicht nur wegen des Sommerlochs - und ich bin daher momentan ein wenig mürrisch. Und der Bedarf an wirklicher Aufklärung ist so gigantisch, daß bei der Arbeit gegen diese Rattenfänger jede Stimme zählt. Übrigens auch Eure. Wenn in der breiten Masse immer wieder unreflektiert und uninformiert nur die alten, falschen, einseitigen Anti-Kirchen- oder Anti-Papst-Klischees nachgekäut werden, dann sollte man wenigstens den Leuten, die diese Klischees krampfhaft am Leben erhalten wollen, hin und wieder mal Paroli bieten.

P.P.S.: Möglich, daß "Kirche In" neuerdings ein Satire-Magazin ist und man nur vergaß, die Öffentlichkeit zu informieren. Sollte dies der Fall sein, bitte ich um Verzeihung und gratuliere den Machern zu dieser überaus gelungenen Ausgabe.

Wednesday, August 01, 2007

Dem ist nichts hinzuzufügen, Teil II

    "The truth that makes men free is for the most part the truth which men prefer not to hear."

    Herbert Agar

Saturday, July 28, 2007

Der Dalai Lama in Deutschland

Zum Deutschlandbesuch des Dalai Lama gab es am Mittwoch in der Presse, einer österreichischen Tageszeitung, einen kleinen Artikel. Dort las ich: "Bei den Deutschen ist der Dalai Lama beliebter als der Papst". Natürlich ist er das.

Auf der einen Seite der Papst: Ein Deutscher (Europäer), der den Deutschen (Europäern) viel zu oft den Spiegel vorgehalten hat, als daß sie ihre Fratzen noch ertragen könnten. Er ist ein Mann, der Lösungen parat hat, die alle einen großen Nachteil besitzen: Sie verlangen nach verantwortungsvollen, arbeitwilligen Christen, die sich nicht davor scheuen, unpopulär zu sein, und die es gelernt haben, im Welt-Supermarkt der Beliebigkeit und - ja - des Relativismus zu einem angebotenen Produkt auch mal "Nein!" zu sagen, wenn eine andere Stimme als die des politisch korrekten Chores der "Wasch mir den Rücken aber mach mich nicht naß"-Gleichmacher wieder mal ein "Nein!" verlangt. Der Papst weiß, daß Europa, um zu überleben, Menschen braucht, welche die Dinge beim Namen nennen, und nicht beim Etikett. Ist doch klar, daß Benedikt XVI nur dann für Popularität steht, wenn auf einem Feld Hunderttausende kreischender Jugendlicher ein Event feiern, zu dessen Spielregeln es gehört, auch mal dem Mann in Weiß zuzujubeln. Einzeln befragt werden viele dieser Kids ihre Anhänglichkeit an Person und Botschaft des Papstes unter dem Druck der Medien und der Hobby-Theologen des öffentlichen Lebens blitzschnell wieder relativieren: "Benedetto, okay. Aber Papst? Denkt doch mal an Amtskirche, Leibfeindlichkeit, Ökumene, Homosexualität, Frauenpriestertum, Zölibat..."

Auf der anderen Seite der Dalai Lama: Ein Mitmachphilosoph von hinter den sieben Bergen. Eine spirituelle Projektionsfläche zum Anfassen und Liebhaben. Ein Ziehsohn der 'friedfertigen' Maurice Tornay-Killer, der bei seinem Auftritt in der Hamburger Tennisarena auf diese Art Position bezieht: "Ich bin für Sie, was Sie wollen, das ich für Sie bin." oder "Natürlich kann auch eine Frau zum Dalai Lama erwählt werden - aber sie sollte hübsch sein." Allerweltsphilosophie und Stand-up-Comedy, die einen nicht in die Pflicht nehmen und trotzdem diesen hauchzarten Anstrich von religiöser Sinnstiftung tragen. Der hörenswerteste Satz des Dalai Lama ist wahrscheinlich im Szenenapplaus zwischen den bunten Gebetsfahnen verweht worden: "Man kann seine Religion nicht wechseln wie einen Anzug". Das haben wir lieber mal überhört. Denn hier, in der Tennisarena, lässt sich ein spirituelles Vakuum ganz flott füllen, ohne daß man sich in die Tiefen einer Lehre begeben muß. Das ist beim Katholizismus nicht möglich.

