Sunday, December 09, 2007

Die fünf Wege (III)

Der dritte Weg des Doctor Angelicus spricht vom Möglichen und Notwendigen
    Tertia Via

    Der dritte weg ist von dem Möglichen und Notwendigen her genommen und verläuft so:

    Wir finden nämlich unter den Dingen solche, welche die Möglichkeit haben zu sein und nicht zu sein, da sich einiges findet, das entsteht und vergeht und infolgedessen die Möglichkeit hat zu sein und nicht zu sein. Es ist aber unmöglich, daß alles von dieser Art [ewig] sei, weil das, was möglicherweise nicht sein kann, auch einmal nicht ist. Wenn also alles die Möglichkeit hat nicht zu sein, dann war hinsichtlich der Dinge auch einmal nichts. Wenn dies aber wahr ist, dann wäre auch jetzt nichts, weil das, was nicht ist, nur anfängt zu sein durch etwas, was ist. Wenn also [einmal] nichts Seiendes war, dann war es auch unmöglich, daß etwas zu sein anfing, und so wäre nun nichts: was offenbar falsch ist. Also ist nicht alles Seiende nur Mögliches, sondern es muß auch etwas Notwendiges unter den Dingen geben.

    Jedes Notwendige aber hat die Ursache seiner Notwendigkeit entweder von anderswoher oder nicht. Es ist aber nicht möglich, daß es ins Unendliche bei den notwendigen [Dingen] gehe, die eine Ursache ihrer Notwendigkeit haben, wie dies auch bei den Wirkursachen nicht möglich ist, wie [oben] bewiesen.

    Also ist es notwendig etwas anzunehmen, das an sich notwendig ist und die Ursache seiner Notwendigkeit nicht von anderswoher hat, sondern das [vielmehr] Ursache der Notwendigkeit für die anderen [Dinge] ist.

    Dies nennen alle Gott.
Auch nicht von schlechten Eltern.

1 comment:

Berolinensis said...

Allerdings, möchte man beim doctor universalis ja aber auch nicht anders annehmen. Hier wieder meine Laien-Übersetzung:

Der dritte Weg wird von dem genommen, von dem es möglich und notwendig ist, daß es dieser Art ist. Wir finden nämlich unter den Dingen einige, von denen es möglich ist, daß sie sind und daß sie nicht sind, da es ja manche gibt, die entstehen und vergehen, und bei denen es folglich möglich ist, daß sie sind und daß sie nicht sind. Unmöglich ist es aber, daß alles, was ist, von dieser Art ist, denn wovon möglich ist, daß es nicht ist, ist (notwendigerweise tatsächlich) irgendwann einmal nicht. Wenn es also bei allen Dingen möglich ist, daß sie nicht sind, war irgend einmal nichts von den Dingen. Wenn das aber wahr ist, dann wäre auch jetzt nichts, denn was nicht ist, fängt nicht an zu sein außer durch etwas, das ist; wenn also nichts seiend gewesen ist, war es unmöglich, daß etwas anfing zu sein, und so wäre (auch) gerade jetzt nichts, was offensichtlich falsch ist. Nicht alle Dinge sind also möglich , sondern es muß unter den Dingen auch irgend etwas Notwendiges geben. Alles Notwenige aber hat entweder eine Ursache für seine Notwendigkeit anderswoher, oder hat (eine solche) nicht. Es ist nämlich nicht möglich, bei den notwendigen Dingen, die eine Ursache für ihre Notwendigkeit haben, ins Unendliche fortzuschreiten, wie auch nicht bei den bewirkenden Ursachen, wie (oben) bewiesen wurde. Es ist also unumgänglich etwas anzunehmen, das aus sich heraus notwendig ist, ohne daß es eine Ursache für seine Notwendigkeit anderswoher hat, sondern was (selbst) die Ursache für die Notwendigkeit für andere (Dinge) ist, (und) dies nennen alle Gott.