Monday, October 23, 2006

"Religionskritik"

Ja, schade, daß ich mich wieder einmal über Dinge aufregen muß, die Andere gesagt haben.

Alois Payer, geb. 1944, war 1965 noch Theologiestudent und ist heute "lic. phil., M.A, Indologe, Buddhologe und Religionswissenschaftler, unterrichtet(e) als Lehrbeauftragter an Universitäten und Hochschulen Indologie, Buddhologie, Religionswissenschaften, Entwicklungsländerstudien".

Auf seiner zusammen mit Gattin Margarete geführten Homepage bietet er Informationen zu diversen Themen. Ein Bereich nennt sich "Religionskritik" und ist ein unerschöpflicher, zweifellos in mühsamer Arbeit zusammengetragener Fundus mit weniger religionskritischen, als antiklerikalen, antipäpstlichen und antikatholischen Katikaturen, Texten, Gedichten, Schmähschriften aus den letzten fünf Jahrhunderten, die gebetsmühlenartig und auf bigott-selbstgerechte Art und Weise immer wieder die gleichen Verzerrungen, Verunglimpfungen, Einseitigkeiten und Groteskerien durchkauen, mit denen heutzutage zum Beispiel auch ein Karlheiz Deschner noch seine goldene Nase finanziert.

Mit diesem uralten, ewiggestrigen, miefigen Kram will ich mich auch gar nicht lange aufhalten. Zwei Dinge jedoch seien an dieser Stelle zitiert, weil sie ein gewisses Licht auf Payer als Kirchenkritiker werfen, welches man durchaus als exemplarisch bezeichnen darf:

Die Seite "Christlicher Aberglaube" widmet Payer seiner "eigenen klerikalen Vergangenheit". Unter einem Bild, das ihn als Theologie-Studenten zeigt, sieht man eine Illustration mit den erklärenden Worten von Gustav Heinemann: "Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst". Payers Statement dazu: "Dies soll mich stets vor Selbstüberheblichkeit bewahren (als ob andere einen überheben könnten), da auch ich Aberglauben und Irrtum, Dunkelmännertum und Pfafferei verfallen war". Alles klar?

So bescheiden und nicht-selbstüberhebend, wie dieses Zitat oder die Aufzählung seiner Titel und Würden ist dann auch folgende Bildüberschrift von Payer anläßlich der Amtseinführung Papst Benedikt XVI: "Amteinführung des Heiligen Vaters (dass er nicht "heilig" ist, sieht man, ob er Vater ist, weiß ich nicht). Grüße aus Tübingen 1968 an den schon damals langweiligen Schwätzer und jetzigen Papa-Ratzi". Genau! Da muß schon ein sich von Katzen inspirieren lassender, seinem Kater Todesanzeigen schreibender Ex-Seminarist her, damit der Welt die Augen über die wahren intellektuellen Qualitäten des Heiligen Vaters geöffnet werden.

Viele, allzuviele sogenannte "Kirchenkritiker" tappen immer wieder in die Falle der Eitelkeit, der Selbstzufriedenheit, der Selbstgerechtheit (Charaktereigenschaften, die sie bei Priestern, Bischöfen und Päpsten immer gerne suchen und auch zu finden glauben).

Es ist mittlerweile seit meiner letzten empirischen Erhebung fast ein Jahr vergangen, und ich sage es nochmals: All die Kirchenkritiker jener Couleur, die ich bis zum heutigen Tage kennenlernte, waren fast ausschließlich sauertöpfische, humorlose, sinnesfeinliche, sich selbst viel zu ernst nehmende Trockenpflaumen. Wenn ich mir hingegen die Ordensfrauen, Ordensmänner, Seminaristen, Priester und auch Bischöfe anschaue, mit denen ich aufgrund meines Romaufenthaltes mittlerweise scharenweise Bekanntschaft schließen konnte, denn sehe ich überwiegend ernsthafte, bescheidene, energiegeladene, freundliche, christliche Individuen, die über sich und mit anderen lachen können und die sich darauf freuen, bald gemeinsam die Botschaft unseres Herrn in die Welt zu tragen. Die Kirche blickt in die Zukunft, die Kirchenkritik stochert in der Vergangenheit.

"Unter den Talaren der Mief von 2000 Jahren". Auf wen sich das nur beziehen mag?

Alles Liebe,
Alipius

4 comments:

henteaser said...

Bleibt zu hoffen, dass die Katholische Kirche nicht nur in die Zukunft blickt. - Abgesehen davon sind längst nicht alle Religionskritiker unlustig. Siehe George Carlin.

Georg said...

no das ist nicht der einzige Ex-Kleriker, der seine mißglückte Vergangenheit auf diese Weise zu bewältigen versucht.
als ich noch Mönch und ebenfalls Allumne eines Studienkollegs war, erschien ein im Abgang begriffener Mitbruder zu jedem Offizium mit einem demonstrativ vorgeführten Klassiker der Religionskritik, das er dann demonstativ während des Offiziums las.
Damals, in den frhen 80er Jahren wurde soetwas von der Leitung des Hauses betulich ignoriert und verharmlost; und im Rückblick entlockt mir das Ärgernis von damals heute auch ein gewisses Schmunzeln....

Alipius said...

@ henteaser
Yo, ich hoffe auch, daß die Kirche die Socken scharf macht. Und ich sagte ja auch "FAST ausschließlich", als ich das Ergebnis meiner diversen Bekanntschaften mit Kirchenkritikern bekanntgab.

Yon said...

"Grüße aus Tübingen 1968"
Naja, das zeigt doch schon, was für ein ganz und gar Heutiger das ist...
Gut, dass solche Seiten meistens sowieso extrem unübersichtlich sind.