Ich bin froh, daß der Dalai Lama in Deutschland beliebter ist als der Papst. Wäre es nicht so, machte der Papst vieles ganz falsch.

Friday, July 27, 2007

Priester gegen die Kirche

Profil, das 'unabhängige Nachrichtenmagazin Österreichs', ist gerne ganz weit vorne, wenn es darum geht die katholische Kirche im allgemeinen und den Vatikan, die Kurie, die 'Kirchenfürsten' (allen voran natürlich den Papst) und die 'Amtskirche' im besonderen zu kritisieren.

An der neuesten Ausgabe der Zeitschrift konnte ich nicht vorbeigehen, denn auf dem Titelblatt prunkt der kecke Spruch "Priester gegen Gott". Wer meint, hier solle ein neuer Dan-Brown-Roman oder ein heißer, bluttriefender Ego-Shooter vermarktet werden, liegt falsch. Die Profil-Macher haben sieben österreichische Priester ans Tageslicht gezerrt, die allesamt Familie haben und sich nun vor Kamera und Diktiergerät dazu bekennen.

Selbstverständlich strotzt der gesamte Beitrag vor 'Statistiken' und 'Umfragen'. Diese klingen garstig und malen ein gar schröckliches Bild der Zukunft. Wenn man sich aber die Form einmal genauer anschaut, weiß man gleich, woher der Wind weht:
    "Mehr als die Hälfte der Geistlichen hat Äffären schätzen Betroffene; andere leiden unter Einsamkeit und Depressionen, entwickeln religiös bedingte Neurosen oder verfallen dem Alkohol."
Wieviel eine von Betroffenen vorgenommene Schätzung zum Thema "Priester, die Affären haben" wert ist wird ebenso wenig verraten, wie die genaue Zahl der "Anderen", die unter Einsamkeit, Depressionen etc leiden. Aber es wird fix noch einer draufgesetzt:
    "Papst Benedikt XVI. nannte den Zölibat jüngst eine 'kostbare Gabe'. 'Für wen?' fragt ein stetig wachsender Teil der Priesterschaft."
Sei's drum. Mit Zahlen um sich werfen kann jeder. Ich spare es mir und sage an dieser Stelle nicht, wie viele der grob geschätzt 150 Ordensleute, Seminaristen und Jungpriester, die ich in den letzten drei Jahren kennenlernte, tatsächlich gegen den Zölibat sind. Das wird dann von anderer Seite eh wieder angezweifelt und dann haben wir eine fade Pattsituation.

Ich schaue mir lieber mal an, was sich auf der Ebene der Phänomene innerhalb und außerhalb des Profil-Artikels den Sinnen und dem Verstand bietet. Da haben wir sieben Priester mit Familie. Nur einer von ihnen wurde nach 1973 geweiht (1992, Heirat 2000), nur ein weiterer heiratete nach 1975 (2002).

Zwischengeschichte: Als Josef Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt wurde, fand in den USA etwa zeitgleich irgendwo in Vermont (weiß nicht mehr genau, wo) die Ordination eines Koadjutor-Bischofs statt. Ein Seminarist aus dem North American College in Rom, den ich ganz gut kenne, war bei dieser Ordination anwesend und erzählte mir von diesem Tag. Den anwesenden Prälaten hatte man die Sakristei der Kathedrale zugewiesen, die jungen Kleriker mußten sich in einem großen Raum neben der Sakristei umziehen. Mein Seminarist kam nun einige Minuten zu spät und hatte die Nachricht von der Papstwahl bereits auf dem Weg gehört. Er ging an der Sakristei vorbei und sah dort den Großteil der betagten Bischöfe und Monsignori mit versteinerten, teils panischen Mienen stehen. Aus der Umkleide des klerikalen Nachwuchses schallte ihm schon der Partysound entgegen, und als er eintrat sah er - wörtlich "die Seminaristen und Kleriker auf den Tischen tanzen und high-fiven".

