Thursday, May 15, 2008

Auf dem Aventin

Hier noch einige Bilder vom heutigen Tagestrip zum Aventin.

Getroffen haben wir uns in einem Park neben der Kirche Santa Sabina. Hier kann man am Ende der Allee die Kuppel des Petersdoms sehen. An den Rändern der Grasflächen stehen groß bedruckte Schilder, die in italienischer Sprache das Betreten des Rasens untersagen. Klar, daß also vor lauter Liebespaaren, Frisbeespielern und sonnenbadenden Tippelbrüdern kaum noch ein Stückchen Grün zu sehen ist, weil, man ist ja Italiener und so.


Katzen dürfen den Rasen ganz offensichtlich nicht nur betreten, sondern werden zur Belohnung auch noch durchgefüttert.



Anthony, links, Diözesanpriester aus den USofA und der Schotte Ambrose, Norbertiner aus London.


Santa Sabina vom Park aus gesehen


Im Vorraum der Kirche kann man durch ein verglastes Loch in der Wand den Baum sehen, unter dem der Heilige Dominikus während seiner Rom-Jahre oft gesessen und gebetet hat.


Santa Sabina ist eine der ganz frühen Kirchen Roms. Ergo schichtete sich im Laufe der Jahrhunderte (speziell im Barock) im Inneren eine ganze Menge Schmuck an. Während des ersten Weltkriegs wurde das Gotteshaus "in seinen ursprünglichen Zustand" zurückversetzt, sprich: Gold und Marmor raus, Grau und Braun rein. Naja, ich übersah bei meinem ersten Besuch die Sakramentskapelle, die noch frech im Farbenkleid prunkt und in der heute dieses schöne Licht herrschte. Wieso ich eine ganze Kapelle übersehen habe? Ich war zur Stationsmesse da und die Kirche platzte so dermaßen aus allen Nähten, daß ich nicht groß herumwandern konnte.

Der Herr Alipius hat sich neulich auf seine Sonnebrille gesetzt. Seitdem hängt der rechte Bügel irgendwie im Outback rum. Trotzdem war man so nett, aus der Hüfte dieses Bild von mir zu schießen.

Ein Blick - Drei Staaten


Heute haben wir mit dem Archäologie-Kurs eine Exkursion zur Kirche Santa Sabina auf dem Aventin gemacht. Dort oben findet man auch den Sitz des Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem genannt von Rhodos und von Malta, sprich: des souveränen Malteserordens. Nach der Vertreibung von Malta im Jahre 1798 siedelte der Orden sich 1834 in Rom an, wo er Exterritorialität genießt. In Rom gibt es zwei "Palazzi Malta", einen an der via Condotti, einen auf dem Aventin. Letztere ist Sitz des Groß-Priors und bietet einen hübschen, weltbekannten Blick: Wenn man durch das Schlüsselloch des Portals in den Garten schaut, sieht man, eingerahmt von Hecken, genau die Kiuppel des Petersdomes und hat somit drei Staaten im Blick. Italien, den Vatikan und eben den souveränen Malteserorden.

Mein Photo ist bei strahlender Sonne durch das Schlüsselloch geschossen und daher nur mittel-aufschlußreich, daher gibt's hier noch ein aus dem Netz gezogenes Profi-Bild, was Euch den schönen Blick etwas feiner präsentiert:



Es ist schon schön, die ganzen Dinge, von denen ich früher immer nur las, nun mit eigenen Augen zu sehen.

Wenn es nicht so wahr wäre...


... könnte man glatt kichern.

Tuesday, May 13, 2008

Eines der besten Alben der 80'er!

Ginge es auf der Welt immer mit rechten Dingen zu, dann wären die Pale Fountains so richtig groß rausgekommen. Ihr auf finsterste Art ignoriertes Debut-Album "Pacific Street" aus dem Jahre 1984 hätte bei korrekter Chart-Verabreichung den 80'er-Pop vielleicht noch grade rechtzeitig vom Killervirus der Synthie-Bläserfanfaren, Elektro-Drums, Pseudo-Funk-Bässe, Vokuhila-Frisuren und weißen Lederjacken heilen können. Allein, es sollte nicht sein, und so durfen noch im selben Jahr Jermaine Jackson und Pia Zadora ungestraft zu "And when the Rain begins to fall" herum-madmaxen. Schluchz.

Egal: Ich bin nicht hier um zu weinen, sondern um auf ein ganz besonders edles Stück Populärmusik aufmerksam zu machen. Also los. Die Vinyl-Version des Albums hat 11 Songs, eine neu herausgegebene CD-Version bringt es auf ganze 21 Tracks. Ich werde mich an meine CD halten, ein 90'er Re-Issue mit 15 Stücken.

Irgendwann im Sommer 1984 bekam ich Besuch von einem Kumpel. Der schob ein Tape in meine Anlage und meinte "Hey, bei deinem Musikgeschmack gefallen dir diese Jungs garantiert!" Ich ging noch am selben Nachmittag los und erjagte mir das Album.

