Saturday, November 18, 2006

Neues vom römischen Straßenverkehr

Sicher, er gibt viel zu mosern, wenn es um den Verkehr in Rom geht. Zum einen sind die Fußgänger wohl nirgendwo auf der Welt wo gedankenlos und nerivg wie in der Ewigen Stadt. Da wird aus Hauseingängen oder Geschäften gesprungen, ohne vorher zu schauen, ob vielleicht von rechts oder links jemand kommt. Da wird auf dem engsten Bürgersteig zu zehnt im Pulk geschwatzt, so daß jede klapprige Oma auf die Straße treten muß, um vorbeizukommen. Da wird plötzlich mitten im Gang angehalten, um in der nächsten Nanosekunde ohne über die Schulter zu blicken abrupt um neunzig Grad nach recht oder links die Richtung zu wechseln und so in den Weg der nachfolgenden Person zu treten. Daß da jemand ist, wird in der Regel auch erst dann wahrgenommen, wenn man im Gehen einmal kräftig mit dem Fuß aufstampft, bevor es zum Zusammenstoß kommt oder wenn man, nachdem man das Hindernis erfolgreich und ohne Unfall in dessen Rücken umkurvt hat, ein Schnarchgeräusch imitiert.

Zum anderen sind die Straßen einfach ständig verstopft, aber das ist ja nichts Neues. Es ist aber Ausgangspunkt für zwei weitere, nicht uninteressante Beobachtungen: Erstens sollte man es sich gründlichst überlegen, ob man sich in Rom jemals so schwere Verletzungen zuziehen will, daß ein Transport im Krankenwagen nötig wird. Denn - und ich reiße jetzt keinen Witz - ich habe schon erlebt, daß eine Ambulanz geschlagene fünf Minuten mit Blaulicht, Lichthupe und Sirene im Stau stand und nicht weiterkam, weil die davor stehenden Wagen einfach keinen Millimeter Platz zum manövrieren hatten. Und dann sind da die täglichen Dienstfahrten irgendwelcher römischer Großkopferten von A nach B. Das sieht in der Regel so aus: Vorneweg eine dunkle Limousine mit Blaulicht und Tatütata. Der Fahrer trägt Dreitagebart und Sonnenbrille. Der Beifahrer hält eine Verkehrskelle aus dem Fenster und winkt damit hektisch alles aus dem Weg. Dann können optional einige Motorräder mit irgendwas Uniformiertem drauf folgen. Und dann kommt ein dicker Wagen mit schwarzverglasten Fenstern in denen die jeweilige Realpräsenz durch die Straßen geschaukelt wird. Abgeschlossen wird der Treck von einem weiteren Blaulichtgefährt. Das Ganze finde ich deswegen so witzig, weil in Deutschland wahrscheinlich sofort der KGB ("Koordinationsworkshop zur Gleichbehandlung aller Bürger") eine Riesendemo anzettelte, wenn so etwas an der Tagesordnung wäre. In Rom bewegt sich - vorausgesetzt der entsprechende Platz ist ausnahmesweise mal vorhanden - der ganze Verkehr einfach für zehn Sekunden nach rechts oder links, Fußgänger hüpfen kurz mal zur Seite, Mütter legen sich für die Dauer des Ereignisses schützend über ihre Kinder und fertig. Niemand scheint sich daran zu stören. Manchmal ist diese perfekt laissez-faire-Einstellung der Italiener auch ganz angenehm. Naja, andererseits sind diese Leute von ihren Politikern ja auch so einiges gewöhnt. Die freuen sich wahrscheinlich, wenn "die da oben" sich nicht mehr rausnehmen, als einige Verkehrsprivilegien.

Ansonsten geht hier in Rom alles seinen gewohnten Gang. Karidnal O'Brien und Erzbischof Conti waren die Woche über im Kolleg und hatten Einzelgespräche mit den Studenten. Es war so eine Art Visitation (nicht im schlimmen Sinne) und man wollte wohl herausfinden, ob es irgendwo etwas zu verbessern gibt oder ob alles im grünen Bereich ist. Am Montag hatten wir Messe in der ungarischen Kapelle im Petersdom. Der ganz frühe Morgen ist wirklich die einzige Zeit des Tages, zu der man sich in den Petersdom begeben sollte, denn ab acht Uhr ist dort dank der Milliarden von Touristen, die nicht immer so ganz wissen, wie man sich in einem katholischen Gotteshaus zu benehmen hat, Südkurve angesagt.

Alles Liebe,
Alipius

1 comment:

Cicero said...

Mein erstes Autofahrerlebnis in Rom:

Nach langer Fahrt endlich angekommen, war "nur" noch die Suche nach dem Quartier zu bewältigen. Der Verkehr in Rom ist nur genial. Rote Ampel? egal! Gas und weg! Nachdem ich das drei- bis viermal gesehen hatte, fuhr ich an der nächsten roten Ampel einfach hinter dem vorherfahrenden Römer ebenfalls über die rote Ampel. Prompt höre ich Sirenengeheule und sehe einen Motorradpolizisten im Spiegel. *schluck* In Sekundenbruchteilen rechnete ich mir aus, um wieviele Lire meine Urlaubskasse jetzt schrumpfen würde.
Was passierte? Der Polizist fuhr neben mein Auto und machte mit weißbehandschuhtem Zeigefinger "Du Du Du" , gab Gas und war weg. *erleichterung* Meine Frau neben mir erlitt einen Lachkrampf.

Nun weiter bis zu der Straße, die zu unserer Unterkunft führen soll (lt. Stadtplan - klappte bis dahin prima)
Einbahnstraße falsche Seite :( Einfahrt verboten
Nächste Straße: Einbahnstraße falsche Seite :( - Einfahrt verboten
etc.
Zu unserem Ziel führten nur Einbahnstraßen in die falsche Richtung!!!
Nach drei wirklich großen Runden, faßte ich mir endlich ein Herz und fuhr verkehrtherum in die Einbahnstraße. Am Ziel angekommen, klärte man uns auf, daß es nur diese Möglichkeit gibt, da vor drei Jahren ein Schild falsch angeschraubt worden sei. (Menno, ich hätte eine Stunde eher am Ziel sein können.)
Wann es denn geändert werden solle? ... Domani ... (Seit drei Jahren)

Ich liebe Rom :)

und den Petersdom in den frühen Morgenstunden.