Zurück zu den Priestern mit Familie: Daß nach Studentenrevolten, Summer of Love, BH-Verbrennungen und "Wer zweimal mit der Gleichen pennt gehört schon zum Establishment" mehr als eine Generation von Priestern heranwachsen mußte, die nicht nur einen pervertierten Begriff von Gehorsam kultivierte, sondern auch eine ganz persönliche Interpretation des Zölibatsbegriffes fand, darf nicht weiter verwundern. Auch, daß Menschen mit den Folgen ihrer Sündhaftigkeit (vor allem der Promiskuität) nicht umgehen können und daher nach Möglichkeiten suchen, alles abzuwälzen (mit Vorliebe auf die "Katholen", die "Intoleranten" und die "Unaufgeklärten" oder - noch besser, weil die nicht zurückargumentieren - auf die Ungeborenen) leuchtet ein. Daß aber nun diese Altherrenriege aus ihrem Elfenbeinturm Funksignale sendet, die uns glauben machen sollen, wir lebten noch im Jahre 1968, hebt sich zumindest für mein Verständnis nicht wirklich wohltuend von der angeblichen Mittelaltermentalität der Männer im Vatikan ab.

Und noch etwas fällt auf: Wenn in dem Profil-Bericht von Priestern die Rede ist und von der Motivation, diesen Beruf zu ergreifen, dann lese ich kein einziges Mal von Dienen, von Opferbereitschaft oder von Gehorsam. Es geht viel zu oft um Beliebtheit, um Ansehen und darum "jemand zu sein" und natürlich in erster Linie um "mich" und "meine Vorstellungen" und "meine Bedürfnisse" und "meine Wünsche".

Und dann ist da der alte, aber immer wirksame Trick, den Leuten nur die halbe Wahrheit zu erzählen und darauf zu hoffen, daß die Leser mittlerweile aufgrund antikirchlicher oder antipäpstlicher Dauerbeschallung so weiche Hirne haben, daß sie nicht mehr 1 und 1 zusammenzählen können. Im Profil-Bericht sieht das so aus: Da wird gemeckert, daß die böse schwarze Krake Vatikan einem der liebestollen Priester keine Dispens erteilt hat und ihm somit den Segen zu seiner (standesamtlichen) Ehe verweigerte. Die Suspendierung vom Priesteramt sei aber ganz flott in der Post gewesen. Nur eine Seite weiter lesen wir plötzlich von einem kirchlichen Segen zur Priesterehe, und zwar bei einem Mann, der zwar auch vom Priesteramt enthoben wurde, aber nicht nur standesamtlich, sondern eben auch kirchlich geheiratet und daher die Dispens erhalten hat. Schuld an einer nicht erteilten Dispens ist also nicht der Vatikan, sondern nur derjenige, der nicht vor den Traualtar treten will. Aber klar: Wenn ein Mann schon das in einer Kirche gegebene Treueversprechen zu Gott und Kirche nicht halten kann, dann wird er es sich wohl in der Tat lieber zweimal überlegen, bevor er dasselbe einer Frau antut.

Es taucht im Artikel natürlich auch noch ein Klassiker auf, der nicht fehlen darf: "Och menno! Wenn ein protestantischer Priester zum Katholizismus konvertiert und eine Familie mitbringt, dann ist das in Ordnung. Was soll diese Doppelmoral?!" Gähn, Leute! Überlegt mal für zwei Minuten selbst. Wenn Ihr wirklich nicht drauf kommt, schreibt mir und ich werde es aufklären.

Alles in allem ein ausgesprochen sommerlochfüllender Schinken, dem aber meiner Meinung und meiner Erfahrung nach der einhundertprozentige Realitätsbezug fehlt.

Männer, ihr hattet euren Spaß. Und der hat uns viel gekostet. Jetzt schaltet mal die Egos auf Sparflamme und laßt die Putzkolonne ran. Ich stehe hier Schulter an Schulter mit einer ganzen Horde von jungen Kerlen, die zur Abwechslung mal wieder gerne etwas zur Ehre Gottes, zum Wohl der Kirche und zum Heil der Seelen täten. Und da sind solche Zwischenrufe von vorvorgestern irgendwie so störend.

Wednesday, July 11, 2007

Eine kleine Neuerung

Jetzt, wo ich abseits des Studienrummels mich auch mal richtig innig mit meinem Blog auseinandersetzen kann, tauchen natürlich gleich die großen, tiefen Fragen auf:
    "Biete ich meinen Lesern genug?"

    (vereinzeltes Stirnrunzeln; hier und da eine hochgezogene Augenbraue)

    "Sollte ich ein wenig am Template herumbasteln?"

