Wednesday, May 31, 2006

Der gehorsame Bruder...

Okay!

Angeregt von meinem Schwesterherz (Huhu! Grüße! Winkewinke!), werde ich nun mal die Besten Filme aller Zeiten bekanntgeben. Okay, okay, okay: Die meiner Meinung nach echt sehenswerten und coolen Streifen. Ich habe blöderweise in meinem Leben einen Riesenhaufen von Filmen gesehen, also werde ich echte Schwierigkeiten haben, mich zu entscheiden, bzw. grade jetzt an die wichtigen und richtigen Filme zu denken. Aber was soll's. Weil's so viele sind, werde ich die Filme nach Genres aufteilen und über einige Tage oder Wochen verstreut veröffentlichen. Fertig? Also, ab gehts:


Kommödien
Zum Aufwärmen erstmal die Lacher. Da gibts natürlich schon echte Probleme. Aber als Verbeugung vor der indirekten Initiatorin dieser Listen, müssen vier Streifen unbedingt hierher:
"Eins, zwei, drei...": "SCHLEMMER!" Die Tatsache, daß während der Dreharbeiten zu diesem Ost-West/Kapitalismus-Kommunismus-Brüller die Berliner Mauer errichtet wurde, sorgte zusammen mit einigen kleinen Anspielungen auf die braune Vergangenheit Deutschlands dafür, daß der Film im Dezember 1961 beim Start in den bundesdeutschen Kinos einen Reinfall biblischen Ausmaßes erlebte. 1985 gab's dann einen Neustart. Und ich kann nur sagen: Ich hab mich weggeschmissen. Hier haben ein paar ganz wache Filmemacher genau zum richtigen Zeitpunkt erkannt, daß die Realität manchmal einfach zu bitter ist, um ernst abgehandelt zu werden.
Hairspray: Trash-Papst John Waters läßt es in diesem Film vergleichsweise geschmackvoll zugehen. Und er bringt es zudem fertig, mit seiner schreiend komischen Hommage an die Sixties-Danceshows ein gepfeffertes Statement in Richtung Minderheitenselbstbewußtsein abzugeben. Denn während die hübschen, weißen Snobs einfach nur verkrampft und vorurteilsverseucht auftreten, sind die Fetten und die Schwatten mit sich voll im Einklang. So was kann schnell zu einer Parade erhobener Zeigefinger mit viel Toleranzschmalz verkommen, aber Waters liefert es als lupenreine Kommödie ab, die einfach auch ein wenig Nachdenken erlaubt. Und - bitte - Debbie Harry mit Zeitbombe im Biehnenkorb? Ich hab heute noch Seitenstiche.
Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß: "Wo ist dein Bruder?" - "Er sitzt mit seien Freunden in der Garage und schnüffelt Klebstoff." Mehr muß ich, glaub ich, gar nicht mehr sagen. Außer vielleicht, daß "Toc-Toc" einer der coolsten Kindernamen der Filmgeschichte ist.
Verrückt nach Mary: Ich hab in Kinos häufig bei Kommödien den nächsten Satz nicht mitgekriegt, weil die Leute so laut und so lange gelacht habe. Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, gingen so ziemlich 70% der Dialoge flöten. Ich weiß, der Humor ist nicht immer stubenrein oder geschmackvoll. Aber wenn ich mich daran erinnere, wie im Mittelgang die Leute auf dem Boden lagen, weil sie einfach nicht mehr Sitzen konnten, oder wie meine Schwester zu meiner Rechten kaum noch Luft bekam, dann fange ich jetzt schon wieder zu kichern an.
Lobende Erwähnungen: Clerks, Dr. Strangelove, Der rosarote Panther (Sellers, versteht sich), Arizona Junior