Die Pale Fountains hatten 1984 die Nase ganz weit vorne. Michael Head, Oberfountain und Songwriter, schüttelt auf "Pacific Street" jede Menge Überraschungen aus dem Ärmel. Alleine die instrumentierung ist schon recht ungewöhnlich. Da findet man z. B. Trompete, Querflöte, Steeldrum und Cello. Musikalisch geht es sanft los. Der Opener Reach beginnt mit ungefähr einer Minute Bongos, Gitarrenakkorden und leisem Gesang, bevor dann die Post abgeht. Gitarre, Bass und Drums brettern durch eine klassische Upbeat-Songstruktur, die mit feinen Trompeten- und Keyboardtupfern wirkungsvoll garniert ist. Is there something I should know? fragt Michael Head im Titel und im Chorus des zweiten Songs. Yup, there is! Dieser Tune ist oberfein! Einem leich überdramatisierten Gitarrengeschraddel ("Olé!") folgt eine ganz zarte Strophe mit Perkussion, Saitengezupfe und Klaviertröpflein. Der anschließende Chorus ist reinste Wonne, mit lässigen Drums, flächigen Keyboards und Ohrwurmgarantie. Nach dem zweiten Refrain wird's dann noch schicker: Die Drums ziehen durch, ein Bass tanzt mit und Trompeter Andy Diagram legt ein zauberhafters Solo hin. Unless heißt das dritte Stück. Es beginnt mit viel Perkussion und diesen witzigen Keyboards, die irgendwie menschliche Stimmen imitieren sollen oder wollen. Dazu wird von Einsamkeit gesungen, dies aber nicht unbedingt aufgesetzt. Im Sehnsuchts-Chorus wird erneut die Trompete ausgepackt. Im zweiten Durchlauf werden dann noch ein paar Spuren Gezupfe und Sequenzer draufgesetzt, wodurch die Komposition noch an Schwere gewinnt. Das Gewicht kommt aber gleich wieder runter, wenn Southbound Excursion beginnt. Perlig gezupfte Gitarren und leichtfüßiger Gesang münden in einem zuckerreichen Refrain mit Querflöte, Cello und Schneebesen-Drums. Meine Schwester und ich nannten den Song immer das Herr-Rossi-Lied ("Ja, Herr Rossi sucht das Glück. Sucht man es, so fehlt ein Stück..."). Es folgt Natural, ein trashiges Pop-Gewitter mit bratziger Klampfe, Bar-Piano und ungefähr 35 Yeah-Yeahs und Ows zuviel, aber wer beklagt sich. Der Song geht immerhin gut ab und macht wirklich Laune. Faithful Pillow (Part I), Track #6, ist ein schönes und kurzes Instrumentalstück. Der nächste Song, (Don't let your Love) start a War, ist ein eingängiges und ambitioniertes Mini-Epos mit viel Gitarre, Hall-Trompeten und rascheligen Drums, ganz tanz- und mitsigbar. Dann kommt der Teil der Scheibe, der die Gelehrten streiten läßt. Manche Leute sagen, es geht bergab. Ich bin nicht nur nicht dieser Meinung, sondern vertrete auch die entgegengesetzte: Es geht bergauf! Zugegeben, die Lieder sind beim ersten Hören stellenweise nicht mehr ganz so eingängig und gradeheraus. Aber wenn man die Platte 24 Jahre lang besitzt und immer wieder mal anhört, dann merkt man plötzlich, wo einem die richtig guten Freunde begenen: Zwischen den Tracks 8 und 15 (wenn man die CD mit den vier Extra-Songs hat). Beyond Fridays Field startet mit anderhalb Minuten Trompete, zu der sich Gitarre und Bongos gesellen. Dann schimmern, wenn der Song eigentlich losgeht, plötzlich Steeldrums durch. Die Strophe plätschert zuerst unauffällig dahin, wird mit Zweitstimme und Flöte nochmals wiederholt, dann steigt ein "Lalala"-Chor mit ein und schon endet alles, wie es begann, mit Trompete und Steeldrums. Ich wußte zuerst nicht, was ich mit diesem Lied anfangen soll. Jetzt gehört es auf die Scheibe wie Nutella aufs Frühstücksbrot. Abergele next Time schraubt den Burt-Bacharach-Faktor hoch. Es ist ganz und gar perkussive Lässigkeit mit Piano, flirrendem Streicherzeugs, raschelnden Drums und einem prima Mitwipp-Chorus. Es geht weiter mit Crazier. Auch hier knarzen im Intro kurz die Percussions, bevor die Steeldrum das Ruder an sich reißt. Die erste Strophe ist ganz schlichtes aber wunderbar stimmiges Bass-Gitarre-Drum Handwerk, auf welches sich im zweiten Durchlauf Streicher, Keyboards und Drumbreaks pflanzen. Dann kommt ein wild gemischter Instrumental-Teil, in dem die Instrumente nicht so richtig wissen, wohin. Die letzte Strophe endet in einem Tutti-Brei, nach welchem der Song sanft ausläuft. Faithful Pillow (Part II) ist eine etwas längere und daher lohnendere Version von Part I, ebenfalls instrumental. Mit Palm of my Hand beginnt der "inoffizielle" Extra-Teil der CD. Es ist ein oberstarker Song, flott, swingend, mit frechen Trompeten-Breaks, Streicher-Watschen und prima Background-Vocals. Es schwingt irgendwie eine Lust auf Leben, Licht und Liebe mit. Keine Ahnung, wie ich es genau beschreiben soll. Geliebt wird auch im nächsten Track, Love's a beautiful place, allerdings nicht poppig-tanzbar sondern Cocktailbar-lässig mit gelengentlichem Fingerschnippen und geziemend gedämpfter Trompete. Wenn Meadow of Love beginnt, fängt man erstmal an zu meckern: "Ey! Die wiederholen sich ja nur noch!" In der Tat klingt das Lied zuerst nicht neu, sondern wie eine Mischung diverser vorangegangener Songs. Aber dann kommt zum ersten Mal diese Bridge mit den fetten Streichern, der kurze aber ohrwurmige Chorus und vor allem die Querflöte im anschließenden Instrumental-Teil und plötzlich ist es doch ein nicht nur ganz eigenes, somdern ein richtig gutes Stück, in dem später auch das Klavier ein kleines Solo spielen darf. Tja, und dann halt Thank you, welches ich ja schon einmal als Video gepostet habe (siehe Link). Barry Manilowsche Schmalzschichten noch und nöcher sollten eigentlich jeder ambitionierten 80'er-Combo umgehend die Credibility rauben. Nicht so bei den Fountains. Die ziehen das Ding gnadenlos durch und ich freu mich drüber.