    (kollektives gehetztes Aufstöhnen, welches sich in einigen Fällen zu wimmernden Klagelauten steigert)

    "Vielleicht könnte ich einfach ein oder zwei kleine Features hinzufügen?"

    (skeptische Blicke, jedoch auch beifälliges Murmeln)

    "Klar! Die Welt muß erfahren, was der Herr Alipius grade so liest und hört!"

    (tosender Beifall, ekstatisches Kreischen, spontane La Ola)
Ermm... Ja, also ab heute findet ihr rechts in der Randleiste zwei neue Rubriken: "Les' ich grade" und "Hör ich grade am liebsten". Schwer zu erraten, um was es sich dabei handelt. Die Bilder dienen als Links zu Amazon, wo Ihr mehr über die jeweiligen Bücher bzw. CDs erfahren könnt.

Tja, seht Ihr, das kommt dabei raus, wenn der Herr Alipius im Sommer zuviel Zeit hat und die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist.

Ach ja: Wenn sich bei einer der beiden Rubriken mal wochen- oder monatelang nichts ändert, dann heißt das nicht, daß ich ein so langsamer Leser oder ein so genügsamer Hörer bin, sondern es bedeutet, daß ich entweder keine Zeit oder keine Lust oder keine lohnenswerten Vorstell-Objekte habe.

Alles Liebe,
Alipius

Monday, July 09, 2007

Sommerferien

Hallo, liebe Leserschaft!

Jetzt melde ich mich mal ganz fix aus Klosterneuburg. Ich bin seit mittlerweile drei Wochen im Stift und habe mich prächtig eingelebt. In dieser Woche bin ich zum ersten Mal wieder kleiner Hebdomadar, was bedeutet, daß ich während des Chorgebetes die Hymnen, Antiphonen und Psalmen anstimme und während der täglichen Kapitelmesse ministriere. Gestern bei der gesungenen lateinischen Sonntagsvesper war ich außerdem noch Kantor. Sprich: Ich durchlaufe momentan all die größeren und kleineren Aufgaben, die einem als Junior im Hause so zufallen. Im Hause herrscht großes Kommen und Gehen, da ja jetzt Urlaubszeit ist und somit verreisende Chorherren anreisenden Gästen die Klinke in die Hand geben und umgekehrt.

Gestern war Premiere der diesjährigen "Oper Klosterneuburg". Seit über zehn Jahren werden mitten im Kaiserhof des Stiftes jeden Sommer für einige Wochen eine Bühne und eine gegenüberliegende Zuschauertribüne aufgebaut. Dann wird dort für ca. 10 Aufführungen heftig herumgeopert. Vor zwei Jahren gab's die Italienerien in Algier, im letzten Jahr Hoffmanns Erzählungen. Heuer wird Fidelio gegeben. Die Oper ist immer so etwas wie ein kleiner Geheimtip in und um Klosterneuburg, weil es meistens ganz muntere und gar nicht altbackene Inszenierungen sind.

Mein Programm für die nächsten drei Monate steht auch schon. Unter anderem steht in einer Woche der internationale Chorherrenkongreß an, der im diesem Jahr im Stift Vorau in der Steiermark stattfindet. Im September machen wir einen Kapitelausflug nach Polen. Dazwischen gebe ich im Haus ein wenig Logik-Unterricht für die Novizen und Junioren. Und dann ist da natürlich noch ganz viel Ruhe und Entspannung. Die letzten zwei Jahre waren aufregend und schön und ich habe wohl zuvor in einem so kurzen Zeitraum noch nie soviel nicht nur gelernt sondern auch verstanden und behalten. Aber es war doch streckenweise so, als polterten in meinem Gehirn Pflastersteine hin und her. Jetzt, wo die Philosophie bestanden ist, fühlt es sich anders an. Eher so, als fiele manchmal ein großer Kiesel in staubfeinen Sand, der sich nach dem Einschlag (einem feinen, leicht dumpfen "Whuffff") kreisförmig aufwirft und davonweht. Naja, Ihr wißt, was ich meine. Oder auch nicht.

Okay, soviel zum kleinen sommerlichen Zwischenbericht aus der Heimat. Sollte bei Euch noch Urlaub anstehen, dann wünsche ich Euch einen schönen solchen mit viel Erholung und wenig Unruhe, also ganz im Sinne von Georg, der auf Himmel über Wien sich des Themas Urlaubsdruck und Touristen-Overkill angenommen hat.