Kostümschinken
Les Liaisons Dangereuses: Ich werde nie verstehen, warum John Malkovich den Oscar nicht nur nicht bekam, sondern noch nicht einmal nominiert war. Denn er trägt seinen Vicomte de Valmont so grandios, so lässig und so echt durch die Paläste und Gärten des vorrevolutionären Frankreichs, daß man auf der einen Seite sofort versteht, warum die Köppe damals runter mußten und auf der anderen Seite dieser Zeit ewig nachweint. Okay, ein paar Tränen sind wohl auch der Musik, den Interieurs und den Kostümen (hier gab's den Oscar) zuzuschreiben.
Ridicule: Wieder Frankreich, wieder wenige Jahre vor der Revolution. Hier aber geht es mehr um das geschliffene Wort (den Esprit), als um Liebesreigen. Der Film bietet prima Darsteller, schicke Kostüme und eine aufregende Geschichte. Und er schafft es - meiner Meinung nach - eine richtig düstere Vorahnung aufkommen zu lassen. Wenn man den selbstverliebten adligen Wortkünstlern so zusieht und zuhört und dann König Ludwig den Sechzehnten als knüffig-einfältige Kleiderpuppe durch die Gegend stolpern sieht, dann weiß man schnell, wer bei Hofe regiert, bzw. es nicht tut, und man ahnt schon, wie das wohl enden muß.
Amadeus: Okay, mittlerweile hat es jeder geschnallt: Das 18. Jahrhundert hat es mir angetan. Und muß ich zu diesem Augen- und Ohrenschmaus wirklich noch viel sagen?
Ein Mann zu jeder Jahreszeit: Diese filmische Umsetzung von Robert Bolts' Theaterstück über die Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Achten und Thomas More war seinerzeit ein echter Überraschungserfolg, der ganz schwer Oskars eintütete. Es ist aber auch ein starker Film. Kein Augenfutter, keine große Aufregung, sondern ein dialoglastiges Forschen nach Ethik und Moral auf hohem Niveau. Dazu Orson Welles als bester Kardinal Wolsey der Filmgeschichte.
Napoleon: Hier meine ich keineswegs die 2002er TV-Euro-Koproduktions-Schnarchnummer, sondern das dreieinhalbstündige Monster-Stummfilmwunder von Abel Gance aus dem Jahre 1927. Gedreht wurde der Film als Tryptichon, so daß auf drei separaten Leinwänden entweder die Massenszenen als Breitbild laufen konnten, oder die auf der Mittelleinwand sich abspielende Haupthandlung rechts und links mit anderen Bildern untermalt oder komentiert werden konnte. Dieser Film erfordert Sitzfleisch, aber man sollte ihn wirklich einmal gesehen haben.
Lobende Erwähnungen: Der Löwe im Winter (von 1968, nicht das Remake), Der Name der Rose, Krieg und Frieden


Das war's erstmal. Ich weiß, ich habe tausend Filme vergessen, die es ebenfalls verdient hätten, in die Listen aufgenommen zu werden und ich entschuldige mich hier und jetzt vorbehaltlos.

    "Ich liebe diese Listen-Erstell-Anlässe, wenn ich auch weiß, daß wir uns alle schämen sollten, solche Dinge öffentlich zu tun."

    Richard T. Jameson, Herausgeber von Film Comment


Alles Liebe,
Alipius

3 comments:

Anonymous said...

Well, well... Das ist ein guter Anfang! Werde in mich gehen, um meine Persönlichen Highlights zu eruieren. Bis dahin: VIEL SPASS IM SCHWIMMBAD (gnarz) und liebe Grüße aus dem Permafrost!
Schwesterherz

Anonymous said...

"Das 18. Jahrhundert hat es mir angetan." ?

Aber Hallo, Herr Alipius dann dürfen Sie sich aber einen Film nicht entgehen lassen und mich wundert es ausdrücklich, dass sie diesen nicht schon gesehen haben und er nicht ganz oben auf der Liste ihrer Kostümschinken steht:

"BARRY LYNDON" von Stanley Kubrick!
Wenn das nicht die Erfindung des Kostümschinkens schlechthin ist, weiss ich auch nicht. Da wirst Du dahinschmelzen vor "Augen- und Ohrenschmaus". Ein exquisites Bilder- und Musikgewitter wird deine Sinne durchzucken. :-)

Alipius said...

Aaaaaaaaaach, Mist!

Na klar! Barry Lyndon! Natürlich habe ich den gesehen!
Aber, wie ich im Post bereits sagte: Ich habe sicherlich einige Filme vergessen, die es ebenfalls verdient hätten, in den Listen zu stehen. Und, ganz klar, Barry Lyndon ist einer von diesen. Also: Extra-Lobende-Erwähnung: B A R R Y L Y N D O N !