Ich starte mal einen neuen Service und verlinke in Zukunft bei Plattentips immer gleich zu Amazon. Nicht, weil ich mit denen einen Provisions-Deal habe, sondern weil die Scheiben, die ich vorstelle, in der Regel nicht auf Bäumen wachsen. Wer also interesse an den Pale Fountains haben sollte, der klicke bitte hier. Der Link führt zur 21-Titel-Version des Albums. Ihr kriegt also noch mehr, als ich hier beschrieb. Achtung: Es ist ein Import und daher ein wenig kostspielig. Aber glaubt's mir, Leute: Die CD ist jeden Cent Wert!

Geschenkt

Am Anfang war das Geschenk. Zumindest für mich. Mir wurde das Leben geschenkt. Neun Monaten des behaglichen Durchgefüttertwerdens in der schallgedämpften Dunkelkammer des Mutterschoßes folgten bis jetzt 39 Jahre eines bunten, abwechslungsreichen Wuselns, welches überwiegend schöne Erinnerungen gestattet. Dieses Wuseln wiederum fand und findet statt in einem weiteren Geschenk: Der Welt, wie Gott sie schuf, wie ich sie kenne, wie ich sie mag, wie ich sie zu verstehen versuche. Und die Welt selbst? Einheitlich einerseits, doch auch aufgeteilt in eine unüberschaubare Anzahl verschiedenster weiterer Geschenke: Glaube, Familie, Mitbrüder, Freunde, Blaumeisen, Seidenraupen, Maiglöckchen, Amethysten, Barockkirchen, Syllogismen, Psalmen, Summa Theologica, Pontifikalvesper, And also the Trees, Erdnußbutter, Chartreuse-Likör, Charles Dickens, Groundhog Day, Anti-Schuppen-Shampoo, Nasentropfen undsoweiter...

Heute ging es während der Vorlesung in Moraltheologie unter anderem um das Thema "Nachwuchs". Die Abtreibung wurde ein wenig durchleuchtet und natürlich als nicht korrekt bewertet (Gedankenspiele der Marke: "Aber was ist, wenn die Abtreibung das Leben der Mutter rettet?" wurden außen vor gelassen, da das Prinzip des doppelten Effektes bereits im Ethik-Unterricht behandelt wurde). Professor Giertych erwähnte dann so im Vorübergehen, daß Leute, die das Kinderkriegen als ein absolutes Recht betrachten, das Kind schon vor der Geburt in eine Art Konsumgegenstand verwandeln. Natürlich soll keinem Ehepaar der Wunsch nach Nachwuchs verweigert werden. Aber die künftigen Eltern sollen das Kinderkriegen eben nicht als ein absolutes Recht betrachten. Ich überlegte ein wenig hin und her und es leuchtete mir ein: Der Aspekt des Lebens als ein Geschenk geht verloren, weil man ja nicht wirklich einen legalen Anspruch auf ein Geschenk erheben kann. Aber man kann und darf sich ein Geschenk wünschen. Deswegen heißt es wohl auch "Kinderwunsch" und nicht "Kinderkauf".

Und wenn man das Geschenk gar nicht haben will? Es mag Menschen geben, die Anderen absolut unnütze und obendrein auch noch unappetitliche oder grottenhäßliche Geschenke machen. Trotzdem landen diese Geschenke wohl erst nach reiflicher Überlegung und einigen Gewissensbissen im Müll. Wahrscheinlich werden sie aber einfach irgendwo weit hinten im Schrank aufbewahrt. Wenn der Schenkende eine gänzlich fremde Person oder ein ganz entfernter Bekannter ist, dann kann es vielleicht auch vorkommen, daß der Briefbeschwerer aus pinkfarbenem Kunststoff in Form eines Hundehaufens auch gleich im Abfall landet. Von den Extremfällen einmal abgesehen: Wenn jemand ein Geschenk bekommt (egal ob von mir oder von einer anderen Person), dann wünsche ich, daß er oder sie es in Ehren hält. Dies nicht, weil ich mich um den Stolz des Schenkers sorge, sondern weil es lehrreich und heilsam ist, wenn Menschen, die etwas besitzen, was sie nichts gekostet hat, nicht so tun, als sei es nichts Wert.

Was ist an dem Geschenk des im Mutterleib heranwachsenden Lebens unnütz, unappetitlich oder häßlich? Grund für eine Abtreibung ist doch in der Regel das Erscheinen zur unpassenden Zeit, das "Ich brauche..." des Kindes, welches dem "Ich will..." der Mutter widerspricht.

Zu der legitimen, sich auf Extremfälle beziehenden Frage "Was, wenn durch den Tod des Kindes das Leben der Mutter gerettet werden kann?" läßt sich eine wenigstens ebenso legitime, sich auf bedeutend weniger extreme Fälle beziehende Frage stellen: "Was, wenn durch den Verzicht der Mutter das Leben des Kindes gerettet werden kann?"