Grüße aus Klosterneuburg!
Alipius

Monday, June 18, 2007

Es ist vollbracht!

Heute morgen hatte ich mein Religionsphilosophie-Examen. Dies war nicht nur das letzte Examen in diesem Semester, sondern auch zugleich mein letztes Philosophie-Examen überhaupt! Jetzt muß ich mich erst einmal langsam an das Gefühl gewöhnen, den ersten Teil der Studien erfolgreich hinter mich gebracht zu haben. In zwei Stunden verlasse ich das Kolleg und mache mich auf den Heimweg.

Ich werde versuchen, diesen Blog nicht vollkommen verwahrlosen zu lassen, kann aber nichts versprechen, außer daß ich - so Gott will - ab Oktober wieder fleißig posten werde.

Ich wünsche Euch allen einen schönen und erholsamen Sommer. Danke für Euer Interesse, Eure Kommentare und für Eure Gebete.

Tja, bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen:


Alles Liebe,
Alipius

Saturday, June 16, 2007

Berufungswerbung Marke USA

Aus der Diözese mit dem schönen Namen St. Augustine:



Herzig, oder?

Schlaflos in Rom...

Boah!

Ist das heiß!

Ich wälz mich nur im Bett hin und her und krieg kein Auge zu. Also lümmel ich mich jetzt bei laufendem Ventilator und offenem Fenster am Computer herum und tu was für die Kundschaft.

Also erstmal: Montag morgen habe ich das letzte Examen. Montag Nachmittag geht's ab nach Klosterneuburg. Wie auch im letzten Jahr gilt: Das Posten wird auf "am römsten" zwischen Ende Juni und Anfang Oktober eher sporadisch sein. Ich werd' den Sommer über versuchen, mal ein bißchen was für den Dritt- und Gruppenblog "Himmel über Wien" zu schaffen. Schließlich bin ich ja in (oder bei) Wien, da gibt's sicherlich das ein oder andere Thema.



Okay, jetzt zum unterhaltsamen Teil: Ich habe, wie Ihr vermutlich schon bemerkt habt, die Link-Sektion "Satire-Seiten" vor einiger Zeit gelöscht, weil ich es einerseits nicht richtig fand, diese Leute an den Pranger zu stellen und weil ich andererseits auch gar nicht mehr nachkam. Der Müllberg im Internet wächst einfach schneller als man den Heiligen Isidor von Sevilla um Beistand bitten kann.

Jetzt habe ich aber grade doch ein Zuckerl gefunden, daß einfach zu gut ist, um es stillschweigend zu übergehen: Es gibt eine Seite, die unter dem Titel "Religionsfreie Zone" (Slogan: "Heidenspaß statt Höllenqual") daherkommt. Klar, daß es auf dieser Seite gegen die Religion im allgemeinen und den Katholizismus im besonderen geht. Somit ist der Titel also leicht irreführend, denn wenn die Seite eines nicht ist, dann religionsfrei.

'Naja,' dachte ich mir. 'Vielleicht fehlt ja dafür etwas anderes...'

Also habe ich mal ein wenig herumgeklickt und fand einen Haufen Karikaturen aus den Abteilungen:


"Realitätsferne"


"Wir basteln uns ein Geschichtsbild"


"Stereotypen/Vorurteile"


"Blanker Unsinn, aber die ferngesteuerten kirchenfeindlichen Marionetten werden es uns trotzdem abkaufen"


Dann endlich die Auflösung:

"Glaubst Du noch, oder denkst Du schon?"

Hä? Wie bitte? Andererseits: Wenigstens eine Karikatur, die komisch ist, wenn auch auf eine von den Initiatoren wohl kaum beabsichtigte Art.

Kinders, nee, ist das schön: Da werden die Schäfchen vom moralischen Hochsitz aus zeternd bei der Stange gehalten, mit Lüge, Idiotie und Klischee zugebombt, damit sie vor lauter fremderzeugter antiklerikaler Entrüstung nur ja keine eigenen Wege gehen, nachdenken, sich informieren und dann am Ende etwas anderes tun, als am Altar der Giordano-Bruno-Stiftung oder der Leitkultur-Humanismus um Erlösung zu flehen, verbal widerzukäuen oder die über denkladen.de angebotenen antireligiösen Produkte zu kaufen. Und warum? Weil man die Leute vor Schwindel, Verdummung und Abzocke warnen will! Ich wisch mir jetzt noch die Heiterkeitstränchen aus den Augenwinkeln.

