Monday, February 20, 2006

Also wie war das jetzt mit diesem superlangen roten Seidendings?

Tag zusammen!

Wie bereits angekündigt greife ich nochmal das Thema "Cappa Magna" auf.

Grundsätzlich ist folgendes zu sagen: Spätestens seit dem mittlerweile schon legendären und von mir leider versäumten Auftritt von Kardinal Pell (Foto oben links) in Düsseldorf anläßlich des Weltjugendtages ist das Interesse an der Cappa gewachsen, zumindest im Internet. Denn dort findet man haufenweise Beiträge, Artikel, Blogs in denen dem Erzbischof von Sydney entweder breit grinsend zwei erhobene Daumen entgegengehalten werden, oder ihm entrüstet der Vogel gezeigt wird (wobei die positiven Stimmen übrigens überwiegen). Der Anlaß für das Tragen der Cappa war eine von Juventutem organisierte Potifikalvesper. Juventutem ist eine Jugendorganisation, die sich unter anderem für die Feier der tridentinischen Messe einsetzt.

Die auf den ersten Blick wertfreie aber dennoch leicht getönte und immer wieder gerne gestellte Frage "Muß man sowas denn tragen?" ist leicht zu beantworten: Nein! Von "müssen" im Sinne einer lebenserhaltenden Maßnahme kann beim Tragen einer Cappa Magna nicht die Rede sein. "Darf" man die Cappa tragen? Ja. Der Gebrauch ist seit 1969 eingeschränkt, aber es gibt keine Regelung, welche die Cappa verbietet. "Soll" man die Cappa tragen? Wenn der Anlaß es gestattet, die Anwesenden es in einem gewissen Grade erwarten und der Rahmen dadurch insgesamt aufgewertet wird, dann ja.


Jetzt möchte ich zuerst auf das Photo zur Rechten hinweisen, welches die Kardinäle Frings und Spellman zeigt und dann die Lieblings-Argumente gegen die Cappa Magna ein wenig entschärfen. Die von mir sehr geschätzte Feststellung "Christus ist ja auch nicht in der Cappa zur Kreuzigung gegangen", beweist zwar einen hohen Grad an Aufmerksamkeit während der Lektüre der Frohen Botschaft, ist aber ansonsten nicht wirklich zugkräftig.

Das "mangelnde Demokratieverständnis" und die "unangemessene Selbsterhöhung" sind ebenfalls ein schwacher Schuß. Wer glaubt, daß ein Bischof, der die Cappa Magna trägt, dadurch nur andeuten will, wie weit abgehoben er vom Rest des Kirchenvolkes ist, sollte sich mal die Leute anschauen, die stundenlage Fahrzeiten auf sich nehmen, nur um bei einem Pontifikalamt im tridentinischen Ritus dabei sein zu können. Die freuen sich über diesen Anblick. Die feiern gerne und aus voller Brust mit. Die wissen, daß sie, die alltäglich und normal gekleideten und er, der mit langer Schleppe daherschreitende Prälat, eine große Familie bilden, in der jeder Anteil an allem hat. Somit hebt die Cappa nicht ab, sondern tut genau das Gegenteil: Sie schweißt zusammen.

"Aber das ist doch tiefstes Mittelalter!" Wenn man bedenkt, daß die Cappa in der heutigen Form im Jahre 1446 eingeführt wurde und, wie gesagt, ihr Gebrauch immer noch gestattet ist, dann sind einige Meter scharlachfarbener Moirée-Seide so mittelalterlich wie eine Fronleichnamsprozession.

"Trotzdem! Das Ding ist ein Hoheitszeichen. Es ist byzantische Pracht, höfische Kultur und hat mit der heutigen Zeit nicht das geringste zu tun!" Wenn man sich die streckenweise oberkranken und alles andere als christlichen Auswüchse der "heutigen Zeit" genauer betrachtet, dann sollte es bei einer Sache wie der Gestaltung der Liturgie in gestattem Rahmen doch bitteschön den direkt Beteiligten überlassen bleiben, was womit etwas zu tun hat.