Monday, May 12, 2008

Am Ziel - und doch erst am Anfang

Nachdem ich gestern nach meiner späten Ankunft in Rom nur noch flott das Bild vom Southpark-Regularkanoniker gepostet habe, gibt's jetzt auch die Bestätigung im Wort: Das Kapitel des Stiftes Klosterneuburg hat meinen Mitbruder Daniel und mich zur Ewigen Profess zugelassen. Wir haben natürlich gleich nach der Entscheidung im kleinen Kreis ein wenig gefeiert. Die Ablegung der Profess mit offizieller Gratulation und Feier erfolgt aber natürlich erst am 28. August.

Tja, schwer zu sagen, wie ich mich jetzt fühle. Einerseits gar nicht soooo anders, da heute ja schon wieder Uni war und ich angesichts der heranrollenden Examenswelle bereits den Tunnnelblick kriege. Andererseits doch wieder ganz anders, da ich jetzt auf unmißverständliche Weise die Bestätigung erhalten habe, daß man sich im Stift eine Zukunft mit mir sehr gut vorstellen kann. Das freut mich riesig! Denn - das hat wohl jeder treue am römsten-Leser bereits mitbekommen - ich konnte mir vom ersten Tag an eine Zukunft mit dem Stift und im Stift mehr als gut vorstellen. Prima also, daß das Haus und ich da einer Meinung sind!

Während der vergangenen drei Jahre und neun Monate hatte ich natürlich ständig die Ewige Profess vor Augen. Also bin ich jetzt einerseits am Ziel angelangt. Andererseits stehe ich auch wieder am Beginn. Denn nun muß und möchte ich meinen Mitbrüdern zeigen, daß das Vertrauen, welches sie am vergangenen Donnerstag zeigten, berechtigt ist.

Tja, der Herr Alipius wird jetzt versuchen, die Examen mit Anstand über die Bühne zu bringen. Dann geht's Ende Juni zurück ins Stift. Es stehen noch vorprofessliche Exerzitien an. Außerdem möchte ich etwas Italienisch lernen. Schließlich muß ich noch ein wenig Fine-Tuning am neuen Layout unserer englischsprachigen Webpage machen. Die habe ich zwar im September letzten Jahres bereits fertig gestaltet, und die neue Version sollte auch schon längst online sein. Aber dann gab's natürlich eine Kritik-Runde und jetzt muß ich doch noch ein wenig basteln. Macht aber nix, denn ich friemle ganz gerne ein wenig mit HTML rum.

Vielen herzlichen Dank und ein dickes "Vergelt's Gott" für all eure Gebete!


Alles Liebe,
Alipius

Sunday, May 11, 2008

Thursday, May 01, 2008

Bevor ich heimfliege...

... zeige ich euch ein paar Photos von meinen bevorzugten Andachtsplätzen in Rom. Ich habe mir heute meine Kamera geschnappt und bin bei strahlendem Sonnenschein und schon ziemlich bedrohlicher Hitze drei Stunden lang durch Rom spaziert, um erstens in meinen Lieblings-Kirchen ein wenig in mich zu gehen (und abzukühlen) und um ein paar Bildchen zu schießen.


Das Grab der Heiligen Monika in der Kirche San Agostino ist einer dieser Plätze, an denen mich beim Beten hin und wieder das Gefühl beschleicht, als streichele mir jemand wohlwollend gleichzeitig über Seele und Hirn.


Die Kapelle der Heiligen Rosa von Lima in der Kirche Santa Maria sopra Minerva mag ich auch und besonders wegen des wilden Puttenstrudels auf dem Deckenfresko.


Der Olaf-Altar in Sant'Ambrogio e Carlo al Corso hat es mir angetan, weil dort oft ein so wunderbares Licht herrscht und weil Drachen - Unendliche Geschichte hin, Dragonheart her - nun mal erschlagen gehören.


Die Sakramentskapelle in Il Gesu bietet friemligsten Monsterbarock der ersten Stunde und ist darüberhinaus auch einer der Plätze, an denen man immer in Gesellschaft betet, was ich hin und wieder gerne tue.


In Santa Maria Maggiore wird eine Krippenreliquie aufbewahrt. Vor dieser Reliquie kniet Papst Pius IX und schaut so herrlich verzückt, daß ich mich immer gerne für einen Moment dazugeselle und still mitbete.


Okay, jetzt wird's ernst. Morgen nach dem Mittagessen fliege ich ab nach Klosterneuburg. Am achten Mai steht dann die Abstimmung an. Familienmitglieder werden so schnell wie möglich telefonisch über den Ausgang informiert. Für alle anderen treuen "am römsten"-Leser gilt: Keine Panik, wenn ich erstmal nicht poste. Denn das ist ein gutes Zeichen, heißt es doch, daß ich ein wenig feiere.

Alles Liebe,
Alipius

Wednesday, April 30, 2008

Tu es Petrus...

... heißt auf Kölsch keinesfalls "Mach et, Ratze!", sondern ist Latein und bedeutet "Du bist Petrus".


Diesen 500sten Eintrag auf "am römsten" möchte ich unserem Herrn Jesus Christus, seiner Kirche, deren Haupt er ist, und seinem Stellvertreter, unserem Papst Benedikt XVI, widmen.


"Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein." (Mt 16:18-19)


Für die Kirche:
    Herr, besprenge deinen Weinberg
    mit dem milden Regen deiner Gnade,
    damit Hacke und Spaten gut eindringen können;
    mache ihn aufnahmefähig
    und gib deinem unwürdigen Winzer
    die Kraft und das Geschick,
    die Dornen und die Unzahl
    falscher Auffassungen auszureißen,
    welche die Zeit treiben ließ,
    damit dir der Weinberg
    zur rechten Zeit Frucht bringe
    und der Winzer
    den versprochenen Denar erhalte,
    den ewigen Tag.

    (Franz von Sales)

Für den Papst:
    O Jesus, König und Herr der Kirche, in deiner Gegenwart bekräftige ich, gehorsam und fest an der Seite deines Stellvertreters auf Erden, des Papstes, zu stehen und so den treuen und liebevollen Gehorsam nachzuahmen, mit dem du die Sendung erfülltest, die dir der Vater anvertraut hat. Du hast gewünscht, uns in ihm den sicheren und klaren Weg zu zeigen, dem wir inmitten aller Verwirrung, Unrast und Unruhe folgen müssen. Ich glaube fest, dass du uns durch ihn leitest, lehrst und heiligst und dass wir unter seinem Hirtenstab die wahre Kirche – einig, heilig, katholisch und apostolisch – bilden. Gewähre mir die Gnade, seine Lehren wie ein treuer Sohn zu lieben, zu leben und zu verbreiten.

    Wache über sein Leben, erleuchte seinen Verstand, stärke seinen Geist, verteidige ihn gegen alle Verleumdungen und die Bosheit. Bändige die zerstörerischen Winde der Untreue und des Ungehorsams. Gewähre uns, dass deine Kirche um ihn herum einig und standhaft im Glauben und Handeln bleibt und so das Werkzeug deiner Erlösung ist. Amen.

    (Marcial Maciel)

Praktisch...


Gefunden bei Knock Knock.

Herrlich!

Kurz vor der WM in Deutschland im Jahre 2006 wurde dieser "große Fußballpsalm" vom Österreicher Ernst Aigner veröffentlicht. Heute - vor der Partie Deutschland gegen Österreich am 16. Juni - ist dieser Text wieder aktuell. Huldvolle Einstimmung auf das Kicker-Hochamt:
    "Es gibt keinen Gott außer dem Fußball. Das Tor, das meiner Mannschaft zum Siege verhilft, ist das Tor in den Fußballhimmel!" So spricht der Tor in seinem Herzen.

    Allmächtiger, du thronst in Deiner Herrlichkeit über allen Mächten und Gewalten, der sportlichen und der unsportlichen Welt. Auch König Fußball hätte keine Macht, hätte er sie nicht von Dir. Und wäre Dein eingeborener Sohn in jenen Tagen schon fußballspielend auf Erden gewandelt, selbst Kaiser Franz hätte es nicht gewagt, auch nur die Schnürsenkel seiner himmlischen Fußballschuhe zu lösen.

    Wer hat den Rasen und den Ball geschaffen, wer wiegt die Allianz-Arena in seiner Hand wie ein Staubflankerl, wer spannt die Wadenmuskeln Ronaldinhos, wer zirkelt das lederne Rund auf das lockige Haupt von Michael Ballack? Kein Pfiff des Schiedsrichters erschallt ohne dein Wissen, kein Grashalm im Weserstadion ergrünt ohne Deine Zustimmung, und noch ehe der Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt, weißt du schon, in welche Ecke Beckham zielen wird.

    Zu groß ist Deine Weisheit für uns, o Herr, als dass wir sie begreifen könnten!
    Schenke uns große Flachbildschirme, heiße Spiele und kühle Getränke, stille unseren Durst nach fröhlichen Sprüchen, erleichternden Flüchen und hitzigen Debatten.

    Bewahre uns vor verständnislosen Chefs, quengelnden Kindern und nörgelnden Frauen, die ja doch nie kapieren werden, was ein Abseits ist. Verschone uns vor eitlen Schwätzern im Fernsehstudio, randalierenden Roadies und Betrügereien aller Art.

    Erfülle unsere Sehnsucht nach spannenden, fröhlichen und friedlichen Spielen und kröne die beste Mannschaft mit dem Weltmeistertitel.

    Und wenn dann das Theater vorüber ist, o Herr, erhöre noch einmal unser Flehen: Schaue gnädig herab auf unser kleines Österreich. Wie lange schon zürnst Du uns und machst uns zum Gespött unter den Fußballvölkern von Kroatien bis zu den fernen Färöer-Inseln am Rande des Erdkreises. Allmächtiger, habe Erbarmen mit unseren Jausenkickern, schicke uns tüchtige Trainer, die nicht nur Sprüche klopfen, beherzte Spieler, die wieder mehr dem Ball als dem Geld nachlaufen, und lasse uns auf die Fürsprache der Heiligsten Gottesmutter von Cordoba den Piefkes wieder einmal zeigen, wo der Wastl den Most holt!

    Amen.
Schön, oder?

Monday, April 28, 2008

Immer der gleiche Ärger!

Kaum hat die Reise begonnen...

San Salvatore in Campo

Stegi hat in einem Kommentar gefragt, welche Kiche auf dem Photo im Juchei-Artikel abgebildet ist. Da es noch andere Romfreunde geben könnte, die eine der etwas obskureren Kirchen der Ewigen Stadt kennenlernen möchten, schreibe ich einfach einen kleinen Eintrag.