Immerhin: Solange Klerophobie und Identitätsstiftung nicht im Doppelpack angeboten werden, können wir uns noch auf herrliche Unterhaltung aus dieser Ecke freuen.

Tuesday, June 12, 2007

Neulich im Vatikan...


"Hehe! Wenn ich ihm auf den Bauch drücke, dann sagt er 'Wo ist deine Tiara?'"

Eine nette Geschichte aus Amerika

In den USA gibt es eine Organisation, die sich "Call to Action" (CTA) nennt (Catholics working together to foster peace and justice in our world, our church and ourselves). Gegründet wurde die CTA in den späten Siebzigern als Reaktion auf eine Aussage Papst Paul VI., der 1971 schriftlich die Laien der Katholischen Kirche zum Handeln aufrief. Was er damit gemeint hat? Ein erster Blick auf die Startseite des Webauftritts dieser Jungs und Mädels verrät gleich, wo's langgeht: Gabenbereitungsprozessionen (bitte mit erhobenen Armen, das impliziert Mystik), Liturgischer Tanz (bitte in weiß, das impliziert Reinheit), junges Volk (bitte entweder 'erlöst' lächelnd oder betroffen unter der Strickmütze hervortrübend), etc. Ein kurzes Ergooglen der CTA enthüllt dann die übliche Klerophobie und die damit zusammenhängende Wunschliste: Womyn an den Altar, weg mit dem Zölibat, her mit Sex (egal wer mit wem und warum) und dann später weg mit den Föten.


Im Kielwasser der an Kindern begangenen Verbrechen katholischer Priester und den schäbigen und dämlichen Vertuschungsversuchen der US-Bischöfe sind einige Diözesen in den USA mittlerweile mit einem Bein im Schuldenturm gelandet, und dies zurecht. Das sollte eine weltweit wiederhallende Warnung sein. Grausamer dagegen die Bestrafung, die die Bischöfe sich selbst auferlegten: Eine kircheninterne, jährliche Anhörung zum Stand der Dinge in den Diözesen bzgl. der Prävention weiterer Katastrophen. An der Anhörung nehmen alle Bischöfe teil, dies allerdings freiwillig. Einer hat's jetzt geschnallt: Lincolns Bischof Fabian Bruskewitz (Photo) hat keine Lust mehr auf die ecclesia sedens. Warum stundenlanges Hin- und Herreisen und tagelanges Sitzfleischtesten, wenn jeder verantwortungsvolle Bischof in seiner Diözese klar Schiff machen und dafür sorgen kann, daß alles bis aufs Iota mit den kirchen- und zivilrechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Kinder vor Mißbrauch übereinstimmt? Warum gegenseitiges Schulterklopfen oder Lamentieren? Grund zur Freude gibt's noch lange nicht, und diejenigen unter den US-Bischöfen, die die vergoldeten Armaturen an den Whirlpools in ihren 8-Zimmer-Appartments verkaufen mußten, haben es leider auch nicht anders verdient. Bruskewitz sagte also bereits im letzten Jahr "Nö" zum diesjährigen Treffen.