"Aber das Ding kostet doch sicher TAU-SEN-DE von Euro! Von dem Geld kann man doch hungrige Kinder ernähren oder ein paar hundert Meter Straße in den Anden bauen!" Hier haben wir ein schönes Beispiel von der Gesellschaftsfähigkeit der Heuchelei und der Doppelmoral. Bei einer Kirche, die angeblich so unermeßlich reich ist wie die Katholische, kann die Frage jawohl kaum lauten: "Wat kostas?" wenn ein würdig und schön gekleideter Priester eine Heilige Handlung vollzieht. Richtig formuliert lautet die Frage: "Macht die Kirche mit ihrem Geld denn auch etwas Sinnvolles?" Daß man diese Frage mit gutem Gewissen mit "ja" beantworten kann, ist ja wohl hinlänglich bekannt. Ich wüßte auf der anderen Seite aber manchmal gerne, was all die Leute, die sich im Internet so heftig gegen jegliche Form von Kirchenpracht engagieren, an unnützem Zeugs besitzen, welches man zugunsten der Armen verkaufen könnte, um seine Einstellung aus der "Wasser predigen, Wein trinken"-Ecke in ein günstigeres Licht zu rücken. Wie gesagt, ich wüßte es nur gerne, kann mir aber kein Urteil erlauben. Möglicherweise haben die ihren Computer auf einer Jaffa-Kiste unter einer Brücke aufgestellt und besitzen ein ganz langes Kabel.

Dann gibt es natürlich noch meinen persönlichen Favoriten aus der Ecke "Wie affig/unmännlich/tuntig! Männer in Frauenkleidern!" Hier genügt ein Blick in die Bücher, um zu erkennen, daß die Priester der Katholischen Kirche bei einer Zeremonie selten einmal in Hosen anzutreffen sind und daß weder Schleppen noch Seide noch Spitze alleine den Damen vorbehalten waren oder sind. Es ist eigenartig, daß oft die "Boah! Total schwul!"-Vorwürfe die ätzendsten und aggressivsten sind. Andererseits ist es natürlich auch einleuchtend: Solange man sich nicht am Empfänger-Ende eines Vorurteils befindet ist man fein raus und kann Fragen über die eigene Person hübsch kleinbrüllen. Und dies möglichst lang anhaltend. Denn was wäre, wenn man mal die Klappe hält und dann plötzlich eine unangenehme Stille eintritt, die einen dazu verleiten könnte, über die wirklichen Ursachen des ungemütlichen Gefühles nachzudenken, das einen überfällt, wenn man einen Prälaten in Cappa Magna sieht? Das Bild oben zeigt übrigens Friedrich Kardinal Piffl, Erzbischof von Wien und vorher Propst des Stiftes Klosterneuburg. Ein schöner Beweis dafür, daß es nicht die Kleider des Betrachteten sondern meistens die inneren Dämonen der Betrachter sind, die einen Mann unmännlich wirken lassen. Denn der Herr Kardinal sieht doch wirklich kerlig genug aus, gelle?

Abschließend ist zu sagen, daß natürlich jedermann, der ausgefeilte Liturgie in höchtmöglichem Pomp-Rahmen als einziges Ziel seines Katholiken-Daseins sieht, in die Irre geht. Andererseits ist es völlig überdreht, von einem zugegebenermaßen altmodisch wirkenden aber trotzdem schönen Kleidungsstück wie der Cappa Magna auf eine grundsätzlich negativ zu bewertende Einstellung einzelner Prälaten oder gar der ganzen Kirche zu schließen. Laßt den Leuten ihren Spaß (und mir den meinen, denn ich muß gestehen, daß ich die Cappa gerne sehe)! Wo, wenn nicht bei der Feier einer Heiligen Messe, ist es angebracht, es so richtig krachen zu lassen? Das Leben ist oft ernst genug und ich kann auch nicht das geringste Übel darin sehen, wenn man aus Freude an Christus mal etwas dicker aufträgt.

Alles Liebe,
Alipius

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