Das abgebildete Gotteshaus ist die Kirche San Salvatore in Campo, welche man an der Ostseite der Piazza San Salvatore in Campo findet. Der Bau wurde im 10. Jhdt errichtet und zum ersten mal in einer im Jahre 1186 promulgierten päpstlichen Bulle schriftlich erwähnt. Ursprünglich dachte man, das Wort "Campo" leite sich von einer Wiese oder einem Feld ab, auf welchem die Kirche stand, bevor die Piazza mit einem Pflaster versehen wurde. Heute nimmt man an, daß mit "Campo" der berühmt-berüchtigte Abt Campone oder Campus von Farfa gemeint ist. Denn die Kirche befand sich im Besitz dieses Klosters.

Farfa ist eine der bekanntesten Benediktiner-Abteien Italiens, und die Geschichte dieses Hauses liest sich streckenweise wie ein Drama, welches ein gewisses Verständnis für jeden hingeschluderten, im Kirchen- oder Klostergewerbe angesiedelten, "historischen" Groschenroman weckt.

Der Legende nach von einem Syrer, dem Heiligen Laurentius, gegründet, wurde das Kloster von den Lombarden im späten 6. Jhdt in Asche gelegt und 681 wieder errichtet. Die Lombarden und später die Karolinger entzogen das Kloster Schritt für Schritt dem Einfluß der Bischöfe von Rieti und sicherten dem Haus viele Immunitäten und Privilegien. Gegen Ende des 9. Jhdts galt Farfa, sowohl was die kirchliche Würde als auch den weltlichen Besitz betraf, als wichtigstes Kloster Italiens. Das weckte natürlich Begehren. Die Sarazenen rannten sieben Jahre lang gegen die Abtei an, bis Abt Peter sich endlich entschloß, Mönche und Schatz zu dritteln und in verschiedene Richtungen (Rom, Rieti, Fermo) davonzuschicken. Die Sarazenen hielten das Haus als Stützpunkt, bis es während eines Kampfes mit Christen in Flammen aufging. Unter Abt Ratfred wurde das Kloster in den Jahren 930-936 erneut aufgebaut.

Und jetzt betritt Campus die Bühne. Damals bereits war in Italien der verwerfliche Brauch bekannt, daß hohe Kirchenämter von lokalen Herrschern an Günstlinge vergeben wurden. Campus - Schützling des Lombardenkönigs Hugo - vergiftete zusammen mit seinem Komplizen Hildebradt Abt Ratfred und setzte sich, mit Hugos Einverständnis, selbst die Mitra auf. Hildebrandt wurde entlohnt, indem er die reichsten Tochterklöster von Farfa "überschrieben" bekam. Es geschah, was häufig passiert, wenn zwei ursprünglich verbündete Verbrecher sich langweilen: Campus und Hildebrandt - beides Leute von Adel - standen sich nach weniger als einem Jahr in offenem Krieg gegenüber. Nach wilden Gefechten und diversen Skandälchen (Campus hat angeblich Klosterbesitz an seine Frau veruntreut) wurde endlich Odo von Cluny als Reformer herbeigerufen. Er tat seinen Job und ein heiligmäßiger Mönch namens Dagibert wurde als Abt eingesetzt, starb allerdings schon ein Jahr später an Vergiftung. In Farfa fielen jetzt endgültig alle Schranken und die Mönche erzielten Rekorde in der Extremsportart "Lotterleben". Erst im frühen 11. Jhdt, unter Abt Hugues (998-1010) wurden greifende Reformen durchgeführt und der Geist der Liebe zu Frömmigkeit und Studium neu erweckt. Nach weiterem Auf und Nieder durch die Jahrhunderte, verlor Farfa im 17. und 18. Jahrhundert an Bedeutung und im 19. Jahrhundert durch Revolutionen an Besitz. Heute ist es Nationaldenkmal.

Zurück zur Kirche: Im 16. Jahrhundert wurde San Salvatore in Campo Pfarrkirche. Das alte Gebäude wurde im Jahre 1638 wegen großflächiger Neugestaltung der umliegenden Plätze niedergelegt. Doch bereits 1639 beorderte Francesco Kardinal Barberini einen Neubau. Die Pfarre San Salvatore in Campo wurde von Leo XII aufgehoben. Nach Nutzung durch eine Bruderschaft und einen Missionsorden wurde die Kirche zu Beginn des 20. Jhdts wegen Baufälligkeit geschlossen. Die "Una Voce"-Gesellschaft ließ das Äußere des Baus ab 1968 restaurieren, bevor das Neokatechumenat ihn in den 80'er-Jahren übernahm und den Innenraum etwas anhübschte. Heute nutzen die Kopten das Gebäude. Ich konnte aber nicht herausfinden, seit wann.

Tja, wie Ihr auf den Bildern seht, könnte die Kirche eine Rundumüberholung ganz gut gebrauchen. Seit ungefähr einem Monat findet sich an der Fassade ein ca. 4 Quadratmeter großes Farbmuster, welches darauf hindeuten könnte, das bald mal wenigstens ein Neuanstrich geplant ist. Wir werden sehen.

Euch einstweilen alles Liebe,
Alipius

Sunday, April 27, 2008

Wenn die Abendsonne so schön knallt...



... dann muß man die Samstagabendpizza natürlich auf der Terrasse zu sich nehmen!

Dies sind einige der Herren, mit denen Gabriel, Max und ich seit Oktober zusammenwohnen.


Wir hatten kurz überlegt, ob wir als Vorspeise Lumache con Mascarpone machen sollen, aber dieses eine einsame Viechlein hätte dann wohl doch nicht gereicht. Also ließen wir es in Ruhe und freuten uns über seine akrobatischen Fähigkeiten, hing es doch kopfüber am Türrahmen zur Terrasse.

Ja, ich will!