Enter CTA: Erst mal sich bei der US-Bischofskonferenz beschwert, daß der Bruskewitz ja wohl voll Dreck am Stecken hat, wenn er sich vor der Sitzung drückt. "Eigentlich nicht," kam die Abfuhr. "Die Teilnahme ist freiwillig. Wir gehen davon aus, daß in Lincoln alles nach Plan läuf und haben auch bisher keine Gegenanzeigen." Ach so ist das? Fein, dann eben die Medien-Brechstange (fast schon ehrenhaft, daß sie dies nicht zuerst versuchten). Den Tank voll mit Moralin wurde also schon im Dezember mit einer Unterschriftenaktion begonnen, um dem Bischof dann am 1. Juni eine Petition zu überreichen, die ihn zur Teilnahme am Meeting bewegen sollte. Etwas über 1000 Leute aus ganz Amiland haben unterschrieben. Jetzt ist aber Bischof Bruskewitz in seiner Diözese nicht vollkommen unbeliebt. Also sagten sich einige Gläubige wenige Tage vor dem 1. Juni, daß Seine Exzellenz es vielleicht schätzte, wenn man ihm ein wenig Unterstützung zeigt. Ergebnis: In 31 Stunden wurden 1452 Unterschriften gesammelt, dies nur in der Diözese. Die CTA-Leute sahen durch die angedrohte Gegendemo die von ihnen gesuchte Aufmerksamkeit der Medien gefährdet und verlegten ihre Aktion in buchstäblich letzter Sekunde um zwei Stunden vor. Aber auch hier verloren sie: Mit eMail und Handy verständigten sich die Bruskewitz-Fans und schließlich standen 116 von ihnen der 9-Mann-Delegation der CTA gegenüber, friedlich, wie sich versteht. Der Bischof kam aus dem Büro, dankte seinen Unterstützern, nahm die 1452'er-"Wir finden: Unser Bischof rockt"-Unterschriftenliste entgegen und bat alle Anwesenden darum, dafür zu beten, daß die CTA-Mitglieder wieder zum Glauben zurückkehren.

Bischof Bruskewitz hat vor zehn Jahren eine Mitgliedschaft in der CTA als unvereinbar mit dem Katholischen Glauben und daher in automatischer Exkommunikation resultierend bewertet. Dies wurde mittlerweile (auf Drängen der CTA selbst, die sich natürlich ein anderes Urteil erhofft hatte) vom Vatikan bestätigt.

Erstaunlich, daß manche Leute, wenn es um die Einheit in der Kirche geht, das Band einerseits so weit ("Vergeßt das Magisterium! Alles ist erlaubt,...") und doch so eng ("... solange es mir paßt!") ziehen. Witzig auch, daß dieselben Leute, die der Kirche zuviel Gerede und zu wenig Handeln vorwerfen, einen Anfall kriegen, wenn plötzlich ein Bischof lieber handelt als redet.

Naja, "same old, same old", wie man in den USA sagt.

P.S.: Die Jugendlichen, die auf der Startseite der CTA-Webpage zu sehen sind, sind eine Mogelpackung. Ich habe Photos von der Aktion gesehen. Von den 9 CTA'lern war keiner unter 50. Unter den 116 Gegendemonstranten gab's andererseits jede Menge Jungvolk. Jaja, die Kirche! Nur für Omis...

Monday, June 11, 2007

"Nichts ist scheißer als Platz zwei"

Spaß mit Fußballern, oder besser, mit Fußballer-Zitaten, gibt's auf dieser Seite.

Das ist von Asamoah bis Ziege alles dabei, unter anderem Willi Landgraf (auf die Frage, ob er schon mal Step-Aerobic gemacht habe):
    "Jung, ich komm aus Bottrop - da wirsse getötet, wenne datt inne Muckibude machs!"

Sunday, June 10, 2007

Beeindruckend

Der Effekt auf der Erdoberfläche während einer totalen Sonnenfinsternis:


Gefunden auf der Astronomy Picture of the Day-Seite der NASA. Es lohnt sich, öfter mal dort reinzuschauen. Die Photos sind streckenweise wirklich atemberaubend. Unten auf der Seite gibt es einen Link zum Archiv, in dem sich bergeweise Photos finden. Viel Spaß!



Ich fand dort zum Beispiel auch dieses Bild:


Naja, wir Menschen machen schon ganz nette Dinge mit Leinwand und Pinsel. Aber proportionalitätsanalog ist dann eben doch Gott der erste Künstler, von dem alle anderen Künstler ihren Namen haben und an dessen Kunst sie - wacker zwar, aber dennoch verblassend - partizipieren. Mal ganz davon abgesehen, daß wir Menschen das ex nihilo ja auch nicht so wirklich beherrschen.

Saturday, June 09, 2007

"How it shold have ended"

Spaßig: Dieses etwas andere Ende zu "Der Herr der Ringe" ist nur eine von vielen alternativen Filmversionen, die man auf YouTube finden kann (Suchbegriff "hishe" = "how it should have ended").



Die gleichnamige Internetseite bietet darüberhinaus noch witzige Trailer zu nicht existierenden Filmen ("Ocean's 40"), Reviews und anderes filmverwandtes Zeug.