Evangelium nach Johannes 14,15-21:
    "Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote. Dann will ich den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben. Es ist der Geist der Wahrheit, der in Ewigkeit bei euch bleiben wird. Die Welt kann ihn nicht empfangen, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr jedoch kennt ihn, denn er wird dauernd bei euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, weil ich lebe, und auch ihr werdet leben. An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und daß ihr in mir seid und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, den wird mein Vater lieben, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren."
So lautet das Evangelium vom heutigen Sonntag.

"Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote."

Und dann Matthäus, Kapitel 22,37-38: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Und dann Lukas, Kapitel 10, 36-37:"Wer von den dreien hat wohl als Nächster gehandelt an dem, der unter die Räuber gefallen war?" Jener antwortete: "Der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat." Und Jesus sprach zu ihm: "Geh hin und tu desgleichen!"

Uff...

Ich befinde mich mittlerweile in der extremen Vorbereitungsphase. Nein, nicht auf die Examen. Sondern auf den 8. Mai, den Tag, an dem ich das Kapitel des Stiftes Klosterneuburg offiziell darum bitten werde, mir die Ablegung der Ewigen Ordensgelübde zu gestatten. Man sollte Sätze wie den folgenden wohl nicht mit Leichtigkeit und ohne Überlegung aussprechen, aber: Dies wird der bisher wichtigste Tag in meinem Leben. Dies wird der Tag, an dem jeder jedem etwas zeigen kann: Ich kann dem Stift beweisen, daß es mir ernst ist, daß ich mich für den letzten Schritt entscheide und dies mit Freude und Gewißheit tue. Das Stiftskapitel kann mir zeigen, daß es mir Vertrauen schenkt und daß es mich in seiner Mitte haben möchte - bis der Tod uns scheidet.

Im Fernsehen gab es mal einen Mann, der - laut Titel der Serie - eine Familie geheiratet hat. Ich heirate über 40 Mitbrüder. Lieben tu ich sie alle, nicht nur, weil ich zur Liebe verpflichtet bin, sondern weil man, wenn man normal tickt, seine Brüder eben liebt - in guten, wie in schweren Zeiten. Ich hoffe, daß Gott mir auch die Kraft geben wird, stets alle meine Mitbrüder als meine Nächsten zu betrachten und ihnen immer Barmherzigkeit zu erweisen. Nicht, daß ihr denkt ich sei ein Wüterich, der ständig Alles und Jeden antobt. Bei weitem nicht. Aber ich rede hier auch weniger von einer Barmherzigkeit in Wort und Tat, sondern vor allem von einer Barmherzigkeit in den Gedanken. Wie schnell kann ein Vorurteilchen wachsen und zu einem Mentalgeschwür werden, welches keinen klaren Blick auf den Anderen mehr erlaubt. Wie schnell kann ein falsch verstandenes Wort auf fruchtbaren Boden fallen und ein wirres Gestrüpp selbstschmeichlerischen Gekränktseins und moralinsaurer Überlegenheitsgefühle wachsen lassen. Das ist mir zuwider. Das will ich nicht. Das dreht mir den Magen um, wenn ich es bei mir entdecke.

Ich liebe meine Mitbrüder und ich will sie lieben. Ich will sie als meine Nächsten sehen, als diejenigen, denen ich im Default-Modus mit Wohlwollen, Großmut und Barmherzigkeit begegne. Sollte ich eines Tages in einer Gemeinde als Pfarrer tätig sein, dann habe ich diesen Christenmuskel wenigtens gut trainiert und kann mit der unglaublichen Vielfalt an Charaktern, die mir dort begegnen werden, hoffentlich sehr gut umgehen.

Ich freue mich auf den 8. Mai.

Saturday, April 26, 2008

Juchei!

Die Kopten feiern heute Osternacht. Also ist bei uns nebenan mal wieder der Bär am steppen. Das ist die erste koptische Osternacht, die ich miterlebe. Ich weiß also nicht, wie lange das Gebrumme anhält. Macht aber nichts. Ich habe mich mittlerweile an die anfangs etwas fremd klingenden Laute ihrer Liturgie gewöhnt und finde es außerdem gut, wenn in Rom mal jemand anders als die Atheisten oder die Autohupen auf der Straße lärmen.


Friday, April 25, 2008

Pixeltown

'Oink!' ist ein spanischer Weblog, dessen Autor eine selbstgepixelte Stadt erschaffen hat (und noch erschafft, denn es ist wohl ein noch laufendes Projekt). Wenn ihr diesen Link besucht und auf das kleine Stadtbildchen klickt, dann könnt Ihr Euch das Projekt mal anschauen. Die Pixelstadt enthält tausendmilliausend liebevolle Details und einige hübsche Verweise auf die Kino- und Pop-Kultur.

Lionel vs. Teddy

In der Grundschule hatten wir Musikunterricht. Mein erstes Instrument war ein Glockenspiel. Ich beherrschte "Hänschen-Klein", "Fuchs du hast die Gans gestohlen" und natürlich "Alle meine Entchen" ziemlich gut. Mein Daddy ist Jazzfan. Irgendwann lief bei uns zu Hause mal Lionel Hampton. Danach hatte ich dann irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu meinem Glockenspiel. Ein paar Jahre später (ich war vielleicht so 13 oder 14) sah ich in einer dieser typischen Samstagabend-Unterhaltungsshows einen Film, in dem Lionel Hampton, Gene Krupa und Chico Hamilton (glaub ich), sich eine Drum-Battle lieferten. Hüstel. Wieso nennen sich all die Lars Ulrichs und Travis Barkers dieser Welt eigentlich Schlagzeuger?

Naja, jedenfalls hat mein alter Herr es geschafft, meine Ohren irgendwie auch ein kleines bißchen für Jazz zu schulen. Klar, ich bin und bleibe eher ein Liebhaber des gepflegten und auch gerne mal obskuren Rock/Pop. Klassik gibt's bei mir nur in der Kar- und Osterwoche und Jazz vielleicht drei- bis viermal im Jahr. Lionel Hampton fand ich aber stets groß und speziell am Vibraphon bewundernswert.

Seit Internet und Youtube kann ich den Meister auch im bewegten Bild sehen. Und irgendein Lionel-Hampton Video auf Youtube hatte dann in der Spalte, die auf Filme ähnlichen Inhalts verweist, einen Link zu einem Teddy Brown Filmchen ("The biggest xylophone player of all times"). "Wer ist denn Teddy Brown?" murmelte ich, während ich auf den Link klickte "Und muß das nicht 'greatest' heißen, statt 'biggest'?" Dann sah ich dieses Einfamilienhaus im Smoking und wußte, was gemeint war. "Haha! 'Biggest'! Der Ärmste ist doch nach dreieinhalb Sekunden schweißgebadet und außer Atem!" Am Ende des 2-Minuten-Videos saß ich nur noch da und dachte ich hätte was Falsches gegessen.

Lionel Hampton hat den Groove im kleinen Finger. Wenn er am Vibraphon rumswingt, dann sieht es so aus, als ob er das Ding nicht spielt, sondern sich damit unterhält und ihm hin und wieder sagt: "Yeah, Baby! So und nicht anders!" Zieht Euch das Video rein (Flying Home, 1957) und Ihr wißt, was ich meine.

Teddy Brown wirkt eher wie ein behäbiger Großindustrieller, der als Hobby nebenher ein wenig musiziert. Er macht auch nicht wirklich Jazz, sondern eher brave Unterhaltungsmucke. Allerdings hat er ein paar Tricks auf Lager, die schon ziemlich wild sind. Laßt Euch von dem beschaulichen Beginn des Videos nicht täuschen. In den letzten dreißig Sekunden wird's zirkusreif. Besondere Aufmerksamkeit ist dem "Einhändig ohne Hinsehen mit Pirouette bei perfekter Beibehaltung des Rhythmus"-Ende zu schenken.

Hier die Videos:

Zuerst Lionel:




Dann Teddy:




Ta-dah!

Thursday, April 24, 2008

Wir sind gekommen...

... um euch zu zeigen, was wahre christliche Liebe ist.


Natürlich dürfen bei einem Papst-Besuch in den USofA die Hardcore-Evangelikalen mit ihrem "Rom ist die Babylonische Hure", "Der Papst ist der Antichrist" oder "Konvertiert oder brennt" Geheule nicht fehlen.

Ich finde die Jungs und Mädels ja einfach nur lustig. Eine meiner Lieblingsnummern dieser Truppe: "Wir hassen Katholiken nicht. Wir lieben sie so sehr, daß wir sie unbedingt aus der Katholischen Kirche raushaben wollen."

Eeeeeew! Da habe ich aber lieber meinen Benedetto, als Eure Liebe!

Heiliger des Tages

Der Heilige Fidelis von Sigmaringen ist wohl eher Wenigen bekannt. Er wurde 1577 als Sohn wohlhabender Eltern in Sigmaringen geboren. Sein Taufname ist Mark, sein Familienname Roy oder Rey. Fidelis ist sein Ordensname, den er annahm, als er 1612 den Kapuzinern beitrat. Gleich nach Beendigung seiner Studien begann er eine rege Tätigkeit als Priester und Beichtvater in und um Feldkirch. Er tat dies mit einigem Erfolg: Viele Calvinisten konvertierten zum alten Glauben und Fidelius wurde nach Graubünden beordert, um auch dort Augen, Ohren und Herzen zu öffnen. Die Calvinisten waren allerdings bereits über sein Wirken informiert und er sah sich vom ersten Tag an Drohungen ausgesetzt. Trotzdem konvertierte auch in Graubünden eine Zahl von Leuten, was die Calvinisten nur noch mehr auf die Palme brachte.

Am 24. April im Jahre 1622 erlitt Fidelis dann den Märtyrertod, auf welchen er sich schon seit einiger Zeit vorbereitet hatte. Fidelis predigte an diesem Tag, beschützt von einigen Habsburg-Soldaten, in einer Kirche in Sévis. Während der Predigt riefen die Calvinisten die Zuhörer zu den Waffen. Einige stellten sich auch tatsächlich den Soldaten entgegen, während die etwas Standhafteren den Prediger überredeten, die Stadt schleunigsts zu verlassen. Fidelis tat dies, kehrte aber später alleine zurück. Auf dem Weg wurde er von 20 Calvinisten gestellt, die ohne Erfolg von ihm verlangten, dem Katholischen Glauben abzuschwören:
    "Ich wurde hergeschickt, euch des Irrtums zu überführen und nicht, um eure Häresie zu umarmen. Die Katholische Religion ist der Glaube aller Zeitalter. Ich fürchte den Tod nicht."
Das war auch besser, denn Sekunden später hatte er einen gespaltenen Schädel und einen perforierten Leib. Zudem wurde ihm das linke Bein abgehackt, als Strafe dafür, daß er so viele Reisen in die Gegend unternommen hatte.

Heiliger Fidelis, bitte für uns.